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Full text of "Im Spiegel der Tiere: Studien zum Verhältnis von Mensch und Tier im alten Israel."

Riede 



Im Spiegel der Tiere 



ORBIS BIBLICUS ET ORIENTALIS 

Im Auftrag des Departements für Biblische Studien 

der Universität Freiburg Schweiz, 

des Ägyptologischen Seminars der Universität Basel, 

des Instituts für Vorderasiatische Archäologie 

und Altorientalische Sprachen der Universität Bern 

und der Schweizerischen Gesellschaft 

für Orientalische Altertumswissenschaft 

herausgegeben von 

Othmar Keel und Christoph Uehlinger 

in Zusammenarbeit mit Susanne Bickel 



Zum Autor: 

Peter Riede, geb. 1960 in Bad Neustadt/ Saale. Studium der evangeli- 
schen Theologie in Tübingen, Bern und Heidelberg. 1987/88 Vikariat. 
1988-1992 Pfarrdienst in Karlsruhe und Heidelberg. 1992-1995 
Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Altes Testament der 
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1995-1997 Forschungsassistent 
und seit 1997 Seminarassistent an der Evangelisch-theologischen 
Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. 1995-2001 zugleich 
Stellvertretender Leiter des Tübinger Forschungsprojektes «Die Tier- und 
Pflanzenwelt der Bibel». 1998 Promotion. Arbeitsgebiete: Psalmen- 
forschung; Prophetie; Metaphorik; Tier- und Pflanzenwelt der Bibel. 
Weitere Veröffentlichungen: Im Netz des Jägers. Studien zur Feind- 
metaphorik der Individualpsalmen (WMANT 85), Neukirchen-Vluyn 
2000; Die Zukunft der Tiere. Theologische, ethische und naturwissen- 
schaftliche Perspektiven, Stuttgart 1 999 (zus. mit B. Janowski); Das Kleid 
der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart 2002 (zus. 
mit U. Neumann-Gorsolke). Verschiedene Aufsätze zur Tier- und 
Pflanzenwelt der Bibel sowie zahlreiche Artikel im Neuen Bibel-Lexikon 
und im Calwer Bibellexikon. 



Orbis Biblicus et Orientalis 187 



Peter Riede 



m Spiegel 
der Tiere 



Studien zum Verhältnis 
von Mensch und Tier 
im alten Israel 




Universitätsverlag Freiburg Schweiz 
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 



Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek 

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; 
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. 



Veröffentlicht mit Unterstützung 

der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften 

sowie des Hochschulrats Freiburg Schweiz 

Die Druckvorlagen wurden vom Autor 

als reprofertige Dokumente zur Verfügung gestellt. 

© 2002 by Universitätsverlag Freiburg Schweiz 
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 

Herstellung: Paulusdruckerei Freiburg Schweiz 
ISBN 3-7278-1407-1 (Universitätsverlag) 
ISBN 3-525-53044-7 (Vandenhoeck & Ruprecht) 
ISSN 1 01 5-1 850 (Orb. biblicus Orient.) 



Für Bernd Janowski 



Inhalt 



Vorwort IX 



1 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren". Tiere als 

Vorbilder und "Lehrer" des Menschen im Alten Testament 1 

2 Im Spiegel der Tiere. Überlegungen zum Verhältnis von Mensch 

und Tier in der christlich-jüdischen Tradition 29 

3 Der Gerechte kennt die Bedürfhisse seiner Tiere. Der Mensch 

und die Haustiere in der Sicht des Alten Testaments 57 

4 David und der Floh. Tiere und Tiervergleiche in den 
Samuelbüchem 65 

5 Spinnennetz oder Mottengespinst? 

Zur Auslegung von Hi 27,18 107 

6 "Ich bin ein Bruder der Schakale" (Hi 30,29) 
Tiere als Exponenten der gegenmenschlichen Welt 

in der Bildsprache der Hiobdialoge 120 

7 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen" (Hi 8,14). ' 
Tiere in der Bildsprache der Hiobdialoge. Teil II: 

Der Frevler und sein Geschick 133 

8 Der Säugling am Loch der Kobra. Zum Tierfrieden im Alten 
Testament 153 

9 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es 
heißen." Hebräische Tiemamen und was sie uns verraten 165 

1 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 213 

Nachwort 247 



VIII Malt 

Anhang 1: 

Alphabetische Übersicht über die Ableitung und Klassifikation 

der hebräischen Tiemamen 251 

Anhang 2: 

Glossar der hebräischen und aramäischen Tiemamen / 

Tierbezeichnungen 271 

Anhang 3: 

Liste der im hebräischen und griechischen Alten Testament 

enthaltenen Tiemamen 289 

Anhang 4: 

Neutestamentliche Tiemamen 306 



Literaturverzeichnis (mit Abkürzungen) 311 

Abbildungsnachweis 337 

Register 339 

- Tiemamen und Tierbezeichnungen 339 

-Sachregister 349 

-Stellenregister 354 

-Wortregister 359 

Nachweis der Erstveröffentlichungen 363 



Vorwort 



"Im Spiegel der Tiere" - lange Jahre wurde den biblischen Aussagen zum 
Verhältnis von Menschen und Tieren und vor allem den vielen Tierbildem 
und Tiervergleichen kaum Beachtung geschenkt. Man tat sie als bloße Illu- 
strationen ab, z.T. auch als "beziehungslosen hohlen Schwulst" (B. Duhm, 
Das Buch Hiob [KHC XVI], Tübingen 1897, 27 zu Hi 4,101), ohne ihrer 
Eigenbedeutung, ihrer Struktur und ihrer Verankerung in der Lebenswelt 
des alten Israel Aufmerksamkeit zu schenken. 

Dabei sind die Aussagen der Bibel über die Tierwelt und gerade auch die 
Tierbilder und -metaphem nicht nur für die Ausarbeitung einer "biblischen 
Zoologie", sondern auch für die Rekonstruktion der alttestamentlichen 
Anthropologie von nachgerade entscheidender Bedeutung. In einer Zeit, in 
der Spiegel noch kein Allgemeingut waren und die Menschen daher nur 
schemenhafte Vorstellungen von sich hatten, bot besonders die Natur dem 
Menschen unzählige Möglichkeiten, sein eigenes Sein, seine Eigenschaf- 
ten, sein Verhalten und seine Handlungen in Beziehung zu setzen und zu 
reflektieren. 

Die Menschen lebten mit und von den Tieren, z.T. auch in deutlicher Ab- 
grenzung von ihnen. Sie teilten mit ihnen denselben Lebensraum. Aufgrund 
der naturwirtschaftlichen Lebensweise, die für die große Masse der Gesell- 
schaft prägend war, blieb man von der Natur nicht abgegrenzt, sondern war 
ein wesentlicher Teil von ihr, war in sie hineingenommen. Man hatte daher 
weder ein distanziertes noch ein abstraktes Verhältnis zur Umwelt: "Man 
gab ihr Köpfe, Gesichter, Augen, Münder, Hände und Herzen und fand in 
ihr das eigene Bild widergespiegelt" {H. Weippert, Altisraelitische Welter- 
fahrung. Die Erfahrung von Raum und Zeit nach dem Alten Testament, in: 
H.-P. Mathys (Hg.), Ebenbild Gottes - Herrscher über die Welt. Studien zu 
Würde und Auftrag des Menschen [BThSt 33], Neukirchen- Vluyn 1998, 9- 
34, 25). 

Der Mensch entdeckte aber in der Natur nicht nur seine eigenen Züge, son- 
dern er versuchte auch, wenn immer möglich, "sich Merkmale anzueignen, 
die er in seiner Umgebung vorfand" {Weippert, a.a.O. 23). Nicht nur die 
zahlreichen Tierbezeichnungen, die zugleich Personennamen sind, sind ein- 
drückliche Hinweise dafür, sondern auch die vielen Tierbilder und -ver- 
gleiche, die auf den Menschen bezogen sind. "In alledem drückt sich der 
Wunsch aus, Eigenschaften auszutauschen, sie von einem Wesen ... auf ein 
anderes zu übertragen, Grenzen aufzuheben. Getrenntes zusammenzufügen, 
Fremdes im Eigenen und Eigenes im Fremden wiederzufinden" {Weippert, 



X Vorwort 

a.a.O. 23f). Oder, um es mit einem Satz von W. Pangritz zu sagen: Die 
Menschen "sahen im Tier den Menschen gespiegelt und im Menschen das 
Tier" (Das Tier in der Bibel, München 1963, 95). Voraussetzung dessen 
aber war das staunende Betrachten und Beobachten der Tiere und ihrer Be- 
sonderheiten, das vor allem weisheitliche Tierbeschreibungen geprägt hat. 
Darüber hinaus lassen uns viele der alttestamentlichen Texte, die auf Tiere 
zu sprechen kommen, auch die den einzelnen Tierarten zukommenden 
Wertungen erkennen, die sich z.T. wesentlich von unseren heutigen Vor- 
stellungen unterscheiden. 

Der vorliegende Band enthält zehn unabhängig voneinander, und aus unter- 
schiedlichen Anlässen entstandene Arbeiten zur biblischen Tierwelt aus 
den letzten zehn Jahren, die sich vor allem den Bereichen der Tiermetapho- 
rik und der Tiemamen zuwenden. 

Während die drei ersten Aufsätze grundsätzliche Fragen der Mensch-Tier- 
Beziehung im alten Israel behandeln und hierbei vor allem weisheitliche 
Überlieferungen in den Blick nehmen, führen die Beiträge 4-8 spezifische 
Teilaspekte des Themas vor Augen und beziehen sich dabei exemplarisch 
auf folgende drei Textkomplexe: die Samuelbücher, die Hiobdialoge und 
die Überlieferungen vom Tierfrieden. Der neunte Beitrag beschäftigt sich 
mit der Deutung und Bedeutung der hebräischen Tiemamen, wogegen der 
zehnte und letzte die verschiedenen Ergebnisse knapp bündelt und darüber 
hinaus einen grundsätzlichen Überblick über die Tierwelt des Alten und 
Neuen Testaments bietet. 

Zum größten Teil sind die Aufsätze Frucht des von 1995-2001 bestehenden 
Tübinger Forschungsprojektes "Die Tier- und Pflanzenwelt der Bibel", als 
dessen stellvertretender Leiter ich während der ganzen Projektzeit fungier- 
te. 

Die meisten der Beiträge wurden für den Wiederabdruck überarbeitet und 
aktualisiert, z.T. auch stark erweitert sowie in der Zitierweise vereinheit- 
licht. Daß sie sich thematisch hin und wieder berühren oder z.T. bereits in 
anderem Zusammenhang Gesagtes wieder aufnehmen, liegt in der Natur 
der Sache. Auf eine Tilgung von Überschneidungen wurde bewußt verzich- 
tet, da sonst zu sehr in die einzelnen Texte hätte eingegriffen werden müs- 
sen. 

Vier Anhänge bereichem den Band zusätzlich: Während der erste Anhang 
sich der Klassifikation und Ableitung der hebräischen Tiemamen zuwen- 
det, dokumentiert der zweite verschiedene Übersetzungsversuche ins Deut- 
sche. Der dritte Anhang nennt zu allen hebräischen Tiemamen die Äquiva- 
lente der Septuaginta und fuhrt darüber hinaus auch die nur im griechischen 
Alten Testament belegten Tiemamen auf, während der vierte die Tiema- 
men des Neuen Testaments verzeichnet. 



Vorwort Xi 

Zur besseren Orientierung wurde die benutzte Literatur, die in den Beiträ- 
gen bei der Erstnennung jeweils mit Volltitel, danach mit Kurztitel genannt 
wird, in einem Gesamtverzeichnis zusammengefaßt. Ausführliche Register 
zu Tiemamen und -bezeichnungen, Sachbegriffen, Bibelstellen sowie he- 
bräischen und griechischen Worten erschließen den Band zusätzlich. 
Danken möchte ich der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die das For- 
schungsprojekt finanziell gefördert hat, sowie den zu unterschiedlichen 
Zeiten am Projekt beteiligten Mitarbeiterinnen Nadja Elbe, Ursula Wendt, 
Christina Fleck, Alexandra Grund und Anja Wessel für die gute Zusam- 
menarbeit sowie Marion Matzner für die Mithilfe bei den Korrekturarbei- 
ten. Danken möchte ich auch Frau Ute Neumann-Gorsolke, Uetersen, die 
einige der Beiträge gelesen und nützliche Verbesserungsvorschläge ge- 
macht hat. 

Besonders freue ich mich, daß sich Herr Prof. Dr. Othmar Keel, dessen Ar- 
beiten zur biblischen Tierwelt mich früh begeisterten, und Herr Prof Dr. 
Christoph Uehlinger bereit erklärten, die Tierstudien in die Reihe "Orbis 
Biblicus et Orientalis" aufzunehmen. 

Vor allem aber danke ich Herrn Prof Dr. Bernd Janowski, an dessen Lehr- 
stuhl das Tier- und Pflanzenprojekt angebunden war, für die großzügig ge- 
währte Freiheit zu eigener Forschung am Thema. Als Zeichen der Verbun- 
denheit ist ihm dieser Band daher auch gewidmet. 



Tübingen / Karlsruhe, im Oktober 2002 Peter Riede 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 

Tiere als Vorbilder und "Lehrer" des Menschen im Alten Testament* 



"Laßt uns Gott loben mit dem Mund, mit Versen, Harfen und Lauten. Siehe, weil 
wir so mildiglich gespeist wurden, kommen wir wieder und haben keinen Mangel. 
Die Vögel singen und fliegen auf und ab. Sehen wir denn das umsonst? Und daß die 
wilden Tiere mit ihrer Stimme Gott, den Schöpfer bekennen, daß nichts stumm (ist), 
nichts schweigt, sondern daß es alles klingt und erschallt und seine Stimme anzeigt, 
wie die Fische im Wasser zappeln, wie sie sich in die Luft schwingen und wieder in 
das Wasser springen und Gott loben, wie sie können. Aber wir, das ureigenste Werk 
Gottes, des Vaters, so fein geschaffen, welchen die Stimme inwendig von dem Ge- 
müt herkommt und nicht vergeblich aus dem Mund wächst, was tun wir denn?" 

Ph. Melanchthon, Handbüchlein für die Erziehung der Kinder (1 524)' 



I. 

Seit einigen Jahren tritt das Thema Tier mehr und mehr in den Mittelpunkt 
des Interesses. Angestoßen durch die hemmungslose Vermarktung von Tie- 
ren, die sich nur noch am zu erzielenden Profit und nicht mehr an den Be- 
dürfnissen der Tiere orientierte, begann auch innerhalb von Theologie und 
Kirche ein Umdenkprozeß, der dazu führte, daß man die reiche biblische 
Tradition zum Verhältnis von Mensch und Tier wiederentdeckte^. Aller- 
dings ist diese Tradition, die uns helfen könnte, unser Verhältnis zu den 
Tieren um uns herum neu zu bestimmen, weitgehend unbekannt. Dabei gibt 
es, wie jüngst einer der führenden deutschsprachigen Alttestamentier fest- 
gestellt hat, kaum eine Seite der hebräischen Bibel, auf der nicht wenig- 



Eine erste Fassung dieses Aufsatzes erschien in Beiträge Pädagogischer Arbeit 40 
(1997) Heft 2, 19-38. 

Vgl. dazu F. Cohr (Hg.), Philipp Melanchthons Schriften zur praktischen Theologie. 
Teil I: Katechetische Schriften (Supplementa Melanchthoniana V), Leipzig 1915, 20- 
56, 53f Im Rahmen des Handbüchleins finden sich noch weitere Belege dafür, daß die 
Tiere Gott, ihren Schöpfer und Erhalter, loben, vgl. ebd. 51f 

Vgl. zum Thema Tier und Religion aus jüngerer Zeit die Arbeiten von W.-R. Schmidt, 
Leben ohne Seele? Tier - Religion - Ethik (GTB 583), Gütersloh 1991, 9ff; ders., Ge- 
liebte und andere Tiere im Judentum, Christentum und Islam (GTB 981), Gütersloh 
1996 und O. Reinke, Tiere. Begleiter des Menschen in Tradition und Gegenwart, Neu- 
kirchen- Vluyn 1995. 



2 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 

stens einmal Bezug genommen wird auf ein Tier^. Zwar ist das Verhältnis 
zur Tierwelt in den biblischen Texten ambivalent. So waren in einer Ak- 
kerbau und Viehzucht treibenden Gesellschaft die Tiere, vor allem die wil- 
den Tiere, auch Konkurrenten des Menschen. Raubtiere brachen in die 
Herden ein und rissen Schafe und Ziegen; Wildesel und Wildstiere konnten 
auf der Suche nach Nahrung die Felder verwüsten. Viele Tiere repräsen- 
tierten geradezu eine gegenmenschliche Welt, weil sie in Bereichen lebten, 
in denen menschliches Leben nicht möglich war, z.B. Rabe, Eule oder 
Strauß'*. Sie waren dem Menschen unheimlich, nicht nur wegen ihrer Rufe, 
sondern vor allem wegen ihres Aufenthalts in Wüsten und Ruinen - Stät- 
ten, die sie mit dämonischen Wesen teilten^. 

Ganz anders dagegen war das Verhältnis zu den Haustieren^, vor allem zu 
Schafen und Ziegen, zu Rind und Esel. Zu diesen Tieren hatten die Men- 
schen ein besonders intensives Verhältnis, was sich auch an der großen 
Zahl von Haustierbezeichnungen zeigt, die die Tiere nach Geschlecht und 
Altersstufen unterscheiden. Von diesen Haustieren war der Mensch abhän- 
gig, und diese Tiere versorgte er deshalb in besonderem Maße. Rind und 
Esel bildeten mit dem Menschen ein Arbeitsteam, ähnlich wie bei uns in 
Europa vielleicht bis in Vorkriegszeiten, als Maschinen weithin fehlten, das 
Pferd. Ohne sie waren der Transport von Lasten, das Pflügen und Dreschen 
nicht möglich. Anders als heute, wo das Mensch-Tier- Verhältnis nach zwei 
Seiten hin oft übertrieben wird und die Tiere einerseits auf brutale Weise 
ausgebeutet^ und andererseits auf unangemessene Weise verhätschelt wer- 
den, war das Verhältnis zum Tier in biblischer Zeit nüchterner. Man 
brauchte die Produkte der Viehzucht, war aber zugleich auf das Wohlerge- 



Vgl. dazu O. Keel, Allgegenwärtige Tiere. Einige Weisen ihrer Wahrnehmung in der 
hebräischen Bibel, in: B. Janowski I U. Neumann-Gorsolke / U. Gleßmer (Hg.), Ge- 
fährten und Feinde des Menschen. Das Tier in der Lebenswelt des alten Israel, Neukir- 
chen- Vluyn 1993, 155-193, 155. 

Vgl. dazu O. Keel, Jahwes Entgegnung an Ijob. Eine Deutung von Ijob 38-41 vor dem 
Hintergrund der zeitgenössischen Bildkunst (FRLANT 121), Göttingen 1978, 63-68; P. 
Riede, Art. Strauß, NBL III (2001) 713. 

Vgl. Jes 34,10-15 und B. Janowski / U. Neumann-Gorsolke, Das Tier als Exponent dä- 
monischer Mächte, in: dies. u.a. (Hg.), Gefährten, 278-282. 

Vgl. hierzu P. Riede, Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere. Der Mensch und 
die Haustiere in der Sicht des Alten Testaments, entschluss 52/3 (1997) 22.27-29 = 
unten S. 57-64; ders., Art. Vieh, NBL III (2001) 1034-1036. 

Jüngste Beispiele sind die Schlachttiertransporte nach Beirut und der Verkauf neugebo- 
rener Kälber nach Frankreich, wo sie getötet und zu Tierfutter verarbeitet werden, um 
die sogenannte Herodesprämie der EU zu kassieren, die dazu dienen soll, das Überan- 
gebot von Rindfleisch in der EU abzubauen (vgl. hierzu die entsprechenden Artikel in 
der Zeitschrift "du und das tier" 26 [1996] Heft 6, 10-16.19 sowie das Sonderheft der 
Zeitschrift Spiegel special 1/1997 "Menschen, Tiere, Emotionen"). 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 3 

hen der Tiere angewiesen. Eine große Herde kam nicht durch künsthche 
Besamung oder einen günstigen Bankkredit zusammen, eine große Herde 
war vielmehr Ausdruck göttUchen Segens^. 

Auch wenn viele Tiere den Menschen bedrohten und von ihm daher be- 
kämpft wurden, so hinderte das nicht daran, auch diese Tiere zu bewun- 
dem. Unzählige Vergleiche und Metaphern zeigen die enge Verbundenheit 
von Mensch und Tier, die auf Beobachtung gründete. Viele Eigenschaften 
nahm sich der Mensch zum Vorbild: Die Schnellfußigkeit und Anmut der 
Gazelle (Hld 2,9), den löwenhaften Mut (2 Sam 17,10), die Kraft der Wild- 
stiere (Dtn 33,17), die unbezähmbare Freiheitsliebe des Wildesels (Hi 
39,5-8), den eleganten Flug des Geiers am Himmel (Jer 4,13). Man nahm 
die Tiere wahr und bewunderte sie. Ja, solche Bilder zeigen, wie sehr "der 
Mensch ... sein Menschsein noch im ständigen Hinblick auf die von ihm 
beobachteten Tiere" verstand^. Einen letzten Nachhall findet diese Bewun- 
derung vielleicht heute in der Fernsehwerbung, wo Tiere wegen bestimmter 
Eigenschaften gezeigt werden. 

Die Wahrnehmung der Tiere durch den alttestamentlichen Menschen floß 
auch in viele Tiemamen ein'^. Denn diese halten oft ein besonders treffen- 
des Charakteristikum des Tieres fest: Das Aussehen, das Verhalten, Tier- 
laute, Fähigkeiten usw. Hierzu nur einige Beispiele: So spielt der Name der 
Hyäne 1?13^ auf ihre Färbung an: Ihr Fell besteht aus einem gelblichen 
Weißgrau mit schwarzen Querstreifen. Sie heißt deshalb übersetzt "die far- 
big Gestreifte". Der Name des Damhirsches "IIDH;) dürfte mit seiner rötli- 
chen Färbung zusammenhängen: Der Rote. Die Fledermaus heißt dagegen 
übersetzt "Manteltier" ^', vermutlich deshalb, weil ihr Leib, weim sie in der 
Ruhezeit am Gebälk etc. hängt, von den Flughäuten bedeckt ist. Der Zie- 
genbock heißt wegen seines zottigen Fells "Haariger"'^. Der Widder ist ein 
starkes Tier, was auch in seinen Namen ^^K eingeflossen sein dürfte. Eine 
Bezeichnung für den Stier lautet ebenfalls "der Starke"'-'. Der Maulwurf 
wird wegen seines Verhaltens "der Grabende"''* genannt. 



10 

11 
12 

13 



Vgl. z.B. Gen 33,11. 

C. Westermann, Weisheit im Sprichwort, in: ders., Forschung am Alten Testament (GSt 
Bd. II), München 1974, 149-161, 161 Anm. 9. 

Vgl. zum folgenden P. Riede, "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte 
es heißen". Hebräische Tiemamen und was sie uns verraten, UF 25 (1993) 331-378 = 
unten S. 165-212. 

Hebr. f]'?aj;. 

Hebr. T'I?^. 

Hebr. T'3K (vgl. Ps 22,13). 



^^ Hebr. n'ph. 



4 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

Viele Namen sind onomatopoetisch, d.h. sie ahmen Tierlaute nach: So be- 
ziehen sich viele Schlangennamen' ^ auf das Zischen dieser Kriechtiere. 
Das Gurren der Taube wurde als Klage gedeutet. Ihr Name "Jona" könnte 
daher mit einem Verb, das "trauernd klagen" bedeutet, zusammenhängen. 
Das Steinhuhn dagegen heißt wegen seines auffälligen Rufes "Tschuck 
tschuck tschu tschuck tschukor" "Rufer" '^. 

In besonderer Weise wird die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier 
aber auch an einer anderen Beobachtung deutlich. Mehr als 40 Tiemamen 
sind gleichzeitig als Personennamen belegt'^. Bezieht man die hebräischen 
Namenssiegel und deren Abdrücke in die Zählung mit ein, so erhöht sich 
die Anzahl der Belege auf 74' ^. Manche Namen sind auch heute noch ge- 
bräucWich, z.B. Debora "Biene", Jona "Taube", Rahel "Mutterschaf. An- 
dere Namen würden bei uns eher Verwunderung erregen. Wer würde schon 
ein Kind "Schlange", "Hund", "Esel" oder "Rabe" nennen? Selbst Tierarten, 
die bei uns als beliebte Schimpfworte dienen, Hund oder Esel z.B., kom- 
men als normale Personennamen vor. Überhaupt, und das ist ebenfalls er- 
staunlich, finden Tiemamen in den biblischen Schriften nicht als Schimpf- 
worte Verwendung'^, auch wenn es sich um unreine oder verachtete Tiere 
handelt. 

Die Tiemamen sollten ihren Trägem einerseits etwas von der Eigenschaft 
des Tieres zueignen, sie kormten aber auch an bestimmte Charakteristika 
erinnem, die Mensch und Tier gemeinsam waren. Zu den vom Menschen 
begehrten Eigenschaften der Tiere aber gehörten Klugheit, Flinkheit, Kraft, 
Geschicklichkeit und soziale Integration. Daneben drückten Tiemamen 
manchmal auch liebevollen Spott aus, z.B. beim scherzenden Vergleich ei- 
nes Neugeborenen mit kleinen Tieren wie Floh oder Maus. Möglicherweise 



15 

16 

17 

18 



19 



Z.B. Jjg^ (Jes 14,29). 
Hebr. N1J5. 

Vgl. dazu M. Noth, Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemiti- 
schen Namengebung (BWANT 46), Stuttgart 1928, 229f; G.B. Gray, Studies in Hebrew 
Proper Names, London 1896, 86-115. 

Vgl. dazu /. Glatz, Tiemamen als Personennamen, in: O. Keel I Th. Staubli (Hg.), "Im 
Schatten Deiner Flügel". Tiere in der Bibel und im Alten Orient, Freiburg (Schweiz) 
2001, 27-31, 28, die ebd. 29, eine nach Gruppen geordnete Liste der hebräischen Tier- 
personennamen bietet; P. Riede, Art. Tiemamen, NBL III (2001) 873f. Interessant ist, 
daß nach Ausweis der Belege Mädchen etwa viermal häufiger als Jungen einen Tier- 
namen erhielten. "Während für Knaben eher Tiere gewählt wurden, deren Kraft, 
Schnelligkeit und Geschicklichkeit bewundert wurde, standen für Mädchen Namen, die 
mit Fruchtbarkeit, Eleganz und Segen verbunden wurden, im Vordergrund" {Glatz, ebd. 
28). 

Vgl. dazu P. Riede, David und der Floh. Tiere und Tiervergleiche in den Samuelbü- 
chem, BN 77 (1995) 86-1 17, 11 lf= unten S. 65-106, 102. 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 5 

beziehen sich solche Namen aber auch auf die Fähigkeit dieser Tiere, sich 
in gefährhchen Lagen durch Verschwinden zu retten^^. 
Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang z.B. auf ein judäisches Siegel 
aus der Zeit um etwa 700 v.Chr. (Abb. 1). Die althebräische Inschrift dar- 
auf lautet: "Für Asarjahu, (den Sohn) des Gebä'^K Gebäysw: wohl der Na- 
me des Vaters oder Familiengründers. Gebä ist aber auch die hebräische 
Bezeichnung für den Heuschreckenschwarm. Es erstaunt daher nicht, daß 
sich auf diesem Siegel die Darstellung einer Heuschrecke findet. 




Abb. 1: Judäisches Namenssiegel aus dem 8. Jh. v. Chr. mit Darstellung einer Heuschrecke 

Ein anderes Siegel mit der Darstellung eines Vogel gehörte dem "Oreb, 
(dem Sohn des) Nobai" (vgl. Abb. 2). 3"li? aber ist der hebräische Name 
für den Raben. 




Abb. 2: Judäisches Stempelsiegel aus dem 8./ 7. Jh. v.Chr. mit Darstellung eines Vogels 



Nun kann im Rahmen der folgenden Ausführungen das breite Material der 
biblischen Schriften zu den Tieren nicht voll entfaltet werden. Die dabei zu 
beachtenden Gesichtspunkte wären zu unterschiedlich und würden ein nur 
sehr oberflächliches Bild ermöglichen. Es lohnt sich aber, einmal den Blick 



20 
21 



Vgl. Glatz, Tiemamen, 27.30. 

Vgl. dazu O. Keel/M. Küchler / Chr. Uehlinger (Hg.), Orte und Landschaften der Bi- 
bel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1: Geographisch- 
geschichtliche Landeskunde, Göttingen 1984, 168f mit Abb. 93. 



6 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

auf solche Texte zu richten, die im Rahmen von Verkündigung und Unter- 
weisung kaum Gehör fanden, die aber dennoch etwas davon ahnen lassen, 
wie das Verhältnis von Mensch und Tier, das die biblischen Schriften vor- 
aussetzen, einmal aussah. In diesen Texten hat sich das Staunen über die 
Wunder der Schöpfung in einem Maße niedergeschlagen, daß die Tiere als 
Vorbild, ja gar als "Lehrer" des Menschen hingestellt werden. 



II. 

Vor allem in den weisheitlichen Schriften der Bibel finden sich immer wie- 
der Beobachtungen aus der Natur und der Tierwelt^^, aus denen die Men- 
schen Rückschlüsse für ihr eigenes Verhalten ziehen sollen^^. Eines der 
schönsten und sicher auch bekanntesten Beispiele dafür ist im Sprüchebuch 
belegt^^: 

Geh zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege und werde weise. 

Die kein Oberhaupt hat, noch Amtmann oder Herrscher, 

sie bereitet im Sommer ihr Brot und sammelt ihre Speise in der Ernte. (Spr 6,6-8) 

In diesen wenigen Versen wird ein dreistufiger Erkenntnisprozeß beschrie- 
ben, der auf Beobachtung beruht: "Geh hin - sieh - werde weise." Man 
könnte hier geradezu von einem "Lemgang" sprechen. Es geht also nicht 
um einen theoretischen Erkenntnisfortschritt, sondern um einen durch 
praktische Anschauung vermittelten, der die Nähe zum Tier voraussetzt. 
Weise zu werden ist ein Ideal, das vor allem die weisheitlichen Schriften 
der Bibel immer wieder vor Augen stellen. So ist nach Spr 13,20 der Um- 
gang des Menschen mit Weisen wichtig, um selbst Weisheit zu erlangen 



22 



23 
24 



Schon die Beschreibung der sprichwörtlichen Weisheit Salomos nimmt auf Naturphä- 
nomene Bezug: In 1 Kön 5,13 heißt es von Salomo: "Er dichtete von den Bäumen, von 
der Zeder auf dem Libanon bis zum Ysop, der an der Mauer wächst. Auch dichtete er 
von den Tieren des Landes, von Vögeln, vom Gewürm und von Fischen". Während Alt, 
Weisheit, und in seinem Gefolge eine Vielzahl von Exegeten (vgl. z.B. M Noth, Köni- 
ge. 1. Teilband: I Könige 1-16 [BK IX/1], Neukirchen-Vluyn^l983, SOf) die Natur- 
weisheit in Zusammenhang mit der altorientalischen Listenwissenschaft bringen wollte, 
weist /. Kottsieper, Die alttestamentliche Weisheit im Licht aramäischer Weisheitstra- 
ditionen, in: B. Janowski (Hg.), Weisheit außerhalb der kanonischen Weisheitsschriften 
(VWGTh 10), Gütersloh 1996, 128-162, unter Bezugnahme auf die Ahiqar-Sprüche 
darauf hin, daß im südsyrischen Raum der vorexilischen Zeit Naturbeschreibungen ge- 
sammelt und tradiert wurden (ebd. 141ff). 

Vgl. dazu T. Forti, Animal Images in the Didactic Rhetoric of the Book of Proverbs, 
Bib. 77 (1996) 48-63, 48 und passim. 

Zum Text von Spr 6,6-8 vgl. ebd. 51 ff 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 7 

und um vor dem Zugriff des Toren bewahrt zu werden^^: "Wer mit Weisen 
umgeht, wird weise; wer aber der Toren Geselle ist, der wird Unglück ha- 
ben." Oder: "Gib dem Weisen, so wird er noch weiser, lehre den Gerechten, 
so wird er an Lehre zunehmen" (Spr 9,9). 

Auch das Stichwort "Weg" C^ll) in Spr 6,6 ist doppeldeutig: Zum einen 
können die von den Ameisen bei der Bewältigung ihrer Arbeit zurückge- 
legten Wege gemeint sein. "Weg" ist aber auch ein weisheitliches Motiv- 
wort, das das rechte Verhalten des Menschen anzeigt. Das Wesen des Men- 
schen wird gerade darin deutlich, daß er zielstrebig einen auf ein glückli- 
ches Leben ausgerichteten Weg verfolgt. Ein solches Leben ist aber nur in- 
nerhalb einer Gemeinschaft möglich, zu der sich der Mensch positiv ver- 
hält. Mit dem Stichwort "Weg" kann die weisheitliche Literatur daher das 
gesamte Tun und Wirken eines Menschen umschreiben (vgl. Spr 21,8; 
8,22), der stets als "tätiges Subjekt" gedacht wird^^. Wo aber einer seinem 
Weg gleichgültig gegenübersteht, geht er zugrunde (Spr 19,15f; 15,19)^^. 
Was aber kann man bei der Beobachtung der Ameise erfahren? Zweierlei: 
Man sieht die Ameise, wie sie im Sommer, in der Erntezeit, Vorräte für den 
Winter anlegt^^. Gemeint ist vermutlich die Getreideameise (Messor se- 
mirufus), die große Mengen Kömer von der Tenne schleppt, um sie in ihren 
ausgedehnten unterirdischen Nestern zu verbergen^^. Und das, obwohl sie, 
anders als die Menschen, keinen Herrscher, keinen Aufseher oder Vorge- 
setzten-'^ hat, der sie dazu antreibt. Auf dieses Verhalten der Ameise spielt 
auch eine arabische Fabel an: Die Feldgrille, die durch ihr eindringliches 
Zirpen auffällt, wird hungrig, kommt zur Ameise und sagt zu ihr: "Liebe 
Base, gib mir zu essen!" Sie antwortet: "Was tatest du zur Zeit der Ernten 
(als es galt, Vorräte zu sammeln)?" - "Ich sang den Jungfrauen Lieder"^'. 



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28 
29 
30 



31 



Vgl. H.-P. Müller I M. Krause, Art. D?!!, ThWAT II (1977) 920-944, 931. 

K. Koch, Art. ^1.1, ThWAT II (1977) 288-312, 305. 

Vgl. ebd. 

Das hebr. "IJN "(Ernte) einbringen" ist nur noch Dtn 28,39; Spr 10,5 belegt. 

Vgl. P. Maiberger, Art. Ameise, NBL I (1991) 86. 

Hebr. y^^ meint eine Person, die etwas zu entscheiden hat im zivilen oder militäri- 
schen Bereich, also einen Machthaber, Vorgesetzten oder ein Oberhaupt (vgl. HAL, 
1047f, 1048), ~\W dagegen einen Amtmann oder Amtsträger (HAL, 1337f), der zur 
Arbeit treibt (vgl. Ex 5,6.10.14), und 7C7Q einen Herrscher. Vermutlich war das stark 
organisierte, auf Arbeitsteilung zwischen flügellosen Arbeiterinnen, Ameisenkönigin 
und geflügelten männlichen Ameisen ausgerichtete Leben (vgl. dazu H. Markl, Amei- 
sen und Bienen, in: B. Grzimek [Hg.], Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierrei- 
ches Bd. 2: Insekten, München 1993, 495-528, 495f) dem Dichter unbekannt. 

Vgl. dazu G. Dalman, AuS I, Gütersloh 1928, 399; zur Emteameise vgl. femer ders., 
AuS II, Gütersloh 1932, 343f 



8 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 

Wenn auf die Erntezeit verwiesen wird, dann ist vor allem an die Getreide- 
ernte gedacht. Sie setzt etwa Mitte April mit der Gerstenemte ein, die je 
nach Region bis Ende Mai dauern kann; 10-14 Tage nach der Gerstenemte, 
wenn kein Regen mehr zu erwarten ist, findet die Weizenemte statt^^. Das 
Stichwort "Sommer" weist genau auf diese Zeit der fehlenden Niederschlä- 
ge hin. 

Das rege Verhalten des Tieres steht in Kontrast zu dem des Angesproche- 
nen, der als faul charakterisiert wird^^ und, so kann man folgern, dem der 
Untergang droht, wenn er sich nicht entschließt, dem Verhalten des Tieres 
nachzueifern und in der Erntezeit für sein Überleben vorzusorgen. Daß ein 
solches Lernen intendiert ist, zeigen im Rahmen von Spr 6 die folgenden 
Verse, die ein kleines Zwiegespräch zwischen einem, der vorwurfsvoll 
fragt, und dem Faulen, der auf diese Frage antwortet, enthalten: 

"Wie lange liegst du, Fauler, wann stehst du auf von deinem Schlaf?" 

"Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, ein wenig Ineinanderlegen der Hände, um 

zu schlafen." 

Und es kommt wie ein Marschierer deine Armut 

und dein Mangel wie ein Mann des Schildes. (Spr 6,9-1 1) 

Während die vorwurfsvolle Frage in V. 9 darauf abzielt, den bestehenden 
Zustand des Nichtstuns zu unterbrechen, enthält die Antwort des Faulen in 
V. 10 eine Verharmlosung dieses Zustandes durch das dreimalige "ein we- 
nig". Hier wird das grundsätzliche Wesen des Faulen sichtbar. Der Hang 
zum Schlafen galt den Weisen als Merkmal der Faulheit, besonders in Zei- 
ten, in denen Arbeit, vor allem Arbeit auf den Feldern, anstand (vgl. Spr 
20,13; 26,14). Diese Arbeit wurde zumeist gemeinschaftlich verrichtet, wo- 
bei "das Solidarprinzip eine tragende Bedeutung hatte: Größte Anstrengung 
in der Landwirtschaft wird zu einer Existenzfi^age für den [Familien-]Ver- 
band"34. 

V. 1 1 aber zieht eine ernüchternde Konsequenz: Der Faule fallt in selbst- 
verschuldete Armut. Wenn nicht, was eigentlich zu erwarten wäre, vom 
Hunger gesprochen wird, dann zeigt das, daß das Reden vom Faulsein in 
der Erntezeit nur ein Beispiel ist für eine verfehlte Lebenshaltung, deren 
Folgen aber überraschend auftreten. Bei der Schilderung der Folgen 
herrscht nicht mehr das Bild der Ameise vor, sondern ein Bild aus dem 



32 

33 
34 



Vgl. dazu P. Maiberger, Art. Ernte, NBL 1 (1991) 578-580, 578. 

Zur Sicht des Faulen in der weisheitlichen Literatur vgl. auch H. Delkurt, Ethische Ein- 
sichten in der alttestamentlichen Spruchweisheit (BThSt 21), Neukirchen- Vluyn 1992, 
69-83. 

Ebd. 75. 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 9 

Krieg. Wie ein Soldat tritt die Armut auf, der den Schlafenden, und den 
somit Ahnungs- und Wehrlosen überrascht, wie ein Mann mit einem Schild 
der Mangel. Zwar hat dieser Soldat weder ein Schwert noch sonst eine An- 
griffswaffe bei sich. Aber, wie A. Meinhold treffend formuliert, der '"Mann 
des Schildes' führt nichts Gutes im Schilde"-'^. 

Der Faule ist demnach ein Mensch, "der durch seine Faulheit sowohl einer- 
seits sein Wohlergehen, ja seine Existenz und sein Leben gefährdet"^^, der 
aber andererseits auch gesellschaftszerstörend wirkt. Dadurch, daß er sich 
treiben läßt und auch ethisch nicht das richtige Verhalten an den Tag legt, 
verhindert er ein gemeinschaftsfördemdes Zusammenleben^^. Er will das 
Leben genießen, gleichzeitig aber scheut er vor zu viel Einsatz zurück und 
stellt so die bestehende Lebensordnung in Frage. Deshalb paßt auch das 
dem Faulen vor Augen gestellte Beispiel der Ameise so gut, weil hier das 
Funktionieren eines Staatengebildes im Tierreich treffend vor Augen ge- 
fuhrt wird. 

Noch einmal nehmen die Sprüche an anderer Stelle auf die Ameise Bezug. 
Es handelt sich hierbei um einen Zahlenspruch-'^, wie er häufig in weis- 
heitlichen Texten vorkommt. Sinn solcher Zahlensprüche ist es, "mehrere 
unterschiedliche Dinge in eine übergreifende Ordnung"^^ zu bringen. 
Der Zahlenspruch in Spr 30,24-28 stellt vier vergleichbare Tierarten mit 
erstaunlichen Fähigkeiten zusammen: 

Vier - sie sind die Kleinen auf Erden, aber sie sind doch die Weisen unter den Wei- 
sen^O; 

Die Ameisen - ein Volk, nicht mächtig, aber sie bereiten im Sommer ihre Nahrung. 
Die Klippschliefer - ein Volk, nicht kräftig, aber sie setzen in Felsen ihr Haus. 
Ein König - er fehlt der Heuschrecke, aber sie zieht insgesamt geordnet aus. 
Der Gecko - mit den Händen kannst du ihn fangen, und dennoch ist er in den Palä- 
sten des Königs. (Spr 30,24-28) 



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38 



^^ A. Meinhold, Die Sprüche (ZBK.AT 16/1.2), Zürich 1991, 1 13. So auch schon F. De- 
litzsch, Das Salomonische Spruchbuch (BC IV/3), Leipzig 1873, 109. 

^^ F. Reiterer, Art. b^y, ThWAT VI (1989) 305-310, 306. 

Vgl. auch Spr 10,5: "Wer im Sommer Vorrat anlegt, ist ein verständiger Sohn. Wer in 
der Ernte schläft, ein schändlicher Sohn". 

Vgl. dazu 0. Plöger, Sprüche Salomos (Proverbia. BK XVII), Neukirchen-Vluyn 1984, 
356-358; C. Westermann, Wurzeln der Weisheit. Die ältesten Sprüche Israels und an- 
derer Völker, Göttingen 1990, 89f; G. Sauer, Die Sprüche Agurs. Untersuchungen zur 
Herkunft, Verbreitung und Bedeutung einer biblischen Stilform unter besonderer Be- 
rücksichtigung von Proverbia c. 30 (BWANT 84), Stuttgart 1963, 64ff 87ff 

^^ Meinhold, ZBK.AT 1 6/2, 506. 

Wörtlich "gewitzte Weise" (vgl. Delitzsch, BC IV/3, 5081); möglicherweise ist mit 
LXX aber in D ''03110 zu ändern. 

Zur Übersetzung siehe Plöger, BK XVI, 353. 



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41 



1 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

Zunächst wundert man sich vielleicht, welche Tiere dort zu den kleinen ge- 
rechnet werden. Daß Ameise und Heuschrecke genannt werden, überrascht 
sicherlich nicht, erreichen sie doch nur geringe Größen. Anders ist es beim 
Klippschliefer, der immerhin eine Körpergröße von 50 cm erreicht, und 
beim Gecko mit einer Körperlänge von bis zu 20 cm"*^. Doch geht es bei 
der Aufzählung der Tiere nicht allein um die Darstellung und den Vergleich 
von Größenverhältnissen, sondern auch um ihre Schwäche. Der Kleinheit 
ihrer Macht und Kraft aber steht die Größe ihrer Klugheit gegenüber. 
Noch erstaunlicher ist nun, daß selbst die Weisheit eines Weisen von diesen 
Tieren übertroffen wird und seine Weisheit durch sie folglich vermehrt 
werden kann, wobei die Weisheit der Tiere natürlich anders qualifiziert ist. 
Bei ihr handelt es sich um intuitive Weisheit, sie wird nicht durch reflek- 
tierte Einsicht gewonnen'*^. Dennoch führt sie zu einer "vernünftigen" Le- 
benspraxis, die das Überleben der Tiere garantiert. Gerade deshalb kann 
das Verhalten des Tieres als Parabel, als Lehrstück für den Menschen die- 
nen, aus dem er Konsequenzen für sein eigenes Leben zieht. Es geht in die- 
sem Zahlenspruch demnach nicht ausschließlich um Naturerkermtnis. 
Interessant ist femer, und das macht das Besondere dieses Abschnitts aus, 
daß die Bezeichnung "Weiser" im gesamten Alten Testament nur hier auf 
Tiere angewendet wird'*'*. Schon das ist ein Hinweis auf den Respekt, den 
man diesen kleinen Lebewesen gegenüber empfand. 
An den Beginn der näheren Betrachtung von Spr 30,24-28 möchte ich eini- 
ge formale Beobachtungen stellen, die sich auf Aufbau und Gliederung des 
Textes beziehen. Folgende Gliederung des Textes könnte sich anbieten: 

V. 24: Einleitung 

I. Die schwachen Tiervölker 

V. 25: 1. Ameisen (DV): Maclitlosigkeit (IVK'?) // Nahrungsbeschaffung + Zeitbestimmung (3): Sommer 

[Ziel: Nahrungsbeschaffung] 
V. 26: 2. Klippschliefer (DV): Kraftlosigkeit (mSVKb) // Hausbau + Ortsbestimmung (3): Felsen 

[Sicherheit des Wohnorts] 
II. Tiere ohne König bzw. in der Nähe des Königs 
V. 27: 3. Heuschrecke: Kein König C]'« "^hli) II Gefährlichkeit (Geordneter Auszug) 

[(implizites) Ziel: Nahrungsbeschaffung] 
V. 28: 4. Gecko: Ungefährlichkeit (Gefangenwerden) // Aufenthaltsort (3): Königspalast C^??) 

[Besonderheit des Wohnorts] 



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Daher ist die Constructus- Verbindung Y~\V, ''üSp auch nicht superlativisch zu verste- 
hen, vgl. Delitzsch, BC IV/3, 509. 

Vgl. dazu J. Hausmann, Studien zum Menschenbild der älteren Weisheit (FAT 7), Tü- 
bingen 1996, 34 Anm. 188. 

Vgl. Meinhold, ZBK.AT 16/2, 511. 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 11 

Die Verse 25f sind völlig parallel aufgebaut. Die in diesen Versen genann- 
ten Tiergattungen, die im Plural erscheinen, sind jeweils mit der Bezeich- 
nung "Volk" (hebr. Dl?) versehen. Die Verse 27f sind chiastisch aufgebaut: 
Vgl. das Stichwort "König" (hebr. '^'0) in Anfangs- und Schlußstellung. 
Dagegen beziehen sich die Verse 27b und 28a auf die Befähigung oder 
Nichtbefähigung zum Kampf, man könnte auch sagen auf Gefährlichkeit 
und Ungefährlichkeit. In V. 27f erscheinen die Tierarten jeweils im Singu- 
lar. V. 26 und V. 28 sind verbunden durch das Thema "Wohnort", V. 25 
und V. 27 dagegen durch das Thema "Nahrungsbeschaffung". Die Erwäh- 
nung des Stichworts "König" ist ambivalent: Ist in V. 27a ein König der 
Tiere gemeint, so tritt in V. 28b der König der Menschen in den Blick. 
Bevor nun auf die Bedeutung von Spr 30,24-28 eingegangen wird, sollen 
die im Text genarmten Tierarten näher behandelt werden. Die nötigen Hin- 
weise zur Ameise wurden bereits in Zusammenhang mit der Interpretation 
von Spr 6,6-8 gegeben"*^. Der an zweiter Stelle genannte Klippschliefer"*^ - 
früher nannte man ihn fälschlicherweise "Klippdachs" - ist ein kleines, 
gelbbraunes Säugetier, das in Kolonien lebt und in Europa unbekannt ist. 
Noch heute kann man ihn in der Nähe von Engedi antreffen. Er bevorzugt 
felsiges Gelände als Lebensraum. Wächtertiere warnen die Gruppe mit 
schrillen Tönen vor Gefahren, die von Raubtieren und Greifvögeln ausge- 
hen und vor denen er sich nur durch Rückzug in seine kleinen Höhlen und 
Felsritzen in Sicherheit bringen kann. Denn wirksame Abwehrwaffen zur 
Verteidigung hat der Klippschliefer nicht. Nach Lev 11,5; Dtn 14,7 gehört 
das Tier zu den unreinen Tieren, weil seine Hufe nicht gespalten sind. In 
der Bibel wird er selten erwähnt. Interessant ist Ps 104,18, wo vom Klipp- 
schliefer gesagt wird, daß er seine Zuflucht in Felsen findet. 
Anders ist es bei der Heuschrecke''^, die in ausgewachsenem Zustand bis zu 
6 cm lang werden kann und Flügel besitzt. Sie gehört im Alten Testament 
zu den am meisten gefürchteten Tieren. Wenn Züge von Wanderheu- 
schrecken in ein Land einfallen, dann fressen sie innerhalb weniger Tage 
alles Grün auf (Ex 10,5ff; Joel 1,4; 2,25; Am 7,2; Nah 3,15) und können so 
Hungersnöte verursachen (vgl. 1 Kön 8,37; 2 Chr 6,28). Ihre gewaltigen 



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Vgl. dazu oben S. 5f. 

Zum Klippschliefer vgl. A. Schauten van der Velden, Tierwelt der Bibel, Stuttgart 1992, 
126f. Dort finden sich auch Farbabbildungen. Vgl. femer B.J. Diebner, Art. Klipp- 
dachs, NBL I (1995) 503; ders., Klippschliefers Einschleichen in den Bibeltext, DBAT 
26 (1991) 246-258 und dazu M. Görg, Von der "Bergmaus" zum Klippdachs, BN 65 
(1992)9-11. 

Das Hebräische besitzt eine Vielzahl von Namen für die Heuschrecke (vgl. Riede, 
"Denn wie der Mensch ...", 354ff = unten S. 196ff). In Spr 30,27 ist die Wanderheu- 
schrecke gemeint. 



12 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 

Schwärme (Jes 33,4) können sogar mit herabwirbelndem Schnee verglichen 
werden (Sir 43,17). Häufig sind Heuschrecken daher Bild für eine ungeheu- 
re Menge (Jer 51,14; Nah 3,15) vor allem von Feinden, die ein Land über- 
fallen (Ri 6,5; 7,12; Jes 33,4; Jer 46,23; 51,27). Nur selten ist von der 
Kleinheit dieser Insekten die Rede, wie etwa in Ps 109,23, wo ein Verfolg- 
ter mit einer Heuschrecke verglichen wird, die erdrückt zu werden droht'*^, 
oder in der Kundschaftererzählung, wenn die Kundschafter gegenüber den 
Anakitem sich klein vorkommen wie Heuschrecken (Num 13,33; vgl. fer- 
ner Jes 40,22)''^. 

Der Gecko schließlich ist verwandt mit den Eidechsen. Er bewohnt gerne 
Felswände, Bäume, Gemäuer, aber auch menschliche Behausungen. Seine 
Nahrung besteht aus allen möglichen Insekten, die er meist nachts jagt. 
Geckos fallen auf wegen ihrer Gewandtheit und unfehlbaren Sicherheit, mit 
der sie glatte, senkrechte Wände und Zimmerdecken empor- und entlang- 
klettem^^. Der Gecko wird deshalb für klein gehalten, weil man ihn mit 
Händen fangen kann. 

All diese Tiere werden genannt, weil sie einzeln klein und schwach sind. 
Und dennoch verhalten sie sich in der Natur so wunderbar, daß dieses Ver- 
halten den Menschen als Vorbild dient, dem sie nacheifem sollen. 
Die Sprüche haben verschiedene Themen. Zunächst finden sich die Amei- 
sen, die als machtloses Volk^' bezeichnet werden. Sie sind weise, weil sie 
ihre Nahrung rechtzeitig im Sommer sammeln. 

Die Klippschliefer sind dagegen ein wehrloses^^ Volk. Bei ihnen steht da- 
her die Sicherheit ihres Wohnens im Vordergrund. 



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49 



Vgl. dazu ausführlich P. Riede, Im Netz des Jägers. Studien zur Feindmetaphorik der 
Individualpsalmen (WMANT 85), Neukirchen-Vluyn 2000, 313-316. 

Vgl. auch P. Maiberger, Art. Heuschrecke, NBL II (1995) 146f. 



^^ Vgl. dazu Th. Jahn (Hg.), Der farbige Brehm, Freiburg ^"1990, 370f. 



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Das Adjektiv Ti? "stark, kräftig" bezieht sich in Jes 25,3 auf die bedrohliche Macht ei- 
nes Volkes, das sich dennoch der Macht eines Stärkeren beugen muß. Das mit TJ7 ver- 
wandte Substantiv Tj? kann sich auch auf die Stärke, Macht bzw. Kraft eines Staatswe- 
sens beziehen, wie Am 3,1 1 zeigt, wo Samaria im Rahmen einer Unheilsankündigung 
der Untergang angesagt wird (vgl. dazu S. Wagner, Art. TTW, ThWAT VI [1989] 1-14, 
4f. 10). Im Unterschied zu Spr 30,25 lobt ein altkanaanäisch-phönizisches Sprichwort, 
das in der Amama-Korrespondenz überliefert ist, die Tapferkeit der Ameisen: "Wenn 
Ameisen geschlagen werden, nehmen sie es nicht ruhig hin, sondern beißen in die Hand 
des Mannes, der sie schlägt" (EA 252), vgl. dazu W.F. Albright, An Archaic Hebrew 
Proverb in a Amama Letter from Central Palestine, BASOR 89 (1943) 29-32. Im Hin- 
tergrund stehen hier allerdings nicht reflektierende Naturbeobachtungen, sondern 
schmerzliche Erfahrungen der von den Bissen Betroffenen (vgl. dazu Sauer, Sprüche 
Agurs, 109Anm. 113). 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 13 

Bei den Heuschrecken wird ihr Auszug in Formation gerühmt, der an den 
Auszug eines Heeres erinnert (vgl. Ri 4,14), und das, obwohl sie keinen 
König haben^-'. Implizites Ziel dieses massenhaften Auszugs der Heu- 
schrecken aber ist ebenfalls die Nahrungsbeschaffung^"*. Der Hinweis auf 
den fehlenden König der Heuschrecken erinnert an Spr 6,6-8, wo Ähnli- 
ches von der Ameise gesagt wurde. Auch die Geckos sind hilflos, weil man 
sie mit bloßen Händen fangen kann. Bei ihnen wird auf die Besonderheit 
ihres Wohnortes verwiesen, in dessen Nähe nur wenige Menschen gelangen 
können. Selbst in Königspalästen, in der Nähe der ranghöchsten Personen, 
sind sie zu finden. 

Im Hintergrund dieser Verse könnte sich auch eine gewisse Königskritik 
verbergen. Während einerseits die Mächtigkeit eines Herrschers abhängig 
ist von der Zahl seiner Untertanen, zeigt zumindest der Spruch über die 
Heuschrecke, daß ein König für ein geordnetes Zusammenleben entbehrlich 

ist55. 

Insgesamt aber können die Sprüche vermitteln, was auch innerhalb des Zu- 
sammenlebens von Menschen wahre Größe ausmachen soll: nicht Stärke 
und Kraft allein, sondem die Weisheit^^. Daß es darum geht, dem Men- 
schen Einsichten zu vermittelnd^, zeigen auch die Stichworte "Erde / Land", 
"Volk", und "König". "Die Dreiheit Land - Volk - König entspricht den 
Verhältnissen unter den Menschen, und darauf zielt der Spruch auch ab"^^. 



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Hebr. CIS^ steht häufig "attributiv oder prädikativ zu DJ? oder ''13 (im Sinne von 
'Volk' oder 'Heer')", wobei oft kriegerische Assoziationen ankhngen, vgl. dazu N. Loh- 
fink, Art. n^a, ThWAT VI (1989) 310-326, 311. 

Anders als die prophetische Literatur, in der vor allem die zerstörerische Kraft der Heu- 
schrecken im Vordergrund steht (vgl. z.B. Joel 1,4.6; 2,2.4.9), verweist die weisheitli- 
che Literatur auf die besonders effiziente Organisation dieser Tiere. 

Doch findet sich im Spruch selbst kein direkter Hinweis auf das zerstörerische Wirken 
der Heuschrecken. 

Vgl. Hausmann, Studien, 141; E. Otto, Theologische Ethik des Alten Testaments (ThW 
3,2), Stuttgart 1994, 159. 

Vgl. auch Spr 21,22. 

Zum Bestreben, aus Beobachtungen der Natur Paradigmen für das menschliche Leben 
abzuleiten, vgl. Kottsieper, Weisheit, 141 ff bes. 143. 

Meinhold, ZBK.AT 16/2, 511. Ähnliche Zusammenstellungen kleiner Tiere und Sachen 
mit großer Wirkung finden sich in ägyptischen Weisheitslehren, so z.B. im Papyrus In- 
singer, einer Schrift, die um 300 v.Chr. entstanden sein dürfte; Dort heißt es in den Z. 
535ff 555ff (Zählung nach H. Brunner, Die Weisheitsbücher der Ägypter. Lehren für 
das Leben, Zürich ^1991): 

"Die kleine Spitzmaus läßt ihrem Zorn freien Lauf 

Der kleine Skarabäus [ist groß] durch seine verborgene Bedeutung. 

Der kleine Zwerg ist groß durch seinen Namen. 

Die kleine Schlange hat Gift ... 



1 4 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

Im folgenden Zahlenspruch geht es dagegen um majestätische Tiere, die 
man bewunderte, z.T. aber auch fürchtete, z.B. den Löwen. Wie in der vor- 
hergehenden Spruchreihe wird auch hier am Schluß der König genannt: 

Drei sind es, die majestätisch einherschreiten, 

und vier, die ansehnlich wandeln: 

Der Löwe - der Held unter den Tieren, er kehrt vor keinem um. 

Der an den Lenden Gegürtete oder (?) der Ziegenbock 

und der König, wenn das Aufgebot mit ihm ist^'. (Spr 30,29-31) 

Diese Gruppe ist zusammengestellt unter dem Gesichtspunkt des stolzen, 
feierhchen Dahinschreitens. Das Verb ly^ wird 2 Sam 6,13; Jer 10,5 für 
eine Prozession gebraucht, Ri 5,4; Ps 68,8 dagegen für das majestätische, 
feierliche Dahinschreiten JHWHs. Es ist also ein stolzes, majestätisches 
Gehen gemeint, das nach Spr 30,29-31 drei Tierarten und einem Menschen 
zu eigen ist. 

Es ist kein Wunder, daß als erstes der König der Tiere, der Löwe^°, genannt 
wird. Er wird als Held bezeichnet und zusätzlich dadurch charakterisiert, 
daß er vor keinem umkehrt. Das hebräische Wort für Held ("113?) bezeich- 
net sonst "eine besonders starke oder mächtige Person, die große Taten 
vollfuhrt, vollführen kann oder ausgeführt hat, und die darin andere über- 
ragt"^^ Diese besonderen Taten können sich im menschlichen Bereich auf 
jede Art von Macht, Kraft oder Pracht beziehen. "Jeder, der ganz besonders 
bedeutend oder gewaltig ist auf irgendeinem Gebiet, ist ein gibbOr, wie z.B. 
Nimrod, 'ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn' (Gen 10,9), der aber ... au- 
ßerdem ein ^/ZiZiör auf Erden ist"^^ (Gen 10,8). Das Nomen bezeichnet z.T. 



Eine kleine Biene bringt den Honig. 
Die kleine Ameise trägt Erde davon. 
Die kleine Heuschrecke verwüstet den Weinberg." 

Die Zeilen 560f ziehen daraus den Schluß: 

"Zahlreich sind die kleinen Dinge, die Achtung verdienen. 
Wenig sind die großen Dinge, die der Bewunderung wert sind." 

Zum Text des Papyrus Insinger vgl. Brunner, Weisheitsbücher, 295-349. In diesem Zu- 
sammenhang kann auch Sir 1 1,3 genannt werden: 

"Du sollst niemanden rühmen um seiner Schönheit willen, und niemanden verach- 
ten, weil er häßlich aussieht. Denn die Biene ist klein unter allem, was Flügel hat, 
und bringt doch die allersüßeste Frucht." 

Die Übersetzung von V. 31b ist nicht ganz sicher. Vermutlich meint mp^K den Heer- 
bann (vgl. HAL, 58 und schon Delitzsch, BC IV/3, 5 161). 

Zu den verschiedenen hebräischen Bezeichnungen für den Löwen vgl. Riede, "Denn 
wie der Mensch ...", 354ff. 

H. Kosmala, Art. n33, ThWAT I (1973) 901-919, 909. 

Ebd. 



60 

61 
62 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 



15 



auch die vornehmsten und führenden Personen in einem offiziellen Beruf, 
aber auch im Krieg^^. Daher wundert es nicht, daß der Löwe als kraftvoll- 
ster Vertreter des Tierreiches ein "Held" genannt wird. Wenn er nicht um- 
kehrt, dann heißt das, daß er dem Kampf nicht ausweicht^"*. 
Die nächste Bezeichnung ist etwas geheimnisvoll: "der an den Lenden Ge- 
gürtete". Man dachte dabei an den Raben, den Windhund oder das 
Kampfroß. Vermutlich ist aber der Hahn gemeint, wofür auch die griechi- 
sche und andere alte Übersetzungen sprechen^^. Ja, die Septuaginta fügt 
noch die Erläuterung hinzu: "Wenn er unter den Hennen mutig umhergeht". 
Wie Siegel aus dem 7. Jh. v.Chr. zeigen, war der Hahn spätestens seit die- 
ser Zeit in Palästina bekannt. Abb. 3a zeigt das Siegel des Ja'asanja, des 
Ministers des Königs, aus Tel/ en-Nasbe aus dem 7. Jh. v.Chr., auf dem ein 
Kampfhahn in Angriffsstellung dargestellt ist. Die Darstellung von Abb. 3b 
dagegen findet sich auf einem Siegel, das König Joahas oder König Ahaz 
gehört haben könnte^^. 





Abb. 3 a.b: Siegelabdrücke mit Darstellungen von Kampßiähnen aus der Zeit um 600 v. Chr. 



Die typischen Charakteristika des Hahns wie Kamm, Schnabel, Kehllap- 
pen, Federkleid, Ständer und Zehen sind auf dieser Darstellung sehr gut zu 
erkennen. "Der offene Schnabel, der übergross geritzte Sporn und die ge- 
duckte Haltung lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass es sich um 
einen angreifenden bzw. sich verteidigenden Hahn handelt"^^. Gerade die 



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Vgl. dazu z.B. Spr 16,32; 21,22, wo allerdings der Krieger weniger angesehen ist als 
ein Mensch mit Verstand. 

Jes 3 1 ,4 kann diese Aussage anschaulich illustrieren. 

Vgl. dazu Meinhold, ZBK.AT 16/2, 505 Anm. 169 mit den entsprechenden Belegen 
und ausführlich Delitzsch, BC I V/3, 513-515. 

Vgl. dazu Th. Staubli, Tiere als Teil menschlicher Nahrung in der Bibel und im Alten 
Orient, in: Keel I Staubli (Hg.), "Im Schatten Deiner Flügel", 46-57, 55f. 

Staubli, ebd. 56. 



1 6 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

Kampfbereitschaft dieser Vögel hat die Menschen stark beeindruckt. Sie ist 
vermutlich auch der Grund, warum der Hahn neben dem Löwen in Spr 30 
Erwähnung fand. 

Als drittes Tier wird der Ziegenbock erwähnt, der als Leittier der Klein- 
viehherde Verwendung fand^^, die den Grundbestand des beweglichen Be- 
sitzes eines Israeliten ausmachte. Einige hebräische Begriffe für Leittiere 
wurden auch für politische und militärische Führer benutzt^^. Auch das 
zeigt, wie sehr die Tierwelt als Vorbild für die eigenen organisatorischen 
und soziologischen Strukturen und die Führungsämter angesehen wurde^^. 
So ist es eigentlich verständlich, daß am Ende der Aufzählung in Spr 30 der 
König der Menschen genannt wird, auf dessen Führungsqualität und -posi- 
tion hier deutlich Bezug genommen wird, wobei vermutlich, wie schon in 
V. 27 im Spruch über die Heuschrecke^', "an ein Vorangehen des Königs 
in militärischen Aktionen"^^ gedacht sein wird. Gerade dann nämlich zeigt 
sich in besonderem Maße die Majestät seines Schreitens^^ Interessant ist, 
daß sowohl beim Löwen als auch beim König nähere Ausfuhrungen ge- 
macht werden, was zeigt, daß beide Sprüche stärker aufeinander bezogen 
sind. Der König der Tiere und der König der Menschen werden so einander 
zugeordnet. Auch in diesem Spruch geht es letztlich um die Welt des Men- 
schen. 

Auch sonst werden im Alten Testament König und Löwe in eine engere 
Beziehung gebracht^^. Wie Berichte über die Gestaltung des Thrones Sa- 
lomos zeigen^^, ist der Löwe in der Nähe des Königs zu finden und wird 
geradezu zum Symbol königlicher Herrschaft. Die Nähe zum König doku- 
mentiert auch das aus Megiddo stammende Siegel des Sema ' , eines Mini- 
sters Jerobeams IL (787-747 v.Chr.), das einen majestätisch aussehenden 
Löwen mit weit aufgerissenem Rachen und erhobenem Schwanz zeigt 



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Entsprechend ergänzt die Septuaginta die Apposition "der die Herde anführt". 

Vgl. Riede, "Denn wie der Mensch ...", 365f = unten S. 210; P.D. Miller, Animal Na- 
mes as Designations in Ugaritic and Hebrew, UF 2 (1970) 177-186, 178-180. 

Auch in Spr 30,31 werden Ziegenbock und König wegen ihrer Leitfunktion einander 
zugeordnet (vgl. dazu auch Jes 14,9). 

In Spr 30,27 wird auf dieses Vorangehen des Königs allerdings nur indirekt verwiesen, 
da ja auf das Fehlen eines Königs abgehoben wird. 

Hausmann, Studien, 144. 

Vgl. dazu Delitzsch, BC lV/3, 5 1 7. 

Vgl. dazu B. Janowski / U. Neumann-Gorsolke, Das Tier als Symbol königlicher Herr- 
schaft, in: dies. u.a. (Hg.), Gefährten, 107-1 1 1 . 

Vgl. 1 Kön 10,19f 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 



17 



(Abb. 4). Es trägt die Inschrift: "Dem Sema' gthöng, dem Diener des Jero- 
beam"^ö. 




Abb. 4: Stempelsiegel aus Megiddo mit Darstellung eines Löwen 



III. 



Während nach den bisher behandelten Texten die Tiere vor allem wegen ih- 
res Verhaltens den Menschen belehren konnten, gibt es auch Texte, die da- 
von sprechen, daß gerade Tiere etwas von den der Schöpfung innewohnen- 
den Naturgesetzen verstehen^^. So kann auf Hahn und Ibis verwiesen wer- 
den, die den Wechsel der Jahreszeiten ankündigen: 

Wer verlieh dem Ibis Weisheit oder wer gab Einsicht dem Hahn? (Hi 38,36)^^ 

Der Ibis kam jährlich zu Überschwemmungsbegitm nach Ägypten, um zu 
brüten, und wurde vermutlich als Bringer bzw. Bote der Überschwemmung 
verstanden, die Ägypten die Fruchtbarkeit brachte. Das zu den Stelzvögeln 
zählende Tier war der heilige Vogel des ägyptischen Gottes Thot, der in der 
Hieroglyphenschrift häufig durch einen auf einer Standarte stehenden Ibis 
dargestellt wurde. Auch der Hahn erscheint in Hi 38,36 als Künder und 
Bringer des Regens. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden an verschiede- 
nen Orten Palästinas Hähne in herbstlichen Bittprozessionen um Regen 



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Zu einem ähnlichen Siegel aus Südsyrien bzw. Palästina aus dem 8. Jh. v.Chr. vgl. Keä/ 
Staubli (Hg.), "Im Schatten Deiner Flügel", Abb. 79 (Beschreibung: Chr. Uehlinger). 

Vgl. zu diesen Texten M.-L. Henry, Das Tier im religiösen Bewußtsein des alttesta- 
mentlichen Menschen, in: B. Janowski u.a. (Hg.), Gefährten, 20-61, 56ff. 

Zur Übersetzung vgl. O. Keel, Zwei kleine Beiträge zum Verständnis der Gottesreden 
im Buch Ijob (XXXVIII 36f., XL 25), VT 31 (1981) 220-225, 220-223; ders., Jahwes 
Entgegnung, 60; G. Fohrer, Das Buch Hieb (KAT XVI), Gütersloh ^1989, 508f. 



1 8 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

mitgeführt'^^. Ihre Fähigkeit, Gewitter und Regen anzukündigen, haben die- 
se tierischen Wetterpropheten laut Hi 38,36 von Gott. 
Man kann in diesem Zusammenhang auf ein altsyrisches Rollsiegel aus 
dem 8. Jh. v.Chr. aus Kalah / Nimrud verweisen, das das Alter dieser Vor- 
stellung bezeugt (Abb. 5). Dem Hahn links entsprechen rechts die Him- 
melskrüge. Insgesamt stellt die Szene den Kosmos dar. Die Himmelsträger 
halten die geflügelte Scheibe, während ein Chaosdrache rechts die Ordnung 
der Welt gefährdet. Die Riten des Priesters links dienen der Aufrechterhal- 
tung der Weltordnung^'^. 




Abb. 5: Altsyrisches Rollsiegel aus Nimrud 

Auch die Zugvögel^' halten die ihnen von Gott gesetzten Zeiten ein und 
orientieren sich an den göttlichen Ordnungen. Ihre Wiederkehr geschieht an 



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Vgl. ATee/, Beiträge, 221. 

Vgl. dazu auch Keel u.a., OLB 1, 140f mit Abb. 71; und jetzt D. Collon, Catalogue of 
the Western Asiatic Seals in the British Museum. Cylinder Seals V: Neo-assyrian and 
Neo-babylonian Periods, London 2001, 109-111, Nr. 207 mit weiterahrender Litera- 
tur. 

Zu den Zugvögeln allgemein vgl. O. Keel, Vögel als Boten. Studien zu Ps 68,12-14, 
Gen 8,6-12, Koh 10,20 und dem Aussenden von Botenvögeln in Ägypten. Mit einem 
Beitrag von Urs Winter zu Ps 56,1 und zur Ikonographie der Göttin mit der Taube 
(OBO 14), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1977, 104-106, der auf eine schöne Paral- 
lele im Nilhymnus des Cheti aufmerksam macht. Auch hier geht es um die Fristgebun- 
denheit der Zugvögel: "Herr der Fische, der die Zugvögel stromauf ziehen läßt - kein 
Vogel kommt zurück außerhalb der Frist" (zitiert nach J. Assmann, Ägyptische Hym- 
nen und Gebete, Zürich / München 1975, 500 Z. 1 If); zum Auftreten der in Jer 8,7 ge- 
nannten Zugvögel in Palästina vgl. auch Dalman, AuS 1, bes. 388ff; Keel u.a., OLB 1, 
137.160ff; zu den Tierbezeichnungen in Jer 8,7 vgl. P. Riede, Art. Schwalbe, NBL III 
(2001) 538f, bes. 538; H.-P. Müller, Das Problem der Tierbezeichnungen in der althe- 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 19 

dem dem Jahreslauf entsprechenden, von Gott vorgegebenen "Termin", den 
sie instinktiv kennen^^: 

Auch der Storch am Himmel weiß (nvi;) seine Zeit, 

Turteltaube, Turmschwalbe und Drossel halten ein die Zeit ihres Kommens. 

Mein Volk aber kennt nicht (irn; s'p) die Rechtsordnung JHWHs. (Jer 8,7) 

Vor allem Storch und Turteltaube sind im Frühling manchmal in großen 
Schwärmen bei ihrem Durchzug durch Palästina zu beobachten. 
Erstaunlich ist nun nicht allein das Verhalten der Tiere, erstaunlich ist auch, 
daß diese im Gegensatz zum Volk Gottes die Ordnung JHWHs kennen. 
Das Verb 1211, das in Jer 8,7 sowohl auf die Tiere als auch auf das Volk 
Gottes bezogen wird, umschreibt nicht nur ein theoretisches Wissen, son- 
dern, wie schon das Beispiel der Tiere zeigt, auch ein praktisches Handeln. 
Es ist nicht genau zu bestimmen, was mit der Ordnung JHWHs gemeint ist, 
ob bestimmte Gesetze oder eher allgemeine Normen, die für das Leben des 
Volkes entscheidend sind^^. Kennen die angesprochenen Judäer aber das 
Recht bzw. die Gebote JHWHs nicht, dann wissen sie folglich auch nichts 
über JHWH. Ihnen fehlt die rechte Gotteserkenntnis. Dies aber fuhrt zur 
Abkehr von JHWH und zur mangelnden Bereitschaft umzukehren. Von ei- 
nem Eingeständnis der Schuld findet sich keine Spur, wie schon Jer 8,6 
zeigt: 

Keiner bereute seine Bosheit, 

daß er sagte: "Was habe ich getan?" 

Ein jeder wendet sich ab in seinem Laufen 

wie ein Roß, das in der Schlacht dahinstürmt. 

Wie ein Pferd, das im Schlachtgetümmel blind davonstürmt und von nie- 
mandem mehr angehalten werden kann, verhalten sich die Judäer. Sie be- 
harren weiterhin in ihrem Tun. Die nicht mit Vernunft begabten Tiere da- 
gegen können Israel die Unnatürlichkeit seines Tuns zeigen^"*. An ihnen 



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bräischen Lexikographie, SEL 12 (1994) 135-147, 136f; ders., Die Funktion divinatori- 
schen Redens und die Tierbezeichnungen der Inschrift von Teil Deir 'Allä, in: J. Hofti- 
jzer I G. van der Kooij (Ed.), The Balaam Text from Deir 'Allä re-evaluated. Procee- 
dings of the International Symposium held at Leiden 21-24 August 1989, Leiden 1991, 
185-205, 197f. 

Vgl. K. Koch, Art. nriO, ThWAT IV (1984) 744-750, 746. 

Vgl. G. Wanke, Jeremia. Teilband 1: Jeremia 1,1-25,14 (ZBK.AT 20/1), Zürich 1995, 
97. Wie Jer 5,4 ("Denn sie kennen den Weg JHWHs, das Recht ihres Gottes nicht") 
zeigt, hat das hebr. ÜStÖp nicht nur die Bedeutung "Recht, Rechtsstreit, Gericht", son- 
dern kann auch im Sinne von "Weg, Ordnung, Gebot" gebraucht werden, vgl. dazu 
auch G. Liedke, Art. ÜBO, THAT (^1984) 999-1009, 1004f.l008f. 
Vgl. Wanke, ZBK.AT 20/1, 97. 



20 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

läßt sich Wesentliches ablesen, nicht nur für die allgemeine Lebensführung, 
sondern auch für das Verhalten Gott gegenüber^^. 

Das zeigt auch der scharfe Vorwurf gegenüber dem Volk zu Beginn des Je- 
sajabuches, wo sogar Himmel und Erde, und somit die ganze Welt, als 
Zeugen angerufen werden^^: 

Höre, Himmel, vernimm es, Erde, 

denn JHWH redet. 

"Ich habe Israels Söhne großgebracht und aufgezogen, 

doch sie haben sich gegen mich aufgelehnt. 

Ein Rind kennt (U"l^) seinen Besitzer 

und ein Esel den Futtertrog*^ seines Herm. 

Israel aber hat keine Einsicht (Ui; N7) 

und mein Volk keinen Verstand." (Jes 1 ,2f)^^ 

Rind und Esel sind die beiden Tiere, die dem Menschen am nächsten sind. 
Beide werden beim Pflügen verwendet, der Esel dient zudem als Lasttier. 
Beide sind aus der Ackerbaukultur Palästinas nicht wegzudenken. Als Ar- 
beitstiere waren sie häufig im offenen Hof des Hauses neben dem Futter- 
trog angebunden^^, ja sie gehörten gleichsam mit zur Familie. 
Auch in diesem weisheitlich geprägten Spruch^^ zeigt sich die Grundord- 
nung, "der die belebte und unbelebte Welt, Mensch und Kosmos, gleicher- 
maßen unterworfen sind"^'. Zu ihr gehört auch die vorgegebene Struktur 
des sozialen Zusammenlebens, was hier am Zugehörigkeitsgefühl des Tie- 
res zu dem Menschen, dem es gehört, deutlich wird. Und dieses Zugehö- 



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Vgl. J. Schreiner, Der Herr hilft Menschen und Tieren (Ps 36,7), in: B. Janowski u.a. 
(Hg.), Gefährten, 219-239, 235f; Henry, Das Tier, 56f 

Jes l,2f und Jer 8,7 weisen einige Parallelformulierungen auf, so die Bezeichnung 'TSl? 
"mein Volk", die die besondere Beziehung zwischen JHWH und Israel zum Ausdruck 
bringt. In beiden Texten spielt femer das Verb J?!^ eine wichtige Rolle. Zudem wird 
die Schuld des Volkes jeweils durch einen Tiervergleich eindrücklich untermauert. Zur 
gegenseitigen Abhängigkeit der beiden Stellen vgl. U. Wendel, Jesaja und Jeremia. 
Worte, Motive und Einsichten Jesajas in der Verkündigung Jeremias (BThSt 25), Neu- 
kirchen- Vluyn 1995, 58f 

Das Wort 013N findet sich sonst nur noch Spr 14,4; Hi 39,9. 

Die Gattung von Jes l,2f ist umstritten, vgl. H. Wildberger, Jesaja. 1. Teilband; Jesaja 
1-12 (BK X/1), Neukirchen-Vluyn ^1980, 9; G. Fohrer, Das Buch Jesaja (ZBK.AT 
19/1), Zürich ^1966, 24f, die die Verse als Gerichtsrede ansehen; anders dagegen Wen- 
del, Jesaja, 44ff, die V. 2a als Lehreröffnungsruf ansieht und stärker auf die weisheitli- 
che Prägung der Verse abhebt. Zum Problem der Gattung siehe auch S. Deck, Die Ge- 
richtsbotschaft Jesajas. Charakter und Begründung (fzb 67), Würzburg 1991, lOIff 

Vgl. auch Lk 13,15. 

Vgl. die typisch weisheitlichen Termini yi "verstehen" und VV "kennen" und Wen- 
del, Jesaj a, 42ff, bes. 44f; Wildberger, BK X/ 1 , 1 5 . 

Wildberger, ebd. 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 21 

rigkeitsgefühl wird gestärkt durch das gemeinschaftliche Arbeiten am Tage 
und die Fürsorge des Besitzers für das Tier, auf dessen Arbeitskraft er an- 
gewiesen ist, um leben zu können. Wenn das Tier seinen Herrn kennt, dann 
verwirklicht es ein Stück dieser allem eingestifteten Grundordnung vor- 
bildhaft. Zu dieser Grundordnung gehört aber auch das soziale Leben. Je- 
saja überträgt das in der Weisheit wurzelnde Bild auf das Verhältnis von Is- 
rael und Gott. Der Vergleich in Jes 1,3 verdeutlicht die Schwere des Vor- 
wurfs gegen das Volk. Obwohl sich Gott seinem Volk gnädig und fürsorg- 
lich wie ein Vater^^ zugewandt und die Israeliten großgezogen und aus 
kleinen Anfängen emporgebracht hat, haben sie sich gegen Gott aufgelehnt. 
Dabei hätten sie wissen müssen, wer ihnen soviel Gutes gegeben hat. Das 
Verb 1?I!;D "brechen mit, sich empören gegen" bezieht sich häufig auf die 
Wegnahme fremden Besitzes (Gen 31,36; 50,17; Spr 28,24) oder auf den 
völkerrechtlichen Bruch der Beziehung zwischen zwei Völkern oder Staa- 
ten (1 Kön 12,19; 2 Kön 1,1 u.ö.). In Jes l,2f dagegen ist Gott von diesem 
Beziehungsbruch betroffen^^. Es geht hier nicht um Einzelvergehen, son- 
dern um die "grundsätzliche Aufkündigung der Loyalität"^'' gegenüber 
Gott. Gerade der Vergleich mit den Tieren zeigt die Widersinnigkeit von 
Israels Tun. "Israel hat nicht einmal soviel Einsicht wie Stier und Esel"'^, 
die Tiere wissen, zu wem sie gehören, sie erkennen ihren Herrn an, der sie 
mit Futter versorgt und so am Leben erhält; das Volk tut das aber gerade 
nicht^^. Gerade an den Tieren aber hätten die Menschen erkennen müssen, 
was Zutrauen und Treue bedeuten. 

Eine ganz anders gestaltete "Lehrerzählung" liegt in Num 22,21-34 vor. 
Bileam, der Seher, wird von den Moabitem bestellt, um das Volk Israel zu 
verfluchen. Nachdem zweimal Gesandtschaften diesbezüglich bei ihm an- 
gefragt hatten, erhält er von Gott die Erlaubnis loszuziehen, aber nur das zu 
sagen, was Gott ihm befehlen werde. Daraufhin sattelt er seine Eselin und 
zieht fort. Unterwegs aber tritt ihm ein Bote Gottes mit gezücktem Schwert 
in den Weg'^. Es heißt weiter: 



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Zum eher seltenen Bild von Gott als Vater im Alten Testament vgl. Ex 4,22f; Dtn 14,1; 
32,6; Jes 30,9; 63,16; Jer 3,4.19.22; 4,22 und Wendel, Jesaja, 47. 

Vgl. dazu Wendel, Jesaja, 47f; zum theologischen Gebrauch der Wurzel vgl. H. See- 
bass, Art. Vüti, ThWAT VI (1989) 791-810, 797.803 u.ö. 

Wildberger,BKX/\,\4. 

Fohrer, ZBK.AT 19/1,26. 

Vgl. die Antithese V~[1 - VII ^^ '" ^- 3a /^ 3b. Vgl. auch die betonte Anfangsstellung 
von VT, V. 3aa und von h^^W^, V. 3ba. 

Die Erzählung gliedert sich in drei jeweils aufeinander bezogene Teile (vgl. dazu auch 
W. Groß, Bileam. Literar- und formkritische Untersuchung der Prosa in Num 22-24 
[STANT 38], München 1974, 333ff.338f): 



22 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 

23 Die Eselin sah den Enge! JHWHs, wie er auf dem Wege stand und sein Schwert 
gezückt in seiner Hand hatte. Da bog die Eselin vom Wege ab und ging auf dem Ak- 
kerfeld weiter. Bileam aber schlug die Eselin, um sie wieder auf den Weg zu brin- 
gen. 24 Darauf trat der Engel JHWHs auf den Pfad zwischen den Weinbergen mit 
einer Mauer auf der einen und einer Mauer auf der anderen Seite. 25 Die Eselin sah 
den Engel JHWHs und drückte sich an die Wand und drückte den Fuß Bileams an 
die Wand; da schlug er sie wiederum. 26 Darauf ging der Engel JHWHs noch ein- 
mal vorbei und trat an eine enge Stelle, wo es keine Ausweichmöglichkeit nach 
rechts und links gab. 27 Die Eselin sah den Engel JHWHs und legte sich hin unter 
Bileam. Da entbrannte der Zorn Bileams, und er schlug die Eselin mit der Rute. 28 
Darauf öffnete JHWH den Mund der Eselin, und sie sagte zu Bileam. "Was habe ich 
dir angetan, daß du mich geschlagen hast, nun schon dreimal?" 29 Bileam sagte zu 
der Eselin: "Weil du deinen Mutwillen mit mir getrieben hast. Hätte ich nur ein 
Schwert in meiner Hand, ich hätte dich wahrlich schon getötet!" 30 Da sagte die 
Eselin zu Bileam: "Bin ich nicht deine Eselin, auf der du geritten bist, zeitlebens bis 
zum heutigen Tage? Habe ich wirklich die Gewohnheit gehabt, solches dir anzu- 
tun?" Er sagte: "Nein." 31 Da enthüllte JHWH die Augen Bileams, so daß er den 
Engel JHWHs sah, wie er auf dem Wege stand und sein Schwert gezückt in seiner 
Hand hatte. Und er beugte sich und fiel nieder auf sein Angesicht. 32 Der Engel 
JHWHs aber sagte zu ihm: Warum hast du deine Eselin nun schon dreimal geschla- 
gen? Ich selbst bin doch ausgezogen als Gegner 'für dich', weil dein Weg in meinen 
Augen 'übel ist'^^. 33 Die Eselin aber hat mich gesehen und ist vor mir ausgewichen, 
nun schon dreimal. 'Wäre sie nicht' ausgewichen vor mir, ich hätte wahrlich dich be- 
reits getötet und sie am Leben gelassen! 34 Da sagte Bileam zum Engel JHWHs: 
"Ich habe mich verfehlt darin, daß ich nicht erkannt habe, daß du selbst auf dem 
Wege mir entgegengestanden hast. Wenn nun also die Sache in deinen Augen übel 
ist, will ich wieder zurückkehren."^' 

Diese Geschichte enthält einen beachtenswerten Zug. Bileam, der Seher, 
der Mantiker, der den Umgang mit göttlichen Dingen gewohnt ist, erkennt 
den (üblicherweise sichtbaren '°°) Boten JHWHs, der ihm gefährlich entge- 
gentritt, nicht. Dagegen spürt sein Reittier instinktiv die Gefahr und weicht 
vom Wege ab. Bileam entbrennt vor Zorn und läßt diesen Zorn das Tier 



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1 . V. 22-27: Das dreimalige Entgegentreten des Boten JHWHs und die jeweiligen 

Reaktionen der Eselin und Bileams 

2. V. 28-30: Das Gespräch zwischen der Eselin und Bileam 

3. V. 31-34: Das "Sehen" Bileams und das Gespräch zwischen ihm und dem Boten 

JHWHs. 

Die nur hier und Hi 16,1 1 belegte Wurzel CS")'' ist nicht sicher in ihrer Bedeutung be- 
stimmbar, vgl. schon Henry, Das Tier, 52 Anm. 59; HAL 418. Zu den bisherigen Deu- 
tungsversuchen vgl. auch Groß, Bileam, 165-168, der als Paraphrase von V. 32 vor- 
schlägt: "Ich bin als Gegner ausgezogen. Das kannst du daran erkennen, daß der Weg 
direkt auf mich zustürzt = zufuhrt. Denn ... wenn du ihm gefolgt und auf mich zugelau- 
fen wärst, was du ohne Hilfe deiner Eselin getan hättest, so hätte ich dich getötet" (ebd. 
168). Aufgrund der Bedeutungsentwicklung der Wurzel UT' im Arabischen wäre u.a. 
die Übersetzung "schwierig, gefährlich, schädlich sein" möglich (vgl. ebd.). 

Übersetzung nach M Noth, Das vierte Buch Mose. Numeri (ATD 7), Göttingen ''1982, 
146f 

Vgl. dazu A'o^A, ebd. 157. 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 23 

spüren. Nachdem die Eselin zweimal ausgewichen war und ihr letztlich 
keine Möglichkeit mehr zum Ausweichen bleibt, fällt sie vor dem Boten in 
die Knie, worauf Bileam sie schließlich sogar mit dem Stock schlägt. An 
dieser Stelle ereignet sich etwas Ungewöhnliches. Es heißt: "JHWH öffnete 
der Eselin den Mund." Sie fängt an zu sprechen und macht Bileam vor- 
wurfsvoll darauf aufmerksam: "Warum hast du mich dreimal geschlagen?" 
Und der zornige und wegen seines Zorns blinde Prophet sieht immer noch 
nicht und würde sie töten, wenn er nur ein Schwert in Händen hätte. Die 
Eselin aber beharrt darauf, daß sie ihrem Herrn stets treu gedient habe, was 
Bileam selbst zugeben muß. 

Auch hier findet ein Erkenntnisprozeß statt. An der Stelle, als Bileam selbst 
erkennt, daß das Tier ihn noch nie enttäuscht hat, werden ihm die Augen 
geöffnet und er sieht den Boten JHWHs und die Gefahr, die von ihm aus- 
ging. Seine Sehergabe versagt zunächst, und das Tier ist ihm im Erkennen 
des Numinosen überlegen. 

Eine feine Ironie durchzieht die Geschichte'"'. Während der Bote JHWHs 
Bileam mit dem gezückten Schwert in den Weg tritt und ihn getötet hätte, 
wünscht sich andererseits der zornige Seher ein Schwert, um sein Reittier 
zu töten, das ihn vor dem Schwert des Engels gerettet hatte, ja das schon 
lange vor dem Seher anbetend vor dem Boten JHWHs in die Knie gefallen 
war. Der märchenhaft erscheinende Zug, daß die Eselin redet' "^, sollte 
nicht dazu verleiten, die Geschichte als irrelevant abzutun. Vielmehr ist ein 
Wissen darum bewahrt, daß ein Tier Gefahren lange vor dem Menschen er- 
kennen kann. "Gerade das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier 
hätte dem Reiter nahelegen müssen, daß das Tier ihn auf irgend etwas auf- 
merksam machen will, was er nicht merkt"'°^. "Offenbar soll diese schön- 



101 
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103 



Vgl. dazu auch Groß, Bileam, 359. 

Zu sprechenden Tieren vgl. noch Gen 3,1-5 und schon H. Gunkel, Das Märchen im Al- 
ten Testament (RV 11/23-26), Tübingen 1921, 31f. H.-J. Hermisson, Altes Testament 
und Märchen, EvTh 45 (1985) 299-322, 313 verweist zurecht darauf, daß die überra- 
schende Redebegabung der Eselin alles andere als märchenhaft ist. "Denn das Tier im 
Märchen kann sprechen, wenn es die Gelegenheit erfordert; diese Begabung kann von 
dem Märchenhelden als selbstverständlich hingenommen werden ... oder als etwas Au- 
ßergewöhnliches betrachtet werden, aber nirgends wird im Märchen die Gottheit be- 
müht, um dem Tier die Redegabe erst zu verleihen. Der einfache Satz 'Da öffnete Jahwe 
den Mund der Eselin, daß sie sprach ...' schließt aus, daß wir es hier mit einem Mär- 
chenmotiv zu tun haben. Überdies war die Begabung ephemer, nur durch die Situation 
bedingt." Daß Tiere sich auf göttlichen Befehl gegen ihre Natur verhalten und speziell 
die Eselin auf Geheiß JHWHs redet, hat eher mit dem Glauben zu tun, daß JHWH 
selbstverständlich auch über die Tierwelt gebietet, vgl. dazu 1 Kön 14; Dan 6; 1 Kön 
17,4-6 u.ö. 

C. Westermann, Mensch, Tier und Pflanze in der Bibel, in: B. Janowski u.a. (Hg.), Ge- 
fährten, 90-106, 95. 



24 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

ste Legende des Alten Testamentes das anmaßende Selbstbewußtsein des 
Menschen korrigieren und, wie es scheint, gerade das Selbstbewußtsein 
dessen, der meint, im Namen der Gottheit in entscheidungsschwerer Stunde 
ein gültiges Wort sagen zu können". ^'^'* 

Tiere vermögen dem Menschen aber auch noch andere Erkenntnisse zu 
vermitteln, wenn er sie befragt. So zeigen sie nach Hi 12,7-11'^^ dem 
Menschen, daß Gott alles geschaffen hat: 

Dagegen, frag (NJ'bl^ü) doch die Tiere, sie werden dich lehren C^in'"*), 
und die Vögel des Himmels, sie erzählen es dir (■^7~T|!I'l). 
Sprich (rr't?"''') zur Erde, sie wird dich lehren (l"l.ri), 
die Fische des Meeres künden es dir {"^ n^Q^J: 

Wer weiß nicht unter'°^ all diesen, daß die Hand JHWHs das gemacht hat'°^, 
in dessen Hand die Seele alles Lebendigen ist und der Geist allen Menschenflei- 
sches. 



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^^^ Henry, Das Tier, 52. Zur Funktion der Eselingeschichte im Gesamtzusammenhang der 
Bileamerzählung vgl. auch H.-Chr. Schmitt. Der heidnische Mantiker als eschatologi- 
scher Jahweprophet. Zum Verständnis Bileams in der Endgestalt von Num 22-24, in: /. 
Kottsieper / J.v. Oorschot / D. Römheld / H.M. Wahl (Hg.), "Wer ist wie du, Herr, un- 
ter den Göttern?" Studien zur Theologie und Religionsgeschichte Israels. FS O. Kaiser 
z. 70. Geb., Göttingen 1994, 180-198, 195ff. 

"'^ Zum Text vgl. auch G. von Rad, Weisheit in Israel, Neukirchen- Vluyn ^1982, 21 1-213; 
5. Wagner, Art. III m/,, ThWAT III (1982) 920-930, 922f. Zum Problem der kontex- 
tuellen Einordnung von Hi 12,7-1 1, auf das hier nicht näher eingegangen werden kann, 
vgl. J. Ebach, Streiten mit Gott, Hiob Teil 1 : Hiob 1-20 (Kleine Biblische Bibliothek), 
Neukirchen- Vluyn 1996, 1 14f; Fohrer, KAT XVI, 242.244. 

Zur Form vgl. GK § 145k. 

Meist wird der Text geändert und fl^JH n^n gelesen (so Henry, Das Tier, 57 Anm. 
66; Fohrer, KAT XVI, 233.237; K. Budde. Das Buch Hiob [HK II/l], Göttingen 1896, 
59f u.a.; anders F. Horst, Hiob. 1. Teilband: Kapitel 1-19 (BK XVI/1), Neukirchen- 
Vluyn ''1983, 176, der vor flKH n»n noch ein 7 nh^Ö ergänzt). Begründet wird die 
Änderung damit, daß die Erwähnung von PT't?? "Strauch" (vgl. dazu A.E. Rüthy, Die 
Pflanze und ihre Teile im biblisch-hebräischen Sprachgebrauch, Bern 1942, 12f) zwi- 
schen Vögeln und Fischen nicht recht paßt. Gegen die Übersetzung von n"'C7 mit 
"Strauch", die z.B. A. Weiser, Das Buch Hiob (ATD 13), Göttingen ^956, 86, favori- 
sert, spricht femer: 1. n''t? ist maskulin (vgl. Gen 2,5). Das zugehörige Verb "^"in da- 
gegen hat das Präformativ der 3.f Sg. - 2. Statt der Präposition 7 wäre eher die Präpo- 
sition bp bzw. 3 oder eine Constructus- Verbindung (f l^SH r\''ü: vgl. Gen 2,5) zu er- 
warten (vgl. F. Delitzsch, Das Buch lob [BC IV/2], Leipzig 1876, 157). Ein besserer 
Sinn ergibt sich, wenn man statt des Nomens eine Imperativform des Verbs II rT'C? 
"Sprich zur Erde" annimmt (so auch schon LXX; Hier; vgl. auchForti, Animal Images, 
48). Dieses Verb ist in lehrhaftem Sinn in Spr 6,22 belegt. So ergibt sich ein völlig pa- 
ralleler Auflsau von V. 7a und V. 8a. V. 7b und V. 8b weisen dagegen einen Chiasmus 
auf Zum Problem vgl. femer H-P. Müller, Die hebräische Wurzel IT'tr, VT 19 (1969) 
361-371, 369; J. Hausmann, Art. n^'^D, ThWAT VII (1993) 757-761, 760, die den Text 
ebenfalls ändern. 

n^N'^Da ist hier partitiv aufzufassen. 

'°^ Vgl. zur Formulierung Jes 41,20; 66,2; Ps 109,27. 



108 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 25 

Prüft das Ohr nicht die Worte, und der Gaumen, kostet er die Speise nicht? 

Schon beim ersten Lesen fallen die vielen Verben des Erzählens und des 
Weitergebens von Erkenntnissen auf: Lehren, Erzählen, Künden. Und die 
Voraussetzung von all dem ist das Wissen um die Dinge. Die Natur ist hier 
zur Trägerin des Lobes Gottes und zur Vermittlerin seiner Offenbarung 
geworden*^°. Wie in Gen 1,26.28 werden die Tiere aufgrund ihrer Lebens- 
räume unterschieden. Land, Himmel / Luft, Erdboden und Meer / Wasser 
umschreiben die Gesamtheit der Lebenswelt. In Hi 12,7f geht der Blick da- 
bei zunächst nach vom, dann aufwärts, dann nach unten und immer weiter 
nach unten, wobei die Änderung der Blickrichtung durch ii< "oder" einge- 
leitet wird. Wenn in diesem Zusammenhang die Erde genannt wird, dann 
steht sie metonymisch für die auf dem Erdboden kriechenden Lebewe- 
sen' ^^ die in Gen 1 mit dem Sammelnamen Z?f2"l bzw. y~12^ zusammenge- 
faßt werden''^. 

Die gesamte Kreatur, die Landtiere und die Vögel, die Kriechtiere und die 
Fische, alle Tiere des Landes, des Wassers und der Luft, alle Mitgeschöpfe 
also, die den Menschen umgeben, weisen den Menschen darauf hin, daß 
Gott Schöpfer der Welt"-^ und aller Lebewesen ist. Den Tieren wird hier 
eine eigene Theologie zugeschrieben. "Wenn der Mensch ihr Zeugnis da- 
von hört, soll er es prüfen. Wie die Prüfung durchgeführt werden soll, wird 
nicht gesagt; sie wird aber nach Überzeugung des Verfassers positiv ausfal- 
len"' >1 

Ob den Tieren ein aktives Wissen und Lehren zugeschrieben wird oder ob 
Gottes Schöpfermacht einfach an ihrem Dasein erkannt wird, ist nicht ganz 
klar auszumachen''^. In jedem Fall soll man ihr Zeugnis prüfen, worauf 



110 

111 

112 
113 



Vgl. A. Weiser, Die Psalmen (ATD 14/15), Göttingen "1955, 133, vgl. 433; F. Garcia- 
Löpez, Art. 133, ThWAT V (1986) 188-201, 190.199. 

Vgl. dazu E. König, Das Buch Hiob, Gütersloh 1929, 137, der an die wilden Tiere (Gen 
1,24) bzw. die Reptilien denkt; ders., Stilistik, Rhetorik, Poetik in Bezug auf die bibli- 
sche Litteratur komparativisch dargestellt, Leipzig 1900, 26. 

Vgl. Delitzsch, BC IV/2, 157. Auch in 1 Kön 5,13 werden die Tiergruppen in derselben 
Reihenfolge wie in Hi 12,7f genannt, nur daß dort die Kriechtiere mit dem konkreten 
Begriff K75"! bezeichnet werden. 

riKt in V. 9b bezieht sich "auf die Gesamtheit dessen, was uns umgibt" {Delitzsch, BC 
IV/2, 157). Das Demonstrativum vertritt das logische Objekt, die sichtbare Umwelt 
(vgl. V. 7f und A:ö«(g, Hiob, 138; ders., Stilistik, 114). Ein Rückbezug auf V. 4-6 (so 
Horst, BK XVI/1, 190f; Henry, Das Tier, 59) ist weniger wahrscheinlich. Auch in der 
wörtlichen Parallele Jes 41,20 ist riNt auf das vorher beschriebene Schöpfungswirken 
Gottes bezogen. 

' '"^ F. Hesse, Hiob (ZBK.AT 14), Zürich ^1992, 103. 



115 



Vgl. dazu//oA-j/, BK XVI/1, 190; König, Hiob, 138. 



26 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

auch der letzte Satz anspielt. Mit dem Mund prüft man, ob bestimmte Spei- 
sen schmecken. Mit dem Ohr prüft man Worte. Überträgt man diese prü- 
fende Funktion auf die Tierwelt, so wird man feststellen, daß ihr Zeugnis 
zutrifft. Denn es "verweist auf die unbefi-agbare Schöpfer- und Erhalter- 
macht Gottes. Hier begegnet ein Stück natürliche Theologie und Offenba- 
rung"iiö. 

Man sollte sich hüten, diese Texte "als Feld-, Wald und Wiesentheologie" 
abzutun, weil hier nur die "lichten Seiten" der Natur zum Vorschein kä- 
men' '^. In all diesen Texten zeigt sich nämlich die enge Verbundenheit von 
Mensch und Tier, aber auch die gemeinsame Verpflichtung, die von Gott 
gesetzte Ordnung zu bewahren. Beide sind letztlich von Gottes Fürsorge 
abhängig (Ps 147,9; Lk 12,24). Beide sind davon abhängig, daß Gott sie er- 
nährt und erhält, und beide haben letztlich auch eine eigene Gottesbezie- 
hung. 



IV. 

Besonders der letzte Aspekt mag erstaunen, doch finden sich mehrfach 
Belege für die besondere Gottesbeziehung der Tiere"^. So heißt es z.B. in 
Ps 104,21"^: 

Die jungen Löwen brüllen nach Raub, 
um bei Gott ihre Nahrung zu suchen. 

Die Löwen regen sich ihren Gewohnheiten entsprechend in der Nacht, ver- 
schwinden aber bei Anbruch des Morgens. Nur die Nacht gehört ihnen, der 
Tag aber dem Menschen, der seine Arbeit bis zum Anbruch des Abends 
verrichtet. In dieser Nachtzeit bitten die Löwen um Raub und suchen ihre 



116 
117 
118 

119 



Wagner, n-|\ 923. 

Vgl. //o/-5/,BKXVI/l, 191. 

Vgl. dazu auch mit z.T. anderen Nuancierungen F. Schmitz-Kahmen, Geschöpfe Gottes 
unter der Obhut des Menschen. Die Wertung der Tiere im Alten Testament (NThDH 
10), Neukirchen-Vluyn 1997, 59f.71ff. 

Zu Ps 104 vgl. u.a. O.H. Steck, Der Wein unter den Schöpfungsgaben. Überlegungen zu 
Ps 104, in: ders., Wahrnehmungen Gottes im Alten Testament. Gesammelte Studien 
(TB 70), München 1982, 240-261; H. Spieckermann, Heilsgegenwart. Eine Theologie 
der Psalmen (FRLANT 148), Göttingen 1989, 21-49; E. Zenger, Du kannst das Ange- 
sicht der Erde erneuern" (Ps 104,30). Das Schöpferlob des 104. Psalms als Ruf zur 
ökologischen Umkehr, BiLi 64 (1991) 75-86; P. Riede, Mensch und Welt in der Sicht 
des Alten Testaments. Am Beispiel von Ps 104, Beiträge Pädagogischer Arbeit 44/4 
(2001) 16-34. 



"Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren" 27 

Speise bei Gott. Ganz ähnlich auch Hi 38,41. In der Gottesrede fragt Gott 
den Hiob: 

Wer bereitet dem Raben seine Nahrung, 
wenn seine Jungen zu Gott (um Hilfe) 
rufen (17 1Ü), umherirren ohne Nahrung? 

Was hier als Frage formuliert ist, wird in Ps 147,9 in eine hymnische Aus- 
sage gekleidet: 

Er gibt den Tieren ihre Nahrung, 

den Rabenjungen, die rufen (X"1jp) 'zu ihm'. 

In beiden Texten heißt es, daß die Raben zu Gott rufen, wobei für dieses 
"Rufen" unterschiedliche Verben verwendet werden. Das eine Verb {VW) 
bezeichnet ausdrücklich einen Hilferuf* ^°, das andere (KTp) wird in den 
Klagepsalmen oft auf den Beter bezogen, der Gott in seiner Not anruft'^'. 
Sowohl in Hi 38,41 als auch in Ps 147,9 ist also vorausgesetzt, daß die Tie- 
re sich in ihrer Not an Gott wenden können, der sie mit Nahrung versorgt. 
Ähnlich auch Joel 1,20: Dort wird angesichts der vertrockneten Bäche und 
der verbrannten Wiesen ausgesagt, daß die Tiere nach Gott lechzen'^^: 

Auch die Tiere des Feldes lechzen nach dir, 
denn vertrocknet sind die Wadis, 
und Feuer fraß die Auen der Steppe. 

Lechzen meint hier ein sehnliches Verlangen gegenüber Gott, dem Erhalter 
seiner Geschöpfe und dem Geber von Wasser und Nahrung, der eine Wen- 
de der Not herbeiführen und das Überleben der Tiere ermöglichen soll. 
Gott hilft Menschen und Tieren in gleicher Weise (Ps 36,7b), weil die Tiere 
ihm gehören: 



120 

121 
122 



Vgl. J. Hausmann, Art. ültT, ThWAT VII (1993) 1187-1191, bes. 1189. Zu ÜIK; im 
Kontext des Hiobbuches vgl. auch P. Ritter- Müller, Kennst du die Welt? - Gottes Ant- 
wort an Ijob. Eine sprachwissenschaftliche und exegetische Studie zur ersten Gottesre- 
de Ijob 38 und 39 (ATM 5), Münster 2000, 212f 

Vgl. G. Schauerte I F.-L. Hossfeld I E.-M. Kindl I H. Lamberty-Zilinski I U. Dahmen 
Art. Hip, ThWAT VII (1993), 1 17-147, 123ff 

Dasselbe Verb findet sich übrigens auch in Ps 42,2: "Wie die Hirschkuh lechzt nach fri- 
schem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott nach dir". Wie die Tiere Wasser zum Über- 
leben brauchen, so notwendig ist fiir den Beter eine heilvolle Gottesbeziehung. Zur 
Stelle vgl. ausführlich Riede, Im Netz, 316-321; B. Ego, Die Wasser der Gottesstadt. 
Zu einem Motiv der Zionstradition und seinen kosmologischen Implikationen, in: B. 
Janowski / B. Ego (Hg.), Das biblische Weltbild und seine altorientalischen Kontexte 
(FAT 32), Tübingen 2001, 360-389, 373-377. 



28 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren " 

Denn mir gehören alle Tiere des Waldes 

und die Tiere auf den Bergen. 

Ich kenne alle Vögel der Berge, 

und was sich regt auf dem Felde, ist mein. (Ps 50,10f)'^^ 

Ja, selbst die Tiere können in den Lobpreis Gottes einstimmen: 

Das Wild des Feldes wird mich preisen 
die Schakale und Strauße, 
weil ich in der Steppe Wasser gebe, 
Ströme in der Einöde. (Jes 43,20)'2'' 

All diese Texte '^^ können uns Heutige das Staunen über die Wunder der 
Schöpfung wieder entdecken lassen. Wo uns die Tiere aber das Staunen 
lehren, wo wir uns an ihren Gestalten, an ihren Stimmen, an ihrem Dasein 
erfreuen, da durchbrechen wir auch ein Stück der Entfremdung, die letzte 
Ursache ist für manche Fehlentwicklungen unserer Tage, unter deren Fol- 
gen auch die Tiere leiden. Durch ihr einfaches Dasein können uns die Tiere 
die Wunder der Schöpfung, die um uns herum sind, lehren und uns hinwei- 
sen auf den, der alles geschaffen hat und wunderbar erhält. Dieses Stau- 
nenlemen aber ist ganz einfach. Wir brauchen nur die Aufforderung Jesu zu 
befolgen: "Sehet die Vögel unter dem Himmel an" (Mt 6,26^^^). 



123 

Gott ist demnach nicht nur Besitzer dieser Tiere. Vielmehr deutet der Text "die intime 

Beziehung des Schöpfers und Erhalters zu seinen Geschöpfen an", vgl. dazu F.-L 

Hossfeld /E. Zenger, Die Psalmen I. Psalm 1-50 (NEB 29), Würzburg 1993, 308-316, 

314 (F.-L. Hossfeld). 

Vgl. femer Ps 148,7-12 und dazu L. Ruppert, Aufforderung an die Schöpfung zum Lob 
Gottes. Zur Literar-, Form-, und Traditionskritik von Psalm 148, in: ders., Studien zur 
Literaturgeschichte des Alten Testaments (SBAB 18), Stuttgart 1994, 227-246. 

'^^ B. Lang, Art. Tiere, Herr der, NBL III (2001) 849-872, 863f sieht die genannten Texte 
in Zusammenhang mit der Vorstellung des "Herrn der Tiere". Zur Problematik dieses 
Begriffs, der in der religionsgeschichtlichen Forschung auf Götter bzw. Wesen mit sehr 
unterschiedlichem Charakter und unterschiedlichen Funktionen bezogen wurde, vgl. 
aber H. Rygving, Art. Herr / Herrin der Tiere, RGG 3 ("2000) 1679. 

Vgl. dazu den schönen Ausspruch Luthers: "Da Doctor Martinus sähe das Vieh im Fel- 
de gehen an der Weide, sprach er: 'Da gehen unsere Prediger, die Milchträger, Butter- 
träger, Käseträger, Wollenträger, die uns täglich predigen den Glauben gegen Gott, daß 
wir ihm, als unserm Vater vertrauen sollen, er sorge für uns und wolle uns ernähren' 
(Matth. 6,25ffg.)", zitiert nach F. v. Schmidt, Dr. Martin Luthers Tischreden oder Col- 
loquia, Leipzig 1878, 44. Zur Bedeutung von Mt 6,26 im Rahmen von Mt 6,25-34 vgl. 
O. Wischmeyer, Matthäus 6,25-34 par. Die Spruchreihe vom Sorgen, ZNW 85 (1994) 
1-22; P. Dschulnigg, Schöpfung im Licht des Neuen Testaments. Neutestamentliche 
Schöpfungsaussagen und ihre Funktion (Mt, Apg, Kol, Offb), FZPhTh 40 (1993) 125- 
145, 127ff; zur Aktualität der neutestamentlichen Schöpfungsaussagen vgl. ebd. 143ff. 



Im Spiegel der Tiere 

Überlegungen zum Verhältnis von Mensch und Tier 
in der christlich-jüdischen Tradition' 



I. Einleitung 

Die biblischen Schriften erwähnen Tiere in den unterschiedlichsten Zu- 
sammenhängen. Sie erscheinen als Freunde und als Feinde des Menschen, 
sie werden in den Dienst des Menschen genommen, wie die Haustiere, 
oder aus dem Bereich menschlichen Lebens vertrieben, wie der Sünden- 
bock^. Sie begleiten den Menschen vom Paradies bis zur Vollendung der 
Zeiten, und zwar in ihrer ganzen Vielfalt und Ambivalenz, die vom Süh- 
nelamm bis zum Wüstendämon reicht. Schon die vorpriesterliche Erzäh- 
lung von der Erschaffung des Menschen in Gen 2 weiß von der besonderen 
Nähe der Tiere zum Menschen, auch wenn diese nicht dessen eigentlichen, 
wahren Partner darstellen. Dennoch berichten viele Texte von einer 
Schicksalsgemeinschaft von Mensch und Tier. Beide können von Katastro- 
phen, wie Hungersnöten, Dürre oder Kriegsfolgeerscheinungen betroffen 
werden (vgl. Jer 14,5.6; Hos 4,3). Beide werden aber auch in den nach- 
sintflutlichen Noahbund einbezogen (Gen 9,9-1 1)^. 
Anders als heute, wo viele wilde Tierarten nur noch in Randgebieten und 
in äußerst dezimierter Zahl vorkommen und stündlich einige Arten aus- 
sterben, stellten Wildtiere in Israel häufig eine emstzunehmende Gefahr 
dar, auch im Alltagsleben. Der Mensch war durchaus nicht immer das 
überlegene Gegenüber^. Vor allem in Zeiten der Entvölkerung bestimmter 
Gebiete drohten Gefahren aufgrund der gewaltigen Vermehrung der Raub- 
tiere. Erinnert sei z.B. an eine Episode aus der Zeit nach der Eroberung des 



' Überarbeiteter Vortrag bei einer Tagung der Evang. Akademie Baden vom 24.-26. 9. 
1999 in Bad Herrenalb. 

2 Vgl. Lev 16,8. 10.21 f. 

3 Vgl. dazu O. Keel I M. Küchler I Chr. Uehlinger (Hg.), Orte und Landschaften der Bi- 
bel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1: Geographisch- 
geschichtliche Landeskunde, Göttingen 1984, 100; B. Janowski, Auch die Tiere gehö- 
ren zum Gottesbund. Gott, Mensch und Tier im alten Israel, in: ders. / P. Riede, Die 
Zukunft der Tiere. Theologische, ethische und naturwissenschaftliche Perspektiven, 
Stuttgart 1999, 31-60, bes. 41-45. 

"* Vgl. dazu O. Keel, Tiere als Gefährten und Feinde, in: ders. / Th. Staubli (Hg.), "Im 
Schatten Deiner Flügel". Tiere in der Bibel und im Alten Orient, Freiburg (Schweiz) 
2001, 25 f. 



30 Im Spiegel der Tiere 

Nordreichs Israel durch die Assyrer (722 v.Chr.). Das Land war durch 
Krieg und Deportation entvölkert, Neuansiedler aus anderen Regionen des 
assyrischen Reiches sollten deren Stelle einnehmen. 

Als sie aber anfingen, dort zu wohnen und JHWH nicht fürchteten, sandte JHWH 
unter sie Löwen, die sie töteten, 

berichtet 2 Kön 17,25. Erst als die Neuansiedler durch einen Priester ge- 
lehrt wurden, den Landesgott zu furchten und zu verehren, so die Legende, 
ließen die Löwen von ihrem tödlichen Tun ab. Eine ähnliche Begründung 
findet sich in Ex 23,29f dafür, daß JHWH die Einwohner Kanaans nur 
nach und nach aus dem verheißenen Land vertreibt: 

Sonst würde das Land zur Einöde werden und die wilden Tiere zu deinem Schaden 
überhand nehmen. 

Erst nachdem das Volk Israel zahlreich und groß geworden war, konnte es 
sich gegenüber den Tierpopulationen behaupten. 

Die Tierwelt im alten Israel war wesentlich zahl- und artenreicher als heu- 
te^. Heute sind von diesen Arten nur noch geringe Reste erhalten. Manche 
Tiere wurden schon in alter Zeit ausgerottet^, z. B. der syrische Elefant, 
andere, wie z. B. der syrische Braunbär, konnten bis in die erste Hälfte des 
20. Jahrhunderts überleben. Das am meisten in der Bibel genannte Raub- 
tier, der Löwe, ist schon seit dem 13. Jahrhundert n.Chr. aus Palästina ver- 
schwunden. 

Auch diese wilden, für den Menschen gefährlichen Tiere wurden als Teil 
von Gottes Schöpfung angesehen. So zeigt z. B. der Schöpfungspsalm 104, 
daß den wilden Tieren sowohl Lebensräume als auch bestimmte Zeiten zu- 
geordnet waren. Dieser Psalm ist ein hymnischer Lobpreis des Schöp- 
fergottes, dem sich alles Leben auf Erden verdankt: 

Der Quellen ausschickt in die Täler, 
zwischen Bergen gehen sie dahin, 
sie tränken alle Tiere des Feldes; 
Wildesel löschen ihren Durst. 
An ihnen wohnen die Vögel des Himmels, 
zwischen den Zweigen erheben sie ihre Stimme. 
Der die Berge tränkt von seinen Gemächern aus, 
von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt. 



5 Vgl. dazu Keel u.a., OLB 1 , 1 00-1 80. 

° Vgl. dazu J. Aharoni, Über das Vorkommen und Aussterben palästinischer Tierarten, 
ZDPV 49 (1926) 247-262; Th. Staubli, Tiergeographie des antiken Palästina / Israel, 
in: Keel/ Staubli (Hg.), "Im Schatten Deiner Flügel", 13-19. 



Im Spiegel der Tiere 3 1 

Der Gras sprießen läßt für das Vieh 

und Saatgrün für den Ackerdienst des Menschen, 

damit er Brot aus der Erde hervorbringe 

und Wein, der des Menschen Herz erfreut; 

damit er zum Glänzen bringe das Antlitz mit Öl 

und Brot des Menschen Herz stärkt. 

Es trinken sich satt die Bäume JHWHs, 

die Libanonzedem, die er gepflanzt, 

wo die Vögel nisten, 

der Storch, dessen Haus die Zypressen. 

Die hohen Berge gehören den Steinböcken, 

Felsen bieten Klippschliefern Schutz. 

Der den Mond geschaffen zur Zeitbestimmung, 

die Sonne, die ihren Untergang kennt. 

Bringst du Finsternis, so wird es Nacht; 

in ihr regt sich alles Getier des Waldes. 

Die jungen Löwen brüllen nach Raub 

um von Gott ihre Speise zu erbitten. 

Strahlt die Sonne auf, kehren sie heim 

und lagern sich in ihren Höhlen. 

Da geht der Mensch heraus zu seinem Tun, 

zu seiner Arbeit bis zum Abend [...]". (Ps 104,10-23) 

Dieses großartige Schöpfungsbild, das unmittelbar die Verhältnisse in Sy- 
rien-Palästina'^ mit Flüssen wie dem Jordan voraussetzt, dessen Ufer noch 
zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Urwald und Dickicht bedeckt war, 
"schildert die Welt als ein wohlgeordnetes System von genau differenzier- 
ten Makrobiotopen, die dem Menschen nur sehr beschränkt zugänglich 
sind"^. Der Psalm richtet den Blick zunächst auf den Lebensbereich zwi- 
schen den Bergen (V. 10-12), also auf die Schluchten und Wadis, wo nur 
Wildtiere zu finden sind: zum einen die Tiere des Feldes, also die Steppen- 
und Wüstentiere, für die exemplarisch der Wildesel bzw. der syrische 
Onager genannt wird, und die Vögel des Himmels, die zwitschernd zwi- 
schen den Zweigen ihre Stimme erheben. 

Auch die hohen Berge, vermutlich der Libanon und der Antilibanon, sind 
nicht in der Verfügungsgewalt des Menschen. Dort, im Schutz der JHWH- 
Bäume^ ist der Lebensraum von Vögeln wie dem Storch, aber auch von 



Vgl. dazu E. Zenger, „Du kannst das Angesicht der Erde erneuern" (Ps 104,30). Das 
Schöpferlob des 104. Psalms als Ruf zur ökologischen Umkehr, BiLi 64 (1991) 75-86, 
80; Chr. Uehlinger, Vom dominium terrae zu einem Ethos der Selbstbeschränkung? 
Alttestamentliche Einsprüche gegen einen tyrannischen Umgang mit der Schöpfung, 
BiLi 64 (1991) 59-74, 66 sieht in Psalm 104 die Topographie der phönizischen Küste 
gespiegelt (vgl. ders., Leviathan und die Schiffe in Ps 104,25-26, Bib. 71 [1990] 499- 
526, 525 und passim). 

Uehlinger, dominium terrae, 66. 

Gemeint sind die Libanonzedem, die eine Höhe von bis zu 40 m und einen Durchmes- 
ser von bis zu 4 m erreichen, vgl. dazu P. Riede, Art. Zeder, LThK 10 (2001) 1391f. 



32 Im Spiegel der Tiere 

Steinböcken und Klippschliefern (vgl. V. 16-18). Einzig das kultivierbare, 
für Ackerbau geeignete Bergland (V. 13-15) steht dem Menschen und sei- 
nen Tieren zur Verfügung. Dieser dem Menschen zugewiesene Lebens- 
raum wird von Gott so mit Regen versorgt, daß der Boden die zum Leben 
notwendigen Güter hervorbringen kann: "Weide für das Vieh sowie Pflan- 
zen und Bäume, aus denen der Mensch durch seine Arbeit Brot (Essen), 
Wein (Trinken) und Öl (Salben) gewinnen kann."'° 
Aber selbst in diesem Bereich werden dem Menschen Beschränkungen 
auferlegt. Er ist ihm nämlich nur am Tage zugänglich. Die Nacht dagegen 
gehört den Löwen, die dann Gott um ihre Nahrung bitten. Alle bislang ge- 
nannten Tiere bringen dem Menschen keinerlei Nutzen, ja sie können ihn 
sogar gefährden. Dem Menschen selbst kommt in diesem Schöpfungsbild 
kein Vorrang zu. Vielmehr sind beide, Mensch und Tier, auf die göttliche 
Fürsorge, auf die Versorgung mit Wasser und Nahrung angewiesen (vgl. 
V. 27-30). Und beide haben auch eine je besondere Gottesbeziehung. 
In besonderer Weise wird die Mensch-Tier-Beziehung durch unzählige 
Tiervergleiche erhellt' ^ die nicht nur zur Charakterisierung von Einzelper- 
sonen oder von Gott, sondern auch von ganzen Stämmen Verwendung fan- 
den, wie z. B. die Stammessprüche in Gen 49 und Dtn 33 zeigen'^. 

Benjamin ist ein reißender Wolf, am Morgen verzehrt er Raub, am Abend verteilt er 
Beute. (Gen 49,27) 

Dan sei [wie eine] Schlange am Weg, [wie] eine Homotter am Pfad, die das Pferd in 
die Fessel beißt, daß sein Reiter rücklings stürzt. (Gen 49,17) 

Während der Vergleich mit einem Wolf im Falle des Stammes Benjamin 
vermutlich seine Kriegstüchtigkeit bzw. Raublust in den Blick nimmt, wo- 
bei der Hinweis auf Morgen und Abend die Unermüdlichkeit des Beute- 
machens umschreibt'^ verweist der Vergleich Dans mit einer kleinen, aber 
gefährlichen Schlange auf die Kleinheit des Stammes, der wegen der ge- 
ringen Anzahl kampffähiger Männer keine offene Feldschlacht wagen, 
sondern stattdessen wie eine Schlange nur einen plötzlichen Überfall aus 
dem Hinterhalt heraus unternehmen konnte'"*. 



'" Zenger, Schöpferlob, 104, 80. 

' ' Vgl. dazu die Zusammenstellung von E. Schwab, Die Tierbilder und Tiervergleiche des 
Alten Testaments. Material und Problemanzeigen, BN 59 (1991) 37-43, 40f 

Vgl. dazu auch C. Westermann, Vergleiche und Gleichnisse im Alten Testament 
(CThM 14), Stuttgart 1984, 1 If 

'3 Vgl. dazu C. Westermann. Genesis. 3. Teilband: Genesis 37-50 (BK 1/3), Neukirchen- 
Vluyn 1982,275. 

'"t Vgl. dazu ebd. 267. 



Im Spiegel der Tiere 33 

Tiervergleiche spielten auch in der Alltagskultur des alten Israel eine wich- 
tige Rolle. Sie sollten helfen, Situationen des täglichen Lebens zu mei- 
stern. Anhand dreier Textkomplexe möchte ich zeigen, wie sehr das 
menschliche Leben im Spiegel der Tiere gesehen wurde. Ich wähle dafür 
Beispiele aus dem Buch der Sprüche und aus der Liebeslyrik, also aus dem 
eher profanen Bereich, sowie aus der Gebetssprache, also dem religiösen 
Bereich. Dabei ziehe ich aus der riesigen Fülle von Tiertexten und Tier- 
vergleichen im Alten Testament bewußt eher unbekannte Texte heran. 



II. "Besser einer Bärin begegnen als einem Toren" - 
Tiere in weisheitlichen Überlieferungen 

Vor allem die Weisheit, deren Ziel die Bewältigung des Alltags ist, ver- 
wendet immer wieder markante Vergleiche aus der Tierwelt. Häufig die- 
nen diese Vergleiche der Warnung vor einem dummen Verhalten, das bö- 
se, schädliche Folgen für einen haben kann, wie in folgendem Spruch: 

Einer, der einen herumstreifenden Hund an den Ohren packt, [ist] wie einer, der sich 
über einen Streit erregt, der nicht der seine ist. (Spr 26,17)'^ 

Man wundert sich vielleicht zunächst über die negative Wertung des Hun- 
des'^. In unserem abendländischen Kulturkreis sind Hunde ja meist Be- 
gleiter, Freunde, ständige Weggefährten des Menschen. Im Orient war das 
anders: Dort gehörten streunende Hunde seit jeher zum Erscheinungsbild 
orientalischer Städte. Es war kaum möglich, eine bestimmte Gegend zu 
passieren, ohne von solchen Hunden belästigt zu werden (vgl. Ex 11, 7). 
Diese halbwilden Hunde, die rasch zu wirklichen Haushunden gezähmt 
werden konnten, waren wild lebend äußerst gefährlich. Ihr Bellen, Heulen 
und Knurren machte Angst. Da sie Abfall und Aas fraßen und Blut vom 
Boden leckten (vgl. z. B. 1 Kön 14,11; 21,23f), galten sie als unrein und 
wurden verabscheut (Ex 22,30). Oft traten sie in Rudeln auf (vgl. Ps 59,7) 
und suchten nach Verzehrbarem. Man war gut beraten, diesen Tieren aus 
dem Weg zu gehen. Andernfalls drohte die Gefahr, gebissen zu werden. 



'5 Zum Text vgl. A. Meinhold, Die Sprüche (ZBK.AT 16/1+2), Zürich 1991, 443; T. 
Forli, Animal Images in the Didactic Rhetoric of the Book of Proverbs, Bib. 77 (1996) 
48-63, 59. 

'^ Zur alttestamentlichen Wertung der Hunde vgl. P. Riede, Im Netz des Jägers. Studien 
zur Feindmetaphorik der Individualpsalmen (WMANT 85), Neukirchen- Vluyn 2000, 
195-199. 



34 



Im Spiegel der Tiere 



Die folgende Abbildung zeigt eine solche, um das Aas versammelte 
Hundmeute. 



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Abb. 1: Um das Aas versammelte Hundmeute 

Schon im Papyrus Anastasi IV 12,5 beklagt sich ein während des Neuen 
Reichs auf einem abgelegenen Posten an der Grenze zu Palästina einge- 
setzter ägyptischer Beamter über eine schwere Hundeplage: 

200 große Hunde sind hier und 300 Wolfshunde, zusammen 500, die stehen alle 
Tage bereit an der Haustür, jedesmal, wenn ich ausgehe ... Indessen [?], habe ich 
nicht den kleinen Wolfshund des Teherhu, eines königlichen Schreibers, der hier im 
Hause ist? Der rettet [?] mich vor ihnen. Zu jeder Stunde, jedes Mal, wenn ich aus- 
gehe, ist er mit mir als Führer auf dem Weg. Sobald er bellt, laufe ich, um den Rie- 
gel aufzumachen [...]'^ 

Wer solch einen streunenden Hund packen wollte, mußte mit Verletzungen 
und Bissen rechnen. Ähnlich verhält es sich mit einem Menschen, der sich 
in einen Streit einmischt, der ihn nichts angeht. Leicht wird man so in den 
Streit involviert, daß man nur angeschlagen und mit Blessuren den Ort des 
Geschehens verläßt, ohne etwas bewirkt zu haben. 

Die negative Einstellung zu den Hunden zeigt auch ein anderes Sprich- 
wort'^: 



17 



Übersetzung nach A. Erman, Die Literatur der Ägypter. Gedichte, Erzählungen, Lehr- 
bücher, Leipzig 1923, 259; vgl. / Boessneck, Die Tierwelt des Alten Ägypten unter- 
sucht anhand kulturgeschichtlicher und zoologischer Quellen, München 1988, 84. 
Zur Stelle vgl. A.B. Ernst, Karikaturen in der alttestamentlichen Spruchweisheit. Oder 
warum man den Duramen nicht zu verspotten braucht, in: A. Graupner / H. Delkurt / 
A.B. Ernst (Hg.), Verbindungslinien. Festschrift für W.H. Schmidt zum 65. Geb., Neu- 
kirchen- Vluyn 2000, 57-64, 63; Forti, Animal Images, 57-59. 



Im Spiegel der Tiere 35 

Wie ein Hund zu seinem Erbrochenen" zurückkehrt, [so] ist ein Selbstzufriedener, 
der sich in seiner Selbstklugkeit wiederholt. (Spr 26, 11) 

In dieser Sentenz kommen der Ekel und die Abscheu, die man mit dem 
Hund verband, besonders gut zum Ausdruck. Der halbwilde Hund, der 
ständig auf der Suche nach Essbarem war und dabei wohl manches Mal 
auch verdorbene, unverträgliche Nahrung zu sich nahm, kehrt zu dem 
Ausgespieenen zurück, schnuppert und leckt daran und frißt schließlich 
wieder davon. Ein solcher Hund ist Beispiel für einen unbelehrbaren, 
selbstzufriedenen, törichten Menschen. Eigentlich müßte sich der Hund 
vor dem Erbrochenen ekeln. Ja, er müßte registrieren, "daß es die Verdor- 
benheit des Fraßes war, die ihm Beschwernis und Erbrechen verursacht 
hatte"20. Nun aber geht er an eine doppelt verdorbene Sache, die ihm wahr- 
scheinlich erneut Beschwerden verursacht. 

Einem solchen Hund gleicht der Selbstzufriedene. Er erfreut sich an der 
Dummheit seiner Rede und wiederholt sie sogar noch. Ja, seine Worte be- 
geistern ihn so sehr, daß er sogar Leid und Schmerz auf sich nimmt, um 
sich daran ergötzen zu können. Daß ein solches Tun verabscheut wurde, 
unterstreicht der Spruch aufs Trefflichste^'. 

Ein anderes Beispiel für die Beobachtung von Tieren bezieht sich auf die 
Begegnung mit einer Bärin^^: 



^^ Das Hapaxlegomenon Kp*, dem die Normalform N"'p entspricht (vgl. Jes 19,14; 28,8; 
Jer 48,26 und HAL, 1024), bezeichnet Erbrochenes (HAL, 990); das zugehörige Verb 
K''p, das im Alten Testament neunmal belegt ist, bedeutet im Qal "speien, sich überge- 
ben", im Hif. "etwas erbrechen", vgl. auch H. Ringgren, Art. K''p, ThWAT VII (1993) 
18f Ernst, Karikaturen, 63 dagegen meint, V.^p dürfe nicht nur auf "Gespei / Erbro- 
chenes" gedeutet werden, sondern könne "ganz allgemein jegliches 'Exkrement'" be- 
zeichnen: Da der Vergleich eine "typische Verhaltensweise des Hundes" verlange, liege 
die Übersetzung "Kothaufen" nahe: "Ein Hund dreht sich eben i.d.R. nach Verrichtung 
seines Geschäfts nochmals kurz danach um. Die Wendung bv. 31K^ entspricht also ge- 
nau dem sehr anschaulichen Bild einer ebenso typischen wie widerlichen Szene" (ebd. 
63f). Auch wenn sich in dieser Erklärung das Erfahrungswissen des Hundehalters wi- 
derspiegelt, so spricht nichts dafür, für N''p die Bedeutung "Kothaufen" anzunehmen. 
Im Gegenteil: Der Sprecher selbst setzt zwei typische Verhaltensweisen zueinander in 
Beziehung, die beide im Mund ihren Ausgangspunkt haben: Das Erbrochene ebenso 
wie die törichte Rede. Schon Frz. Delitzsch, Das Salomonische Spruchbuch (BC IV/3), 
Leipzig 1873, 426, verwies im übrigen darauf "Ausgespieenes wieder zu beschnüffeln 
und zu fressen ist Hundegewohnheit" (vgl. dazu C. Schulze, Die biblischen Sprich- 
wörter der deutschen Sprache, Göttingen 1 860, 71 f und 2 Petr 2,22). 

20 Meinhold, ZBK.AT 16/1+2, 441 . 

Vgl. dazu J. Hausmann, Studien zum Menschenbild der älteren Weisheit (Spr lOff) 
(FAT 7), Tübingen 1995, 19. 

22 Zur Sicht der Bären im Alten Testament vgl. Riede, Im Netz, 267-271 . 



36 Im Spiegel der Tiere 

Besser einer Bärin begegnen, der die Jungen geraubt sind, als einem Toren in seiner 
Torheit. (Spr 17,12) 

Auch hier wird eine Beziehung hergestellt zwischen einem Toren und ei- 
nem Tier, wobei im ersten Teil des Spruches ein Beispiel genannt wird, 
das im zweiten Teil sogar noch überboten wird. 

Bären kamen in Palästina häufig vor. Es handelte sich um den Mittelmeer- 
braunbären, der bis zu zwei Meter lang und bis zu viereinhalb Zentner 
schwer werden konnte. Die Gefährlichkeit der Bären konnte die der Löwen 
steigern (vgl. Klgl 3,10). Daß eine Bärin ihre Jungen verlor, war ein immer 
wieder zu beobachtendes Phänomen. Im Alten Testament wird oft auf die- 
sen Topos Bezug genommen, vor allem in Situationen der Bitternis und 
Verzweiflung^^. So findet sich ein ähnlicher Vergleich in 2 Sam 17,8 zur 
Charakterisierung der Unberechenbarkeit und Gefährlichkeit Davids, 
nachdem er von seinem Sohn Absalom aus Jerusalem vertrieben worden 
war. 

Auch in Spr 17,12 wird der Tor negativ gewertet, wobei ein Geschehen, 
das eindeutig negativ qualifiziert wird, der Begegnung mit einem Toren 
gegenübergestellt wird. Aber gegen allen gesunden Menschenverstand 
wird die zuerst geschilderte Situation noch als besser befunden^'*. Spr 
17,12 stellt zwei äußerst gefährliche Situationen zusammen, doch die grö- 
ßere Gefahr geht vom Toren aus und zwar für jeden, der auf ihn trifft^^. 
Die genaue Gefahr wird hier zwar nicht näher beschrieben, doch zeigen 
andere Sprüche, die vom Toren handeln, daß jeder, der einem solchen 
Menschen begegnet, Gefahr läuft, selbst zum Toren zu werden. Sowohl 
gegenüber dem Bären, aber erst recht gegenüber dem Toren suchte man 
sein Heil am besten in der Flucht. 

Die Unbelehrbarkeit und Unverbesserlichkeit des Toren, die sich indirekt 
schon in den bislang betrachteten Sentenzen zeigt, wird in Spr 26,3 noch 
einmal auf äußerst drastische Weise zum Ausdruck gebracht, wobei hier 
nun nicht Raubtiere, sondern Haustiere als Vergleichsspender fungieren: 

Die Peitsche für das Pferd, der Zaum für den Esel 
und der Stecken für den Rücken des Toren. 



^^ Vgl. dazu Forti, Animal Images, 56. 

^'^ Vgl. dazu Hausmann, Studien. 28. 

^^ Vgl. dazu A. Scherer, Das weise Wort und seine Wirkung. Eine Untersuchung zur 
Komposition und Redaktion von Proverbia 10,1-22,16 (WMANT 83), Neukirchen- 
Vluyn 1999,239. 



Im Spiegel der Tiere 37 

Auch wenn es fraglich ist, ob hier wirkHch an Schläge gedacht ist, die der 
Tor erhält, oder nicht eher eine bildliche Übertreibung vorliegt^ö, so ist der 
gemeinte Sinn doch klar: Hier werden Tiere und Menschen miteinander in 
Beziehung gesetzt, die eines gemeinsam haben: Sie sind "zu langsam oder 
störrisch und widerständig"^'', und sie müssen deshalb mit physischer Ge- 
walt zu einem bestimmten Tun gezwungen werden. 

Spr 22,13 dagegen nimmt wiederum auf eine gefährliche Situation Bezug, 
wobei in ironisierender Weise nun nicht der Tor, sondern der Faule^^ im 
Mittelpunkt der Betrachtung steht, dem durch die Redeform der Ironie 
deutlich Mißachtung zuteil wird^^: 

Es sagte der Faule: Ein Löwe ist draußen; auf den Plätzen könnte ich getötet wer- 
den.3o 

Hier geht es um einen Menschentyp, der um eine noch so abwegige Ausre- 
de nicht verlegen ist, um sich aus Bequemlichkeit^^ vor bestimmten Ver- 
pflichtungen zu drücken, und der davon überzeugt ist, daß ihm eine solche 
Ausrede auch abgenommen wird^^. 

Im Hintergrund des Sprichworts stehen ganz konkrete Situation des tägli- 
chen Lebens. Man mußte zur Arbeit nach draußen (vgl. Ps 104,23). Er- 
werbstätigkeit im Hause, Heimarbeit gab es nicht. Das Leben am Tage 
spielte sich außerhalb der Städte, auf den Feldern oder bei den Herden ab. 
Um diesen landwirtschaftlichen Arbeiten zu entgehen, nimmt der Faule 
Bezug auf eine andere immer wiederkehrende Erscheinung. Löwen waren 
in Palästina verbreitet (vgl. Jer 49,19; Dtn 33,22 u.ö.). Sie schreckten auch 
vor Angriffen auf Menschen nicht zurück (vgl. 1 Kön 13,26; 20,36; Jes 
15,9 U.Ö.). Wenn der Hunger sie trieb, hielten sie sich auch in der Nähe von 
Städten auf (vgl. Jer 5,6). "Dennoch ist es unglaublich übertrieben und an 
den Haaren herbeigeholt, daß sich ein Löwe in der Stadt aufhalten und 



^^ Vgl. dazu Hausmann, Studien, 29 Anm. 154. 

27 Meinhold, ZBK.AT 16/1+2, 437. 

2* Zur Beschreibung des Faulen im Sprüchebuch vgl. auch Ernst, Karikaturen, 58f; H. 
Delkurt, Ethische Einsichten in der alttestamentlichen Spruchweisheit (BThSt 21), 
Neukirchen- Vluyn 1992, 68ff, bes. 73. 

2^ Vgl. Hausmann, Studien, 73. 

■^^ Ein ähnlicher Spruch findet sich in Spr 26,13. 

31 Vgl. dazu Scherer, Wort, 329. 

Vgl. O. Plöger. Sprüche Salomos. Proverbia (BK XVII), Neukirchen- Vluyn 1984, 256. 



32 



38 Im Spiegel der Tiere 

ausgerechnet das Leben des Faulen bedrohen würde"^^. Der Faule bezieht 
sich auf eine lebensbedrohliche Gefahr, die allerdings nur in seiner Einbil- 
dung vorhanden ist, und merkt gar nicht, in welch wirkliche Lebensgefahr 
er sich selbst begibt - durch seine Faulheit. Da er seine Felder nicht be- 
wirtschaftet, wird ihm später, im Winter, die nötige Nahrung fehlen (vgl. 
Spr 20,4). 

Waren es bislang vor allem Faule und Toren, die mit Löwen, Bären und 
Hunden verglichen wurden, so gibt es auch Sprüche, die eindeutig das 
Gemeinwesen als Ganzes in den Blick nehmen und somit politischen Cha- 
rakter haben: 

Ein Gottloser, der über einem armen Volk regiert, ist wie ein knurrender Löwe und 

ein angreifender Bär. (Spr 28,15) 

[Wie] das Knurren eines Junglöwen ist das Toben des Königs, aber wie Tau auf 

Grünem sein Wohlgefallen. (Spr 19,12) 

[Wie] das Knurren des Löwen ist der Schrecken des Königs. Wer ihn erzürnt, der 

sündigt wider das eigene Leben. (Spr 20,2) 

Die drei genannten Sprüche handeln alle vom König, der höchsten 
menschlichen Autorität in damaliger Zeit, und vergleichen ihn mit einem 
knurrenden, brüllenden Löwen, natürlich jeweils Bild für eine unmittelbare 
Bedrohung. Der erste Spruch (Spr 28,15) steigert die Bedrohung sogar 
noch, indem er den Vergleich mit einem gierigen Bären hinzufügt. Eine 
akustische Bedrohung, das Knurren, Brüllen wird von einer motorischen, 
einer Bewegung, die auf Angriff aus ist, fortgeführt^"*. Nicht diese gefähr- 
lichen Aktionen an sich aber werden diskreditiert, sondern das Verhalten 
des Gottlosen, der einem doppelt gefährlichen Ungeheuer gleicht und die 
gesamte Klaviatur des Machtmißbrauchs beherrscht, um Schrecken zu ver- 
breiten und um sich selbst zu bereichem. Seine Opfer sind die kleinen 
Leute, die unter solch einer Herrschaft stöhnen (vgl. Spr 29,2) und die 
"durch Wort und Tat unterdrückt [werden]"^^. Wie aktuell ein solches 
Wort ist, zeigen im übrigen die Auftritte der vielen selbsternannten Tyran- 
nen und Diktatoren. Einem solch frevelhaften Herrscher aber steht ein Kö- 
nig gegenüber, der seine Untertanen verantwortungsvoll und gemein- 
schaftsdienlich behandelt^^. 



^3 Meinhold, ZBK.AT 16/2, 371. Zu Recht betont Ernst, Karikaturen, "daß die 'Todesur- 
sache Löwe' ... im Leben der Israeliten eine viel geringere Rolle gespielt haben [dürfte] 
als die 'Todesursache Auto' in unserem" (ebd. 59). 

3'' Vgl. Meinhold, ZBK.AT 1 6/2, 475. 

■'^ Delkurt, Ethische Einsichten, 123. 

^ö Vgl. ebd. 



Im Spiegel der Tiere 39 

Spr 19,12 dagegen vergleicht den wütenden Zorn eines Königs mit dem 
Knurren eines jungen Löwen. Auch hier bezeichnet das Knurren die un- 
mittelbare Gefahr, in der sich die Umgebung des Königs, seine Diener, 
aber auch seine Untertanen befinden. Während in Ps 104,21 das Brüllen 
der jungen Löwen darauf abzielt, Nahrung von JHWH zu erbitten, ist das 
bedrohliche Knurren in Spr 19,12 Zeichen für den Zorn des Königs, der 
Furcht auslöst. Die besondere Nuance des Spruchs liegt darin, daß der Lö- 
we im Alten Orient wie im Alten Testament Symboltier des Königtums 
war und hier somit der König der Menschen und der König der Tiere mit- 
einander verglichen werden. Im 2. Halbvers, wo vom Tau die Rede ist, 
kommt dagegen die lebensspendende Seite der königlichen Gnade in den 
Blick. Sie wird mit erquickendem, belebendem Tau verglichen. Tau war in 
den heißen Regionen Palästinas, wo über lange Zeit kein Regen fiel, oft die 
einzige Form von Feuchtigkeitszufuhr. Der Tau sicherte so das Überleben 
der Vegetation. Die unmittelbar vom König abhängige Dienerschaft wird 
aus diesem Spruch ihr rechtes Verhalten am Königshof abgeleitet haben 
und somit die für ihr Leben notwendige Einsicht gezeigt haben, wenn sie 
vermied, den Zorn des Königs auf sich zu ziehen^^. 

Spr 20,2 variiert dieses Thema nur leicht. Auch hier geht es um die Interes- 
senlage der Dienerschaft und der Untertanen, wobei nun nur noch auf die 
negativen Seiten der königlichen Gunst verwiesen wird. Doch wird in die- 
sem Spruch das Verhalten des Königs insofern noch gesteigert, als von 
dem Schrecken die Rede ist, der das Gegenüber erstarren läßt, das nun wie 
gebannt diesen Schrecken ertragen muß. Wer sich aber diesen Schrecken 
zuzieht, vergeht sich an seinem Leben, d. h. er ist schuld am eigenen Un- 
tergang, er hat sein Leben verspielt und es zugleich auch verfehlt. "Denn 
grundlos kann ihn der vernichtende Zorn eines als gerechten Richter vor- 
gestellten Königs [...] nicht treffen"^^. 



^^ "Gleichzeitig erscheint der König aber auch in einem ambivalenten Licht. So verhee- 
rend wie seine Wut, so wohltuend ist seine huldvolle Zuwendung. Offenbar bedarf der 
König des mäßigenden Einflusses anderer. Hier könnte sich das Interesse weisheitlich 
gesinnter Hofkreise andeuten, die den König als Herrscher akzeptieren, aber gleichzei- 
tig auch das Verlangen haben, ihn in seinen Entscheidungen im Sinne weisheitlicher 
Besonnenheit und Maßhaltung zu beeinflussen" {Scherer, Wort, 273 f). 

^^ Meinhold, ZBK.AT 16/2, 333. Daß es im Sprüchebuch auch Löwenbilder gibt, die 
nicht so sehr auf die Gefahr, die von diesen Tieren ausgeht, Bezug nehmen, sondern 
auf deren Widerstandskraft und Stärke, zeigt Spr 28,1 : 

Sie flohen - aber es ist kein Verfolger da: (So ist der) Frevler. 

Die Gerechten aber - (sie sind) wie ein Löwe, der getrosten Mutes ist. 

Es gehört demnach gerade zum Wesen der Gottlosen, daß in ihrer Vorstellung stets ein 
Verfolger vorhanden ist, der ihnen nachjagt. Ganz anders verhält es sich bei den Ge- 
rechten: Sie haben festes, dauerhaftes Vertrauen, selbst wenn äußere Gefahr droht, 
können sie hierbei doch wie ein Löwe bestehen. Worin dieses Vertrauen konkret be- 



40 Im Spiegel der Tiere 

Alltagspraktische Bedeutung haben auch die Sprichwörter in Spr 6,1-5^^. 
Hier wird ein Mensch, der für einen anderen gebürgt hat, aufgefordert: 

Mein Sohn, wenn du für deinen Nächsten gebürgt, 

Handschlag dem Fremden geleistet, 

dich verstrickt hast durch die Worte deines Mundes, 

gefangen bist durch die Worte deines Mundes, 

tu dies, mein Sohn, damit du dich rettest! 

Denn du bist in die Hand deines Nächsten gekommen. 

Geh, wirf dich nieder und bestürme deine Nächsten! 

Gib deinen Augen keinen Schlaf 

und keinen Schlummer deinen Lidern! 

Rette dich wie eine Gazelle aus dem Griff 

und wie ein Sperling aus der Hand des Voglers. 

Was genau im Hintergrund solcher Bürgschaften stand, ob es z. B. um Ga- 
rantien bei Zahlungsverpflichtungen ging, ist unklaf'O. In jedem Fall wurde 
ein Handschlag - möglicherweise vor Zeugen - geleistet, der die Über- 
nahme der Bürgschaft besiegelte. Die genauen Vorgänge sind unklar. Für 
die Weisen aber ergab sich das Problem, daß eine Bürgschafts- 
verpflichtung "Zusicherungen für die Zukunft macht'"*^, niemand aber über 
seine Zukunft verfügen kann. 

Im vorliegenden Fall ging es wahrscheinlich um eine Bürgschaft, die je- 
mand für seinen vorübergehend nicht zahlungsfähigen Nächsten bei einem 
Fremden übernommen hatte. Solange aber dieser Nächste seinen Zahlungs- 
verpflichtungen nicht nachkam, glich der Bürge einem in der Schlinge ge- 
fangenen Tier. Er wird nun aufgefordert, nichts unversucht zu lassen, um 
von der Last dieser Bürgschaft, die ihn und seine Familie vernichten 
könnte, wieder los zu kommen''^. Er soll seinen Nächsten, für den er ge- 
bürgt hat, und dessen ganze Familie bestürmen und bedrängen, er soll Tag 
und Nacht nicht ruhen, bis er die Verpflichtung, die er auf sich genommen 
hat, wieder los geworden ist. Denn nur so kann er sich retten - im letzten 
Augenblick, wie der Vergleich aus dem Jagdleben zeigt. Gazellen fing man 
mit großen Stellnetzen, für Vögel legte man Klappnetze aus, in denen sie 



39 



steht und worauf es sich gründet, deutet der Text selbst nicht an, kann aber aus dem 
Kontext erschlossen werden (vgl. Spr 28,25f; 29,25f): Es ist JHWH, der Herz und Mut 
der Gerechten stark macht. 

Zur Struktur der Verse vgl. ausführlich R. Schäfer, Die Poesie der Weisen. Dichotomie 
als Grundstruktur der Lehr- und Weisheitsgedichte in Proverbien 1-9 (WMANT 77) 
Neukirchen- Vluyn 1999, 152-157. 

'*'' Zum Hintergrund der in V. 1 geschilderten Rechtslage vgl. Schäfer, Poesie, 153f 

^^ Meinhold, ZBK. AT 1 6/1 , 1 09. 

^^ Vgl. dazu Schäfer, Poesie, 152 Anm. 602. 



Im Spiegel der Tiere 4 1 

gefangen wurden^^ Wenn der Vogel von dem Vogelfänger aus der Falle 
genommen wurde, in der er sich verfangen hatte, dann war sein Schicksal 
fast schon besiegelt. So weit sollte es im Falle des Bürgen aber nicht 
kommen - so der eingängige Rat. 

Neben solch durchaus praktischen Ratschlägen für das menschliche Zu- 
sammenleben, die mit Beispielen aus dem Tierreich treffend unterstrichen 
wurden, finden sich auch äußerst drastische, fast derbe Sprüche, so Spr 

11,2244; 

Ein goldener Ring im Rüssel eines Schweines ist eine schöne Frau, der die Umsicht 
abhanden gekommen ist. 

Der Nasenring war als Schmuckgegenstand im Alten Orient weit verbrei- 
tet. Bis heute ist er bei Beduininnen beliebt. Solche Ringe wurden in der 
Wand des rechten Nasenlochs getragen, und der Ring baumelte dann bis 
zum rechten Mundwinkel herab. Mehr als grotesk ist es, sich solch einen 
schönen, aus kostbarem Gold gefertigten Ring im Rüssel eines Schweines 
vorzustellen, zumal die Tiere ja bekanntlich mit dem Rüssel im Morast 
wühlen'*^. Wenn vom Schwein die Rede ist, dann kann sowohl das Wild- 
schwein gemeint sein, das gerne z.B. in Weinberge eindrang (vgl. Ps 
80,14) und diese verwüstete, es kann aber auch das domestizierte Schwein 
gemeint sein. Beide galten als kultisch unrein (vgl. Lev 1 1,7). 
Der Vergleich selbst ist natürlich nicht der Realität entnommen. Er über- 
spitzt in sarkastischer Weise, indem er Erscheinungen in der Tier- und der 
Menschenwelt zusammenbindet, die eigentlich nicht zusammengehören^^. 
Was bei dem Schwein zuviel ist, der goldene Ring nämlich, ist bei der Frau 
zu wenig vorhanden. "Nicht die schöne Frau an sich wird mit einem sinn- 
los geschmückten Schwein verglichen, sondern eine, der es an 'Geschmack' 
fehlt"4'7. Geschmack aber steht hier für das Gespür für das, was in einer be- 
stimmten Situation angebracht ist oder nicht. Auch dieses drastische Bild- 
wort will den Menschen ermahnen, sich nicht von Schönheit blenden zu 
lassen, sondern immer auch das rechte, passende Verhalten im Blick zu 
haben. 



43 Vgl. dazu Riede, Im Netz, 340ff. 

44 Zur textgeschichtlichen Einordnung dieses "jokosesten Verses innerhalb der Sammlung 
Prov 10,1-22,16" vgl. Scherer, Wort, 93f. 

45 Vgl. Delkurt, Ethische Einsichten, 59. 

4^ Vgl. Hausmann, Studien, 153. 

4'7 Meinhold, ZBK.AT 16/1, 197; zu DVd "Geschmack" vgl. Delkurt, Ethische Einsich- 
ten, 59. 



42 Im Spiegel der Tiere 

Wie sehr die Tierwelt die Menschen des alten Israel seit jeher faszinierte, 
zeigt ein anderer Spruch: 

Drei Dinge sind es, die zu wunderbar für mich sind, 

und vier kann ich nicht begreifen: 

Der Weg des Geiers am Himmel, 

der Weg einer Schlange auf dem Felsen, 

der Weg eines Schiffes im Meer 

und der Weg eines Mannes mit seiner Frau. (Spr 30,1 8f) 

Vier wunderbare, erstaunliche Phänomene werden in diesem Zahlenspruch 
genannt, die der Mensch nicht begreifen kann. Es geht dabei weniger um 
ein intellektuelles Erkennen, das auf Nachforschungen und geistigem Be- 
mühen beruht. Vielmehr liegt der Hauptakzent der Aussage darauf, daß 
hier Bewegungsarten und Verhaltensweisen zusammengestellt sind, die 
faszinieren, weil sie Geschicklichkeit und Kraft, Grazie und Zärtlichkeit 
voraussetzen. Zwei Umweltbeobachtungen aus der Tierwelt werden zwei 
Beobachtungen aus der Menschenwelt gegenübergestellt. Zielpunkt des 
Ganzen aber ist der vierte Vorgang, der Weg eines Mannes mit einer Frau. 
Alle Einzelverse von Vers 19 beginnen mit dem Wort "Weg" (ll"n.), das 
insgesamt viermal genannt wird. Insgesamt handelt es sich um eine Auf- 
zählung, wobei zunächst alle Bereiche des Kosmos (Himmel, Erde, Meer) 
abgeschritten werden. 

Begonnen wird mit dem Himmel und dem König der Lüfte, dem Geier 
(~IE^3), der in Palästina in mehreren Arten vorkommf*^. Am eindruckvoll- 
sten ist der mächtige Gänsegeier, der eine Länge von 1 m und eine Flü- 
gelspannweite von 2,40 m hat. Geier sind Aasfresser (Spr 30,17) und gehö- 
ren so zu den unreinen Tieren (vgl. Lev 11,3; Dtn 14,2), dennoch werden 
sie wegen ihres Fluges bewundert, der es ihnen erlaubt, sich lange in der 
Luft zu halten und hoch aufzusteigen (vgl. Hi 39,27)^*^. 
Die nächste Bewegungsart wird mit der Erde in Verbindung gebracht. Die 
Schlange, die ja keine Füße und keine Beine besitzt (vgl. Gen 3,14), kann 
sich mühelos in unwegsamem Felsgelände aufhalten und bewegen. Auch 
diese Tierart wird bewundert, obwohl sie die Menschen und vor allem die 
Bauern wegen ihrer plötzlichen Attacken und Bisse erschreckte und in Ge- 
fahr brachte. 



48 
49 



Vgl. dazu Keel u.a., OLB 1, 154-156; S. Schroer, Die Göttin und der Geier, ZDPV 1 1 1 
(1995) 60—80; T. Kronholm, Art. -\W}, ThWAT V (1986) 680-689. 
Zur Geiermetaphorik im Alten Testament vgl. auch K. Koenen, "Süßes geht vom Star- 
ken aus" (Ri 14,14). Vergleiche zwischen Gott und Tier im Alten Testament, EvTh 55 
(1995) 174-197, 178f. 



Im Spiegel der Tiere 43 

Der dritte Spruch wendet sich indirekt bereits der Welt des Menschen zu, 
wenn von den Schiffen auf dem Meer die Rede ist. Es geht hier um Ge- 
schickhchkeiten und Fähigkeiten, wie sie im Schiffsbau und in der 
Schiffslenkung zum Ausdruck kommen. Nach Himmel und Erde erscheint 
als dritter Kosmosbereich das Meer. Damit sind wie in Gen 1 alle Bereiche 
der Schöpfung abgeschritten. Interessant ist, daß das Alte Testament nur 
recht selten auf die Schiffahrt zu sprechen kommt^o. Das hängt damit zu- 
sammen, daß die Israeliten - anders als die Phönizier - nicht zu den see- 
fahrenden Völkern zählten und daher alles, was mit Seefahrt zusammen- 
hing, besonders bewunderten. 

Wenn auch bislang von unterschiedlichen Wegen die Rede war, so ging es 
doch immer um Bewegungsarten, mit deren Hilfe man Wegstrecken be- 
wältigen konnte. Wenn abschließend vom Weg des Mannes bei einer Frau 
die Rede ist, so liegt eine Bedeutungsverschiebung vor. Nun geht es um 
das "zärtliche Verhalten im intimsten menschlichen Bereich zwischen 
Mann und Frau"^'. Das Wunder der Liebe zwischen Mann und Frau stei- 
gert die zuvor genannten Wunder im Bereich der Schöpfung und wird da- 
her als letztes genannt. 



III. "Deine Augen sind Tauben" - Tiere in der Liebessprache 

Wohl in den meisten Kulturen finden sich Tiere auch in der Sprache der 
Liebe. Tierbezeichnungen werden zu Kosenamen, und der oder die Ge- 
liebte wird mit besonders prächtigen, schön-gestalteten oder "süßen" Tie- 
ren verglichen. Auch das Hohelied ist voll von solchen Bildern für den 
oder die Geliebte, auch wenn sie uns zuweilen auf den ersten Blick etwas 
fremd und seltsam vorkommen, wie vielleicht auch in folgendem Gedicht 
aus dem Hohelied: 

Siehe, du [bist] schön, meine Freundin 

siehe, du [bist] schön! 

Deine Blicke [sind] Tauben 

hinter deinem Schleier hervor. 

Dein Haar [ist] wie eine Ziegenherde, 

die vom Gileadgebirge herabstürmt. 

Deine Zähne [sind] wie eine Herde zur Schur Bereiter [Schafe], 

die aus der Schwemme heraufsteigen, 

die alle Zwillinge haben, 



50 



Vgl. dazu O. Keel / M. Küchler, Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und 
Studien-Reiseführer zum Heiligen Land, Bd. 2: Der Süden, Göttingen 1982, 1-5. 

51 A/e/nAoW.ZBK.AT 16/2, 509. 



44 Im Spiegel der Tiere 

von denen keines ein Junges verloren hat. (Hld 4,11)^2 

Der Dichter beschreibt Eigenschaften der Geliebten und verwendet hierfür 
mehrere Tiervergleiche. Immer steht der dynamische Aspekt des Bedeu- 
tungsempfängers oder -Spenders im Vordergrund, z. B. wenn von der vom 
Gebirge herabstürmenden Ziegenherde oder den aus der Schwemme her- 
aufsteigenden Schafen die Rede ist. Es geht um die anziehende Macht der 
Schönheit der Geliebten^^. 

Die in Hld 4 verwendeten Vergleiche und Metaphern sind nur zu verste- 
hen, wenn man sich die Gepflogenheit des Alten Orients vor Augen führt, 
nach der die Bedeutung oder Macht einer Person dadurch verdeutlicht 
wird, daß man die in der Welt sichtbaren Mächte und Herrlichkeiten mit 
den Gliedern dieser Person identifizierte. Daß dabei die Augen hervorge- 
hoben werden, ist nicht weiter verwunderlich, denn in ihnen wird die Aus- 
strahlung eines Menschen sichtbar. Was aber hat es mit der Wendung 
"Deine Augen sind Tauben" auf sich?^"* Werden die Augen der Geliebten 
mit Taubenaugen verglichen? Geht es um ihre Unschuld und Reinheit? 
Oder ist gar ihre Augenfarbe im Blickpunkt? 

Wo das Hebräische Körperteile in metaphorischen Zusammenhängen 
nennt, ist meist nicht die Form, sondern die Dynamis des betreffenden 
Körperteils im Blick^^. Das hebräische Wort WIVI "Augen" bedeutet so 
übertragen auch "Glänzen, Funkeln". So ist z. B. das "Auge des Weins" 
dessen Funkeln (Spr 23,31) oder das "Auge des Kupfers" meint das Glän- 
zen dieses Metalls (Ez 1,7). Was aber haben dann Augen und Tauben mit- 
einander zu tun? 

Tauben sind im Alten Orient und auch im Alten Testament Botenvögel^^. 
In der Sintfluterzählung bringt z.B. eine Taube mit einem Zweig im 
Schnabel Noah die Botschaft vom Ende der Flut (Gen 8,8ff)^''. Auch in 
Hld 4 wird diese Botenfunktion der Tauben im Blick sein. Zudem waren 
Tauben seit dem 3. Jahrtausend Attributtiere von Liebesgöttinnen, wie 
z. B. der Ischtar, der Astarte, der Aphrodite und Venus. Der Grund für die 
Verbindung der Taube mit den Liebesgöttinnen dürfte im auffallenden 
Liebesspiel dieser Vögel zu suchen sein, vor allem in ihrem Schnäbeln. 



52 Übersetzung nach O Keel. Das Hohelied (ZBK.AT 18), Zürich 1986, 129. 

5^ Vgl. dazu ebd. 130. 

5^ Vgl. zu verschiedenen Deutungsvorschlägen Keel, ZBK.AT 18, 71 f. 

55 Vgl. dazu O. Keel, Deine Blicke sind Tauben. Zur Metaphorik des Hohen Liedes (SBS 
114/115), Stuttgart 1984, 27ff. 

56 Vgl. dazu O. Keel, Vögel als Boten. Studien zu Ps 68,12-14, Gen 8,6-12, Koh 10,20 
und dem Aussenden von Botenvögeln in Ägypten (OBO 14), Göttingen 1977, 1 Iff. 

S'? Vgl. dazu ebd. 79ff. 



Im Spiegel der Tiere 



45 



Skulpturen schnäbelnder Tauben sind in hellenistischer Zeit als Weihega- 
ben für Tempel der Liebesgöttin Aphrodite gestiftet worden (vgl. Abb. 2). 




Abb. 2: Zwei schnäbelnde Tauben, wahrscheinlich ursprünglich eine Weihegabe für einen 
Aphroditetempel: Kalksteinskulptur aus Zypern, 4./3. Jh. v.Chr. 




Abb. 3 + 4: Zwei altsyrische Rollsiegel aus der Zeit um 1750 v.Chr. zeigen eine sich ent- 
schleiernde Göttin, die sich durch diesen Gestus ihrem Partner unmißverständlich nähert. 
Die Tauben, die vom Gesicht der Göttin wegfliegen, signalisieren deren Liebesbereitschaft 



46 Im Spiegel der Tiere 

Ältere ikonographische Zeugnisse bieten weitere Belege für die Deutung 
der Augen-Tauben-Metapher. So zeigen z.B. zwei altsyrische Rollsiegel 
aus der Zeit um 1750 v.Chr. Tauben, die vom Gesicht einer sich entschlei- 
ernden Göttin wegfliegen, die sich durch diesen Gestus in unmißverständ- 
licher Weise ihrem Partner nähert (vgl. Abb. 3 + 4). Diese Beispiele für 
die Taube als Symbol der Liebe ließen sich leicht vermehren. 
Mit den Augen sind in unserem Text sehnsüchtige Blicke gemeint. Be- 
rücksichtigt man die genannten Zeugnisse der altorientalischen Bildkunst, 
so können die Tauben auch in diesem Zusammenhang nur die Funktion 
von Liebesbotinnen haben. Man könnte den Satz "deine Augen sind Tau- 
ben" somit auch so übersetzen "Deine Augen sind Liebesbotinnen"^^. Der 
Freund preist also die Schönheit der Geliebten, aber auch ihre Blicke, die 
von der Liebe künden. 

Mit dem Haar assoziiert das Hebräische dagegen Unzählbarkeit und Vita- 
lität^^. Der Vergleich des Haares mit einer Ziegenherde unterstreicht den 
Aspekt des Zahlreichen und Unzählbaren. Die meist schwarz gefärbten 
Ziegen fielen durch ihre Frechheit und Vorwitzigkeit auf^'^. Das Haar der 
Geliebten wird durch den Vergleich mit einer Ziegenherde zu einer Offen- 
barung ihrer Vitalität und Lebenslust. 

Das Gileadgebirge war für den Reichtum an Herden berühmt (Mi 7,14; 
Jer 50,19). Herden kennzeichneten aber nicht nur Vitalität, sondern auch 
das Fehlen urbaner Zivilisation^'. Im Kontrast zu den schwarzen Haaren, 
die mit einer in einer Vorwärtsbewegung befindlichen Herde verglichen 
werden, stehen die weißen Zähne, die nun mit den hellen Schafen vergli- 
chen werden. Schafe wurden vor der Schur gewaschen, um dann bei der 
Schur die sprichwörtliche weiße Wolle (vgl. Jes 1,18; Ps 147,16) zu erhal- 
ten. Der Gegensatz zwischen den schwarzen Ziegen und den weißen Scha- 
fen ist konventionell und wird hier sicherlich absichtlich eingeführt. 
Während die Ziegen und die Ziegenböcke als wild und frech galten, war 
besonders das Mutterschaf, das vor seinem Scherer verstummt, ein Symbol 
von Sanftmut. Nicht umsonst heißt es von dem leidenden Gottesknecht in 
Jes 53,7: 

Er wurde bedrängt, aber er beugte sich 

und tat seinen Mund nicht auf 

wie ein Schaf, das zur Schlachtung gebracht wird, 



58 Vgl. Keel, ZBK. AT 1 8, 74. 

59 Vgl. ebd., 132. 

^^ Vgl. dazu Keel, Deine Blicke sind Tauben, 106. 

Vgl. Jes 1 7,2; 32, 1 4; Jer 6,3 und A'ee/, ZBK. AT 18, 133. 



61 



Im Spiegel der Tiere 47 

und wie ein Mutterschaf, das vor seinen Scherem stumm ist.^^ 

"Im Vergleich zu den herabstürmenden Ziegen wirken die in einer Reihe 
glänzend weiß aus der Schwemme heraufsteigenden Schafe wie eine Fest- 
prozession"^^. Zwillingsnachwuchs war bei Schafen keine ungewöhnliche 
Erscheinung. Daß keines der Jungtiere durch Raubtiere, Krankheiten oder 
andere Einwirkungen verloren ging, ist ein Zeichen für Segen und Glück. 
Wenn nun aber die weiß-leuchtenden, schön-gefärbten und lückenlosen 
Zahnreihen der Geliebten mit solchen Schafen verglichen werden, dann 
evoziert dieser Vergleich "den ganzen Segen und die freundlich heitere 
Festlichkeit einer Schafschur"^"*. 

Geht es in Hld 4 um die Schönheit der Geliebten, so zeigt ein anderer Tau- 
benvergleich das sehnsüchtige Verlangen nach der Geliebten: 

Meine Taube in den Felsklüften, 

im Versteck der Klippe. 

Laß mich deine Erscheinung sehen, 

laß mich deine Stimme hören. 

Denn deine Stimme ist betörend 

und deine Erscheinung hinreißend. (Hld 2,14) 

Dieses kleine Lied bittet die Geliebte inständig, sich sehen zu lassen, sich 
dem Geliebten zu zeigen. Die Anrede "meine Taube", die sich noch mehr- 
fach im Hohelied findet (Hld 5,2; 6,9), bezeichnet weniger einen Besitzan- 
spruch, sondern eher ein Bekenntnis: In der Gestalt der Geliebten begegnet 
der Sprecher der Liebe selbst. 

Der Erscheinungsort der Geliebten erscheint zunächst merkwürdig. Denn 
es sind die natürlichen Aufenthaltsorte der Felsentaube, nämlich Felsspal- 
ten und Felsklüfte, die schwer zugänglich sind. Das hebräische n3"l,"I?2 
"Klippe" meint eigentlich treppenartige Absätze im Felsen. Nur wenn die 
Wildtaube an den Rand dieser Absätze kommt, wird sie für kurze Zeit für 
den Betrachter sichtbar, der am Fuß des Berges oder der Schlucht zu den- 



^2 Zum Text vgl. B. Janowski, Stellvertretung. Alttestamentliche Studien zu einem theo- 
logischen Grundbegriff (SBS 165), Stuttgart 1997, 86. R. Hunziker-Rodewald, Hirt und 
Herde. Ein Beitrag zum alttestamentlichen Gottesverständnis (BWANT 155), Stuttgart 
2001, 191, leitet HQ'pN] dagegen nicht von I ühn nif "stumm sein, verstummen", 
sondern von II übu "binden" ab, das im Alten Testament nur im Pi. belegt ist (vgl. 
Gen 37,7). Sie bezieht sich hierbei auf das Verhalten von Schafen: "Die Vorstellung 
eines bei der Schur verstummenden Schafes entspricht nicht der Realität (und wäre 
auch eine unpassende Parallele zu dem sich keinesfalls stumm zur Schlachtung führen 
lassenden Schaf), oft aber werden den Schafen bei der Handschur die Beine zusam- 
mengebunden" (ebd. Anm. 6). 

63 A:ee/,ZBK.AT18, 133. 

64 /:ee/,ZBK.AT18, 133. 



48 



Im Spiegel der Tiere 



ken ist. Die Geliebte ist also unerreichbar und der "Kontrast zur wilden, 
öden Umwelt erhöht [...] ihren Glanz"^^. Aber schon durch ihr Erscheinen 
ist ihr Gegenüber hin und weg. 

Andere Bilder vergleichen den Geliebten mit einer Gazelle oder einem 
jungen Hirsch: 

Horch, mein Geliebter! 

Siehe, da kommt er! 

Springt über die Berge, 

hüpft über die Hügel. 

Mein Geliebter gleicht einer Gazelle 

oder einem jungen Hirsch. 

Siehe da, er steht 

hinter unserer Mauer. 

späht von den Fenstern her, 

schaut von den Gittern her. (HId 2,80 

"Liebende, deren Gefühle und Gedanken unablässig um den geliebten 
Menschen kreisen, sind bei jedem Geräusch, bei jeder am Horizont auftau- 
chenden Person geneigt, diesen kommen zu hören oder kommen zu se- 
hen"^^. Wenn die sehnlich erwartete Person dann wirklich kommt, dann 
wird dieses Ereignis zu einer schönen, glückbringenden Überraschung. Die 
Geliebte hört den Geliebten kommen, sie sieht ihn förmlich herbeieilen. 
Von daher ist gerade der Bezug auf Gazellen und Hinden naheliegend. Die 
Schnellfiißigkeit von Gazellen und Hinden war sprichwörtlich im Alten 
Testament (vgl. 2 Sam 2,18; Jes 35,6 und Abb. 5 + 6). 




Abb. 5: Springender Mesopotamischer Damhirsch auf einem mittelassyrischen Rollsiegel 
aus dem 13. Jh. v.Chr. 



" /i:ee/,ZBK.AT18, 100. 
6^ /sTee/.ZBK. AT 18,94. 



Im Spiegel der Tiere 



49 




Abb. 6: Ein junger Hirsch, der im Galopp vor einem (auf dieser Umzeichnung nicht mehr 
sichtbaren) Schakal flieht. Elfenbeinritzung aus Kamid el-Loz aus dem 14./13. Jh. v.Chr. 



Der Kontext des Vergleichs in Hld 2,8f, wo vom Springen und Hüpfen des 
Geliebten über die Berge die Rede ist, zeigt unmißverständlich, daß es 
auch hier um die schnelle Fortbewegung der Tiere geht. 
Da aber nicht von ausgewachsenen Hirschen, sondern von Kitzen die Rede 
ist, wird neben der Schnelligkeit auch eine gewisse spielerische Agilität, 
Lieblichkeit und Grazie mit im Blick sein^'^. 

Ganz andere Tiere begegnen uns in den individuellen Klagen der Psalmen, 
in denen ein betendes Ich seine Not gegenüber Gott ausbreitet. Zwei Bei- 
spielen aus der Gebetssprache wollen wir uns noch zuwenden, bevor ein 
abschließendes Resümee einige Folgerungen aus den bisherigen Beobach- 
tungen festhalten soll. 



IV. "Gleich der Dohle in der Wüste" - Tiere in Klagepsalmen 

Ich beginne mit Psalm 102: 

Denn vergangen sind im Rauch meine Tage, 

und meine Gebeine - wie ein Kohlebecken glühen sie. 

Versengt wie Gras und vertrocknet ist mein Herz, 

ja, ich vergaß mein Brot zu essen. 

Von meinem lauten Seufzen 

klebt mein Gebein an meiner Haut. 



^^ Vgl. dazu Keel, Deine Blicke sind Tauben, 79. 



50 Int Spiegel der Tiere 

Ich gleiche einer Dohle in der Wüste, 

bin wie eine Eule in Ruinen. 

Ich wache und schreie wie ein Vogel, 

einsam auf dem Dach. 

Den ganzen Tag spotten meine Feinde über mich, 

die gegen mich rasen, nennen mich zum Fluch. (Ps 102,4-9) 

Der Beter, der von seinen Feinden verspottet wird und auch körperlich am 
Ende ist, malt in Bildern des Zerbrechens diesen Verfallsprozeß. Dabei 
vergleicht er sich mit Wüstenvögeln, die fem von menschlichen Siedlun- 
gen in einem öden, lebensfeindlichen Terrain leben^». Sowohl Dohle als 
auch Eule sind nur selten im Alten Testament belegt. Es sind unreine Tiere 
(vgl. Lev 11,18; Dtn 14,17), die in einsamen, unbewohnten Gegenden, vor 
allem in Ruinen, Mauern und hohlen Bäumen leben. Ihre Unreinheit hat 
vermutlich damit zu tun, daß man ihre Lebensräume mit Dämonen in Ver- 
bindung brachte^^. 

Beide Vögel werden auch in Zeph 2,13f in Zusammenhang mit der unter- 
gegangenen Stadt Ninive genannt, von der es heißt: 

Es lagern Herden darin, 

allerlei Wildgetier des Tales'"*, 

Dohle und Eule (?) 

nächtigen auf seinen Säulenkapitellen. 

Das Käuzchen" ruft unaufhörlich im Fenster, 

der Rabe^^ auf der Schwelle: 

"arzä e/a."" 

Der Kontrast zwischen dem einstigen Glanz der Stadt und der jetzigen 
Trümmerstätte, die von der Natur zurückerobert wurde, könnte größer 
nicht sein. Das Beste, was dieser Stadt noch passieren konnte, ist, daß sie 
jetzt von Herden bewohnt wird, denn wo Herden sind, sind auch Hirten. 



^* Vgl. zum folgenden ausführlich Riede, Im Netz, 292ff 

^^ Vgl. dazu B. Janowski I U. Neumann-Gorsolke, Reine und unreine Tiere, in: dies. I U. 

Gleßmer (Hg.), Gefährten und Feinde des Menschen. Das Tier in der Lebenswelt des 

alten Israel, Neukirchen-Vluyn 1993, 214-218, 217; W. Kornfeld, Reine und unreine 

Tiere im Alten Testament, Kairos 7 (1965) 134-147, 146f 
'^0 Statt 'ia lies K''J. Zu den Textänderungen in Zeph 2,14 vgl. auch W. Rudolph, Micha, 

Nahum, Habakiik, Zephanja (KAT XIII/2), Gütersloh 1975, 276.278f 

■71 Statt h\p lies 013. 

■72 Statt 3in lies 3li?. Zum Raben vgl. auch A. Angerstorfer, Art. 3~l.i?, ThWAT VI 

(1989) 366-368; Kornfeld, Reine und unreine Tiere, 141; P. Riede, Art. Rabe, NBL III 

(2001)268. 
^3 F. Hartenstein, Die Unzugänglichkeit Gottes im Heiligtum. Jesaja 6 und der Wohnort 

JHWHs in der Jerusalemer Kulttradition (WMANT 75), Neukirchen-Vluyn 1997, 1 15f 

mit Anm. 315 hält die in Zeph 2,14 üblichen Konjekturen für überflüssig. 



Im Spiegel der Tiere 5 1 

Und diese sichern ihr wenigstens ein elendes Nachleben. Bei den Herden 
als den neuen Bewohnern aber bleibt es nicht. Zu den neuen Stadtbewoh- 
nern gehören neben den Tieren des Tales nämlich so kulturscheue Tiere 
wie Dohle und Eule oder Käuzchen und Rabe. Wo solche Tiere die Säulen- 
kapitelle der Stadt als Nistplatz erküren, ist an einen schnellen Wiederauf- 
bau kaum zu denken. Einen besonderen Akzent erhält Zeph 2,13f noch da- 
durch, daß die neuen Bewohner von Ninive der Stadt ein Totenlied singen, 
wobei das Krächzen des Raben im Hebräischen mit dem Ruf "'arzä 'erä " 
sogar lautmalerisch nachgeahmt wird^''. 

Wenn der Beter von Ps 102 sich nun mit solchen Vögeln vergleicht, dann 
zeigt dieser Vergleich eindrücklich, daß er sich im Bereich des Todes sieht, 
wobei die Aspekte der Einsamkeit und Isolation (der "soziale Tod") im 
Vordergrund stehen. 

V. 8 unterstreicht dies durch ein weiteres eindrückliches Tierbild. Hier 
vergleicht sich der Beter mit einem kleinen Vogel, der schreit. Dieses 
Schreien ist Ausdruck der Klage. Andererseits unterstreicht das einsame 
Wachen auf dem Dach die Besonderheit seiner Lage. Während das Dach 
sonst häufig Ort kollektiver Klage ist (vgl. Jes 15,3; 22,1; Jer 48,38), so ist 
der Beter von Ps 102 auch in seinem Klagen allein und verlassen. In seiner 
Isolation fühlt er sich bereits als tot und hofft auf Gott, der ihn aus diesem 
Zustand der Existenzbedrohung erretten soll. 

Ging es in Psalm 102 um Vögel, die aufgrund ihrer klagenden Rufe, ihres 
Aufenthalts in Todesräumen als Vergleichsspender für die Not des Beters 
dienten, so enthält Psalm 22,7 ein Tierbild, das auch uns vertraut ist. Hier 
wird der Beter ebenfalls mit einem ungefährlichen Tier verglichen, das 
verachtet wurde und einzeln leicht zu vernichten war: dem Wurm. 

(7) Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, 
ein Spott der Leute, verachtet vom Volk. 

(8) Alle, die mich sehen, verhöhnen mich, 
spalten die Lippe, schütteln den Kopf: 

(9) "Wälz auf / zu JHWH, der helfe ihm, 

der errette ihn, wenn er Gefallen an ihm hat." (Ps 22,7-9) 

V. 7 ist Teil des 2. Klageganges von Psalm 22 und beschreibt einerseits 
den Zustand des Beters (V. 7a), andererseits "das Verhältnis seiner Mit- 



74 



Zur möglichen Übersetzung dieses Rabengekrächzes vgl. K. Seybold, Nahum, Haba- 
kuk, Zephanja (ZBK.AT 24/2), Zürich 1991, 109; ders.. Satirische Prophetie. Studien 
zum Buch Zephanja (SBS 120), Stuttgart 1985, 53; Th. Staubli, Das Image der Noma- 
den im Alten Israel und in der Ikonographie seiner sesshaften Nachbarn (OBO 107), 
Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1991, 259. 



52 Im Spiegel der Tiere 

menschen zu ihm"'^ (V. 7b). Diese Verhältnisbestimmung wird in der 
Feindbeschreibung V. 8f weitergeführt. 

Vor allem V. 7a interessiert in unserem Zusammenhang, weil hier der 
Wurm genannt wird, ein im Alten Testament nur selten belegtes Tier. Ei- 
nerseits tritt er als Schädling auf, der Weinpflanzungen und Sträucher ver- 
nichten kann (vgl. Dtn 28,39: hier handelt es sich möglicherweise um den 
Beerenwurm Cochylis ambiguellaV^; Jona 4,7)''''. Andererseits kommt der 
Wurm in verwesenden und verfaulenden Stoffen vor, z. B. in verdorbenen 
Lebensmitteln (Ex 16,20) oder in Leichen, die vollständig von Würmern 
zerfressen werden (vgl. Jes 66,24), wie das anschauliche Spottlied der 
Scheolbewohner Jes 14,11 beweist: 

Maden sind das Lager unter dir und Würmer deine Decke.'* 

Wenn hier die Würmer als Bett und als Decke bezeichnet werden, dann 
zeigt dies, daß der Tote im Grab vollkommen von ihnen bedeckt und um- 
geben ist. Parallel zum Wurm wird mehrfach, so auch in Jes 14,1 F^, die 
Made genannt, ein Tier, das ebenfalls in faulenden Speisen (Ex 16,24), in 
kranken Körpern (Hi 7,5) und in Leichen im Grab (Hi 21,26; Sir 7,17; 
10,11) zu finden ist^*^. Würmer haben demnach eine Affinität zu Verwe- 
sung und Tod und gehören in den Bereich des Unreinen^ ^ und Ekelerre- 
genden, wie auch die beiden folgenden Stellen^^ zeigen: 

Denn wenn der Mensch gestorben ist, da wird er Maden und [anderes] Getier und 
Würmer bekommen. (Sir 10,1 1) 



^^ H. Gese, Psalm 22 und das Neue Testament, Der älteste Bericht vom Tode Jesu und die 
Entstehung des Herrenmahles, in: ders.. Vom Sinai zum Zion. Alttestamentliche Bei- 
träge zur biblischen Theologie (BEvTh 64), München, 1974, 180-201, 186. Vgl. zum 
folgenden ausfuhrlich Riede, Im Netz, 307ff 

■'ö Vgl. M Rose, 5. Mose (ZBK.AT 5/1+2), Zürich 1994, 540. 

■'■' Vgl. dazu P. Riede, Art. Wurm, NBL III (2001) 1 140-1 142. 

''^ Zum Text vgl. H. Wildberger, Jesaja. Kapitel 13-27 (BK X/2), Neukirchen- Vluyn 
1978, 534; vgl. femer Hi 21,26; 24,20. 

'^ Vgl. femer Hi 25,6; Jes 14,1 1. 

^^ Vgl. Wildberger, BK X/2, 550; P. Riede, „Denn wie der Mensch jedes Tier nennen 
würde, so sollte es heißen". Hebräische Tiemamen und was sie uns verraten, UF 25 
(1993) 331-378, 353 = unten S. 165-212, 194. 

81 Vgl. dazu Num5,2; 19,11-13.16; 31,19; Hag 2,13: Die Leiche und alles, was sie be- 
rührt, gih als unrein. Vgl. femer Lev 1 1,41^4. 

8^ Zitiert nach E. Kautzsch (Hg.), Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Te- 
staments, Tübingen 1900, 280.288. 



Im Spiegel der Tiere 53 

Demütige tief deine Seele, denn das Endschicksal aller Menschen besteht im Ge- 
würm. (Sir 7,17) 

Neben seiner Kleinheit und Schwäche ist der Wurm ein Tier, das in einem 
Todesbereich, dem Grab bzw. in Verwesendem, lebt. Hi 25,6 unterstreicht 
diese Deutung. Dort werden Mond und Sterne in Gegensatz gesetzt zu 
Würmern und Maden, den Symbolen der Sterblichkeit des Menschen. 
"Wenn nicht einmal Mond und Sterne vor dem Angesichte Gottes als rein 
erscheinen, wie dann der armselige Mensch"?^^ Der Vergleich des Men- 
schen mit Wurm und Made kann beides, Armseligkeit und Unreinheit^"*, 
knapp zum Ausdruck bringen. 

Während in Hi 25,6 eine Wesensbestimmung des Menschen vorliegt, zeigt 
der Vergleich in Ps 22,7 eine zeitweilige Notsituation des Beters an, die 
deswegen aber nicht weniger bedrängend und theologisch von höchstem 
Gewicht ist. Denn wo der Mensch seine Gestalt und seine Hoheit verliert, 
da verliert er auch seine Menschenwürde und wird zur Unperson, die ver- 
achtet wird (vgl. Jes49,7; 52,14; 53,3). Wo der Beter ausgeschlossen ist 
aus dem Bereich der Menschen und in die "Sphäre der niederen Kriechtie- 
re"^^ eingereiht, den schmähenden Gegnern überlassen wird, wird er "zum 
Gegenteil des königlichen Menschen, der in 'Herrlichkeit und Pracht ge- 
kleidet ist'" (Ps 8,6). Im Staub sich windend, zu Boden gedrückt, ohne 
aufrecht gehen zu können, hineingestellt in die Welt der Verwesung und 
des Todes, ist er einsam, isoliert. Diese Einsamkeit und Schwäche des Be- 
ters von Ps 22 aber hat ihre Ursache letztlich in der Ureinsamkeit der Gott- 
verlassenheit und Gottesfeme (vgl. V. 2f), die durch die Klage des Beters 
aufgebrochen werden soll. 

Andere Metaphern zeigen den physischen, psychischen und sozialen Ver- 
elendungs- und Verfallsprozeß des Einsamen und Angefochtenen in seiner 
Totalität auf (vgl. V. 15f 18a.l9). Sie fuhren schließlich auf den theologi- 
schen Spitzensatz hin: In Todesstaub legst du mich (V. 16). "Damit ist die 
Situation des Beters als Existenz in der Todeswelt gekennzeichnet, und 
auch die anderen Motive stellen diese Todeswirklichkeit dar"^''. 



83 F. Hesse, Hiob (ZBK. AT 1 4), Zürich ^ 1 992, 1 50. 

*'• Vgl. die Betonung des Stichworts "ina in Hi 25,4f. 

^^ H. Spieckermann, Heilsgegenwart. Eine Theologie der Psalmen (FRLANT 148), Göt- 
tingen 1989, 250; vgl. auch M. Douglas, Reinheit und Gefährdung. Eine Studie zu 
Vorstellungen von Verunreinigung und Tabu, Berlin 1985, 77: "Prototyp und Modell 
für wimmelnde Tiere ist der Wurm. So wie der Fisch dem Meer zugehört, gehört der 
Wurm zum Bereich des Grabes, zu Tod und Chaos". 

86 F.-L. Hossfeld /E. Zenger, Die Psalmen. Psalm 1-50 (NEB Lfg. 29), Würzburg 1993, 
149. 

8'^ H. Seidel, Das Erlebnis der Einsamkeit im Alten Testament (ThA 29), Berlin 1969, 22. 



54 Im Spiegel der Tiere 

Das Bild vom Wurm fügt sich nahtlos in diesen Kontext ein. Aber nicht 
nur körperlich ist der Beter am Ende. Indem seine Umgebung ihn mit 
Worten und Abwehrgebärden verspottet, schneidet sie ihn auch von den 
alltäglichen sozialen Kontakten ab und besiegelt "die sichtbare Er- 
niedrigung"^^. Das Feindzitat treibt diesen Spott auf den Höhepunkt. 
Indem der Beter jedoch seine Notlage vor Gott ausspricht, erhofft er zu- 
gleich eine Wende seiner Situation. Durch den Vergleich mit dem Wurm 
will er auf sein Elend aufmerksam machen und Gott zum hilfreichen Ein- 
greifen für sein Geschöpf herausfordern^'. 



V. Der Mensch im Spiegel der Tiere - Einige abschließende Überlegungen 

Tierbilder und Tiervergleiche gehören zu den uralten menschlichen Kul- 
turtraditionen'O sjg bewahren etwas von der archaischen Bewunderung 
des Menschen gegenüber dem Tier und zeigen zugleich seinen Respekt vor 
dem Mitgeschöpf Das Alte Testament unterscheidet sich hierin nicht von 
anderen Kulturen. 

Zu den bewunderten Tieren gehörten aber nicht nur diejenigen, mit denen 
der Mensch unmittelbar zu tun hatte, die Schafe und Ziegen also, die Rin- 
der und Esel, sondern auch die wilden, von denen häufig unmittelbare Ge- 
fahr ausging. Im Hintergrund vieler Texte steht eine genaue Beobachtung 
der Tiere, ihres Verhaltens, ihrer Bewegungen, ihrer Wesensmerkmale 
oder Charaktereigenschaften' '. 

Häufig sah man in den Tierbildem reine Illustrationen, bloße ästhetisch- 
poetische Ausschmückungen. Aber das ist nicht ihre eigentliche Absicht'^. 
Durch die Bildsprache werden Menschen und Tiere in ein enges Verhältnis 
gebracht. Das aber hat zur Folge, daß auf den Vergleichsempfänger etwas 
vom Wesen des Vergleichsspenders übergeht oder übertragen wird. Daher 
kann gerade der Bereich der Tiermetaphorik einen wichtigen Beitrag für 



89 
90 

91 
92 



H.-J. Kraus, Psalmen (BK XV/1+2), Neukirchen- Vluyn ^1978, 327. Zum sozialen Tod 

vgl. P. Hasenfratz, Die toten Lebenden. Eine religionsphänomenologische Studie zum 

sozialen Tod in archaischen Gesellschaften (ZRGG.B XXIV), Leiden 1982, 33ff. 

Vgl. H. Begrich, Das priesterliche Heilsorakel, ZAW 52 (1934) 81-92, 87. 

Vgl. hierzu auch Westermann, Vergleiche, 81 ff; B. Janowski / U. Neumann-Gorsolke, 

Tierbezeichnungen und Tiervergleiche, in: dies. I Gleßmer (Hg.), Gefährten 194-198 

196f 

Vgl. hierzu Schwab, Tierbilder, 42f 

Vgl. Westermann, Vergleiche, 15. Zur Bedeutung der Bildsprache vgl. auch B. Ja- 
nowski, Dem Löwen gleich, gierig nach Raub. Zum Feindbild in den Psalmen EvTh 55 
(1995) 155-173, 166ff 



Im Spiegel der Tiere 55 

die Rekonstruktion des Mensch-Tier- Verhältnisses im aUen Israel lei- 
sten^^^ denn sie bringt die "spezifische ... Wahmehmungsweise und Weit- 
sicht"^"^ der altisraelitischen Gesellschaft auf unverwechselbare Weise zum 
Ausdruck. 

Vor allem die Texte aus dem Proverbienbuch setzen Tierwelt und soziale 
Welt parallel. Dabei reicht "die Realität der täglich erfahrenen Wirklich- 
keit ... aus, Maßstäbe für das eigene Handeln zu gewinnen. Zugrunde liegt 
dem die Entsprechung zwischen dem Menschen als Geschöpf und der üb- 
rigen Kreatur" ^^. Tiere werden zum Vorbild des Menschen, und die Tier- 
vergleiche haben lehrhafte, didaktische Funktion. Der Mensch soll durch 
zum Teil drastische Bilder dazu gebracht werden, sein eigenes Verhalten 
zu überdenkend^. Wenn der Mensch sie beherzigt, wird sein Leben gelin- 
gen, und er wird vor Schaden bewahrt^^. Die Adressaten dieser Vergleiche 
werden demnach auf ihren gesunden Menschenverstand, auf ihr natürliches 
Empfinden und ihr Urteilsvermögen hin angesprochen^^. 
Zugleich haben diese Tierbilder auch eine affektive, emotionale Seite. Es 
ist ein Unterschied, abstrakt von einer Gefahr zu sprechen, oder den brül- 
lenden Löwen oder den reißenden Bär in Erinnerung zu rufen. Manche 
Sprüche (z. B. Spr 17,12) vermischen auch Gefühle der Angst mit Spott 
und Sarkasmus^^ und "helfen so, auch Unabänderliches zu bewältigen, 
eben humorvoll zu bewältigen" ^°°. 

Anders sind die Tiervergleiche des Hohenlieds zu beurteilen: Sie ver- 
schmelzen den oder die Geliebte mit der Grazilität, der Schönheit, der 
Anmut der Tiere und vermitteln etwas von der Vitalität und Lebenslust, die 



^^ Anders F. Schmitz-Kahmen, Geschöpfe Gottes unter der Obhut des Menschen. Die 
Wertung der Tiere im Alten Testament (NThDH 10), Neukirchen- Vluyn 1997, 37, der 
nur solche Texte in seine Untersuchung einbezieht, "die nach vorangegangener, aus- 
führlicher Untersuchung hinsichtlich einer Wertung des realen Mensch-Tier- 
Verhältnisses für aussagekräftig befunden wurden". Ausgeschlossen wird dagegen "das 
weite Feld der 'Tiersymbolik', weil sich die hierin getroffenen Aussagen allenfalls se- 
kundär auf die 'reale Tierwelt' beziehen, jedoch keine unmittelbare oder auch nur mit- 
telbare Wertung der Tiere beinhalten" (ebd.). 

^^ B. Janowski, Die "Kleine Biblia". Zur Bedeutung der Psalmen für eine Theologie des 
Alten Testaments, in: ders.. Die rettende Gerechtigkeit. Beiträge zu einer Theologie des 
Alten Testaments II, Neukirchen-Vluyn 1999, 126-164, 137. 

^^ Westermann, Vergleiche, 14. 

^^ Vgl. dazu Westermann, Vergleiche, 13f 

^^ Vgl. Delkurt, Ethische Einsichten, 73. 

^* Vgl. Westermann, Vergleiche, 15. 

^^ Vgl. Forti, Animal Images, 57. 

Ernst, Karikaturen, 64. 



100 



56 Im Spiegel der Tiere 

dem oder der Geliebten eignen'^^ Andere Vergleiche unterstreichen die 
Sehnsucht nach dem Gegenüber'^^. 

Auch die Tierbilder der Klagepsalmen' *^2 eignen dem Ver- 
gleichsempfänger etwas vom Wesen des Vergleichsspenders zu. Wenn der 
Beter z. B. mit einer Dohle oder einer Eule in der Wüste verglichen wird, 
so zeigt dieser Vergleich die Einsamkeit und Isolation des Beters, der sich 
in einen Todesraum versetzt fühlt. Diese Vergleiche wollen das Leiden in- 
tensivieren und verstärken'*^"*. Zugleich zeigen sie, wie stark die Unterwelt 
als Sphäre abnehmender Lebenskraft ins menschliche Leben hineinreicht 
und ihre Herrschaft auf Lebende ausbreiten kann. 

Diese Bilder der Klage binden das Geschick des Beters an die ihn umge- 
bende Naturwelt. Gerade wo die dem Schöpfer vorgehaltene Kreatürlich- 
keit, die bedroht ist, sich im Vergleich mit der seufzenden Kreatur Aus- 
druck verschafft, wird deutlich, wie sehr sich der Mensch mit den Tieren 
verbunden weiß"'^. Diese Bilder aber wollen Gott zum Eingreifen für sein 
Geschöpf bewegen, damit die Einsamkeit, die Leiden mit sich bringt, 
durchbrochen und neues heilvolles Leben möglich wird. 



"'^ Vgl. hierzu Westermann, Vergleiche, 12f. 

'°2 Vgl. dazu Keel, Deine Blicke sind Tauben, 13f. 

'03 Vgl. hierzu Riede, Im Netz, 323f. 

'0"* Vgl. C. Westermann, Ausgewählte Psalmen, Göttingen 1984, 85. 

'0^ Vgl. Westermann, Vergleiche, 82. 



Der Gerechte kennt die Bedürfhisse seiner Tiere 

Der Mensch und die Haustiere in der Sicht des Alten Testaments^ 



Wenn wir heute von Haustieren sprechen, so denken die meisten Men- 
schen vermutlich zunächst an Kleintiere, wie Hunde und Katzen, Meer- 
schweinchen und Kanarienvögel, Tiere, die zu beständigen Begleitern des 
Menschen werden, oft fester Bestandteil von Familien sind und häufig ei- 
nen sozialen Zweck "erfüllen". Zu Nutztieren dagegen besteht oft nur eine 
sehr entfremdete Beziehung, die im Extrem bereits dazu führte, daß sich 
viele Kinder Kühe "lila" vorstellen^. Die Zahl derer, die einen Kuh- und 
Schweinestall schon einmal von innen gesehen haben, wird gerade bei 
Stadtkindern immer kleiner. Und selbst wenn Wissen über solche Tiere 
vorhanden ist, dann ist es meist nicht mehr durch eigene, aus dem Umgang 
mit den Tieren gewonnene Erfahrungen abgedeckt. 



I. Die Haustiere im Alten Testament 

Wenn das Alte Testament von Haustieren spricht, so sind meist Nutz- und 
Arbeitstiere im Blick: Zum grundlegenden Haustierbestand gehörten Scha- 
fe und Ziegen (das sogenannte Kleinvieh), Rinder (das Großvieh), Esel und 
Tauben. Nach Ausweis der Archäologie und der alttestamentlichen Texte 
kamen auch Hausschweine in Palästina / Israel vor (vgl. Spr 11,223). gie 
wurden erst in nachexilischer Zeit mehr und mehr tabuisiert und schließ- 



Für weitergehende Informationen vgl. besonders B. Janowski / U. Neumann-Gorsolke / 
U. Gleßmer (Hg.), Gefährten und Feinde des Menschen. Das Tier in der Lebenswelt 
des alten Israel, Neukirchen- Vluyn 1993, sowie O. Keel / M. Küchler / Chr. üehlinger 
(Hg.), Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum 
Heiligen Land, Bd. 1: Geographisch-geschichtliche Landeskunde, Göttingen 1984, 
100-180. 

Nach einer dpa-Meldung vom 21.4.1995 sind für jedes dritte Kind selbst aus ländli- 
chen Gebieten Kühe lila, wie eine Malaktion in Bayern ergab, bei der 40000 Bauem- 
hofposter an Kindergärten verteilt wurden. Bei einem Drittel dieser Poster waren die 
Kühe "lila" ausgemalt. Die Bauernverbände werteten dies als Zeichen dafür, daß die 
medial vermittelte Scheinwelt der Werbung die Phantasie der Kinder derart bestimme, 
daß selbst auf dem Land die Realität davon überlagert wird. 

Zum Text vgl. P. Riede, Im Spiegel der Tiere. Überlegungen zum Verhältnis von 
Mensch und Tier in der christlich-jüdischen Tradition, = oben S. 29-56, 41 . 



58 Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere 

lieh für unrein erklärf*. Zu Hunden hatten die Menschen ein eher negatives 
Verhältnis^. Sie lebten meist in Rudeln halbwild in der Nähe der Siedlun- 
gen (Ps 59,7. 15f), durchstreiften diese auf der Suche nach Eßbarem und 
wurden meist ängstlich gemieden. Von Katzen hören wir fast nichts^. Pfer- 
de galten als Luxus, waren sie doch als Kömerfi-esser letztlich Nahrungs- 
konkurrenten des Menschen (1 Kön 5,8). Da sie vornehmlich im Krieg als 
Zugtiere vor dem Streitwagen eingesetzt wurden, wurde ihr Besitz v.a. in 
prophetischen Kreisen als negativ angesehen (vgl. Jes 30,15f u.ö.). Kamele 
fanden sich vermutlich nur in geringer Anzahl. Sie waren das charakteristi- 
sche Reittier der Nomaden, die es für Überfälle nutzten (Ri 6,5; 7,12). Da- 
neben wurde durch das Kamel seit dem 2. Jahrtausend der auch durch Wü- 
stenstrecken führende Femhandel möglich (vgl. 1 Kön 10,2). 
Das Zusammenleben des Menschen mit Haustieren ist eine Entwicklung, 
die früh einsetzte. Die seit dem Ende des 9. Jahrtausends in Vorderasien 
vollzogene Domestikation'^ von Schafen und Ziegen als den ältesten Wirt- 
schaftstieren steht in Zusammenhang mit der Entwicklung der Agrarwirt- 
schaft. Rind und Schwein kamen erst in der Folgezeit hinzu*. Das älteste 
wirkliche Haustier aber dürfte der Hund sein, dessen Domestikation schon 
in der Zeit der spät- bzw. nacheiszeitlichen Jäger-Sammler-Gemeinschaft 
nachzuweisen ist^. 

Schon die Einteilung der Tierarten in der "jahwistischen" Schöpfungser- 
zählung Gen 2,20 aber setzt domestizierte Tiere (hebr. HDnS) als solche 
voraus, die neben den Vögeln und den Tieren des Feldes, also den Wildtie- 
ren, genannt werden. Man kann daher annehmen, daß schon in der Zeit der 
Entstehung dieses Textes keine Erinnerung daran mehr vorhanden war, daß 
der Mensch sich die Tiere über einen langen Zeitraum hinweg vertraut 
machte und zähmte"'. 



"* Vgl. dazu P. Riede, Art. Schwein, NBL III (2001) 541-543; U. Hübner, Schweine, 
Schweineknochen und ein Speiseverbot im Alten Israel, VT 39 (1989) 225-236. 

Eine Ausnahme ist der Hund des jungen Tobias, der diesem zum treuen Reisebegleiter 
wird (Tob 5,17; 11,4). 

Sie werden nur Bar 6,22 im Zusammenhang einer Polemik gegen Götterbilder ge- 
nannt. 

' Vgl. dazu Th. Staubli, Hinweise zur Haustierwerdung im Vorderen Orient, in: O. Keel/ 
Th. Staubli (Hg.), "Im Schatten Deiner Flügel". Tiere in der Bibel und im Alten Ori- 
ent, Freiburg (Schweiz) 2001, 20-24; B. Brentjes, Die Haustierwerdung im Orient. Ein 
archäologischer Beitrag zur Zoologie, Stuttgart 1966. 

Vgl. N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausen- 
dealten Beziehung, Stuttgart 1994, 77-89 

^ Vgl. Benecke, Mensch, 68-76. 

Vgl. dazuM-I. Henry, Art. Tier, BHH III (1966) 1984-1987, 1984. 



10 



Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere 59 

II. Viehzucht als Lebensgrundlage 

Das Gedeihen der Haustiere lag den Menschen besonders am Herzen, hin- 
gen doch ihr Leben und ihre Existenz wesentlich von ihnen ab. So gehören 
nach Ps 144,12-14 viele Dinge zusammen, um den Fortbestand des Lebens 
zu garantieren: Kinder genauso wie gefüllte Vorratskammern und ein rei- 
cher, nicht durch Schaden oder Verlust geschmälerter Zuwachs an Klein- 
und Großvieh. 

12 Wohl unseren Söhnen, sie sind wie Pflanzen, 
großgezogen in ihrer Jugend. 

Unsere Töchter sind wie Säulen, fein geschnitzt, 
ein Abbild des Palasts. 

13 Unsere Speicher sind gefüllt, 
spenden Vorrat jeglicher Art. 

Unsere Schafe mehren sich tausendfach, 
vieltausendmal auf unseren Fluren. 

14 Unsere Rinder sind trächtig, 

ohne Schaden und ohne Fehlgeburt. 
Kein Wehgeschrei ist auf unseren Gassen. 

Wo aber solcher Zuwachs ausblieb, wo Schaden und Verlust eintraten, da 
bestand Grund zur öffentlichen Klage. Solch ein Schaden konnte nicht nur 
durch Krankheiten oder Naturkatastrophen entstehen. Gefahren drohten 
auch durch wilde Tiere, die in die Herden einbrachen und Schafe oder Zie- 
gen rissen, durch räuberische Einfälle von Nomaden und erst recht durch 
kriegerische Aktionen, denn Vieh war ein begehrtes Beutegut. 
Erinnert werden kann in diesem Zusammenhang an die Reihe der "Hiobs- 
botschaften" in Hi 1,13-19, die fast eine Art Negativkommentar zu Ps 144 
sind. Sie beginnen mit der Nachricht: 

Die Rinder pflügten und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, da fielen 
die aus Saba ein und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte. (V. 14f) 

Weitere solche Unheilsbotschaften betreffen die Schafe, die von einem 
Gottesfeuer aus dem Himmel (möglicherweise ein gewaltiger Blitzschlag) 
getroffen werden (V. 16), die Kamele, die von den Chaldäem geraubt wer- 
den (V. 17) und die Nachkommen Hiobs, die durch die Folgen einer Na- 
turkatastrophe ausgelöscht werden (V. 18f) - alles miteinander Grund zur 
Trauer für Hiob (Hi l,20f): Einst ein reicher Mann mit großem Viehbe- 
sitz", steht er nun mit völlig leeren Händen da. Dennoch hadert er nicht 



" Erwähnt werden 7000 Stück Kleinvieh, 3000 Kamele, 500 Joch Rinder und 500 Ese- 
linnen (vgl. Hi 1,3). 



60 Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere 

mit Gott, weil er all seinen Besitz als Gabe Gottes ansieht, die ihm nur auf 
Zeit überlassen ist (V. 21). 

Nur wenige Menschen hatten solch eine Menge von Tieren, z.B. Nabal, der 
3000 Schafe und 1000 Ziegen besaß (1 Sam 25,2), oder der Moabiterkönig 
Mescha, dem je 100000 Widder und Schafe zugeschrieben werden (2 Kön 
3,4). Diese Herden weideten tagsüber unter der Aufsicht von Berufshirten 
oder von jüngeren Familienmitgliedern (1 Sam 16,11; 17,15.34) in der 
Steppe oder auf unbebauten Hügeln. Abends trieb man sie in Hürden bzw., 
wenn es kalt war oder regnete, in Höhlen. Wo die Bauern ihre Haustiere 
hielten, ist unklar. Der Esel war wahrscheinlich im offenen Hof des Hauses 
untergebracht. Auch ein Schaf oder eine Ziege dürften als Milchtier dort zu 
finden gewesen sein. 



III. "Achte auf das Aussehen deines Kleinviehs!" 

Die meisten Menschen mußten mit ein paar Schafen und Ziegen auskom- 
men. Umso mehr hegte und pflegte man diese Tiere, die den beweglichen 
Besitz bildeten. 
Daher mahnt Spr 27,23-27 den Bauern' 2; 

Verstehe dich gut auf das Aussehen deines Kleinviehs! Achte auf deine Herden! 
Denn Besitz dauert nicht ewig und Reichtum nicht für alle Zeit. Ist das Gras ver- 
schwunden und der Nachwuchs zum Vorschein gekommen, und wurden die Kräuter 
der Berge gesammelt, (dann) gibt es Lämmer für deine Kleidung, und den Kaufpreis 
eines Feldes (bilden) Böcke, und der Bedarf an Ziegenmilch (reicht) für deine Nah- 
rung, für die Nahrung deines Hauses und als Lebensunterhalt für deine Mägde. 

Deutlich werden die Mühen der Viehhaltung beschrieben: Das ganze Jahr 
über mußten Wiesen und Weideflächen abgeerntet werden, um genügend 
Futter für die Tiere heranzuschaffen. Auch die ausreichende Versorgung 
der Tiere mit Wasser war schwierig. Aber diese Mühe lohnt sich mehr als 
ein Leben, das auf anderem Besitz gründet. Denn die Tiere lieferten Milch, 
Fett, Häute, Fleisch' ^ und Wolle. Nicht nur Kleidung wurde aus ihren Pro- 
dukten hergestellt. Die Böcke konnte man verkaufen, um zusätzliches Ak- 



12 



13 



Angesprochen ist ein begüterter Bauer, der allerdings nicht so reich ist, daß er neben 
Schafen und Ziegen Großvieh und Kamele besitzt. Zur Stelle vgl. A. Meinhold, Die 
Sprüche (ZBK.AT 16/1.2), Zürich 1991,461^63. 

Doch wird Fleischgenuß selten gewesen sein und sich meist auf Feste und die Bewir- 
tung von Gästen beschränkt haben, vgl. dazu Th. Staubli, Tiere als Teil menschlicher 
Nahrung in der Bibel und im Alten Orient, in: Keel / Staubli (Hg.), "Im Schatten Dei- 
ner Flügel", 46ff Die Hauptnahrung bestand dagegen aus Getreide und Hülsenfrüch- 
ten. 



Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere 6 1 

ker- und Weideland zu erwerben. Und das ganze Haus konnte man mit 
dem Milchertrag ernähren. All das gründet aber auf dem Zustand und dem 
Wohlbefinden der Tiere, die der Besitzer im Blick zu behalten hat'"*. 
Daß das Mensch-Tier- Verhältnis darüber hinaus auch eine emotionale, af- 
fektive Seite haben konnte, zeigt ein in 2 Sam 12,1-10'^ überliefertes 
Gleichnis, das die rührende Geschichte eines einfachen Bauern erzählt, 
dem ein bitteres Los zuteil wurde: Ein Reicher und ein Armer leben in der- 
selben Stadt. Der Reiche besitzt große Mengen an Kleinvieh und Rindern, 
der Arme dagegen nur ein einziges Lamm, das er für sich gekauft hatte. 
Die Schilderung der Fürsorge für das Tier ist einzigartig: Der Arme zieht 
es zusammen mit seinen Söhnen auf Es ißt von seinem Brot und trinkt aus 
seinem Becher, es schläft an seiner Brust und es wird für ihn wie eine 
Tochter. Als einmal der Reiche Besuch bekommt und er dem Besucher ein 
Gastmahl zubereiten will, reut es ihn, dafür eines seiner eigenen Tiere zu 
nehmen. Vielmehr schlachtet er das Lamm des Armen und bereitet es dem 
Mann zu, der ihn besucht. 

Welch ein Kontrast! Hier der Reiche, der aus dem Vollen schöpfen konnte, 
aber zu geizig ist, eines seiner vielen Tiere zu schlachten. Da der Arme, 
der nur ein einziges Tier hat, an dem er aber mit aller Liebe hängt. Der 
Verlust des Tieres ist für den Bauern mehr als ein materieller Schaden. Der 
Arme verliert durch den Reichen ein Lebewesen, das ihm ans Herz ge- 
wachsen ist. Und die Verletzung dieses Gefühls empfand man als Frevel, 
wie auch die Reaktion Davids zeigt (vgl. V. 5), auf den das Gleichnis 
letztlich abzielte. 



IV. Die Tiere und das Recht 

Die wichtigsten Arbeitstiere waren Rind und Esel. Sie halfen bei der müh- 
seligen Feldarbeit und wurden einzeln oder paarweise vor den Hakenpflug 



''* Das Sprüchebuch bezieht sich noch an anderen Stellen auf den Viehbestand, vgl. z.B. 

Spr 14,4: 
Ohne Rinder (besteht nur) ein Getreidefuttertrog, 
aber eine Menge an Erträgen (entsteht) durch die Kraft der Rinder 

Der Spruch weist auf den vielfältigen Nutzen und die gesteigerten Erträge hin, die den 

Bauern durch die Rinder und ihre bei verschiedenen landwirtschaftlichen Arbeiten 

(Pflügen, Dreschen, Ziehen von Karren etc.) eingesetzte Arbeitskraft entstehen (vgl. 

Meinhold, ZBK.AT 16/1.2, 231). 
15 Zur Deutung vgl. F. Stolz, Das erste und zweite Buch Samuel (ZBK.AT 9), Zürich 

1981, 240f; H. Gunkel, Das Märchen im Alten Testament (RV 11/23-26), Tübingen 

1921, 35f 



62 Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere 

gespannt^^, mit dem man den steinigen Boden auflockerte. Esel und Maul- 
tiere brachten das zu Garben zusammengebundene Getreide zum 
Dreschplatz, wo es mithilfe eines Dreschschlittens gedroschen wurde. 
Auch hierbei wurden Rind oder Esel eingesetzt. Das Rind war femer Zug- 
tier für schwere Lastkarren, der Esel v.a. Lasttier, in früher Zeit aber auch 
Reittier. 

Daß diese Arbeitstiere auch in die Lebensgemeinschaft des Menschen ein- 
gebunden wurden, zeigt sich v.a. im Bereich des Rechts, wobei auch hier 
der Gedanke der Fürsorge im Vordergrund steht. So heißt es Dtn 25,4: 

Du sollst dem Rind, das da drischt, das Maul nicht verbinden. 

Dem arbeitenden Tier soll also ein Teil des Ertrags seiner Arbeit zuteil 
werden und nicht um einer Gewinnmaximierung willen verweigert werden. 
Natürlich waren auch in alttestamentlicher Zeit die Tiere nicht davor ge- 
feit, ausgenutzt und mißhandelt zu werden. Vermutlich wird es den Eseln 
damals nicht anders gegangen sein, als ihren heute im Orient lebenden 
Artgenossen^'': Die Last, die ihnen aufgebürdet wurde, konnte die Grenze 
des Belastungsvermögens leicht überschreiten, so daß sie zusammenbra- 
chen. Auf solch einen Fall spielt Ex 23,5 an: 

Wenn du siehst, daß der Esel deines Gegners unter seiner Last zusammengebrochen 
ist, so höre auf, dich von ihm fernzuhalten. Du sollst mit ihm zusammen Hilfe lei- 
sten. 

Hier ist mehr als Tierliebe im Spiel. Die wirtschaftliche Existenz selbst des 
Feindes darf nicht gefährdet werden, denn er ist von der Arbeitskraft seines 
Tieres abhängig. Um des Menschen, aber auch um des Tieres willen ist in 
solch einem Fall zu helfen, auch wenn man sich sonst nicht gerade freund- 
lich gesonnen ist' ^. 

Auf die Schwachen in der Gesellschaft, die Fremden, Sklaven, aber auch 
die Arbeitstiere bezieht sich auch das Gebot der Sabbatruhe: 



16 

17 



Doch verbietet Dtn 22,10, Rind und Esel zusammen vor den Pflug zu spannen. 
Vgl. dazu R. Beyer, "Tut dem Kamel nichts Böses an". Geliebte und andere Tiere im 
Islam, in: W.-R. Schmidt, Geliebte und andere Tiere im Judentum, Christentum und 
Islam, Gütersloh 1996, 129-154, 132f u.ö. 

Vgl. dazu E. Otto, Theologische Ethik des Alten Testaments (ThW 3/2), Stuttgart 
1994, lOOf 



Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere 63 

Sechs Tage sollst du arbeiten und am 7. Tag sollst du aufhören zu arbeiten, damit 
ausruhen dein Rind und dein Esel und aufatmen der Sohn deiner Sklavin und der 
Fremde (Ex 23,12, vgl. Dtn 5,14; Ex 20, lO).'' 

Einziger Zweck dieses Tages sind Ruhe und "Ausspannen". Und genannt 
werden in diesem Zusammenhang an erster Stelle neben den Schwachen 
die Tiere, die im Alltag besondere Arbeitslasten zu tragen hatten. Der Sinn 
dieser Regelung aber ist derselbe wie in der Brachjahrbestimmung (Ex 
23,11): Mensch und Natur unterliegen der Gottesherrschaft, was zur Folge 
hat, daß "der organisierten Nutznießung von Arbeitskraft und Fruchtbar- 
keit des Feldes eine Grenze"^'^ gesetzt wird. 

Besondere Schutzbestimmungen betreffen das Muttertier und sein Neuge- 
borenes: Wenn ein Rind, ein Schaf oder eine Ziege geboren wird, soll das 
Junge sieben Tage bei seiner Mutter bleiben. Erst danach darf es geopfert 
werden (Lev 22,27; vgl. Ex 22,29). Ein Rind oder Schaf soll nicht am sel- 
ben Tag wie sein Junges geschlachtet werden (Lev 22,28). Und das Böck- 
lein soll man nicht in der Milch seiner Mutter kochen (Ex 23,19b; 34,26b; 
Dtn 14,21c). Hier zeigt sich der Respekt vor der geheimnisvollen Weiter- 
gabe des Lebens, der verhindert, die innige Beziehung zwischen Muttertier 
und säugendem Jungtier zu zerstören^'. 

All diese Bestimmungen setzen der Nutzung der Natur und der Tiere durch 
den Menschen Grenzen und bringen damit zugleich zum Ausdruck, daß 
der Mensch sein eigenes Leben und die Fruchtbarkeit der Natur JHWH 
verdankt. 



V. "Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere - aber das Innere der 

Frevler ist grausam" 

Wie das ideale Verhältnis des Menschen zu seinen Tieren und besonders 
den Nutztieren aussehen könnte, kann sehr gut ein weisheitlicher Satz zu- 
sammenfassen, der sich in Spr 12,10 fmdet^^: 



'^ Vgl. femer Dtn 22,6f sowie die Bestimmungen zum Sabbatjahr in Ex 23,10f; Lev 
25,5-7, die voraussetzen, daß der Ertrag des Landes Mensch und Tier zukommt. 

20 Oho, Ethik, 101. 

2' Vgl. dazu O. Keel, Das Böcklein in der Milch seiner Mutter und Verwandtes. Im 

Lichte eines altorientalischen Bildmotivs (OBO 33), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 

1980. 
22 Der Text spielt vor allem im Pietismus eine wichtige Rolle, wo der Tierschutzgedanke 

früh zu finden ist, vgl. dazu M.H. Jung, "Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs". Der 

Tierschutzgedanke im Pietismus, in: B. Janowski / P. Riede (Hg.), Die Zukunft der 



64 Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere 

Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner^^ Tiere. 

Das hebräische Wort tl?5J, das hier mit "Bedürfnis" übersetzt wird, hat ein 
großes Bedeutungsfeld: Seele, Kehle, Hauch, Atem, Leben^^. An unserer 
Stelle meint das Wort zunächst all das, was ein Tier zum Leben braucht, 
zuerst das Futter, das durch die Kehle geht, dann aber auch alles andere, 
was für eine gute, wir würden heute sagen: artgerechte Tierhaltung wichtig 
ist. Dazu gehört auch die Beachtung der natürlichen Bindungen der Tiere. 
Wer so versucht, die Bedürfnisse der Tiere zu achten, wer alles tut, was für 
das Wohl der Tiere nötig ist, bis sie vielleicht geschlachtet werden, der 
verhält sich gerecht und menschlich zu ihnen. Die Gerechtigkeit eines 
Menschen hat demnach nicht nur Auswirkungen auf seine Mitmenschen, 
sondern auch auf seine Mitgeschöpfe. 

Entsprechendes gilt für den Ungerechten, den Frevler, von dem in Spr 
12,10b gesagt wird: 

Das Innere der Frevler ist grausam. 

Hier ist nicht mehr von Tieren die Rede, was zeigt, daß der Satz über das 
unmittelbare Mensch-Tier- Verhältnis hinausgeht. Frevler ist demnach ei- 
ner, "der im Inneren, wo die Regungen des Erbarmens ihren Sitz haben, 
hart und grausam ist"^^. Und diese Grausamkeit wird sich nicht nur auf die 
Tiere beziehen, sondern ebenso auf arme, bedürftige Menschen, wie z.B. 
Spr 21,10 zeigt: 

Die Kehle des Frevlers begehrt Böses, 

kein Erbarmen findet sein Nächster in seinen Augen. (Spr 21,10) 

Es ist längst an der Zeit, diese alten Erkenntnisse der Bibel, die das Ver- 
hältnis von Menschen und Tieren beschreiben, neu zu entdecken und um- 
zusetzen, nicht um die Tiere zu vermenschlichen, sondern um ihnen die 
Würde und die Achtung zuzugestehen, die ihnen als Mitgeschöpfen zu- 
kommt. 



23 

24 
25 



Tiere. Theologische, ethische und naturwissenschaftliche Perspektiven, Stuttgart 1999, 
128-154, 130fl41. 

Das Suffix 3. m. Sg. deutet an, daß zunächst die Nutztiere im Blick sind, die zum 
Hausstand des Gerechten gehören (vgl. O. Plöger, Sprüche Salomos. Proverbia [BK 
XVIII], Neukirchen-Vluyn, 1984, 150). 

Vgl. dazu H. Seebass, Art. E??], ThWAT V (1986) 531-555, 538ff 

Meinhold, ZBK.AT 16/1+2, 207. Das hebräische D'prn., das wörtlich "Eingeweide" 
bedeutet, "steht für die erbarmenden, liebenden Gefühle ..., die wir mit dem 'Herzen' 
als ihrem Sitz verbinden" (vgl. Meinhold, ebd.). 



David und der Floh 

Tiere und Tiervergleiche in den Samuelbüchem" 



Tiervergleiche sind im Alten Testament häufig. Sie gründen auf intensiver 
Naturbeobachtung und sind alles andere als zufällig gewählt, erst recht 
nicht bloße Veranschaulichung oder Illustration eines Sachverhaltes, den 
man genauso gut anders ausdrücken könnte. Im Gegenteil: Wo Vergleiche 
mit Tieren verwendet werden, sollen sie dem Vergleichsempfänger we- 
sentliche Züge des Vergleichsspenders übereignen^ . Erst die Forschung der 
letzten Jahre hat das Eigengewicht der Tiervergleiche und der Tierbilder 
neu entdeckt und die Frage nach Klassifikation und Einteilungen, nach 
spezifischen Sitzen im Leben und nach der Funktion der Vergleiche in ih- 
rem jeweiligen Kontext neu gestellt^. Wenn wir uns nun den Tierverglei- 
chen und -metaphem in den Samuelbüchem zuwenden^, sollen diese 
Aspekte im Blick behalten werden. Natürlich ist hier nicht der Ort, die 
vielfaltigen literarischen und historischen Probleme der Texte auch nur an- 
satzweise nachzuzeichnen'*. Unsere Überlegungen gliedern sich in fol- 



Die folgenden Ausführungen wurden in Auszügen am 15. Dezember 1993 im Rahmen 
der Alttestamentlichen Sozietät in Heidelberg vorgetragen. Für weiterfuhrende Hin- 
weise danke ich besonders Herrn Prof. Dr. B. Janowski, Frau Dr. H. Weippert und 
Herrn Privatdozenten Dr. Thomas Podella (Heidelberg). 

Vgl. dazu C. Westermann, Vergleiche und Gleichnisse im Alten und Neuen Testament 
(CThM/A 14), Stuttgart 1984, 9f 104; vgl. ders.. Ausgewählte Psalmen, Göttingen 
1984,33. 

Vgl. E. Schwab, Die Tierbilder und Tiervergleiche des Alten Testaments. Material und 
Problemanzeigen, BN 59 (1991) 37-43, 42f (dort auch die grundlegende Literatur; zu 
ergänzen ist: E. Jenni, Zur Semantik der hebräischen Personen-, Tier- und Dingver- 
gleiche, ZAH 3 [1990] 1 13-166). 

Vgl. dazu auch Westermann, Vergleiche, 19ff.23f 

Vgl. dazu aus der-Fülle der Literatur L. Rost, Die Überlieferung von der Thronnach- 
folge Davids (BWANT 42), Stuttgart 1926; G. von Rad, Der Anfang der Geschichts- 
schreibung im alten Israel, in: ders.. Gesammelte Studien zum Alten Testament (TB 
8), München M965, 148-204, vor allem 159ff; A. Weiser, Die Legitimation des Kö- 
nigs David. Zur Eigenart und Entstehung der sogen. Geschichte von Davids Aufstieg, 
VT 16 (1966) 325-354; R. Rendtorff, Beobachtungen zur altisraelitischen Geschichts- 
schreibung anhand der Geschichte von Davids Aufstieg, in: Probleme biblischer 
Theologie. FS G. v. Rad zum 70. Geburtstag, hrg. v. H. W. Wolff, München 1971, 428- 
439; E. Würthwein, Die Erzählung von der Thronfolge Davids - theologische oder 
politische Geschichtsschreibung? (ThSt 115), Zürich 1975; J.H. Grmbxk, Die Ge- 
schichte vom Aufstieg Davids (1. Sam 15-2. Sam 5). Tradition und Komposition, 
Copenhagen 1971; R.P. Gordon, Davids Rise and Saul's Demise. Narrative Analogy 
in 1 Samuel 24-26, Tyndale Bulletin 31 (1980) 37-67; K.W. Whitelam, The Defence 



66 David und der Floh 

gende Abschnitte: I. Floh und Steinhuhn (1 Sam 24,15; 26,20) - II. Wei- 
tere Tiervergleiche im Überblick (2 Sam 1,23; 2,18; 17,8.10; 22,34) - 
III. Die metaphorische Verwendung von 3 75 1- Die Belege und ihr al- 
torientalischer Kontext 2. Die Metapher "Hund" und das königliche Hof- 
zeremoniell 3. Fazit 4. Die Belege im Kontext der Samuelbücher (1 Sam 
17,43; 24,15; 2 Sam 3,8; 9,8; 16,9) 5. Folgerungen - IV. Exkurs: Tiere 
außerhalb von Vergleichen - V. Zur Bedeutung der Tiervergleiche in 
den Samuelbüchern 

I. Floh und Steinhuhn (1 Sam 24,15; 26,20) 

Der Floh wird in der Bibel nur zweimal erwähnt. Beide Erwähnungen fin- 
den sich in Tiervergleichen des 1. Samuelbuches (24,15; 26,20). Dabei 
wird 1 Sam 26,20 von 1 Sam 24,15 literarisch abhängig sein^. Erstaunlich 
aber ist die Tatsache, daß nicht irgendwer mit einem Floh verglichen wird, 
sondern daß der spätere König Israels und Judas, David, sich mit diesem 
kleinen Tierchen gleichsetzt. 1 Sam 24,15 fragt David den Saul: 

Hinter wem zieht der König von Israel her? Hinter wem jagst du nach? 
Hinter einem toten Hund! Hinter einem einzelnen Floh! 

Der Kontext der Stelle ist schnell geschildert^. Nachdem Saul das Treiben 
Davids schon lange mißtrauisch beobachtet hat, stellt er seinem Neben- 
buhler nach. Er kommt nach Engedi und geht in eine Höhle, um seine Not- 
durft zu verrichten. Dabei bemerkt er nicht, daß sich David mit seinen 
Leuten in der Höhle verborgen hat. Während Davids Märmer schon den 



of David, JSOT 29 (1984) 61-87; D. Vetter, Was leistet die biblische Erzählung?, 
BThZ 3 (1986) 190-206; A. Cook, 'Fiction' and History in Samuel and Kings, JSOT 
36 (1986) 27^8; J.W. Wesselins, Joab's Death and the Central Theme of the Succes- 
sion Narrative (2 Sam IX - 1 Kings II), VT 40 (1990) 336-351; Th. Seidl, David statt 
Saul. Göttliche Legitimation und menschliche Kompetenz des Königs als Motive der 
Redaktion von I Sam 16-18*, ZAW 98 (1986) 39-55; T. Veijola, David. Gesammelte 
Studien zu den Davidüberlieferungen des Alten Testaments (Schriften der Finnischen 
Exegetischen Gesellschaft 52), Helsinki / Göttingen 1990; O. Kaiser, Beobachtungen 
zur sogenannten Thronnachfolgeerzählung Davids, EThL 64 (1988) 5-20; ders., Da- 
vid und Jonathan. Tradition, Redaktion und Geschichte in 1 Sam 16-20. Ein Versuch, 
EThL 66 (1990) 281-291. Weitere Literatur bei O. Kaiser, Grundriß der kanonischen 
und deuterokanonischen Schriften des Alten Testaments 1. Die erzählenden Werke 
Gütersloh 1992, 121f 

Eine Synopse und Analyse der beiden Erzählungen findet sich bei K. Koch, Was ist 
Formgeschichte? Neue Wege der Bibelexegese, Neukirchen- Vluyn M974, I63ff 
168ff 

Zur literarischen Gestalt des Kapitels vgl. J. Scharbert / G. Hentschel, Rut / 1 Samuel 
(NEB Lfg. 33), Würzburg 1994, 134. 



David und der Floh 67 

Triumph über Saul nahe wähnen, begnügt sich David damit, ein kleines 
Stück von der Kleidung Sauls als Beweis dafür abzuschneiden, daß dieser 
in seiner Hand war. Als sich Saul aufmachen will, um weiterzuziehen, tritt 
David aus der Höhle heraus, erkennt ihn als legitimen König Israels an und 
fragt nach dem Grund für seine Nachstellungen. In diesem Zusammenhang 
fällt auch das oben zitierte Wort, in dem sich David mit einem toten Hund 
und einem einzelnen Floh vergleicht. 

Was aber ist mit diesem Vergleich beabsichtigt? Der Floh ist ein kleines 
Lebewesen. Er erreicht eine Größe von nur 1,5-3 mm. So könnte David 
mit diesem Vergleich sich selbst als unbedeutend darstellen, als so unbe- 
deutend, daß sich die Verfolgung, die Saul betreibt, nicht lohnt''. Zudem 
kann ein einzelner Floh einfach abgeschüttelt oder mit der Hand gefangen 
werden, so daß Saul sich lächerlich macht, wenn er mit einem Heer von 
dreitausend Mann auf Verfolgungsjagd geht^. Andererseits sind Flöhe, so- 
bald sie in Menge auftreten^, äußerst lästig'^. Ihre Sprungbeine helfen ih- 
nen, ihre natürlichen Wirtstiere, Hunde und Katzen, aber auch Menschen 
zu befallen. Mit ihren spitzen Mundwerkzeugen stechen sie und saugen das 
Blut ihrer Wirtstiere ab. Auch ein einzelner Floh kann einen schon in stän- 
dige Unruhe treiben, wenn man sich kratzend und juckend seiner zu erweh- 
ren sucht". Zudem treten Flöhe zuweilen unerwartet auf Zu den gewöhn- 



10 



11 



Vgl. auch HJ. Stoebe, Das erste Buch Samuelis (KAT VIII/1), Gütersloh 1973, 436; 
P.K. McCarterjr., 1 Samuel (AB 8), New York 1980, 385. /. Lande, Formelhafte 
Wendungen der Umgangssprache im Alten Testament, Leiden 1949, 76 verweist auf 
die Häufigkeit der Personennamen 2^i?")D und a"?? und führt hierzu eine Erklärung 
von J.-J. Hess (Von den Beduinen des inneren Arabiens, Zürich 1938, 138) an: "... sie 
(die Namen) bedeuten einen Wunsch: für das Kind, wie ... 'Floh', d.h. er möge seinen 
Feinden lästig fallen wie ein Floh ... Den Sklaven werden die schönsten Namen gege- 
ben. 'Denn' - erklärt ein Ansässiger - 'wir nennen unsere Söhne für unsere Feinde, die 
Sklaven dagegen für uns'". 

Vgl. E. König, Stilistik, Rhetorik, Poetik in Bezug auf die biblische Literatur kom- 
parativisch dargestellt, Leipzig 1900, 45. 

Ein Flohweibchen kann bis zu 400 Eier legen! 

Vgl. G. Dalman, AuS 1/2, Gütersloh 1928, 397. Vgl. auch die biographische Anmer- 
kung Dalmans ebä.: "Mein Freund Hmsdin Petra wunderte sich, wenn ich Flöhe ab- 
suchte - ich zählte einmal hundertsechsunddreißig -, wie ich sie öfters in Felsengrä- 
bern auflas, und bemerkte: 'Auf mir laufen jede Nacht hundert.'" Lieder auf die Floh- 
jagd finden sich bei E. Littmann, Neuarabische Volkspoesie, Berlin 1902, 
145.146ff 153, vgl. ders.. Vom morgenländischen Floh. Dichtung und Wahrheit über 
den Floh bei Hebräern, Syriern, Arabern, Abessiniem und Türken, Leipzig 1925; E. 
Ebeling, Art. Floh, RLA III (1957-1971) 87; W. Helck, Art. Floh, LA II (1977) 267. 

Die Feststellung von W. Caspari, Die Samuelbücher (KAT VII), Leipzig 1926, 302 
trifft die Sache nur zum Teil: "Da die palästinischen Höhlen durch ihre Parasiten be- 
rüchtigt sind, wird ein eben aus einer Höhle tretender Morgenländer eines einzigen 
Flohes wegen nicht den Gleichmut verlieren." Der "Floh" David hatte Saul bereits ge- 
raume Zeit in Atem gehalten. Hätte Saul David wirklich für so bedeutungslos gehal- 



68 David und der Floh 

liehen Aufenthaltsorten haben vermutlich Höhlen gehört, in die sie durch 
Wildtiere, die dort einen Ruheplatz suchten, eingeschleppt wurden. So 
könnte in diesem Bild noch eine zweite Ironie'^ stecken: Du fängst mich ja 
doch nicht, auch wenn ich dir noch so lästig bin, eher findet der Floh ein 
Wirtstier. Und genau das war ja in der vorangehenden Geschichte berichtet 
worden: David trifft auf den ahnungslosen Saul in der Höhle und schneidet 
ein Stück von seinem Rockzipfel ab, als Beweis dafür, daß er ihn auch 
hätte töten können. Schon dieser Vorfall ist ein Angriff auf die Integrität 
Sauls, denn "der Gewandzipfel galt als ein Stück der Person, die das Ge- 
wand trug"'^. Der in der Höhle sitzende kleine Floh hat bereits "zuge- 
schlagen", ohne daß sich der mächtige Saul seiner hätte erwehren können, 
trotz all seiner Bemühungen. Der Biß des Flohes saß^"*. 

Die Parallelstelle 1 Sam 26 stellt eine Variante des Kapitels 24 '^ dar. 

Denn der König von Israel ist ausgezogen zu suchen einen einzelnen Floh, wie 
man'* ein Steinhuhn jagt in den Bergen. 

Auch diese Erzählung steckt voller Ironie und reizt den Hörer zum Lachen 
über das tölpelhafte Verhalten des Königs, schleicht sich doch "David ins 
feindliche Lager ein und stiehlt dem schlafenden König die persönlichsten 
Gegenstände" 1'^. Daher ist es nicht verwunderlich, daß die "planvoll paral- 
lele" Ausgestaltung der beiden Überlieferungen durch den Erzähler der 
Aufstiegsgeschichte (1 Sam 16-2 Sam 5) auch den Tiervergleich betrifft. 



ten, wie David es darstellt, dann hätte er kaum die Mühe der Verfolgung auf sich ge- 
nommen. 

'2 Auch sonst ist die Stelle voller Komik, vgl. schon den Beginn in V. 4ff mit dem Rat 
der Gefährten "zum Mord auf dem Abort" (so der Titel eines Aufsatzes von U. Hübner 
in BN 40 [1987] 130-140) und dem heimlichen Abschneiden des Mantelzipfels als 
Helden-Trophäe. 

G. Krinetzki, Von Samuel bis David. Die Bücher Samuel (Stuttgarter Kleiner Kom- 
mentar 6), Stuttgart 1976, 26. 

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die "Geschichte des Flohs und seiner 
Brüder", die bei Littmann, Volkspoesie, 145 zu finden ist. Dort heißt es Z. 6: "Meine 
Kleider all' zerriss er, keinen heilen Faden ließ er." Der Floh zieht also auch die Klei- 
der seines Opfers in Mitleidenschaft (vgl. auch ebd. 146 Z. 13; 147 Z. 28.30). Ob man 
von hier aus einen Bezug zu dem Mantelzipfel sehen darf, den David Saul abschneidet? 

Vgl. F. Stolz, Das erste und zweite Buch Samuel (ZBK.AT 9), Zürich 1981, 162: 
Motivdublette (vgl. ebd. 163 die Aufzählung der Berührungspunkte mit Kapitel 24); 
Stoebe, KAT VIII/1, 464f: Ausgleich verschiedener Rezensionen. Vgl. auch Koch, 
Formgeschichte, 173ff Zur literarischen Gestalt von Kapitel 26 s. Scharbert / 
Hentschel, Rut/ 1 Samuel, 143ff 

*^ Zum generellen Subjekt "man" vgl. König, Stilistik, 181. 

l'^ 5to/z, ZBK.AT 9, 164. 



David und der Floh 69 

wobei anzunehmen ist, daß der Bezug auf den Floh in 1 Sam 26,20'^ se- 
kundär zum Vergleich mit dem Steinhuhn' ^ hinzutrat, um ebenso wie in 1 
Sam 24, 1 5 zwei Tiervergleiche zu erhalten. 

Doch es läßt sich auch noch ein weiterer Grund für die Erwähnung dieses 
Plagegeistes finden. Flöhe werden nämlich besonders nachts aktiv, wenn 
es ihren Opfern schwer fällt, die schwarzen Tiere in der Dunkelheit zu lo- 
kalisieren^'^, um sie zu zerdrücken. Die durch die Bisse Gequälten finden 
so häufig keinen Schlaf Diese Beobachtung könnte 1 Sam 26 in ironischer 
Weise aufnehmen: Denn David schleicht sich ja in den innersten Lagerring 
ein und kommt dem schlafenden Saul so nahe, daß er ihn zwicken könnte. 
Dagegen lassen die Flohbisse, die einer nachts zu erleiden hat, einen so tie- 
fen und festen Schlaf, wie er Saul und seine Mannschaft überfallen hat, gar 
nicht zu (vgl. aber die Begründung dafür V. 12). Auch in dieser Geschichte 
hat der Floh bereits zugebissen, ohne daß es einer der Betroffenen gemerkt 
hätte. Er hat sein Opfer gefunden, das ja eigentlich ausgezogen war, ihn zu 
suchen und zu fassen. 

Der Bezug auf das Steinhuhn hingegen könnte Lokalkolorit bewahrt ha- 
ben; zumindest in der Gegend von Engedi, wo die Parallelgeschichte 1 
Sam 24 spielt, lassen sich heute noch Steinhühner in der Trockenzeit beob- 
achten^'. Diese Tiere sind recht schnelle Läufer^^, doch können sie, sobald 
sie ermüdet sind, mit einem Stock totgeschlagen werden^^. 
Auch in diesem Vergleich steckt somit eine Ironie: Saul ist hinter David 
mit einer großen Streitmacht her und jagt ihn wie ein Steinhuhn in den 
Bergen, das man nur unablässig genug verfolgen muß^"*, um es zu ermüden 
und schließlich auch zu fangen. Doch dieses Jagdglück bleibt dem "Jäger" 
Saul vorenthalten. Im Gegenteil: Der Gejagte überlistet den ermüdeten (!) 
Jäger und zeigt sich somit behender und überlebensfähiger als dieser, 



'^ Anders G: ... öti ifyXv^'ü^zv ö ßam^^üc; laparjX, C,r\xe\\ Tr)v v|/uxiiv |iou, KaSwq 
KttTaSicüKEi ö vuKTiKopo^ Ev \6\c, opEmv. Doch scheint hier eine Vereinfachung des 
Textes vorzuhegen. Zu verschiedenen Vorschlägen, den Text zu ändern, siehe Stoebe, 
KATVIII/l,464f. 

*^ X~l.p ist sonst nur noch Jer 17,1 1 belegt. 

^^ Vgl. die volkstümliche Geschichte des Flohs bei Littmann, Volkspoesie, 146ff. 

21 Vgl. O. Keel/M. Küchler (Hg.), Orte und Landschaften der Bibel Bd. 2, Zürich / Ein- 
siedeln / Köln 1982, 432; dies., Bd. 1 (1984) 159. 

22 Vgl. dazu B. Landsberger, Die Fauna des alten Mesopotamien nach der 14. Tafel der 
Serie HAR-RA = m/BC/LLl7{ASA^ 42/6), Leipzig 1934, 79f Anm. 4; K. Seybold, 
Das "Rebhuhn" von Jer 17,1 1. Erwägungen zu einem prophetischen Gleichnis, Bib. 68 
(1987) 57-73, vor allem 57f 

23 Vgl. A. Socin, Art. Rebhuhn, in: H. Guthe (Hg.), Kurzes Bibelwörterbuch, Tübingen / 
Leipzig 1903,539. 

24 Vgl. auch McCarterjr., AB 8, 408. 



70 David und der Floh 

könnte er doch den schlafenden Saul ohne eigenes Risiko töten. Zudem 
sind Steinhühner keine gefährhchen Tiere, sondern eher sind sie und ihre 
Nester von Schlangen, Kröten, Raubvögeln und Menschen gefährdetes. 
Der Vergleich mit dem Steinhuhn könnte also zusätzlich Ausdruck der 
Verwunderung Davids sein: "Ich bin doch auf mich allein gestellt und so 
keine wirkliche Bedrohung"^^. Zugleich gilt die Feststellung A.H. van Zyls: 
"Met nadruk wijst David op de nietigheid van de buit waarop Saul jaagt 
(de vlo) en op de zinloosheid van de tocht ... Ook vestigen de beeiden (vlo 
en patrijs) de aandacht op de ongelijke krachtsverhouding tussen Saul met 
zijn drieduizend man en tegenover David en Abisai"^''. 



II. Weitere Tiervergleiche im Überblick 
(2 Sam 1,23; 2,18; 17,8.10; 22,34) 

Der Vergleich mit Floh und Steinhuhn taucht in einem Textkomplex auf, 
in dem sonst häufig andere, "ehrenwertere" Tiere herangezogen werden, 
um Eigenschaften von Personen herauszustellen^^. So rühmt David in 2 
Sam 1 ,23 Saul und Jonathan in seiner Totenklage, daß sie schneller waren 
als die Geier (l'^p DnE^Sß) und stärker als die Löwen (n^J ni■'■^^!;n), in 



26 



2^ Vgl. dazu J.F. Sawyer, A note on the brooding Partridge in Jeremiah XVII,1 1, VT 28 
(1978)324-329, 327f. 

Die Interpretation Stoebes, KAT VlII/1, 464f, geht in eine etwas andere Richtung: 
"Gemeint ist wohl, daß das Rebhuhn als Vogel der Ebene in den Bergen von seinem 
Volk getrennt ist und leichte Beute wird". Der Gegensatz Ebene / Berge dürfte nicht 
entscheidend sein, zumal das Steinhuhn auch in Hügelregionen vorkommt. Interessant 
ist dagegen die Annahme eines Wortspieles mit dem Namen des Steinhuhns V.~]p 
"Rufer", der auf den charakteristischen Ruf dieses Vogels zurückgeht (vgl. dazu 
McCarterjr., AB 8, 408). Kurz vor dem Vergleich mit dem Steinhuhn wird berichtet, 
daß David auf einer Bergkuppe stehend, in gebührendem Abstand von der Begleitung 
Sauls -, diese anruft (Xnp). Insbesondere fragt er Abner, ob er nicht mit ihm reden 
wolle. Abner aber entgegnet: Wer bist du, Rufer (N~l,pn nPIN "'D)? Und in seiner Ant- 
wort vergleicht sich David dann mit dem Klp, dem "Rufer"-Vogel, den Saul in den 
Bergen jagt. Diese Interpretation aber setzt voraus, daß der Text mit G geändert wird 
(vgl. die Textanmerkung bei McCarterjr., AB 8, 406, zu Vers 14, die die verschie- 
denen G- Versionen aufschlüsselt), die in V. 20 aber vuKTiKÖpo^ liest. Behält man MI 
C^'pan"'?« riKlp nnX ""Q) bei, ist das Wortspiel nicht mehr ganz so offensichtlich, 
obwohl natürlich für hebräische Ohren der Bezug zwischen dem Verb K"lp und dem 
davon abgeleiteten Nomen KljP erkennbar blieb. 

AH. van Zyl, I Samuel, deel II, Nijkerk 1989, 1 16. 

e° Man könnte in diesem Zusammenhang auch an die in übertragenem Sinne für Anfüh- 
rer verwendeten Tierbezeichnungen denken. So wird Doeg in 1 Sam 21,8 T'ax 
("Starker", "Stier") genannt; ob ''33 2 Sam 1,19 mit "Gazelle" oder "Zier, Wonne" zu 
übersetzen ist, ist umstritten. Vgl. dazu P. Miller, Animal Names as Designations in 
Ugaritic and Hebrew, UF 2 (1970) 177-186, 185 sowie W.H. Shea, Chiasmus and 
Structure of David's Lament, JBL 105 (1986) 13-25, 14. 



27 



David und der Floh 7 1 

Gewandtheit und Kraft also die Könige der Lüfte^^ und der wilden Tiere^° 
übertrafen^!, oder der Vergleich mit einer Gazelle ("'2'$) auf dem Feld 2 
Sam 2,18 (niti;3 im Ü^3^n im^ v'pn.? ^p) dient dazu, die 
Schnelligkeit des Kriegers Asahel herauszustellen, die ihm aber im Nah- 
kampf mit dem israelitischen Hauptmann Abner nichts hilft^^. In beiden 
Fällen beziehen sich die Tiervergleiche auf Helden. 

Nicht nur Gazellen, auch die Hinden sind schnelle und gewandte Tiere. 
Darauf spielt das Königsdanklied 2 Sam 22,34 an, wo der König von 
JHWH sagt: 

Du machst meine Füße gleich den Hinden (Pli'p^KS "'hin ni2?f2). 

"Heldenkraft, Kriegsglück, Schnelligkeit und Gewandtheit sind die Gaben 
Jahwes"^^, und die Hinden sind ähnlich wie die Gazellen geradezu präde- 
stiniert dafür zu zeigen, wie die Schnelligkeit und Gewandheit, die der Kö- 
nig im Krieg braucht, auszusehen haben^"*. An anderer Stelle wird der auf- 
ständische Absalom von seinem Ratgeber gewarnt: 

Du kennst deinen Vater und seine Leute, denn Helden sind sie, mit grimmigem Mut, 
wie eine Bärin auf dem Felde, der die Jungen geraubt sind (7l3t27) (2 Sam 17,8). 

Der Vergleich mit der Bärin soll die Warnung Huschais vor dem sofortigen 
Angriff auf David verstärken, da dieser sich aufs Entschlossenste wehren 
wird, so daß auch die Tapfersten ihm keinen Widerstand leisten können^^. 
Daß in diesen Büchern Männer "ein Herz wie ein Löwe" (2 Sam 17,10) 
haben, zeigt sich auch in anderen Berichten, die vom Kampf gegen wilde 
Tiere handeln. So heißt es von Benaja, einem der Helden Davids, daß er 



^^ Zum Adler / Geier als König der Lüfte, der sich auszeichnet durch seine Schnelligkeit, 
vgl. auch Jer 4,13 Obp). W. Nowack, Richter, Ruth u. Bücher Samuelis (HK 1/4), 
Göttingen 1902, 154, verweist auf Hab 1,8 und denkt an die Schnelligkeit des An- 
griffs. 

•^^ Zum Löwen als dem stärksten Tier vgl. auch Ri 14,18; Prov 30,30. 

■'^ Vgl. zur Stelle auch Shea, David's Lament, 16f 

^^ Von den 16 Belegstellen von rfSlS / ^3S in der hebräischen Bibel nehmen vor allem 
die Belege im Hohenlied (2,9.17; 4,5; 7,4; 8,14) Bezug auf die agile Behendigkeit die- 
ser Steppenbewohner, deren Schnelligkeit und Springfähigkeit bewundert wurde (vgl. 
dazu auch O. Keel, Das Hohelied (ZBK.AT 18), Zürich 1986, 94f 139; H. Madl, Art, 
^2:i, ThWAT VI (1989) 893-898). 

33 HJ. Kraus, Psalmen. 1. Teilband: Psalmen 1-59 (BK XV/1), Neukirchen- Vluyn 
^978, 293. 

34 Vgl. neben der Parallelüberlieferung Ps 18,34 (ähnlich Hab 3,19) auch Gen 49,21; Hld 
2,9.17; 8,14; Jes 35,6 und Keel, ZBK.AT 18, 94ff; ders.. Deine Blicke sind Tauben. 
Zur Metaphorik des Hohen Liedes (SBS 1 14/115), Stuttgart 1984, 78ff 

3^ Vgl. dazu Westermann, Vergleiche, 20. 



72 David und der Floh 

einen Löwen in einem Brunnen tötete (vgl. 2 Sam 23,20). Auch der junge 
David rühmt sich vor seinem Kampf mit dem PhiHster vor Saul (1 Sam 
17,34f) einer solchen außergewöhnlichen Tat, die sicherlich nicht zum 
Hirtenalltag gehörte, wohl aber zum Prahlen eines Helden^^. 

Hirte war dein Knecht für seinen Vater beim Kleinvieh. Und kam der Löwe oder der 
Bär und trug das Schaf von der Herde weg, dann lief ich heraus, ihm nach, und 
schlug ihn und riß es aus seinem Maul, richtete er sich aber gegen mich auf, ergriff 
ich ihn bei seinem Bart, schlug auf ihn ein und tötete ihn.^'' 

III. Die metaphorische Verwendung von D75 

1. Die Belege und ihr altorientalischer Kontext 

Daß in einem Textkomplex, der dem Lobpreis von Mut und Kampfkraft von 
Helden so viel Raum gibt, an fünf Stellen auch Vergleiche mit Hunden vor- 
kommen, ist sehr erstaunlich. Es handelt sich dabei um folgende Belege: 

- 1 Sam 17,43: Bin ich denn ein Hund, daß du mit Stöcken zu mir kommst? 

- 1 Sam 24,15: Hinter wem zieht der König von Israel her? Hinter wem jagst 

du nach? Hinter einem toten Hund! 

- 2 Sam 3,8: Bin ich denn ein Hundskopf aus Juda? 

- 2 Sam 9,8: Was ist dein Knecht, daß du dich wendest zu einem toten Hund, 

wie ich es bin? 

- 2 Sam 16,9: Warum flucht dieser tote Hund meinem Herrn, dem König?^« 

Interessant ist in diesem Zusammenhang dreierlei: 

(1) Der Vergleich mit einem Hund tritt immer in einer Frage auf. 

(2) Alle Stellen enthalten einen Bezug zu David und / oder Saul(iden). Im 
einzelnen sind es: 

- David und Goliath 

- David und Saul 

- Eschbaal (Ischboscheth) und Abner 

- David und Meribaal (Mephiboscheth) 

- David und Simei. 

(3) Die Vergleiche unterscheiden sich: Nur an drei Stellen ist vom "toten 
Hund" die Rede, je einmal vom "Hund" bzw. "Hundskopf '. 



36 

37 



38 



Vgl. dazu Stolz, ZBK.AT 9, 1 19. 

V. 37 interpretiert demgegenüber das vorher angesprochene Kampfgeschehen theolo- 
gisch. Zum Text von 1 Sam 17,34ff vgl. R. Ceresko, A rhetorical Analysis of Davids 
'boast' (1 Sam 17,34-37). Some Reflections on Methode, CBQ 47 (1985) 58-74; C, 
Schedl, Davids rhetorischer Spruch an Saul 1 Sam 17,34-36, BN 32 (1986) 38-40.' 
Zu 2 Kön 8,13 s.u. 



David und der Floh 73 

Nun ist der Vergleich mit Hunden durchaus nicht singulär, wie viele Bele- 
ge aus der Umwelt Israels zeigen^^. Untergebene können sich in Briefen an 
Vorgesetzte oder Könige als "Hund" bezeichnen'*^. Vor allem in den 
Amamabriefen findet sich neben der Selbstbezeichnung als Ausdruck der 
Unterwerfung 

"Siehe, ich bin ein Diener des Königs und ein Hund seines Hauses'"" (EA 60,6f, 
vgl.61,3f) 

auch die rhetorische Frage zum Ausdruck der Geringschätzung, in der sich 
das Epitheton "Hund" auf eine vom Briefschreiber unterschiedene Person 
beziehf*^ z. B. 

"Was ist Abdi-asirta, der Knecht, der Hund, daß er nimmt das Land des Königs an 
sich?"« (EA 71,16ff, vgl. ebenso 76,1 Iff, 79,45ff, 84,17, 85,64ff, abgewandelt auch 
in84,7f.l6f.35). 

Interessant ist, daß diese geringschätzige Frage ausgelöst ist durch die Er- 
hebung Abdi-asirtas, gegenüber seinem Herrn. Abtrünnige können als "ent- 
flohener Hund" bezeichnet werden (EA 67,17). Schließlich taucht die 
Wendung auch in einfachen Feststellungen auf: 

"das Land der ... Könige hat Abdi-asir^a, der Knecht^ der Hund \an sich] ge- 
nom[men]"'"' (EA 75,40ff; vgl. auch 84,7f, 91,7; unklar: 159,17).''5 



^^ Vgl. D. W. Thomas, Kelebh "Dog": Its Origin and some Usages of it in the Old Testa- 
ment, VT 10 (1960) 410-427, 414ff und zuletzt J.M. Galan, What is he the Dog?, UF 
25 (1993) 173-180, der die Belege in der Amama-Korrespondenz im einzelnen analy- 
siert. Für Mesopotamien vgl. auch W. Heimpel, Art. Hund A. philologisch, RLA IV 
(1972-1975) 494-^97, 497, für Ugarit: M.S. Smith, Terms of Endearment: Dog {klbt) 
and Calf (gl) in KTU 1.3 III 44-45, in: M Dietrich / O. Loretz (Hg.), Und Mose 
schrieb dieses Lied auf. Studien zum Alten Testament und zum Alten Orient (AOAT 
250), Münster 1998, 713-716; für Ägypten vgl. HG. Fischer, Art. Hunde, LA III 
(1980)77-82. 

"*" Vgl. K. Galling, Art. Hund, BRL^ (1977) 149f und H. Donner, Kanaanäische und 
aramäische Inschriften II, Wiesbaden M973, 191 zu KAI Nr. 192. 

'*' a-mur a-na-ku arad sarri ü kalbu Sa biti-su (vgl. JA. Knudtzon, Die El-Amama- 
Tafeln, I. Texte [VAB 2/1], Leipzig 1915). Zum Text vgl. auch W.L. Moran (Ed.), The 
Amama Letters, Baltimore / London 1992, 131-133. Vgl. femer ABL 9,14; 67,6 {a- 
na-ku kal-bu sarru be-li ih-ta-sa-an-^ nP : "I am a dog. The king my lord has re- 
membered me"); 210,r.8 (Übersetzung nach L. Waterman [Ed.], Royal Correspon- 
dence of the Assyrian Empire Bd. 1-4, Ann Arbor 1930). 

'♦2 Vgl. Thomas, Kelebh, 414; G.W. Coats, Self-Abasement and Insult Formulas, JBL 89 
(1970) 14-26. 

*^ mi-nu 'abdi-a-si-ir-ta ardu kalbu ü /jß-i'l-ku mät sarri a-na sa-a-su. Vgl . auch Moran , 
Amama Letters, 140f 



74 David und der Floh 

In allen drei Fällen besteht eine Antithese zwischen den Bezeichnungen 
"König" und "Knecht" // "Hund". 

Die demütige Titulatur "Hund" findet ihren äußerlichen Ausdruck auch in 
Begleitmaßnahmen, z. B. dem (siebenmaligen) Niederfallen (EA 60,4f; 
61,4f; 79,5f; 247,7; 249). Solche Begleitmaßnahmen sind auch im Alten 
Testament belegt (vgl. 1 Sam 24,9; 2 Sam 9,8: Hlön^n). Hinzutreten 
weitere Ausdrücke der Selbsterniedrigung wie "Lehm deiner Füße" {ü'-it 
"^Sp^e-kar. EA 61,3), "Staub deiner Füße" {ipri sa sepskac. EA 60,3, vgl.EA 
248,5; 320,6f; 322,6f), "Lehm, worauf du trittst" {titu sa kapäsiks. EA 
213,5; 255,5), "Schemel deiner Füße" iigVstab sepeka. EA 84,4) und 
"Pferdeführer, Stallknecht" {kartappu. EA 299,6; 303,6; 320,9; 322,8)^6. 
Auch das Ostrakon II von Lachis (um 589 v.Chr.) enthält eine ähnliche 
Formulierung'*'^ 

"Wer ist dein Knecht, (wenn nicht) ein Hund, daß sich mein Herr erinnerf^ an sei- 
nen Knecht", 

der man 2 Kön 8,13 zur Seite stellen kann: 

Was ist dein Knecht, der Hund, daß er so große Dinge tun soll? 

Diese Stelle zeigt, auch wenn sie in gesprochener Rede, und nicht in einem 
Brief auftaucht, noch einmal deutlich die Verwendung des Ausdrucks 
"Hund" als Zeichen der Selbsterniedrigung gegenüber einem Höherge- 
stellten. Der vom König von Aram gesandte Bote bezeichnet sich gegen- 
über dem Gottesmann Elisa mit der ihm aus dem üblichen Hofzeremoniell 
vertrauten Formel und vergleicht sich "in self-depreciation with the vile 
and contemptible animal, the dog, the scavenger par excellence"^^ . Inwie- 



44 
45 



mät sarrsni ra-bu 'abdi-a-si-ir-^a ardu] kalbu ji-il\ku _ _ ]. Vgl. auch Moran, 

Amama Letters, 145 f. 

Weitere Belege bei JA. Knudtzon (Hg.), Die El-Amama-Tafeln, Bd. II [VAB 2/2], 
Leipzig 1915, 1432 s.v. ka/bu und bei CAD K 72, s.v. kalbu Ij; AHw 424, s.v. 
kaJbi^m), sowie im zusammenfassenden Überblick bei Galan, Dog, passim; zu ver- 
gleichbaren Wendungen in Mari siehe Thomas, Kelebh, 415. Vgl. femer TUAT I 
(1984)380(SargonIL). 

'^^ Vgl. dazu auch GJ. Botterweck, Art. nbs, ThWAT IV (1984) 156-166, 160; Tho- 
mas, Kelebh, 415. 

KAI Nr. 192, vgl. femer KAI Nr. 195.196 (= TUAT I [1984] 621.623.624). 

Mit dem Erinnern wird das Übersenden von Briefen gemeint sein (vgl. Donner KAI 
II, 191). 

"^^ Thomas, Kelebh, 4\4. 



47 
48 



David und der Floh 75 

weit J^a/öu auch als Schimpfwort^o gebraucht werden kann, bedürfte ge- 
nauerer Untersuchung. 

Der Vergleich mit einem toten Hund ist in assyrischer und babylonischer 
Briefliteratur der Sargonidenzeit mehrfach belegt^': So heißt es in ABL 
521,6: 

"I, who was a dead dog, the son of a nobody, the king, my Lord, gave me life"". 
Und in einem Brief Belikbis an Assurbanipal findet sich die Wendung: 

"We were dead dogs (but) the king our lord has restored us to life (and) the plant of 
life he has put to our nostrils" (ABL 771,5f)". 

Interessant ist auch die folgende Passage aus einem Brief Adadsu/nusu/s 
an Asarhaddon: 

"Great sin against the house of my lords I have committed. I am one to be killed, not 
to be restored to life. The king my lord has shown mercy to his dog. I was in great 
distress. How shall I requite the king my lord. My heart, my hands, (and) my feet 
are laid beneath the chariot of the king my lord. Continually my eyes are directed to 
the king my lord, and continually the crown prince my lord strengthens my cou- 
rage" (ABL 620,3ff, vgl. 620,r.5; 916,1 1). 

Die genannten Beispiele, die ebenfalls die Antithese zwischen den Be- 
zeichnungen "König" und "Knecht" bzw. "Hund" abbilden, blicken auf ei- 
ne Existenz der Briefschreiber zurück, die durch die Wendung "toter 
Hund" qualifiziert wird. Zugleich zeigen sie, wodurch die Situation der 
Betroffenen verändert wurde, durch den König nämlich, der ihr Leben 
wiederherstellte. Nur wo der König seinen Untergebenen gnädig gegen- 
übertritts-*, können diese leben. Wo sie sich aber gegen den König stellen, 
wird ihnen die königliche Huld entzogen. Dann gleicht ihre Existenz No- 
bodys, toten Hunden. 



50 So Heimpel, Hund, 497 mit Verweis auf CAD K 72 s.v. Jcalbu Ik und W. Heimpel, 
Tierbilder in der sumerischen Literatur (StP 2), Rom 1968, Nr. 46.3. 

51 Vgl. neben den aufgeführten Beispielen auch ABL 1285,13; 454,18 ("Who are we? - 
dead dogs whose names the king knows"). 

52 S3 kal-bi mlti mär la mamma anäku sarru belä uballitanni. 

" Vgl. ähnlich auch ABL 831,5ff ("The king my lord knows (?) well that I am a dead 
dog, whom the king my lord has restored to life from a thousands deaths"); 756,2.5; 
992!r. 15; 454,18. 

54 Vgl. ABL 435,10: sarru remu ina muhhi kal-bi-sü li\skun\ "let the king have mercy 
upon his dog". 



76 David und der Floh 

Neuerdings versuchte O. Margalith^^ nachzuweisen, daß es neben der 
normalen Bedeutung von 3'?5 = Hund die weitere Bedeutung "Sklave, 
Diener" gibt. Aufgrund einer Sichtung der entsprechenden Stellen in den 
Amama- und Lachisbriefen kommt er zu dem Schluß: "... there is no more 
self-abasement in the use oi keleb than in the use of 'servant' or 'slave', ... 
the two words are used as Synonyms and parallels"^^. Denn bezogen auf 
die zahlreichen Personennamen mit dem Element Jra/du scheine es unmög- 
lich, "that all these names were intended to mean 'the dirty dog of Marduk' 
etc."57. Daher sei 2^^ in der Bedeutung "Sklave, Knecht" nicht metapho- 
risch gebraucht, sondern es sei ein echtes Homonym^^. Doch ist diese An- 
nahme fraglich. Eher ist anzunehmen, daß die semantische Entwicklung 
folgendermaßen vonstatten gegangen ist: "dog {kselxb, kucov) - doglike - 
devoted - servant"^^!^ sq ^j^ß y^ p^Hg von d'?? nicht von zwei echten Ho- 
monymen die Rede sein kann. Man wird damit rechnen müssen, daß im 
Laufe der Zeit der eigentliche Sinn dieser Formel verblaßte und sie sich zu 
einer starren Wendung entwickelte^^^ ^^ ^j^ß £> ^ Thomas mit seiner Fest- 
stellung recht haben wird: "While the use of "^^nr 'thy servant' by itself 
expresses self-abasement, real or poHte, the phrase -'?5[n] "^"nDr ... 
heightens the force ofthat expression. A further progressive heightening is 
to be seen in the phrase riD n"?? 'dead dog"'6i. Doch ist diese Interpretati- 
on noch nicht ausreichend, wie sich im folgenden zeigen wird. 



2. Die Metapher "Hund" und das königliche Hofzeremoniell 

Daß gerade der Vergleich mit dem Hund dazu ausersehen wurde, die 
Selbsterniedrigung eines anderen zu bezeichnen, ist nicht zufällig. Denn 
"der Naturverbundene erkennt im Tier ... nicht nur das Untermenschliche, 
oder das Übermenschliche, sondern zugleich auch das Menschenähnliche. 
Das Tierreich wird zum Sinnbild menschlicher Charaktere, ... [und] die 
Werthaltigkeit der Tiersymbole ... beruht ... immer auf Beobachtungen, die 

^^ Ke/eh Homonym or Metaphor?, VT 33 (1983) 491-495. 
^6 Ebd. 492. 

Ebd. mit Anm. 5-8. Zu dem in Mesopotamien weit verbreiteten Namenselement 
"Hund" vgl. auch W. Beltz, Die Kalebtraditionen im Alten Testament (BWANT 98), 
Stuttgart 1974, 132f mit Anm. 3 und Botterweck, a"??, 161f, der die mit dem Epithe- 
ton "Hund" zusammengesetzten Namen u.a. als Kosenamen ansieht. 

^° Margalith, Homonym, 494. 
59 

60 



M.A. Zipor, What Were the Ifläbim in Fact?, ZAW 99 (1987) 423-428, 424 Anm. 4. 
Vgl. Botterweck, D^?, 157. 



öl Thomas, Ke/eb/i, AU. 



David und der Floh 77 

das Wesentliche am Tier treffen.. ."^2. Was aber ist das Wesentliche am 
Hund? Geprägte Redewendungen und Metaphem^^ können es verdeutli- 
chen. Als solche sind belegt: "Jemanden wie einen Hund wegjagen" 
(Maqlü V, 43), "wie ein Hund betteln" (ABL 659,r.5; 1250,r.l2), "auf allen 
Vieren kriechen" (TCL 3,58), "im Dreck liegen", "sterben" (vgl. ABL 
756,r.3^'*). Und in einem Brief Asurrisua& an einen Offizier heißt es: "I 
make supplication like a dog" (ABL 382,5). Zum Teil wird auch auf den 
Gehorsam von Hunden rekurrierte^. Als sumerisches Sprichwort ist belegt: 
"Er haßt es, wie ein Hund zu kriechen. "^^ 

Wie sehr diese Metaphern gerade die Lebenswirklichkeit von Untergebe- 
nen und Unterlegenen umschreiben^^, zeigen in besonderem Maße zeitge- 
nössische Bilddokumente^^, auf denen sich die Vasallen oder unterlegenen 
Gegner wie ein Hund auf allen Vieren kriechend vor dem Herrscher demü- 
tigen. 

Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Darstellung Jehus von Israel (oder ei- 
nes Stellvertreters) vor Salmanassar IIL (858-824 v.Chr.) im zweiten Regi- 
ster des Schwarzen Obelisken (Abb. 1)^^. Jehu liegt im Staub vor Salma- 
nassar, der aus einer Schale vor der Gottheit libiert. Über Jehu sind die 
Hoheitszeichen Assurs, (geflügelte Sonnenscheibe) und Istai^ (achtstrahli- 



e^ L. Röhrich, Hund, Pferd, Kröte und Schlange als symbolische Leitgestalten in Volks- 
glauben und Sage, ZRGG 3 (1951) 69-76, 69. 

6^ Vgl. dazu Botterweck, 3'?3, 160 und CAD K 70 s.v. ka/buXc. 

e^ "May I not die like a dog from want (and) lack of food." 

e^ Vgl. ABL 281,r.29ff: "Just as the dog that loves his master, when (the master) says: 
'Do not come near the place', does not come near, so whatever the lord of kings my 
lord does not command to do, he will not de" (Brief Belibnis an Assurbanipal); vgl. 
femer W.G. Lambert, Babylonian Wisdom Literature, Oxford 1960, 148,60: "you can 
teach your god to run after you like a dog". 

66 Heimpel, Tierbilder, 365f, Nr. 47.7. 

6'^ Vgl. dazu Caspari, KAT VII, 302: "Könige behandeln die Leute [oft] auch, als wären 
sie Hunde" und ABL 382,5; 659,r.7. 

6* Vgl. dazu Chr Uehlinger, Das Image der Großmächte. Altvorderasiatische Herr- 
schaftsikonographie und Altes Testament. Assyrer, Perser, Israel, BiKi 40 (1985) 165- 
172. 

6^ Vgl. dazu J. Börker-Klähn, Altvorderasiatische Bildstelen und vergleichbare Felsre- 
liefs (BaghF 4), Mainz 1982, Nr. 152; W. Orthmann, Der Alte Orient (PKG 18), Ber- 
lin 1985, Abb. 207; A. Moortgat, Die Kunst des Alten Mesopotamien II, Babylon und 
Assur, Köln M985, 1 1 If + Abb. 65f; ANEP 351-355; AOB 121-125; B. Hrouda, Der 
Alte Orient. Geschichte und Kultur des alten Vorderasien, Gütersloh 1991, 134f; 
TUAT I (1984) 362f; AOT 343; ANET 278ff; E. Michel, Die Assur-Texte Salma- 
nassars III. (858-824). 7. Fortsetzung, WO II (1954-1959) 137ff22Iff, 137-139 (zu 
den Reliefs). 140ff (zu den Texten). 



78 



David und der Floh 



ger Stern) dargestellt^^. Die Szene wird gerahmt links durch zwei hohe Of- 
fiziere und rechts durch zwei Hofbeamte. 




^ ^ ^-r T ^ ^^ ^^^n: >Tii ^<^T^ v^ 



Abb. 1: Jehu von Israel vor Salmanassar III. (858-824 v.Chr.); Relief im 2. Register des 
Schwarzen Obelisken 

Anläßlich des vierten Feldzugs Salmanassars gegen Hasael von Damaskus 
im 18. Regierungsjahr der Herrschaft des Assyrerkönigs (= 841 v.Chr.)''^ 
hatte Jehu Tribute gesandt, die im zugehörigen Bildfries festgehalten und 
in der Beischrift^^ aufgeführt werden. 

Doch unterscheiden sich die Demutsbekundungen auf den Bilddokumen- 
ten. Während der König von Israel auf dem Schwarzen Obelisken auf allen 
Vieren vor dem assyrischen König liegt, findet sich in Abb. 2 eine Steige- 
rung dieser Haltung: Das Auf-dem-Boden-Liegen hat hier zum Ziel, eine 
Bitte zu begründen. 



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71 



72 



Zu den übrigen Bildelementen vgl. Michel, Assur-Texte Salmanassars III., WO II 
(1954^1959) 138ff. 

Vgl. dazu ANET 280; K. Galling, Textbuch zur Geschichte Israels, Tübingen M968, 
50f, 5\; A. Jepsen, Von Sinuhe bis Nebukadnezar. Dokumente aus der Umwelt des 
Alten Testaments, Stuttgart 1975, 155ff mit weiterer Nennung des Tributs Jehus. Aus- 
führlich zum historischen Hintergrund von Jehus Tribut und zum Schwarzen Obelis- 
ken allgemein vgl. M. Wäßer, Nicht-Assyrer neuassyrischer Darstellungen (AOAT 
26), Neukirchen 1975, 68ff; 5. Herrmann, Geschichte Israels, München M980, 288ff; 
H. Donner, Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen (GAT 
4), Göttingen 1987, 280ff. 

Vgl. dazu Michel, Assur-Texte Salmanassars III., WO II (1954-1959) 141; TUAT I 
(1984)363. 



David und der Floh 



79 



Die Szene stammt aus dem Grab Haremhebs (1332-1305 v.Chr.), einem 
General unter Amenophis IV. und späteren Pharao, in Saqqara. 




Abb. 2: Szene aus dem Grab Haremhebs (1332-1305 v.Chr.) in Saqqara 

Haremheb selbst ist im Original links neben dem Hofbeamten zu sehen'^. 
Die meisten der dargestellten Fremden haben sich vor einem (zweimal ab- 
gebildeten) Hofbeamten Haremhebs niedergeworfen oder sind nieder- 
gekniet. Einer liegt auf dem Rücken, ein anderer auf dem Bauch, wie es die 
Amamabriefe immer wieder berichten und wie es wohl der Landessitte 
entsprach: "Zu den Füßen des Königs falle ich nieder, siebenmal, auf 
Bauch und Rücken" (vgl. EA 64,4^7; 65,4-6; 282,6; 284,5 u.a.^^). Nur we- 
nige der Bittsteller stehen. Ihre Hände sind beschwörend erhoben. "Im Ge- 
gensatz zur Bauchlage ist die Rückenlage nirgends bloßer Ausdruck der 
Not oder des Überwältigtseins (Proskynese), sondern bewußte Äußerung 
der Abhängigkeit und Unterwerfung. Man hält dem Angeflehten die ver- 
letzlichsten Teile (Gesicht, Bauch) hin und begibt sich so in eine Lage völ- 
liger Wehrlosigkeit. Die Erfahrung seiner totalen Überlegenheit soll den 
Angeflehten milde stimmen"^^. 



73 

74 
75 



Vgl. W. Wolf, Die Kunst Ägyptens. Gestalt und Geschichte, Stuttgart 1957, Abb. 499; 
zur Interpretation ebd. 522ff; A. Erman / H. Ranke, Ägypten und ägyptisches Leben 
im Altertum, Tübingen 1923, Taf 39.2; ANEP 5; AOB 87. 

Weitere Belege bei Knudtzon, El-Amama-Tafeln 2, 1431 s.v. kabattu. 

O. Keel, Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament. Am 
Beispiel der Psalmen, Neukirchen- Vluyn M980, 298f und Abb. 429. 



80 



David und der Floh 



Ähnliche Beobachtungen finden sich auch im Tierreich, bei Wild- und 
Haushunden: Der Kampf zweier Wolfsrüden z. B. endet gemäß der Schil- 
derungen von K. Lorenz damit, "daß der kleinere Wolf zurückgedrängt 
(wurde), und der Stärkere ... über ihm (war). Der Unterlegene bot nun die 
verwundbarsten Stellen seines Körpers als Zeichen der Unterwerfung dar 
(viele Wildhunde werfen sich dabei auf den Rücken). Ein Wolf, der eine 
solche Demutsgebärde zeigt, wird niemals ernstlich gebissen. Zwar grollt 
und knurrt der Sieger, klappt mit dem Gebiß und führt sogar die Be- 
wegungsweise des Totschütteins in leerer Luft aus - aber er kann einfach 
nicht zubeißen, da ihn die angeborene Tötungshemmung gegenüber dem 
Artgenossen daran hindert. Hat er sich einige Schritte entfernt, so versucht 
der Unterlegene rasch, das Weite zu gewinnen"'''^ (vgl. Abb. 3). 




Abb. 3: Kampf zweier Wildhunde 



Während es sich im Falle von Abb. 2 um Asiaten handelt, die versuchen, 
als Asylanten in Ägypten aufgenommen zu werden, zeigt Abb. 4^'^ die 
Bewohner von Lachis, die sich gegen die Belagerung Sanheribs (705/4- 
681 v.Chr.) während seines dritten Feldzuges^^ zur Wehr setzten und nun 
als Gefangene vor den Herrscher geführt werden. In der zugehörigen Bei- 
schrift heißt es: "Sanherib, König der Welt, König von Assyrien, setzte 
sich auf einen Lehnsessel, und die Beute von Lachis zog vor ihm vorbei"''^. 
Die Gefangenen sind knieend, in einem Fall sogar auf dem Boden liegend 



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77 



78 



79 



D. Müller-Using / M. Wolfe, Der Wolf, in: B. Grzimek (Hg.), Grzimeks Tierleben. En- 
zyklopädie des Tierreiches Bd. 12, Säugetiere 3, München 1993, 200-207, 203. Das 
Schütteln der Beute ist eine Form des Tötens kleinerer Beutetiere. 

Jepsen, Sinuhe, Taf. 78; ANEP 371; AOB 138; R.D. Barnett, Assyrische Palastreliefs, 
Prag O.J., 46f 49 (Detail). 

Zum Palästinafeldzug Sanheribs 701 v.Chr. vgl. Herrmann, Geschichte Israels, 317ff; 
Donner, Geschichte, 321ff; TUAT I (1984) 388ff; Galling, Textbuch, 67ff; ANET 
287f 

TUAT I ( 1 984) 39 1 ; AOT 354; ANET 288; Jepsen, Sinuhe, 1 73ff 1 77ff Zum Feldzug 
Sanheribs vgl. jetzt auch: J. v. Beckerath, Ägypten und der Feldzug Sanheribs im Jah- 
re 701 v.Chr., UF 24 (1993) 3-8. 



David und der Floh 81 

dargestellt. "Ihr Leben ist verwirkt. Sie sind nichts als Staub, bereit, den 
letzten Funken Leben dem König zu übergeben, um es von ihm neu zu 
empfangen"80. Dies ist der einzige Weg, um am Leben zu bleiben. Anders 
als in Abb. 2 sind die Arme der Bittenden angewinkelt und nicht ausge- 
streckt. Dies weist darauf hin, daß die Bittenden ängstlich und voller Zer- 
knirschung, und nicht in zuversichtlicher Erwartung dargestellt sind. 




Abb. 4: Die gefangenen Einwohner von Lachis werden vor Sanherib geföhrt (Relief aus 
dem SW-Palast in Ninive, 8. Jh. v.Chr.) 




Abb. 5: Huldigung der Elamiter vor ihrem neuen König Ummanigas und vor dem assyri- 
schen Feldherrn; Relief aus dem Palast Assurbanipals in Ninive) 



80 



Keel, Bildsymbolik, 299. 



82 David und der Floh 

Ein etwas anderes Relief aus der Zeit Tiglatpilesers III. (745-727 v.Chr.) 
aus XaJaA (Nimrud) zeigt einen Fürst, der sich dem auf seinen Bogen stüt- 
zenden Herrscher unterwirft^'. 

Wie Könige mit gefangenen Herrschern umgingen, können schheßUch 
zwei weitere Beispiele zeigen: So berichten die Annalen Assurbanipals 
(669-631 v.Chr.) von einer Bestrafung zweier arabischer Herrscher^^: Von 
Uaite , dem Sohn Hazäilm heißt es: 

"Um die Erhabenheit Assuis und der großen Götter, meiner Herren, zu zeigen, legte 
ich ihm eine schwere Strafe auf und stellte ihn in einen Käfig {sigarü) und band ihn 
mit Bären (und) Hunden zusammen {rakssü) und ließ ihn dann ein Tor in Ninive ... 
bewachen"^^. 

Und von einem anderen besiegten Herrscher wird gesagt: 

"Unter Erhebung meiner Hände ... durchbohrte ich auf Befehl Assurs, und der Ninlil 
mit meinem schneidenden Handmesser (?) seinen Kinnbacken, durch den Kiefer 
seines Antlitzes (?) zog ich einen Strick {uJJü), legte ihm eine Hundekette an und 
ließ ihn am Osttore in Niniveh ... den Käfig {sigarü) bewachen"**. 

Beide Herrscher werden zu Wachhunden degradiert, wobei ihre Demüti- 
gung durch die Festsetzung in Käfige und die Haltung als Kettenhund ver- 
bunden mit der schmerzhaften Folter der Durchbohrung des Kinns bis ins 
Äußerste gesteigert wird. 

Die grausame Behandlung, die hier auf der Textebene beschrieben wird, 
verdeutlicht eine auf das Jahr 671 v.Chr. datierte Stele^^ mit dem Bericht des 



^' Vgl. Orthmann, PKG 18, Abb. 216. Vgl. schließlich auch die 3 Register (mit verschie- 
denen Phasen der Proskynese) umfassende Huldigung der Elamiter (Abb. 5) vor dem 
ihnen von den Assyrem aufgezwungenen neuen König Ummanigas\m6. vor dem assy- 
rischen Feldherm, der ihn einflihrt, aus dem Palast Assurbanipals in Ninive {P. Amiel, 
Die Kunst des Alten Orients, Freiburg 1977, Abb. 120; Ausschnitte bei J. Reade, As- 
syrian Sculpture, London *1992, Abb. 94). Ein anderes Relief aus der Zeit Assurbani- 
pals beschreibt Bamett folgendermaßen: "Amid blows the fly whisks of the Assyrian 
officals, Elamite princes bring in the king's food, while Babylonian princes prostrate 
themselves to beg for their lives" {R.D. Barnett / A. Lorenzini, Assyrian Sculpture in 
the British Museum, Toronto 1975 zu Abb. 167; zu einer anderen Deutung des Reliefs 
vgl. Reade, Sculpture, 65 mit Abb. 101). 

^^ Zu den geschichtlichen Hintergründen vgl. H. Wildberger, Jesaja. 2. Teilband: Jesaja 
13-27 (BK X/2), Neukirchen-Vluyn 1978, 790f 

M. Streck, Assurbanipal, Teil II: Texte (VAB 7/2), Leipzig 1916, 66-69. Landsberger, 
Fauna, 81 denkt bei sigaru staXi an einen Käfig an ein Halsband. 

Streck, Assurbanipal, 80f 

^^ Berlin VA Nr. 2708. Zur Stele und ihrer Komposition vgl. Staatliche Museen zu Ber- 
lin (Hg.), Das Vorderasiatische Museum, Mainz 1992, 180-182 (= Abb. 116-118), 
femer Hrouda, Der Alte Orient, 356f; Jepsen, Sinuhe, 83; ANEP 441-449; ANET 



83 
84 



David und der Floh 



83 



Sieges Asarhaddons von Assyrien 
(681-669 v.Chr.) über Ägypten 
(Abb. 6)86 aus Sam'al {Zmc\r\\): Auf 
ihm hält der König in der linken 
Hand neben einem keulenförmigen 
Szepter zwei Seile, an denen zwei 
gefangene, flehende Herrscher ge- 
führt werden. Den Herrschern sind 
wie wilden Tieren Ringe durch Nase / 
Unterlippe gezogen, an denen die 
Leitseile befestigt sind. Die beiden 
Gefangenen, ein Phönizier (stehend) 
und ein Ägypter (knieend)^'^, sind 
wesentlich kleiner als der assyrische 
König dargestellt, dem nach dem 
Text der Steleninschrift "ein zorni- 
ges Szepter zum Zerschmettern der 
Feinde" in die Hand gegeben sei und 
der mit dem Epitheton "der die Kö- 
nige an Leitseilen festhält" gerühmt 
wird^^. Die Fluchformel am Ende 
der Inschrift wöinscht dem, der die 
Entfernung der Stele beabsichtigt, 
daß /star "ihn gebunden zu Füßen 
seines Feindes niedersitzen lassen 
möge". 




Abb. 6: Stele Asarhaddons von Assyrien 
(681-669 V. Chr.) aus Sam'aJ (Zincirli) 



86 



87 



293; AOB 143/4; Orthmann, PKG 18, Abb. 232; Börker-Klähn, Altvorderasiatische 
Bildstelen, Nr. 219 (vgl. auch Nr. 217f); Uehlinger, Image, 169f mit Abb. 19. Vgl. 
femer Streck, Assurbanipal, 80 Anm. 6, der auf verwandte Darstellungen verweist, 
sowie Jes 37,29 = 2 Kön 19,28; Ez 19,4.9; 38,4. 

Zum geschichtlichen Hintergrund vgl. Donner, Geschichte, 300f; Herrmann, Ge- 
schichte Israels, 321. 

Wer die Gefangenen sind, ist umstritten. Die Inschrift der Stele erwähnt die Depor- 
tation des ägyptischen Kronprinzen (vgl. die Uräusschlange auf der Kappe). Der 
zweite Gefangene ist ein syrischer Fürst. Diskutiert werden Deutungen auf Usanahuru 
von Ägypten und Äthiopien und Abdimj7kut\on Sidon bzw. auf Tirhaka von Äthio- 
pien und Ägypten und Ba'/u \on Tyrus (vgl. Börker-Klähn, Altvorderasiatische Bild- 
stelen, 213). 

Vgl. Uehlinger, Image, 170. 



84 David und der Floh 

Eine ähnliche Darstellung aus der Zeit Sargons IL (721-705 v.Chr.) aus 
Dor-Sarrukin {Horsäbädf^ zeigt den Herrscher und seinen Wesir, zwi- 
schen denen drei mit Eisen gefesselte Gefangene zu sehen sind. Ähnlich 
wie auf der Asarhaddon-Stele sind die Seile an durch die Kieferknochen 
getriebenen Ringen befestigt. Daß solche Unterwerfungsgesten nicht au- 
tomatisch die Begnadigung zur Folge hatten, wird an dem vordersten Ge- 
fangenen deutlich, der auf die Knie gesunken ist und vom König geblendet 
wird. Auch die Lehre des ägyptischen Königs Amenemhet L (1991-1962 
v.Chr.) an seinen Sohn^° enthält einen Passus, der erkennen läßt, wie man 
mit seinen Feinden umzugehen pflegte: "I made the Asiatics do the dog- 
walk"9i. 

Zwar handelt es sich bei den eben besprochenen Beispielen um Unterlege- 
ne, die vor dem Sieger wie Hunde im Staube liegend / kriechend^^ um 
Gnade flehen, doch können diese Beispiele zusammen mit den oben aufge- 
führten Redewendungen gleichfalls illustrieren, warum die Selbst- 
bezeichnung "Hund" im Zusammenhang mit der Proskynese vor dem Kö- 
nig Einzug in das Hofzeremoniell hielt und zu einem festen Topos der 
Hofsprache wurde. Die genannten bildlichen Darstellungen finden 
schließlich ihren Kommentar im Bericht Sargons über seinen Feldzug ge- 
gen Urartu 714 v.Chr.^^. Vor allem die Z. 51-73, die die Begegnung Sar- 
gons mit seinem mannäischen Vasallen LUIusunu schiXAem, dessen Territo- 
rium Sargon im Falle verlustreicher Kämpfe gegen Urartu als Rückzugs- 
land benötigte^'*, sind für die Frage nach der Herkunft der Metapher 
"Hund" interessant. Diese Verse seien daher in wichtigen Auszügen zitiert: 

52 '""Ullusunu - zusammen mit der Bevölkerung seines Landes - erwartete in 
Loyalität für den Vasallendienst mein Expeditionskorps in Sirdakka, seiner Fe- 
stung. 

53 So als wären sie meine Eunuchen (oder) Statthalter des Landes Assur, so 
schüttete er Mehl und Wein für die Verpflegung meiner Truppen zuhauf auf, 
und 



8^ Vgl. Orthmann, PKG 1 8, 226. 

'^^ Vgl. ANET 41 8f; M Lichtheim, Ancient Egyptian Literature, vol. 1: The Old and 
Middle Kingdom, Berkely 1975, 134ff 137. 

^' ANET 419. Weitere Belege aus Ägypten finden sich bei Galan, Dog, 177ff 

^^ Vgl. Lambert, Wisdom Literature, 253,7: "When you have been caught, you fawn like 
adog". 

^^ Vgl. zum Text W. Mayer, Sargons Feldzug gegen Urartu - 714 v.Chr. Text und Über- 
setzung, MDOG 1 15 (1983) 65ff und die Kommentierung durch dens., Sargons Feld- 
zug gegen Urartu- 714 v.Chr. Eine militärhistorische Würdigung, MDOG 1 12 (1980) 
13-33. 

94 A/ayer, MDOG 112,25. 



David und der Floh 85 

54 seinen ältesten Sohn übergab er mir zusammen mit den Gaben (und) dem Be- 
grüßungsgeschenk und, um seine (künftige) Herrschaft zu sichern, vertraute er 
mir seine Stele an. 

55 Ausgewachsene Pferde, Jochgespanne, Rinder und Kleinvieh empfing ich als 
seinen Tribut, und, damit ich ihn räche, warf er sich (demütig) nieder. 

56 Um fernzuhalten die Füße des schlimmen Feindes von Kakmi vom Inneren 
seines Landes und '"Rusa durch eine Niederlage in einer Feldschlacht zurück- 
zuwerfen, 

57 die verstreuten Mannäerdn ihre Plätze zurückzubringen, sich siegreich auf sei- 
nen Feind zu stellen und um den Wunsch zu erreichen, 

58 flehte er selbst zusammen mit den Großen und dem Präfekten seines Landes 
mich an, wobei sie immer wieder auf allen Vieren krochen wie Hunde {i-napa- 
ni-ia UGU er-be rit-ti-sü-nu ip-tas-si-lu ki-ma kal-bi). 

59 Ich erbarmte mich ihrer, nahm ihr Flehen an, erhörte ihre bittenden Worte und 
sagte (schließlich) zu ihnen: 'Es ist genug!'"'^ 

Bei dem hier geschilderten Staatsakt^^ werden Sargon und seine Truppen 
ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt. Demgegenüber hat Ullusunu 
ein dreifaches Ziel: 1. Die Sicherung der Nachfolgefrage (Z. 54); 2. den 
weiteren Schutz des Landes (Z. 55); 3. Die Besiegung seiner Feinde durch 
Sargon und die Rückführung der von ihnen eroberten Gebiete in das man- 
näische Reich (Z. 56f). Um ihre Bitten zu unterstreichen, kriechen die 
Mannäer wie Hunde vor Sargon auf allen Vieren (Z. 58). Auch vorher wird 
schon berichtet, daß Ullusunu sich demütig vor dem König niederwarf (Z. 
55; vgl. auch bereits Z. 36). 

Auch für die erweiterte Metapher "toter Hund" kann der Hinweis auf die 
Proskynese^^ vor dem König von Wichtigkeit sein, die stets ein fester Be- 
standteil des Hofzeremoniells^^ war, das die Regeln für das Verhalten am 
königlichen Hof^^ festhält. Zu diesem Hofstaat gehören "in der Regel Per- 
sonen, die sich ständig in der Umgebimg des Königs befinden und entwe- 
der mit ihm an der Verwaltung des Haushaltes und des Staates mitwirken 
oder den König, seine Familie und andere Mitglieder des H.(ofstaates) ver- 



98 



95 Ma>'er,MDOG115, 72f 

9^ Vgl. zum folgenden Mayer, MDOG 1 1 2, 24. 

9' Zur Proskynese vgl. K.F. Heiler, Die Körperhaltung beim Gebet. Eine religionsge- 
schichthche Skizze, MV AG 22 (1917) 168-177, 171ff. 

Vgl. dazu und zum folgenden Erman /Ranke, Ägypten, 81ff; B. Meissner, Babylonien 
und Assyrien I, Heidelberg 1920, 70ff; / Renger, Art. Hofstaat, A. Bis ca. 1500 v. 
Chr, RLA IV (1972-1975) 435^46; P. Garelli, Art. Hofstaat, B. Assyrisch, RLA IV 
(1972-1975) 446-452; H. Brunner, Art. Hofzeremoniell, LA II (1977) 1238f; W. 
Barta, Art. Zeremoniell, LA VI (1986) 1397f; G. Sauer, Art. Hofstil, orientalischer 
und hellenistischer, BHH II (1964) 735f; H. Gunkel / J. Begrich, Einleitung in die 
Psalmen, Göttingen 1933, 152-154. 

99 Vgl. dazu H. Graf Reventlow, Art. Hofstaat 1., BHH II (1964) 733f; R. de Vaux, Das 
Alte Testament und seine Lebensordnungen I, Freiburg 1960, i95ff. 



86 David und der Floh 

sorgen". Zugehörigkeit und Verbleib in dieser Institution hing ausschheß- 
Hch vom jeweiUgen Herrscher ab. Und die Aufnahme in den Hof hatte zum 
Ziel, "Teile der Oberschicht an der Herrschaftsausübung zu beteiligen", 
und so "bestehende Loyalitäten zu festigen und zukünftige zu begrün- 

den"ioo. 

Die Regeln des Hofzeremoniells aber enthalten z. B. Bestimmungen über 
den Ablauf einer Audienz, in deren Rahmen die Teilnehmer dieser Zere- 
monie dem König zu huldigen hatten^°^ "Der Besucher wurde durch einen 
Kammerherm eingeführt. War er 'vor dem König eingetreten ', d.h. zur Au- 
dienz erschienen, so mußte er niederfallen und die 'Erde vor dem Könige' 
oder 'die Füße des Königs küssen'. Erst nach dieser Huldigung durfte er 
aufstehen und 'vor dem Könige (nicht mit ihm, denn das wäre ein Verstoß 
gegen die Etikette gewesen) sprechen ' und ihm seine Angelegenheit vor- 
tragen" 102. 

Entstanden ist das Hofzeremoniell aus der frühen "Überzeugung von der 
Gefährlichkeit der machtgeladenen Person des Königs und seiner At- 
tribute" '^^3, aus der sich manche Umschreibungen seiner Person ebenso er- 
klären wie bestimmte Hofämter. Leider sind die eigentlichen Vorschriften 
des Hofzeremoniells weder für Israel noch für Ägypten''^'* oder den übri- 
gen Bereich des Alten Orients erhalten, sondern nur indirekt aus anderen 
Berichten zu erschließen. Im Ägypten des Alten Reiches bildeten Wächter 
bei feierlichen Thronsitzungen mit Stöcken "einen schönen Weg", jeder 
Höfling hatte einen festen Platz in der Halle, was auf eine Rangfolge hin- 
deutet, Zeremonienmeister wiesen den Höflingen ihre Plätze an. Bei Audi- 
enzen wurden die Untertanen herangeschleppt (5/:^^°^. 
Die Beschreibung einer solchen Audienz findet sich z. B. in dem Bericht 
des Höflings Sinuhe, der von seinem langjährigen Auslandsaufenthalt zu- 
rückkommend vor den Pharao geführt wird'*'^: 



•0° Äe/jger, Hofstaat, 435. 

'^' Vgl. Barta, Zeremoniell, 1397f und die Darstellung einer Audienz Tiglatpilesers III. 
auf einer Wandmalerei aus Til Barsip in: Ä. Parrot, Assur. Die mesopotamische Kunst 
vom 13. vorchristlichen Jahrhundert bis zum Tode Alexanders d. Gr. (Universum der 
Kunst), München 1961, Taf 113: Neben den Tributpflichtigen, die sich mit ihrem Ge- 
sicht flach zur Erde niedergeworfen haben, erscheinen Beamte entsprechend der 
Rangordnung des Protokolls. Der thronende Souverän hält den Herrscherstab in der 
Hand. 

"^2 Meissner, Babylonien, 70. 

'"■^ 5r«/iner, Hofzeremoniell, 1238. 

'0'* Vgl. ebd. 

105 Vgl. ebd. 

106 Vgl. dazu W.K. Simpson, Art. Sinuhe, LA V (1984) 950-955. 



David und der Floh 87 

"Als es hell wurde in der Frühe, kam man, um mich zu rufen. 10 Mann kamen und 
10 Mann gingen, um mich in den Palast einzuführen. Ich berührte (mit der Stime) 
den Boden zwischen den Sphingen; die Königskinder standen im inneren Torweg 
und kamen mir entgegen. Die Kammerherren, die in den Vorhof eingeführt waren, 
brachten mich auf den Weg zur Empfangshalle. Ich fand seine Majestät auf dem 
goldenen Thron in der Nische. Da streckte ich mich auf meinen Bauch hin und ver- 
lor vor ihm die Besinnung, obwohl mich dieser Gott freundlich anredete. Ich war 
wie einer, der von der Dämmerung überrascht worden ist; meine Seele war ver- 
schwunden und mein Körper betäubt. Mein Herz war nicht mehr in meinem Leibe 
und ich wußte nicht, ob ich lebendig oder tot sei. Da sagte seine Majestät zu einem 
von den Kammerherren: 'Hebe ihn auf, damit er mit mir rede!' Dann sagte seine 
Majestät: 'Siehe, du bist wiedergekommen, nachdem du die fremden Länder durch- 
wandert hast...'" Sinuhe antwortet: "Siehe, ich (liege) vor dir; dein ist das Leben; 
deine Majestät möge nach ihrem Belieben tun" (Sinuhe B, 248-283)'"^. 

In dieser Beschreibung wird der Ablauf einer Audienz deutlich. Vor allem 
die Bedeutung der Proskynese wird sichtbar: Denn sie ist "in ihrer ur- 
sprünglichen Gestalt Ausdruck panischen Schreckens. Vor dem übermäch- 
tigen Erlebnis des Heiligen flieht der Mensch in den Tod. Das Niederfallen 
entspricht, so betrachtet, dem aus der Verhaltensforschung bekannten Tot- 
stellreflex ... Das Aufgestelltwerden bildet ... einen integralen Bestandteil 
des Vorganges. Wo die Proskynese zu einem konventionellen Gestus ver- 
blaßt, ist sie ein Gestus der Begrüßung. Sie hat den Charakter eines rite de 
passage. Sie stellt den Übergang aus dem profanen Leben in das Leben vor 
Gott resp. dem König dar. Zwischen beiden liegt das entkräftete Hinsin- 
ken, der Tod ..."lo». 

Kein Wunder also, daß im Zusammenhang mit der Proskynese der Unter- 
legene / Untergebene sich als "toter Hund" bezeichnen kann, kommt damit 
doch deutlich zum Ausdruck, was sich nichtsprachlich durch das Nieder- 
sinken in den Staub vollzieht, der Aufenthalt in der Sphäre des Todes. Der 
Redende betont also nicht nur den Abstand zwischen sich und dem Herr- 
scher, sondern auch sein Angewiesensein auf Gnade und Zuwendung, die 
sich im Aufgestelltwerden realisiert. Würde diese Zuwendung ausbleiben, 
dann wäre der wirkliche Tod des Bittstellers die Folge. 



'^^ Galling, Textbuch, IG; vgl. zur Sinuhegeschichte allgemein H. Brunner, Grundzüge 
einer Geschichte der altägyptischen Literatur (Grundzüge VIII), Darmstadt 1966, 65 ff; 
E. Hornung, Gesänge vom Nil, Zürich 1990, 3 Iff (Text).I8Iff (Kommentar); Licht- 
heim, Literature I, 222ff. 

Keel, Bildsymbolik, 289; vgl. HD. Preuß, Art. mn, ThWAT II (1977) 784^794, 
787f 



108 



8 8 David und der Floh 

3. Fazit 

Zieht man ein Fazit aus all diesen Fakten, so ergibt sich bezogen auf die 
Metapher "Hund": 

(1) Die Metapher hat einen festen Anhalt an der Hofsprache'^^, was da- 
durch unterstrichen wird, daß in den meisten der genannten altorientali- 
schen Parallelen gleichzeitig auf den König rekurriert wird. 

(2) Sie verdeutlicht auf der sprachlichen Ebene, was auf der Ebene der 
nichtverbalen Kommunikation' i*^ das Niederfallen vor dem Herrscher zum 
Ausdruck bringen will: Selbstdemütigung, Hinweis auf eigene Ohnmacht, 
Angewiesensein auf die Gnade des jeweiligen Herrschers. Z. T. ist die 
Metapher vorbereitet durch die Selbstbezeichnung "Knecht", die in Ge- 
sprächen am Hof die offizielle Benennung der Untertanen darstellte, im di- 
plomatischen Verkehr der Könige untereinander dagegen mehr als eine 
Höflichkeitsformel, nämlich Ausdruck eines neuen oder schon vorhande- 
nen Abhängigkeitsverhältnisses war' ' ' . 

(3) Dabei ist das Verhalten des echten Hundes ausschlaggebend für die 
Übertragung des Bildes: Der unterlegene Hund streckt einem gefährliche- 
ren Artgenossen die schwächsten Teile seines Körpers entgegen, um ihn so 
dazu zu bringen, von ihm abzulassen. Auch die Beobachtung, daß Hunde 
sich vor ihren Herren ängstlich ducken bzw. kriechen oder demütig hinter 
diesen herlaufen, dürfte die Übertragung des Bildes beeinflußt haben' '2. 

(4) Die Wendung "toter Hund" weist im Zusammenhang der Proskynese 
auf den Aufenthalt in der Sphäre des Todes, der nur durch die gnädige Zu- 
wendung des Herrschers beendet wird. 

(5) Die Aufnahme der Metapher im Briefstil des Alten Orients dürfte ihre 
Verwendung im Hofzeremoniell voraussetzen und imitieren. Ihr eigentli- 
cher Sinn wird im Laufe der Zeit verblaßt sein, so daß die Ergebenheits- 
formel - was die Verwendung in Briefen anbelangt - nichts über das Ver- 
hältnis von Absender und Empfänger aussagen muß. Dieses Verhältnis 
kann durchaus kollegial gewesen sein, wie die Lachisbriefe vermuten las- 
sen" 3. 



"'^ Vgl. dazu auch Coats, Seif- Abasement, 19. 

' "^ Vgl. M.I. Grube, Aspects of nonverbal Communication in the Ancient Near Hast (StP 
12/I+II), Rome 1980, 191.193 (zu 1 Sam 24 und 2 Sam 9); zur Definition von symbo- 
lischen Handlungen, Gesten etc. s. auch M Malul, Studies in Mesopotamian Legal 
Symbohsm (AOAT 221), Neukirchen- Vluyn u.a. 1988, 20ff. 



111 

112 



Vgl. Lande, Wendungen, 69f; Galän, Dog, 179. 
Vgl. Galling, Hund, 149. 



"3 Vgl. dazu Donner, KAI 11, 192. 



David und der Floh 8 9 

Diese Beobachtungen gilt es festzuhalten, wenn nun die einzelnen altte- 
stamentlichen Stellen' '^ in ihrem jeweiligen Kontext betrachtet werden 
(4.), um dann aus dieser Betrachtung einige Folgerungen zu ziehen (5.). 



4. Die Belege im Kontext der Samuelbücher 
(1 Sam 17,43; 24,15; 2 Sam 3,8; 9,8; 16,9) 

a) 1 Sam 17,43 

Der Vers ist Teil der Erzählung über den Stellvertreterkampf zwischen 
David und Goliath. Nachdem David Saul davon hatte überzeugen können, 
daß er den Kampf mit dem Philister aufnehmen könne, treten beide Kämp- 
fer aufeinander zu. David hatte vorher den Kampf mit dem Schwert wegen 
mangelnder Übung abgelehnt, und einzig seinen Stab und die Hirten- 
schleuder samt fünf glatten Steinen aus dem Bach als Waffen gewählt. 
Damit tritt er dem wesentlich besser gerüsteten Kämpfer der Philister ge- 
genüber. Die Verse 5-7 hatten sein furchteinflößendes Aussehen bereits 
beschrieben. Danach besteht seine Rüstung aus einem Helm aus Bronze, 
einem Schuppenpanzer, bronzenen Beinschienen, einem bronzenen Sichel- 
schwert und einer Lanze"^. Alle Waffen sind mit "überdimensionierten 
Gewichtsangaben" versehen, wie sie "allein zu einem Riesen passen""^. 
Zusätzlich hat der Philister einen Schildträger bei sich, der vor ihm hergeht 
und durch den vorangetragenen Schild "den letztmöglichen Schutz des 
durch seine Ausrüstung von Kopf bis Fuß gesicherten Goliath" ''"^ darstellt. 
Nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Philisters konnte Entsetzen her- 
vorrufen (vgl. V. 11). Zur Vorbereitung des Kampfes gehört auch das psy- 
chologische Moment der Verunsicherung des Gegners, indem man ihm die 
eigene Aussichtslosigkeit vor Augen fuhrt. Schon wegen seiner Jugend 



' ''^ Vgl. dazu auch Lande, Wendungen, 7A-76. 

'*^ Zum Aussehen Goliaths und zu seinen Waffen vgl. K. Galling, Goliath und seine Rü- 
stung, VTS 15 (1966) 150-169. Zu den literarischen Problemen von 1 Sam 17 vgl. 
ebd. I50ff 156f; Herrmann, Geschichte Israels, 179f 192; HJ. Stoebe, Die Goliathpe- 
rikope 1. Sam XVII 1 - XVIII 5 und die Textform der Septuaginta, VT 6 (1956) 397- 
413. H. Barthelemy / D.W. Gooding/J. Lust / E. Tov, The Story of David and Goliath. 
Textual and Literary Criticism. Papers of a Joint Research Venture (OBO 73), Frei- 
burg (Schweiz) / Göttingen 1986; D. Kellermann, Die Geschichte von David und Go- 
liath im Lichte der Endokrinologie, ZAW 102 (1990) 344-357; Scharbert / Hentschel. 
Rut/1 Samuel, 107ff 

1'6 Ga//;ng, Goliath, 155. 
"'' Ga//;>jg, Goliath, 158. 



90 David und der Floh 

nimmt der Philister David nicht für voll. In diesen Zusammenhang der 
psychologischen Kriegsfuhrung gehört der Vergleich mit dem Hund: 

Bin ich denn ein Hund, daß du mit Stöcken zu mir kommst? 

Diese Frage bringt die völlige Verachtung des Philisters zum Ausdruck. Er 
hatte natürlich erwartet, wie bei einem Stellvertreterkampf üblich, einen 
"richtigen" Kämpfer mit entsprechender Rüstung vor sich zu sehen, und 
keinen Jüngling, der mit einem Stecken daherkommt, wie man ihn benutzt, 
um einen lästigen oder bedrohlichen Hund abzuwehren''^. Der Philister 
fiihlt sich nicht emstgenommen. Er flucht außerdem Gott und verspricht, er 
werde das Fleisch Davids den Vögeln und den wilden Tieren überlassen, 
wenn der Leichnam des Erschlagenen unbestattet zurückblieb. Letztlich 
aber hat Goliath die Klugheit und Gewandtheit seines Gegenübers unter- 
schätzt (auch das ein psychologisches Moment) und ist dem nur mit 
Schleudersteinen Bewaffneten unterlegen. Anders als erwartet, "stirbt [der 
Philister] nicht wie ein Held. Sein Ende ist nicht ehrenhaft""^. Gerade das, 
was der Philister mit seiner Frage in 1 Sam 17,43 empört abwies, ist ein- 
getroffen: "Er wird ... so erschlagen, wie ein Hirte sich der wilden Tiere er- 
wehrt" '^o. Nomen est omen. 

Während 1 Sam 17 am Beginn von Davids Aufstieg steht, führt uns der zweite 
Text mitten in den Streit zwischen David und Saul. Da oben bereits auf 1 Sam 
24 eingegangen wurde (s. L), genügen hier wenige Anmerkungen. 



b) 1 Sam 24,15 

Saul fürchtet sich vor David und davor, daß dieser ihm sein Königtum 
streitig macht. Er verfolgt David daher; doch dieser überrascht ihn in der 
Höhle. Als David sich schließlich zu erkennen gibt, fragt er Saul: 

Hinter wem jagst du nach? Hinter einem toten Hund! 

Diese Selbstbezeichnung geht einher mit der Proskynese (V. 9: ~[~\p 
n'2-]^ □''SX // ninn:;;n) und der Anrede an Saul: "Mein König und 



118 



119 
120 



Vgl. Beltz, Kalebtraditionen, 116; CAD 70 unter Verweis auf Maqlü V, 43; zur all- 
gemeinen Bedeutung des Hundes im Alten Testament und im Alten Orient vgl. ebd. 
1 16-134 sowie Heimpel, Tierbilder, 357, Nr. 46.4: "Wie ein Pariahund, den man mit 
einem Wurfholz getroffen hat, geriet er in Wut". 

H. Asmussen, Das erste Samuelisbuch, München 1938, 1 16. 
Ebd. 



David und der Floh 9 1 

Herr" '21. Die Proskynese vor dem König ist auch sonst im Alten Testa- 
ment bezeugt (vgl. neben 1 Sam 24,9: 2 Sam 1,2; 9,6; 14,4.22; 15,5; 16,4; 
18,28; 1 Kön 1,16.23.53; 2 Chr 24,17; Ps 45,12; 72,11; Esth 3,2). Wenn 
David sich als toten Hund bezeichnet, dann umschreibt er damit sein eige- 
nes Unwürdigsein. Ein lebender Hund kann lästig sein, aber ein toter? Da- 
vid meint mit diesem Vergleich also: So einem wie ihm nachzulaufen, 
lohnt überhaupt nicht, so eine Person wie er ist überhaupt nicht der Rede 
wert'22 Zugleich nimmt er eine der im Hofzeremoniell im Umgang zwi- 
schen König und Knecht üblichen Formeln auf, die Bestandteil der durch 
r[inn2;n ausgedrückten Huldigung sein kann. Wie S. Kreuzer gezeigt 
hati23, ist "diese Huldigung ... im Hofzeremoniell üblicherweise mit dem 
Akt des Sich-Niederwerfens verbunden" '24 (im vorliegenden Fall ausge- 
drückt durch Tip), ohne daß ninn^!;?! darin aufgeht. Im Gegenteil: 
nipntyn bezeichnet den "ideellen Aspekt der Huldigung"i25 "an den 
Herrscher, die als performativer Sprechakt zugleich die Unterwerfung un- 
ter diesen ausdrückt"'^^. Dieser performative Sprechakt kann sich, wie 
auch der vorliegende Zusammenhang zeigt, in zwei Richtungen entfalten: 
Bezogen auf den Herrscher in der Anrede "mein König und Herr" etc., be- 
zogen auf den Untergebenen in der Selbstbezeichnung 13iy oder 375- 
Daß Hund und Floh in unmittelbarem Zusammenhang erwähnt werden, 
kann schließlich auch eine Erklärung finden: Hunde sind oft Wirtstiere von 
Flöhen '27. Zudem treten beide Tiere regelmäßig in menschlichen Dauer- 
wohnungen auf und sind Schmarotzer'^^. Dies gilt in jener Zeit in besonde- 



'2' In der Parallele 1 Sam 26,18 findet sich neben der Anrede "Mein Herr und mein Kö- 
nig" bezeichnenderweise statt der Proskynese die Selbstbezeichnung n5y. 

'22 Vgl. König, Stilistik, 71 ; Lande, Wendungen, 75. 

'23 Vgl. S. Kreuzer, Zur Bedeutung und Etymologie von histalfwSh / ysthwy, VT 35 
(1985) 39-60, vor allem 52-54.58f. 

'24 Ebd. 58. 

125 Ebd. 53. 

126 Ebd. 58. 

'27 Interessant, aber doch unwahrscheinlich ist die Interpretation McCarters, AB 8, 385; 
"a Single flea: That is, a Single flea upon the dead dog". Zum Gebrauch von HIIK, das 
natürlich als Zahlwort, und nicht als unbestimmter Artikel anzusehen ist, vgl. auch EA 
202,12f: mi-ia-me a-na-ku kalbu f"; 247,14f: ü mi-i\a-me\ \a\-na-ku kal\bu f^ ü la- 
a[is-mea-na] \i\-ri-is\-ti sarrr\ bSIi-ia. "[U]nd w[er] bin ich, ein [einzelner] Hu[nd], 
[d]aß [ich] nicht [hören sollte auj] [das Ve]rlang[en des Königs,] meines Herrn?" Vgl. 
femer EA 201,15. 

'28 Vgl, Caspari, KAT VII, 302. 



92 David und der Floh 

rem Maße auch für den Hund, der die Städte auf der Suche nach Eßbarem 
durchstreifte'29_ 



c) 2 Sam 3,8 

Innerhalb der Geschichten von Davids Aufstieg ist nun ein Wendepunkt er- 
reicht. Saul und Jonathan sind tot. Abner, der Feldhauptmann Sauls'^o^ 
konnte den Sohn Sauls, Eschbaal'^i, vor David und seinen Männern retten 
und zum König über die Nordstämme machen (2 Sam 2,8). Doch Eschbaal 
war ein Mann von Abners Gnaden. Denn dieser führte die Kriege und war 
so der Garant von Eschbaals Königtum (vgl. 2 Sam 3,6). Während die 
Macht Davids zunimmt, nimmt die Macht der Sauliden ab (2 Sam 3,1, vgl, 
4,1). Kein Wunder also, daß Abner sich einige Sonderrechte einräumte, die 
einem Königsuntertan unter anderen Umständen nicht zugestanden hätten. 
So nimmt er sich Rizpa, eine der Nebenfrauen Sauls, ohne Wissen des Kö- 
nigs zur Geliebten. Dabei muß es Abner nicht eigentlich um eine Usurpati- 
on der Herrschaft gegangen sein'32. Dennoch tangierte dieser Vorfall die 
königliche Autorität entscheidend. Vom König zur Rede gestellt, ist er au- 
ßer sich vor Zorn. 

Bin ich denn ein Hundskopf aus Juda? Ich verhalte mich bis zum heutigen Tage treu 
zum Hause Sauls, deines Vaters, gegenüber seinen Freunden und Brüdern, und ich 
habe dich nicht in die Hand Davids geraten lassen. Und du wirfst mir an ebendiesem 
Tage ein Vergehen an dieser Frau vor?'^^ 

Bin ich denn ein Hundskopf aus Juda? - mit dieser Bemerkung weist Ab- 
ner den Vorwurf des Königs ab, den er als Beleidigung empfindet, und ruft 
gleichzeitig seine Treue gegenüber dem Hause Sauls in Erinnerung. Abner 
fühlt sich verletzt, wenn er trotz seiner Bemühungen, Eschbaal zu schüt- 



129 
130 



Vgl. Beltz, Kalebtraditionen, 1 16f 121.122.134. Zum Pariahund vgl. auch Heimpel 
Tierbilder, 354f 

Zu den königlichen Funktionsträgem Sauls und Eschbaals vgl. H.M. Niemann, Herr- 
schaft, Königtum und Staat. Skizzen zur soziokulturellen Entwicklung im monarchi- 
schen Israel (FAT 6), Tübingen 1993, 3ff 

'31 So die Namensform in 1 Chr 8,33; 9,39. Die in den Samuelbüchem überlieferte Na- 
mensform Isch-boscheth "Mann der Schande" ist eine nachträgliche Entstellung, um 
das theophore Namenselement "-baal" auszumerzen (vgl. Herrmann, Geschichte Isra- 
els, 185 Anm. 1; T. Veijola, David und Meribaal, RB 85 [1978] 338-361, 343 Anm 
16). 

'32 Vgl. K.A. Leimbach, Die Heilige Schrift des Alten Testaments Ill/l, Bonn 1936, 138; 
Donner, Geschichte, 1 88. 

' 33 Übersetzung nach Stolz, ZBK. AT 9,197. 



David und der Floh 93 

zen, wie einer der Lakaien Davids behandelt wird. Im Vergleich zu seinem 
persönlichen Risiko hält er die Sache mit Rizpa für eine Lappalie, über die 
der König hätte hinwegsehen müssen. 

Allerdings gewinnt diese Aussage dadurch noch eine zusätzliche Nuance, 
daß Abner sich mit einem "HundsÄ:op/ aus Juda" vergleicht. Kaum wird 
man diese Selbstbezeichnung zusammenstellen können "mit dem 'Sau- 
schwaben' des Schweizers oder dem 'Saupreußen' des Bayern", wie F. Stolz 
es tut, um daraus auch noch einen Schluß auf das "emotionale Verhältnis ... 
in jener Frühzeit und auch später zwischen den Nord- und den Südstäm- 
men" 1^4 zu ziehen. Die Annahme von W. Hertzberg "Vielleicht soll 'Hund 
aus Juda' so wirken, als wenn wir 'Dorfköter' '^^ sagen", kann ebenso nur 
zum Teil überzeugen wie die Vorschläge, die HAL zusammenstellt: 

"1) ein Schimpfwort: Hundevieh (Lex.l), ähnl. THAT II 709: der schlimmste Hund; 2) ein 
einzelner Hund, nach nlDC] K?KT 2K 6,25 ein einzelner Esel, so Seybold Fschr. Nöldeke 2, 
759f; 3) nach Z KUvoKE(pa>wO(; Hundsaffe, Pavian mit Hundegesicht, so D.W. Thomas VT 
10, 1960, 41 Off; 4) von diesen Möglichkeiten dürfte wohl 1) den Vorzug verdienen"'^*. 

Aber könnte die Bezeichnung HundsÄ:op/ nicht auch auf einen konkreten 
Hintergrund schließen lassen? Gerade die Zufügung der Ortsbestimmung 
Juda'3^ ist Hinweis darauf, daß Abner sich mit dieser rhetorischen Frage 
abgrenzen möchte. Doch von wem? Ältere Ausleger, z. B. H. Winckler^^^, 



1^4 Äo/z,ZBK.AT9, 199. 

'^^ Die Samuelbücher (ATD 10), Göttingen 1956, 204 Anm. 3. 

HAL, 1089. Zur Zusammenstellung und Kritik der verschiedenen Lösungsversuche 
vgl. auch Thomas, Kelebh, 418f 

'■'^ Mit G (Mrj KE(paXT| Kuvoq eycb aim;), wo die Ortsbestimmung fehlt, liest Leimbach, 
Die Heilige Schrift des Alten Testaments III/l, 139. Vgl. auch den Kommentar von K. 
Budde, Die Bücher Samuelis (KHC VIII), Tübingen 1902, 209f: "Hundskopf als ver- 
ächtl. Schimpfwort, vgl. unser Schafskopf neben Schaf, nur hier ... Ein judäischer 
Hundskopf müsste heissen ein Abtrünniger, ein Verräter, der es mit Juda hält, statt 
dessen, was A.[bner] wirklich ist. Aber 'IT'? "IcyN sollte dann vor ''piX stehen, vor 
allem aber würde man statt Hundskopf das nur allgemein einen niedrigen, wertlosen 
Menschen bedeuten kann, ein bezeichnendes Wort für Verräter erwarten. Da nun LXX 
n"Iin"'7 "l^X nicht wiedergibt, wird es zu streichen sein, und zwar als Glosse, die 
von der mißverständlichen Punktierung 373 ausgeht, Kaleb, der zu Juda gehört, vgl. 
Chron." Anders Nowack, HK 1/4, 161, der n"]W'? "l^N als "Umschreibung des Ad- 
ject. judäisch, eig. 'der zu Juda gehört'" auffaßt und nicht als Umschreibung von '"der 
es mit Juda hält'". Vgl. auch Thomas, Kelebh, 418 und König, Stilistik, 138: "miH"'':' 
~WV. 2 S 38a konnte als Beschreibung des betonten Prädikats des vorhergehenden Sat- 
zes nachfolgen. Die spätere Einschaltung von iTlin'? ... ist unwahrscheinlich, weil 
der Relativsatz einen überaus charakteristischen Zug zu dem in 2 S 3« gezeichneten 
Geschichtsbilde liefert, und weil er seiner Stellung wegen in LXX übergangen sein 
kann" (vgl. auch OK § 141 1). König verweist zur Stützung seiner These auf Jer 18,8a: 

'31 'n-]2i, im. 

'3* Geschichte Israels in Einzeldarstellungen, Teil I, Leipzig 1895, 25. 



94 David und der Floh 

denken an David, der sich vom Bandenführer zum Fürsten von Kaleb mit 
der Residenz in Hebron entwickelt habe. Winckler übersetzt 2 Sam 3,8 da- 
her: "Bin ich etwa der Fürst von Kaleb?" und meint, diese Frage nehme ei- 
ne Titulatur Davids auf ^^. 

In eine andere Richtung weist der nähere Kontext von 2 Sam 3. Unmittel- 
bar vor dem Vorfall mit Eschbaal nämlich wird von einer Auseinanderset- 
zung zwischen Abner und Joab berichtet, in deren Verlauf ein Bruder Jo- 
abs, Asahel, von Abner getötet wird. Joab''**^, der hier zum ersten Mal na- 
mentlich in Erscheinung tritt (2 Sam 2,13), fungiert als Anführer der Söld- 
ner Davids, die noch immer "auf Kosten der Bauern und Händler [leben]" 
- "der Lebensstil Davids und seiner Leute hat sich also auch nach dem 
Herrschaftsantritt in Hebron nicht wesentlich verändert"''*', nur daß sich 
ihre Aktionen nun außerhalb der judäischen Grenze abspielen. Joabs Stel- 
lung ist zu diesem Zeitpunkt die eines E^Xl''^^, die des Anführers einer 
Truppe also, so wie in 2 Sam 23,8.18 und 2 Sam 23,13 die Anführer der 
Drei bzw. der Dreißig mit diesem Terminus bezeichnet werden (vgl. auch 
noch 1 Chr 11,11.15; 12,19)1^3. erst später ist er ■^2^'Prb^ gesetzt (vgl. 2 
Sam 8,16; 20,23), dann bezeichnenderweise über die Heerbanne Israels 
und Judas''*^. Ganz anders verhält es sich mit Abner: Er war schon der 
Oberbefehlshaber Sauls, kam in der Hierarchie nach dem König und sei- 
nem Sohn Jonathan, war also der dritte Mann im Staate (vgl. 1 Sam 
20,25)145 und trug den Titel i<3^— it^ fygl. 2 Sam 2,8i46).i47 wenn Abner 
sich in der Entgegnung an Eschbaal 375 t^i^H nennt, dann dürfte er mit 



'39 Vgl. Thomas, Kelebh, 418. 

''*'' Zur Bedeutung Joabs in 2 Sam 2ff vgl. H. Schulte, Die Entstehung der Geschichts- 
schreibung im Alten Israel (BZAW 128), Berlin 1972, 140ff. 

l'*' Äo/z. ZBK.AT9,201. 

'''^ Vgl. zu dieser Verwendung J.R. Bartlett, The Use of the Word t^XT as a Title in the 
Old Testament, VT 19 (1969) 1-10, vor allem 3; W. Beuken, Art. 2?t<T I, ThWAT VII 
(1993) 271-282, 278, der für 2 Sam 3,8 allerdings annimmt, daß ^i<^ sich auf 2^3 
"Hund" beziehe und in geringschätzigem Sinne verwendet sei. 

''*3 Vgl. auch I Sam 18,13 wo David zum f]'7}<"^E; eingesetzt wird. ~\\S und WUn sind 
vielfach austauschbare Begriffe. 

^'^ Vgl. Donner, Geschichte, 203. 

"^5 Vgl. auch Stolz, ZBK.AT 9, 192. 

''*6 Derselbe Titel auch 1 Sam 14,50; 17,55; 26,5 für Abner. Vgl. dazu auch H. Niehr, Art. 
-12?, ThWAT VII (1993) 855-879, 866.870; U. Rüterswörden, Die Beamten der israe- 
litischen Königszeit. Eine Studie zu sr\md vergleichbaren Begriffen (BWANT 117), 
Stuttgart 1985,35-37. 

l'*^ In 1 Sam 2 tritt Abner freilich nicht als Heerbannführer, sondern als Anführer der 
Söldner (CT^l?) Eschbaals auf (vgl. Donner, Geschichte, 187; Herrmann, Ge- 
schichte Israels, 186). 



David und der Floh 95 

dieser Selbstbezeichnung sich von Joab, dem Führer der davidischen Söld- 
ner absetzen''*^. Abner entgegnet Eschbaal also: "Habe ich etwa dieselbe 
Position inne, wie jener Anführer, jener Hund aus Juda?" "Am I, who hel- 
ped Saul's house, to be treated as Joab is rightly treated by his master, Da- 
vid?" '^^ Hier geschieht somit keine Selbstherabsetzung, sondern "only 
fiercely aggressive justification of his Standing as a person of importance, 
couched in contemptous language, combined with a threat of secession to 
David" 150. 

Wie die Wendung D?? 2?^^ grammatikalisch zu fassen ist, dürfte letztlich nicht zu klären 
sein: 

(1) Man könnte wie üblich von einer normalen Cstr.-Verbindung ausgehen und übersetzen: 
"Hundskopf. 

(2) Andererseits könnte man auch einen Genetivus epexegeticus annehmen, der die Ei- 
genschaft von 2?i<T in der Bedeutung "Anführer" verdeutlichen will: "ein hündischer 2?NT / 
Anführer"i5i. 

(3) Möglich wäre auch, 37? als Apposition zu WVh zu fassen''^. 373 würde dann ^J<T 
als Nebeneinanderstellung von Genus und Spezies''^ (= ein Anführer, der ein Hund ist) 
bzw. von Person und Eigenschaft'^'' näher bestimmen und die im Rahmen des Hofstils nor- 
male Verwendung von 37? als Selbsterniedrigung des Sprechers imitieren: "Bin ich denn 
(so) ein Anführer, (so) ein Hund aus Juda?". 

(4) Zu erwägen wäre femer, daß mit den verschiedenen Nuancen des Wortes t!;j<n ("Kopf, 
"Anführer") gespielt wird. Dies könnte gerade dann gelten, wenn man die Interpretation 1), 
die normalerweise zu finden ist, heranzieht. 

(5) In jedem Fall liegt in der Bezeichnung "Hundskopf mehr als eine abschätzige Aussage 
vor; denn Abner setzt sich mit dieser Selbstbezeichnung deutlich von einer anderen Person 
aus Juda ab, die wir in Joab zu finden glauben. 

Die Auseinandersetzung mit Eschbaal aber war der Anlaß für Abner, 
Kontakte mit David aufzunehmen, um Übergabeverhandlungen zu führen. 
Dann aber fällt er, kaum hat er sich mit David geeinigt, dessen Anführer 
Joab in die Hände, der noch eine offene Rechnung mit ihm zu begleichen 



1"*^ Vgl. auch die posthume Würdigung Abners durch David 2 Sam 3,38: ^injl ~1K? "'S 
njn DVn bs] und l Sam 26,15: ':'l<nt;;'!3 '^i?2D ^?31. - An Joab denkt auch r/ioma5, 
Kelebh, 420, wobei er seine Interpretation verbindet mit der Deutung von 373 ti?}<T 
als "dog-headed baboon". 

•''9 Thomas, Kelebh, Aia. 

150 Ebd. 421. Vgl. auch schon König, Stilistik, 71 Anm. 1 zu 2 Sam 3,8: "Weniger wahr- 
scheinlich enthält dieses K?}<T ... eine Hindeutung auf die Anführerstellung des Ab- 
ner". 

151 Vgl. GK§ 128fk-q. 

152 Vgl. GK§131. 

153 Vgl. GK § 131 b, vgl. die dort aufgeführten Beispiele: niD^N HE?«; rh^^\^2 nn^S; 

2?Knn ]n3. 

Vgl. GK § 131 c und das Beispiel VW^ Q"!«. 



154 



96 David und der Floh 

hatte wegen seines Bruders Asahel, den Abner im Zweikampf getötet hatte. 
Joab ermordet Abner hinterrücks* ^5. Durch den Tod Abners aber ist die 
persönhche Fehde dieser beiden Männer beendet, aber auch ihre möghche 
Konkurrenz ist bereits im Keim erstickt. "Das war gewiß nicht im Siime 
Davids, der die Talente Abners beim Aufbau seines Reiches wohl hätte 
brauchen können: 'Wißt ihr nicht, daß heute ein Amtsträger und Großer in 
Israel gefallen ist?' (2. Sam 3,38). Man sollte die Bestürzung Davids über 
Abners Tod nicht nur als Schachzug in seinem politischen Spiele betrach- 
ten, so etwa, daß er sich dadurch bei den Nordstämmen beliebt zu machen 
versuchte. Sicher spielte das mit hinein. Aber darüber hinaus ist damit zu 
rechnen, daß er das Ausscheiden Abners tatsächlich als Verlust emp- 
fand. "^^^ Mit dem Tod Abners ist die letzte Bastion des Hauses Saul ge- 
fallen. Und der Übernahme des Königtums über ganz Israel und Juda durch 
David steht nun bald nichts mehr im Wege. Denn auch Eschbaal wird 
meuchlings von zwei Gefolgsleuten ermordet (2 Sam 4). Dieser Anschlag 
aber war erst möglich geworden, nachdem die schützende Hand Abners 
den König nicht mehr umgab. 



d) 2 Sam 9,8*57 

David ist nun König über Israel und Juda. Doch noch immer gibt es Nach- 
kommen Sauls, die ihm sein Königtum streitig machen könnten (vgl. spä- 
ter Kap. 16). Natürlich hält der König mit diesem Verdacht hinterm Berg. 
Dennoch läßt er nach den letzten Sauliden suchen. Daß David sich im Au- 
genblick des größten Triumphes der Sauliden erinnert, dürfte nicht zufällig 
sein. Könnte aus ihrem Kreis doch ein möglicher Thronprätendent kom- 
men*5^. Und wenn David anordnet, Meribaal'^^, der gelähmte Sohn Jo- 



*55 Ein ähnlicher Vorfall findet sich auch in 2 Sam 20,9ff Auch hier geht es Joab darum, 
einen möglichen Konkurrenten um das Amt des N3^ lt£7 (vgl. 2 Sam 19,14) auszu- 
schalten. 

'5^ Do««er, Geschichte, 188. 

*5'' Zur Stellung von 2 Sam 9 innerhalb von 1/2 Samuel vgl. J.L. Mays (ed.), Harper's Bi- 
ble Commentary, San Franzisko 1988, 293; J.S. Ackerman, Knowing Good and Evil. 
A Literary Analysis of the Court History in 2 Samuel 9-20 and 1 Kings 1-2, JBL 109 
(1990) 41-64, 42ff. 

Nicht umsonst wird im gleichen Kapitel auch Micha, der Sohn Meribaals erwähnt (V. 
12). 

So die Überlieferung in 1 Chr 8,34; 9,40, 2 Sam 9 u.ö. ist der Name zu Mephiboscheth 
verballhornt (vgl. Herrmann, Geschichte Israels, 212; Veijola, David und Meribaal, 
338 Anm. 1. Veijola rechnet allerdings mit zwei Personen, die den Namen Meribaal 
trugen, einmal ein Sohn Sauls und das andere Mal ein Sohn Jonathans, wobei alle 



158 
159 



David und der Floh 9 7 

nathans, solle täglich an seinem Tisch essen, sich also in seiner Nähe auf- 
halten' ^o, dann könnte dies darauf hindeuten, daß David ihn unter Kon- 
trolle behalten will. Die Aufnahme am Hof wird verbunden mit der Rück- 
gabe des Besitzes der Sauliden an Meribaal und Davids Erbarmen gegen- 
über dieser Familie. Beides könnte zum Ziel haben, sich der Loyalität Me- 
ribaals zu versichern. Doch das Mißtrauen Davids wird geblieben sein. Die 
im Vergleich zu 1 Sam 24,15 völlig veränderte Lage aber zeigt der Aus- 
spruch Meribaals in 2 Sam 9,8 eindrücklich: 

Was ist dein Knecht, daß du dich wendest zu einem toten Hund, wie ich es bin.'*' 

Dieser Wendung geht die Proskynese vor David (V3D '?D]; ninn^^n [2x: 
V.6.8]) verbunden mit der zweimaligen Selbstbezeichnung 1D17 (V. 6.8) 
voraus'62^ während der König darauf mit der Beschwichtigungsformel 
K"J"'ri~7N antwortet. Während früher David Sauls Untergebener und 
Knecht war, haben sich nun die Verhältnisse gewandelt. Meribaal ist von 
der Gnade Davids abhängig und macht sich daher vor dem neuen König Is- 
raels klein. Daß er sich als toter Hund bezeichnet, könnte neben der 
Selbstdemütigung noch einen Hinweis auf seine Behinderung darstellen, 
die ihm sowieso keine allzu großen Aktionen erlaubte (vgl. auch 2 Sam 
19,27). 

Insgesamt stellt die Szene in nuce eine Audienz am königlichen Hofe dar, 
die ihren besonderen Charakter durch den Auslieferungs- und Unterwer- 
fungsgestus Meribaals erhält (niöri2;n)iö^ der verbal durch die Selbstbe- 
zeichnungen T3j; und nfS 3'p5 und nonverbal durch das Niederfallen 
(^33) begleitet wirdi64. 



Stellen, "die von Meribaal als Jonathans Sohn sprechen [II. Sam., IV,4; IX, 3,6,7; 
XXI, 7] ... literarisch unecht [sind], Produkte einer Redaktion, die Davids bleibende 
Treue zu Jonathan-zu betonen versucht" [a.a.O. 352]). 

Zur parallelen Entwicklung in der Daviddynastie (vgl. 2 Kön 25,9 mit 2 Sam 9,13) 
vgl. Mays (ed.), Harper's Bible Commentary, 293. 

Vgl. dazu sowie zu 2 Sam 16,9 König, Stilistik, 71. 

Vgl. 2 Sam 9,8: •'W^ nm PO n'pjn-'^K n'']? -'s ■^■nai? ng. Zu dieser Redewei- 
se vgl. L. Schmidt, Menschlicher Erfolg und Jahwes Initiative. Studien zu Tradition, 
Interpretation und Historie in Überlieferungen von Gideon, Saul und David (WMANT 
38), Neukirchen-Vluyn 1970, 41f Zu nSI? als Selbstbezeichnung vgl. auch Lande, 
Wendungen, 68ff 

'^3 Vgl. dazu Preuß, mn, 788. 

^^ Vgl. dazu auch oben Abschnitt III/4b. 



160 

161 
162 



98 David und der Floh 

e) 2 Sam 16,9 

Daß die Befürchtungen Davids nicht vöUig aus der Luft gegriffen waren, 
zeigt 2 Sam 16. Das mühsam errungene Königtum Davids bleibt nicht un- 
gefährdet: Absalom, sein Sohn, hat sich in einem Aufstand gegen den Va- 
ter gewendet. Natürlich ist es interessant, wie sich der Saulide Meribaal, 
der Sohn Jonathans, in dieser veränderten Situation verhält. Die Informa- 
tionen sind widersprüchlich. Zum einen übermittelt Ziba, sein Knecht, dem 
flüchtenden David die Nachricht, der Saulide sei in Jerusalem verblieben, 
weil er erwarte, daß er durch das Haus Israel das Königtum Sauls zurück- 
erhalte. Zwar hält David diese Nachricht zunächst für wahr und belohnt 
Ziba mit dem Besitz der Sauliden (2 Sam 16,3f), doch wenige Kapitel 
später nimmt er diese Entscheidung zurück. Denn "wie aus 19,25ff zu er- 
sehen, hatte der lahme Sohn Jonathans dem Siba den Auftrag erteilt, seinen 
Esel zu satteln, auf daß er mit dem König ziehen könne. Der Diener aber 
hatte ihn betrogen" '^^. Ziba ist als Lügner enttarnt. Doch die Schuldfrage 
wird auch jetzt nicht geklärt, sondern es wird auf eine pragmatische Lö- 
sung (Teilung des Besitzes der Sauliden) hingearbeitet. In der Situation der 
augenblicklichen Bedrohung jedoch läßt David sich täuschen' ^ö. Kein 
Wunder, denn andere Sauliden wandten sich wirklich von ihm ab. Auf der 
Flucht trifft David auf einen gewissen Simei, der ihm Flüche nachruft und 
ihn für die Ermordung der Sauliden verantwortlich macht. Abisai, einen 
Mann aus der Begleitung Davids, der schon lange bei ihm ist (vgl. 1 Sam 
26,8), stören diese bösen Worte und er fragt: 

Warum flucht dieser tote Hund meinem Herrn, dem König? 

Abisai macht zudem darauf aufmerksam, daß Simei den Tod verdient habe 
(vgl. V. 22). Insofern könnte man davon sprechen, daß die Wendung "toter 
Hund" das mögliche Geschick Simeis vorwegnimmt oder geradezu in 
Kraft setzt. Und wirklich trifft später ein, was hier wirkkräftig ausgespro- 
chen wurde: Der Tod Simeis (vgl. 1 Kön 2,8.41—46). Doch dürfte die we- 
sentliche Aussage des Satzes durch den Gegensatz zwischen riQ 375 und 
"^bü markiert sein, der sich, wie gezeigt, auch häufig in den Amamabrie- 



'^5 Leimbach, Die Heilige Schrift des Alten Testaments III/l, 189. 1 Sam 19 ist inhaltlich 
und stilistisch "eine kunstvolle Umkehrung des Fluchtberichtes" (Stolz, ZBK.AT 9, 
271) 1 Sam 16. Zu beiden Stellen vgl. auch Ackerman, Knowing God, 51 ff. 

'^^ Interessanterweise ist die Thronfolgegeschichte (2 Sam 9-20) durchzogen von der 
heimlichen Frage, ob der Nachfolger Davids nicht auch aus dem Hause Sauls kommen 
könnte (vgl. 2 Sam 9; 16; 19). Nicht umsonst beginnt (!) sie damit, daß David den ein- 
zig überlebenden Sohn Jonathans an seinen Tisch holt. 



David und der Floh 99 

fen findet (vgl. z. B. EA 247,14f und oben III/l). "Da ... jede Gesellschaft, 
auch die israelitische, gewisse Rangordnungen anerkennt und ausdrücklich 
schützt, verbietet die atl. Tradition das Verächtlichmachen und Schmähen 
von Respektpersonen" 'ö'', zu denen auch der König gehörte. Einem Unter- 
tanen (np 375) kam solch eine Grenzüberschreitung gegenüber dem Ge- 
salbten JHWHs in keinem Fall zu (vgl. 2 Sam 19,22; Koh 10,20), wie auch 
sonstige Übergriffe gegenüber dem König verboten waren (vgl. 1 Sam 
24,7.11; 26,9 u.a.). Simei hat die geltenden gesellschaftlichen Normen 
verletzt und sich so außerhalb der Gemeinschaft gestellt'^*. Doch noch 
sieht David gegenüber Simei keinen Handlungsbedarf Im Gegenteil: Er 
erhofft sich, daß JHWH dieses Fluchen in Segen für ihn verwandelt. Simei 
wird in Ruhe gelassen, obwohl er - der Untergebene des Königs - auf- 
grund seines Verhaltens damit rechnen müßte, daß ihm die königliche 
Huld entzogen wird und er bestraft wird. Simei weiß das, denn nach der 
Niederschlagung des Aufstandes fällt er vor David nieder und bittet um 
Vergebung (2 Sam 19,19). 

Die in 2 Sam 16 erzählte Episode aber endet mit einer das Fluchwort un- 
terstreichenden Handlung, mit der "Simei sein Opfer noch völlig zu elimi- 
nieren sucht" 'ö^: Er bewirft David mit Steinen und Erdklumpen, so wie 
man einen wilden, umherstreifenden Hund abwehrt' "^^ (V. 13; vgl. V. 6). 
Auch wenn hier das Stichwort 3 '7 5 nicht fällt, so ist durchaus anzuneh- 
men, daß das Verhalten gegenüber wilden Hunden (oder anderen gefährli- 
chen Tieren) im Hintergrund von Simeis Aktion steht. 



5. Folgerungen 

Zieht man nun Folgerungen aus der Betrachtung dieser Stellen, so ergeben 
sich einige Auffälligkeiten: 

(1) Die Metapher "Hund" findet sich wie in den altorientalischen Paralle- 
len sowohl als demütige Selbstbezeichnung (1 Sam 24,15; 2 Sam 9,8) wie 
auch zum Ausdruck der Geringschätzung gegenüber einem anderen (2 Sam 
16,9). Sie hat Anhalt am beobachtbaren Verhalten dieser Tiere gegenüber 



'^"^ CA. Keller, Art. bbp, THAT II (M984) 641-647, 644. 

Vgl. dazu H.-P. Hasenfratz, Die toten Lebenden. Eine religionsphänomenologische 
Studie zum sozialen Tod in archaischen Gesellschaften (ZRGG.B 24), Leiden 1982, 
57ff. 

'^9 Keller,hbp,6AZ. 

•''O Vgl. Botterweck, n'pS, 159; Heimpel, Hund, 495. 



1 00 David und der Floh 

ihren Herren bzw. auch umgekehrt am Verhalten des Menschen gegenüber 
Hunden. 

(2) Das Bild des Hundes markiert den Aufstieg Davids und den Fall des 
Hauses Saul (vgl. 1 Sam 17,43; 24,15; 2 Sam 3,8; 9,8) und bildet so bereits 
in nuce die Kemaussagen der Texte ab^''^ die 2 Sam 3,1 kurz und knapp 
formuliert. Nicht umsonst wird gerade in 1 Sam 24,15 (am Beginn der 
Aufstiegsgeschichte) und in 2 Sam 9,8 (am Beginn der Thronfolgege- 
schichte; vgl. aber auch 2 Sam 16,9) der Vergleich mit dem "toten Hund" 
gewählt sein. Das Verhältnis König - Untergebener hat sich völlig umge- 
kehrt. Diejenigen, die einst den König stellten, werden zu Knechten, der 
Knecht zum König. 

(3) Ähnlich wie in den Texten der Umwelt^'^^ igt die Selbstbezeichnung ei- 
nes Niedrigerstehenden als "Hund" von anderen Demutsäußerungen be- 
gleitet: So fällt in 1 Sam 24,9 David vor Saul nieder (Tip) und in 2 Sam 
9,8 der Saulide Meribaal vor David (723). "In den verschiedenen Verklei- 
nerungen des Körpers, im Sichniederwerfen, Sichverbeugen, Knieen und 
Hocken verrät sich das Bewußtsein der eigenen Kleinheit, Nichtigkeit und 
Ohnmacht" ''^^. Auch äußerlich wird so - in der Huldigung (niOn^n) vor 
dem jeweiligen König - die Umkehrung der Herrschaftsverhältnisse deut- 
lich. Die Metapher "Hund" ist geradezu die verbale Umsetzung der nicht- 
verbalen Äußerung des Niederfallens. Sie gehört wie die Unterwürfig- 
keitsformel T31? zur Hofsprache, wobei sich nicht feststellen lassen wird, 
"ob sich diese Formel zusammen mit der Regierungsform autochthon ge- 
bildet hat, oder ob sie aus dem Hofstil angrenzender Reiche, in denen das 
Königtum schon früher als in Israel bestanden hatte, übernommen wur- 
de"'"''*. Im übrigen ist auch an die umgekehrte Erscheinung zu erinnern, 
daß Tiemamen in metaphorischem Sinn für Könige und führende Persön- 
lichkeiten Verwendung finden, so zum Beispiel v^K oder lini?'''^, was 
darauf zurückzuführen sein wird, daß beide Tiere als Leittiere von Herden 
fungierten. 

(4) Auch wenn in 2 Sam 16,5-7, das Stichwort DvS nicht fällt, stellen die- 
se Verse fast eine Inclusio zu 1 Sam 17,43 dar: In 1 Sam 17,43 ist es der 
Philister Goliath, der David flucht und sich beschwert, er werde mit einem 



'^' Vgl. Westermann, Vergleiche, 21. 

l''^ S. o. III/l. 

'^•^ //e;7er, Körperhaltung, 176. 

'^^ Lande, Wendungen, 68 bezogen auf die Formel T3?, doch können diese Vermutun- 
gen vice versa auch auf die Metapher "Hund" übertragen werden; vgl. Kreuzer, Be- 
deutung, 59. 

175 Ygj (J22U Miller, Animal names, 178 und passim. Vgl. auch oben Anm. 28. 



David und der Floh 101 

Stecken empfangen, wie ein Hund, den man abwehren will. In 2 Sam 16 ist 
es ein Nachkomme Sauls, der David verflucht und wie einen Hund mit 
Steinen und Erdklumpen bewirft (V. 6.13). In beiden Geschichten findet 
sich der Hinweis auf das Fluchen {7^p) des Gegners ebenso wie das Mo- 
tiv des Steines. 

(5) Daneben ist auffällig, daß die Vergleiche sich unterscheiden: Dreimal 
wird von einem toten Hund gesprochen, einmal vom Hundskopf, ebenfalls 
einmal taucht der Vergleich mit einem Hund ohne Erweiterung auf (1 Sam 
17,43). Dieser letztgenannte Vergleich steht der Wirklichkeit am nächsten. 
Hunde werden mit Stecken und Steinen vertrieben. Die Bezeichnung E^NH 
D75 (2 Sam 3,8) dagegen dürfte konkret auf Joab anspielen, von dem sich 
der Feldhauptmann Abner abheben will. Auffällig ist, daß es sich im Falle 
von 1 Sam 17,43 und 2 Sam 3,8 jeweils um rhetorische Fragen handelt, die 
zudem fast parallel formuliert sind: ''DiX 375 (Ji^^^)iLl- 

(6) Bei der Frage nach der Bedeutung der Wendung "toter Hund" dagegen 
ist etwas weiter auszuholen: 

a) Während "Hund" Ausdruck eines Vasallitätsverhältnisses sein kann und 
sich der Redende mit diesem Vergleich vor Höheren herabsetzen und 
selbst gering machen will, könnte die Wendung "toter Hund" die größt- 
mögliche Steigerung der Herabsetzung darstellen, zumal wenn sie in bezug 
auf eine andere Person gebraucht wird'^^. Die Kontraststelle Koh 9,4 kann 
diese Annahme stützen: "Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe." 
Während hier der Hund trotz seiner Minderwertigkeit den Vorzug erhält 
vor dem Königstier, weil er lebt, der Löwe aber tot ist, so verändert sich 
die Sachlage völlig bei einem toten Hund, der für den letzten Abschaum zu 
gelten hat, vor dem man sich ekelt. 

b) Aber diese Interpretation ist noch nicht ausreichend. Sowohl David, als 
auch Meribaal und Simei haben sich durch ihr Verhalten bzw. durch die 
Tatsache ihrer Familienzugehörigkeit gegen den jeweils herrschenden Kö- 
nig gestellt. Sie sind abtrünnige Knechte, "tote Hunde", weil sie sich gegen 
ihren Herrn erhoben haben bzw. erheben könnten^'''' und weil sie daher mit 
ihrem Tod rechnen müssen. Der flüchtige David wird deshalb gesucht und 
sein Tod wird von Saul mehrfach beschlossen (vgl. 1 Sam 18,1 Off; 19,1 ff. 
lOff; 20,lff31; 21,11; 23,14ff.23.26ff ; 24,12). Und in 1 Sam 22,6ff trifft 
diese Bestrafung selbst die, die unwissend den Empörer unterstützt haben. 
Meribaal gehört der unterlegenen Königsfamilie an und müßte damit rech- 



' "7^ Vgl. Lande, Wendungen, 101. 

'^^ Interessanterweise findet sich auch in den Amamabriefen die Bezeichnung "Hund" für 
Abtrünnige vgl. dazu oben 111/ 1. 



1 02 David und der Floh 

nen, als möglicher Thronprätendent getötet zu werden (vgl. 2 Sam 9,7)''^^. 
Simei hat sich von David durch sein Verhalten und durch seinen Fluch ab- 
gesetzt und könnte deshalb sein Leben verwirkt haben (vgl. 2 Sam 16,9), 
hätte David Abisai nicht Einhalt geboten. Und auch nach der Nie- 
derschlagung des Aufstands Absaloms erweist David sich gnädig gegen- 
über Simei (2 Sam 19). Alle drei Männer sind in besonderer Weise von der 
Gnade und Fürsprache ^''^ des jeweils herrschenden Königs abhängig. Wür- 
de sie nicht gewährt, dann würde das für jeden von ihnen den Tod bedeu- 
ten. Zudem sind 1 Sam 24 und 2 Sam 9 dadurch miteinander verknüpft, 
daß der in 1 Sam 24,22 von Saul erbetene Schutz seiner Nachkommen in 2 
Sam 9 durch David eingelöst wird (vgl. V. 3.8). 

Mit diesen Überlegungen wird femer immer unwahrscheinlicher, daß 375 
als "einzige Haustierbezeichnung ... im AT als Schimpfwort verwendet 
wird"'^*^, was pauschal mit den Belegen aus den Samuelbüchem sowie mit 
2 Kön 8,13 und Jes 56,10 begründet wird'^'. Einzig 2 Sam 16,9 könnte die 
Annahme eines Schimpfwortes rechtfertigen, doch könnte man in diesem 
Fall erwarten, daß der mit "toter Hund" titulierte Simei dann direkt ange- 
sprochen wird: "Du toter Hund, warum fluchst du dem König?" Stattdes- 
sen findet sich in 2 Sam 16,9 die indirekte Formulierung: "Warum flucht 
dieser tote Hund meinem Herrn, dem König?", die sich, wie gezeigt, sehr 
gut aus dem Gegensatz zwischen Untertan (= nO n*??) und König er- 
klären läßt. 



180 



^^^ Zur Ausschaltung von Angehörigen der gestürzten Königsfamilie vgl. z. B. 2 Kön 
10.11. 

'"'^ Vgl. 1 Sam 24,18ff; femer die Stichworte n]D und Nn/H"'?« in 2 Sam 9,8, die die 
gnädige Zuwendung Davids umschreiben (vgl. dazu Lande, Wendungen, 94); 2 Sam 
16,1 Off 

O. Keel / M. Küchler / Chr. Uehlinger, Orte und Landschaften der Bibel. Ein Hand- 
buch und Studienreisefuhrer zum Heiligen Land, Bd. 1 : Geographisch-geschichtliche 
Landeskunde, Göttingen 1984, 109. Vgl. zum Gebrauch von Tiemamen als Schimpf- 
worte auch H. Grapow, Die bildlichen Ausdrücke des Ägyptischen. Vom Denken und 
Dichten einer altorientalischen Sprache, Darmstadt 1983, 20f: "... der Ägypter vermei- 
det es überhaupt, Tiemamen zu Schimpfworten zu mißbrauchen. Denn es ist natürlich 
ein Unterschied, ob man zu jemand sagt: 'du benimmst dich wie ein Schwein', oder ob 
man ihn geradezu 'Schwein' nennt. Im ersten Fall stellt man nur fest, daß ein Mensch 
schmutzig o.a. ist wie ein Schwein, zu dessen Natur die Unsauberkeit gehört. Damit 
wird über das Tier kein Urteil gefällt; schimpft man aber mit dem Namen eines Tieres, 
so wird dies selbst verächtlich gemacht ..." Was hier für Ägypten festgestellt ist, dürfte 
vice versa auch für die Verhältnisse in Israel gelten. Vgl. zum Gebrauch von 
Schimpfworten in Ägypten L. Slörck, Art. Schimpfwörter, LA V (1984) 634-638. 
Entsprechende Untersuchungen für das AT sind m. W. ein Desiderat. 

Vgl. J. Feliks, Art. Hund, BHH II (1964) 752f, 753; H. Frehen, Art. Hund, BL^ (1982) 
762. 



181 



David und der Floh 103 

c) Schließlich ist auf den inneren Zusammenhang der Metapher "toter 
Hund" mit der Proskynese vor dem König hinzuweisen, die den Übergang 
vom Leben in den Tod markiert. Dieser "soziale Tod"'^^ (jgs Untertanen 
kann nur durch die Zuwendung des Königs aufgehoben werden. 
(7) Der Vergleich mit dem Hund ist schließlich ein weiteres Indiz für die 
vielschichtige Vernetzung der Aufstiegs- und der Thronfolge- 
Geschichte'^^. 



IV. Exkurs: Tiere außerhalb von Vergleichen 

Natürlich tauchen Tiere in den Samuelbüchem auch in anderen Zusam- 
menhängen als den bisher behandelten und v.a auch außerhalb von Ver- 
gleichen auf: Als Opfertiere' ^"^j als Ackertiere' *^, als Zugtiere' ^^, als Reit- 
tiere'^'^, als Nutztiere'^^ und als Lasttiere'*^. Tiere sind insgesamt immer 
auch ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor' ^^ und stellen z.T. Statussym- 
bole dar, wie die Eselinnen als Reittiere der Vornehmen'^'. Ihr Verlust 
oder ihre unrechtmäßige Aneignung war daher ein beträchtlicher Schaden 



'^^ Vgl. dazu Hasenfratz, Die toten Lebenden, 33ff, vor allem 49. 

183 Ygi 2. B. die Kontrastierung von 1 Sam 17,54 und 1 Sam 31, die Wiederaufnahme 
von 1 Sam 24,7; 26,9 in 2 Sam 1,14 (Hand erheben gegen den Gesalbten JHWHs), 
den Bezug zwischen 2 Sam 12,1 1 und 16,22 (vgl. auch 2 Sam 3,7 und 1 Kön 2,13ff), 
das Interesse an den Zeruja-Söhnen Abisai, Joab und Asahel, "die immer wieder als 
gewalttätig und hinterhältig geschildert werden" (vgl. 1 Sam 26,8; 2 Sam 2,1 1 ff; 3,22- 
39; 16,9ff; 18,1 Iff; 19,22ff; 20,8ff; 1 Kön 2,5ff und Stolz, ZBK.AT 9, 165.195), die 
Motivähnlichkeit von 2 Sam 3,27 und 20,8ff, den Hinweis auf die Schonung der Fa- 
milie Jonathans 1 Sam 20,14f; 2 Sam 9,1.7; 20,7; vgl. 2 Sam 4,4, das Motiv des Ab- 
schlagens des Hauptes 1 Sam 31,9; 2 Sam 1; 4,7. lOf; 16,9; 20,2 If, die Wiederholung 
des geflügelten Wortes 1 Sam 18,7 in 21,12, das Motiv des abgerissenen / abge- 
schnittenen Rockzipfels 1 Sam 15,27; 24,5f 12; 2 Sam 10,4 usw. 

'^'^ 1 Sam 1,24 (ein dreijähriger Stier); 7,9 (Milchlamm); 10,3 (vgl. dazu Stolz, ZBK.AT 

9, 69); 16,2 (junge Kuh); 2 Sam 6,13 (Stier, Kalb); 24,22 (Rinder). 
'85 1 Sam 11,5; 14,14 (Rinder). 
'8^ 1 Sam 6,7 und passim (säugende Kühe); 2 Sam 6,6ff (für den Wagen mit der Lade). 

'^'^ 1 Sam 8,16; 9f (Eselinnen); 25,20.23.42; 30,17 (Kamele); 2 Sam 13,29; 16,2 (Esel); 

17,23 (Esel); 18,9 (Maultier); 19,27 (Esel). 
'88 1 Sam 16,11.19; 17,15.20.28; 25,2.4.7.16 (Schafe); 1 Sam 28,24 (gemästetes Kalb), 

vgl. 1 Sam 24,4 (Schafhürden); 2 Sam 13,23 (Schafschur). 

'89 1 Sam 25,18; 2 Sam 16,1 (Esel). 

'90 Vgl. 1 Sam 25,2 (dreitausend Schafe, tausend Ziegen); 2 Sam 12,2.4. 

'91 Vgl. dazu 1 Sam 9f 



1 04 David und der Floh 

für den Besitzer'^^. In 2 Sam 12,lff gewinnt dieser Verlust eine stark 
emotionale Komponente, wenn dem Armen das einzige Schaf geraubt 
wird, das er zudem mit viel Liebe und zusammen mit seinen Kindern groß- 
zog. Die besondere Bindung des Menschen an das Tier wird hier dadurch 
unterstrichen, daß es aus seinem Eßgeschirr aß und in seinem Schoß 
schlief, was sicherlich als Ausnahme anzusehen ist. 

Tiere sind femer Objekte von Strafhandlungen zum Ausdruck der Totalität 
der Vernichtung: So werden in 1 Sam 22,19 Rinder, Schafe und Esel zu- 
sammen mit den Bewohnern von Nob getötet, und in 2 Sam 8,4 soll durch 
das Lähmen der Pferde das feindliche Kriegspotential ^^^ reduziert werden. 
Auch als Kriegsbeute werden Tiere erwähnt'^"*. 

Tiere werden verschenkt: So sendet Isai Saul durch seinen Sohn David ei- 
nen Esel und ein Ziegenböckchen zusammen mit Brot und Wein'^^. Die 
Versendung von zerstückelten Teilen eines Rindes verbunden mit einer 
Fluchandrohung dagegen ist Zeichen zum Aufgebot der Wehrfähigen'^^. 
Die Drohung des Philisters Goliath gegenüber David "Ich will dein Fleisch 
den Vögeln unter dem Himmel geben und den Tieres des Feldes" (1 Sam 
17,44.46) kann seinen vorangegangenen Fluch noch unterstützen. Der 
Ausdruck Vögel des Himmels / Tiere des Feldes ist ein Merismus zum 
Ausdruck der Gesamtheit. Der Philister will David vor dem Kampf damit 
erschrecken, daß er ihm vor Augen stellt, er werde im Falle der Niederlage 
unbestattet auf dem Feld liegen bleiben und so zur Beute für die aasfres- 
senden Tiere werden. Man wird vor allem an Raubvögel wie den "W), und 
an Wildtiere wie Hyänen und Wölfe zu denken haben. 
Daß das keine leeren Drohungen waren, zeigt vor allem 2 Sam 21,10, wo 
Rizpa die Leichname der hingerichteten Sauliden davor schützt, daß sie ei- 
ne Beute der Wildtiere werden. Interessanterweise findet sich hier der auf 
Naturbeobachtungen gründende Hinweis, daß die Vögel besonders den 
Tag, die Wildtiere des Feldes dagegen den Schutz der Nacht für ihre Beu- 
tezüge benutzen. Tiere können nicht nur Menschen bedrohen (s. oben Ab- 
schn. II), sondern auch ganze Länder und Landstriche, zumal wenn sie in 



'^^ Vgl. 1 Sam 12,3: Rind und Esel stehen hier pars pro toto für Viehbesitz insgesamt. 
Vgl. zu 1 Sam 12,3 B. Janowski, Auslösung des verwirkten Lebens. Zur Geschichte 
und Struktur der biblischen Lösegeldvorstellung, ZThK 79 (1982) 25-59, 45f und die 
ebd. genannte Literatur, 

'^■^ Zu Rossen als Zugpferden für den Streitwagen vgl. 2 Sam 15,1. 

'^"^ 1 Sam 14,32.34 (Schafe, Rinder, Kälber); 15,9[.14f].21f (Schafe, Rinder, Lämmer, 
Mastvieh); 27,9 (Schafe, Rinder, Esel, Kamele); 30,20 (Schafe, Rinder, Vieh); 2 Sam 
8,4 (Pferde). 

'95 1 Sam 16,20, vgl. 1 Sam 25,18. 

1 Sam 1 1,7, vgl. dazu Stolz, ZBK.AT 9, 76. 



196 



David und der Floh 1 05 

größerer Zahl auftreten. So berichtet 1 Sam 6,5 von einer Mäuseplage, der 
man mithilfe von "imitativer Magie" durch Anfertigung entsprechender 
Darstellungen Herr zu werden versuchte '^^. 

Schließlich gibt es auch indirekte Hinweise auf Tierpopulationen in be- 
stimmten Regionen: So suchen die Männer Sauls David in der Gegend der 
Steinbockfelsen (1 Sam 24,3), ein Ort, an dem diese berühmten Klettertiere 
wohl beheimatet waren und der von ihnen seinen Namen bekam. - Nur 
einmal ist ein Tiervergleich auf das - vom mn"' "jXT'Q geschlagene - 
Volk bezogen, 2 Sam 24, l?'^^. 

Diese sind Kleinvieh. Was haben sie getan? 

- diese Metapher betont indirekt das Amt des Königs als Hirte seines Vol- 
kes, ein Bild das sich häufig im Alten Testament findet und das in den Sa- 
muelbüchem bereits vorbereitet ist, wenn sie den Aufstieg Davids vom 
jungen Kleinviehhirten zum Hirten des Volkes schildern (vgl. 1 Sam 
16,11; 17,15.34.40; 25,16; 2 Sam 5,2 jeweils Stichwort ny-l). 



V. Zur Bedeutung der Tiervergleiche in den Samuelbüchem 

Nach diesem kurzen Exkurs soll abschließend gefragt werden nach der 
Einteilung der Tiervergleiche und nach einem möglichen Sitz im Leben^^^. 
Grob gesprochen lassen sich drei Gruppen von Vergleichen erkennen: 

(1) Eine erste Gruppe zielt darauf ab, Helden etwas vom Mut und der Ge- 
schicklichkeit von Tieren zuzueignen. Die Kampfkraft der Bären, die Stär- 
ke der Löwen, die Schnelligkeit der Geier, der Gazellen und Hinden wer- 
den dazu aufgeboten. Die stärksten Tiere des Landes und der Lüfte werden 
genannt, mit den Gazellen und Hinden aber auch Tiere, die sehr geschickt 
sind und ihr Terrain mit Bravour meistern. 

(2) Einer zweiten Gruppe gehören eher unbedeutende Tiere an: der Floh 
und das Steinhuhn. Beide erscheinen wegen ihrer geringen Bedeutung und 
Unscheinbarkeit. Zum andern haben diese Vergleiche eine ironische Funk- 
tion. Das schwache Steinhuhn und der Plagegeist Floh werden normaler- 
weise vom Menschen gejagt und getötet. In den hier berichteten Szenen 



'^■^ Vgl. dazu 5to/z, ZBK.AT 9, 49f. 

1^^ Vgl. zu diesem Gebrauch von IKiJ H. Jauss, Tor der Hoffnung. Vergleichsformen und 
ihre Funktion in der Sprache der Psalmen (EHS 23/412), Frankfurt 1991, 303ff, 306. 
Zum Hirtenamt Davids vgl. auch R. Hunziker-Rodewald, Hirt und Herde. Ein Beitrag 
zum alttestamentlichen Gottesverständnis (BWANT 155), Stuttgart 2001,46ff, bes. 49, 
die in 2 Sam 24,17 allerdings keinen Bezug zur "pastoralen Terminologie" sieht. 

'^^ Siehe dazu oben I. 



1 06 David und der Floh 

wird dieses Normalbild ins Gegenteil verkehrt. Trotz größter Übermacht 
der Gegner geschieht dem mit diesen Tieren verglichenen David nichts. Im 
Gegenteil: "Der Verfolger begibt sich - nichts ahnend - in die Nähe des 
Verfolgten und damit in unmittelbare Gefahr"200. Diese Umkehrung der 
Rollen schafft Spannung und lädt die Zuhörer / Leser gleichzeitig zum 
herzhaften Lachen ein^"'. 

(3) Eine Zwischenstellung nimmt der Vergleich mit dem Hund ein, der 
Ausdruck der Verachtung ist. Diese Verachtung ergibt sich aus der All- 
tagserfahrung. Hunde werden gejagt, geschlagen, schlecht behandelt. Und 
oft genug werden Untergebene von ihren Herren wie Hunde behandelt 
worden sein oder umgekehrt diese sich wie Hunde verhalten haben, um so 
ein gnädiges Verhalten des Herrschers zu erreichen. Von daher erklärt sich 
auch die Verwendung dieses Bildes zur Selbstdemütigung, das seinen Sitz 
im Leben im Rahmen des Hofzeremoniells hat. Anläßlich von Audienzen 
oder sonstigen Begegnungen mit dem König dient das Bild zur Verbalisie- 
rung dessen, was in der Proskynese nonverbal zum Ausdruck kommt. 
Gerade die Gruppen 1) und 3) passen sehr gut in die in den Samuelbüchem 
geschilderten Zeitverhältnisse, wo Helden und Untergebene, Könige und 
Knechte die Hauptakteure sind. Hier in dem Umkreis von Heldensagen^o^^ 
von Kampf und Krieg, von Macht und Niederlagen, von Aufstieg und Fall 
haben diese Vergleiche einen deutlichen Anhalt. Daß die überlieferten Ge- 
schichten nicht todernst gesehen wurden, sondern ihre Erzähler den Mut 
hatten, auch ihre Anführer und Könige, u.a. mithilfe von Tiervergleichen, 
ironisch und kritisch darzustellen (Gruppe 2), macht die Größe der Texte 
aus. Und "es ist erstaunlich, in wie hohem Maße es diesen Vergleichen ge- 
lingt, die Vorgänge, in denen sie gebraucht werden, lebendig zu ma- 
chen"203. 



200 Scharbert / Hentschel, Rut/ 1 Samuel, 134. 
20' Vgl. ebd. 

202 Vgl. dazu Koch, Formgeschichte, 1 69ff. 
fFejrermawn, Vergleiche, 21. 



Spinnennetz oder Mottengespinst? 

Zur Auslegung von Hiob 27,18 

I. Das Problem 

Der hebräische Text von Hi 27,18 bietet sprachlich keine Schwierigkeiten. 
Er lautet in Übersetzung: 

Er baute wie eine Motte sein Haus, 

wie eine Hütte, die sich ein (Feld-)Wächter errichtet'. 

Schlägt man jedoch in den Kommentaren zur Stelle nach, ändert sich die- 
ses ungetrübte Bild. Immer wieder findet sich der Hinweis, daß man statt 
"Motte" "Spinne" lesen müsse. So schreibt G. Fohrer in seinen textkriti- 
schen Anmerkungen zu Hi 27,18: "Mit GS ist ^"^IDV^i (wie 8,14 ...) statt 
'wie die Motte' zu lesen, das V. 18b nicht parallel ist. Eigentlich: 'Er baute 
- wie die Spinne (ihren Aufenthaltsort, JT^H = Gewebe) - sein Haus'"^. 
Schon G. Hölscher hielt den Vergleich mit der Motte für ein nicht passen- 
des "Gegenstück zu nSP"^. Auch K. Budde\ G. Beer\ E. Kautzsch(>, B. 
Duhnf, W.B. Stevenson^, J.P. van der Westhuizen^, H. Bobzin^^, H. 
Groß^\ J.E. Hartley^^ und jüngst auch F. Gradl^^ ändern den Text ent- 



1 



In V. 1 8b liegt ein verkürzter Relativsatz mit fehlender Relativpartikel vor. 



2 G. Fohrer, Das Buch Hiob (KAT XVI), Gütersloh M989, 387. 

3 G. Hölscher, Das Buch Hiob (HAT 1 7), Tübingen 1 937, 62. 
^ K. Budde, Das Buch Hiob (HK II/l), Göttingen 1896, 154. 

5 G. Beer, Der Text des Buches Hiob, Marburg 1 897, 1 75 . 

6 E. Kautzsch (Hg.), HSAT(K), Freiburg / Leipzig 1 894, 839 und ders. (Hg.), HSAT(K). 
Beilagen, Freiburg / Leipzig 1 894, 84f. 

■^ B. Duhm, Das Buch Hiob (KHC XVI), Freiburg / Leipzig / Tübingen 1 897, 133. 

* W.B. Stevenson, Critical Notes on the Hebrew Text of the Poem of Job, Glasgow 1 95 1 , 
125. 

' J.P. van der Westhuizen, Some Notes on the Term ü^'2'2}3, in; De fructu oris sui. Es- 
says in Honour of ^. van Seims, ed. by LH. Eybers u.a. (POS IX), Leiden 1971, 214- 
221,214. 

H. Bobzin, Die "Tempora" im Hiobdialog, Masch. Diss., Marburg 1974, 350. 
H. Groß, Ijob (NEB 13), Würzburg 1986, 98. 

J.E. Hartley, The Book of Job (The New international Commentary on the Cid Testa- 
ment), Grand Rapids 1988, 358. 



10 



108 Spinnennetz oder Mottengespinst? 

sprechend'"*. Und O. Bauernfeind stellt fest: "Wenn Hi 27,18 der Bau eines 
Hauses, das baldigem Zerfall ausgesetzt sein wird, mit dem Bau eines 
Mottengespinstes verglichen wird ..., so fragt es sich, ob unbeeinflußte 
Naturbeobachtung von sich aus auf dieses Bild verfallen wäre ... Ihr ent- 
spräche es besser, wenn man in Anlehnung an alte Übers [etzungen] ... 
K^'^DSy? wie eine Spinne statt '2!V'D läse"'^. Aufgrund der wenigen Belege 
für t!^''3317 im Alten Testament sei es aber gewagt, die textlichen 
Schwierigkeiten in Hi 27,18 so einfach zu beseitigen, "zumal man nicht 
weiß, ob hier wirklich nur Naturbeobachtung maßgebend war"'^. 
Andere Kommentatoren betonen die Fragwürdigkeit des Vergleiches mit 
einer Motte, da die Motte sich kein Haus baue, und ändern den Text von V. 
18 in anderer Weise ab: P. Szczygiel nimmt daher eine Haplographie des D 
von in"' 3 an und liest statt 2^173 ""Z^ljy. So kommt er zur Übersetzung 
"er baute gleichsam aus Gras sein Haus auf, wobei "Gras" hier für "min- 
derwertiges Baumaterial"''^ stehe, wie es beim Bau der Feldhütten verwen- 
det wurde (vgl. yopxoq IKor 3,12). 

Auch H. Torczyner stellt fest, daß die meisten Ausleger unter Berufung auf 
LXX "Spinne" läsen, hebt aber gleichzeitig hervor, daß solch eine Textän- 
derung mit der "graphischen Schwierigkeit einer so weitgehenden Ver- 
schreibung"'^ verbunden sei. Überhaupt solle "nach dem ganzen Zusam- 
menhang doch nicht der Bau des Hauses durch Beispiele verlebendigt wer- 
den, sondern dessen Verfall"'^^. Daher liege der Fehler in dem Wort n]3. 
Stattdessen sei als Prädikat n'p3 zu lesen, zu dem als Subjekt nur ^V, und 
nicht ^''2'3V passe^o. Durch diese Textänderung kommt Torczyner zur 
Übersetzung: "Es verfällt wie die Motte sein Haus, wie die Hütte, die der 
Wächter gebaut"^!. N.C. Habel dagegen greift einen Vorschlag von M. Po- 



'3 F. Gradl, Das Buch Ijob (NSKAT 12), Stuttgart 2001, 241. Für ihn verbindet sich mit 
dem Stichwort "Spinnennetz" die Konnotation "hinfällig", mit "Hütte" dagegen die As- 
soziation "provisorisch und vorübergehend" (ebd.). 

Dies sind nur einige wenige Beispiele, die sich leicht vermehren ließen. 

O. Bauernfeind, Art. ar\q, ariiößpcoioq, ThWNT VII (1964) 274-277, 275f Anm. 8. 

Ebd. Schwankend auch .4. Dillmann, Hiob (KEH 2), Leipzig "1891, 235f. 

P. Szczygiel, Das Buch Job (HS AT V/1), Bonn 1931, 147. 

H. Torczyner, Das Buch Hiob. Eine kritische Analyse des überlieferten Hiobtextes, 
Wien / Berlin 1920, 193. In seinem Hiobkommentar von 1957 dagegen stellt er fest: 
"Previous explanations of this sentence are unsatisfactory; it is not natural to compare 
the (futile) building of a house with the action of a moth - which eats clothes, not buil- 
dings" (The Book of Job. A new commentary, Jerusalem 1957, 392). 
Torczyner, Hiob, ebd. (Hervorhebung im Original). 

2^ Zur Kritik an diesem Vorschlag vgl. E. König, Das Buch Hiob, Gütersloh 1 929, 266. 

2' Zu Versuchen für EJy in Hi 27,18 eine andere Bedeutung anzunehmen, vgl. L.L. Grab- 
be, Comparative Philology and the Text of Job: A Study in Methodology (SBLDS 34), 



19 



Spinnennetz oder Mottengespinst? 1 09 

pe auf und vermutet unter Berufung auf arab. as (vgl. assa "Nachtwache 
halten") für ^V die Bedeutung "Nachtwächter"^^. 

Eine dritte Gruppe von Kommentatoren schließlich behält den Text von 
MT vorbehaltlos bei. Dazu gehören - um wiederum nur einige wenige 
Namen zu nennen - Frz. Delitzsch?'^, E. König^'^, A. Weiser^^, M.H. Po- 
pe^^, L. LubsczyB'^, F. Hesse^^ und H. Strauß^^. 

Ein ähnlich uneinheitliches Bild zeigt sich bei der Lektüre der verschiede- 
nen Bibellexika: So heißt es im Wörterbuch von H. Zeller^^: "Hiob 27,18 
aber ist die Motte zu setzen, deren gebrechliche Puppe hier das Bild des 
eingebildeten Glücks des gottlosen Reichen ist ...". Und auch A. Socin^^ 
stellt fest, daß "Hi 27,18 as doch wohl unrichtig mit Spinne übersetzt (ist), 
obwohl von d[em] Thiere gesagt ist, daß es 'sein Haus baut'". Unsicher in 
der Deutung ist Th. Schlatter^^. B.J. Diebner^^ dagegen verweist auf BHS 



Missoula 1975, 89-91. Vorgeschlagen wurde z. B. unter Verweis auf arab. 'uss\md mit 
Veränderung der Punktation von t): in V)3 die Bedeutung "Vogelnest", so z. B. A.B. 
Ehrlich, Randglossen zur hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprachliches und Sachli- 
ches, Bd. 6; Psalmen, Sprüche und Hiob, Leipzig 1918, 194f.288 und J. Barr, Compa- 
rative Philology and the Text of the Old Testament, Oxford 1968, 333 nr. 259. Frd. 
Delitzsch, Das Buch Hiob neu übersetzt und erklärt, Leipzig 1902, 144 dagegen ver- 
bindet ^)3 mit akkad. äsSsu "Rohrbau". Zur Kritik an diesen Vorschlägen vgl. H.H. 
Rowley, /ob, Grand Rapids / London M978, 178. 

22 N. C. Habel, The Book of Job. A Commentary (Old Testament Library), London 1 985. 

23 Frz Delitzsch, Das Buch lob (BC IV/2), Leipzig 1 876, 346f 

24 ATönig, Hiob, 266. 

25 A. Weiser, Das Buch Hiob (ATD 13), Göttingen M956, 193. 

26 M.H. Pope, Job (AB 15), New York 1965, 169. 

27 H. Lubsczyk, Das Buch Ijob (Geistliche Schriftlesung 17), Leipzig 1969, 143. 

28 F. Hesse, Hiob (ZBK.AT 14), Zürich ^1992, 152. 

29 H. Strauß, Hiob. 2. Teilband: 19,1-42,17 (BK.AT XVI/2), Neukirchen- Vluyn 2000, 
114f 

30 H. Zeller, Biblisches Wörterbuch für das christliche Volk II, Karlsruhe 1885, 418 s.v. 
Spinne. G.B. Winer, Biblisches Realwörterbuch I/II, Leipzig '1847-1848, geht auf das 
in Hi 27,18 vorliegende Problem nicht ein. 

31 A. Socin, Art. Motte, in: H. Guthe (Hg.), Kurzes Bibelwörterbuch, Tübingen 1903, 
450f, 451. 

32 Th. Schlatter, Art. Spinne, CBL M989, 1269. Ähnlich undeutlich der Hinweis von J. 
Feliks, Art. Motte, BHH II (1964) 1245: "Das Gehäuse des Bösen gleicht einem ver- 
schimmelten Spinnennetz, in dem die Motte wohnt (Hi 27,18)". Anders dagegen ders., 
Art. Spinne, BHH III (1966) 1835: "einem schwachen Spinngehäuse [gleicht] sein [sc. 
des Gottlosen] materieller Reichtum". 

33 B.J. Diebner, Art. Motte, NBL II (1995) 849. Ebenso schon H. Frehen, Art. Motte, EL 
(M982) 1179 und ders., Art. Spinne, ebd. 1624: In Hi 27,18 sei "das zerbrechhche 
Spinngewebe Bild für das unsichere Schicksal der Bösen"; vgl, femer HAL 778.848 
s.v. C7'23y bzw. 2?y. 



1 1 Spinnennetz oder Mottengespinst? 

und die Einheitsübersetzung und nimmt an, daß in Hiob 27,18 "besser die 
Spinne ... als die M.[otte] passen" würde, ohne das aber näher zu begrün- 
den. 

Betrachtet man die Versionen^'*, auf die die meisten Ausleger Bezug neh- 
men, näher, so bieten diese ein widersprüchliches Bild. LXX überliefert 
folgenden Text: 

äTCsßri 5e ö oiKOc; aüxoö üartep ar\\zq Kai coaTtsp äpäxvr| 

LXX hat demnach zwei Tiervergleiche^^, wobei auffällt, daß die Tierter- 
mini einmal im Plural und einmal im Singular gebraucht werden^^. "Dabei 
ist or\q 'Motte' in G die übliche Wiedergabe für W^ (vgl. G zu Hi 4,19; 
32,22; Jes 51,8 und Sir 19,3) und äpa^vri für t^^iv (vgl. G zu Hi 8,14 
und Jes 59,5), letzteres findet sich aber auch einmal als Übersetzung für 
m (vgl. G zu Ps 38[39],12)"37. Weiter fällt auf, daß in LXX - anders als 
in MT - nicht der Gottlose (implizites) Subjekt ist, sondern sein Haus, das 
vergeht / verschwindet wie Motten bzw. wie eine Spinne. Der Vergleichs- 
punkt verschiebt sich also in LXX. 

Schon die in vielen Kommentaren unerwähnt bleibende Tatsache, daß hier 
zwei Tiervergleiche benutzt werden, verbietet es, im masoretischen Text 
die Motte unter Verweis auf LXX einfach durch die Spinne zu ersetzen. 
Zudem fehlt in LXX der Vergleich mit dem Wächter, der sich eine Hütte 
baut (V. 18b). Auch diese Beobachtung wird in den Kommentaren häufig 
unterschlagenes. 

Dagegen liest das Targum zu Hiob Kn''D13p-l "Motte"^^, die Peschitta 
aber "Spinne" {gwg})'^^. Vulgata wiederum folgt dem hebräischen Text 



34 
35 



36 



Vgl. dazu u.a. Grabbe, Philology, 90; M. Witte, Philologische Notizen zu Hi 21-27 
(BZAW234), Berlin 1995, 165. 

Nur wenige Ausleger weisen auf diese Tatsache hin, so z. B. Kautzsch, Beilagen, 84; 
Beer, Text, 175, der die Doppelüberlieferung "aus dem Schwanken der Lesart" zwi- 
schen t:;:;^ und 2;"'3D1;D erklärt, sich dann aber - unter Berufung auf Hi 8,14 - für 
letzteres entscheidet; vgl. femer Rowley, Job, 178; Bobzin, "Tempora", 350; Hartley, 
Job, 358 Anm. 8; Witte, Notizen, 165; Strauß, BK.AT XVI/2, 115. 

Vgl. aber A*: oriTOi;; S*: apaxvai. Die Unterschiede zeigen, daß die LXX-Lesarten 
schon früh differiert haben (vgl. Dillmann, KEH 2, 236). 

2'^ fF(«e, Notizen, 165. 

es Anders bei Duhm, KHC XVI, 133; Beer, Hiob, 175; Budde, HK II/l, 154; Witte, Noti- 
zen, 166; Strauß, BK.AT XVI/2, 115, 

e^ Vgl. dazu C. Mangan, The Targum of Job (The Aramaic Bible 15), Edinburgh I99I, 
1-98, 64f, vgl. auch ebd. 65 Anm. 14: t<n''313pT bedeute "Erdwurm" "rather than 
'moth' of Hebrew". 

'^^ Vgl. B. Walton, Biblia sacra polyglotta III, Nachdruck Graz 1963-1965, 53 und Vetus 
testamentum syriace iuxta simplicem syrorum versionem, ed. Institutum Peshittonia- 



Spinnennetz oder Mottengespinst? 111 

und führt als Vergleichsspender in V. 1 8a die Motte ein, wogegen sie in V. 
1 8b die Vergleichspartikel verschiebt: 

aedificavit sicut tinea domum suam et sicut custos fecit umbraculum. 

Wie nun mit diesem textkritischen Problem umgehen?"*' Ist der masoreti- 
sche Text von V. 18 zu belassen oder muß das Mottengespinst einem 
Spinnennetz weichen? 

Die Antwort auf diese Frage soll im folgenden auf zwei Wegen erfolgen: 
1. durch eine Analyse des näheren Kontextes von V. 18 und 2. durch einen 
Hinweis auf die Lebensweise der Kleider- und Pelzmotte. 

II. Hi 27,18 und der Kontext 

Hi 27,18 ist Bestandteil einer durch die Überschrift in V. 13 eingeleiteten, 
längeren Redeeinheit (Hi 27,13-23)''2, innerhalb derer Hiob warnend den 
Lebensweg des Frevlers beschreibt, als der er selbst in den Augen seiner 
Umgebung anzusehen ist. Da aber Hiob sich für unschuldig erklärt (Hi 
27,2-6^*3), ergibt sich für ihn mit Notwendigkeit die Konsequenz, "daß die 
Freunde dadurch, daß sie ihn beschuldigen, selbst schuldig werden und das 
Schicksal der 'Gottlosen' verdienen"^^ (Hi 27,7-10). 
Dieses Geschick beschreiben dann die Verse 17-23 entsprechend der Leh- 
re vom Tun-Ergehen-Zusammenhang und in Parallele zu den Geschehnis- 
sen der Hiob-Rahmen-Erzählung: Die Kinder des Frevlers sterben durchs 
Schwert bzw. verhungern; was übrig bleibt von seiner Familie wird ver- 



num Leidense, Il/ia, Liber Job, praep. LG. Rignell, Leiden 1982, 33. Zu anderen Ver- 
sionen vgl. Beer, Hiob, 175. 

"" 1 IQTgljob hilft in dieser Frage nicht weiter, da Kol. XI Zeile 9 stark zerstört und daher 
der erste Versteil von V. 1 8 nicht überliefert ist (vgl. dazu M. Sokoloff, The Targum to 
Job from Qumran Cave XI, Jerusalem 1974, 48 und 119 mit Anm. 1.9). Im zweiten 
Versteil ist nur KmapD ]°° "like the hut" als Übersetzung von hebr i3vf-Ä überliefert, 
was V. 18b MT stützt. Zu anderen Ableitungs- und Übersetzungsversuchen von 
XmapD vgl. Witte, Notizen, 166. 

^^ Zum Aufbau von Hi 27 und der mit verschiedenen Rekonstruktionsversuchen des Ka- 
pitels (vgl. dazu z.B. Weiser, ATD 13, 194; Hesse, ZBK.AT 14, 152f Anm. 167,170; 
M. Witte, Vom Leiden zur Lehre. Der dritte Redegang [Hi 21-27] und die Redaktions- 
geschichte des Hiobbuches [BZAW 230], Berlin 1994, 156ff 165f; M Köhlmoos, Das 
Auge Gottes. Textstrategie im Hiobbuch [FAT 25], Tübingen 1999, 61.65) verbunde- 
nen Problematik vgl. Weiser, ATD 13, 193; H. GrafReventlow, Tradition und Redakti- 
on in Hiob 27 im Rahmen der Hiobreden des Abschnittes Hi 24-27, ZAW 94 (1982) 
279-293; Strauß, BK XVI/2, 117; zur Auslegung vgl. Fohrer, KAT XVI, 388. 

^'^ Vgl. zu diesen Versen Köhlmoos, Auge Gottes, 307-309. 

^'^ Weiser, M'D\7,,\9S. 



112 Spinnennetz oder Mottengespinst? 

mutlich von einer Seuche ergriffen. Steht im Hintergrund dieser Schrek- 
kensschilderung möglicherweise die auch in prophetischen Texten begeg- 
nende Unheilstrias Schwert, Hunger, Krankheit (vgl. dazu Jer 14,12; 15,2; 
Ez 5,12; 6,12), so beschreiben die folgenden Verse die materiellen Verlu- 
ste, die der Frevler verkraften muß (V. 16f): Auch das Aufhäufen von Sil- 
ber^^ oder kostbaren Kleidem"^^ kann nicht vor deren Verlust bewahren 
(vgl. Spr 13,22). 

V. 18 wendet den Blick schließlich auf die Behausung des Frevlers, wobei 
für n"',!3 die Doppelbedeutung "Hausgemeinschaft, Familie" und Wohn- 
haus in Rechnung zu stellen sein wird'*''. Wo im Alten Testament von JT'S 
die Rede ist, handelt es sich zumeist um ein festes Bauwerk aus Holz und 
Steinen (vgl. 1 Kön 5,22f; 6,7; 7,9; Hab 2,11 u.ö.), das ein Mann und seine 
Familie bewohnen kann. Die Errichtung dieses Bauwerks wird häufig mit 
n]n ausgedrückt (Gen 33,17; Dtn 20,5; 22,8; 28,30 u.ö.)48. Auf den ersten 
Blick scheint es sich bei dem Hausbau des Frevlers um ein festes Gebäude 
zu handeln. Erst durch den Vergleich mit der Motte wird dieser Eindruck 
in Frage gestellt - möglicherweise in ironischer Intention. 
Ging es in den Versen 14-18 um das an Familie und Besitz demonstrierte 
Ergehen des Frevlers, so wenden sich die Verse 19-23 dessen unmittelba- 
rem Geschick zu. Der Text endet mit dem Hinweis auf traditionelle Ge- 
richtsmetaphem aus dem Bereich der Natur, wie Wasserfluten (vgl. Ps 
18,17; 32,6; Hi 22,11 u.ö.) oder Sturmwinde (vgl. Ps 78,26; Jer 18,17 u.ö.), 
vor deren Gewalt sich niemand retten kann. All diese unheilvollen Erfah- 
rungen werden durch schadenfrohe und apotropäische Äußerungen und 
Abwehrgebärden der Umgebung wie Händeklatschen''^ und Zischen^o be- 
gleitet, die Angst und Hohn zugleich ausdrücken. 

Hi 27,18 enthält nach MT zwei Vergleiche: Das Haus des Frevlers ähnelt 
einerseits dem Hausbau der Motte und andererseits der Hütte, die der 
Wächter macht. Während rT'B mehrfach als Terminus für Behausungen 
von Tieren belegt ist, so z. B. für ein Spinngewebe (Hi 8,14), ein Vogelnest 
(Ps 84,4; 104,17)51 oder den Aufenthaltsort des Wildesels (Hi 39,6), be- 



45 
46 



Vgl. dazu das Bild des Staubes als Ausdruck einer immensen Menge (vgl. 2 Chr 1,9). 

Vgl. das Bild des Tons, ebenfalls zur Umschreibung einer großen Menge. Kostbare 
Kleidervorräte konnten sich nur Reiche leisten (vgl. 1 Kön 10,5). 

"■^ Vgl. F. Steh, Art. n'2, THAT I ("1984) 308-316, 311; AR. Hülst, Art. n]a, THAT I 
(M984) 325-327, 325. 

''^ Vgl, dazu H.A. Hoffner, Art. n'3, ThWAT I (1973) 629-638, 633; S. Wagner, Art. 
n;3, ThWAT I (1973) 689-706, 692.694; Stolz, H^a, 309. 

49 Vgl. Num 24,10; Klgl 2,15. 

50 Vgl. dazu Jer 49,17; Ez 27,36; Zeph 2,15; Klgl 2,15. 
Vgl. dazu Hoffner, IT'J, 636. 



51 



Spinnennetz oder Mottengespinst? 113 

zeichnet 1130 eine aus laubreichen Zweigen oder Schilfmatten errichtete 
Hütte, die Wanderern, Nomaden, Soldaten, Festpilgem sowie Feldarbeiten! 
und -Wächtern temporären Schutz bietet^^. Aufgrund ihrer leichten Bau- 
weise (vgl. Jes 24,20) zerfiel eine solche Hütte spätestens mit dem Eintref- 
fen der Herbst- und Winterstürme. Ihre alltägliche Funktion illustriert sehr 
schön Jes 4,5 f Die Hütte zeichnet sich demnach dadurch aus, daß sie 
Schatten am Tage vor der Hitze (vgl. ähnlich Jon 4,5) und Zuflucht und 
Obdach bei Unwettern und Regenflut gewährt. Solche Hütten wurden vor 
allem für die Hüter der Feldfrüchte errichtet^^, um die Felder und Wein- 
gärten vor Emtedieben zu sichern, wie Jes 1,8 zeigt, wo eine Hütte im 
Weinberg und eine Nachtbleibe im Gurkenfeld erwähnt werden. 
Um sich über das Ausssehen einer solchen Schutzhütte ein Bild machen zu 
können, ist auf Beobachtungen und Photos G. Dalmans aus dem Anfang 
des 20. Jahrhunderts zurückzugreifen, die verschiedene Formen von 
Wächterhütten der palästinischen Bauern dokumentieren. 
In Gurkenfeldem z. B. wurden meist ebenerdige Lauben errichtet, "die aus 
Stangen, Zweigen und Schilf hergestellt" wurden^^, wobei z.T. alte Matten 
und Kleidungsstücke Verwendung fanden (Abb. 1)^^. 









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Abb. 1: Wächterhütte in einem Gurkenfeld 

52 Vgl. T. Kronholm, Art. "[30, ThWAT V (1986) 838-856, bes. 846-849, 846. 

53 Vgl. dazu G. Dalman, AuS II, Gütersloh 1932, 55ff.61ff mit Abb. 12-16; IV, 
316f.333f mit Abb. 93; VI, 59f. Vgl. femer K.-H. Bernhardt, Art. Hütte, BHH II 
(1964)754. 

54 Da/man, Aus II, 56. 

55 Quellennachweis zu Abb. 1 : G. Dalman, AuS II, Abb. 14. 



114 



Spinnennetz oder Mottengespinst? 



Im Getreidefeld mußte die Hütte der besseren Übersicht wegen erhöht sein. 
Sie wurde daher auf vier, etwa 2 m hohen Stangen errichtet, auf denen die 
Plattform der Hütte ruhte. Diese Plattform war über eine Leiter zu errei- 
chen (Abb. 2)56; 




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/46A. 2: Auf Stangen errichtete Wächterhütte 

Wegen ihrer begrenzten Verwendungszeit hatten diese Hütten naturgemäß 
eine recht zufällige Konstruktion, so daß der Hinweis auf die '"Hütte, die 
der Wächter macht' .... folglich als Metapher des nicht dauerhaften Hauses 
des Frevlers ... dienen kann"^^. 

Die Interpretation der zweiten Vershälfte von V. 18 wirft nun auch ein 
Licht auf die erste Vershälfte. Hier wie dort geht es um eine temporäre Be- 
hausung, die aus wenig dauerhaftem Material angefertigt wurde. 
Wie aber sieht die Behausung einer Motte aus? Zur Beantwortung dieser 
Frage ist auf zoologische Erkenntnisse zurückzugreifen, die die natürliche 
Lebensweise der Motten betrifft. 



56 



57 



Quellennachweis zu Abb. 2: G. Dalman, AuS II, Abb. 13. Eine ähnliche Darstellung 
findet sich in ders., AuS IV, Gütersloh 1935, Abb. 93. Zur detaillierteren Beschreibung 
einer solchen Hütte vgl. A. Stuiber, Die Wachthütte im Weingarten, JAC 2 (1959) 86- 
89 und Delitzsch, BC IV/2, 348. 

Kronholm, "[30, 847. 



Spinnennetz oder Mottengespinst? 115 

III. Zur Lebensweise der Kleider- und Pelzmotte 

Kleider-, Pelz- und Tapetenmotten sind Kleinschmetterlinge^^. Alle drei 
Arten nisten sich in "Wohnungen, in Kleidermagazinen und Speicherrräu- 
men ein und wissen dort mit einer wirklich staunenswerten Geschicklich- 
keit Kleider, Pelzwaren, Federhüte oder Wollenstoffe aller Art ausfindig zu 
machen, um ihre Eier daran abzusetzen. Gefüllte Kleiderschränke, Sofas, 
Kissen und Polstermöbel bieten herrliche Brutstätten für die Motten, die 
sich aber auch ebensogut mit ausgestopften Tieren, Fellen und ähnlichen 
Dingen begnügen. Die Urheber des Zerstörungswerks, das bald hernach 
beginnt, sind nicht etwa die geflügelten Motten selbst, sondern deren 
Nachkommen, madenartige, weißliche, mit dunklerem Kopfe ausgestattete 
Raupen, die mit ihrem starken Freßapparat Stoffe und Pelzwerk zerstören 
und durchlöchern und sich dabei aus abgenagten Stoffteilchen und Ge- 
spinstfäden kleine sackartige Gehäuse verfertigen, in denen sie wohnen 
und sich schließlich zu einer gelblichen Puppe verwandeln. Die fertigen 
Motten, die gebrauchsunfähige Vorderkiefer und einen verkümmerten 
Saugrüssel besitzen, haben nur die einzige Aufgabe, Nachkommenschaft 
zu erzeugen"^^. 

Aus dieser schützenden Röhre brauchen die Raupen "nur den Kopf heraus- 
zustrecken, um Haar für Haar abzubeißen und zu verzehren ... Ist von der 
Röhrenmündung aus nichts Genießbares mehr zu erreichen, so wird das 
Haus um ein Stückchen verlängert"^*^. 

Die folgende Abb. 3^^ zeigt eine solche Mottenraupe in ihrem Gespinst 
aus Seidenfäden, das sie mit Hilfe ihrer Spinndrüsen hergestellt und außen 
durch abgebissene Haar- und Stoffteile getarnt hat. Da diese die gleiche 
Farbe haben wie der Stoff, von dem sie stammen, ist die Wohnstatt der 
Raupen gut versteckt. 



^^ Vgl. zur Unterscheidung K. von Frisch, Zehn kleine Hausgenossen, Stuttgart 1966, 90f. 

^" R. Heymons, Die Vielfußler, Insekten und Spinnenkerfe, in: O. zur Strassen, Brehms 
Tierleben. Allgemeine Kunde des Tierreiches, Bd. II, Leipzig / Wien 1915, 223f. Auf S. 
224 findet sich die "Abbildung einer solchen Gespinströhre der Raupe mit anhängenden 
Zeugfetzen. Vgl. zu den Kleider- und Pelzmotten femer W. Dierl, Die Schmetterlinge, in: 
B. Grzimek (Hg.), Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs, Bd. 2: Insekten, 
München 1993, 306-370, 320, s. auch die Darstellung einer Pelzmottenraupe in ihrem 
Gehäuse ebd. 341 Abb. 2 1. Kleider- und Pelzmottenraupe unterscheiden sich im Wesent- 
lichen dadurch, daß erstere in einer beiderseits offenen Gespinströhre lebt, letztere ihr Ge- 
häuse aus Gespinstfaden und Nahrungsstücken aber mit sich herumschleppt (vgl. dazu 
Dierl, Die Schmetterlinge, a.a.O. und W. Jacobs / M. Renner, Biologie und Ökologie der 
Insekten, überarbeitet von K. Honomichl, Stuttgart u.a. M998, 619. Ich danke Frau Dr. B. 
Karwatzki vom Naturkundemuseum in Reuflingen für diesen Literaturhinweis). 



60 



von Frisch, Hausgenossen, 86. 



^' Quellennachweis zu Abb. 3: von Frisch, Hausgenossen, S. 85. 



116 



Spinnennetz oder Mottengespinst? 




Abb. 3: Kleider- bzw. Pelzmottenraupe in ihrem sackartigen Gehäuse. Daneben eine Mot- 
tenraupe, die aus ihrer Wohnröhre genommen wurde (vergrößerte Darstellung) 





Abb. 4: Gehäuse der erwachsenen Mottenraupe, in dem sie sich in eine Puppe (rechts) ver- 
wandelt (vergrößerte Darstellung) 



Spinnennetz oder Mottengespinst? 117 

Auf diesen "Hausbau" der Mottenraupe aber spielt Hi 27,18 an. Es handelt 
sich bei diesem Haus ebenso wie bei der Wächterhütte um eine zeitlich be- 
fristete und zugleich fragile Wohnstätte, die aus in der unmittelbaren Um- 
gebung vorfindlichen und leicht zerstörbaren Materialien angefertigt wur- 
de und verlassen wird, sobald die Raupen reif zur Verpuppung sind. Dann 
"wandern sie an eine Stelle, von der aus später der geschlüpfte Schmetter- 
ling möglichst ungehindert ins Freie kann"^^ 

Dort angelangt spinnen sie ein neues Gehäuse, in dem die Verpuppung 
stattfindet (vgl. Abb. 4^^), bis nach frühestens zwei Wochen die geflügelte 
Motte diesen Ort verläßt. Natürlich könnte in Hi 27,18 auch dieser zweite 
"Bau" der Raupe im Blick sein. 

Der Hinweis auf die Motte in Hi 27,18 könnte implizit schon den ins Auge 
gefaßten Zerfall des frevlerischen Lebens und seiner durch Reichtum ge- 
prägten Begleitumstände intendieren. Ist aber sonst die Motte meist die 
Zerstörerin von Luxusgegenständen, so tritt in Hi 27,18 ihr fragiles Ge- 
häuse in den Blick, das leicht zerstört werden kann^^*. 
Natürlich würde auch das Spinnennetz als Bild für Vergänglichkeit und 
Fragilität im Prinzip in Frage kommen^^, das, wie erwähnt, in Hi 8,14 
ebenfalls mit dem Begriff H'' 3 umschrieben wird. Doch ist eine Änderung 
des Textes in Hi 27,18 mit Berufung auf LXX nur schwer möglich, da 
LXX, wie gezeigt, das Bild der Wächterhütte in V. 18b einfach durch das 
der Spinne ersetzt^^ und den Vergleichspunkt insgesamt verschiebt: Nun 
geht es nicht mehr um die Vergänglichkeit des Mottenhauses, sondern um 
die der Motten und der Spinne an sich. 



"^ von Frisch, Hausgenossen, 88. 

^^ Quellennachweis zu Abb. 4: von Frisch, Hausgenossen, S. 87. 

ö"* Ebenso König, Hieb, 266; anders Strauß, BK.AT XVI/1, 125, der im Vergleich in V. 
18a die "Zerbrechlichkeit" der Motte (!) konnotiert sieht; ähnlich auch Witte, Notizen, 
165f: Da die Motte, "es sei denn als Larve" (ebd. 165), keine Häuser baue, liege der 
Vergleichspunkt nicht im Bauen, sondern in der Brüchigkeit des Hauses, so daß ü]ü 
hier - wie auch sonst im Alten Testament häufig - als Bild für Vergänglichkeit ge- 
braucht werde (vgl. dazu Hi 4,19; Hos 5,12; Ps 39,12; Hi 13,28; Jes 50,9; 51,8). Aller- 
dings - und das wird meist übersehen - beziehen sich fast alle der genannten Stellen 
ebenfalls auf die Mottenra«/)e, da vom Schmetterling der Kleidermotte keine Zerstö- 
rungen ausgehen. Zudem ist zu fragen, warum in Hi 27,18 explizit vom "Bauen" der 
Motte die Rede ist. Ginge es nur um den Vergleichspunkt "Vergänglichkeit", läge eine 
Formulierung wie "Sein Haus ist wie eine Motte" (so die LXX-Übersetzung) näher. In 
Hi 27,18 geht es demnach, anders als in Hi 4,19, nicht um die Motte als Schmetterling, 
der durch einen Schlag leicht vernichtet werden kann (vgl. dazu Bauernfeind, Art. <T(\q, 
116 Anm. 8), sondern um den Hausbau (!) der Mottenraupe. 

^5 Vgl. dazu die Auslegung von Groß, NEB 13, 98. 

^^ Möglicherweise bildeten V. 18a und V. 19a in LXX ursprünglich einen Vers, während 
der asterisierte V. 19b aus 6' nachgetragen wurde (vgl. dazu Witte, Notizen, 166). 



118 Spinnennetz oder Mottengespinst? 

Vermutlich handelt es sich bei dem Spinnenvergleich in LXX um eine zu- 
sätzliche Interpretation von MT^''. Sie geht möglicherweise auf schriftge- 
lehrte Arbeit der Septuaginta-Übersetzer zurück, die sich an Hi 8,14b erin- 
nert haben mögen^^. 



IV. Zusammenfassung 

"Motten bauen keine Häuser" - dieses häufig in der Literatur herangezoge- 
ne Argument zur Änderung des masoretischen Textes von Hi 27,18 ist 
richtig, sofern es auf die Schmetterlinge der Kleider- und Pelzmotte bezo- 
gen wird. Für die weiblichen Falter, die nur wenige Wochen zur Eiablage 
leben, ist ein solcher Hausbau auch nicht nötig. Denn in dieser Zeit halten 
sie sich in Spalten und Ritzen verborgen^^. 

Dennoch sprechen sowohl der nähere Kontext als auch die Lebensweise 
der Pelzmottenraw/je dafür, den hebräischen Text von Hi 27,18a beizube- 
halten'^o. Denn die Pelzmottenraupe errichtet - sozusagen in Leichtbauwei- 
se - ein Haus aus Gespinstfäden und Wollresten, in dem sie bis zur Ver- 
puppung lebt. Dieser Aufenthaltsort kann je nach Kost und Temperatur ei- 
nige Wochen oder auch Monate bewohnt werden; und in dieser Zeit geht 
die Raupe ihrem fressenden Vemichtungswerk nach. Der Vergleichspunkt 
der in Hi 27,18 benutzten Metaphern vom Mottenhaus und von der 
Wächterhütte liegt somit einerseits in der Fragilität und andererseits in der 
begrenzten zeitlichen Verwendung der angegebenen Wohnstätten. 
Das sind im übrigen keine neuen Erkenntnisse. Schon E.C.A. Riehm wies 
in seiner Interpretation von Hi 27,18 auf die Praxis der Mottenraupe hin: 
"Das leicht zerstörbare Haus, welches die Zerstörerin Motte sich baut, d.h. 
das aus den Fasern der zerfressenen Kleider bestehende Säckchen, in wel- 
ches sie sich hüllt, ist Hiob 27,18 das treffende Abbild des jähem Ruin ver- 
fallenden Hauses, welches sich der Gottlose durch Beraubung und Verder- 



^^ Beer, Hiob, 175 spricht von einer "Doppelübersetzung", ebenso E.A. Dhorme, A 
Commentary on the Book of Job, translated by H. Knight, London 1967, 395. 

^^ In Hi 8,14LXX wird das Vergehen des Zeltes / der Hütte (cjKr|vr|) des Frevlers mit 
(dem Vergehen) der Spinne verglichen und dafür das - auch in Hi 27,1 8LXX belegte 
(!) - Verb ÖTtoßatveiv verwendet. Dieses Verb wird von LXX in Hi 8,14 ergänzt, um 
die Metapher zu vervollständigen (in MT liegt ein Nominalsatz vor!), vgl. dazu H. 
Heater, A Septuagint Translation Technique in the Book of Job (CBQ.MS 11), Wa- 
shington 1982, 86f. Hi 8,14MT dagegen vergleicht die Hoffnung des Frevlers mit ei- 
nem Spinnenhaus (inanq Ü^2^V r\^2^). 

^^ Vgl. Dierl, Schmetterlinge, 320. 

■70 Vgl. dazu Grabbe, Philology, 9 1 . 



Spinnennetz oder Mottengespinst? 119 

bung anderer baut"'^'. Während der reiche Frevler demnach glaubt, sein 
prächtiges Haus sei fest und unverwüstlich, hat er in Wirklichkeit eine we- 
nig haltbare und wenig dauerhafte Wohnstätte für sich errichtet. 
Mit A. Weiser''^ kann somit folgende Deutung der beiden Metaphern in V. 
18 festgehalten werden: "Die beiden sprichwörtlichen Bilder von dem 
'Mottennest' und der rasch zusammengezimmerten Hütte des Feldwächters 
(vgl. Jes. 1,8) soll[en] die brüchige Vergänglichkeit der irdischen Exi- 
stenzgrundlagen illustrieren, deren Zusammenbruch über Nacht den Rei- 
chen zum Bettler macht". Und auch Frz. Delitzsch ist in seiner Auslegung 
auf der richtigen Spur, wenn er betont: "Das Haus aber des Gottlosen, 
wenn auch ein Palast, ist, wie der Ausgang des Baues zeigt, ein so zer- 
brechliches, leicht versehrbares und zerstörbares Ding, wie das Gespinst 
einer Motte ^13 (nach jüd. Sprichwort der Bruder des 00), in welchem die 
Mottenraupe sich verpuppt, oder auch das kleine Gehäuse, welches sie aus 
zernagten Stoffen zusammenklebt und mit sich herumschleppt"^^. Dem ist 
nichts hinzuzufügen. 

Es bleibt nur noch zu hoffen, daß die in dieser Miszelle gegebenen Hin- 
weise künftig verhindern können, daß aus der Motte in Hi 27,18 eine Spin- 
ne wird. 



^' E.C.A. Riehm (Hg.) Handwörterbuch des Biblischen Altertums für gebildete Bibelleser, 
Bd. II, Leipzig M894, 1040f, 1040. 

■^2 Ifmer,ATD13, 196. 

'^ Delitzsch, BC IV/2, 347f. Daß diese Verhaltensweise der Kleidermottenraupe schon in 
der Antike bekannt war, belegen assyrische Texte, die auch eine eigene Bezeichnung 
für das die Raupen umgebende Gespinst kennen, vgl. dazu W. Heimpel, Art. Insekten, 
RLA V (1976-1980) 105-109, 106f Es spricht also nichts dagegen, diese Kenntnis 
auch für das Alte Testament anzunehmen, zumal die von Mottenraupen ausgehenden 
Zerstörungen dort geradezu sprichwörtlich sind (vgl. dazu Hi 13,28; Jes 50,9; 51,8 und 
Diebner, Motte). Darauf aber soll in anderem Zusammenhang eingegangen werden. 



"Ich bin ein Bruder der Schakale" (Hi 30,29) 

Tiere als Exponenten der gegenmenschlichen Welt in der Bildsprache der 

Hiobdialoge 



Manfred Weippert zum 65. Geburtstag 



Das Hiobbuch ist bekannt für seinen Reichtum an Tierbildemi. Während 
in den letzten Jahren angeregt vor allem durch die Arbeiten von O. Keel 
die Beschäftigung mit den Bildsequenzen der Gottesreden (Hi 38-41) in 
der Forschung einen breiten Raum einnahm^, standen die Tierbilder der 
Hiobdialoge^ bislang eher am Rande des Interesses. 

Häufig erscheinen hier Tiere, die als typische Exponenten einer gegen- 
menschlichen, menschenbedrohenden Welt anzusehen und als solche dem 
Bereich des Dämonischen zuzuordnen sind"*. 

Nicht nur Dämonengruppen^ wie die D'^^li ("die zur Trockenlandschaft 
Gehörigen")6, die WyV'^ ("Haarige"; "Bocksdämonen")'? oder die ü"^^ 



Vgl. die Zusammenstellung bei E. Schwab, Die Tierbilder und Tiervergleiche des Al- 
ten Testaments. Material und Problemanzeigen, BN 59 (1991) 37-43, 40. 

Vgl. O. Keel, Jahwes Entgegnung an Ijob. Eine Deutung von Ijob 38-41 vor dem 
Hintergrund der zeitgenössischen Bildkunst (FRLANT 121), Göttingen 1978; ders.. 
Zwei kleine Beiträge zum Verständnis der Gottesreden im Buch Ijob (XXXVIII 36f., 
XL 25), VT 31 (1981) 220-225. Vgl. femer M. Oeming, "Kannst du der Löwin ihren 
Raub zu jagen geben?" (Hi 38,39). Das Motiv des "Herrn der Tiere" und seine Be- 
deutung für die Theologie der Gottesreden Hi 38-42, in: M Augustin / K.-D. Schunck 
(Hg.), "Dort ziehen Schiffe dahin ...". CoUected Communications to the XIVth Con- 
gress of the International Organization for the Study of the Old Testament Paris 1 992 
(BEATAJ 28), Frankfurt/M. 1996, 147-163; F. Schmitz-Kahmen, Geschöpfe Gottes 
unter der Obhut des Menschen. Die Wertung der Tiere im Alten Testament (NThDH 
10), Neukirchen- Vluyn 1997, 51 ff. 

Zur Datierung und Abgrenzung der Hiobdialoge vgl. B. Lang, Art. Ijob (Buch), NHL 
II (1995) 215-219, 216f 

Vgl. zu dieser Definition von Dämonen M Görg / W. Kirchschläger, Art. Dämonen, 
NBL I (1991) 375-378, 375f, s. femer B. Janowski, Repräsentanten der gegen- 
menschlichen Welt. Ein Beitrag zur biblischen Dämonologie, in: D. Trobisch (Hg.), In 
dubio pro Deo. Heidelberger Resonanzen auf den 50. Geb. von G. Theißen, Heidel- 
berg 1993, 154-163, 161; C. Frevel, Art. ]n, ThWAT VIII (1995) 701-709, 707f; O. 
Böcher, Art. Dämonen I, TRE VIII (1981) 270-274, 271; H. te Velde, Art. Dämonen, 
LA I (1975) 980-984, 980f; A. van den Born, Art. Dämonen, EL ('1982) 305-307; G. 
Fohrer I H. Ciavier, Art. Dämonen, BHH I (1962) 315-317; E. Ebeling, Art. Dämo- 
nen, RLA II (1938) 107-1 13. Zum Dämonenglauben im Alten Testament vgl. auch T. 
Canaan, Dämonenglaube im Lande der Bibel (Morgenland 21), Leipzig 1929; H. 
Kaupel, Die Dämonen im Alten Testament, Augsburg 1930. 



"Ich bin ein Bruder der Schakale " 121 

("Genien")^, sondern auch zoologisch definierbare Tiere können dämoni- 
sche Bereiche verkörpern^. In Unheilsankündigungen und Flüchen stehen 
sie, wie H.-P. Müller gezeigt hat, für einen "Typos innerhalb des Systems 
von Tierbenennungen, der für eine Chaotisierung der bejahenswerten kos- 
mischen Ordnung charakteristisch ist"'°. 

Diese Tiere repräsentieren immer wiederkehrende Erfahrungen mit einer 
Wirklichkeit, die für den Menschen existenzbedrohend ist: "sie nehmen die 
Stätten ein, von denen die Menschen im Fall einer Katastrophe ... vertrie- 
ben werden, d.h. die sie verlassen müssen, wenn sie göttlichen Gerichten 
verfallen" ^ ' . Andere Tierarten können die Rolle von Unheilsboten übemehmen. 
Vor allem in zwei Textbereichen der Hiobdialoge^^ sind Tierbilder zu fin- 
den: 1) Im Rahmen der Ichklage Hiobs beziehen sie sich einerseits auf die 
existentielle Not und die Isolation Hiobs und andererseits auf das Problem 



Vgl. dazu B. Janowski / U. Neumann-Gorsolke, Das Tier als Exponent dämonischer 
Mächte, in: dies. / U. Gleßmer (Hg.), Gefährten und Feinde des Menschen. Das Tier in 
der Lebensweit des alten Israel, Neukirchen-Vluyn 1993, 278-282, 2S\;H.-P. Müller, 
Das Problem der Tierbezeichnungen in der althebräischen Lexikographie, SEL 12 
(1994) 135-147, 145f; Görg / Kirchschläger, Dämonen, 376; H. Duhm, Die bösen 
Geister im Alten Testament, Tübingen / Leipzig 1904, 46ff; A. Jirku, Die Dämonen 
und ihre Abwehr im Alten Testament, Leipzig 1912, 34ff; G. Wanke, Art. Dämonen II, 
TRE VIII (1981) 275-277, 275f. 

Vgl. Jes 13,21; 34,14; Jer 50,39 und H.-P. Müller, Art. ^?, ThWAT VI (1989) 987- 
991; Janowski, Repräsentanten, 161 ff; ders., Art. Wild Beasts □"S, DDD (M999) 
897f 

Vgl. Lev 17,7; Jes 13,21; 34,14; 2 Chr 11,15 und H. Wohlstein, Zur Tier-Dämonologie 
der Bibel, ZDMG 113 (1963) 483^92, 487-489; zu den Belegen vgl. N.H. Snaith, 
The Meaning of D"'")"'?'?, VT 25 (1975) 115-118; Janowski, Repräsentanten, 158; 
ders., Art. Satyrs Gn'Jjb, DDD (M999) 732f; 5'. Schroer, In Israel gab es Bilder. 
Nachrichten von darstellender Kunst im Alten Testament (OBO 74), Freiburg 
(Schweiz) / Göttingen 1987, 133-135. 

Vgl. Dtn 32,17; Ps 106,37 und Wohlstein, Tier-Dämonologie, 491f 
Die "Ambivalenz von zoologisch defmierbarer Spezies und dämonischem Wesen" {Ja- 
nowski, Repräsentanten, 160) wird bei der Gruppe der □"« ("Heuler" = Schakale? / 
Wildhunde?: vgl. Jes 13,22; 34,14; Jer 50,39 und Frevel, ]n, 703) geradezu beabsich- 
tigt sein; vgl. auch B. Janowski, Art. Jackais D"S, DDD (M999) 459; M. Görg, "Dä- 
monen" statt "Eulen" in Jes 13,21, BN 62 (1992), 16f 

Müller, Lexikographie, 143; vgl. ders.. Die Funktion divinatorischen Redens und die 
Tierbezeichnungen der Inschrift von Teil Deir 'Allä, in: J. Hoftijzer I G. van der Kooij 
(Hg.), The Balaam Text from De/r S4//ire-evaluated. Proceedings of the International 
Symposium held at Leiden 21-24 August 1989, Leiden 1991, 185-205, 191.201ff 

' ' Müller, Funktion, 202; vgl. z. B. in den Annalen Assurbanipals den Bericht über die 
Zerstörung Elams bei M. Streck, Assurbanipal und die letzten assyrischen Könige bis 
zum Untergange Ninivehs, II. Teil: Texte (VAB 7/2), Leipzig 1916, 56-59. 

^2 Vgl. dazu C. Westermann, Vergleiche und Gleichnisse im Alten und Neuen Testa- 
ment, CThM 14, Stuttgart 1984, 97ff 



10 



122 "Ich bin ein Bruder der Schakale " 

der Vergänglichkeit des Lebens. 2) Einige wenige Bilder aus dem Bereich 
der Tierwelt finden sich auch im Rahmen der Gottklage. 
Im folgenden sollen aus jedem dieser zwei Bereiche einige Beispiele vor- 
gestellt werden. Der Bereich der Freundesreden, in dem sich ebenfalls 
zahlreiche Vergleiche mit Tieren finden'^, kann dabei aus Raumgründen 
keine Berücksichtigung finden. 



I. Tierbilder in Ichklagen 

Zu den typischen Vertretern der gegenmenschlichen Welt, die von den 
Menschen als grauenhaft empfunden wurde, gehören Strauße zusammen 
mit Schakalen, Eulen, Wüstentieren und bockgestaltigen Dämonen (vgl. 
Jes 13,21; 34,10ff; Jer 50,39). Sie alle bewohnen Wüsten und Ruinenstät- 
ten^^, die nach altorientalischer Auffassung neben Gebirgen und Sümpfen 
die typischen Bereiche der Anti Ordnung bildeten^ ^ und die daher gemein- 
hin kein Mensch betrat. "Behausung der Schakale" wird in Gerichtsdro- 
hungen geradezu zu einem Terminus technicus für Unbewohnbarkeit nach 
gewaltsamer Zerstörung (Jer 9,10; 10,22; 49,33; 51,37). 
Die Lautäußerungen der Tiere, wie das Geheul der Schakale, "das in lang- 
gezogenen, immer ansteigenden Tönen durch die Dunkelheit der Nacht 



13 
14 



15 



Vgl. Hi 4,10f.l9; 8,14; 11,12; 20,14.16; 25,6. 

Zu entsprechenden Parallelen in der Inschrift von De/r Alla vgl. Müller, Funktion, 
203; M. Weippert, The Baalam Text from Deir 'Allä and the Study of the Old Testa- 
ment, in: J. Hoftijzer I G. van der Kooij (Hg.), The Balaam Text from De/r 'Allä re- 
evaluated. Proceedings of the International Symposium held at Leiden 21-24 August 
1989, Leiden 1991, 151-184, 172-174. Auch in der Sfire-Inschrift finden sich im 
Rahmen einer Unheilsankündigung Tiere, die eine Chaoswelt repräsentieren (vgl. KAI 
222A, Zeile 32ff); vgl. femer Ch. Fensham, Common Trends in Curses of the Near 
Eastem Treaties and ^C/DL7?Ä[/-Inscriptions compared with Maledictions of Amos 
and Isaiah, ZAW 75 (1963) 155-175, 166-168. 

Vgl. O. Keel, Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament. 
Am Beispiel der Psalmen, Göttingen '1996, 53-67, 66f; Th. Staubli, Das Image der 
Nomaden im Alten Israel und in der Ikonographie seiner sesshaften Nachbarn (OBO 
107), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1991, 259ff; V. Haas, Magie und Mythen in 
Baylonien. Von Dämonen, Hexen und Beschwörungspriestem, Gifkendorf 1986. Zum 
Raumverständnis in Mesopotamien vgl. B. Pongratz-Leisten, Ina sulmi Trüb. Die 
kulttopographische und ideologische Programmatik der aX-/7ü^Prozession in Babyloni- 
en und Assyrien im 1. Jahrtausend v.Chr. (BagdF 16), Mainz 1994, 18ff 25ff; F. Stolz, 
Grundzüge der Religionswissenschaft (KVR 1527), Göttingen 1988, 94ffll8f; A. 
Berlejung, Die Theologie der Bilder. Herstellung und Einweihung von Kultbildem in 
Mesopotamien und die alttestamentliche Bilderpolemik (OBO 161), Freiburg 
(Schweiz) / Göttingen 1998, 25f 



"Ich bin ein Bruder der Schakale " 123 

dringt"'^, oder "die weitschallenden, dumpfen Rufe der Strauße"''^, trugen 
dazu bei, daß man diese Tiere als unheimlich ansah^^. In Ägypten stand 
der Schakal als Verkörperung von Totengöttem wie z. B. Anubis zudem in 
engem Zusammenhang mit Grab und Tod und war außerdem ein typischer 
Nekropolenbewohner' ^. 

In Hi 30,28-31 findet sich ein Vergleich mit diesen Tieren im Zusammen- 
hang einer Klageschilderung, die auf Trauerbräuche und Selbstminde- 
rungsriten^'' rekurriert: 

28 Trauergeschwärzt gehe ich^i umher ohne Sonne(nglut)22, 
ich stehe in der Gemeinde auf, schreie um Hilfe^^. 

29 Ich bin ein Bruder geworden den Schakalen 
und ein Gefährte den Straußinnen. 

30 Mein Haut ist schwarz geworden auf mir 
und mein Gebein glüht vor (Fieber-)Hitze. 



16 H. Kaupel, "Sirenen" in der Septuaginta, BZ 23 (1935/36) 158-165, 159f 
1'^ Frevel, ]n, 707. Zu den Lautäußerungen des Straußes vgl. auch F. und E. Sauer, Das 
Verhalten der Strauße, in: B. Grzimek (Hg.), Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des 
Tierreichs, Bd. 7: Vögel 1, München 1993, 92f, 93; F. Delitzsch, Das Buch lob (BC 
IV/2), Leipzig 1876, 406 Anm. 1. 
'8 Vgl. dazu auch P. Riede, Art. Schakal, NBL III (2001) 460; ders., Art. Strauß, NBL III 
(2001) 713; vgl. femer P. Behrens, Art. Strauß, LA VI (1986) 72-75; Keel, Jahwes 
Entgegnung, 66ff und passim; ders. / M. Küchler / Chr. Uehlinger (Hg.), Orte und 
Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land. 
Bd. 1: Geographisch-geschichtliche Landeskunde, Göttingen 1984, 147. 161 f; A. 
Schonten van der Velden, Tierwelt der Bibel, Stuttgart 1992, 36f 138f; Frevel, ]n, 
703. Zum Problem der zoologischen Identifikation von Q"'?n und njSJ;: ni33 vgl. 
Frevel, a.a.O., 704f 

19 W. Barta, Art. Schakal, LA V (1984) 526-528, 527. 

20 Vgl. dazu B. Lang I G. Hentschel, Art. Trauerbräuche, NBL III (2001) 918f; E. 
Kutsch, "Trauerbräuche" und "Selbstminderungsriten" im Alten Testament, in: ders.. 
Kleine Schriften zum Alten Testament (BZAW 168), Berlin 1986, 78-95, 79.95 Anm. 
69. 

21 Zu -\'-\p + Verb "ibn vgl. Ps 38,7; 42,10b = 43,2b; femer Ps 35,14 und H. Schmoldt, 
Art. m.|?, ThWAT VI (1989) 1 176-1 178. 

22 Es liegt ein asyndetischer, negierter Umstandssatz vor (vgl. GK § 1 1 8n). Es geht also 
um eine "Schwarzfärbung" des Klagenden, die nicht von außen, etwa durch die Son- 
nenglut, veranlaßt ist, anders Delitzsch, BC IV/2, 405. Zu HSn "Sonne" vgl. Jes 
24,23; 30,26; Hld 6,10 und HAL 313. Von der Glut der Sonne ist in Ps 19,7 die Rede. 
Häufig wird der Text geändert und nan? "Trost" gelesen (so z. B. K. Budde, Das 
Buch Hiob [HK II/l], Göttingen 1896,'r75; G. Hölscher, Das Buch Hiob [HAT 17], 
Tübingen 1937, 72f; A. Weiser, Das Buch Hiob [ATD 13], Göttingen M956, 203; F. 
Hesse, Hiob [ZBK.AT 14], Zürich M992, 165), was aber nicht nötig ist, vgl. E. König, 
Das Buch Hiob, Gütersloh 1929, 310. Zu V. 28 vgl. auch M. Grimm, "Dies Leben ist 
der Tod.". Vergänglichkeit in den Reden Ijobs - Entwurf einer Textsemantik (ATSAT 
62), St. Ottilien 1998, 222 mit Anm. 1284f 

23 Zur Konstruktion vgl. GK § 120c. 



1 24 "Ich bin ein Bruder der Schakale " 

3 1 Zur Trauer^'' ward meine Leier 

und meine Flöte zu einer Stimme von Weinenden. 

Wenn Hiob sich einen Gefährten der Strauße und einen Bruder der Schaka- 
le nennt, so zeigen diese Vergleiche, daß er sich in seiner Einsamkeit und 
Isolation (vgl. V. 28) bereits diesen Wüstenbewohnem zugehörig fiihlt^^. 
Sein Ausschluß aus der Gemeinschaft der Mitmenschen, die ihn verhöhnen 
und verspotten (vgl. V. 1.9f), ist vollkommen. "Hoffnungslos dem Elend 
ausgeliefert, steht er nun inmitten der Gemeinde''^^. 

Hiobs klagendes Schreien, auf das die Verse 28 und 31 Bezug nehmen, 
erinnert zudem an das nächtliche Heulen von Schakal und Strauß (vgl. Mi 
1,8). Eindrücklich ist vor allem das Geheul der Schakale, das aus der Fer- 
ne, so A. Musil, dem Weinen halbwüchsiger Kinder ähnelt^''. Interessant ist 
in diesem Zusammenhang femer, daß LXX in Hi 30,29 (wie auch in Jes 
34,13; 43,20) statt der Schakale die Sirenen nennt^^, die vor allem als To- 
desdämonen verstanden werden können^^. 

Aber auch der äußere Zustand Hiobs unterstreicht seine Zugehörigkeit zur 
Welt der Wildtiere. Seine Haut ist schwarz geworden (lUÖ^^: V. 30). Hier 
geht es offenbar nicht um bestimmte Krankheitssymptome, sondern, wie 
das Adjektiv "ihE; nahelegt, "um das farbliche Eindunkeln durch Schrum- 
pfen der Körperoberfläche selbst"^!. Zugleich versammelt Hiob in seinem 
Knochengerüst "alle Trockenheit ... des (Fieber?-)Glühens"32 ("nn I qal: 
V. 30b). 



25 



•^•^ Zur Bedeutung der Wurzel 'P3N "trocken bleiben, zu Ende sein, zur Trauer verstum- 
men" vgl. Kutsch, "Trauerbräuche", 35f. 

Vgl. dazu N. Habel, "Only the Jackal is My Friend". On Friends and Redeemers in 
Job, Interpret. 31 (1977) 227-236, 235f; F. Gradl, Das Buch Ijob (NSKAT 12), Stutt- 
gart 2001, 264. 

26 Grarf/, NSKAT 12, 264. 

2"^ A. Musil, Arabia Petraea III, Wien 1908, 1 8. 

2^ Vgl. dazu Kaupel, Sirenen. 

Vgl. dazu H. von Geisau, Art. Seirenes, KP 5 (1979) 79f, 79. 
Vgl. dazu L. Ruppert, Art. "inE* I, ThWAT VII (1993) 1222. 

H. Strauß, Hiob. 2. Teilband: 19,1^2,17 (BK.AT XVI/2), Neukirchen- Vluyn 2000, 
212f; vgl. dazu besonders Klgl 4,8: "(Dann aber) wurde ihr Aussehen schwärzer als 
Ruß; man erkannte sie nicht mehr auf den Gassen. Ihre Haut schrumpfte auf ihren 
Knochen, vertrocknete, wurde wie Holz" (Übersetzung: HJ. Boecker, Klagelieder 
[ZBK.AT 21], Zürich 1985, 73); vgl. dazu S Schroer / Th. Staubli, Die Körpersym- 
bolik der Bibel, Darmstadt 1998, 236f. - Grimm, "Dies Leben ist der Tod.", 222f ver- 
mutet Verbrennungen als Grund für die Schwärze der Haut; Hesse, ZBK.AT 14, 167 
rechnet mit Schwärzung der Haut aufgrund von Lepra. 

^2 Ärau/S,BK XVI/2, 213. 



29 
30 
31 



"Ich bin ein Bruder der Schakale" 125 

Hiob wird somit "mit seinem Körper außen und innen das traurigste Sym- 
bol der Selbstminderung"^^^ quasi eine wandelnde Ruine^'*, was durch den 
Hinweis auf die Wurzel DIFI noch unterstrichen wird, die sowohl das 
Vertrocknen bzw. die Hitze und speziell die Fieberglut bezeichnen kann^^, 
sich aber in einem zweiten Anwendungsbereich auf die Verwüstung von 
Städten und Landschaften bezieht^^. 

Leibsphäre und Sozialsphäre stimmen somit völlig überein: Die körperli- 
chen Auflösungserscheinungen und die "Verstoßung, Entehrung und Ent- 
würdigung"^^ Hiobs entsprechen sich. Kein Wunder, daß Trauer und Wei- 
nen zu seiner Musik werden. 

Neben Straußen und Schakalen sind auch WildeseP^ typische Bewohner 
von Gebieten, die der Mensch meidet^^. Ihre Freiheitsliebe, Wildheit und 
ihre Zähigkeit, die sie für das Überleben in den unwirtlichen Steppenge- 
bieten prädestinierte, waren sprichwörtlich (vgl. Hi 39,5-8)"**^. Wildesel 
können geradezu zu einem Kontrast zu Menschen werden, die in einer 
wohlgeordneten Gemeinschaft leben"", wie Hi 24,5 zeigf 2; 

Schau: Wildesel in der Wüste - 

so ziehen sie [sc: die Armen] in ihrem Tun''^ aus - 

immerfort spähend nach Nahrung, 

die Steppe bietet ihnen'''' Brot für die Kinder. 



33 Ebd. 

3^ Vgl. dazu auch V. 24, wo von dem die Rede ist, der noch nicht in Trümmern ist. 

35 Vgl. O. Kaiser, Art. 3in, ThWAT III (1982) 160-164, 161. 

36 Vgl. ebd. 162ff. 

3^ J. Assmann, Tod und Jenseits im Alten Ägypten, München 2001, 58. 

3^ Vermutlich lebten in alter Zeit in Syrien und Transjordanien zwei unterschiedliche 
Arten von Wildeseln, einerseits der syrische Wildesel und andererseits der Onager. 
Vgl. dazu H.-J. Zobel, Art. SIS, ThWAT VI (1989) 731-735; P. Riede, Art. Wild- 
esel, NBL III (2001) 1112f; Keel, Jahwes Entgegnung, 63ff.66ff und passim; ders. 
u.a.,OLB 1, 152f. 

3^ In Jes 32,9-14 findet sich eine Klage darüber, daß das einst blühende Jerusalem zur 
"Wonne der Wildesel" wird, was bedeutet, daß das einstige Kulturland wieder in Step- 
pe und Wüste verwandelt wird und somit Lebensraum für die Steppentiere bietet. 

^^ Vgl. G. Fuchs, Mythos und Hiobdichtung. Aufnahme und Umdeutung altorientali- 
scher Vorstellungen, Stuttgart 1993, 214. 
'*' Vgl. auch Hi 1 1,12; Dan 5,21. Zu Gen 16,12 s. ÄiWe, Wildesel, 1113. 

"♦2 Zum Text von Hi 24,5 vgl. M Witte, Philologische Notizen zu Hi 21-27 (BZAW 
234), Berlin 1995, 84-87; zur literarischen Einordnung vgl. ders.. Vom Leiden zur 
Lehre. Der dritte Redegang (Hi 21-27) und die Redaktionsgeschichte des Hiobbuches 
(BZAW 230), Berlin 1994, 123. 

'*3 Häufig wird mit Verweis auf Ps 104,23 D^JJ^'p gelesen (so z. B. Weiser, ATD 13, 
1 78). Diese Textänderung ist aber unnötig: Worin das tägliche Tun besteht, besagt der 
folgende Halbvers (vgl. zu dieser Deutung Delitzsch, BC IV/2, 317). 



126 "Ich bin ein Bruder der Schakale" 

Indem die Annen sich die Lebensweise von Wildeseln zu eigen machen 
müssen, werden sie zu Deklassierten, die aus der geregelten Ordnung aus- 
gestoßen sind und nun in Steppe und Wüste ihr Leben fristen müssen^^. 
Auf die Wildesel, die in ihrer von Wasser- und Futtermangel ausgelösten 
existentiellen Not schreien"*^, nimmt Hiob auch Bezug, um sein Unglück 
und sein Leid, das jeglichen menschlichen Maßstab übersteigt, auszudrük- 
ken und gleichzeitig das Unverständnis der Freunde gegenüber seinem 
Klagen abzuweisen: 

Schreit denn der Wildesel auf grünem Gras 
oder brüllt das Rind über seinem Futter? (Hi 6,5) 

"Selbstverständlich ... schreien und brüllen die Tiere nicht, wenn sie ihre 
gewohnte und naturgemäße Nahrung finden oder erhalten. Sie haben kei- 
nen Grund dazu'"*^. Leiden sie aber Hunger, dann zeigen sie das durch ent- 
sprechende Laute an. Hiobs Klage aber ist "wie ein Schrei um Futter"'*^. In 
seinem Schreien zeigt sich sein unermeßliches Leid. 
Ging es in den bislang behandelten Klageschilderungen mit Wildeseln, 
Schakalen und Straußen um Steppen- und Wüstenbewohner, so erscheinen 
im Zusammenhang von Vergänglichkeitsklagen ganz andere Tiere, die 
wegen ihrer chtonischen Lebensweise ebenfalls dämonische, dem Men- 
schen feindliche Mächte repräsentieren konnten^': 

So haben Würmer eine Affinität zu Grab und Tod und gehören in den Be- 
reich des Unreinen und Ekelerregenden. Sie werden daher häufig in Zu- 



^'* Zum Rückbezug des Singular-Suffixes auf den Plural von V. 5a gl. GK § 145 m. An- 
ders Witte, Notizen, 86. 

^^ Vergleiche von Menschen, die aus dem geschützten Bereich des Kulturlandes in die 
Wüste fliehen müssen, mit Wildeseln finden sich neben Jer 48,6 auch in assyrischen 
Königsinschriften, vgl. dazu D. Marcus, Animal Similes in Assyrian Royal Inscripti- 
ons, Or. 46 (1977) 86-106, 90; A. Schott, Die Vergleiche in den akkadischen Königs- 
inschriften (MVÄG 30), Leipzig 1926, 91.96.99. In assyrischen Staatsverträgen, wie 
z. B. den Nachfolgeverträgen Asarhaddons, ist folgende Fluchandrohung des Mond- 
gottes Sin enthalten: "Lauft umher auf der Steppe wie ein Wildesel oder eine Gazelle", 
vgl. TU AT I, 160-176, § 39, Zeile 421, vgl. ferner Fens harn, Curses, 163f 

''^ Vgl. dazu auch Jer 14,6. 

"♦■^ G. Fohrer, Das Buch Hiob (KAT XVI), Gütersloh M 989, 1 69. 

^^ J. Ebach, Streiten mit Gott, Hiob Teil 1: Hiob 1-20 (Kleine Biblische Bibliothek), 
Neukirchen- Vluyn 1995, 71. 

''^ Vgl. dazu W. Kornfeld, Reine und unreine Tiere im Alten Testament, Kairos 7 (1965) 
134-147, 147. 



"Ich bin ein Bruder der Schakale " 127 

sammenhang mit Krankheiten (Hi 7,5) und der Verwesung von Leichen 
genannt (Hi 24,20), wie die folgenden Texte belegen^'^. 

Mein Leib hat sich gekleidet in Made und Staubkruste'', 
meine Haut ist verharscht'^ und zerfließt. (Hi 7,5) 

Vergessen wird ihn der Mutterleib, die Made saugt'^ an ihm, 

seiner wird nicht mehr gedacht; und Unrecht wird zerbrochen wie Holz. (Hi 

24,20)5'' 

In beiden Fällen ist an das Totengewürm gedacht, das die Leichen wie ein 
Kleid bedeckt und zerfrißt. Geht es in Hi 7,5 um die Krankheit Hiobs, die 
zum äußeren Zerfall des Leibes führt und eine Krankheit zum Tode dar- 
stellt^^, so ist in Hi 24,20 vom Frevler die Rede, dessen Leben vom Anfang 
und vom Ende her (vgl. das Bild vom Mutterleib und das von der Made), 
also gänzlich, getilgt wird^^. Die Leichen im Grab sind von Würmern be- 
deckt, was sowohl für den Frevler, der im Glück lebt, als auch für den Un- 
glücklichen gilt. Denn 

zusammen liegen sie im Staub, 

und die Made bedeckt sie. (Hi 21,26) 

Die Bilder von Staub und Made evozieren vor allem die Assoziationen 
Hinfälligkeit, Fäulnis und Erniedrigung^'^. In Hi 25,6 bezieht sich das Bild 
des Wurmes auf die Armseligkeit und Unreinheit des Menschen^^. Vor 
dem Hintergrund dieser Texte wird die Klage Hiobs in Hi 17,11-16 ver- 



^^ Zu den mit Würmern verbundenen Konnotationen vgl. auch P. Riede, Art. Wurm, 
NBL III (2001) 1140-1142; ders.. Im Netz des Jägers. Studien zur Feindmetaphorik 
der Individualpsalmen (WMANT 85), Neukirchen-Vluyn 2000, 307ff; D. Kellermann 
/H. Ringgren, Art. ny^in, ThWAT VIII (1995) 577-580, 578f. 

^' Lies mit Qere: C;i3. Möglicherweise ist ^D9 eine sekundäre Erläuterung zu dem 
Hapaxlegomenon mi, vgl. Hesse, ZBK.AT 14^ 64 Anm. 59; Weiser, ATD 13, 56. 

^^ Die Bedeutung von U3T ist umstritten, vgl. HAL 11 09. 

^^ Im Mittelhebräischen und Syrischen hat pno die Bedeutung "saugen" (vgl. GesB" 
475). Zur Übersetzung vgl. Witte, Notizen, 110. Fohrer, KAT XVI, 369 u.a. lesen: 
iQpO DiT): "(es vergißt ihn) der Marktplatz seines Ortes", so auch HAL 619. Eine 
Änderung des Textes ist aber unnötig. 

5^ Zur Übersetzung vgl. Witte, Notizen, 1 10. 

55 Vgl. Grimm, "Dies Leben ist der Tod.", 139, vgl. ebd. 199. 

56 Strauß, BK XVI/2, 97; eine andere Deutung bei Fuchs, Mythos, I79f. 

^■^ Vgl. Grimm, "Dies Leben ist der Tod.", 218. 

58 Vgl. dazu N. Habel, "Naked I came ...": Humanness in the Book of Job, in: J. Jeremias 
JL. Perlitt (Hg.), Die Botschaft und die Boten, FS. H.W. Wolff zum 70. Geb., Neukir- 
chen-Vluyn 1981, 373-392, 380. 



128 "Ich bin ein Bruder der Schakale" 

ständlich, die sich auf das unaufhaltsame Verschwinden von Lebenszeit 
und Lebensglück und das unwiderrufliche Kommen von Grab und Verwe- 
sung bezieht: 

Der Grube rufe ich zu: "Mein Vater bist du!", 
"Meine Mutter und meine Schwester!" dem Gewürm. 
Wo ist denn (noch) Hoffnung für mich, 
ja meine Hoffnung^', wer kann sie erspähn? (Hi 17,14f) 

Wenn Hiob die Würmer als Mutter und Schwester bezeichnete^, dann un- 
terstreicht das Bild eindrücklich, daß er sich bereits, ohne einen Ausweg zu 
sehen, der Totenwelt zugehörig fühlt (Hi 17,14). Wer aber in der Totenwelt 
wohnhaft ist, entfremdet sich nicht nur von seiner bisherigen Familie (vgl. 
Hi 14,21f), "sondern ordnet [sich] in eine neue, makabre Gemeinschaft ein, 
in die von Grab und Gewürm"^^ Totenreich und Made wurden Hiob dem- 
nach zu Wesen, mit denen er zwangsweise einen vertrauensvollen, ja fa- 
miliären Umgang pflegt, so daß zwangsläufig keine Hoffnung für ihn 
bleibt62. 

Hi 1 7, 14f schlägt damit aber einen Bogen zum Thema "Geburt" in Hi 3,11: 
Hiobs "dort geäußerter Wunsch, vom Schoß weg im Tod zu sein, wird 
durch die Aussage, dass er doch von Grab und Würmern abstamme, ad ab- 
surdum geführt"^^: Denn er w/ ja nach 17,13f "vom Schoß weg im Tod"^'*. 



II. Tierbilder in der Gottklage 

Hiob wird aber nicht nur zum Gefährten von Wüsten- und Totenweltbe- 
wohnem. Er selbst sieht sich als chaotisches Wesen, das Gott bändigen 
will, und fragt sarkastisch, "ob er denn die Rolle des taimin, des Meeres- 



^^ Häufig wird der Text unter Verweis auf LXX (xä äyaGä ^ou) in Tl^im geändert (so 
z. B. F. Horst, Hiob. 1. Teilband: Kapitel 1-19 [BK.AT XVI/1], Neuk'irchen-Vluyn 
"1983, 240; Fohrer, KAT XVI, 279; Hesse, ZBK.AT 14, 1 14; M Köhlmoos, Das Au- 
ge Gottes. Textstrategie im Hiobbuch [FAT 25], Tübingen 1999, 175). Diese Ände- 
rung ist aber unnötig, so auch Ebach, Streiten mit Gott 1, 138. Die Wiederholung von 
Tllpri (Anadiplosis) ist ein bewußt eingesetztes stilistisches Mittel mit der Absicht 
der Hervorhebung. 

^^ Vgl. die chiastische Wortstellung zur Hervorhebung. 

öl //o/-5/,BK XVI/1, 262. 

"2 Zur Auslegung vgl. auch Köhlmoos, Auge Gottes, 175; Fuchs, Mythos, 178f 

^^ Grimm, "Dies Leben ist der Tod.", 216. 

64 Ebd. 



"Ich bin ein Bruder der Schakale" 1 29 

drachen, spielen solle, so daß Gott gegen ihn Wachen aufstellen muß"^^, 
damit er nicht erneut zu einer Gefahr wird: 

Bin ich denn C; (das Meer) oder ]''3n (ein Seeungeheuer)**, 
daß du eine Wache gegen mich aufstellst? (Hi 7,12) 

Hiob fühlt sich als Gefangener, den Gott bewachen (IttE;) läßt, damit er 
sich nicht befreit (vgl. dazu Hi 13,27; 14,16f). Er greift zu den Bildern des 
Chaoskampfes, um seinen Vorwurf gegen Gott auszusprechen. "Wie Gott 
einst mit den chaotischen Mächten verfahren ist, als er die Welt schuf, so 
handelt er auch an Hiob"^''. Sein Geschick bewegt sich auf derselben Ebe- 
ne, wie jener Kampf mit den Chaosmächten der Vorzeit. Die Chaosunge- 



^5 Ebach, Streiten mit Gott 1,81; vgl. auch Köhlmoos, Auge Gottes, 160. Zur Bedeutung 
des ]-'?n im Alten Testament vgl. H. Niehr, Art. yin, ThWAT VIII (1995) 715-720, 
7 17-720. Auf die vielfältigen religions- und traditionsgeschichtlichen Hintergründe 
kann hier nicht eingegangen werden, vgl. dazu Niehr, ebd. 716f; G.C. Heider, Art. 
Tannin, DDD (M999) 834-836, bes. 835f; Chr Uehlinger, Drachen und Drachen- 
kämpfe im Alten Vorderen Orient und in der Bibel, in: B. Schmelz I R. Vossen (Hg.), 
Auf Drachenspuren. Ein Buch zum Drachenprojekt des Hamburgischen Museums für 
Völkerkunde, Bonn 1995, 55-101; D. Diewert, Job 7:12: Yam, Tannin and the Sur- 
veillance of God, JBL 106 (1987) 203-215, 204ff; J.G. Janzen, Another Look at 
God'sWatchoverJob(7:12), JBL 108(1989) 109-116. 

^^ Sowohl C als auch ]"'3n werden ohne Artikel verwendet, sind also personifiziert vor- 
zustellen. ^Jn kann Landschlangen (Ex 7,9.12; Dtn 32,33; Ps 91,13), aber auch 
schlangenartige Meeresungeheuer (Ez 29,3; 32,2; Jes 27,1; 51,9; Jer 51,34; Ps 74,13) 
bezeichnen (vgl. Uehlinger, Drachen, 76; M. Görg, Art. Drache, NBL I [1991] 444- 
446, 445). Letztere Bedeutung ist wegen des parallelen DMn Hi 7,12 anzunehmen. 

^"^ Fohrer, KAT XVI, 179. Die in Hi 7,12 aufscheinende Chaosmotivik findet sich in den 
Hiobdialogen mehrfach in verschiedenen Variationen. Schon in der einleitenden Klage 
Hi 3,8 wird Levjathan genannt, in Hi 9,13 Rahab, in Hi 26,12 wiederum Rahab. In den 
abschließenden Gottesreden taucht wiederum Levjathan auf (vgl. Hi 40,25ff). Vgl. da- 
zu H.-J. Hermisson, Notizen zu Hiob, in: ders., Studien zu Prophetie und Weisheit. 
Gesammelte Aufsätze, hg. von / Barthel, H. Jauss und K. Koenen (FAT 23), Tübin- 
gen 1998, 286-299, 291; Gradl, NSKAT 12, 68-70. Häufig wird in Zusammenhang 
mit Hi 7,12 eine Stelle aus dem akkadischen Epos Enuma Elis zum Vergleich heran- 
gezogen, wo es nach Besiegung der Tiamat von Marduk heißt: "Er breitete eine Haut 
aus, setzte eine Wache ein, das Wasser nicht herauszulassen, wies er sie an" (IV 139f; 
vgl. TUAT II, 587). Doch handelt es sich hierbei um keine echte Parallele zu Hi 7,12. 
In Ee IV ist Tiamat bereits getötet und zerteilt, wobei ihre eine Hälfte das Himmels- 
dach bildet. Tiamat wird also "qualitativ in die Schöpfungswelt integriert" (M Bauks, 
Die Welt am Anfang. Zum Verhältnis von Vorwelt und Weltentstehung in Gen 1 und 
in der ahorientalischen Literatur [WMANT 74], Neukirchen- Vluyn 1995, 257), wobei 
das "alles umfließende Chaoswasser .... den Charakter einer permanenten Existenzbe- 
drohung [behält]" (ebd. Anm. 775). Um diese auszuschließen, ist die Wache einge- 
setzt. In Hi 7,12 aber sind D^ und yin chaotische Mächte, die "offenbar nicht ver- 
nichtet, sondern gefangengesetzt" {Fohrer, KAT XVI, 179) wurden. Von ihnen geht 
demnach weiterhin eine unmittelbare Bedrohung aus, die durch die Bewachung ver- 
hindert werden soll (vgl. Diewert, Job 7:12, 210; anders Ps 74,13f). 



130 "Ich bin ein Bruder der Schakale" 

heuer aber mußten sich der Macht Gottes beugen - um wieviel mehr nun 

Hiob68. 

Sind es hier Bilder aus dem Chaoskampfmythos^^, die ausdrücken, daß 

Gott Hiob zum Feind wurde, so greifen andere Stellen zu noch schrofferen 

Bildern, die zeigen, daß Hiob von Gott wie ein wildes Tier verfolgt und 

angefallen wird. Gott begegnet ihm wie ein jagender, reißender Löwe, der 

seinem Opfer unablässig nachjagt, wie folgende Stellen zeigen: 

Und erhöbe es (sc: mein Haupt) sich, 

dann würdest du mich jagen wie ein Löwe™. (Hi 10,16) 

Sein Zorn hat mich zerrissen und er war mir feind. 
Er knirscht über mir / gegen mich mit seinen Zähnen, 
und seine Augen schärft auf mich mein Feind. (Hi 16,9) 

Während das Löwenbild ''' häufig dazu benutzt wird, um die Feindschaft 
JHWHs gegenüber seinem Volk zu beschreiben, dient es nur selten dazu, 
die Gegnerschaft JHWHs gegenüber einzelnen zu umschreiben. Das Bild 
des Löwen, der als "König der Tiere" in besonderer Weise die dem Men- 
schen feindliche Gegenwelt repräsentiert und als solcher ja auch gejagt und 
bekämpft wurde, zeigt an, daß Hiob hilflos einer Übermacht ausgeliefert 
ist, die ihn verfolgt und nicht von ihm abläßt''^ gg steht dabei in völligem 
Einklang mit dem Vorwurf an Gott, dieser handele willkürlich und unge- 
recht. Hiob erfährt die Wirklichkeit Gottes in neuer, bisher nicht gekannter 
Weise: unberechenbar, furchtbar, hart, aggressiv und zornerfüllt, so daß 



^8 Vgl. zu dieser Deutung Hermisson, Notizen, 29 1 ; Fuchs, Mythos, 284. 

^^ Vgl. dazu Fuchs, Mythos, 74. 

~''^ Zur Übersetzung und Deutung vgl. Delitzsch, BC IV/2, 140; A. Dillmann, Hiob (KEH 
2), Leipzig "1891, 92; Riede, Im Netz, 187f; König, Hiob, 127; Horst. BK.AT XVI/1, 
158; anders Fuchs, Mythos, 212; Fohrer, KAT XVL 200. 

^' Zur Bedeutung des Löwen im Alten Testament und in seiner Umwelt vgl. Riede, Im 
Netz, 150ff; Keel, Jahwes Entgegnung, 62ff.80ff Zur Löwenmetaphorik im Alten Te- 
stament vgl. GJ. Botterweck, Art. nX, ThWAT I (1973) 404-418, 412ff; ders., Gott 
und Mensch in den alttestamentlichen Löwenbildem, in: / Schreiner (Hg.), Wort, 
Lied und Gottesspruch. Beiträge zu Psalmen und Propheten. FS / Ziegler (fzb 2), 
Würzburg 1972, 1 17-128; K. Koenen, "Süßes geht vom Starken aus" (Ri 14,14). Ver- 
gleiche zwischen Gott und Tier im Alten Testament, EvTh 55 (1995) 174-197, 187ff; 
zu Löwenvergleichen im Zusammenhang der Gottesmetaphorik vgl. Botterweck, "'"IN, 
412^14; ders., Gott und Mensch, 120ff; Koenen ebd. 188ff; zu den auf Gott bezoge- 
nen Löwenbildem im Hiobbuch vgl. ausführlich Riede, Im Netz, 1 87ff 

^2 Vgl. Fwc/i5, Mythos, 86.97.212. 



"Ich bin ein Bruder der Schakale " 131 

man geradezu von einer "Dämonisierung des Gottesbildes"^^ sprechen 

kann. 

"Hiob kann also machen, was er will: Er kann sich etwas zuschulden 

kommen lassen, oder er kann in Schuldlosigkeit verharren - Gott geht mit 

angreiferischer Vemichtungsgewalt gegen ihn an"^"* und bleibt sein Feind, 

der wütend wie ein Löwe, mit knirschenden Zähnen und funkelnden Augen 

seine Beute fest in den Blick nimmt. 



III. Zusammenfassung 

Fragt man abschließend nach der Funktion der Tiermetaphorik im Rahmen 
der Klagen Hiobs, so lassen sich folgende Beobachtungen festhalten: 
Innerhalb der Gottklage verschärfen die Tierbilder die Anklage Gottes, in- 
dem sie darauf verweisen, daß Gott Hiob wie ein raublustiger Löwe ver- 
folgt (Hi 10,16; 16,9) und gegen ihn wie gegen die mythischen Chaosun- 
geheuer vorgeht. Zugleich macht das Löwenbild sichtbar, welch brutale 
Gewalt der richtende Gott gegenüber Hiob gebraucht''^. Hiob wird dem- 
nach von Gott als ein Bestandteil der gegenmenschlichen Welt angesehen 
(vgl. die Gleichsetzung Hiobs mit ]''|iri: Hi 7,12), zugleich aber mit der 
Aggression des mächtigsten Vertreters dieser Gegenwelt (vgl. die auf Gott 
bezogenen Löwenbilder) verfolgt und bekämpft. 

Innerhalb der Ichklage unterstreichen die Tiermetaphem die Isolation und 
Vereinsamung Hiobs, der von seiner Umgebung ausgestoßen leben muß 
und sich dem Tod nahe fühlt'^^. Die hier genannten Tiere repräsentieren 
unterschiedliche Bereiche der gegenmenschlichen Welt und zugleich ver- 
schiedene Aspekte des Tot-Seins. Wo von Schakalen, Straußen und Wild- 
eseln die Rede ist (vgl. Hi 6,5; 24,5; 30,29), kommt die unbewohnte Steppe 
als Ort von Gefahren und dämonischen Kräften in den Blick. Im Rahmen 



^^ G. von Rad, Theologie des Alten Testaments, Bd. I: Die Theologie der geschichtlichen 
Überlieferungen Israels, München M982, 426; vgl. dazu auch Horst, BK.AT XVI/1, 
263; H. Volz, Das Dämonische in Jahwe (SGV 110), Tübingen 1924, 1U;H. Spiecker- 
mann. Die Satanisierung Gottes. Zur inneren Konkordanz von Novelle, Dialog und 
Gottesreden im Hiobbuch, in: "Wer ist wie du, Herr, unter den Göttern?". Studien zur 
Theologie und Religionsgeschichte Israels für O. Kaiser zum 70. Geb., Göttingen 
1994, 431-^44, 438f 

'^^ Hesse, ZBK.AT 14, 86. 

^^ Vgl. Westermann, Vergleiche, 99; Koenen, "Süßes geht vom Starken aus", 196; 

^^ Vgl. dazu Westermann, Vergleiche, 99f 



132 "Ich bin ein Bruder der Schakale" 

der horizontalen Raumvorstellung des Alten Orients war sie ein Bereich 
der Antiordnung, der von den Menschen gemieden wurde'^'^. 
Wenn nun Hiob mit den typischen Steppentieren in Verbindung gebracht 
wird, ist eher der "soziale Tod" im Blick, der "mit dem Nachlassen der 
körperlichen Kraft, aber auch mit Ächtung, Armut"'^^ und weiteren Be- 
gleiterscheinungen verbunden sein kann. 

Würmer und Maden dagegen sind Exponenten der Unterwelt. Wo Hiob 
sich mit diesen Tieren vergleicht (vgl. Hi 7,5; 17,14), charakterisiert er 
sein Sterben "als unumkehrbar oder perfektiv"^^ und damit als unwider- 
ruflich. 

Hiob "hat seine Existenz ... als die Existenz von Wildeseln erfahren"^'^ 
(6,5), als die von wimmernden Straußen und heulenden Schakalen (Hi 
30,29). Weithin kann man sein Schreien hören, das an die unheimlichen, 
Schrecken erregenden Laute dieser Steppen- und Ruinenbewohner erin- 
nert. Verlassen, ja verfolgt von Gott, ausgestoßen aus der Welt der Men- 
schen ist er zum Teil einer Gegenwelt geworden, die von den genannten 
Tieren bevölkert und repräsentiert, von seinen Mitmenschen aber ängstlich 
gemieden wird. In seiner Not und Isolation werden ihm Würmer und 
Wildtiere zu den engsten Verwandten und Freunden, so daß er klagend zur 
Selbsterkenntnis kommt: "Ich bin ein Bruder der Schakale". 



Vgl. Keel, Jahwes Entgegnung, 67 Anm. 232. Pongratz-Leisten, Ina sulmi Trüb. 18f, 
verweist darauf, daß der Steppe als Ort der Dämonen zugleich "eine Durchlässigkeit in 
den unteren Bereich der Erde, der Unterwelt, eigen [ist], da die Dämonen die einzigen 
Wesen sind, die sich zwischen den Bereichen bewegen können" (ebd. 19); vgl. femer 
Berlejung, Theologie, 28f 

'^ Grimm, "Dies Leben ist der Tod.", 226. 

79 Ebd. 

^*^ ATee/, Jahwes Entgegnung, 125. 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen" (Hi 8,14) 

Tiere in der Bildsprache der Hiobdialoge 
Teil II: Der Frevler und sein Geschick 



Die Tierbilder und -vergleiche der Hiobdialoge sind bislang kaum untersucht. 
Nachdem in einem ersten Schritt vor allem die Belege in den Ich- und Gott- 
klagen Hiobs analysiert wurden', sollen im folgenden auch die für den Frevler 
und sein Geschick verwendeten Tiermetaphem näher betrachtet werden, die 
überwiegend in den Freundesreden vorkommen-^. Als Vergleichsspender 
kommen hier Löwen (Hi 4,10f), die Spinne (Hi 8,14), Schlangen (Kobra, Vi- 
per: Hi 20,14.16), das Vieh bzw. Herdentiere (Hi 21,11) und die Motte (Hi 
27,18) vor. Der Frevler erscheint femer als gejagtes Tier (Hi 18,7-10). 
Die Bilder beschreiben einerseits die brüchige Existenz und schließlich den 
Untergang des Frevlers, andererseits aber auch sein sorgloses Leben. Wäh- 
rend sich die erste Sichtweise vor allem in den Reden der Freunde findet, 
ist die zweite vor allem in Hiobs Entgegnung an seine Freunde belegt. Da- 
mit aber stehen die Bilder in Einklang mit dem "theologischen Programm" 
der Dialoge, in dem u.a. "die Hoffnung der Frommen gegenüber dem siche- 
ren Untergang des Frevlers"^ thematisiert wird. Diese Hoffnung aber grün- 
det in dem dem weisheitlichen Denken zugrundeliegenden Tun-Ergehen- 
Zusammenhang"*. Sowohl die Freunde als auch Hiob bewegen sich in die- 
sem Denkmodell. Während jedoch die Freunde es auf die Situation Hiobs 
anwenden und somit die These vertreten, daß niemand ohne Schuld um- 
kommt, versucht Hiob selbst in Hi 21 den Gegenbeweis anzutreten und 
führt hierfür Gegenbeispiele auf^. 

Bevor nun auf die einzelnen, für den Frevler gebrauchten Tiermetaphem 
eingegangen wird, soll deren Verteilung auf die einzelnen Redegänge in 
folgender Übersicht dargestellt werden: 



Vgl. dazu P. Riede, "Ich bin ein Bruder der Schakale" (Hi 30,29). Tiere als Exponenten 
der gegenmenschlichen Welt in der Bildsprache der Hiobdialoge, = oben S. 120-132. 

Vgl. C. Westermann, Vergleiche und Gleichnisse im Alten und Neuen Testament 
(CThM 14), Stuttgart 1984, lOOf. 

H.-J. Hermisson, Notizen zu Hiob, in: ders., Studien zu Prophetie und Weisheit. Ge- 
sammelte Aufsätze, hg. von J. Barthel, H. Jauss und K. Koenen (FAT 23), Tübingen 
1998, 286-299, 287, vgl. C. Westermann, Der Aufbau des Buches Hiob (BHTh 23), 
Tübingen 1956, 66. 

Vgl. dazu Hermisson, Notizen, 293-295. 

Vgl. G. Fuchs, Mythos und Hiobdichtung. Annahme und Umdeutung altorientalischer 
Vorstellungen, Stuttgart 1993, 95, vgl. Westermann, Aufbau, 72ff. 



134 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen" 



Sprecher 


1 . Redegang 
(Hi 4-14) 


2. Redegang 
(Hi 15-21) 


3. Redegang 
(Hi 22-28) 


Eliphas 


4-5: Löwe 


15 


22 


Hiob 


6-7 


16-17 


23-24 


Bildad 


8: Spinnenhaus 


18: (Jagdbilder) 


25 


Hiob 


9-10 


19 


26-27: Mottenhaus 


Zophar 


11 


20: Schlange(ngift) 


- 


Hiob 


12-14 


21 





Im folgenden sollen die in diesem Schema aufgelisteten Tierbilder in der 
Reihenfolge ihres Vorkommens in den drei Redegängen analysiert werden. 



I. Die These des Eliphas: Der Frevler kommt um wie ein Löwe (Hi 4,10f) 

Bereits die erste Rede des Eliphas beschreibt den drohenden Untergang der 
Frevler im Rahmen einer Warnung: 

7 Bedenke doch: Wer kam je schuldlos um ("I3N), 
und wo wurden Aufrichtige vertilgt (TPID)? 

8 Soviel ich sah: Die Böses pflügen 
und Unheil aussähen, die ernten es. 

9 Durch Gottes Atem kommen sie um (T3K) 

und durch den Hauch seines Zorns vergehen sie (H^D). 

10 Das Brüllen des Löwen und die Stimme des Leuen 
und die Zähne der Junglöwen verschwinden (Jjnj)*. 

11 Der Löwe^ kommt um (T3t<) ohne Raub, 

und die Jungen der Löwin werden zerstreut (TIS). (Hi 4,7-1 1) 

Nach einer eingehenden rhetorischen Frage (V. 7), die Hiob das Geschick 
der Schuldlosen vor Augen führt, geht der Blick auf das Ergehen der 
Schuldigen. Um dieses zu bekräftigen, rekurriert Eliphas auf seine Erfah- 
rung^ und wählt zur Untermauerung dieser Erfahrung die Form eines 
Sprichworts, das mit Säen und Ernten immer wiederkehrende Vorgänge aus 
der Natur beschreibt und somit auf ein "selbst wirksames organisches Ord- 
nungsgefüge"^ Bezug nimmt: Die Frevler ernten, was sie gesät haben (V. 



SJri] nif ist Hapax legomenon. 

LXX erwähnt an dieser Stelle den Ameisenlöwen, dessen Larve in einem selbst gegra- 
benen Trichter lauert, bis Ameisen oder andere Insekten in diesen hinein rutschen. 
Dann packt das Tier diese mit seinen großen Saugzangen, beißt sie und spritzt ihnen 
dabei ein lähmendes Gift ein, um ihnen schließlich den Lebenssaft auszusaugen. Zum 
Ameisenlöwen vgl. H. Wundt, Netzflügler, in: B. Grzimek (Hg.), Grzimeks Tierleben. 
Enzyklopädie des Tierreichs Bd. II: Insekten, München 1993, 289-299, 295. 

Vgl. dazu Fuchs, Mythos, 97. 

F. Horst, Hiob. 1. Teilband: Kapitel 1-19 (BK XVI/1), Neukirchen-Vluyn "1983, 69. 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 135 

8). Dieses Ordnungsgefüge aber ist, wie V. 9 betont, durch Gott selbst ge- 
währleistet, denn die Frevler werden durch seinen Zorn getroffen. Daran 
schließt sich in V. lOf ein zweites Bild an, das die Frevler mit Löwen 
gleichsetzt' °. Dieser Vergleich des Frevlers mit Löwen ist in der Psalmen- 
sprache" und darüber hinaus häufig belegt. 

So findet sich z. B. in der Babylonischen Theodizee an zwei Stellen die Zusammenstellung 
von Wildesel, Löwe und skrupellosen Neureichen'^: 

Der Wildesel, der Onager, der sich sättigte, 

Richtete der seine Aufmerksamkeit auf die [Durch] fiihrung des Plans von Göttern? 

Der grimmige Löwe, der stets das Beste vom Fleisch fraß: 

Hat er, [um den] Zorn der Göttin lösen zu lassen, Opfermehl dargebracht? 

Hat [für die Fami]lie der Neureiche, dem Fülle (noch) dazu gegeben wurde, 

[kost]bares Gold dargewogen der Mami? ... 

Den vollkommenen Onager schau an auf [der Steppe], 

der die Fluren zerwühlt; den Renner verstümmelt der Pfeil. 

Den Feind des Viehs, den Löwen, den du erwähntest, sieh gefälligst genau an! 

(Für) den Frevel, den der Löwe beging, ist ihm die Fallgrube geöffnet! 

Der mit Reichtum beschenkte Neureiche, für den der Besitz aufgehäuft ist: 

Mit Feuer verbrennt ihn der König an einem ihm nicht (vorher)bestinimten Tage! 

Den Weg, den diese gingen, begehrtest du zu gehen? 

Den guten Lohn des Gottes, der bleibt, suche immer wieder! 

Alle drei genannten Größen (Wildesel, Löwe, Frevler) werden zueinander in Parallele ge- 
setzt: Der Wildesel, insofem er die Fluren zerwühh; der Löwe als Feind des Kleinviehs, und 
der skrupellose Profiteur als "Feind einer heilvollen, menschlichen Ordnung"'^. Ihnen allen 
droht das Gericht in Gestalt von Jägern, die dem Wildesel mit Pfeilen und dem Löwen mit 
Fallgruben nachstellen und so die Kräfte der gegenmenschlichen Welt zu bezwingen suchen, 
bzw. in Gestalt des Königs, der als Sachwalter des Rechts den Frevler in die Schranken 
weist. 



'° Vgl. dazu F. Hesse, Hiob (ZBK.AT 14), Zürich ^1992, 53. 



11 



12 



13 



Vgl. dazu Ps 7,3; 10,9; 17,12; 22,14.22; 35,16f; 57,5; 58,7 und P. Riede, Im Netz des 
Jägers. Studien zur Feindmetaphorik der Individualpsalmen (WMANT 85), Neukir- 
chen- Vluyn 2000, 162ff. All die genannten Stellen finden sich im Rahmen der Feind- 
klage, die in den Reden Hiobs deutlich zurück tritt (vgl. dazu Westermann, Vergleiche, 
100). Anders dagegen H. Torczyner, Das Buch Hiob. Eine kritische Analyse des Hi- 
obtextes, Wien 1920, 10, der V. 10-12 flir ein "an unserer Stelle fremdes Stück" hält, 
da eine allegorische Redeweise, in der die Löwen für Frevler stehen, "dem Buch Hiob 
sonst fremd" sei. Vgl. auch M. Köhlmoos, Das Auge Gottes. Textstrategie im Hiob- 
buch (FAT 25), Tübingen 1999, 193, die ebenfalls keinen Bezug der Löwenbilder in 
Hi 4,10f zu den Tierbildem der Klagelieder des einzelnen erkennen kann. 

Vgl. dazu TUAT III/l (1990) 143-157, 149f (Übersetzung: W. v. Soden) und zur 
Deutung R. Albertz, Der sozialgeschichtliche Hintergrund des Hiobbuches und der 
"Babylonischen Theodizee", in: / Jeremias / L. Perlitt (Hg.), Die Botschaft und die 
Boten. FS H. W. Wolff zum 70. Geb., Neukirchen- Vluyn 1981, 349-372. 

O. Keel, Jahwes Entgegnung an Ijob. Eine Deutung von Ijob 38-41 vor dem Hinter- 
grund der zeitgenössischen Bildkunst (FRLANT 121), Göttingen 1978, 66. 



136 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 

Auffällig aber ist nun, daß die Bilder in Hi 4 den Fall, auf den sie sich be- 
ziehen, nicht aufzeigen, so daß es dem Leser überlassen bleibt, den richti- 
gen Vergleichspunkt zu finden^'*. Sowohl bei Frevlem wie bei den Löwen 
aber handelt es sich um mächtige, gefährliche Gegner. 
Was das Löwenbild in Hi 4 betrifft, so fällt femer auf, daß es fünf ver- 
schiedene Worte für den Löwen verwendet^ ^, wobei es im vorliegenden 
Kontext nicht um deren Bedeutungsunterschiede geht. Durch die Vielzahl 
der benutzten Ausdrücke - "ein Zeichen des Sprachvermögens des Dich- 
ters"'^ - soll vermutlich die Bedrohung, die von den Löwen ausgeht, noch 
gesteigert werden. Die Steigemng zeigt sich auch darin, daß sowohl die 
angstmachenden Lautäußerungen des Löwen (sein Brüllen bzw. seine 
Stimme) als auch die gefährlichen Zähne eigens genannt werden. 
Anders als in den Feindpsalmen, die die übermächtige Aggressivität der 
Löwen betonen, findet sich in Hi 4 jedoch eine Verschiebung der Grund- 
aussage, wie das in V. 11 und V. 9 (vgl. ebenso V. 7) vorkommende Verb 
TDJ< zeigt, das in V. 9 durch T^b'D, in V. 10 durch I?n3 und in V. 11 durch 
1"ID weitergeführt wird (vgl. auch "IHD in V. 7). Sowohl V. 9 als auch die 
folgenden Verse 10 und 11 zielen also auf ein Vemichtungsgeschehen, das 
die Frevler bzw. die Löwen erfaßt. Die Zähne der Löwen aber sind ihre ge- 
fährlichste Waffe. Mit ihnen zerreißen sie ihr Opfer, nachdem sie es durch 
einen Nackenbiß getötet haben. Hat der Löwe aber seine Zähne eingebüßt, 
dann kann er keine Beute mehr erlegen und wird über kurz oder lang ver- 
hungern. Sein lautes Brüllen nützt ihm dann nichts mehr. V. 1 1 betont die 
sich aus V. 10 ergebende Konsequenz: "Die furchtbaren und mächtigen 
Tiere verschwinden aus einer Gegend, wenn die Alten keine Beute mehr 
finden und umkommen, und die Jungen sich anderswohin zerstreuen"'^. 
Wendet man diese Lehre, die aus der Natur gewonnen wird und die einmal 
mehr die durchgängig zu belegende intensive Naturbeobachtung im alten 
Israel beweist, auf das Geschick des Frevlers an, dann ergibt sich mit Not- 
wendigkeit, was schon V. 9 in nicht-metaphorischer Rede betonte hatte: 
"der strafende Zom Gottes vermag die mächtig erscheinenden Frevler 
ebenso sicher auszutilgen, wie es möglich ist, daß die gleichfalls mächtig 



Das Bild wird ohne Verbindung neben die Feststellung in V. 8f gestellt. Das aber zeigt 
an, daß die Koppelung "des Bildes mit dem Satz vom Vemichtet-Werden der Frevler 
durch die Tradition vorgegeben war" {Westermann, Aufbau, 70f). Zur sozialen Veror- 
tung des Frevlers im Hiobbuch vgl. Albertz, Hintergrund, 362-364. 

Zu den verschiedenen Löwenbezeichnungen vgl. P. Riede, "Denn wie der Mensch je- 
des Tier nennen würde, so sollte es heißen". Hebräische Tiemamen und was sie uns 
verraten, UF 25 (1993) 331-378, 354f = unten S. 165-212, 195f. 

'^ F. Gradl. Das Buch Ijob (NSKAT 1 2), Stuttgart 2001 , 83. 

''^ G. Fohrer, Das Buch Hiob (KAT XVI), Gütersloh ^1989, 139. 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen" 137 

erscheinenden Löwen umkommen"'^. Gewalt und Bösartigkeit führen 
demnach zu nichts, sondern sind immer zum Scheitern verurteilt. 
Das Löwengleichnis erfüllt somit zwei Funktionen: Es "charakterisiert den 
Frevler und sein Geschick", und es ist gleichzeitig der "abschließende 'Be- 
weis' für die vorhergehenden Aussagen über den Frevler" ^^. 

Der Text ist zugleich ein schönes Beispiel für die immer wieder zu beobachtende Vernet- 
zung der Freundesreden mit den Reden Hiobs durch assoziative Anspielungen. In Hi 4,10f 
wird nämlich das Löwengebrüll mit dem Wort I'AID umschrieben, "das im Hiobbuch nur hier 
und kurz zuvor in Hiobs Klage vorkommt"^*^ (vgl. Hi 3,24), dort aber zur Bezeichnung des 
Klagegeschreis Hiobs verwendet wird. Diese Anspielung deutet aber vermutlich "eine Ge- 
fahr an, in die sich Hiob mit seinem Klagegeschrei begeben könnte, oder eine gefährliche 
Nachbarschaft, in die er damit gerät"^'. Darüber hinaus könnte auch eine Verbindung zu den 
Gottesreden bestehen: In Hi 38,39f wird nämlich betont, daß Gott die Löwen mit Raub 
C^]")!?) versorgt, auch wenn diese auf Beute lauem (vgl. ebenso Ps 104,21). Und gerade 
darin zeigt sich das "Paradoxe der Weltordnung"^^, wenn Gott sogar das mächtigste Tier mit 
Nahrung versorgen muß. Was Hi 38,39f positiv formuliert, drückt Hi 4,I0f negativ aus: 
"Auch Löwen können nicht existieren, wenn Gott ihnen die Lebensmöglichkeit entzieht"^^. 
Sowohl in Hi 38,39 als auch in Hi 4, lOf erscheinen die beiden Löwentermini t<''57 "^"^ 

Das Stichwort ^"lU taucht femer an exponierter Stelle innerhalb der Hiobklagen auf In Hi 
29,17 nimmt Hiob auf seine gesegnete Vergangenheit Bezug und betont: 

Ich zerbrach die Kinnbacke des Übeltäters 
und aus seinen Zähnen riß ich Raub (']"1ö)- 

Auch hier erscheint der Übeltäter im Bild des beutehungrigen Löwen, der sich durch Reißen 
Nahrung verschafft, nur daß sich Hiob selbst gegen diesen stellt und sich zum Anwalt der 
Armen und Schwachen macht^^. "Zwischen Gottes und Ijobs Rede gibt es ein Umkehrver- 
hältnis in der Betrachtung von ^10: Während Ijob in seinen guten Zeiten den im 
metaphorischen Sinn Raubtieren die Beute entriß, sorgt Gott dafür, daß die Löwen Beute 
bekommen"^^. 



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//o/-5/,BKXVI/l,71. 

Hermisson, Notizen, 290. 

Hermisson, Notizen, 291. Zu 3KE? als Ausdruck für das Löwengebrüll vgl. A. Graup- 
ner, Art. im, ThWAT VII (1993) 895-898. 

Hermisson, Notizen, 291. 

Fo/!rer,KATXVI,511. 

//eMe,ZBK.AT14, 55. 

Vgl. dazu auch P. Ritter-Müller, Kennst du die Welt? - Gottes Antwort an Ijob. Eine 
sprachwissenschaftliche und exegetische Studie zur ersten Gottesrede Ijob 38 und 39 
(ATM 5), Münster 2000, 210f 

Vgl. dazu S. Wagner, Art. ^10, ThWAT III (1982) 375-383, 381. 
^^ Ritter-Müller, Gottes Antwort, 21 1. Zu brW in Hi 4,10f und Hi 10,16 vgl. ebd. 210. 



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138 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen" 

II. Die These des Bildad: Das Vertrauen des Frevlers ist ein Spinnenhaus 

(Hi 8,14) 

Daß der Frevler nicht dauerhaft bleiben wird, unterstreicht auch ein zweites 
Bildwort in Hi 8,14-19, diesmal in einer Rede des Bildad. Bildad betont 
wie Eliphas, daß der Gerechte Bestand haben wird, wobei er anders als Eli- 
phas nicht auf die menschliche Erfahrung rekurriert, sondern die Menschen 
typisierend in Fromme und Frevler einteilt^''. Hierbei bezieht er sich aber 
auf das Wissen vergangener Generationen und somit auf die Tradition (V. 8, 
vgl. ähnhch Hi 20,4). 
Das Geschick der Frevler beschreiben die Verse 13-15 folgendermaßen: 

1 3 So sind die Wege aller, die Gott vergessen 
und die Hoffnung der Gottesverächter vergeht. 

14 Sommerfäden^* sind seine Zuversicht (l'pp?), 
und ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen (ina^P)^'. 

1 5 Mag er sich auf sein Haus stützen, so hält es doch nicht stand, 
mag er sich an ihm festhalten, so bleibt es doch nicht stehen. 

705^° und nU5D werden hier ebenso wie in Hi 31,24 negativ gebraucht. 
Beide Nomen stehen für "ein Verhalten des Sich-sicher-Wähnens, das je- 
doch enttäuscht wird, da der Grund der Sicherheit sich als zweifelhaft er- 
weist"^ ^ Wer nämlich "seinen unerschütterlichen Halt in den zarten Ge- 
spinsten des Spätsommers sucht, wer sich in einem Spinngewebe sicher 
fühlt ...., darf sich über die Folgen nicht wundem"^^. Denn das Spinngewe- 
be, mag es auch noch so kunstvoll aussehen, ist ein schwaches Gebilde, das 
keinen Halt gewährt'^-'. 



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Vgl. Köhlmoos, Das Auge Gottes, 149f 

Die Wendung ülp; nE?K ist schwierig zu deuten. In der Regel wird der Text geändert 
und aip n,B;p bzw. a''p np gelesen, vgl. Jes 59,5 und Horst, BK XVI/1, 126; HAL 
411 s.v. aip;. Anders F. Delitzsch, Das Buch lob (BC IV/2), Leipzig 1876, 118, der 
aip; von aip bzw. von aap ableitet, das im Mittelhebräischen "schneiden" bedeutet; 
so auch A. Weiser, Das Buch Hiob (ATD 13), Göttingen ^1956, 65. Zum Problem vgl. 
femer L.L. Grabbe, Comparative Philology and the Text of Job. A Study in Methodo- 
logy (SBLDS 34), Missoula 1975, 58-60. 

LXX übersetzt frei: äoiKtixoc; yäp aütoö eatai ö oTkoc;, üpd^vri 5e aütoö ÖTto- 
ßriaetai r\ OKrivii. 

Zu bps vgl. J. Schüpphaus, Art. 'POD, ThWAT IV (1984) 277-283, 279. 

A. Jepsen, Art. na3, ThWAT I (1973) 608-615, 611. 

Fohrer, KAT XVI, 192f Zum Text vgl. auch Köhlmoos, Auge Gottes, 229f 

Vgl. Hesse, ZBK.AT 14, 76. Ein ähnliches Bild liegt in Hi 27,18 vor, nur daß dort vom 

Mottenhaus die Rede ist. In beiden Fällen hat der Vergleich die rasche Vergänglichkeit 

des Hauses vor Augen. Zu Hi 27,18 vgl. P. Riede, Spinnennetz oder Mottengespinst? 

Zur Auslegung von Hi 27, 18, BN 110 (2001) 76-85 = oben S. 107-119. 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 139 

Die Spinne kommt im Alten Testament nur noch einmal vor, und zwar in Jes 59,4-6^'', wo 
sie in einem Bildwort zusammen mit Schlangen genannt wird: 

4 Keiner ergreift das Wort mit Gerechtigkeit 
und keiner redet mit Treue; 

man vertraut (nU3) auf Nichtigkeit 

und redet Täuschung, geht schwanger mit Mühsal 

und gebiert Hilflosigkeit. 

5 Vipeme/er hecken sie aus und Spinnfäden (^■'?3y "'l^p) weben sie. 
Wer von ihren Eiern ißt, stirbt, 

zerdrückt man's, kriecht eine Sandviper heraus. 

6 Ihr Gewebe (□n"'11p) taugt nicht zum Kleid, 
man kann sich mit ihrem Gewirk nicht bedecken. 
Ihre Taten sind Unheilstaten, 

Gewalttat ist in ihren Händen. 

Die allgemeinen "Charakterzüge des dermaligen Gesellschaftslebens"^^ unterstreichen den 
Sittenverfall und die Ausbreitung von Frevel und Ungerechtigkeit. Das Reden und Tun ist 
verdorben, ja es hat die Angesprochenen bereits so erfaßt, daß sie es dauerhaft in sich tragen 
und schließlich zu Tage bringen. Was hier im Bild von Schwangerschaft und Geburt tref- 
fend umschrieben wird (vgl. ähnlich Hi 15,35; Ps 7,15), wird durch den Hinweis auf die Eier 
der Viper und die Spinnfäden weitergeführt. Beide Bilder stellen die Verderblichkeit des 
frevlerischen Treibens und dessen Nichtigkeit heraus: Schlangen bauen Nester für ihre Gele- 
ge (vgl. auch Jes 34,15). Wer von den Eiern ißt, ist des Todes. Das gleiche Schicksal edeidet 
der, der ein Ei zerdrückt, weil die daraus schlüpfende Schlange ihn tötet. "JiySlJ meint 
vermutlich die Vipera Xanthina, die größte und gefährlichste Schlangenart in Palästina^^. 
nj?SN dagegen bezeichnet vermutlich die Sandviper^^. 

Während V. 5b das Schlangenbild näher entfaltet, führt V. 6 das zweite Bild näher aus, das 
Weben von Spinnfäden: Was die Frevler hervorbringen (vgl. das Bild des Webens), "dient 
keinem Menschen zur Bedeckung"^^ d.h. es ist nur scheinbar nützlich, in Wirklichkeit aber 
sind es ]l.}<"nE*j;0, heillose Werke, Handlungen, die die Rechte und den Besitz des anderen 
schmälern', aber ihm keine Lebensmöglichkeiten schaffen. Der Text steht in sachlicher Nähe 
zu den Freundesreden des Hiobbuches, die ja auch das vergebliche Tun der Frevler entfal- 
ten: Das in den Versen 5f bildlich dargestellte Verhalten der Frevler ist gleichbedeutend mit 
dem Vertrauen auf Nichtiges. 

Das Spinngewebe heißt auch im Arabischen "Spinnenhaus" und wird dort sprichwörtlich für 
alles Schwache gebraucht, vgl. Koran, Sure 29,40: "Die, welche außer Gott noch einen Be- 
schützer annehmen, sind der Spinne gleich, die sich selbst ein Haus erbaut; aber das Haus 
der Spinne ist das Schwächste von allen Häusern". 



^"^ Vgl. J.P. van der Westhuizen, Some Notes on the Term W^'2'2]!, in: De fructu oris sui. 

Essays in Honour of ^. van Seims, ed. by LH. Eybers u.a. (POS IX), Leiden 1971, 

214-221,214. 
^^ Fz. Delitzsch, Biblischer Commentar über den Prophet Jesaja (BC III/l), Leipzig 1 866, 

567. 

Fabry, tril], 989. 

Vgl. dazu unten S. 143. 
3^ F. De///z5c/i,BCIII/l,568. 



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140 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen" 

Der Name des Spinngewebes t!;"'53i; D"'? (Hi 8,14) evoziert den Hinweis 
auf das "echte" Haus^^ des Gottlosen als Symbol seines Glücks (V. 15), 
wobei "Haus" sowohl den Bau an sich als auch die Familie umfaßt'*^. Das, 
worauf der Frevler sein Vertrauen setzt, das, was ihm Sicherheit verleiht, 
ist wie ein Spinnennetz. Es hält keinen Belastungen stand und "zerreißt, so- 
bald man sich daran klammert"'*'. Auf dieses Haus aber setzt er sein Ver- 
trauen, er stützt sich daran (]l?t:^), er hält sich daran fest (pTPI), aber es hat 
keinen Bestand (HOi;! \fh II U^p^^ \<h), weil es aus leicht brüchigem Ma- 
terial angefertigt ist'*^. 

Schon V. 13 brachte die Anwendung des Bildes auf die, die Gott vergessen 
und sich ihm entfremden C^],!!)^^. Dadurch aber haben sie "sich von der 
heilvollen Macht getrennt, die Leben und Gedeihen wahrhaft fördert"'*'*. Ir- 
dische Gegebenheiten, und seien sie - wie die Familie - im normalen Le- 
ben noch so tragfähig, können diese Basis nicht ersetzen. 



IIL Die zweite These des Bildad: Der Frevler wird gefangen wie ein gejag- 
tes Tier (Hi 18,7-10) 

Während der Schwerpunkt in Hi 8 nicht auf der Schilderung des Unter- 
gangs des ^]n liegt, sondern auf der Brüchtigkeit seiner Existenz - er baut 
auf Dinge, die keinen Bestand haben -, wird in der zweiten Rede des Bild- 
ad wiederum das tödliche Schicksal des Frevlers umschrieben, nun aber mit 
einem Bild, das nur indirekt dem Bereich der Tierwelt entstammt. Der 
Frevler wird anders als in Hi 4,10f nicht als mächtiges Tier gezeichnet, 
sondern als gejagtes, das sich in den für es aufgestellten Fallen verfängt: 

7 Gehemmt sind seine kräftigen Schritte, 
und es bringt ihn sein Plan zu Fall. 

8 Denn er gerät ins Fangnetz mit seinen Füßen, 



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Horst, BK XVI/I, 126.133 hält H''? in V. 15 für einen Zusatz; G. Hölscher, Das Buch 
Hiob (HAT 17), Tübingen 1937, 24 und K. Budde, Das Buch Hiob (HK II/l), Göttin- 
gen 1896, 38 halten den ganzen V. 15 für eine Glosse zu V. 14b. Was dort an negati- 
ven Anklängen enthalten ist, wird in V. 15 verstärkt. Die Negativverstärkung aber 
könnte in Widerspruch stehen zu den folgenden Versen 16f, in denen der Frevler sein 
Tun eher von einer positiven Warte aus beurteilt. 

Vgl. dazu Riede, Spinnennetz, 80 = oben S. 112. 

Fohrer,KAlXVl, 193. 

Vgl. ähnlich Hi 18,14. 

Zu njn vgl. Hi 13,16; 15,34; 17,8; 20,5; 27,8; 34,30; 36,13 und K. Seybold, Art. n]n, 
ThWAT III (1982) 41^8, bes. 44f. In Spr 10,27 findet sich ^lU in Parallele zu ]3^K 
Horst, BK XVI/1, 132. Insofern steht Hi 8,14 in Gegensatz zu Hi 4,6. 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 141 

und über Flechtwerk wandelt er. 

9 Es faßt die Ferse das Klappnetz, 

es schließt sich um ihn die Schlinge'*^. 

1 Versteckt am Boden ist sein Fangstrick 
seine Schlinge'*^ auf dem Pfad. (Hi 18,7-10) 

Auch in dieser Schilderung wird betont, daß das Glück des Frevlers zeitlich 
begrenzt ist. "Der Topos 'Netze und Fallen' gehört fest zum Repertoire des 
Frevlers: Allerdings sind es in den Psalmen fast immer die Bösen, die die 
Netze legen, während in V. 8-10 der Gottlose selbst in den Fallen gefangen 
wird'"*^. So sind es also seine eigenen Pläne und Ränke, die ihm zum Ver- 
derben werden (vgl. bes. V. 10). Das Motiv wird mit Hilfe von sechs Aus- 
drücken (n^-),, T]D2^!, HD, D''«:^, '^30, niabD) entfaltet'*^ erstreckt 
sich über drei Verse und ähnelt in der Dichte der Schilderung dem Lö- 
wengleichnis in Hi 4,10f. 

r\ü~), ist ein Netz für die Jagd auf Vögel, Klein- und Großwild (Ez 19,8; 32,3; Hos 7,12; Spr 
1,17)). Es wird auf der Erde ausgespannt (ÜID) und zugezogen, sobald sich ein Tier darin 
verfangen hat. T}02ü dagegen steht für ein weitmaschiges Flechtwerk aus Baumästen, das 
wahrscheinlich ebenfalls beim Vogelfang eingesetzt wurde. PtS wiederum bezeichnet ein 
Klappnetz für die Vogeljagd, das aus zwei gebogenen Rahmen, die jeweils mit einem Netz 
versehen sind, bestand. Die beiden Hälften schössen in die Höhe und klappten zu, sobald 
sich ein Vogel auf das am Boden liegende Netz setzte (Ps 124,7; Am 3,5). Das Hapaxlego- 
menon D'^ti'S steht für eine Schlinge, in der ein Tier hängenbleibt (vgl. 2 Sam 18,9). 73n 
bezeichnet ein Seil, das mit einer Schlinge versehen war. Ging ein Tier darüber, zog der Jä- 
ger an dem Seil und das Tier verfing sich in der Schlinge (Ps 18,6; Spr 5,22). fTlbpO ist 
vermutlich ebenfalls eine Schlinge, die versteckt am Boden angebracht war. Dieses Wort für 
ein Fanggerät ist abgeleitet vom Verb T37 "fangen". 

Im Hintergrund dieser Bilder steht die weisheitliche Erfahrung, daß der, der 
andern eine Grube gräbt, selbst hinein fällt (Spr 28,10). Die Häufung dieser 
Bilder zeigt den Jäger als Gejagten, d.h. der Frevler ist von dem Unheil, das 
er in Gang gesetzt hat, selbst getroffen. Was immer er unternimmt, es hat 
keinen Erfolg. Sein Schicksal ist unausweichlich. Auch wenn die hier ver- 
wendeten Jagdbilder allgemein gültig sind, so zielen sie "vom bisherigen 
Kontext her konkret auf Ijob. Er soll sich betroffen fühlen, steht er doch 



45 



CDS ist Hapaxlegomenon. 
ni.37'? ist Hapaxlegomenon. 
'*'' Zum Legen von Fallen als Tun der Feinde vgl. u.a. Ps 9,16; 10,9; 25,15; 31,5; 35,7f; 
57,7; 64,6; 91,3; 140,6; 141,9; 142,4 und Fuchs, Mythos, 110. Daß der Frevler selbst 
sich in den Fallen verfängt, schildern u.a. Ps 9,16; 35,8; 57,7; 140,11; 141,10; vgl. 
auch die Übersicht bei Riede, Im Netz, 345. 

Zu den Fanggeräten und ihrer Verwendungsweise vgl. G. Dalman, AuS VI, Gütersloh 
1939, 320ff; Riede, Im Netz, 341-346; P. Mommer, Art. rwn., ThWAT VII (1993) 
690-692; D. Kellermann, Art. HS, ThWAT VI (1989) 547-552. 



142 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen" 

nach der Ansicht der Freunde dem Gehabe der Frevler verdächtig nahe'"*^. 
Daher dient "das Geschick des Frevlers ... nicht mehr als Gegenbild zu 
dem, das Hiob sich erhoffen darf, sondern ist zum Modell für Hiob selbst 
geworden"^*^, wie besonders V. 1 3 zeigt, wo direkt und unverstellt von Hi- 
ob und seiner Krankheit die Rede ist. 



IV. Die These des Zophar: Der Frevler stirbt durch die Zunge der Viper 

(Hi 20,14-16) 

Die zweite Rede des Zophar in Hi 20,12-16, die ebenso wie die zweite Re- 
de des Bildad das tödliche Schicksal des Frevlers entfaltet und somit als ein 
Seitenstück zu Hi 18 anzusehen ist, nimmt wiederum direkt auf Tierbilder 
Bezug. Doch werden nun nicht Löwen, sondern verschiedene Schlangen- 
arten als Bildspender eingeführt, wobei - wie in den Klagepsalmen des ein- 
zelnen^^ (KE) - der Hinweis auf deren Gift im Vordergrund steht. Anders 
aber als in den KE wird mit diesem Bild nicht die todbringende Gefährlich- 
keit des Frevlers, sondern dessen Untergang beschrieben. 
Auffällig ist, daß das Frevlermotiv in Hi 20 im Unterschied zu den anderen 
Freundesreden weniger geschlossen und einheitlich ist, sondern eine größe- 
re Zahl von Einzelaspekten zur Schilderung des Frevlers umfaßt^^. Der the- 
matische Schwerpunkt liegt auf seinem Besitz. Um die Lebensvollzüge des 
Frevlers zu beschreiben und zugleich auch seine Fruchtlosigkeit und sein 
Scheitern aufzuzeigen, wird hier ein Bild aus dem Bereich der Nahrungs- 
aufnahme^-' mit einem Hinweis auf das Gift der Schlangen kombiniert: 

12 Wenn süß schmeckt in seinem Mund das Böse, 
er es verbirgt unter seiner Zunge, 

13 er es aufspart und nicht herausläßt 
und es zurückhält in seinem Gaumen: 

14 Seine Speise verwandelt sich (doch) in seinem Innern, 
Gift von Kobras ist sie in seinem Leib^'', 

15 Vermögen verschlang er, aber er speit es aus, 
aus seinem Bauch treibt Gott es heraus. 

1 6 Das Gift von Kobras sog er ein, 
es tötet ihn die Zunge der Viper^^. 



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Gradl, Ijob, 180, vgl. ebenso Ebach, Streiten mit Gott I, 149. 

Ebach, Streiten mit Gott I, 146. 

Vgl. Ps 58,5; 140,4. 

Fmc/i.?, Mythos, 1 14. 

Vgl. dazu auch Hi 15,23.34; 18,12f und Köhlmoos, Auge Gottes, 23 If, die Hi 20,12ff 
allerdings nicht eingehend analysiert. Fuchs, Mythos, 1 1 8ff versucht einen Zusam- 
menhang zu Chaoskampfmotiven herzustellen. 

Der zweite Halbvers fehlt in LXX. 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 143 

Im Vordergrund dieser aus einem Bedingungssatz (V. 12f) und einem dar- 
aus resultierenden Hauptsatz (V. 14) bestehenden Beschreibung steht die 
alles verschlingende Gier des Frevlers, die ihm allerdings nicht zum Vorteil 
gereicht, sondern letztlich zu seinem Tod fuhrt^^. Das Böse, das der Frevler 
plant, schmeckt ihm, er behält es lange in seinem Mund, wie eine köstliche 
Speise, die er voll auskostet. Die Verse 12f schildern genau dieses langsa- 
me, genußvolle Verzehren der Speise^^. Doch diese Köstlichkeit verwan- 
delt^^ sich, wie der Nachsatz zeigt, plötzlich in seinem Innern ins Gegenteil 
und entfaltet eine Wirkung, die der von Schlangengift gleicht (V. 14). 
Schlangengift aber galt als eines der schlimmsten Gifte überhaupt. Man 
kannte keine Gegenmittel und war daher seiner tödlichen Wirkung hilflos 
ausgeliefert. 

Die im Text genannten Termini für Schlangen sind in ihrer Bedeutung umstritten. nj7Dl<^' 
könnte sich auf die Sandviper beziehen, die eine Verkörperung der gegenmenschlichen Welt 
darstellt (vgl. Jes 30,6) und die zweimal in Vergleichen mit Frevlem genannt wird (vgl. ne- 
ben Hi 20,16 noch Jes 59,5*°). ]nD dagegen ist möglicherweise die Bezeichnung für die bis 
zu 2 m lange Kobra / Uräusschlange, deren Gift man in der Gallenblase verortete (Hi 
20,14)*'. Diese Schlangenart wurde von Beschwörern benutzt (Ps 58,5) und galt als beson- 
ders gefährlich. Mehrfach wird auf ihr Gift angespielt (vgl. Dtn 32,33). 

Bemerkenswert ist, wie in V. 12-14 "das langsame, lustvolle Genießen und 
Essen des Süßen"^-^ ausgemalt wird, noch auffäUiger aber ist die Schilderung 
des Spuckens und Erbrechens (V. 15-18), das "in wenig geschmackvoller 
Weise"^^ bei Gott seinen Ausgangspunkt hat. Verschlucken und Ausspeien 
aber stehen in einem Kausalzusammenhang: Das zu Unrecht Verspeiste ver- 
wandelt sich in Gift, daher muß der Frevler es wieder ausspucken. 



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^^ Hölscher, HAT 17, 48, hält V. 16 für einen "Zusatz, der den Gedanken 14b wieder- 
holt". Hesse, ZBK.AT 14, 129 Anm. 138 plädiert für die Umstellung von V. 15 hinter 
V. 16, da so eine bessere Abfolge der Gedanken entstehe. 
Zur Stelle vgl. Köhlmoos, Auge Gottes, 232. 

^ '' Vgl. die Schilderung mit den Verben pPÜ, nns (vgl. Hi 4,7), bnn, 3TÖ n"?, ÜJO. 

^^ H. Strauß, Hieb. 2. Teilband: 19,1-42,17 (OK XVI/2), Neukirchen-Vluyn 2000, 30, 
deutet die beschriebenen Vorgänge auf ein Fluch- oder Probeordal, "bei dem zur Er- 
mittlung von Schuld (= Tod) eine giftige Substanz verborgen gereicht wird und man 
diese auch eine Zeitlang zurückhalten kann (V. 13), bis das Gift dann im Magen seine 
tödliche Wirkung entfaltet". Zu "[DH nif vgl. K. Seybold, Art. "[Sn, ThWAT II (1975) 
454-459. 

Vgl. dazu Fairv.tr^n], 388. 
Zur Stelle s. oben S. 143. 
Vgl. dazu Fairy.t^nj, 388. 
Fohrer, KAT XVI, 330. 
Hölscher, HAI 11,51). 



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63 



144 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen" 

Das Böse, das dem Frevler zunächst wie eine süße Köstlichkeit erschien, 
schadet ihm somit selbst, es fällt auf ihn zurück. Letztlich hat dem Frevler 
all sein schändliches Treiben nichts eingebracht. Obwohl er nimmersatt auf 
ungerechte Weise ein Vermögen "verschlungen hat" (y'^D), muß er es - 
von Gott erzwungen - wieder ausspeien. Denn Gott treibt es aus seinem 
Bauch heraus (V. 15). All sein Besitz^'^ ist somit nur ein scheinbares Glück. 
Stattdessen nimmt er Gift in sich auf 

Auffällig ist in diesem Zusammenhang, daß der Text mit einem Hinweis 
auf die Zunge des Frevlers beginnt: Unter ihr verbirgt er das Böse, wobei 
"Zunge" hier auch für das üble Reden des Frevlers stehen kann. Am Ende 
aber fällt er der Zunge anheim, der der Viper nämlich, die ihn tötet. Die 
Zunge der Schlange aber wurde offenbar als Trägerin des Giftes angesehen. 

V. Hiobs Gegenthese: Des Frevlers Kinder sind wie hüpfendes Kleinvieh 

(Hi21,10f) 

Das Geschick des Frevlers taucht noch einmal an exponierter Stelle außer- 
halb der Freundesreden auf, nämlich in einer Rede Hiobs in Hi 21^^, die 
sich mit den Argumenten der Freunde aus dem zweiten Redegang ausein- 
andersetzt. Die Freunde ließen dort immer wieder durchblicken, daß sie 
Hiob selbst für einen Frevler halten. Dadurch wurde für Hiob die Frage vi- 
rulent, ob sein Geschick wirklich von der Art ist, wie es dem Frevler zu- 
kommt. 

Vor allem die Verse 7-14 gehen auf das Geschick des Frevlers ein, der hier 
als wohlhabender Bauer geschildert wird: 

7 Warum bleiben die Frevler am Leben, werden alt, 
stark an Macht^*? 

8 Fest steht ihr Same vor ihnen da (mit ihnen^^), 
und ihre Schößlinge vor ihren Augen. 

9 Ihre Häuser (haben) Frieden ohne Schrecknis, 
und der Stab Gottes ist nicht über ihnen. 

1 Sein*^ Stier besamt''' und läßt sich nicht verabscheuen™. 



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^■'0 (V. 15) ist doppeldeutig: Es bezeichnet Reichtum und Besitz, aber auch Macht, 
Kraft, Vitalität (vgl. V. 11, wo von Jugend und Kraft die Rede ist), vgl. dazu Gradl, 
Ijob, 200. 

Zu Hi 21 vgl. ausführlich M. Witte, Vom Leiden zur Lehre. Der dritte Redegang (Hi 
21-27) und die Redaktionsgeschichte des Hiobbuches (BZAW 230), Berlin 1994, 
130-142 und Westermann, Aufbau, 72-75. 

Zu bipl vgl. oben Anm. 64. 

□ aSJ ist vermutlich eine Dublette, vgl. M. Witte, Philologische Notizen zu Hi 21-27 
(BZAW 234), Berlin 1 995, 9. 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 1 45 

seine Kuh gebiert^' und hat keine Fehlgeburt^^. 

1 1 Ihre Bürschlein können sie wie Kleinvieh loslassen, 
und ihre Kinder hüpfen umher. 

12 Sie stimmen an zu Handpauke^^ und Leier, 
und sie freuen sich an der Stimme der Flöte. 

1 3 Sie brauchen im Glück ihre Tage auf, 

in Ruhe steigen sie in die b}i<^ hinab^"*. 

14 Und sie sprechen zu Gott: "Halte dich von uns fem, 

und das Wissen um deine Wege mögen wir nicht!" (Hi 21,7-14) 

Auch in dieser Rede geht es um menschhche Beobachtung und menschh- 
che Erfahrung (V. 6). Nun aber ist es die Erfahrung Hiobs, die er der der 
Freunde entgegensetzt^^. "Während die Freunde von der kurzen Dauer des 
scheinbaren Glücks des Frevlers sprechen, behauptet Hiob das Gegen- 
teil"^^. Denn "Gott vernichtet die Frevler eben nicht, auch wenn sie sich 
ihm verweigem"^^. 

Der Frevler, so Hiobs Erfahrung, hat vielmehr ein langes Leben, ein hohes 
Alter, körperliche Fitness und Kraft zu gewärtigen (Hi 21,7), was dem von 
Zophar in Hi 20 gezeichneten Bild vom Elend der Frevler unmittelbar wi- 
derspricht^^. Er kann das Blühen seiner Familie (V. 8) und das Wachsen 
seines Wohlstandes (V. 9) verfolgen - der Blick geht also "von den Kin- 
dern, den Bausteinen des Hauses, ... zu den Häusern selbst über"^^ -, ohne 
daß beides durch Schrecken von außen bzw. den Zorn Gottes getrübt bzw. 
vernichtet wird (V. 9). Dem Frevler mißrät nichts. Er kann über Vitalität, 
Ansehen und Vermögen verfugen, obwohl dies - nach Ansicht der Freunde 
- Segnungen sind, die dem Gerechten zufallen^*^. 



^^ Auffällig ist der Numeruswechsel: Während sonst vom Frevler im Plural die Rede ist, 
haben die Subjekte in V. 10 jeweils ein Singularsuffix: Es handelt sich jeweils um das 
Tier des Einzelnen (vgl. Hölscher, HAT 17, 50 und GK § 145 1). Witte, Notizen, 10 
versteht den Singular dagegen kollektiv. 

^^ Wörtlich; "Geht darüber", las; pi. ist nur hier belegt. 

^^ bvi hi. ist nur hier belegt. Die Bedeutung ist nicht ganz klar. 

^' abs pi. = "(die Leibesfrucht) durchbrechen lassen" = "gebären". 

"^2 bSB* pi. 

^^ Lies: ^n3, vgl. Witte, Notizen, \\;ders., Leiden, 130. 

^^ Lies statt ^^\n'!. (nif von nnn "zertrümmert werden"): inn;! (q. von nn3 "hinabfah- 
ren"), vgl. fVitte, Leiden, 130; ders., Notizen, 13. 

^^ Vgl. Köhlmoos, Auge Gottes, 288; Gradl, Ijob, 205. 

'^^ Fohrer, KAT XVL 342; Witte, Leiden, 138. 
Köhlmoos, Auge Gottes, 289. 
Vgl. Strauß, BK XVI/2, 43. 

'^^ Delitzsch, BC IV/2, 275. 

^^ Der Hinweis auf das Heranwachsen zahlreicher Nachkommenschaft steht in Gegensatz 
zu Hi 18,19 (Bildad-Rede); 20,26 (Zophar-Rede). Daß der Frevler Häuser und Besitz 



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146 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 

Nach dem Hausstand behandelt V. 10 den Viehstand: Über dem Stall des 
Frevlers liegt Segen, so daß sich sein Vieh reichlich vermehrt und somit 
sein Besitz wächst. V. 10 beschreibt das Verhalten der Rinder bei der Fort- 
pflanzung und Geburt realitätsnah und offensichtlich mit den geprägten 
Fachtermini^': Der Stier geht über die Kuh, d.h. bespringt sie ("1317 pi.), 
und befruchtet sie so. Die Kuh läßt (die Leibesfrucht) durchbrechen, d.h. 
sie gebiert (qSd pi.), und erleidet keine Fehlgeburt (h^ü pi.). Was die er- 
sten Halbverse von V. 10 jeweils positiv aussprechen, formulieren die 
letzten Halbverse jeweils via negationis: Die beiden Grundgefahren, die 
das auch zum Hausstand gehörende Großvieh betreffen könnten, Unfrucht- 
barkeit und Fehlgeburten, werden somit ausgeschlossen. 
Während V. 10 das Großvieh vor Augen hat, wendet sich V. 11 - nun in 
einem Bildwort - dem Kleinvieh zu. Die Herden aus Schafen und Ziegen 
ließ man häufig frei weiden^^. Ihr lustvolles Hüpfen (IpT pi.^-') ist gerade- 
zu sprichwörtlich (vgl. Ps 1 14,4.6 bezogen auf Kleinvieh; 29,6 bezogen auf 
Kälber bzw. Wildstiere)^'*. Wäre das freie Weiden der Tiere schon für sich 
genommen Hinweis auf eine Zeit der Ruhe und des Friedens, so erst recht, 
wenn die Kinderschar (^>^^^.) ungefährdet leben kann, was sich in ihrem 
ungezwungenen Hüpfen und fröhlichem Springen Ausdruck verschafft. In 
diesem Bild spielt die "Assoziation der Freiheit und auch die der Menge 
(Herde von Schafen und Ziegen)"^^ eine wichtige Rolle. Der Blick wendet 
sich also wie schon in V. 8 dem Kinderglück des Frevlers zu. 
Fröhliche Feste mit Musik und Tanz (V. 12) unterstreichen schließlich sein 
ungetrübtes Glück, das anhält "bis zu seinem friedlichen Ende, ohne einen 
Gedanken an Gott"^^ (V. 13f). 

Das glückliche Geschick des Frevlers unterscheidet sich somit grundlegend 
von der Situation Hiobs, der seinen gesamten Viehbesitz und seine Kinder 



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in Ruhe und Sicherheit haben kann, bestritten Eliphas in Hi 15,34, Bildad in Hi 18,15 
und Zophar in Hi 20,28. Daß der Segen Gottes sich beim Frevler in Fruchtbarkeit bei 
Mensch und Vieh manifestiert, verneinten Eliphas in Hi 15,29 und Zophar in Hi 
20,10.22. 

Vgl. Strauß, BK XVI/2, 45. 

Zu vht pi. im Zusammenhang mit Tieren vgl. Lev 16,22; Jes 32,20; Gen 8,7 und H. 
Wildberger, Jesaja. 3. Teilband: Jesaja 28-39. Das Buch, der Prophet und seine Bot- 
schaft (BK X/3), Neukirchen-Vluyn 1982 1280f; H. Stendebach, Art. '73-3, ThWAT 
VII (1993) 330-345, 335 und Ä/erfe, Im Netz, 67 mit Anm. 317. 
Vgl. M.J. Mulder, Art. npn, ThWAT VII (1993) 665-668, 666. 
Vgl. Jes 13,21 npn pi. in Bezug auf Bocksdämonen (Q''-)''i?C;); 1 Chr 15,29 in Bezug 
auf David. In anderer Ausdrucksweise findet sich auch in Mal 3,20 ein Bezug zum 
Hüpfen des Viehs. 

Gradl, Ijob, 206, vgl. ebenso Budde HK II/l ,118. 
//ö/jcAe/-, HAT 17,51. 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 1 47 

verlor (Hi 1,14-19), der gezeichnet ist vom Schrecken, der über sein Haus 
kam (Hi 1,1 3 ff), und sein Leben nun in Klage und Trauer verbringen muß 
(Hi 30,31)^^. In allem besteht ein äußerster Kontrast zwischen den Erfah- 
rungen, die Hiob durchleiden mußte, und dem, was dem Frevler zuteil wur- 
de. Damit aber ist die Grundthese der Freunde erschüttert: Wenn nämlich 
"Dasein und Ende des Frevlers tatsächlich von Glück, Erfolg und Ehre ge- 
kennzeichnet [sind], so ist eben Hiobs Unglück der Beweis dafür, daß er 
kein Frevler sein kann"^^. 



VI. Hiobs Übereinkunft mit den Freunden: Der Frevler baut sein Haus wie 

eine Motte (Hi 27,18) 

Am Ende des dritten Redegangs findet sich nochmals ein längerer Passus, 
der das Geschick des Frevlers beschreibt und dabei auch mit Hilfe eines 
Tiervergleichs dessen brüchige Existenz herausstellt: 

1 3 Das ist ja der Anteil des frevlerischen Menschen bei El*^ 

und der Anteil der Gewalttätigen, den sie von Schadaj empfangen. 

14 Wenn seine Söhne zahlreich werden, dann fürs Schwert, 
und seine Sprößlinge - nicht können sie sich an Brot sättigen. 

1 5 Seine Überlebenden'" - durch den Tod werden sie begraben'' , 
und ihre Witwen - nicht (einmal mehr) werden sie weinen. 

1 6 Wenn er aufhäuft wie Staub Silber 
und wie Lehm aufstapelt Kleider, 

1 7 er stellt's bereit - doch der Gerechte zieht es an, 
und das Silber erbt der Schuldlose. 

1 8 Gebaut hat er wie die Motte sein Haus'^ 
wie eine Hütte, die aufrichtet der Wächter. 

19 Reich legt er sich hin, aber es geht nicht so weiter'^, 

seine Augen macht er auf, und es ist nichts mehr da. (Hi 27,13-19) 

Die Verse sind Teil einer mit Kap. 26 einsetzenden Hiobrede, die den drit- 
ten Redegang beschließt. Hi 27 beginnt "mit einer trotzigen Selbstbehaup- 



^"^ Vgl. die Kontrastformulierung in Hi 30,31: CDS b\p^ '53pi nil? 'PD^'p ^r\^^ und 

5<ra«/8,BKXVI/2,45. 

^^ Fohrer, KAT XVI, 339. 

^^ Zur Verwendung und Bedeutung von '^«"DI? vgl. Witte, Notizen, 160. 

^^ Lies mit Qere Vy~m. 

^' Zur Wendung vgl. Witte, Notizen, 162. 

^2 Vgl. dazu Grabbe, Philology, 89-9 1 . 

^^ Lies mit G.t]''PV. 



148 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen" 

tung gegenüber den Freunden und ... gegenüber Gott selbst"^"* (vgl. V. 2- 
6.111), wobei sich diese Position Hiobs nicht von seiner bisherigen unter- 
scheidet. 

Demgegenüber enthalten die Verse 13 ff, die sich auf den Frevler beziehen, 
eine Argumentation^^, wie sie sich sonst in den Hiobdialogen im Munde 
der Freunde findet. Z. T. weisen die Verse sowohl inhaltlich wie auch 
sprachlich enge Parallelen zu diversen Ausführungen innerhalb der Reden 
der Freunde auf (vgl. V. 13 mit Hi 20,29). Der Frevler erleidet demnach ein 
Geschick, wie er es verdient. In dieses Geschick aber sind Nachkommen 
(V. 14-15, vgl. Hi 18,19; 20,10.26), Besitz (Silber und Kleider: V. 15-16, 
vgl. Hi 15,19; 20,7.11.18), Wohnraum (V. 18-19, vgl. Hi 8,15.22; 
15,29.34; 18,14.19), Leben (V. 20-21, vgl. Hi 15,30; 20,7.11.23) und Ehre 
(V. 22-23, vgl. Hi 8,18; 18,17; 20,7) einbezogen^^ 

Aus dieser veränderten Haltung Hiobs ergeben sich nun eine Fülle von Fra- 
gen, wie sie J. Ebach treffend so zusammenfaßt: "Hat Hiob sich der Positi- 
on der Freunde angeschlossen? Versucht Hiob, die Freunde mit ihren eige- 
nen Waffen zu schlagen? Oder zitiert er die Freunde - womöglich ironisch? 
Oder muß man, wie es von vielen Interpreten für diese und weitere Ab- 
schnitte des dritten Redegangs vertreten wird, mit einer Störung der Über- 
lieferung rechnen und jene Passagen in Hi 27 als ursprünglichen Teil einer 
Freundesrede (der Fortsetzung der kurzen Bildadrede von Kap. 25 oder 
auch einer im jetzt vorliegenden Text aufgelösten dritten Zofarrede?) anse- 
hen?"^^ 

Wie dem auch sei, geht man von der vorliegenden Überlieferung aus, so 
scheint in Hi 27,13ff ein Rollenwechsel vorzuliegen^^, wobei Hiob ver- 
mutlich die Reden der Freunde - mehr oder weniger zustimmend - zitiert. 
Diese aber sahen in seinem Schicksal die Bestätigung dafür, daß er ein 
Frevler ist^^. Ging es jedoch "im Mund der Freunde darum, Ijob als Mah- 



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Ebach, Streiten mit Gott II, 50. 

Vgl. Witte, Vom Leiden zur Lehre, 159. 

Vgl. dazu Riede, Spinnennetz, 79-82 = oben S. 1 1 1-1 14. 

J. Ebach, Streiten mit Gott. Hiob, Teil 2: Hi 21-42, Neukirchen-Vluyn 1994, 51. Wit- 
te, Vom Leiden zur Lehre, 160f hält Hi 27,13-23 für eine sekundäre Erweiterung, die 
er als "Gerechtigkeitsredaktion" apostrophiert (ebd. 170); vgl. zu den diese Redaktion 
bestimmenden Motiven ebd. 215ff. Zur Diskussion um die Ursprünglichkeit des dritten 
Redegangs vgl. auch Westermann, Aufbau, 24f. 102-104; H. Gese, Die Frage nach 
dem Lebenssinn: Hiob und die Folgen, in: ders., Alttestamentliche Studien, Tübingen 
1991, 170-188, 173. Zu den verschiedenen Modellen zur Entstehung des Buches Hiob 
vgl. L. Schwienhorst-Schönberger, Das Buch Ijob, in: E. Zenger u.a., Einleitung in das 
Alte Testament, Stuttgart ^998, 297-308, 302-305. 

Vgl. 5fra«/S, BK XVI/2, 117, 

Vgl. Ära«/S, BK X VI/2, 117. 



"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 1 49 

nung, es den Frevlem nicht gleich zu tun, einen Spiegel seiner selbst vor- 
zuhalten oder ihn als hoffnungslosen Fall abzustempeln, so gibt die Beleh- 
rung über die Frevler im Munde Ijobs der Hoffnung Ausdruck, daß Gott 
auf der Seite des Rechts steht und damit zuletzt auf der Seite Ijobs. Dass die 
Rollen getauscht werden und dann die Freunde im Habitus des Frevlers er- 
scheinen müssen, ist eine andere Sache" *°*^. 

Im Mittelpunkt jener Redeeinheit' °^ aber steht ein Vergleich, der den Haus- 
bau des Frevlers mit dem einer Motte vergleicht, was auf seine brüchige, 
haltlose Existenz verweist. Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt' °^, 
wird in diesem Vergleich auf das aus Gespinstfäden und Wollresten errich- 
tete Gehäuse der Pelzmottenraupe angespielt, in dem diese bis zur Verpup- 
pung lebt. Der Vergleich bezieht sich somit auf die Fragilität und die zeit- 
lich begrenzte Verwendung dieser Wohnstätte. Wenn das Haus des Frevlers 
also dieser Wohnstätte der Pelzmottenraupe gleicht, dann ist es wenig dau- 
erhaft und wenig stabil. Die Argumentation in Hi 27,18 ähnelt auffällig der- 
jenigen in Hi 8,14, nur daß dort statt des Mottenhauses das Spinnenhaus er- 
wähnt wird. Der Vergleichspunkt ist aber in beiden Fällen identisch. 
Mit Hi 27 aber ist der Dialog endgültig an sein Ende gekommen. Schleppte 
er sich schon vorher nur mühsam dahin"'-', so bricht er nun abrupt ab. "Nun 
ist nichts mehr zu sagen, denn alles, was über Frevler und Gerechte zu sa- 
gen wäre, ist gesagt, ist übereinstimmend gesagt - einzig, wem welche 
Rolle zukommt, bleibt strittig und läßt sich mit Argumenten nicht klä- 
ren" "''*. Der Dialog endet in einer Aporie bzw. in einem Patt und läuft nun 
auf die unmittelbare Begegnung Hiobs mit Gott hin, die in den Gottesreden 
entfaltet wird (Hi38,lff). 

Exkurs 

Interessant ist, daß die Motte auch in anderen Texten der Hiobdialoge eine Rolle spielt. Im- 
mer handelt es sich dabei wie auch bei den übrigen alttestamentlichen Belegen um Bild- 
worte. Doch spielen diese nicht auf den Hausbau der Motte an, sondern auf die Vergäng- 
lichkeit des Schmetterlings einerseits und die zerstörerische Tätigkeit der Mottenraupe ande- 



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Gradl, Ijob, 243. 

Es gehen jeweils 5 Verse voraus und es folgen 5 Verse. 

Vgl. Riede, Spinnennetz, 85 = oben S. 1 1 8f 

Vgl. den kurzen Umfang der Rede des Bildad im 3. Redegang. Eine dritte Rede des 
Zophar findet sich schon gar nicht. Vermutlich hat es eine solche auch nie gegeben. 
Schon das Fehlen dieser Rede und die so markierte Leerstelle können ein Hinweis dar- 
auf sein, daß die zu erwartende Antwort des Freundes ausgeblieben ist und der Dialog 
somit abbricht. Zu den verschiedenen Rekonstruktionsversuchen des dritten Rede- 
gangs vgl. Köhlmoos, Auge Gottes, 56ff 

Ebach. Streiten mit Gott II, 54. 



150 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 

rerseits. So erkennt Eliphas in einer nächtlichen Offenbarung (Hi 4,12-21) eine numinose 
Gestalt, die folgendes Wort'°^ an ihn richtet: 

1 7 Ist etwa ein Mensch vor Gott im Recht, 
ist vor seinem Schöpfer rein ein Mann? 

1 8 Siehe, seinen Dienern traut er nicht, 
und seinen Engeln legt er Irrtum bei. 

1 9 Ja, die in Häusern aus Lehm wohnen, 
die in Staub ihr Fundament haben, 

man zerschlägt sie'°*, als wären'"^ sie Motten. (Hi 4,17-19) 

Inhaltlich geht es in dieser Offenbarung also um die Frage, wer reiner und gerechter sein 
kann als Gott. Dieser "qualitative Abstand" zwischen Gott und Geschöpfen, insbesondere 
zwischen Gott und Mensch, wird vor allem an der Todesverfallenheit des Menschen deut- 
lich. Der menschliche Leib, der aus Erde bzw. Ton geschaffen ist (Gen 2,7; 3,19; Hi 10,9; 
33,6), gleicht einem irdenen Haus, "das der Mensch in seiner Lebenszeit bewohnt"'"^. Im 
Staub, aus dem er gebildet wurde, liegen die Grundmauern seines Daseins. Diese Todesbe- 
stimmtheit unterstreicht auch V. 19b. 20a durch den (singulären) Vergleich des Menschen 
mit Motten, die jäh und leicht zerschlagen werden können'"^. 

Steht in Hi 4,19 das menschliche Leben im Blick, das plötzlich beendet werden kann, so 
geht es in Hi 13,23-28 um einen Prozeß, in dem Hiob begehrt, von Gott über seine Verfeh- 
lungen aufgeklärt zu werden. Dabei sind Grund und Sinn des göttlichen Verhaltens völlig 
rätselhaft, wie die klagenden Fragen in V. 24 zeigen. Klar ist nur, daß Gott Hiob verlassen 
hat und gegen ihn wie gegen einen Feind vorgeht, wobei dieser Feind aber wehrlos und völ- 
lig unbedeutend ist, wie die Bilder vom verwehenden Blatt und dem verdorrten Stroh zei- 
gen. An diese Bilder knüpft auch V. 28 an, dessen Zugehörigkeit zum Kontext von vielen 
Auslegern bestritten wird. In diesem Vers geht es um den Zerfall des Menschen, der wie ein 
Kleidungsstück verschleißt. Dieser Prozeß des Zerstörens kann sowohl Holz als auch den 
menschlichen Leib befallen, was durch das Bild des von Motten zerfressenen Gewandes 
noch unterstrichen wird (vgl. dazu auch Jes 50,9; 5 1 ,8): 

Er aber, wie von Wurmfraß zerfällt er, wie ein Kleid, das die Motten zerfressen. (Hi 
13,28)- 



^°^ Fohrer, KAT XVI, 131 hält V. 19b für eine "bildhaft-erläuternde Glosse", die zu strei- 
chen ist. 

In V. 19b wird die 3. Pers. PI. zur Umschreibung des unbestimmten Subjekts verwen- 
det (GK § 144 g). Zur unwahrscheinlichen Deutung von W13 (= 2^1?) als "Rohrbau, Vo- 
gelnest" vgl. J.B. Ehrlich, Randglossen zur hebräischen Bibel. Textkritisches, Sprach- 
hches und Sachliches, Bd. 6: Psalmen, Sprüche, Hiob, Leipzig 1918, I94f288; R. 
Gordis, The Book of God and Man. A Study of Job, Chicago / London 1965, 50; J. 
Rimbach, "Crushed before the Moth" (Job 4,19), JBL 100 (I98I) 244-246, 244. 

Zur Übersetzung von "'JS? mit "(gegenüber > parallel > entsprechend) wie" vgl. E. 
Jenni, Die hebräischen Präpositionen Bd. 3: Die Präposition Lamed, Stuttgart 2000, 
264 mit Anm. 7; HAL 889; Horst, BK XVI/1, 56; E. Dhorme, L'emploi metaphorique 
des noms departies du corps en hebreu et en akkadien, Paris 1923, 66; ders., Le livre 
de Job (Etudes bibliques), Paris ^1926, 36f und I Sam 1,16; Hi 3,24; anders Köhltnoos, 
Auge Gottes, 1 84, die den Ausdruck unübersetzt läßt. 

//orj/,BK XVI/1, 76. 

Es geht hier also nicht um die zerstörerische Tätigkeit der Motte, die mit 73K ausge>- 
drückt wird (vgl. Delitzsch, BC IV/2, 83). Vgl. auch Hi 25,6, wo in einem ähnlichen 
Zusammenhang der Mensch mit Wurm und Made verglichen wird. 



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"Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 151 

VII. Zusammenfassung 

Die Hiobdialoge verwenden zwei Bildkreise für das Geschick des Frevlers, 
die vor allem in den Klageliedern des einzelnen reich belegt sind''°: das 
Bild mächtiger, gefährlicher Tiere' ' ' und das Bild des gejagten Tieres, das 
von Fallen und Netzen bedroht ist. Während das erstere in den KE vor al- 
lem für die Feinde des Beters gebraucht wird, um deren unüberwindbare 
Mächtigkeit und Aggressivität aufzuzeigen, findet sich das zweite dort zu- 
meist auf den Beter angewendet, der sich heimlichen Nachstellungen aus- 
gesetzt sieht. Allerdings findet sich auch in den KE der Rekurs auf den 
Tun-Ergehen-Zusammenhang, wonach die Fallen der Feinde sich gegen 
diese selbst kehren. 

Auffällig ist nun, daß beide Bildkreise in den Hiobdialogen sehr selten vor- 
kommen und anders als in den KE gebraucht werden: Im Unterschied zu 
den Klagepsalmen werden die Frevler und Gottlosen, deren Geschick in 
vielen Redeblöcken des Hiobbuches thematisiert wird, nur je einmal mit 
Löwen (Hi 4,10f) und Schlangen (Hi 20,14.16) in Beziehung gebracht. Und 
auch diese Bilder betonen nicht deren gefährliche Überlegenheit, sondern 
ihren drohenden Untergang. Schon der Beginn des Hiobbuches zeigt somit 
eindrücklich, daß die Frevler sich der Macht Gottes nicht entziehen können, 
sondern von seinem Zorn getroffen werden. Die Rolle der Feinde aber hat 
für Hiob Gott selbst eingenommen, der zweimal im Bild des Löwen ge- 
zeichnet wird (Hi 10,16; 16,9). 

Der erste Dialogteil beginnt mit einem Löwenbild, der zweite Dialogteil 
endet mit einem Schlangenbild (Hi 20,14-16). In beiden Fällen geht es um 
das Stichwort Nahrung. Während die Nahrung aber im Fall des Löwen 
fehlt, was seinen Untergang zur Folge hat, ist sie im Vergleich mit der 
Schlange im Übermaß da. Doch wandelt sie sich im Innern des Frevlers zu 
Gift, so daß der Verzehr zum Tode führt. 

Bezieht sich das Löwenbild auf die Mächtigkeit des Frevlers, die dennoch 
sein Überleben nicht garantieren kann (Hi 4,101), so hat das Schlangenbild 
(Hi 20,14—16) eine andere Bezugsgröße: Nicht der Frevler selbst erscheint 
im Bild der Schlange, sondern seine Besitzgier, die ihn wie Schlangengift 
zu Tode bringt. 

Daß die Schuldverstrickung des Frevlers letztlich sein eigenes Unheil aus- 
löst, unterstreichen die in Hi 18 gehäuft auftretenden Jagdbilder. Da die 



110 
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Vgl. Westermann, Aufbau, 70f; Riede, Im Netz, 150-278.339-376. 

Anders als in der Babylonischen Theodizee fehlt der Wildesel als Vergleichsspender 
für den Frevler. Er wird innerhalb der Freundesreden nur in Hi 11,12 in einem Bild- 
wort genannt, in dem der Abstand zwischen Mensch und Wildesel betont wird. 



1 52 "Ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen " 

dort genannten Jagdwerkzeuge und Fallen zumeist verborgen ausgebracht 
wurden, unterstreichen diese Bilder die Unausweichlichkeit und Plötzlich- 
keit des tödlichen Geschicks, gegen die der Frevler sich nicht wehren kann. 
Genau wie sein Opfer erfährt er nun die Ohnmacht des Gejagten' '^. 
Ein dritter Bildkreis bezieht sich auf andere Vergleichsspender, wie Spinne 
und Motte, die jeweils durch die Besonderheit ihres "Häuserbaus" auffie- 
len. Diese Vergleiche beziehen sich auf die Brüchigkeit der gesamten Exi- 
stenz des Frevlers: Genauso wenig wie ein Spinnennetz oder das Gehäuse 
einer Mottenraupe stabil und kräftig gebaut ist, so auch das Haus des Frev- 
lers, auch wenn es nach außen einen anderen Anschein hat: Zwar verläßt 
dieser sich darauf, ja er gründet seine Sicherheit auf diesen "Hausbau", 
doch diese Sicherheit ist trügerisch' '^. 

All diese Vergleiche in den Freundesreden unterstreichen mit ihrem lehr- 
haft-argumentativen Charakter"'* auf eindrückliche Weise den Tun-Erge- 
hen-Zusammenhang, in dem für die Freunde auch die Ursache von Hiobs 
Leid zu suchen ist. Der Frevler wird wegen seiner Freveltaten von der Stra- 
fe heimgesucht, seinem Aufstieg folgt unausweichlich der Sturz"^. 
Daß diese Lehre theologisch aber an ihre Grenze gekommen ist"^, zeigt 
deutlich die Argumentation Hiobs in Hi 21, die das Geschick des Frevlers 
in ganz anderen Bildern zeichnet: Anders als die Freunde meinen, geht es 
dem Frevler - wie die Erfahrung zeigt - gerade nicht übel, sondern gut. 
Zwischen Lehre und Wirklichkeit besteht somit ein Widerspruch, den Hiob 
klar benennt: Es gibt "in der Welt Gesegnetsein ohne Segen ..., Gottesga- 
ben ohne Gott ...""^. Dies aber "beweisen" auf eindrückliche Weise Bilder 
aus dem Bereich des bäuerlichen Lebens, die das Glück und das erfolgrei- 
che Leben des Frevlers zum Ausdruck bringen. 



112 
113 



114 
115 

116 
117 



Vgl. zu den Jagdbildem M Krieg, Todesbilder im Alten Testament. Oder: "Wie die 
Alten den Tod gebildet" (AThANT 73), Zürich 1988, 597f. 

Anders ist es in Hi 39,6, wo ebenfalls von einem "Haus" die Rede ist, das im Unter- 
schied zu Hi 8,14 bzw. 27,18 von Gott für den Wildesel errichtet wird. Dieses Haus - 
konkret die Steppe (n^"!!?) - bietet dem Wildesel dauerhafte Lebensmöglichkeiten 
und unterscheidet sich somit von dem des Frevlers. 

Westermann, Vergleiche, 103. 

Vgl. Fohrer, KAT XVI, 554f; E. Kutsch, Hiob: leidender Gerechter - leidender 
Mensch, in: ders.. Kleine Schriften zum Alten Testament, hg. von L. Schmidt und K. 
Eberlein (BZAW 168), Berlin 1986, 290-307, 291-293. 

Vgl. Kutsch, Hiob, 299f 

Westermann, Aufbau, 74, zur Diastase von verdinglichter Weisheit und lebendiger Er^ 
fahrung in Hi 21 vgl. auch H.-P. Müller, Altes und Neues zum Buch Hiob, EvTh 37 
(1977)284-304,292. 



Der Säugling am Loch der Kobra 

Zum Tierfrieden im Alten Testament 



Zu den großartigsten Hoffnungsbildern der Bibel gehört das des Tierfrie- 
dens. Wilde, gefährliche Tiere bedrohen nicht mehr Haustiere und Men- 
schen, sondern leben in friedlicher Eintracht und unter dem Schutz des 
Menschen zusammen. Nicht ein Ende des Feindes, das mit Vernichtung und 
Auslöschung einhergeht, sondern das Ende der Feindschaft zwischen Tier 
und Tier und zwischen Mensch und Tier nehmen diese Texte in den Blick 
und können so zum Modell för den Umgang mit dem Feind an sich werden. 

In seiner Erzählung "Novelle" beschreibt J.W. von Goethe eine Marktszene 
in einer kleinen Provinzstadt. Eine kleine Tiermenagerie mit einem Löwen 
und einem Tiger erregt höchste Aufmerksamkeit bei den Besuchern des 
Marktes. Doch es entsteht eine Feuersbrunst, die die Marktbuden zerstört. 
In deren Gefolge brechen die beiden mächtigen Tiere aus ihren Käfigen 
aus. Der Tiger wird bald von einem Wildhüter erschossen. Als seine Besit- 
zerin dessen gewahr wird, beklagt sie seinen Tod: "Sie haben dich ermor- 
det, armes Tier! ermordet ohne Not! Du warst zahm und hättest dich gern 
ruhig niedergelassen und auf uns gewartet ... Wenn du des Morgens auf- 
wachtest beim fhihen Tagschein und den Rachen aufsperrtest, ausstreckend 
die rote Zunge, so schienst du uns zu lächeln, und, wenn schon brüllend, 
nahmst du doch spielend dein Futter aus den Händen einer Frau, von den 
Fingern eines Kindes! ... Uns! uns ganz eigentlich kam die Speise von den 
Fressern und süße Labung von den Starken" ^ 

Auch dem Löwen drohte die Gefahr, erschossen zu werden. Doch die Be- 
sitzerfamilie bittet darum, diesen besänftigen zu dürfen. Denn, so die Be- 
gründung, "der Mensch weiß ihn zu zähmen, und das grausamste der Ge- 
schöpfe hat Ehrfurcht vor dem Ebenbilde Gottes, womach auch die Engel 
gemacht sind, die dem Herrn dienen und seinen Dienem"^. Als die Besitzer 
auf ihn treffen, wird er schließlich durch den wundersamen Gesang eines 
Kindes beruhigt: 



J. W. von Goethe, Novelle, in: H. von Hofmannsthal, Deutsche Erzähler, Bd. I, Frank- 
furt / M. '1980, 11-31, 24. Zur Nachwirkung vgl. W. Böhme, "Löwen sollen Lämmer 
werden". Friedensgedichte und Friedensprophetien, ZW 55 (1984) 168-173. 
Goethe, Novelle, 27. 



1 54 Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 

Engel schweben auf und nieder, 
Uns in Tönen zu erlaben, 
Welch ein himmlischer Gesang! 
In den Gruben, in dem Graben 
Wäre da dem Kinde bang? 
Diese sanften, frommen Lieder 
Lassen Unglück nicht heran; 
Engel schweben hin und wider, 
Und so ist es schon getan. 

Denn der Ewge herrscht auf Erden, 
Über Meere herrscht sein Blick; 
Löwen sollen Lämmer werden, 
Und die Welle schwankt zurück; 
Blankes Schwert erstarrt im Hielje, 
Glaub und Hoffnung sind erfüllt; 
Wundertätig ist die Liebe, 
Die sich im Gebet enthüllt.^ 

Das Kind leitet den Löwen, ja es beschützt ihn, den Mächtigen, den König 
der Tiere, vor der Gewalt der noch Mächtigeren, der Fürsten und ihrer Hä- 
scher, die ihm mit ihren Flinten nachstellen. 

Die eben nachgezeichnete Szene könnte sinnbildhaft für unser heutiges 
Verhältnis zu den Wildtieren stehen: Die wilden Tiere müssen angesichts 
der Bedrohung ihrer Lebensräume durch den Menschen vom Menschen ge- 
schützt werden, um überhaupt eine Überlebensmöglichkeit zu haben. Das 
unterscheidet unsere Situation grundsätzlich von der der Menschen im alten 
Israel, deren tägliche Existenz von vielerlei natumahen Gefahren bedroht 
war. Zu diesen gehörten vor allem die Raubtiere, die mit dem Menschen 
denselben Lebensraum teilten. Viele Verheißungen des Alten Testaments 
sprechen daher davon, daß JHWH die gefährlichen Tiere ausrotten wird, 
um seinem Volk Israel den nötigen Raum zu verschaffen (vgl. Lev 26,6- Ez 
34,25; Jes 35,9)1 

Eine andere, gegenläufige Sicht der Dinge entfalten dagegen Texte wie Jes 
1 1,6-9 und Jes 65,25^, in denen ähnlich wie in der Novelle von Goethe ei- 
ne Verwandlung der vorfindlichen Verhältnisse beschrieben und erwartet 
wird, die von Gott ausgeht und alle Lebewesen umfaßt. Diesen Texten 
wollen wir uns im folgenden zuwenden. 



Ebd. 28. 



Vgl dazu H. Gross, Die Idee des ewigen und allgemeinen Weltfriedens im Alten Ori- 
ent und im Alten Testament (TrThSt 7), Trier 1956, 85f 

Zum Verhältnis der beiden Texte und zu Fragen der Einzelauslegung vgl. jetzt auch R. 
Hunziker-Rodewald, Hirt und Herde. Ein Beitrag zum alttestamentlichen Gottesver- 
ständnis (BWANT 155), Stuttgart 2001, 197-204. 



Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 155 

I. "Löwen sollen Lämmer werden" - der Tierfrieden in Jes 1 1 ,6-9 

Am eindrücklichsten beschreibt Jes 11,6-9^ die Erwartung eines Friedens 
zwischen Tier und Tier und zwischen Mensch und Tier^: 

6 Da wird der Wolf beim Lamm zu Gast sein 
und der Leopard beim Böcklein lagern. 

Da werden Jungstier und Jungleu miteinander weiden*, 
und ein kleiner Knabe hütet sie. 

7 Da weiden Kuh und Bärin zusammen, 
und beieinander liegen ihre Jungen. 

Da frißt der Löwe Strohhäcksel wie das Rind, 

8 und der Säugling vergnügt sich am Loch der Kobra. 
Und nach der Höhle der Viper 

streckt das entwöhnte Kind seine Hand aus. 

9 Nichts Böses und nichts Verderbliches wird man tun 
auf meinem ganzen heiligen Berg: 

Denn das Land wird voll sein von Erkenntnis JHWHs 
wie von Wassern, die das Meer bedecken. (Jes 1 1,6-9) 

Interessant sind in diesem Text vor allem die beiden Tierreihungen, die ei- 
nerseits gefährliche (Wolf, Leopard, Junglöwe, Bärin, erwachsener Löwe, 
Kobra, Viper) und andererseits gefährdete (Lamm, Böcklein, Jungstier, 
Kuh, Rind, Säugling, entwöhntes Kind) Lebewesen nennen. Alle genannten 
Tiere waren in alter Zeit in Palästina / Israel heimisch. Unter den gefährde- 
ten Tieren finden sich nur Herdentiere, und damit Haustiere, die mit dem 
Menschen in besonders enger Beziehung standen, nicht jedoch wilde Tiere, 



Zu Fragen der Übersetzung, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, vgl. J. 
Ebach, Ende des Feindes oder Ende der Feindschaft? Der Tierfriede bei Jesaja und 
Vergil, in: ders., Ursprung und Ziel. Erinnerte Zukunft und erhoffte Vergangenheit, 
Neukirchen- Vluyn 1986, 75-89, 76 Anm. 253. Zur Datierung des Textes in exilische / 
frühnachexilische Zeit vgl. O.H. Steck, "ein kleiner Knabe kann sie leiten". Beobach- 
tungen zum Tierfrieden in Jesaja 11,6-8 und 65,25, in: J. Hausmann /HJ. Zobel 
(Hg.), Alttestamentlicher Glaube und Biblische Theologie. FS HD. Preuß z. 65. Geb, 
Stuttgart 1992, 104-119, 104ff, anders dagegen H. Wildberger, Jesaja. 1. Teilband: 
Kapitel 1-12 (BK X/1), Neukirchen- Vluyn M980, 444f 

Die Vorstellung eines Tierfriedens ist sowohl im Alten Orient als auch in Griechenland 
weit verbreitet, vgl. dazu bes. Wildberger, BK X/1, 440f.456; Gross, Idee, 
17ff.23ff.27f.47-59; Ebach, Ende des Feindes, 82ff; V. Buchheit, Tierfriede in der An- 
tike, Würzburger Jahrbuch 12 (1986) 143-167, die die einschlägigen Texte jeweils 
nennen; vgl. femer M. Barasch, Animal Metaphors of the Messianic Age, VisRel 4 
(1985) 235-249; zur Nachgeschichte der Vorstellung vgl. V. Buchheit, Tierfriede bei 
Hieronymus und seinen Vorgängern, JAC 33 (1990) 21-35. 

Hunziker-Rodewald, Hirt und Herde, 199 Anm. 35 problematisiert die übliche Emen- 
dation von XnO in eine Verbform von Sia "fett werden" (IKI??":). Dieser Emgriff 
zerstöre "das sprachlich subtil gestaltete Bild eines sich mitten zwischen einem Stier- 
und einem Mastkalb aufhaltenden Junglöwen". Zu Kna vgl. auch Jes 1,11. 



1 5 6 Der Säugling am Loch der Kobra- Zum Tierfrieden im A Iten Testament 

wie Gazellen, Antilopen, Damhirsche oder Wildesel, die von den Raubtie- 
ren ebenfalls gejagt und bedroht wurden. 

Bei der Aufreihung der gefährdeten Lebewesen sind vor allem drei Aspekte 
maßgebend^: 

1. Zuerst werden Tiere genannt (V. 6f), dann Menschen (V. 8). 

2. Die Haus- und Nutztieren werden, wie häufig im Alten Testament, nach 
Kleinvieh (V. 6a: Lamm, Böcklein) und Großvieh (V. 6b-7: Jungstier, 
Kuh, Rind) unterteilt. 

3. Die Mensch-Tier-Beziehung setzt jeweils beim Kleinen, Jungen (und 
damit besonders gefährdeten) an und schreitet zum Größeren, Älteren fort. 
Bei den gefährlichen Tieren fällt auf, daß nur die Tiere des Feldes und die 
Kriechtiere erwähnt werden, die mit dem Vieh und den Menschen densel- 
ben Lebensraum teilten (vgl. Gen 1,25). Außerdem werden bei den Raub- 
tieren im Unterschied zu den Herdentieren nur solche genannt, die erwach- 
sen bzw. - im Falle des T^DS - fast ausgewachsen sind und selbständig 
auf Beutesuche gehen können. 

Der Tierfriede, den Jes 11,6-9 vor Augen stellt, aber ist eine Umwertung 
der Realität: Wölfe, Leoparden, Bären und Löwen sind die größten Land- 
raubtiere Palästinas. Sie bedrohten die Herden (vgl. 1 Sam 17,34f) und 
auch den Menschen. Die folgende Tierkampfszene auf einem in Samaria 
gefundenen Elfenbein aus dem 8. Jh. v.Chr. macht diese Bedrohung beson- 
ders anschaulich (Abb. l'°). 




Abb. 1: Tierkampfszene auf einem Elfenbein aus Samaria: Dargestellt ist, wie ein 
Löwe einen Stier bzw. ein Rind anfällt und durch einen Nackenbiß zu töten versucht. 

Zu den sprichwörtlichen Feinden des Menschen, vor allem des palästini- 
schen Bauern, gehörten aber auch die Schlangen. Es gab kaum einen Ort, 

^ Vgl. dazu Steck, Tierfrieden, 111. 

Vgl. S. Schroer, In Israel gab es Bilder. Nachrichten von darstellender Kunst im Alten 
Testament (OBO 74), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1987, Abb. 34. 



Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 157 

WO man vor ihnen sicher sein konnte. Man konnte sie im Haus, auf dem 
Weg und bei der Feldarbeit treffen. So schildert z. B. das Bildwort Am 5,19 
einen Menschen, der erst vor einem Löwen und dann vor einem Bären flie- 
hen kann, um schließlich im schützenden Haus, fast schon gerettet, von ei- 
ner Schlange gebissen zu werden. 

Einige giftige Schlangen waren und sind in Palästina beheimatet, darunter 
die Vipera Xanthina und die Kobra / Uräusschlange, deren Gift tödliche 
Wirkung hat (vgl. Spr 23,32; Hi 20,14.16; Dtn 32,33)'^ Die von Löwen 
und Schlangen ausgehende Gefahr zeigt sehr schön eine Keramik aus Teil 
Asmar aus der Isin-Larsa-Zeit (ca. 1960-1860 v.Chr.) (Abb. 1^^): 




Abb. 2: Keramik aus Teil Asmar mit der Darstellung eines Schlangenbisses 

Zwei Männer werden von Schlangen gebissen. Ein dritter erhebt hilfesu- 
chend seine Hände gen Himmel. Von rechts kommt zusätzlich ein Löwe, 
der die Bedrohung der Menschen steigert. 

Die Gefährdungen durch die Raubtiere aber sollen in der von Jes 1 1 ange- 
kündigten Heilszeit nicht mehr bestehen. Vielmehr werden die bisherigen 
Feinde friedlich zusammenleben, wobei das stärkere Tier jeweils den ersten 
Schritt macht und sich zu dem schwächeren Tier begibt^ ^. Während es je- 
doch zu dem normalen, in der Natur zu beobachtenden Verhalten des stär- 
keren Tieres gehört, dem schwächeren nachzustellen, es zu jagen und 
schließlich zu zerfleischen, begibt es sich nun nicht in feindlicher, sondern 
in friedlicher Absicht zu diesem. Das zeigen vor allem die Verben, die das 
neue, ungewohnte Miteinander beschreiben: Der Wolf wird sich beim 
Lamm aufhalten ("113). Möglicherweise ist bei diesem Verb der Bedeu- 



1 ' Vgl. dazu H.-J. Fabry, Art. m}, ThWAT V (1986) 384-397, 388f. 

'^ Vgl. dazu O. Keel, Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testa- 
ment. Am Beispiel der Psalmen, Göttingen '1996, Abb. 106. 

'^ Vgl. dazu B. Janowski, Auch die Tiere gehören zum Gottesbund. Gott, Mensch und 
Tier im alten Israel, in: ders. / P. Riede, Die Zukunft der Tiere. Theologische, ethische 
und naturwissenschaftliche Perspektiven, Stuttgart 1999, 3 1-60, 47. 



1 58 Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 

tungsinhalt des hebräischen Substantivs "1? "FremdUng, Schutzbürger" in 
Rechnung zu stellen^'', so daß für V. 6 ein weitergehendes Verständnis an- 
zunehmen ist. Dann nämhch wäre der Wolf Schutzbürger des Lammes. 
Nicht das zahme Tier also wird vom Starken geschützt, sondern umgekehrt 
das Starke vom Schwachen. Das in V. 6f verwendete Verb f^T "lagern, 
sich niederlegen" beschreibt dagegen "nach der Mehrzahl der Belegstellen 
die Vorstellung vom Ruheverhalten und der Ruhestellung der Tiere" '^. 
Auch hier geht es um eine Veränderung des normalen Verhaltens: Wenn 
Leoparden und Böcklein oder die Jungen von Bärin bzw. Kuh aufeinander 
treffen, würden die Tiere in großer Unruhe auseinander stieben. Der Tier- 
friede aber ist gerade dadurch gekennzeichnet, daß die ursprünglichen tieri- 
schen Antipoden nun in Ruhe zusammen lagern'^. 

Das Bild des Lagems aber wird fortgeführt durch das des Weidens, also der 
aktiven Nahrungsaufnahme, die von Bärin und Kuh ausgesagt wird (V. 7a). 
Auch dies geschieht in völliger Harmonie, wie sich an dem ruhigen Zu- 
sammensein der Jungtiere beider Tiergattungen zeigt. Das Stichwort Nah- 
rungsaufnahme führt V. 7b schließlich fort, wenn betont wird, daß der Lö- 
we ebenso wie das Rind Strohnahrung zu sich nimmt ('^Di<). 
Wenn aber die Raubtiere friedlich mit den Herdentieren zusammen sind, 
muß der Bauer nicht mehr mit Verlusten in seiner Herde rechnen. Daß von 
den Raubtieren keine Gefahr mehr ausgeht, zeigt sich aber auch in ihrem 
Verhalten gegenüber den Menschen, das in V. 6b und 8 in den Blick 
kommt. Raubtiere und Herdentiere werden zusammen von einem kleinen 
Jungen friedlich gehütet. Das hier verwendete Verb JH] "hüten" nimmt das 
Milieu des Hirten in den Blick'"'. Ein Hirte schützte seine Tiere, oft unter 
Einsatz seines Lebens, vor den reißenden Raubtieren. Nachts oder beim 
plötzlichen Auftauchen der Raubtiere am Tage trieb er sie in Hürden aus 
Kameldom, um die Tiere besser abschirmen zu können. Abb. 3 zeigt eine 
solche Hürde' ^: 



14 
15 
16 



17 
18 



Vgl. dazu D. Kellermann, Art. "113, ThWAT I (1973) 979-991, 989. 

E.-J. Waschke, Art. ^^-i, ThWAT VII (1993) 320-325, 321. 

Daß es in V. 6 um das Miteinander (und nicht mehr um das übliche Gegeneinander) 

von Raub- und Herdentieren geht, zeigt die zweimal in V. 6 vorkommende Präposition 

WS, die in V. 6ba und V. 7aß weitergeführt wird durch das Adverb nPI'' (vgl dazu 

H.-J. Fabry, Art. nn;, ThWAT III [1982], 595-603, 599f). V. 6ba und V. 7aß sind 

zudem durch das Verb fm eng aufeinander bezogen. 

Vgl. W. Groß, Art. ]n], ThWAT V (1986) 275-279, 276; Wildberger, Jesaja, 457; 

Keel, Bildsymbolik, Abb. 314 (Inschriftenstein aus dem Grabmal des Hani aus dem 1 
Jh. v.Chr.). 



Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 159 




Abb. 3: Kleinviehhürde 

Der V-förmige Zugang der Hürde "erlaubt bei einer plötzlich auftauchen- 
den Gefahr, die Herde schnell - und ohne Gefahr, vom engen Eingang ab- 
gedrängt zu werden - in Schutz zu bringen"'^. 

Dieser Schutz ist aber nach Jes 11 nicht mehr nötig. Denn wenn alle Tiere 
friedlich zusammen weiden, kann die Fürsorge des Hirten unterschiedslos 
allen Tieren zukommen. Das Hirtenamt ist demnach gefahrlos geworden 
und kann sogar von einem kleinen Jungen übernommen werden^^. Die 
friedliche Harmonie wird schließlich durch den Hinweis auf Mensch und 
Schlange gesteigert. Die normalerweise zwischen beiden herrschende 
Feindschaft wird durch einen geradezu spielerischen, freudigen Umgang 
der schwächsten Glieder der menschlichen Gemeinschaft, den Säuglingen 
bzw. den bereits entwöhnten Kindern (V. 8), mit den sonst gefürchteten 
Kriechtieren abgelöst. 

Das im Text beschriebene Verhalten aller Tiere, nicht nur der Raubtiere, 
widerspricht den gängigen Beobachtungen: Der Stroh fressende Löwe 
kommt in der Natur genauso wenig vor wie das am Loch der Schlange 
spielende Kleinkind. 

Was aber ist der Sinn dieser Verheißung? "Handelt es sich um eine Hoff- 
nung, deren wörtlich-reale Erfüllung der Prophet erwartet, sind es Bilder, 
die einfach den allgemeinen Frieden der heilvollen Zukunft ankündigen 
wollen?"^' Ist sie allegorisch zu verstehen, so daß die Tiere bestimmte 
Menschentypen repräsentieren, die ihre tief eingewurzelte Feindschaft 
überwinden? Oder ist sie Sinnbild des Völkerfriedens? 
Die Exegese der letzten Jahre hat drei Interpretationslinien vorgezeichnet: 
Einmal ist der Text von der mit Gen 1 verbundenen Paradiesgeschichte in 
Gen 2 her zu lesen, wobei Jes 11 zahlreiche typische Einzelaspekte an- 
spricht, "die als Hinweis auf die gesamthafte Wiederherstellung des para- 



'^ Vgl. Keel, Bildsymbolik, 209. 

2° Zwar wurde die Hirtentätigkeit im alten Israel immer wieder von Kindern oder Ju- 
gendlichen wahrgenommen (vgl. Gen 37,2; 1 Sam 16,1 1), jedoch steht in Jes 1 1,6b der 
Kontrast "stark(es Tier) - schwach(er/junger Mensch)" im Vordergrund. 
Wildberger, BKX/\, 451. 



21 



1 60 Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 

diesischen Urzustandes zu verstehen sind"^^. Die Rückkehr der Raubtiere 
zu vegetarischer Ernährung nimmt auf Gen l,29f Bezug, die Aufhebung 
der Feindschaft zwischen Mensch und Schlange spieU auf Gen 3,15 an, wo 
davon die Rede war, daß der Mensch den Kopf der Schlange zertreten wird, 
diese aber den Menschen in die Ferse beißen wird, das friedliche Miteinan- 
der zwischen Raubtieren und Herdentieren bzw. den Menschen im selben 
Lebensraum Erde schließlich hat Gen 1,24-28 bzw. Gen 2,19f als Hinter- 
grund. 

Daneben hat der Text aber auch eine klare Israelperspektive, die sich vor 
allem durch die in Jes 11,6-8 genannten Raubtiere und die Schlangen er- 
gibt. Diese erscheinen nämlich in prophetischen Gerichtstexten häufig als 
Strafwerkzeuge JHWHs (vgl. Am 5,19: Löwe, Bär, Schlange; Jer 5,6: Lö- 
we, Wolf, Leopard). Wenn nun gerade diese Tiere "befriedet" werden, dann 
zeigt das, daß V. 6-8 "nicht universell von Natur, Tierwelt im ganzen, son- 
dern von Tiergefährdungen für Israel im Land als Strafe Jahwes [handelt], 
deren Wende in unüberbietbarer Weise hier angekündigt wird"^^. Es geht 
also "um eine landbezogene Perspektive bezüglich der nahen, menschlich- 
bäuerlichen Lebenswelt"^'', für die die Nutztiere eine besondere Bedeutung 
hatten. Bezogen auf Israel wird sich "die empirische Tierwelt gleichsam in 
eine allumfassende Haustierwelt"^^ verwandeln. 

Schließlich zeigt vor allem V. 9a durch den Rückbezug auf die biblische 
Sintfluterzählung eine universale schöpfungstheologische Perspektive. Was 
Gen 6,5 und Gen 6,1 If als Ursache der Flut benennen, die Verderbtheit der 
Erde und die Gewalt auf der Erde, und was in Gen 9,1-3 die Schreckens- 
herrschaft des Menschen über die Tiere begründetes, das findet in Jes 1 1 
ein Ende. "Das heißt aber doch nichts anderes, als daß nun ... das in Gen 
1,26-31 intendierte Schöpfungsziel 'endgültig' erreicht isf^^^. Nun ist die 



22 

R. Bartelmus. Die Tierwelt in der Bibel II. Tiersymbolik im Alten Testament - exem- 
plarisch dargestellt am Beispiel von Dan 7, Ez 1/10 und Jes 1 1,6-8, in: B. Janowski / 
U. Neumann-Gorsolke / U. Gleßmer (Hg.), Gefährten und Feinde des Menschen. Das 
Tier in der Lebenswelt des alten Israel, Neukirchen- Vluyn 1993, 283-306, 305; Gross, 
Idee, 83f; O. Kaiser / C. Westermann, Das Buch des Propheten Jesaja (ATD \l-\9\ 
Göttingen 1981, 245f. 

e^ Äec*, Tierfrieden, 111. 

Steck, Tierfrieden, 111. 

e^ Steck, Tierfrieden, 1 12. 

Vgl. dazu B. Janowski, Herrschaft über die Tiere. Gen 1,26-28 und die Semantik von 
m-|, in: ders., Die rettende Gerechtigkeit. Beiträge zu einer Theologie des Alten Te- 
staments II, Neukirchen- Vluyn 1999, 33-48, 45. 

E. Zenger, Die Verheißung Jes 1 1,1-10 universal oder partikular?, in: J. van Ruiten / 
M. Vervenne (Ed.), Studies in the Book of Isaiah. FS W.A.M. Beuken (BEThL 
CXXXII), Leuven 1997, 137-147, 145. 



Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 1 6 1 

Welt erfüllt von der Erkenntnis JHWHs und nicht mehr von dem von 
Mensch und Tier ausgehenden Unrecht. 

Die Vorstellung eines umfassenden Friedens zwischen Tier und Tier und 
zwischen Mensch und Tier hat eine umfangreiche Nachgeschichte, die im 
Alten Testament beginnt und bis ins Neue Testament reicht. Bereits am 
Ende des Jesajabuches, in Jes 65,25, findet sich ein Text, der Jes 1 1,6-9 bis 
in die Einzelheiten voraussetzt, andererseits aber durchaus eigene Akzente 
entwickelt: 

Wolf und Lamm weiden einträchtig, 

und der Löwe frißt Gras wie das Rind, 

und die Schlange, Staub ist ihr Brot. 

Sie schädigen nicht und verderben nicht 

auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht JHWH. (Jes 65,25) 

Anders als Jes 1 1 beschränkt sich Jes 65,25 auf die friedliche Nahrungsauf- 
nahme^^ auch der wilden Tiere, für die exemplarisch Wolf und Löwe ge- 
nannt werden, aber auch die Schlange, die in der Heilszeit wirklich nur 
Staub fressen wird, d.h. also ebenfalls friedlich sein wird. Während die 
Raubtiere zu Pflanzenfressern werden und Klein- und Großvieh des Bauern 
nicht mehr bedrohen, wird auch die Schlange, die vor allem dem "in un- 
wegsamen Gelände nach Futter suchende(n) Kleinvieh"^^ gefährlich wer- 
den konnte, ihre Ernährungsweise "umstellen". Dieser Friede innerhalb der 
Tierwelt aber wird Bestandteil einer umfassenden Neuschöpfung von 
Himmel und Erde sein (vgl. Jes 65,17), die - anders als die erste Schöpfimg 
- vollendetes Heil für alle Lebewesen garantiert""". 

IL "Er war mit den wilden Tieren" - der Tierfrieden in Mk l,12f 

Im Frühjudentum findet die Geschichte des Friedens zwischen den Tieren 
und zwischen Mensch und Tier ihre Fortsetzung. Vor allem zwei Texte 
sind hier anzuführen, die in direkter Aufiiahme von Jes 11 diese Vorstel- 



28 Vgl. nnK3 (V. 25aa). 

2^ Hunziker-Rodewald, Hirt und Herde, 200 Anm. 56. 



^° Vgl. dazu OH. Steck, Der neue Himmel und die neue Erde. Beobachtungen zur Re- 
zeption von Gen 1-3 in Jes 65,16b-25, in: / van Ruiten / M. Vervenne (Ed.), Studies 
in the Book of Isaiah, FS. W.A.M. Beuken (BEThL CXXXII), Leuven 1997, 349-365, 
360. 



1 62 Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 

lung entwickeln und fortführen^ ' . So kündigt die syrische Baruch- 
Apokalypse aus der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts n.Chr. an: 

Und einst wird es geschehen, wenn er (Gott) alles erniedrigt hat, was in der Welt be- 
steht: ... Blut und Gier und Neid und Haß .... verfallen dann der Verdammung und 
werden ausgerottet sein ... Die wilden Tiere werden aus dem Walde kommen und 
den Menschen dienen, aus ihren Höhlen werden Ottern dann und Drachen kommen, 
um einem Kinde sich zu unterwerfen, (syr Bar 73,1 .4.6) 

Auch in den um das Jahr 200 v. Chr. stammenden Sibyllinen findet sich die 
Hoffnung auf paradiesische Zustände, wenn Gott sein Königreich für alle 
Zeiten auflichtet: 

Er (Gott) wohnt in deiner Mitte, 

und so hast du unsterblich Licht. 

Und auf den Bergen fressen Wölfe 

mit Lämmern im Vereine Gras. 

Und Panther weiden mit den Böcklein 

Und Bären lagern mit den Kälbern auf der Weide. 

Der Löwe, der sonst Fleisch verzehrt, 

frißt Stroh aus einer Krippe, wie ein Ochs, 

und kleinste Knaben fuhren ihn an Stricken. 

Er (Gott) macht die wilden Tiere auf der Erde zahm. 

Es schlafen Drachen, Ottern 

mit Säuglingen zusammen, 

beschädigen sie nicht; 

denn Gottes Hand wird über ihnen sein. (Sib III 787-795) 

Beide Texte stellen die traditionsgeschichtliche Brücke zu jenem geheim- 
nisvollen Text in Mk l,12f dar, der Jesus mit den wilden Tieren zusam- 
menbringt. Gleich nach der Taufe Jesu am Jordan erzählt das Markusevan- 
gelium von folgender Begebenheit: 

12 Und sogleich führte ihn (sc. Jesus) der Geist in die Wüste. 

1 3 Und er war vierzig Tage in der Wüste, versucht vom Satan. 
Und er war bei den wilden Tieren, 

und die Engel dienten ihm. (Mk 1,1 2f) 

Der Text^^ enthält eine knappe Szene mit drei Hauptmotiven: dem vierzig- 
tägigen Aufenthalt in der Wüste, der Gemeinschaft mit den wilden Tieren 



31 



32 



Vgl. E. Größer, KAI HN META TQN ©HPIDN (Mk 1,13b). Ansätze einer theologi- 
schen Tierschutzethik, in: W. Schräge (Hg.), Studien zum Text und zur Ethik des Neu- 
en Testaments. FS H. Greeven (BZNW 47), Berlin 1986, 144-157, 145f 
Zu Mk l,12f vgl. auch U. Holzmeister, "Jesus lebte mit den wilden Tieren.". Mk 1,13, 
in: N. Adler (Hg.), Vom Wort des Lebens. FS M Meinem zum 70. Geb., Münster 
1951, 85-92; E. Pascher, Jesus und die Tiere, ThLZ 90 (1965) 562-570. 



Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 1 63 

und der Dienerschaft der Engel, wobei dem mittleren Motiv die entschei- 
dende hermeneutische Funktion zukommt^^. Vier Versuche, diese Szene zu 
deuten, kristallisierten sich im Laufe der Zeit heraus-''*: 

1. Die Tiere sind einfach Staffage für die menschenleere Wüste. 

2. Die Tiere verdeutlichen den feindlichen Charakter der Wüste. 

3. Die Tiere sind Feinde Jesu. 

4. Die Szene bildet insgesamt einen Gegenpol zu Gen 2f 

Nur die letzte Deutung hat einige Wahrscheinlichkeit für sich. Jesus ist hier 
Antityp zu Adam^^. Während nach biblischen und frühjüdischen Texten 
Adam am Anfang der Menschheitsgeschichte den ursprünglichen Frieden 
innerhalb der Schöpfung zerstörte, stellt ihn Jesus zu Beginn seines Wir- 
kens als Zeichen der anbrechenden Gottesherrschaft wieder her. Adams 
Gebotsübertretung hatte nach Meinung vieler frühjüdischer Autoren nicht 
nur Auswirkungen auf die Menschheit, sondern auch auf die Tiere. Nun 
aber, mit dem Erscheinen Jesu, ist nicht nur eine Verhaltensänderung der 
Engel zu verzeichnen, sondern auch der Umgang mit den Tieren wird neu 
bestimmt. 

Während der erste Adam von den Engeln des Paradieses verwiesen wurde, 
dienen diese nach Mk l,12f dem neuen Adam, der mit den Tieren die para- 
diesische Gemeinschaft emeuert^^. Gerade indem Jesus dem Satan wider- 
steht, gewinnt er das Paradies zurück. "Insofern ist Mk l,12f die gedrängte 
Darstellung des Herrschaftswechsels und damit des eschatologischen Um- 
schwungs, der Gottes gesamter Schöpfung den Frieden wiederbringt. In 
diesem Sinne ist dann auch im sekundären Mkschluß 16,15 die gesamte 
Schöpfung der Adressat der Verkündigung des Evangeliums"^''. 



•'^ Zur Motivkombination Tiere / Engel vgl. auch TestNaph 8,4-6. 

^'^ Vgl. dazu E. Größer, Tierschutzethik, 148-150; R. Bauckham, Jesus and the Wild An- 

nimals. A Christological Image for an Ecological Age, in: Jesus of Nazareth: Lord and 

Christ. Essays on the Historical Jesus and New Testament Christology, ed. by JB. 

Green and M. Turner, Carlisle 1994, 3-21, 4-7. 
^^ Vgl. dazu E. Größer, Tierschutzethik, 150ff; /. Größer, Biblische Tierschutzethik aus 

neutestamentlicher Sicht, in: B. Janowski / P. Riede (Hg.), Die Zukunft der Tiere. 

Theologische, ethische und naturwissenschaftliche Perspektiven, Stuttgart 1999, 114- 

127,117-120. 
^^ Vgl. / Gnilka, Das Evangelium nach Markus. Mk 1-8,26 (EKK Il/l), Neukirchen- 

Vluyn 1978, 58. 
^^ E. Größer, Tierschutzethik, 1 53, vgl. Fascher, Jesus, 568. 



1 64 Der Säugling am Loch der Kobra - Zum Tierfrieden im Alten Testament 

Natürlich passen gerade die wilden Tiere zur Wüste, sie bilden aber - wie 
schon die Präposition ^exd zeigt, die an das hebräische U13 von Jes 11,6 
erinnert - für Jesus keine Gefahr. 



III. Konsequenzen des biblischen Tierfriedens für heute? 

Kann dieser Schöpfungsfrieden heute aber überhaupt verwirklicht werden? 
Bleiben diese Texte nicht einfach schöne Utopien, Wunschbilder, die nie zu 
erreichen sind? Wenn wir diese Frage bejahen, gehen wir mit Sicherheit an 
der Absicht dieser Texte vorbei. Natürlich können wir es nicht bewerkstel- 
ligen, daß Löwen Stroh fressen, Wölfe und Schafe zusammen friedlich la- 
gern, und daß ein Kind wilde und zahme Tiere zusammen auf die Weide 
führt. Dennoch weisen uns diese Texte daraufhin, daß auch die wilden ge- 
fährlichen Tiere und die Exoten, die dem Menschen keinen unmittelbaren 
Nutzen bringen, einen unbestreitbaren Platz in Gottes Schöpfung inneha- 
ben. Der Mensch ist nicht berechtigt, ihnen diesen Platz streitig zu machen, 
indem er z. B. dafür sorgt, daß die Lebensräume dieser Tiere immer mehr 
beschnitten werden, bis diese schließlich aussterben. 
Der Anspruch, den diese Friedenstexte der Bibel gegenüber dem Menschen 
(indirekt) erheben, ist vielmehr derselbe, den auch der erste Schöpfungsbe- 
richt der Genesis intendiert: Ist es dort der Auftrag des Menschen als des 
Ebenbildes Gottes, als Mandatar dessen "sehr gute" Schöpfung zu beschüt- 
zen und zu bewahren, so ergibt sich nach Jes 1 1,6-9 und den anderen hier 
vorgestellten Texten die Aufgabe, "'den Frieden mit der Natur' als theologi- 
sche Aufgabe zu begreifen"^^. Dieser Friede aber "realisiert sich nicht in 
der Tilgung des Widrigen, sondern in seiner Konversion zu Nicht-mehr- 
Widrigem"39. 

Und mehr noch: Auch wenn Jes 1 1,6-9 die Bedrohung durch menschliche 
Feinde und deren Aufhebung nicht thematisiert, kann das Bild vom Tier- 
frieden dennoch ein Modell für den Umgang mit Feinden jeglicher Couleur 
abgeben. Entscheidend ist demnach nicht, "ob der Löwe 'wirklich' je Stroh 
fressen wird ..., sondern welche Erwartung, welche Einschätzung des 
Feindlichen, zuletzt welche gegenwärtige Praxis jener Friedenshoffhung 
entspricht'"*". 



-30 

E. Größer, Tierschutzethik, 156f. 

39 

Ebach, Ende des Feindes, 80. 

Ebach, Ende des Feindes, 81. 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, 
so sollte es heißen"* 

Hebräische Tiemamen und was sie uns verraten 



I. Einleitung - II. Zur Statistik und Klassifikation - III. Namen, die sich 
auf bestimmte Eigenschaften beziehen 1. Das Aussehen 2. Die Stärke 3. 
Die Funktion 4. Verhaltensweisen - IV. Namen, die Tierlaute nachahmen 
- V. Auf das Alter von Tieren bezogene Namen - VI. Der Lebensraum - 
VII. Namen, die sich auf die Lebensweise beziehen - VIII. Was Löwen 
und Heuschrecken verbindet ... - IX. Die crux interpretum bei den Vogel- 
namen - X. Der alttestamentliche Mensch und die Tiere - im Spiegel der 
Tiemamen - Anhang: Alphabetische Übersicht über die Klassifikation 
und Ableitung der hebräischen Tiemamen • 



L Einleitung 

Die Menschen im alten Israel lebten in unmittelbarer und inniger Beobach- 
tung der sie umgebenden Natur, ja sie waren - viel mehr als der moderne 
Mensch am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts - ein Teil von 
ihr. Zwar haben wir heute die Möglichkeit, selbst exotische Tierarten zu be- 
trachten: Zoologische Gärten und Natursendungen im Femsehen, die sich 
immer noch größter Beliebtheit erfreuen, bieten die Voraussetzung dafür. 
Das eigene Erleben der heimischen Tiere dagegen nimmt immer mehr ab 
und damit auch das Wissen um sie. Dies hat nicht nur seinen Grund darin, 
daß es immer weniger Menschen gibt, die ihre bemfliche Zeit mit Tieren 
und in der Natur verbringen, Förster, Hirten und Bauern z. B., sondern 
auch darin, daß gerade die wildlebenden Tiere immer mehr durch Straßen- 
bau und Industrialisierung, durch Erschließung von Gewerbe- und Bauge- 
bieten und dem damit einhergehenden Landschaftsverbrauch in Rückzugs- 
gebiete und Naturreservate abgedrängt werden und dort gerade wegen ihrer 



Herrn Prof. Dr. Bernd Janowski zum 30.4.1993 in Dankbarkeit und zur Erinnerung an 
die gemeinsame Arbeit am "Tierband", die den Anstoß zu diesem Aufsatz gab. - Für 
wertvolle Hinweise und die Durchsicht des Manuskripts danke ich Frau Dr. H. Weip- 
pert (Heidelberg), Frau Ute Neumann-Gorsolke (Uetersen) und meiner Frau Susanne 
Schneider-Riede. 

Siehe dazu unten S. 25 1-270 Anhang 1 . 



1 66 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

Seltenheit und Bedrohtheit wieder den Reiz des Exotischen für Wochen- 
end-Touristen gewinnen. 

Wer sieht abseits von solchen Naturparks noch ein Reh sich scheu im 
Wald bewegend, äsend, immer wieder die Ohren lauschend erhoben, um 
Geräusche als Zeichen für Gefahren rasch zu erkennen? Das Eichhörnchen, 
das sich auf den Bäumen des eigenen Gartens geschickt von Ast zu Ast 
vorwärtsbewegt, ist da vielleicht noch die Ausnahme. Viel eher sehen wir 
die unzähligen von Autos zerquetschten Körper der geschundenen Kreatur 
an den Rändern der Autobahnen und Bundesstraßen, Zeugnisse für die 
Prioritäten der modernen Gesellschaft, in der der auf der Suche nach Futter 
über die Straße laufende Hase oder Igel angesichts der dort herrschenden 
Geschwindigkeiten kaum eine Chance hat^. Nicht die natürlichen Feinde 
der Tiere tragen zum Aussterben vieler Tierarten bei, sondern der den Tie- 
ren (und sich selbst) zum Wolf gewordene Mensch, dessen Drang nach 
Expansion keine Grenzen kennt und der damit die Lebensräume der übri- 
gen Lebewesen immer mehr einschränkt^. 

Die Tiere sind uns weitgehend fremd geworden, sieht man von den unmit- 
telbaren Hausgenossen ab, den Katzen und Hunden, den Kanarienvögeln 
und Meerschweinchen, die heute der einzige lebende Bezugspunkt für 
viele Menschen sind, eine Funktion übrigens, die der zweite Schöpfungs- 
bericht eher dem Menschen zuschreibt, wenn er davon spricht, daß die 
Frau sein eigentliches Gegenüber ist. Dort wo der Mensch aber sich selbst 
überlassen ist, wird die existentielle Hilfe, die das Tier bieten kann, noch 
verstärkt: Die Hilfe nämlich, die darin besteht, seine Einsamkeit und damit 
seine Hilflosigkeit* zu durchbrechen. So werden die in der unmittelbaren 
Umgebung des Menschen lebenden Tiere vermenschlicht, weil sie einsam 
Gewordenen Wärme und Nähe geben, zum Gesprächspartner werden, ohne 
selbst sprechen zu können, und gleichzeitig ihrem menschlichen Gegen- 
über das Gefühl vermitteln, noch gebraucht zu werden. Daß Tiere dort zu 
Therapeuten des Menschen werden können, wo andere Hilfsmöglichkeiten 
versagen^, wird mehr und mehr (wieder-)entdeckt. 



Zu den Opfern des Straßenverkehrs bei Mensch und Tier siehe das engagierte Bänd- 
chen von P. Ceelen, Auf der Strecke bleiben, AsphaUkreuze im Gespräch, Stuttgart 
1988. 

Vgl. dazu eindrücklich auch L. Vischer, Mit den Tieren sein, EvTh 57 (1997) 283- 
305, 283-285. 

Vgl. zu dieser Definition von Einsamkeit schon G. v. Rad, Das erste Buch Mose: Ge- 
nesis (ATD 2-A\ Göttingen '"1976, 57 (zu Gen 1,18). 

Vgl. die Beispiele bei A. Engelien, Weihnachtsfeier im Schweinestall, in: Deutsches 
Allgemeines Sonntagsblatt Nr. 52 vom 25. Dez. 1992, 20 und bei Ch. Biegler, Mit 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 67 

Wenn wir uns nun den Namen, die das alte Israel den Tieren gab, zuwen- 
den, dann zeigt sich darin ein anderer Umgang mit ihnen, der natürlich be- 
gründet ist in unterschiedlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen 
Voraussetzungen, der uns aber etwas davon ahnen läßt, wie das Verhältnis 
des Menschen zum Tier einmal aussah. 

Schon auf den ersten Seiten der Bibel wird etwas von dieser Beziehung des 
Menschen zum Tier sichtbar. Der Erschaffung des Menschen folgt die der 
Tiere. Und der Mensch gibt einem jeden von ihnen seinen Namen. 
Immer wieder wurde in der Auslegung dieser Stelle hervorgehoben, daß 
der Mensch mittels der Namengebung die Tiere in seinen Lebensbereich 
einordnet^. Andere betonen, die Namengebung sei Ausdruck von Herr- 
schaft über die Tierwelt"^. Aber ist sie nicht eher Ausdruck der Beziehung, 
die der Mensch zu den Tieren eingeht^? Sie sind zwar nicht Fleisch von 
seinem Fleisch, aber sie sind Lebewesen wie er und haben dasselbe Ge- 
schick: Aus Erde vom Acker geformt, durch den Odem Gottes belebt^, 
müssen sie wie der Mensch wieder zu Erde werden (vgl. Ps 104,29f). Mit 
der Erschaffung der Tiere ist nicht die vom Menschen ersehnte "Hilfe" 
vorhanden. Die ihm ebenbürtige Partnerin fehlt. Die Erschaffung der Frau 
bedeutet nun aber nicht die völlige Aufhebung der Gemeinschaft zwischen 
Mensch und Tier, ihre Entwertung; diese Gemeinschaft hat nur eine andere 
Qualität' °. Dafür spricht auch, daß der Mensch durch die Namengebung 
die Tiere bereits als zu seinem Lebensbereich gehörig anerkannt hat. 



Schlange und Meerschwein gegen Krankheit und Einsamkeit, Rhein-Neckar-Zeitung 
Nr. 18vom23./24.1.1993. 

^ Vgl. z. B. O.H. Steck, Die Paradieserzählung. Eine Auslegung von Genesis 2,41>-3,24, 
in: ders., Wahrnehmungen Gottes im Alten Testament (TB 70), München 1982, 81. 

' So A. Bietenhard, Art. Name, BHH II (1964) 1284-1286, 1284; W. Zimmerli, 1. Mose 
1-11: Urgeschichte (ZBK.AT I/l), Zürich 1967, 140f; R. Bartelmus, Die Tierwelt in 
der Bibel I: Exegetische Beobachtungen zu einem Teilaspekt der Diskussion um eine 
Theologie der Natur, in: B. Janowski / U. Neumann-Gorsolke / U. Gleßmer (Hg.), Ge- 
fährten und Feinde des Menschen. Das Tier in der Lebenswelt des alten Israel, Neukir- 
chen- Vluyn 1993, 245-277, 264; Steck, Paradieserzählung, 32*\ vgl. die Argumente 
dagegen bei M.-L. Henry, Das Tier im religiösen Bewußtsein des alttestamentlichen 
Menschen, \n: Janowski / Neumann-Gorsolke / Gleßmer (Vig.), Gefährten, 20-61, 26". 
A. de Pury, Gemeinschaft und Differenz. Aspekte der Mensch-Tier-Beziehung im al- 
ten Israel, in: Janowski /Neumann-Gorsolke / Gleßmer (Hg.), Gefährten, 112-149, 
spricht von einem "Akt der Souveränität" des königlichen Menschen, der aber nicht 
beinhalte, daß die Tiere zum Objekt degradiert werden (ebd. 134). 

* Vgl. Vischer, Mit den Tieren sein, 286f 

^ Diese Aussage fehlt in Gen 2. 

So auch de Pury, Gemeinschaft, 127. 



10 



1 68 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

Vielleicht ist das auch der Grund dafür, daß zwar Vieh, Vögel und Tiere 
auf dem Feld, also die zahmen und die wilden Erdbewohner und die Be- 
wohner der Lüfte eigens aufgezählt, die Bewohner der Meere und Flüsse 
aber, die Fische, nicht erwähnt werden". Denn sie gehören nicht zum un- 
mittelbaren Lebensbereich des Menschen'^. Auffällig ist femer, daß der 
Prozeß der Domestikation in Gen 2 vorausgesetzt wird, denn der Text un- 
terscheidet zwischen HDriB und HTI, also den zahmen und den wilden 

T •■ : T - ' 

Tieren'3 Aber anders als nach dem Fall ist die Nähe zum Menschen für 
alle Tiere noch die gleiche. Noch ist die Feindschaft zwischen Menschen- 
und Teilen der Tierwelt nicht in Sicht. 

Leider zählt Gen 2 die verschiedenen Namen, mit denen der Mensch die 
Tiere bezeichnet, nicht eigens auf, allein die Schlange (tl^nj) erscheint in 
Gen 3 und wird sofort mit einem sie qualifizierenden Merkmal benannt: 
Sie war listiger als die übrigen wilden Tiere. Andere Tiemamen werden 
nicht erwähnt. Aber schon die Tatsache, daß die Namengebung Teil des 
"jahwistischen" Schöpfungsberichtes ist, zeigt, daß sie Anlaß war für die 
Menschen zum Nachdenken und Nachfragen. Die Namengebung war nach 
der Intention von Gen 2 kein Zufall, sondern ein mitschöpferischer Akt des 
Menschen, der Nähe und Beziehung zu den Tieren voraussetzt und durch 
den die Tiere erst Teil der geschaffenen Welt werden''*. Zwar gibt der Text 
keine Kriterien für die Benennung der Tiere an. Aber werm er betont, daß 
jedes Tier seinen Namen erhielt (DlNn l':'"«"!?'! I^Vs hti) 



^ ' Interessanterweise sind im biblischen Hebräisch (anders als im Ägyptischen, wo an die 
50 Fischnamen überliefert sind) neben der allgemeinen Bezeichnung JN"^ / J1 / nJT 
keine besonderen Namen für Fischarten belegt (vgl. G.J. Botterweck, Art. 31, ThWAT 
II [1977] 139-147,140.144). 

'^ Gen 2,4b-3,24 liegt die Sicht des Regenfeldbau betreibenden Bauern zugrunde (vgl. 
Gen 2,5). 

'•^ Während in Gen 2,19 nur die beiden Tiergruppen mtJ^n HTI und CfSK^H ^'S vor- 
kommen, werden in Gen 2,20 drei Gruppen von Tieren vom Menschen benannt: 
r\^T\'^ - □"'OC;n ^1I? - r\1Wr\ r^n. m2;n rr'n meint daher in V. 19 wohl allgemein 
die Landtiere, in V. 20 die von den zahmen Tieren unterschiedenen Wildtiere (vgl. 
G.J. Botterweck, Art. n;jn3, ThWAT I [1973] 523-536, 524f). M.-L. Henry. Art. 
Tier, BHH III (1966) 1984^1987, geht davon aus, daß die domestizierten Tiere als 
solche erschaffen wurden: "Es war also schon in alter Zeit keine Erinnerung mehr an 
ihre Zähmung lebendig" (ebd. 1984). 

'^ Vgl. dazu C. Westermann, Mensch, Tier und Pflanze in der Bibel, in: Janowski / Neu- 
mann-Gorsolke / Gleßmer (Hg.), Gefährten, 90-106, 92, sowie ders., Schöpfung (TT 
12), Stuttgart 1983, 121: "Die Tiere als Geschöpfe haben keinen Namen; Namen er- 
halten erst die der Welt des Menschen zugeordneten Tiere, und darum kann auch nur 
der Mensch selbst ihnen Namen geben." 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 69 

IDC?; Nin n;n ^53'^), so setzt er sicherlich die in Israel zur Zeit der Ab- 
fassung von Gen 2 bekannten Tiemamen voraus'^. 

Der "jahwistische" Schöpfungsbericht mit seinen ätiologischen Absichten 
gibt somit nicht nur eine Erklärung auf die Fragen nach der Feindschaft 
zwischen Mensch und Tier, nach dem entbehrungsreichen Leben des Men- 
schen'^, sondern er beantwortet auch die Frage, wozu die Tiere geschaffen 
sind und wann und von wem sie ihre Namen erhalten haben. Nicht von 
Gott, wie man ja auch erwarten könnte'*, sondern von dem ersterschaffe- 
nen Menschen. Und indem er den Namen jedes Tieres ausspricht, erfaßt er 
jeweils etwas von seinem Wesen. Sehr schön zeigt das M.L. Henry in ih- 
rem klassischen Aufsatz "Das Tier im religiösen Bewußtsein des alttesta- 
mentlichen Menschen": Namengebung ist mehr als "die markierende Be- 
zeichnung eines Gegenstandes oder Lebewesens". In ihr "bekundet sich die 
Erfahrung eines Anderen, das in irgendeinem Sinne ein vertrautes Du ist. 
Spontane Benennung kann nur erfolgen, wo ein Gegenüber spontan er- 
kannt wurde, wo Wesen vom gleichen Wesen ist, das sich sofort und mü- 
helos erschließt. ..."'9. 

Nicht nur die von Tieren handelnden Erzählungen, Legenden und Sprüche 
können uns daher Auskunft geben "über den Menschen, ... über sein 
Selbstverständnis und sein Weltverständnis"^°. Auch die Namen der Tiere 
können Informationen darüber enthalten. 

Was aber verraten uns die Tiemamen, die sich in der hebräischen Bibel 
finden und die der Text von Gen 2 sicherlich voraussetzt, über ihre Träger 
und das Verhältnis des Menschen zu ihnen? Welche Kriterien für die Be- 
nennung können wir ihnen entnehmen?^' 



'^ Zur Deutung dieses grammatikalisch schwierigen Satzes s. B. Jacob, Das erste Buch 
der Tora. Genesis, Berlin 1934, 96 und K. Koch, Der Güter Gefährlichstes, die Spra- 
che, dem Menschen gegeben, in: ders., Spuren des hebräischen Denkens. Beiträge zur 
alttestamentlichen Theologie. Gesammelte Aufsätze Bd. 1, hg. v. B. Janowski und M 
Krause, Neukirchen 1991, 238-247, 245f 

' ö Vgl. dazu Zimmerli, ZBK. AT 1/1,139; Steck, Paradieserzählung, 48'1 

''' Zu diesen die Gegenwart des Erzählers betreffenden Fragen vgl. de Pury, Ge- 
meinschaft 122f 

'* Vgl. z. B. die Benennung der ersten Schöpfungswerke durch Gott in Gen 1 ,6-10. 

'^ Henry, Das Tier, 26; etwas von diesem spontanen Erkennen ist bei uns erhalten ge- 
blieben, wenn wir ein Haustier benennen, den Kater "Felix", die Katze "Miez" usw. 

20 Henry, Das Tier, 2 1 . 

2' Die benutzten Wörterbücher werden folgendermaßen abgekürzt: GB: W. Gesenius, 
Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, hg. v. F. 
Buhl, Berlin etc. 1962 (="1915); GB": W. Gesenius, Hebräisches und Aramäisches 
Handwörterbuch über das Alte Testament, hg. v. R. Meyer und H. Donner, Bd. 1-2, 
Berlin etc. "1987.1995; HAL: L. Köhler / W. Baumgartner / J.J. Stamm, Hebräisches 



1 70 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

II. Zur Statistik und Klassifikation 

Ca. 208 Tiemamen22 enthält das Alte Testament, davon ca. 90 Namen für 
Säugetiere (ca. 44 für zahme, 46 für wilde Tiere), ca. 42 Vogelnamen, da- 
von allein 10 für Greifvögel, femer Namen von mythischen Tieren (Rahab, 
Leyjathan, Behemot), von Schlangen (12) und anderen Kriechtieren und 
allein 10, z.T. miteinander verwandte Bezeichnungen für die Heuschrecke. 
Doch sind längst nicht alle in Israel bekannten Tiere namentlich belegt. So 
fehlen z. B. Bezeichnungen für die Katze^^ und für den Elefanten, obwohl 
z. B. Elfenbein als Material durchaus Verwendung fand^^. 



und aramäisches Lexikon zum Alten Testament, Band 1-4, Leiden M 967-1 990. - Zu 
den ugaritischen Temiini, die, sofern belegt, zum Vergleich genannt werden, siehe ne- 
ben den Artikeln in HAL und ThWAT C.H. Gordon, Ugaritic Textbook (AnOr 38), 
Rom 1965, 347ff (Glossar).530ff (Englisch-Ugaritischer Index); J. Huehnergard, 
Ugaritic Vocabulary in syllabic Transcription (HSS 32), Atlanta / Georgia 1987; K. 
Aartun, Studien zur ugaritischen Lexikographie. Mit kultur- und religionsgeschichtli- 
chen Parallelen. Teil 1: Bäume, Tiere, Gerüche, Götterepitheta, Göttemamen, Verbal- 
begriffe, Wiesbaden 1 99 1 . Für die vergleichende Semitistik s. A. Murtonen, Hebrew in 
its westsemitic settings. A comparative survey of non-masoretic Hebrew dialects and 
traditions. Part one: A comparative Lexicon, Section Bb: Root System: Comparative 
material and discussion (Studies in Semitic languages and linguistics XIII), Leiden etc. 
1989. Für die akkadischen Bezeichnungen vgl. neben fV. von Soden, Akkadisches 
Handwörterbuch, Wiesbaden 1965 ff (= AHW) und Chicago Assyrian Dictionary, 
1956ff (= CAD): B. Landsberger, Die Fauna des alten Mesopotamien nach der 14. Ta- 
fel der Serie HAR-RA = ffUBULLL/ (ASAW 42/6), Leipzig 1934 = Landsberger, 
Fauna; ders., The Fauna of Ancient Mesopotamia I/II (Materialien zum sumerischen 
Lexikon [=MSL] VIII/1+2), Rom 1960/2; A. Sahnen, Agricultura mesopotamica nach 
sumerisch-akkadischen Quellen (AnAcScFen 149), Helsinki 1968; ders., Hippologica 
Accadica (AnAcScFen 100), Helsinki 1955; ders., Jagd und Jagdtiere im alten Meso- 
potamien (AnAcScFen 196), Helsinki 1976; ders., Vögel und Vogelfang im alten 
Mesopotamien (AnAcScFen 1 80), Helsinki 1973. 

Je nach dem, ob man maskuline und feminine Formen jeweils eigens zählt und ob man 
Konjekturen mitrechnet, ergeben sich Schwankungen in der Gesamtzahl. Eine Zu- 
sammenstellung der hebräischen (und aramäischen) Tiemamen und Tierbezeich- 
nungen findet sich bei P. Riede, Glossar der hebräischen und aramäischen Tiemamen / 
Tierbezeichnungen, in: Janowski / Neumann-Gorsolke / Gleßmer (Hg.), Gefährten, 
361-376 = unten S. 271-288; die dort enthaltene Liste muß um II niJil ([Hi 39,13] = 
fem. von II JJ = Falke; siehe dazu HAL, 676), bnt (Dtn 32,24; Mi 7,17), eine nicht 
näher spezifizierte Bezeichnung für ein Reptil (s. dazu unten Abschn. 1/4), und um 
2nn ergänzt werden; eventuell ist auch noch nn"]D (sie!) "Brut" (von I mS) in Hi 
30,12 in die Liste der Tierbezeichnungen aufzuzunehmen, femer T'E^n ni33 "Sing- 
vögel" (Koh 12,4) und T'PT "Sänger (?)" (Hld 2,12), vgl. G.R. Driver, Birds in the 
Old Testament I. Birds in Law, PEQ 87 (1955) 5-20, 6. 
2^ Belegt erst in Bar 6,22. 

^'^ Zur Bezeichnung □"'3n32? 1 Kön 10,22 // 2 Chr 9,21 vgl. S Powels, Indische Lehn- 
wörter in der Bibel, Z AH 5 ( 1 992) 1 86-200, 1 94. 



22 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 171 

Während es meist schwierig ist, die hebräischen Namen der Tiere in unsere 
modernen zoologischen Kategorien einzuordnen^^, kann die Etymologie in 
vielen Fällen Hilfen zur Deutung der Tiemamen bieten, vor allem dann, 
wenn diese "eine markante Eigenschaft des Tieres für die Benennung zu 
Grunde legen"26. 

Doch müssen längst nicht alle Tiemamen verbale Etymologien aufweisen. 
"Mitunter ließe sich ... fragen, ob die Zusammenhänge nicht auch umge- 
kehrt gesehen werden können, d.h. ein (etymologisch nicht analysierbarer) 
T.[iemame] liefert den Grundbegriff, von dem ein Verbum 'sich wie das 
Tier NN verhalten' abzuleiten ist''^"?. "Gesichert sind solche Fälle, in denen 
der T.[iemame] gleichsam 'urverwandt' in benachbarten Sprachen auf- 
tritt"28. Diese auf das Ägyptische bezogene Feststellung W. Westendorfs 
gilt vice versa auch für die hebräischen Bezeichnungen. Viele der hebräi- 
schen Namen, die parallel in anderen semitischen Sprachen auftreten, kön- 
nen so echte Eigennamen darstellen. 

Allerdings dürften viele Bezeichnungen schon für den Menschen im alten 
Israel Fremdworte gewesen sein, "deren Ableitung und Sinngebung er 
nicht immer durchschaute"^'. Viele dieser Worte werden sich - zusammen 
mit den Produkten, die durch sie bezeichnet wurden - durch den Femhan- 
del verbreitet haben. So wird wahrscheinlich ^^ip "Affe" (1 Kön 10,22 // 2 
Chr 9,21) ein Wanderwort darstellen, dessen häufig vermuteter Ursprung 
im Sanskrit (< kapi) nicht eindeutig ist (vgl. akkad. uqOpu^^). 
"Gerade im Kreis der Benennungen der ältesten Haustiere und ihrer Kör- 
perteile gibt es sowieso viele ... Beispiele von Kultur- und Wanderwörtem, 



25 Zur Problematik vgl. P. Riede, Tiemamen und Tierbezeichnungen, in; Janowski / 
Neumann-Gorsolke / Gleßmer (Hg.), Gefährten, 377-381. 

26 w. Westendorf, Art. Tiemamen, LA VI (1986) 588f, 588. 

27 Ebd. mit Beispielen aus dem Ägyptischen. 

28 Ebd. mit Verweis auf äg. zJb "Schakal" und die inneräg. Ableitung ziö "(wie ein 
Schakal) herumziehen". Für das Verhältnis von nominalen und verbalen Wurzeln im 
Semitischen vgl. grundsätzlich W. von Soden, Grundriß der akkadischen Grammatik 
(AnOr 33/47), Rom 1969, 51f 

29 / Schreiner, Der Herr hilft Menschen und Tieren (Ps 36,7), in: Janowski / Neumann- 
Gorsolke / Gleßmer (Hg.), Gefährten, 219-239, 227f 

30 Vgl. dazu Sahnen, Jagd, 230.267; Landsberger, Fauna, 87; AHW, 1427b und aus- 
führlich Powels, Lehnwörter, 195f; weitere Belege bei Murtonen, Lexicon, 373, s.v. 
QIVP II. Dagegen nimmt HAL, 1018 für das hebr. f]ip "vielleicht / wohl Lw. aus 
Äg." an (vgl. äg. gif); vgl. auch GB, 709. Für eine solche Ableitung aus dem Ägypti- 
schen könnte sprechen, daß seit dem Neuen Reich in Ägypten Paviane und Grüne 
Meerkatzen, die früher im Lande heimisch waren, aus Nubien und Punt importiert und 
z.T. auch nach Mesopotamien exportiert wurden (vgl. P. Maiberger, Art. Affe, NBL I 
[1991] 60). 



1 72 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

die nicht aus einer bestimmten Sprachgruppe herzuleiten sind. Solche sind 
z. B. das akkadische saru, hebr. IW, arab. taurif, womit zu vergleichen sind 
gr. Tttupoc;, lat. taurus, altpreuss. tauris, got. stiur, ahd. stior, nhd. Stier, als 
deren Grundform von den Indogermanisten *(s)tewros, eig. 'der Dicke, Fe- 
ste' (mit altind. stAaras' dick, fest' verglichen) eingesetzt worden ist"^'. 
Die Namen sind z.T. Personifizierungen von Abstrakta^^; sie nehmen Be- 
zug auf bestimmte Eigenschaften der Tiere, ihr Aussehen (z. B. ihre Fär- 
bung), ihren Lebensraum, besondere Fähigkeiten, die sie auszeichnen, das 
Alter eines Tieres (vor allem, wenn es für eine Gattung mehrere Bezeich- 
nungen gibt); manche Namen ahmen charakteristische Rufe nach^^. 
Darauf soll nun im folgenden näher eingegangen werden, auch wenn viele 
Herleitungsversuche äußerst umstritten sind und bei dem heiklen Thema 
der Erklärung der biblischen Tiemamen längst noch kein Konsens erreicht 
ist. 



III. Namen, die sich auf bestimmte Eigenschaften beziehen 
J. Das Aussehen 

Daß Tiere nach ihrem Aussehen benannt werden, ist uns auch im Deut- 
schen nicht fremd: Wir kennen z. B. das Rotwild, den Braunbären und die 
Schildkröte. Auch im Hebräischen dienen charakteristische Farben oder 
Färbungen der Tiere zur näheren Bezeichnung: So spielt der Name yi33 
"die Farbige, farbig Gestreifte" (von I r3H färben^^; vgl.akk. dasu^^; ja.7 



31 
32 



33 



34 



Sahnen, Hippologica, 78'; AHW, 1287; H.-J. Zobel, Art. IIC?, ThWAT VII (1993) 
1199-1205,1200. 

Vgl. fV. Eilers, Zur Funktion der Nominalformen. Ein Grenzgang zwischen Morpho- 
logie und Semasiologie, WO 3 (1964) 80-145, 133, der zur Bildung der semitischen 
Tiemamen feststellt: "... wie es scheint (bestehen sie oft) ... einfach aus den der Vor- 
stellung entsprechenden Abstraktnomina", und er fährt fort, "... ob der Be- 
deutungsübergang vom Abstraktum ('Inbegriff von') zum konkreten Tier direkt er- 
folgte? Wir sind wieder geneigt, darin Ellipsen zu sehen ..." (132'). 
Vgl. zur Art der Namengebung schon Jacob, Das erste Buch der Tora, 96. Für die 
Verhältnisse in Ägypten s. Westendorf, Tiemamen, 588f Zur Frage der Klassifikation 
der Tiemamen s. auch E. Schwab, Die Tierbilder und Tiervergleiche des Alten Testa- 
ments. Material und Problemanzeigen, BN 59 (1991) 37-43, 43. Die dort genannten 
Einteilungen bezogen auf Tiervergleiche lassen sich z.T. auch auf die Tiemamen 
übertragen. Ähnliche Einteilungen finden sich auch bei C. Wolterman, On the names 
of birds and hieroglyphic sign-list G 22, G 35 und H 3, Jaarbericht van het voorazia- 
tisch-egyptisch Genootschap ex Oriente lux 32 (1991/92) 1 19-130. 
Vgl. HAL, 936f; GB, 672; Murtonen, Lexicon, 354, s.v. CB&: "The word for hyaena 
has become a wandering one and suffered many phonological and structural variations 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 73 

syr.p'A; äth. sä'ää, arab. dadu'/ daö^'Hyme") in Jer 12,9 auf die Färbung 
eines Tieres an, wobei nicht ganz geklärt ist, auf welches: 

Ist mir mein Erbteil zur Höhle einer J;i3^ geworden, daß Raubvögel es um- 
lagem?^^ 

Am wahrscheinlichsten ist, daß die Streifenhyäne gemeint ist^"^, die u.a. in 
Nordafrika, Palästina, Syrien und Persien vorkommt^^ und "gerne in ver- 
lassenen Erdhöhlen anderer Tiere (ruht)"^^. Die Farbe ihres Felles besteht 
aus einem "gelblichen Weißgrau, von welchem sich schwarze Querstreifen 
abheben"40. 

Auch der Leopard ("1^3 < *nimr / namr, vgl. akk. nimm [AHW, 790; CAD 
N, 234f: Panther]; arab. /7äm/r, syr. nemrS ; äth. namer; aram. n'mar^^) 
fällt durch seine Flecken auf, eine Eigenschaft, die sprichwörtlich für die 
Unabänderlichkeit einer Sache steht: 

Kann etwa ein Kuschiter seine Haut wandeln oder ein Leopard seine Flecken? So 
wenig könnt auch ihr Gutes tun, die ihr Böses gewohnt seid (Jer 13,23), 

fragt Jeremia vorwurfsvoll die Jerusalemer und spielt damit auf die cha- 
rakteristische Färbung'*^ dieser Raubkatze an, die sie von ihren Artgenos- 



... but its derivation from this root (sc: K3:5) (as the multicoloured one) is neverthe- 
less plausible". 

35 AHW, 143a; CAD B, 349, vgl. Sahnen, Jagd, 193; Landsberger, Fauna, 79. 

3^ Zur Interpretation s. J.A. Emerton, Notes on Jeremiah 12,9 and some suggestions of 
J.D. Michaelis about the Hebrew Words naM 'sebrS, mdjadä', ZAW 81 (1969) 182- 
191, 182-188 und GR. Driver, Birds in the Old Testament II. Birds in Life, PEQ 87 
(1955) 129-140, 139f. 

^■^ Vgl. J. Feliks, Art. Hyäne, BHH II (1964) 755. Anders A. Weiser, Das Buch des Pro- 
pheten Jeremia (ATD 20/21), Göttingen M956, 112: "Sein (Jeremias) Volk kommt 
ihm vor wie der kleine bunte Vogel, über den die Raubvögel von allen Seiten herfal- 
len, weil sie den Fremdling nicht in ihrer Mitte dulden." Zur Stelle vgl. auch H.-P. 
Müller, "Der bunte Vogel" von Jer 12,9, ZAW 79 (1967) 225-228. 

3^ Vgl. [A.E. Brehm], Der farbige Brehm, nach der 2., überarbeiteten Auflage von 
Brehms Tierleben 1 878ff überarbeitet und ergänzt von Th. Jahn, Freiburg ^"1990, 87 
(im folgenden: "Brehm"). 

39 p. Maiberger, Art. Hyäne, NBL II (1995) 206. 

40 Brehm, 86. 

41 Vgl. Sahnen, Jagd, 219f 226ff; vgl. schon die Wendung "[krma] nimri tukkupat' "wie 
ein Panther getüpfelt", zit. bei Landsberger, Fauna, 77; zur Problematik der Überset- 
zung des Wortes nimm I namer vgl. M.J. Mulder, Art. nOJ, ThWAT V (1986) 463- 
468, 464f 

42 Rötlich-gelb mit schwarzen Flecken, vgl. dazu J. Feliks, Art. Parder, BHH III (1966) 
1390. 



1 74 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen" 

sen unterscheidet. Z.T. nimmt man eine Ableitung von I *~ID] an, einer 
Wurzel, die man in Bezug bringt mit arab. namira "fleckig sein'"*^ (vgl. das 
vom Nomen abgeleitete mhe. Verb nmr pi. "fleckig machen"). Doch dürfte 
hier der Fall umgekehrt liegen und das Ausssehen des Tieres zur Bildung 
des arab. Verbs namira geführt haben'^''. 

Auch die Färbung der Schlangen könnte Anlaß zur Namensbildung gewor- 
den sein. So kann das Wort ^"1^ "adj. oder sbst. sein ... und dürfte ... mit 
I ^"12; zusammenhängen. Es bedeutet danach von der Farbe oder vom 
brennenden Biß her: glühend, brennend, bzw. 'der Glühende, Brennen- 
de""*5. 2;n]''^ dagegen, die Gattungsbezeichnung für Schlangen'*'^, wird mit 
dem hebräischen Wort für Kupfer, DtJ^h^, in Verbindung gebracht und 
könnte so auf die metallisch glänzende Haut dieses Kriechtieres anspie- 
len . Doch ist diese Ableitung eher unwahrscheinlich und mit einem Pri- 
mämomen zu rechnen'*^. 

Das Hapaxlegomenon n''Qlp2;50 (Spr 30,28) schließlich dürfte zusammen- 
zustellen sein mit dem von *DP "Spezerei" abgeleiteten Verbum DD 0/2; 
"färben", vgl. arab. sänim abras, "die Aussätzige", d.h. "die gefleckte 



43 
44 
45 



46 



Vgl. HAL, 662; andere sehen in "IQ] ein Primämomen, vgl. Mulder, ")Q], 464. 
Vgl. auch Murtonen, Lexicon, 283, der das Wort für ein Wanderwort hält. 
HAL, 1267, vgl. GB, 794, ebenso E. Firmage, Art. Zoology, ABD VI (1992) 1109- 
1167, 1159"; K Jaros, Art. Seraf(im), NBL III (2001) 574. Vgl. auch U. Rüters- 
wörden, Art. ^^, ThWAT VII (1993) 882-891, 887: Das Wort ist eine ga/a/-Bi\- 
dung von srp{BLe § 61 m"-o". "Da s'rpein transitives Verb ist, würde mit särspeine 
Größe bezeichnet, die etwas versengt" (ebd.). Einen anderen Ableitungsversuch macht 
M. Görg, Die Funktion der Seraphen bei Jesaja, BN 5 (1978) 28-39 (Zusammenhang 
mit äg. sfr "Greif). 

Vgl. ug. nAs, zu den Belegen in Ugarit vgl. HJ. Fabry, Art. tn\, ThWAT V (1986) 
384-397, 390f; M. Dietrich / O. Loretz / J. Sanmartin, Bemerkungen zur Schlangen- 
beschwörung RS 24.244 = UG. 5, S. 564FF. Nr. 7, UF 7 (1975) 121-125; M. Tsevat, 
Der Schlangentext von Ugarit UT 607 - KTU 1.100 - UG V, 564ff- RS 24.244, UF 
11 (1979) 759-778; M. Dietrich / O. Loretz, Die Bannung von Schlangengift (KTU 
1.100 und KTU 1.107;7b-13a.l9b-20), UF 12 (1980) 153-170. 
Vgl. Fabry, E?!!], 386. 

Vgl. O. Keel / M.Küchler I Chr. Uehlinger (Hg.), Orte und Landschaften der Bibel. 
Ein Handbuch und Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1: Geographisch- 
geschichtliche Landeskunde, Zürich / Einsiedeln / Köln 1984, 163f, 164 (im folgen- 
den: OLB 1). Zu anderen Ableitungsvorschlägen s. Fabry, E^nj, 385: Diskutiert wer- 
den folgende Zusammenhänge: arab. y^ay?^/" Schlange, Insekt, Vogel"; ä/ "zischeln"; 
/yi/ "erregt, bewegt sein"; äg. /7y^i/ "schwarz, dunkel, düster". Zur Identifizierung der 
hebräischen Schlangennamen mit heutigen zoologischen Bezeichnungen s. M.-L. Hen- 
ry, Art. Schlangen, BHH III (1966) 1699-1701, 1699f 

^'^ So auch Fabry, ebd. und Murtonen, Lexicon, 280 s.v. NXS. 

Vgl. mhe. n^QDP; ja. / syr. NfT'qaO (Gecko). 



47 
48 



50 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 75 

Eidechse", und "eine Bezeichnung für die Gecko genannte Art der Eidech- 
sen"^' darstellen. 

Sein rötliches Fell hat wie im Deutschen der Name für den Rehbock / Dam- 
hirsch "-n;:n:" (Dtn 14,5; l Kon 5,3; vgl. Mg.jhmr'}, arah. Jahmür, ja. / 
syr. ^^niDH!) im Blick (vgl. II "lün rot, rötlich, erdfarben sein)". 
Auch für -l1?2n (vgl. ug. hmr^^), "das rote Tier", den "Esel"^^ kommt eine 
Ableitung von II "IDn infrage, möglich wäre allerdings auch ein Zu- 
sammenhang mit arab. hmr "aufladen"^^ so daß der Name eine der we- 
sentlichen Aufgaben des Esels, die des Lasttieres nämlich, aufnehmen 
würde^^. Andere wiederum sehen einen Zusammenhang zur Wurzel I "IQ FI 
qal "wütend sein", so daß "llDll "auf die störrischen und arbeitsunlustigen 
Charaktereigenschaften des Esels hinweisen würde"^^. Doch ist ebenso 
denkbar, daß die Verben die unterschiedlichen Eigenschaften des Esels 
aufnehmen und so vom Nomen abgeleitet sind. Neben dem Wort "liQÖ, 
das sich stets auf das männliche Tier bezieht, kennt das Hebräische die Be- 
zeichnungen ]ini< für die Eselin, T'i: "Eselshengst" und ll? "Maul- 
tier"58. "Insgesamt zeigt der Bezeichnungsreichtum, den das Hebr. bereits 
von den ältesten Schichten des AT an für das Wort 'Esel' hat, deutlich die 
Verbreitung und Wertschätzung dieses Tieres im vom Eselnomadismus 
geprägten Palästina an" 5^. 

Aber nicht nur die Farben von Tieren bilden Anlaß zur Bildung von Be- 
zeichnungen. Auch die Art ihres Fells oder andere charakteristische Auf- 
fälligkeiten in ihrem Aussehen können Tiemamen zugrundeliegen. Die 
Hände der Fledermäuse z. B. "sind zu Flugwerkzeugen umgewandelt und 
deshalb riesig vergrößert, während der Leib das geringste Maß der Größe 
hat". "Um ihre Flughaut leichter breiten und aufflattern zu können, befesti- 
gen" sie "sich während ihrer Ruhe mit den Krallen der Hinterbeine an ir- 



5^ HAL, 1247, vgl. GB, 788; //. Hess, Beduinisches zum Alten und Neuen Testament, 
ZAW35(1915) 120-131, 127f. 

52 Vgl. Firmage. Zoology, 1 157^'; HAL, 389; GB, 298; GB'^ 460. 

53 Vgl. akk. imeru"dex Rötliche" (AHW, 375f; CAD 1/J, 110-113), ass. emSru, aram. 
JiamSr, syr. /i%arS, arab. himSr, äth. Minar, Grundform himar {Sahnen, Hippologica, 
52). 

54 Vgl. dazu HAL, 314.316 (s.v. 1 IDn); GB, 240; GB", 364. 

55 So auch Murtonen, Lexicon, 1 87, s.v. XMR, der von einem Wanderwort spricht. 

56 Daneben ist er Zug- und Reittier {Sahnen, Hippologica, 46). 

57 W.Th. in der Smitten, Art. nion, ThWAT II (1977), 1036-1042, 1038. "Etwas Ähnli- 
ches - wenn auch ins Positive gewendet - liegt im Griech. beim Zusammenhang zwi- 
schen övoq 'Esel' und öväaSai 'nützen' vor" (ebd.). 

58 Dazu siehe III/4. Zu hebr. n"lD3 siehe unten V. 

59 In der Smitten, -|iOn, 1038. 



1 76 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

gendeinem erhabenen Gegenstand und lassen ihren ganzen Körper nach 
abwärts hängen''^^ Während sie hängen, ist ihr Leib von den Flughäuten 
bedeckt. Darauf dürfte sich der hebräische Name der Fledermaus 'h'pQI? 
"Manteltier" (vgl. mhe., ja. XD'v'aP; pun. 6eo>.aßde = nD':'^^) beziehen, 
ein Wort das abgeleitet ist von fjüy "(sich) bedecken" (+ '^-insertum 'attaf 
>'altaff\ 

Der Ziegenbock dagegen heißt wegen seines zottigen Fells T'yty "Haari- 
ger" (vgl. I n^VE; "behaart"62). 

Schwieriger ist es, Tiemamen, die nur selten belegt sind, zu erklären: Zu 
diesen Namen gehört ]i2;"'1 (Dtn 14,5)63, ein Wildtier, vielleicht der Wi- 
sent^"*. Möglicherweise steht das Wort in Verbindung mit ]2;i qal "fett 
werden", was auf die Körpermaße des Tieres anspielen könnte. 
Hin und wieder können Tiemamen auch über Konjekturen erschlossen 
werden, weil nur sie für die betreffenden Textstellen einen schlüssigen 
Sinn ergeben: Dazu gehört das Wort ♦f'pDy (< 'amläs) "Hai", das ur- 
sprünglich in Ps 74,14 gestanden haben könnte^^ und von "^hxi "gleiten"^^, 
vgl. arab. /775/Äy "glatt, schlüpfrig sein", abzuleiten ist^'^. 



63 



60 Brehm, 46. 

öl Vgl. HAL, 770; GB, 580; Driver, Birds I, 18; Murtonen, Lexicon, 316. 

62 Vgl. Firmage. Zoology, 11 57''; HAL, 1250; GB, 789. Zu den ebenfalls mit dem Ter- 
minus a''")''yt? bezeichneten Bocksgeistem / Satyren vgl. B. Janowski, Repräsentan- 
ten der gegenmenschlichen Welt. Ein Beitrag zur biblischen Dämonologie, II. Bocks- 
geister / Satyre □n'ac;, in: D. Trobisch (Hg.), In dubio pro Deo. Heidelberger Reso- 
nanzen auf den 50. Geb. von G. Theißen (masch.), Heidelberg 1993, 158-160, 158. 
Vgl. akk. ditänu {didsnü) < * d/tAan {AHW , 173f), ein spätchalkolithisches Substrat- 
wort mit der Endung -an (Sahnen, Jagd, 10.197), vgl. Landsberger, Fauna, 92f94, 
der auf folgendes Äquivalent von alim (= akk. d/tS/iiJ) verweist: karsänu (AHW, 
450b): "Dies weist auf ein Tier, das durch die Größe seines Bauches bzw. seines Ver- 
dauungsapparates hervorragt, was zu dem im Vergleich mit dem Auerochsen dickbäu- 
chigen Wisent nicht übel paßt" (ebd. 94, vgl. ebenso CAD D, 164f; Salonen Jagd 
206). 

SoHAL,212,vgl. 224f 

65 Vgl. H.-J. Kraus, Psalmen. 1. Teilband. Psalmen 1-59 (BK XV/1), Neukirchen-Vluyn 
'1978, 676f Anders / Barr, Comparative philology and the text of the Old Testament 
Oxford 1 968, 236f 

Vgl. Ps 119,103; Hi 6,25 und HAL, 562, sowie H. Donner, Ugaritismen in der Psal- 
menforschung, ZAW 79 (1967) 322-350, 338'°' (zu den Lesarten). 
Zur Problematik dieser Konjektur s. H.-P. Müller, Art. '"15, ThWAT VI (1989) 987- 
991, 990; Janowski, Repräsentanten (s. Anm. 58), IV. Wüstendämonen D^^ä 161- 
163, 162. 



64 



66 

67 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 77 

Ein Sonderproblem stellt das Substantiv nlDn3 dar (Hi 40,15-24), "das 
als Nilpferd gedeutet zu werden pflegt''^». Viele halten das Wort für einen 
Plural extensivus^^ von non?, was dann zur Übersetzung "gewaltiges 
Tier" führen würde. Andere leiten das Wort vom ägyptischen p^-fA-zniv'^^ 
ab, das aber als Kompositum nicht nachgewiesen ist'^i. "Der Plural dürfte 
zunächst als besonders großes Tier, als Riesentier oder Ungetüm verstan- 
den worden sein und dann vielleicht wegen volksetymologischer Anklänge 
an den 'Wasserochsen' oder das 'Flußrind' die Bedeutung Nilpferd ... er- 
halten haben"''2. Auch die Beschreibung in Hi 40,16-18 deutet auf ein ge- 
waltiges Tier hin, das aber, ebenso wie der Mensch, Geschöpf Gottes ist: 

Sieh doch die Kraft in seinen Lenden 

und die Stärke in den Muskeln seines Leibs! 

Wie eine Zeder läßt es hängen seinen Schwanz; 

straff sind verflochten seiner Schenkel Sehnen. 

Seine Knochen sind Röhren von Erz, 

wie Eisenstangen sein Gebein. 

2. Die Stärke 

Nur wenige Tiere in der Umgebung des Menschen verfügen über so starke 
Körperkräfte wie der Stier bzw. der Hengst, die "l"'3N, "Starker"'^^, ge- 
nannt werden können^"*. Auch der Widder ist häufig ein Symbol für Kraft. 
So ist es nicht verwunderlich, daß seine Bezeichnung '7"'N (vgl. ug. :f/V^; 

68 M.-L. Henry, Art. Behemot, BHH I (1962) 212f, 212; W. Herrmann, Eine notwendige 
Erinnerung, ZAW 104 (1992) 262-264, plädiert für die - einzig korrekte - Überset- 
zung "Flußpferd", vgl. ders., Art. Nilpferd, NHL II (1995) 928f. 

69 Vgl. dazu GK § 124b; HAL, 108; GB, 86. 
■70 Vgl. GB", 128. 

''^ Vgl. dazu Botterweck, nona, 533. 

"72 Botterweck, r\^r\'2, 533. 

■73 Vgl. GB, 5; K. Koenen, Art. Rind, NBL III (2001) 363-365, 363; ders., "... denn wie 
der Mensch jedes- Tier nennt, so soll es heißen" (Gen 2,19). Zur Bezeichnung von 
Rindern im Alten Testament, Bib. 75 (1994) 540-546, 542. 

'''* Belege für die Bedeutung "Stier" sind Jes 34,7; [Jer 46,15;] Ps 22,13; 50,13; 68,31 (?), 
für "Hengst" Ri 5,22; Jer 8,16; 47,3; 50,11. Im Akk. hat abärudit Bedeutung "Kraft, 
Stärke" (vgl. AHW, 4; CAD A, 38), "ohne daß man diese im Stier besonders symboli- 
siert sah", anders im Ugaritischen, wo jfe- ein starkes Tier (Stier oder Wildrind) be- 
zeichnet, vgl. zur Etymologie A. Kapelrud, Art. n^aS, ThWAT I (1973) 43-46, bes. 
43f undA/«rto«en, Lexicon, 81, s.v.'BJ?. 

■^5 Zur Problematik der Gleichsetzung von hebr. '^■'N (Widder) und ug. i/vgl. Aartun, 
Studien, 8. Aartun nimmt an, daß ug. i/ < j/n "Hirsch" bedeutet. Der Wechsel von Sg. 
i/und Plj/m sei morphologisch begründet. Vgl. zur Etymologie der ugaritischen Ab- 
leitung ebd. 10. 



1 78 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

akk. \j\äJu'^(>) von der Wurzel II *':'1X "vom, stark, mächtig sein" verbun- 
den wird^'^ und u.a. auf seine Funktion als Leittier der Herde anspielen 
könnte^^. 

Mit der gleichen Wurzel könnte auch der Name des mesopotamischen 
Damhirschs, b'l'^ (vgl. ug. 'ß, y/?; syr. 'ijjäJs, arab. 'a/jIJ, i/ujjal ; äth. ha- 
jal; ass. yä[ 'ä\Ju, akk. aJäJü''^), wegen seiner imposanten Gestalt in Verbin- 
dung stehen^o. Mit Körper und Geweih des Hirsches hat man "seit alter 
Zeit die Vorstellung von übernatürlichen Kräften" dieses Tieres verbunden^'. 



i. Die Funktion 

Nur wenige Namen haben mit der Funktion zu tun, die Menschen Tieren 
beilegen. Dazu gehören möglicherweise "llDÖ^^^ '^''K^^ und Hl'^K / 
^^^'^, und vielleicht auch 2;35 / n^;??, eine Bezeichnung für Oviden^s, 
sofern der von Chr. Böhmen postulierte Zusammenhang mit dem gemein- 
semitischen Verb kbs "unterwerfen" bzw. kbs "walzen" (vgl. akk. kabäsu 



^ö AHW, 39a. 

■'■^ Vgl. HAL, 38f; GB, 29. 



78 
79 



So auch Firmage, Zoology, 1 157", vgl. P. Riede, Art. Widder, NBL III (2001) 1 109f 
1110. 

Vgl. dazu Landsberger, Fauna, 99: "Die Etymologie von ajßju\s\ dunkel. Akk., Hebr., 
Aram. stimmen genau überein, obgleich wir sicher annehmen dürfen, daß der Name 
des Hirsches nicht zum ursemitischen Bestand gehört hat. So bleibt die Möglichkeit 
einer gemeinsamen Entlehnung aus einer nichtsem. Sprache oder die Adaptierung ei- 
nes Tiemamens ursprünglich anderer Bedeutung ... Als solcher kommt hebr. usw. ia'iJ 
um so mehr in Frage als, wie wir sahen, der Hirsch als Abart des Steinbocks aufgefaßt 
wurde. Freilich wäre dies nur unter der Voraussetzung möglich, daß ein kanaanäisches 
Ja'iJm der Form eines aja/ins Akkadische (wo es ein spätes Wort ist) entlehnt und von 
hier aus wieder ins Aram. und Hebräische entlehnt bzw. rückentlehnt wurde"- vgl fer- 
ner AHW, 24; CAD A, 225f; Sahnen, Jagd, 159. 

Vgl. Keel, OLB 1, 148; HAL, 39; GB, 29f; P. Maiberger, Art. Hirsch, NBL I (1991) 
166f, 166. 

^' Aartun, Studien, 9. 

^2 Siehe dazu Abschnitt 111/ 1 . 

^3 Siehe dazu Abschnitt III/2. 

^^ Siehe dazu Abschnitt VI. 

^^ Im NW-Semitischen nimmt das hebr. kabs/s "Schaf eine Sonderstellung ein (vgl. 
arab. yfe*/ "junger Widder"; syr. kebsS, amor. kabs(Sn)um I kasb(an)wiT, akk. kabsu 
"Jungwidder" [AHW, 481a; CAD K, 23]), da das Wort sonst in dieser Bedeutung sel- 
ten belegt ist. Stattdessen erscheint das vom akk. immem (AHW, 378) abgeleitete 
'immerW (vgl. aber Esr 6,9.17; 9,17 und Chr. Böhmen, Art. 2733, ThWAT IV 119841 
45-54, 45). 



80 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 79 

"treten, niedertreten": AHW, 415f) richtig ist, was aber fraglich scheint. 
Dohmen jedenfalls zieht aus seiner Vermutung den Schluß: "Vielleicht er- 
klärt sich kabsu aus der frühen Nutzung der Schafe als Saateintreter oder 
zum Austreten des Getreides auf der Tenne"^^. 

Dagegen ist 2;51 (1 Kön 5,8; Mi 1,13; Est 8,10.14) ist mit DD"! "anbin- 
den"^'' zusammenzustellen^^ und meint wohl das Pferdegespann 
(Troßpferde, z.T. auch Streitwagengespanne), in speziellerer Bedeutung 
auch Postpferde. Auch hier tritt die Funktion des Tieres in den Vor- 
dergrund. 



4. Verhaltensweisen 

Verhaltensweisen der Tiere, deren Kenntnis besonders auf die enge Beob- 
achtung der Natur durch die Menschen des alten Israel zurückgeht, spie- 
geln sich oft in Tiemamen wider. Und gerade charakteristische Eigenhei- 
ten der Tiere, die sie von andern unterscheiden, können etwas von ihrem 
Wesen erfassen. 

Der Maulwurf (l'pn; Lev 11,29)8^ und die Spitzmaus (^nnSIDÖ; Jes 
2,20) fuhren beide ein unterirdisches Leben und graben Gänge oder Löcher 
in die Erde, die ihnen als Lager oder Wohnung und zur Nahrungssuche 
dienen. Auf diese Tätigkeit spielt ihrer beider Name an: l'pn "Maulwurf 
(von *^bn mhe. "aushöhlen, graben"^«) bzw. *n"}D"lDn (von I "IDFI 
"graben nach, nachspüren"^'). 

Zur Gruppe der Insektenfresser gehört auch der Igel. Seine Eigenschaft, 
sich bei Gefahr zu einem eiförmigen Klumpen zusammenzurollen und da- 



*6 Dohmen, E;??, 46, vgl. 47 und Eilers, Nominalformen, 132'. Die ebenfalls belegten 
Formen n^C?? / 2C75 erklären sich durch Konsonantenmetathese. 

S'' Vgl. HAL, 1154. 

** Vgl. akk. rakäsu I raksSu "binden, einspannen", äg.-aram. rk's "Gespann" und syr. 
KK?D-| "Pferd", sowie HAL, 1155; M. Noth, Könige. 1. Teilband: I Könige 1-16 (BK 
IX/1), Neukircheri-Vluyn M983, 58. Zu akk. rks s. Sahnen, Hippologica, 266-268. 
Zur Deutung vgl. jetzt auch G.A. Klingbeil, 2;3"1 and Esther 8,10.14: A Semantic No- 
te, ZAW 107 (1995) 301-303. 

8^ Vgl. syr. hu/dä: arab. ha/d, huld. 

90 Vgl. HAL, 303; GB, 231; GB", 351; KM. Beyse, Art. -\bx\, ThWAT II (1977) 958- 
960, 959f; B.J. Diebner, Art. Maulwurf, NBL II (1995) 745; Landsberger, Fauna, 107; 
J. Feliks, Art. Wiesel, BHH III (1966) 2172f, doch identifiziert er das Tier als Ratte; 
Firmage, Zoology, 1157^' verweist zusätzlich auf aram. M/ad"cTeep". Eine ähnliche 
Namensbildung wie bei ibh findet sich bei akk. Aamru"'Wuh\eT" , dem Wort für die 
Feldmaus (vgl. Landsberger, Fauna, 107; AHW, 327b; CAD H, 1 13f 

91 Vgl. Firmage. Zoology, 1 157"; HAL, 327; GB, 250; GB'\ 382. 



1 80 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

bei die Stacheln zu sträuben^^^ veranlaßte die Menschen, ihm den Namen 
ISp (von ISp "zusammenrollen"; vgl. ja. K^^p u.a.; syr. qupp^dä; äth. 
quenfez, arab. qunfud) zu geben^s (vgl. Jes 14,23; 34,1 1; Zeph 2,14). Auch 
im Deutschen haben wir eine ähnliche Erscheinung: Das von dem Sub- 
stantiv Igel abgeleitete Verbum "sich einigeln" impliziert entsprechend 
dem Verhalten des Tieres in der Natur Schutz und Abwehr. Das hebräische 
nr'pin "Wurm"^'* dagegen geht vermutlich auf eine verschollene Wurzel 
Vhr\ "nagen" zurück^s. 

Eine andere Eigentümlichkeit könnte sich im Wort ]ri verbergen, das wohl 
einen dem Schakal verwandten Wildhund der Wüste meinen könnte^^. Und 
"...wenn die Ableitung von einer Wurzel ]3n 'sich ausstrecken' ... richtig 
ist, paßt sie gut zu einem schlanken, sich streckenden Tiere"^''. 
Die "Spur" von Schnecken läßt sich aufgrund ihrer Schleimabsonderung 
auf einem trockenen Weg gut verfolgen. So entsteht eine Gleitbahn, auf 
der sie sich fortbewegen. Darauf spielt Ps 58,9 an, wenn er den falschen 
Göttern wünscht, sie sollten werden 

wie eine Schnecke, die zerfließend (OOri) dahinzieht. 

Es wäre nicht verwunderlich, wenn diese Art des Sich-Vorwärtsbewegens 
in ihren Namen ':?l'?32; eingeflossen wäre (abgeleitet von b^l "[den 
Weg] anfeuchten")^» Eigentlich keine spezifische Schlangenbezeichnung 



^2 Mg\.Brehm,\\\. 



93 

94 
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96 
97 



98 



Vgl. GB, 719; HAL, 1043f; Murtonen, Lexicon, 381, s.v. QPD: "The primary mea- 
ning is contraction inwards." Das Nomen sieht er als Wanderwort an. Firmage, Zoolo- 
gy, 1159" denkt an ein Stachelschwein bzw. an eine Vogelart (vgl. Driver, Birds II, 
137). Letzteres könnte für Zeph 2,14 zutreffen. 

Vgl. akk. taJtu(mJ{AE}N, 1369); aram. töJa' ts' , syr. tauf'ä' 1 taula'ts" undD. Kel- 
lermann /H. Ringgren, Art. nvb\in, ThWAT VIII (1995) 577-580, 577f. 

Vgl. F. Delitzsch, Prolegomena eines neuen hebräisch-aramäischen Wörterbuchs zum 
Alten Testament, Leipzig 1886, 1 13. 

Das Wort ist in den übrigen semitischen Sprachen nicht belegt, vgl. Chr Frevel Art 
]n, ThWAT VIII (1995) 701-709, 701. 

K. Elliger, Deuterojesaja. 1. Teilband: Jesaja 40,1-^5,7 (BK Xl/1), Neukirchen-Vluyn 
1978, 356; vgl. Frevel, ]n, 702. Möglich ist aber auch ein Zusammenhang mit *tnn I 
tnh "klagen, heulen"; das Nomen würde sich dann auf die Lautäußerungen der Tiere 
beziehen (ebd.). Beide Ableitungsversuche sind aber unsicher. Auch für das von ]n zu 
unterscheidende ]''?n (vgl. ug. m«; ja. / syr. tanninä; arab. tanmii) kommt diese Ab- 
leitung infrage. HAL, 1619 weist für beide Fälle auf die Möglichkeit eines Primämo- 
mens hin, vgl. ebenso H. Niehr, Art. ]''3n, ThWAT VIII (1995) 715-720, 715. 
Firmage, Zoology, 1159'^ vgl. HAL, 1296, ebenso GB, 802 und KBL'; P. Riede, Art. 
Schnecke, NBL III (2001) 495f; auf eine mögliche Ableitung von *72K7 ("ein sich 
Hinziehen") weist HAL, ebd., hin. 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 181 

Stellt hn\ (Dtn 32,24; Mi 7,17) dar, die sich auf das Gleiten, Kriechen 
('^nr) dieser Reptilien bezieht^^. 

Auch andere Bewegungen von Tieren liefern den Hintergrund für die Na- 
mensbildung: Die Eidechse bewegt sich schnell und gewandt. Entschei- 
dend für ihren eiligen, geraden Lauf ist ihr langer Schwanz. Daher liegt der 
Name ^m (Lev 11,30; vgl. dazu akk. Iiam3tu"t\\eny^'^ naheio'. Ein an- 
derer Name für Geckos HKJp'p "die Klebende, sich Anhaftende" (Lev 
11,30; vgl. ja. nntp?^) spielt wohl auf ihre Lebensweise als Haftzeher an 
(vgl. arab. lata 'a "ankleben", tigr. late 'ä)^^h Es ist erstaunlich, "wie der 
Gecko mit wunderbarer Gewandheit und unfehlbarer Sicherheit an senk- 
rechten, glatten Wänden emporklettert, diese plötzlich verläßt und nun- 
mehr an der Decke umherläuft, als wäre sie der Fußboden, wie er minu- 
tenlang an ein und derselben Stelle klebt und darm wieder hastig fort- 
schießt, den dicken Schwanz anscheinend unbeholfen hin und her schleu- 
dert und sich selbst durch schlängelnde Bewegungen forthilft ..."^°^. 
Auch die Gazelle ("lOI: vgl. Dtn 11,5) hat ihren Namen von ihrer Ge- 
wohnheit, bei Geräuschen oder Störungen aufzuspringen und zu fliehen 
(vgl. *TQT und arab. zamara "aufspringen, fliehen"'^^). Doch könnte auch 
in diesem Fall das Verb vom Nomen abgeleitet sein und die wesentlichen 
Eigenschaften des Tieres aufnehmen: Sich wie eine Gazelle verhalten, d.h. 
plötzlich aufspringen und fliehen. Der Name des Steinbocks y>Vi\\ vgl. ug. 
fl, ja. / syr. H^y !]; arab. wa'[i]t, äth. we'eli) weist hin auf seine Heimat in 
den hohen Bergen, in denen er sich sicher kletternd (riTJU) über Geröll imd 
Felsen vorwärtsbewegt'°^. 

-|3i06^ einer der Namen für den Widder, hängt wohl zusammen mit I TID 
"hüpfen, tanzen"'"', ebenso wie TiSP (Jes 34,15), "die (wegen ihrer blitz- 



59 Vgl. HAL, 256f; Fahry, l»n), 388. 

100 Ygj j3 xaoiri; syr. hulmstä, arab. himät, humtat, /iamatjt{tm Reptil); akk. hulmittu 
"Eidechse", "Drache" (AHW, 354a; Landsberger, Fauna, 62^ 16f; CAD H, 23"b: "sna- 
ke or lizard". Landsberger, Fauna, 63, vermutet, "daß ^üAn/to ursprünglich eine dra- 
chenartige Schreckgestalt der abergläubischen Phantasie gewesen ist, die, in die ge- 
lehrte Nomenklatur aufgenommen, teils auf eine Schlange, teils auf eine Eidechsenart und 
insbesondere das drachenartige Chamäleon gedeutet wurde" (vgl. auch ebd. Anm. 1). 

•°1 Vgl. GB, 240; HAL, 314; Murtonen, Lexicon, 186. 

'*^2 Vgl. Murtonen, Lexicon, 248; HAL, 501 und Hess, Beduinisches, 129. 

103 Brehm,n\. 

104 Yg] j£/^L^ 263 und GB, 201. Parallelen in Berbersprachen bei Murtonen, Lexicon, 166. 

"'^ HAL, 402 versieht die Ableitung von Tw'S mit Fragezeichen, anders Keel, OLB 1, 
149. Murtonen, Lexicon, 217f, s.v. Y&L, vermutet in der Wurzel/'/ "an old root var. 
oil&LVr. Das Wort ist wahrscheinlich ein Wanderwort. 

106 Vgl. ug. kr, akk. ki/erru "Widder" (AHW, 468a). 



1 82 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

schnellen Bewegung sogenannte) 'Pfeilschlange'"^*^^, mit TDp (mhe., ja. 
"springen, hüpfen", arab. qafaza" springen, aufspringen")^*^^. 
Dagegen ist beim Bären (311''''), dessen Verhalten mehrfach im Alten 
Testament beschrieben wird (vgl. 2 Sam 17,8; Hos 13,7f; Am 5,19 etc.), 
die Bedeutung des Namens ungesichert: Man vermutet einen Zusam- 
menhang mit Dm, das an der einzigen Belegstelle in Hld 7,10 wahr- 
scheinlich mit "tropfen, gleiten" zu übersetzen ist. Andererseits ist auf 
arab. dabba "auf allen Vieren gehen, langsam gehen, kriechen" (vgl. 
dabbäb "Vierfüßler") verwiesen worden'". Auch hier könnte die schlep- 
pende Bewegung des Tieres, sein kriechender Gang Grund für die Na- 
mensbildung sein"2. 

Auf die typische Art der Fortbewegung beziehen sich auch die Oberbegrif- 
fe nly Flugtiere (Vögel und Insekten; von ^117 "fliegen""^; vgl. ug. /), 
2^0 i"'* für Kriechtiere, die sich schlängelnd oder auf sehr kurzen Beinen 
vorwärtsbewegen (vor allem Amphibien, aber auch im Meer lebende Säu- 
getiere; von E^D") "kriechen, schleichen"), und "^"ItJ? "Gewimmel" (von 
yiJ!; "kriechen, wimmeln""^, vgl. ja. K^~lt!;; syr. sersi), ein Begriff, der 
sich inhaltlich z.T. mit 2;D"1 überschneidet"^. 



'07 Vgl. Murtonen, Lexicon, 238 s.v. KR{R) II; GB, 361.364; HAL, 472 und Eilers, No- 
minalformen, 132'. Zum Hüpfen des Kleinviehs vgl. Ps 29,6; 114,4.6; Hi 21,11; Jer 
50,11. 

"^^ Fahry, tTIl], 389; vgl. Driver, Birds II, 136. Firmage, Zoology, 1159" denkt an eine 
Vogelart. 

'09 Vgl. GB, 719; HAL, 1044. 

"0 Vgl. akk. dabü/dabbu{kWN, 184a; CAD D, 17; Sahnen, Jagd, 194f; Landsherger, 
Fauna, 83 [ebd. 80ff zum Bären]) gemeinsemit. dibb I dubb; syr. debbs, äth. debb; 
aram. deb(b)S. 

'" Vgl. HAL, 199f, andere leiten 3T von einem Verb mit der Bedeutung "brummen" ab 
(vgl. Jes 59,11 und^. Caquot, Art. •y^, ThWAT II [1977] 74-76, 74). Ob man auch 
eine onomatopoetische Wortbildung annehmen könnte, die das Tappen / Tapsen des 
Bären nachahmt? 

"2 So Eilers, Nominalformen, 132', ähnlich Murtonen, Lexicon, 143: "Originally the 
Word (sc. DB[B]) may have signified a slow, but strong animal", vgl. GB, 151.152; 
Hld 7,10 müßte dieser Deutung nicht im Wege stehen, da ja auch eine (langsame) Be- 
wegung intendiert ist. 

Möglicherweise hat die Wurzel ']1I? einen onomatopoetischen Hintergrund: Sie 
könnte vom rhythmischen Schlagen der Flügel in der Luft herrühren (vgl. Driver, 
Birds I, 5). 

"'* Vgl. akk. nammastüm I nammassü(m), AHW, ll(idL.ll%'& (vom Verb namäsü); CAD 
N, 220ff 233ff (= herds of [wild] animals). 

Vgl. E.-J. Waschke, Art. f-\V, ThWAT VIII (1995) 472-475. Möglicherweise hat 
Y'^ü "seine Bedeutung aus der Bewegungs- und Verhaltensweise jener Tierarten ge- 
wonnen, die wie die Amphibien zugleich die Gewässer und das Land (vgl. Ex 7,28; Ps 
105,30) oder wie die Insekten darüber hinaus den Luftraum in größerer Zahl bevöl- 



113 



115 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 83 

rrn")? / ll?, das Maultier (vgl. ug.prd^^^; akk. peräum^^^ = ein Equide, 
Maultier?; paru "Onager, Maultier"), eine Kreuzung zwischen Eselhengst 
und Pferdestute, ist als Last- und Reittier häufig. Es wurde wie das Pferd 
aus verschiedenen Gegenden des Vorderen Orients nach Israel impor- 
tiert''^. Die Etymologie seines hebräischen Namens ist umstritten: Ist die 
Bezeichnung ein Primämomen^^o oder ein Lehnwort'^i (Importtier!)? 
Hängt er zusammen mit aram. p V.2ö"'fliehen" und spielt so auf die Schnel- 
ligkeit des Tieres an'22 oder mit TIS "(sich) absondern, trennen", so daß 
T}9 "das abgesonderte Tier" bezeichnen würde, "weil es weder zu Pferd 
noch zu Esel zu zählen ist"'23 Dq^ Name würde sich dann sowohl auf sei- 
ne Unfruchtbarkeit wie auf seine gattungsmäßige Isolation beziehen '^4. 
Gerade wegen seiner Abstammung aber kombiniert das Tier Größe und 
Stärke des Pferdes mit der Ausdauer und Genügsamkeit des Esels'^s an- 
ders ist es beim Wildesel. Sein Name (XHD'^ö) spielt "wohl auf den unge- 
stümen Freiheitsdrang dieser in Steppe und Salzw^üste lebenden Eselart" an 
(vgl. Hi 39,5; Gen 16,12; Hos 8,9 und *K1D "wild, flink")i27. 



116 



kern können (Lev 1 1,20-23; Dtn 14,19). Von hier aus ließe sich am einfachsten erklä- 
ren, daß das Nomen sa^r^s nicht nur die Lebewesen des Wassers (Gen l,20f.; Lev 
1 1,10; Ez 47,9), sondern auch die kleineren Tiere der Erde und des Landes (Gen 7,21 ; 
Lev 1 1,29-31.41^3) bezeichnen kann" (ebd. 473). 

Vgl. dazu A. Stiglmaier, Art. f]iy, ThWAT V (1986) 1177-1183, 1177f; R.E. Cle- 
ments, Art. m-\, ThWAT VII (1993) 535-538, 535f; B.J. Diebner, Art. Kriechtiere, 
NBL II (1995) 552. 

11'' Vgl. P. Maiberger, Art. THS, ThWAT VI (1989) 738f, 738; UF 6 (1974) 35. 

1'* AHW, 855a. 

"9 Vgl. Ez 27,14 und Maiberger, inS, 739; B.J. Diebner, Art. Maultier, NBL II (1995) 
744f. 

120 Vgl. HAL,906. 

121 Vgl. Maiberger, Tl.f, 738. 

122 Vgl. GB, 657. 

123 So ScArewer, Der Herr hilft, 228. 

124 Vgl. dazu Maiberger, TIS, 738. Zur Wurzel PRDs. Murtonen, Lexicon, 346, der al- 
lerdings auf TIS "Maultier" nicht eingeht: "The basic meaning is Separation; fleeing 
is an efficient means of separating oneself. 

'25 Vgl. Maiberger, Tl.?, 738f 

126 Vgl. aber im Akk. ^/-z? "Onager, Maultier" (AHW, 837a); arab. /ä/a 7^' "Wildesel" 
{Sahnen, Hippologica, 74f), sowie akk. /ia/ay^z/"Wildeser' (kanaan. Lehnwort; AHW, 
827b; Sahnen, Jagd, 23 1). 

127 In der Smitten, "llan, 1038; anders H.-J. Zobel, Art. «"IE, ThWAT VI (1989) 731- 
735, 732, der das Wort für ein Primämomen hält. Zur Frage der Übersetzung und der 
Abgrenzung zu Tl"!^ vgl. ebd. 



1 84 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

"Als der Mensch die Ziege domestizierte, rekrutierte er eine Hilfe, die in 
bezug auf ihre zerstörerische Kraft einzig ihm nachstand." Vor allem lie- 
ben diese Tiere das junge Grün von Bäumen und Büschen, klettern an den 
Hängen der Hügel, "fressen gierig und wählerisch und richten sich unver- 
sehens auf den Hinterbeinen auf, um die oberen Zweige zu erreichen" '^8. 
Auf dieses Verhalten könnte der Name der Ziege Tl? (vgl. ug. z) bezogen 
sein, sofern die Ableitung von Tty "frech sein" infrage kommt^29^ ^^s 
neuerdings aber bestritten wird. Eine Ableitung von der Wurzel *anzu 
(vgl. ja. i<Ti?; syr. 'ezz^, arab. anz, akk. enzu, ezzi/{A}iW, 221; CAD E, 
180f) dürfte wahrscheinlicher sein^^^. 

Ähnlich umstritten ist der Zusammenhang von "12 "Jungstier" (vgl. ug. pr, 
akk. pärru "Lamm, Jungschaf': AHW, 834b; arab. Ar^r "Junges von 
Schaf, Ziege, Wildkuh"; syr. md. para I parrä "Lamm") mit "1~1D "unge- 
bärdig sein"^^' bzw. n~lD "fruchtbar sein"'^^. Doch machte. Murtonen^^^ 
darauf aufmerksam: "The primary meaning appears to be split or set apart, 
a meaning which agrees well with the cloven hooves of the animals invol- 
ved". Die störrische Natur des Widders'^'* könnte in den Namen /DV ein- 
geflossen sein (vgl. II 73'' "stoßen"). Der Name des Hasen schließlich 
spielt wohl auf seine Fruchtbarkeit an (n33"li<, von *D3K "fruchtbar 
sein"'^^; vgl. ug. 'nhb?^^^). Dagegen nimmt Murtonen^^'' präsemitischen 
Ursprung des Wortes an. 



128 ATee/.OLB 1, 113. 

'29 So Keel, OLB 1, 112 (vgl. KBL'); anders HAL, 760. Zur Diskussion vgl. auch H.-J. 
Zobel, Art. TJJ, ThWAT V (1986) 1193-1199, 1194, der eher für ein Primämomen 
plädiert. 

130 Ygj jjygj, Murtonen, Lexicon, 314f s.v. &Z: "The etymology is not clear if the nasal is 
secondary, the word could be derive from the next root (sc. &Z[Z]), as goats are rather 
strong with regard to their size; ... but to be totally secondary, the nasal is unusually 
widespread and partly early. Its irregulär occurence suggests pre-Sem origin and Kul- 
turwort category, both nasalized and non-nasal forms being early". 

'^' Vgl. dazu Schreiner, Der Herr hilft, 228; anders HAL, 904, zur Diskussion vgl. auch 

K.-M. Beyse, Art. ng, ThWAT VI (1989) 725-731, 726f. 
132 Ygj ßeygg^ -jg^ 727, der eher ein Primämomen annimmt. 
^^^ Lexicon, 346. 
134 Zum Widder vgl. M.-L Henry, Art. Widder, BHH III (1966) 2169f. 

'35 Vgl. HAL, 87 unter Berufting auf KBL'; nach GB", 101 ist die Etymologie von 
nanx unklar. 

'36 Anders Aartun, Studien, 51 f. Vgl. auch aram. arnaU^tä); arab. 'arnab, asa. 'rnb, akk. 
arnabu; anrabu (AHW, 70a; CAD A II, 294; Salonen, Jagd, ISlf; Landsberger, Fau- 
na, 12); Grundform: 'arnab. 

'37 Lexicon, 102, s.v. 'rnb 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 185 

Ebenso schwierig ist die Deutung von nDn3 (vgl. arab. bahmat, bahTmat 
"Tier, pl. Großvieh"; bah[a]m "Schaf), das mit n«3 "Rücken, Anhöhe" 
(vgl. ug. bmt "Rücken"; akk. bämtu "Hälfte"; "Mittelteil des Rückens" 
[auch von Tieren, vgl. AHW, 101b]) zusammenhängen könnte^^^. Andere 
plädierten für eine Ableitung von bhm "stumm" (vgl. arab. 'abham 
"stumm")! 39. 

Auch bedrohliche Verhaltensweisen, die von Tieren ausgehen, können 
Anlaß zur Namensbildung sein, z. B. das Stechen der Rinderbremse 
(f li?''*^, abgeleitet von yip "zusammenkneifen"i4i), auf das in Jer 46,20 
Bezug genommen wird: 

Ägypten ist eine stattliche Kuh (n'pjp); die Bremse von Norden fällt über sie her. 

"Wie einer jungen Kuh, die vor Schreck ohne Besinnung die Flucht er- 
greift und dem gefürchteten Feind zu entkommen versucht, wenn sie das 
Summen der Rinderbremsen hört, so soll es auch dem mächtigen, reichen 
und stolzen Ägypten ergehen" !'*2. 

In Jes 30,7 wird für Ägypten, das gebändigt worden ist, der emblematische 
Name "Rahab" verwendet. An anderen Stellen bezieht sich dieses Nomen, 
in dem das Abstraktum ("Toben, Drängen") für das Konkretum ("der To- 
bende, Drängende", abgeleitet von der Wurzel Dm) steht, auf die Unruhe 
und den Ansturm des Meeres und ist wohl der Name des mythischen 
Seeungeheuers nn"! (vgl. Hi 26,12)i''3, das im Ugaritischen nicht belegt 
ist. Zu diesen mythischen Wesen gehört auch Levjatan (]n;"l7) "Kranz- 
tier"!'"', womit in Hi 40,25ff das Krokodil bezeichnet wird: "Das wS. lwh\ 
'sich winden', 'wenden', 'ringeln' zurückzuführende Substantiv paßt an und 
für sich nicht schlecht auf das Krokodil, das sich, einmal angegriffen, wild 



'38 Vgl. 5oHenveci, nana, 524. 

'39 Vgl. Bottenveck, ebd. und Murtonen, Lexicon, 107, s.v. BHM: "Generally, the refe- 
rence is to those who cannot speak comprehensibly or at all". 

'40 Ja. N:^inj?. 

'41 Vgl. GB, 730; HAL, 1071. 

'42 V. Moller-Christensen / K.E. Jordt-Jorgensen, Biblisches Tierlexikon, Bibel - Kirche 

- Gemeinde 4, Konstanz 1969, 155. 
'43 Vgl. HAL, 1 1 13; GB, 747 und U. Rüterswörden, Art. 301, ThWAT VII (1993) 372- 

378, 375ff; M. Görg, Art. Rahab, NBL III (2001) 276. Vgl. auch ja. n3nn. 
'44 Vgl. HAL, 498: Bildung aus ni]h + Endung -an.; vgl. femer M. Görg, Art. Leviatan, 

NBL II (1995) 625f, 625. 



186 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

windet und wendet"''*^. Nicht umsonst schließt der Text mit einer Warnung 
vor den Gefahren einer Krokodiljagd: 

Leg nur einmal deine Hand daran! 

Denk an den Kampf! Du tust es nie mehr ... 

So kühn ist keiner, es zu reizen; 

wer könnte ihm wohl trotzen? (Hi 40,32; 41,2)i'** 



IV. Namen, die Tierlaute nachahmen 

Viele Tiere können schon von ferne durch die Laute erkannt werden, die 
sie von sich geben. Und oft sind es diese Laute, anhand derer kleine Kinder 
Tiere identifizieren, noch bevor sie den eigentlichen Namen des Tieres 
wissen. "Wau-Wau" ist dann der Hund, "Miau" steht für die Katze, Muh 
für die "Kuh", Mäh" für das Schaf und "Kikeriki" für den Hahni^?. 
Ähnlich ist es im Hebräischen. So hat das Zicklein (n"ir^ cj. Ps 29,9) sei- 
nen Namen vom Blöken (II *~\V\ vgl. arab. ja 'ara "blöken"; arab. ja 'r 
"Ziege")i48. Und das Schwein (n^ö ^ */iu/ozir, vgl. ug. Jmzr, akk. 
huzrri^^^; arab. hinzir, äth. henzir, hanzai) könnte dem Grunzen seinen 
Namen verdanken^^o p^s Bellen des Hundes wird lautmalerisch nachge- 



146 



O. Keel, Jahwes Entgegnung an Ijob. Eine Deutung von Ijob 38-41 vor dem Hinter- 
grund der zeitgenössischen Bildkunst (FRLANT 121), Göttingen 1978, 143, vgl. 
ders., Zwei kleine Beiträge zum Verständnis der Gottesreden im Buch Ijob (XXXVIII 
36f., XL 25), VT 31 (1981) 220-225, 223f; GB, 382; zur Ableitung ebenso E. 
Lipiriski, Art. \r\\r}, ThWAT IV (1984) 521-527, 521 f. 

In anderen Zusammenhängen könnte Levjathan "eine unter Schlangengestalt vorge- 
stellte Chaosmacht" bezeichnen (M.-L. Henry, Art. Levjathan, BHH II [1964] 1076f), 
vgl. z. B. Jes 27,1 und die Parallele KTU 1.5 III l-5a: In beiden Texten wird darauf 
hingewiesen, daß sich die Schlange windet und daher nur schwer gefaßt werden kann. 
Beide Texte stimmen femer im Vokabular auffällig überein: "ugaritisch Itn = hebrä- 
isch Imjn, btn brh = nhs brh, btn 'qtln = nhs 'qltwri' (vgl. dazu O. Loretz, Ugarit und 
die Bibel, Kanaanäisclie Götter und Religion im Alten Testament, Darmstadt 1990 
92f, hier: 92). 

Das spielerische Nachahmen von Tierlauten durch Kinder ist für das antike Palästina 
zwar nicht zu belegen, aber anzunehmen, vgl. dazu U. Hübner, Spiele und Spielzeug 
im antiken Palästina (OBO 121), Göttingen 1992, 28-37, 35. 

Vgl. HAL, 404. Die Konjektur bestreitet HJ. Strauß, Zur Auslegung von Ps 29 auf 
dem Hintergrund seiner kanaanäischen Bezüge, ZAW 82 (1970) 91-102, 96. 
''*^ AHW, 362; CAD H, 266; Landsberger, Fauna, 101, hält diese im Akk. seltene 
westsemitische Bezeichnung für eine Entlehnung aus dem Aramäischen. 

Vgl. G.J. Butterweck, Art. T'Tn, ThWAT II (1977) 835-846, 837, zu den verschiede- 
nen Ableitungsversuchen vgl. ebd. 836f. 



147 



148 



150 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 187 

ahmt durch die Bezeichnung d'?? (vgl. ug. kJb ; akk. kalbu^^^), die mit 
dem deutschen Wort "kläffen" verwandt ist'52. 

Auch das Züngeln und Zischen der Schlangen (vgl. dazu Jer 46,22 und die 
Abb. bei Brehm, 372) scheinen manche Namen zu imitieren und daher 
"soviel wie •Zischer(in)' zu bedeuten"i53: n^?i<i54^ y^^ (jes 14,29), 
i]j;r3\5i55^ pigj^ise Und eine der Bezeichnungen für die Heuschrecke 
bzw! der Grille (S^'p^^^'') kommt wohl "vom Geräusch, welches das Tier 
durch Fressen oder Zirpen verursacht" '5» (vgl. I SS^S "gellen, klingen, 
klirren"i59). 

Andere Insekten, z. B. die Biene oder Fliegen fallen durch ihr Summen 
und Brummen auf: Die hebräischen Namen ahmen dies mithilfe der Kon- 
sonanten T / T lautmalerisch nach: n"ll3T "Biene"'60 hängt zusammen mit 
II -131 / -13T161, m3T "Fliegen"i62 mit 22J (vgl. ug. dböy^\ 



151 AHW, 424f; CAD K, 68ff; Die Wurzel klb ist nahezu in allen semitischen Sprachen 
nachzuweisen (vgl. Murtonen, Lexicon, 232; C.J. Botterweck, Art. D??, ThWAT IV 
[1984] 156-166, 157). 

152 Vgl. dazu Keel, OLB 1, 106 mit Verweis auf D. W. Thomas, Kelebh "dog": Its Origin 
and some Usages of it in the Old Testament, VT 10 (1960) 410-427, 413f, der die ver- 
schiedenen Deutungsversuche des Wortes anführt (411ff). HAL, 45 3 f macht zusätz- 
lich auf arab. kaliba "zupacken" (vgl. Eilers, Nominalformen, 132'; GB, 346) auf- 
merksam, das ebenso wie syr. Kleb als Denominativ "sich wie ein Hund benehmen" 
verstanden werden kann (vgl. HAL, 453); Botterweck, 275, 157 vermutet dagegen, 
daß a"?? "ein Gegenstandsnomen ohne verbale Etymologie" darstellt. 

153 ^ee/, OLB 1,164. 

154 Fabry, ^V\\, 388, meint, die Bezeichnung gehe "vom keuchenden Atem (p'h, vgl. 
HAL, 77)' dieses Reptils" aus. nVS bedeutet mhe., ja. "schreien, bölken", hebr. qal 
"stöhnen". Vgl. arab. 'afan. 

155 Vgl, Fabry, ^n\, 389; Murtonen, Lexicon, 365, s.v. CP&. 

156 ■[P3''r)2; ist ein Beschreibungswort auf -an (> ]i"), wohl ein onomatopoetisches Pri- 
mämomen, vgl. HAL, 1503; Fabry, 2?n3, 389. Zum akk. sibbu (= mythologische 
Schlange) vgl. Landsberger, Fauna, 58f; AHW, 1226b; CAD S, 375. 

15'7 Vgl. akk. säslru, sarsaru "GriWe (AHW, 1086f; CAD S, 115; Landsberger, Fauna, 
124); syr. ' sarsarS (Heuschrecke); sesrä (Grille); ja. J<1^"1S (Grille); arab. sarsür, 
sursür, 5-a/-5a/- (Heuschrecke, Grille, Schabe). 

158 H. Frehen, Art. Heuschrecke, EL ('1982) 732f, 732, vgl. Firmage, Zoology, 1159*'; 
GB, 685. 

159 Vgl. GB, 684.685. 

160 Ygi ja tg nn^T /ja. mi2T; syr. debbörS, ar. dabbar, zumbar, Grundform: dabbur. 

161 HAL,201,vgl. GB, 152. 

■62 Vgl. syr. dal debbaba, arab. dabab, akk. zubbul zumbu {Landsberger, Fauna, 130f; 
AHW, 1535f; CAD Z, 154f); 'Murtonen, Lexicon, 160, s.v. 1B(B) rechnet mit onoma- 
topoetischem Ursprung. 

1" HAL,250,vgl. GB, 191. 



188 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

Sollte die Identifizierung von T\\^y^ (Lev 11,30) mit dem Gecko zu- 
treffen^ö^^ (jaju^ könnte durchaus ein Zusammenhang des Tiemamens mit 
dem Verb pJX "stöhnen" besteheni^S; Die Geckos sind nämlich "die einzi- 
gen Schuppenechsen, welche wirkliche Kehlkopflaute ausstoßen können ... 
Mit Einbruch der Nacht werden sie munter und beginnen ihre Jagd auf In- 
sekten verschiedener Art ... Den Anfang ihrer Tätigkeit zeigen sie ge- 
wöhnlich durch ein lautes oder doch wohl vernehmliches kurzes Geschrei 
an, welches durch die Silben 'Gek' oder 'Toke' ungefähr wiedergegeben 
werden kann, gelegentlich auch in höhere oder tiefere Laute übergeht 
..."^^ö. Es wäre nicht überraschend, wenn diese Kehlkopflaute des Tieres 
als Stöhnen interpretiert worden wären '0''. 

Stimmen von Tieren aber können auch Schrecken erregen und dazu beitra- 
gen, hinter ihnen dämonische Mächte zu vermuten, gerade wenn es sich 
um Tiere handelt, die in lebensfeindlicher Umgebung vorkommen, so z.B. 
beim Schakal (*''N)i68. Auf sein langandauemdes, vielstimmiges nächtli- 
ches Heulen, durch das er "andere Tiere seiner Art anzulocken (versucht), 
um mit ihnen zusammen sich auf Raubzüge zu begeben" i^^, könnte sein 
Name anspieleni'^o. Und wenn Jes 13,22 Babel ankündigt: 

Schakale (□"K) werden in ihren Palästen heulen 
und Wildhunde (D^jn) in den Schlössern der Wonne, 

dann ist es mit dem früheren Wohlleben der nun zerstörten Stadt vorbei, 
deren neue Bewohner wilde Tiere sind^'^'. 



164 
165 
166 
167 
168 



Vgl. HAL, 70. 

Vgl. auch das Nomen I npjN "Stöhnen" und Murtonen, Lexicon, 96, s.v. 'NQ I/II. 

Brehm, 370f. Vgl. G. Dalman, AuS I, Gütersloh 1928, 398. 

So auch J. Feliks, Art. Igel, BHH II (1964) 759f. 

Zur "Ambivalenz von zoologisch definierbarer Spezies und dämonischem Wesen" vgl. 
Janowski, Repräsentanten (s. o. Anm. 58), III. Schakale D"J<, 160f, 160. 
'69 Brehm, 11. 

So auch J. Feliks, Art. Schakal, BHH III (1966) 1682 mit Verweis auf Jes 13,22; 
34,14; Jer 50,39, vgl. Murtonen Lexicon, 89, s.v. T (onomatopoetischer Ursprung)! 
GB, 28 verweist auf ein HIN "heulen", vgl. auch Elliger, BK XI/1, 356; Firmage, 
Zoology, 1 158'"^ Die mögliche Ableitung des Wortes von äg. ywbzw. j\v/w "Hund" 
(vgl. arab. /&? 'äwä "Schakal") würde die onomatopoetische Erklärung des Wortes 
noch stützen (vgl. Janowski, Repräsentanten [s. o. Anm. 58], III. Schakale □"'■'>< 160f 
160). 



170 



171 



Zu den onomatopoetischen Vogelnamen vgl, Abschnitt IX. 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 189 

V. Auf das Alter von Tieren bezogene Namen 

Tiere verändern ihr Aussehen und ihr Verhalten im Laufe ihres Lebens. 
Nicht nur die Größe des Körpers, sondern auch die Farbe der Tiere oder ihr 
Freßverhalten läßt Unterschiede zwischen Jungtieren und erwachsenen 
Tieren erkennen. Gerade wenn mehrere Namen für eine Tiergattung über- 
liefert sind, liegt, zumindest in einigen Fällen, der Grund darin, daß auch 
die Tierbezeichnungen die Unterscheidung von jüngeren und erwachsenen 
Tieren widerspiegeln. 

So bezeichnet "153^^^ (Jes 60,6) einen jungen Kamelhengst, HlpS eine 
junge Kamelstute, die schon einmal geworfen hat (Jer 2,23^^^), wobei sich 
eine Ableitung von ~1DD (pi. "als Erstgeborenen behandeln" bzw. hif 
"zum ersten Mal gebären"; Grundbedeutung: "früh sein"^''^) nahelegt. 
Ähnlich ist es bei Tini?, dem Leit- oder Zuchtbock' '^^, der speziell für das 
Heilopfer (Num 7,17-83, vgl. Dtn 32,14; Jes 1,11; Ps 50,13) vorgesehen 
war. B. Landsberger, Die Fauna im alten Mesopotamien, 1934, 97 leitet 
das Lexem von 'tdl "bereit sein, fertig sein" ab. "Er bezieht den Terminus 
'ffüd auf die Geschlechtsreife und versteht darunter einen Schafbock, der 
altersmäßig zwischen Böckchen {g^di^ und Widder ( ' ajil) steht, d.h. zwi- 
schen dem fortpflanzungsfähigen und dem völlig ausgewachsenen 
jjei."i76 i^pij; wäre somit eine Bezeichnung für ein Anfangsstadium. Ge- 
rade weil das Hebräische noch drei weitere Synonyme (T^rC^; C^iFl; 
T*?^) für den Ziegenbock kennt, liegt die Vermutung nahe, daß liny ei- 
ne bestimmte Eigenschaft, nämlich die Geschlechtsreife, hervorheben 



'^^ Vgl. akk. bakru{< arab. bakr) "Dromedarjunges" {Sahnen, Hippologica, 89; AHW, 
97a; CAD B, 35), bakkaru (westsem. Lehnwort) "Esels-, Kamelfüllen" (AHW, 97a), 
vgl. auch akk. /bat^z-i? "Erstgeborener". 

'■^3 Anders M Tsevat, Art. -|i33, ThWAT I (1973) 643-650, 644, der aufgrund des Zu- 
sammenhangs n"133 mit "junge Eselin" übersetzen will und darauf verweist, daß akk. 
bakru diVic\\ Eselsfüllen bedeuten kann (vgl. CAD B, 35). 

'^'' Vgl. dazu GB", 149; GB, 99; HAL, 125 (mit zusätzlichem Hinweis auf beduin. e/- 
bi'cir "Kamelstute, die in ihrem 4. Lebensjahr das erste Kalb geworfen hat"); Eilers, 
Nominalformen, 90, vgl. auch Tsevat, Art. "liD3, 643: Im Hebr. sei die zentrale Be- 
deutung "Erstgeborener" die ursprüngliche. "In ihr sind die Vorstellungen 'früh(-ster)' 
und 'Nachkomme' in gleicher Weise und in fester Verbindung präsent". 

' ^^5 Vgl. dazu P. Maiberger, Art. Bock, NBL I ( 1 99 1 ) 3 1 2. 

'■^ö P. Maiberger, Art. ninj?, ThWAT VI (1989) 483^86, 483, vgl. HAL, 854; GB, 629. 
Im Akk. dagegen ist atadu weniger Bezeichnung einer Tierart, sondern eher Altersstu- 
fe von Schaf- oder Ziegenbock (Landsberger, Fauna, 97, vgl. Sahnen, Jagd, 184f; 
AHW, 88b, s.v. atiJdu, e/M/ "Wildschaf , öÖ^ä/ "Schafbock", CAD A, 521, s.v. [wild 
sheep]). 



1 90 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

soll'^'^. Während das akk. atodu in der Regel ein wildes Tier (Schaf oder 
Ziege) bezeichnet, ist im Alten Testament ein Haustier im Blick, und zwar 
der Ziegenbock, und nicht der Schafbock / Widder'^^. Hinzu tritt eine 
weitere Beobachtung: In Jer 50,8 heißt es: 

Flieht aus Babel und zieht aus dem Land der Chaldäer! 
Seid wie die □"'"Iinp vor dem Kleinvieh. 

Diese Stelle dürfte zeigen, daß mit TIFll? "nicht jeder beliebige Ziegen- 
bock gemeint sein (kann) ..., sondern ein besonders kräftiges und wertvol- 
les Tier"'"'^, der Leitbock (vgl. auch Jes 14,9). 

Auch bei Vögeln wird zwischen Jungtieren und erwachsenen Tieren unter- 
schieden, wie Dtn ZZjöf'^*' zeigt: 

Wenn du unterwegs auf einem Baum oder auf der Erde ein Vogelnest ("TP 
TiSlJ) mit Jungen (□''n'^DN) oder mit Eiern (Q'':i"'3) darin findest und die Mutter 
auf den Jungen (CnnSXn"?!;) oder auf den Eiern (D'';S''3n"'7IJ) sitzt, sollst du 
die Mutter nicht zusammen mit den Jungen (D"']3ri~'75J) herausnehmen. Sondern 
du sollst die Mutter fliegen lassen und nur die Jungen (□'']2n~n}<'|) nehmen, damit 
es dir gut geht und du lange lebst. 

nn?^, die Bezeichnung für das Jungtier, ist abzuleiten von II mD "flie- 
gen" oder besser noch von I n~lD "sprossen, treiben" (vgl. arab. faraha II 
und IV "Junge haben [von Vögeln]", "Junge ausschlüpfen lassen"'^') und 
meint den "Sprößling" des Vogels (vgl. die Analogbildung im Deutschen). 
Und schon die Grundbedeutung von nSc (jung bzw. gefleckt, vgl. 
^'pj2i82. vgl. arab. talan, /a/ff "junge Gazelle") zeigt, daß es sich um ein 
Jungtier handeln muß: das Lamm (Jes 40,1 1; 65,25'^^). 
Bei Raubtieren, vor allem den Löwen, wird noch stärker zwischen den ver- 
schiedenen Entwicklungsstadien der Tiere unterschieden. Junge Löwen 
z.B. werden von der Mutter etwa sechs Monate gesäugt, ihre körperliche 
Entwicklung bis zur vollen Reife nimmt einige Jahre in Anspruch. Die he- 
bräische Sprache trägt dem Rechnung, indem sie das saugende Jungtier, 



'^^ Maiberger, ~\Mr\!l, 483. Entsprechend meint 'tüd'xm Arab. ein Tier, das älter als ein 
Jahr ist {Landsberger, Fauna, 97). 

'"'^ Maiherger, ^^m,A%1. 

'■^^ Maiherger, mni?, 484. 

^^^ Vgl. femer Ps 84,4; Hi 39,30. 

•81 So HAL, 908f; GB, 61 .658. HAL, 78 bietet noch folgende Hinweise: mhe. ja'«- "junge 

Brut", arab. farh,'^\. 'a/?.^/^ "Vogeljunges", äthiop. ayJ-eA/ "Kücken". 
1*2 Vgl. dazu HAL, 359; GB, 276. 
1 8^ 1 Sam 7,9; Sir 46, 1 6 ist das Milchlamm gemeint. 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 191 

das noch bei der Mutter lebt, ("llJi^'* bzw. 1 112^^5) von dem selbständiger 
gewordenen, aber noch nicht voll erwachsenen (männlichen) Jungleu 
(T'D3i86^ abgeleitet von *II "IDD "sich [mit der Mähne] bedecken"?' 8''; 
vgl. aber arab. gafara "wachsen"; /^i?- "viermonatiges Lamm") unterschei- 
det. Während von dem saugenden Jungtier noch keine Gefahr zu erwarten 
ist, ist der anhand der erst im dritten Lebensjahr wachsenden Mähne er- 
kennbare Jungleu eine emstzunehmende Bedrohung, da er sich seine Nah- 
rung bereits selbst sucht. Erst im 6. bzw. 7. Lebensjahr haben Männchen 
und Weibchen des Löwen ihre endgültige Färbung erreicht und sind er- 
wachsen'^^. Sehr schön verdeutlicht Ez 19,1^ seine einzelnen Entwick- 
lungsstadien: 

Wie war doch deine Mutter eine Löwin (H^Db) zwischen Löwen (ni"'")X). 
Sie lagerte mitten unter Jungleuen (OnSS), zog groß ihre Jungen (nnU). 
Und sie erhöhte eines ihrer Jungen (n''"l.il?;); das ward ein Jungleu (T'SS). 
Und er lernte, Raub zu rauben; Menschen fraß er. 
Da bot man Völker wider ihn auf, in ihrer Grube wurde er gefangen'*'. 

Dieses Leichenklagelied, das hier die Form einer "(Bild-)Erzählung vom 
Fall der Beklagten" '^^ einnimmt, vergleicht die Fürsten Judas mit jungen 



184 Dazu HAL, 177. 

'85 Vgl. HAL, 177. Belegstellen: Gen 49,9; Dtn 33,22; Ez 19,2f 5; Nah 2,12. In Klgl 4,3 
ist das Wort bezogen auf einen jungen Schakal. Im mhe., ja. bezeichnet das Wort ein 
Hundejunges; vgl. syr. ^ö//^ "junger Löwe", arab. /wtü "Raubtier- und Hundejunges", 
akk. gerru "Raubtierjunges" (AHW, 285, vgl. Landsberger, Fauna, 76f dagegen CAD 
G, 94: "lion"). Vgl. auch Murtonen Lexicon, 131 : "Apparently a wandering word, pri- 
mary meaning a youg camivore". Zu akk. girru stellt Landsberger, Fauna, 77, fest: 
"Nichts spricht allerdings dafür, daß girru das Löwen/unge bezeichnete, aber ähnliche 
Übertragungen der Namen von Jungen eines Tieres auf eine ganze Gattung findet man 
bei ataduunA daSsii' . 

186 Dazu HAL, 469. 

187 Vgl. HAL, 470; Murtonen, Lexicon, 237, s.v. KPR; zum Zusammenhang von "ISS 
und T'S3 vgl. auch die ausführliche Diskussion bei B. Janowski, Sühne als Heilsge- 
schehen. Studien zur Theologie der Priesterschrift und zur Wurzel nS3 im Alten Ori- 
ent und im Alten Testament (WMANT 55), Neukirchen 1982, 17-20, bes. 18f: Der 
Hinweis auf das arabische Vergleichswort zu ~I"'D3 schließe aus, daß das Wort "die 
Bezeichnung eines mit einem auffälligen Körpermerkmal ausgestatteten Lebewesens" 
darstelle (18); vielmehr sei ^33 "eine Altersbezeichnung, die möglicherweise eine 
Aussage über das Beuteverhalten einschließt" (19); vgl. auch die ebd. 19" genannte 
Literatur. GB, 358 vermutet eine Ableitung "von einem ^DD von unbekannter Grund- 
bedeutung". 

188 Vgl Brehm, 55. 

189 Übersetzung nach fV. Zimmerli, Ezechiel. 1. Teilband: Ezechiel 1-24 (BK XIII/1), 
Neukirchen- Vluyn M979, 417. 

190 Z/mmer//,BK XIII/1, 421 



1 92 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

Löwen. Die Löwin, die im Gefolge mehrerer Tiere lebt, zieht ihre Jungen 
groß. Eines von ihren saugenden Jungen wird zum herausragenden T'DS, 
der voller Kraft und Stärke selbständig auf Raubzüge ausgeht. Als er, wie 
bei einer Löwenjagd üblich, schließlich in einer Fallgrube gefangen wird, 
ist sein Schicksal besiegelt. Wir müssen hier nicht in die Diskussion dar- 
über eintreten, aufweiche der judäischen Könige das Bild anspielt^^'. In 
jedem Fall liegt die Übertragung des Löwenbildes auf Herrscher nahe: Der 
König eines Volkes wird mit dem König der Tiere verglichen. 



VL Der Lebensraum 

Die Menschen im alten Israel hatten genaue Vorstellungen von den Le- 
bensräumen der Tiere. Charakteristisch hierfür ist Ps 104, der in den V. 
16-18 Vögeln, Steinböcken und Klippschliefern je einen eigenen Lebens- 
bereich zuordnet: 

Es trinken sich satt die Bäume JHWHs, 
die Libanonzedem, die er gepflanzt, 
wo die Vögel nisten, 
der Storch, dessen Haus die Zypressen. 
Die hohen Berge gehören dem Steinbock. 
Felsen bieten den Klippschliefern Schutz. 

Auch manche Tiemamen enthalten einen Hinweis auf ihren Lebensraum, 
so z. B. das Adjektiv der Zugehörigkeit *''1J (< *sjjjij{ies 13,21; abgeleitet 
von *n;!^ "Trockenlandschaft, trocken"), das Wesen in der H^iJ bezeich- 
net, wobei nicht geklärt ist, welche Arten genau damit gemeint sind, viel- 
leicht speziell Wildkatzen oder auch (Wüsten-) Dämonen'^^ Doch ist es 
wahrscheinlicher, daß der Begriff "eine Sammelbezeichnung für dämoni- 
sche Wesen der Wüste" '^^ und keine zoologische Spezies darstellt. 
Während Wüstentiere in einem dem Menschen feindlichen Raum, einer 
"gegenmenschlichen Welt", beheimatet sind und deshalb die Nähe zu dä- 
monischen und bedrohlichen Kräften naheliegt, verweist die Bezeichnung 
r|^'p{^i94 (Ps 144J4. Sir 38,25) für das Rind ebenso wie f]'?Ki95 (vgl. ug. / 



191 
192 



Zur Frage der Identifizierung bestimmter Könige mit den Q''T'S3 vgl. Zimmerli, BK 
XIII/1,423. 



Vgl. HAL, 956 unter Verweis auf GB u.a. Vgl. femer H.-P. Müller, Art. ''a, ThWAT 
VI (1989) 987-991, 987; M Görg / W. Kirchschläger, Art. Dämonen, NBL I (1991) 
375-378, 376; zur Semantik der Tiere vgl. ebd. 989 und Janowski, Repräsentanten (s. 
0. Anm. 58), IV. Wüstendämonen D^^S, 161-163. 

'^^ Janowski, Repräsentanten, IV. Wüstendämonen G^iJ, 162. 

1 ^^ Vgl. dazu HAL, 52; GB, 4 1 . 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 93 

phöniz. '/p, akk. alpu^^^) auf ein "an (Dienst) gewöhntes, (ein)geübtes 
(Pflug-)Rind"i97 (vgl. I f]':'« "lernen", arab. 'alifa, walafa III "vertraut 
sein" 198)^ dann allgemeiner auf ein an den Menschen gewöhntes, zahmes 
Tier. 

Überhaupt gehören Rinder "zu den Tieren, die am leichtesten zu zähmen 
sind und die noch heute an verschiedenen Stellen der Erde ... in einer Ge- 
neration von Wildbüffeln zu Hausrindem gezähmt werden können"!^^. Vor 
allem wegen ihrer Ziehkraft und erst an zweiter Stelle wegen der Milch 
und des Fleisches wurden sie geschätzt. Doch ist auch die Feststellung 
Murtonens^^^ zu beachten: "The verb may be denominative everywhere. 
The ideas of taming and familiarity being based on the tame herd of cattle 
headed by the bull and the Community headed by the chieftain". Aber auch 
dann zeigt sich der enge Bezug zwischen Mensch und Tier, wenn der Na- 
me des Rindes den Ausgangspunkt einer Wurzel bildet, die zum Inbegriff 
von Zahmheit und Vertrautheit wird^"'. 



'55 Vgl. dazu HAL, 57; GB, 44. 

196 AHW, 38b; CAD A I, 364ff. 

'9^ Aartun, Studien, 12. Zur Etymologie vgl. ebd. 13; vgl. femer Koenen, Rind, 363. 

•58 Dazu HAL, 57. 

'55 Sahnen, Hippologica, 79. 

200 Lexicon,91f, s.v. 'LP. 

201 Auf die Nähe zum Menschen könnte sich auch das Substantiv "l|'p3 (vgl. akk. buqSru 
[AHW, 139a; CAD B, 323; < kan. bSqärl]; arab. baqar) beziehen, das den Kollektiv- 
begriff für Rinder aller Art und allen Geschlechts bildet, sofern die Ableitung von 
I "lp3 pi. "untersuchen, sich kümmern um" zutrifft (vgl. HAL, 144f), was aber frag- 
lich ist: vgl. B. Beck, Art. np^l, ThWAT I (1973) 736-743, 736 (dort auch weitere 
Belege in anderen semitischen Sprachen) und Murtonen, Lexicon, 118, s.v. BQR, der 
festhält: "The basic meaning here ... appears to be to split; in cattle the reference is to 
the cloven hoof. Vgl. ebenso Chr. Barth, Art. nj?3, ThWAT I (1973) 743-754, 745: 
Von der Grundbedeutung "spalten, öffnen" her könnte einerseits ein Zusammenhang 
mit "Ip3 als Terminus technicus der Opferschau bestehen, andererseits eine Verbin- 
dung zu den Bedeutungen "untersuchen, erforschen", vgl. bibl.-aram., syr. "durchboh- 
ren, nachforschen", mand. "spalten, prüfen", äth. baqala "untersuchen, bestrafen", 
hebr. "Ip3 pi. Mah könnte allerdings auch erwägen, ob "lp2 in der Bedeutung "unter- 
suchen, sich kümmern um" sekundär vom Nomen HP 3 abgeleitet ist und das Verhal- 
ten des Menschen gegenüber dem Tier widerspiegelt, während sonst umgekehrt z.T. 
Tiemamen zur Neubildung von Wurzeln dienen, die die Eigenschaften der jeweiligen 
Tiere beschreiben. Das Denominativ von np3 "^p^^" "(Rinder-)Hirt" in Am 7,14 
(dazu s. GB, 89) könnte ein Zwischenglied innerhalb dieser Entwicklung darstellen. 
Untersucht man das Vorkommen des Verbs ~lp3, so stößt man immerhin auf einen 
Text wie Ez 34,10-12, wo das Tun des Hirten bei seiner Herde beschrieben wird: 

Siehe ich will an die Hirten und will (die Tiere) meine(r) Herde aus ihrer Hand for- 
dern und will mit ihnen ein Ende machen, daß sie nicht mehr (die Tiere) 'meine(r) 
Herde' hüten ... Denn so hat [der Herr] JHWH gesprochen: Siehe, ich selber suche 
(die Tiere) meine(r) Herde und kümmere mich um sie (Cn'lp?). Wie ein Hirte 



1 94 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

In gewisser Weise gehört auch das Femininum ni2~l (eig. "Morsches, Ver- 
faultes" von II DD~I "faul werden"202) in diese Rubrik. Das Wort bezeich- 
net in übertragenem Sinn das "Gewürm, das in verfaulten Stoffen ent- 
steht"203. HAL übersetzt das Wort mit "Made"204. Das Tier kommt vor in 
faulenden Speisen (Ez 16,24), in kranken Körpern (Hi 7,5) und vor allem 
in Leichen im Grab (Jes 14,11; Hi 21,26; 24,20 u.ö.)^°^. Besonders ein- 
drücklich beschreibt deshalb Hiob seine Todesnähe, wenn er sagt: 

Das Grab nenne ich meinen Vater und die Würmer meine Mutter und Schwester. 
(Hi 17,14) 

VII. Namen, die sich auf die Lebensweise beziehen 

Ein Beispiel dafür sind die Heuschrecken, die häufig in gewaltigen 
Schwärmen auftreten. Sie fliegen in so großer Zahl über das Land, daß sie 
die Sonne verfinstern können (Joel 2,10), und werden z.T. mit herabwir- 
belndem Schnee verglichen (Sir 43,17)^06. in ihren Namen wird diese Be- 
obachtung z.T. aufgenommen, z. B. wenn die "voll entwickelte, geflügelte 
Wanderheuschrecke"207 n^nx (vgl. ug. r/^'^o») genannt wird, ein Wort, 
das die Wurzel n3~l "viel, zahlreich sein" anklingen läßt^o^. Auch riDJ 



sich um seine Herde kümmert (m.|'?53) am Tage des Sturms ..., so werde ich mich 
um (die Tiere) meine(r) Herde kümmern ("IpS^?) ■•• (Übersetzung nach fV. Zimmerli, 
Ezechiel. 2. Teilband: Ezechiel 25^8 (BK XIiy2), Neukirchen- Vluyn M979, 825). 
"Ip3 vermag "in besonderer Weise ein echtes Tun des Hirten zu bezeichnen ... Im 
vorliegenden Zusammenhang ist es das sorgfältige Anschauen und Abzählen der Her- 
de und die darin angelegte Bereitschaft, das Verlorene zu suchen und das Zerstreute 
zusammenzubringen" (vgl. Zimmerli, BK XIII/2, 83 8f). 

202 So auch Firmage. Zoology, 1 159™; GB, 761, vgl. HAL, 1 157f. Vgl. ug. mrm (?); akk. 
rimmatum (AHW, 986a) "Made"?; syr. remm'ta "Moder, Gewürm", aram. rimmat 
"alte und verdorbene Knochen". 

GB,761. 

1157. 

20^ Vgl. dazu H. Wildberger, Jesaja. 2. Teilband: Jesaja 13-27 (BK X/2), Neukirchen- 
Vluyn 1978, 550. 

Vgl. dazu auch P. Maiberger, Art. Heuschrecke, NBL II (1995) 146f. 

H.W. Wolff, Dodekapropheton 2: Joel und Amos (BK XI V/2), Neukirchen- Vluyn 
M975, 30. 

Vgl. akk. aleribu, letzteres mit alter Kollektivendung, vgl. Landsberger, Fauna, 122- 
AHW, 234a. 

Vgl. HAL, 80f; L. Köhler, Die Bezeichnungen der Heuschrecke im Alten Testament, 
ZDPV 49 (1926) 328-333, 329, vgl. auch Murtonen, Lexicon, 391f, s.v. RB(B)/RBV, 
anders GB, 63 (Ableitung von 3nK). In welch ungeheurer Menge Heuschrecken auf- 
treten können, kann ein (leider undatiertes) Photo dokumentieren, das während der 



203 
204 



206 

207 

208 
209 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 95 

und ''21 1 3l3 (von *nD3, vgl. arab. /5/5>4/'"sammeln"2i0) meint einen Heu- 
schreckenschwarm^" . 

Nicht nur Heuschreckenplagen werden im Alten Testament erwähnt, auch 
andere Insekten konnten Mensch und Tier durch ihre Anzahl bedrohen. So 
denkt der Bericht über die 4. Plage gegen Ägypten in Ex 8 an Schwärme 
von Ungeziefer (3T1?, abgeleitet von II Zliy "sich vermengen mif'^i^), 
die sich im ganzen Land Ägypten niederlassen^'^. Der Verweis auf akk. 
urbatu (AHW, 1428) // ta/tu "Wurm" läßt jedoch die genannte Ableitung 
fraglich erscheinen^'"'. 

VIII. Was Löwen und Heuschrecken verbindet ... 

Nichts - so würde der nüchterne Betrachter der Tierwelt feststellen. Die 
einen sind Säugetiere, die andern Insekten, die einen flugfähig, die anderen 
nicht, die einen treten in der Masse eines Schwanns auf, die anderen leben 
im Verband der Kleinfamilie bzw. (selten) als Einzelgänger. Und leicht 
ließen sich eine Menge weiterer Unterschiede zwischen Löwen und Heu- 
schrecken auffuhren. Und dennoch gibt es zwei Verbindungslinien, die ei- 
ne mehr formal-statistisch, die andere inhaltlich. 

Zur formal-statistischen läßt sich sagen, daß es sowohl für Löwen als auch 
für Heuschrecken eine Vielzahl von Bezeichnungen gibt, deren Etymolo- 
gie nicht in allen Fällen gesichert ist. Doch vermutet man, daß den Löwen- 
namen^'s Idiome aus verschiedenen semitischen Sprachkreisen zugrunde- 



Ausgrabung Assurs Anfang dieses Jahrhunderts entstanden ist und das W. Andrae, 
seinem Buch "Das wiedererstandene Assur", Leipzig 1938, beigegeben hat (vgl. Taf. 
84). 

2'0 So HAL, 163; L. Köhler, Gebim (Heuschrecken-)Schwärme, ThZ 4 (1948) 317. GB'', 
191 leitet das Wort von der Wurzel GWB, vgl. arab. gsba "(eine Gegend durch-)wan- 
dem" ab. - Keel, OLB 1, 168 bringt H^J und ■'33/ 315 in Zusammenhang mit n33 
"hoch sein" 

^" Zu Heuschrecken-Schwärmen in Palästina s. Dalman, AuS I, 393-395. 

212 Vgl. GB, 616; HAL, 832; vgl. syr. arrObä. 

2' 3 Zu den Plagenerzählungen siehe u.a. J. Kegler, Zu Komposition und Theologie der 
Plagenerzählungen, in: E. Blum / Ch. Macholz / E. W. Stegemann (Hg.), Die Hebräi- 
sche Bibel und ihre zweifache Nachgeschichte. FS R. Rendtoiff zum 65. Geb., Neukir- 
chen-Vluyn 1990, 55-74. 

214 Vgl. HJ. Fabry I H. Lamberty-Zielinski, Art. ^IV II/III, ThWAT VI (1989) 355-359, 
355.357; Landsberger, Fauna, 130. 

2'5 Die zehn belegten Wörter für den Löwen sind z.T. miteinander verwandt: "'37, n^3?, 
H^'^b, T'D3, ~tM, ~i% n"!.-]^, nK, ^^.i, bw (vgl. dazu L. Köhler, Lexikologisch- 
Geog'raphisc'hes ZDPV 62 [1939] 115-125, 121). Im Ugarit. ist ausschließlich /bJ/t 
belegt. Zu H^^h ist femer zu vergleichen akk. labbu I Jäbu {< lab'ü): AHW, 526a; 



1 96 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

liegen, die sich zugleich auf zwei Faunakreise beziehen: "Mit dem Gebiete 
des asiatischen Löwen deckt sich der Bereich der Vokabel K''^'?; mit dem 
Gebiete des afrikanischen Löwen deckt sich der Bereich der Vokabel 
IT'IN. Später haben sich beide Gebiete und Bereiche gemischt, aber i^''^'? 
ist ein asiatisches, n''"!^^ ein afrikanisches Wort"2i6. 
Die verschiedenen Bezeichnungen für Heuschrecken dagegen beziehen 
sich z.T. auf die Entwicklungsstufen der Heuschreckenmetamorphose^''' 
(p?;;, n3~)><, DT3, '^''pn), deren Unterscheidung wohl für das alte Israel 
wichtig war; z.T. sind auch einzelne Arten gemeint (3311, hl'~\U, DlJbo, 
n3~;i<2i8) Dieser variationsreicheren Begrifflichkeit liegt sicherlich eine 
andere Art der Beobachtung zugrunde als heute, die ihren Grund darin ha- 
ben dürfte, daß "man andere Interessen verfolgte"2i9. 
Geht man aber der inhaltlichen Gemeinsamkeit zwischen beiden Tierarten 
nach, so stößt man auf ein Rätsel: 

Speise ging aus vom Fresser ('pSKnp) und Süßigkeit vom Starken. (Ri 14,14) 



CAD L, 24; arab. labu' I lubwa, äg. rw, ;\.ecov, leo. Zum Verhältnis von akk. nSsuza 
akk. Jäbu {labbü) vgl. Landsberger, Fauna, 76: "neSu ist im allgemeinen die prosai- 
sche, MbuAit poetische Ausdrucksweise, ... Das Nebeneinander von /7d?i/und Iabu\s\ 
schon ursemitisch: nssu ist ursprünglich der männliche, Jäbu der weibliche Löwe". 
"Hebr. usw. lais gegenüber akk. *nais ist durch Assimilation kaum zu erklären ..., 
sondern wohl durch Angleichung: 'Löwe' und 'Löwin' dürften ursprünglich gelautet 
haben: * najt Mnd * lab', so daß das Akkadische das Ursprüngliche bewahrt hat" (ebd. 
Anm. 7; vgl. auch Sahnen, Jagd, 208ff.220ff; CAD N II, 193ff). 

2'^ Köhler, Lexikologisch-Geographisches, 124, zu den Nachweisen, ebd. 122f, zur Ab- 
grenzung der Säugetierbestände in Palästina s. ebd. 123f, vgl. auch G.J. Botterweck, 
Gott und Mensch in den alttestamentlichen Löwenbildem, in: J. Schreiner (Hg.), 
Wort, Lied und Gottesspruch. FS J. Ziegler (fzb 2), Würzburg 1972, 117-128, 120, 
für den die Etymologie der Löwennamen noch ungeklärt ist, und ders., Art. "'"IN, 
ThWAT I (1973) 404^18: Zu r^-:,-\Xi verweist Botterweck auf äg. rwhzw. äthiop. 
'arwe "wildes Tier", arab. 'arwijat "coli. Steinböcke, Wildschafe", möglicherweise 
auch auf akk. a/7Z7i7 "Bergziegenbock?" (vgl. CAD A II, 293) usw., 702? sei etymolo- 
gisch unsicher (ebd. 406f); vgl. auch Murtonen, Lexicon, lOOf, s.v. 'RVW: "Original- 
ly, the Word may have been used of any big or frightening animal, to be differentiated 
on in most languages in different ways". 

Zur Problematik der Bezeichnungen vgl. Wolff, BK XIV/2, 30-32; H.-P. Müller, Die 
Funktion divinatorischen Redens und die Tierbezeichnungen der Inschrift von Teil 
Deir 'Alls, in: / Hoftijzer / G. van der Kooij, The Balaam Text from Deir 'AJJsrt- 
evaluated. Proceedings of the International Symposium held at Leiden 21-24 August 
1989, Leiden 1991, 185-205, 196f mit Anm. 33f; Köhler, Bezeichnungen; H. Frehen, 
Art. Heuschrecke, in: H. Haag (Hg.), Bibellexikon, 732f; Murtonen, Lexicon, 190, 
s.v. XSL. 

^^^ Vgl. Lev 1 1,22, wo die genannten Bezeichnungen mit dem Zusatz "nach seiner Art" 
versehen sind, und Müller, Funktion, 197. 

219 Afü/Zer, Funktion, 196. 



217 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 97 

Simson stellte dieses Rätsel seinen Hochzeitsgästen mit der Absicht, die 
eigene Hochzeitskasse etwas aufzubessern, sollten es seine Gäste nicht lö- 
sen können. Was aber hat es mit diesem Spruch auf sich, der doch eigent- 
lich eine Absurdität formuliert - wie sollte einer für Speise sorgen, der als 
Fresser bekannt ist?220 Zugrunde liegt ihm ein erst kurze Zeit zurücklie- 
gendes Erlebnis Simsons: Einige Tage, nachdem er einen Löwen, der sich 
ihm in den Weg gestellt hatte, todesmutig mit seinen bloßen Händen zer- 
rissen hatte, fand er in seinem Leib einen Bienenschwarm (G''")i'l fllS?) 
samt Honig. Simson labt sich an dem Honig und versucht, aus diesem Er- 
lebnis zusätzlich Kapital zu schlagen. Der Fresser ('^Di^H) aber ist der Kö- 
nig der Tiere, der Löwe, ... 
Mal 3,11 dagegen hat andere Tiere vor Augen: 

Ich bedrohe für euch den Fresser (VsKS), daß er euch nicht die Frucht des Ackers 
verderbe und der Weinstock auf dem Feld euch nicht unfruchtbar sei. 

Hier wird angespielt auf die zerstörende Freßsucht der Heuschrecken, die 
alles Grün des Ackers und der Bäume und Sträucher vernichten, wenn sie 
zahllos in ein Land einfallen. An beiden Stellen also dient eine hervorste- 
chende Eigenschaft zur Neubildung einer Tierbezeichnung^^i, eine Eigen- 
schaft, die sich auf die bedrohliche Zerstörungskraft beider Tiere bezieht. 
Auch andere Bezeichnungen für die Heuschrecke stellen einen Bezug zu 
ihrem Freßverhalten her, das die Existenz der Menschen bedrohte, wenn 
sie Ernten vernichteten und gleich einem Heer plündernd und zerstörend 
ein Land durchzogen (vgl. Ri 6,5; 7,12; Jes 33,4; Jer 46,23)222. Einige die- 
ser Bezeichnungen führt Joel 1,4 gleichsam als Kommentar zu Mal 3,11 
an: 

Was die DT3 übrigließ, fraß die n3"ll<, 
Was die nänX übrigließ, fraß die pT, 
Was die p^^ 'übrigließ, fraß die '^''pn. 



220 H.W. Hertzberg, Die Bücher Josua, Richter, Ruth (ATD 9), Göttingen 1954, 229, 
rechnet bei dem Rätsel mit einer Anspielung auf die Manneskraft des Bräutigams, eine 
Lösung, die sich bei einer Hochzeit anbieten könnte, die aber falsch ist. Andere ver- 
weisen darauf, "that the real Solution of Samson's riddle ... has to be sought in the am- 
biguity of the word 'rye(h) or ' 'ri which could mean both 'Hon' and 'honey(-dew)"' 
{J.C. rfe Moor, a/-"Honey-dew", UF 7 [1975] 590f, 591 [mit Anm. 2]). 

221 Vgl. ähnlich das akk. Epitheton parrisu "Zerreißer" für den Wolf (vgl. Landsberger, 
Fauna, 78; AHW, 834b; anders Landsberger, MSL VIII/2, 130: "Schakal", vgl. Salo- 
nen, Jagd, 231 f). 

222 Yg] Maiberger, Heuschrecke, 146f 



1 98 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

Dabei bezieht sich DT3, was wohl eher die Raupe als die ausgewachsene 
Heuschrecke meint223 auf das Abschneiden (*DT3)224 '^•'on auf das Ab- 
fressen (vgl. 70n hif. Dtn 28,38)^25 von Bäumen und Blättern. Die krie- 
chende, noch ungeflügelte Heuschrecke heißt ph'!,'^'^^. b'i'in (Lev 11,22) 
schließlich wird in Zusammenhang gebracht mit arab. harga]{< hg], arab. 
hagala II "in Sätzen springen"; vgl. syr. hargälä, akk. ergilu [AHW, 
240a])227. Zu r\^-% s.o. Abschnitt VII. 



IX. Die crux interpretum bei den Vogelnamen 

Viele der etwa 40 Vogelnamen sind im Alten Testament nur wenig belegt. 
Bei den Vögeln wird daher die Problematik der Identifikation mit unseren 
heutigen Tiertermini besonders evident^^», zumal bei einigen neben den 
Namen keine Informationen über Verhaltensweisen etc. überliefert sind. 
Außerdem kann ein Name verschiedene Vogelarten und in Einzelfällen so- 
gar verschiedene Tierarten bezeichnen. 

Betrachtet man dagegen die Etymologie der hebräischen Vogelnamen, so 
stößt man auf Kriterien für die Benennung, die das alte Israel ausgebildet 
hat und die sich z.T. von den unseren unterscheiden. Häufig sind onomato- 
poetische Namen, die den Ruf der Tiere nachahmen, anzutreffen^^? (vgl. 
das deutsche "Kuckuck"). Doch ist nicht zu erwarten, daß der Ruf der Vö- 
gel in jedem Fall exakt wiedergegeben wird. "The onomatopoeon may re- 
present a real attempt to reproduce the original sound or may be a mere 
echoing repetition of a single note to give the effect of a monotonous cry; 



22-3 Vgl. HAL, 179; GB, 136; GB", 210 weist daraufhin, daß bei einer Ableitung von 
GZM die Vokalisation GT3 zu erwarten wäre. 

224 Zu vergleichen ist möglicherweise akk. kisimmu {Landsberger, Fauna, 125), ein Wort, 
das abgeleitet ist vom akk. Verb ksm "die Felder abfressen". 

225 Vgl. dazu ug. Asj] (?) und HAL, 324; GB, 247; GB", 377; Köhler, Bezeichnungen, 
329; Murtonen, Lexicon, 190, s.v. XSL. 

226 Vgl. Köhler, Bezeichnungen, 332; HAL, 395: Möglicherweise ist das Wort mit arab. 
tvaräga "Blätter bekommen" bzw. anrag "aschfarben" zusammenzustellen und könnte 
so auf die noch fehlenden Flügel bzw. auf die Färbung des Tieres anspielen. 

227 Vgl. HAL, 336; GB", 393. Anders Köhler, Bezeichnungen, 329, der eine Metathese 
von chagröPditx Gegürtelte" annimmt. 



228 

229 Vgl. die Tabelle bei Driver, Birds II, 140 



Vgl. die Überlegungen dazu bei Müller, Funktion, 197-201 und bei Dri\er Birds I 
19. 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 1 99 

and it may undergo every form of linguistic assimilation or dissimilati- 
on"230. 

Zu diesen Schallwörtem gehört ni<23i (jer 13,21)232^ eine Bezeichnung, 
die mit der schmerzhaften Interjektion PIK (vgl. Ez 6,11) zusammenhängt. 
Das Gurren der Taube "u-ru-ku" wurde als Klage gedeutet^^^ ji^- Name 
(T]:V) hängt so mit I n:X {<jhA) "in Trauer klagen" (vgl. Jes 3,26; 19,8) 
zusammen^^"*, einer Wurzel, "die einen murmelnden, dumpfen Laut be- 
zeichnet"235^ "wobei auch hier wohl der murmelnde Laut der Klagenden 
der Bildung des Beschreibungsverbs voraufging"^^^. Anspielungen auf 
diese Namenstradition finden sich vor allem in prophetischer Tradition, so 
in Nah 2,8: 

Ihre Jungfrauen werden seufzen wie Tauben und an ihre Brust schlagen^^^. 

Und im Lied des Hiskia Jes 38,14 vergleicht sich der Kranke in seiner Kla- 
ge mit der gurrenden Taube: Das Wort njn kann "ein Stöhnen in dumpfem 
Schmerz bezeichnen. In [Jes] 16,7 und in Jer 48,31 steht rtJn für das Kla- 
gen leidender Menschen und in Jes 59,1 1 wird das Gurren der Tauben mit 
dem Stöhnen solcher verglichen, die sich bereits wie Tote vorkommen"^^^. 
Neben n^V findet sich in Jes 38,14 auch die Bezeichnung CO, das Wort 
für die Schwalbe (?)239 oder den Mauersegler (7)^'*'^, das das Zwitschern 



230 Dnver, Birds I, 5. 

231 So auch GB, 22; GB", 33, vgl. HAL, 28f; / Feliks, Art. Eule, BHH I (1962) 447f, 
447; Murtonen, Lexicon, 87, s.v. 'X III. 

232 Firmage, Zoology, 1153 übersetzt "Hyäne", vgl. auch Driver, Birds II, 134'. Zu den 
verschiedenen Deutungsmöglichkeiten für OK vgl. auch M. Görg, "Dämonen" statt 
"Eulen" in Jes 13,21, BN 62 (1992) 16f, der unter Hinweis auf ägypt. jÄiff "Zauber- 
macht" die Übersetzung "Dämon" vorschlägt. 

233 Vgl. Keel, OLB 1, 137; S. Schroer, Art. Taube, NBL III (2001) 787-790, 788. 

234 Vgl. HAL, 384f; GB, 295; Driver, Birds II, 129; W. v. Soden / G.J. Butterweck, Art. 
Ti)V, ThWAT III (1982) 586-594, 587. Zu ug.>/und seinen z.T. umstrittenen Bele- 
gen vgl. ebd. 587f 

235 V. Soden / Botterweck, r]\V, 587. 

236 Ebd. 

237 Vgl. auch Ez 7,16. 

238 H. Wildberger, Jesaja. 3. Teilband: Jesaja 28-39 (BK X/3), Neukirchen-Vluyn 1982, 
1462. 

239 Vgl. Müller, Funktion, 1 97f mit Anm. 37. 

240 Vgl. Dalman, AuS I, 390. 



200 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

des Vogels nachahmt (vgl. die arab. Bezeichnung sis nach dem schrillen 

Das laute, gellende Rufen (]n242) der Strauße (G"'35-)243, belegt nur Hi 
39,13)^^'' ist fast schon sprichwörtlich. 

Ich muß klagen wie die Schakale (□"'Sn) und heulen wie die Strauße (HJi?^ rTi33), 

sagt der Prophet in Mi 1,8 und nimmt dabei Bezug auf ein Trauerritual. 
Angesichts der Verwüstung Samarias sieht er sich nicht zufällig in der Ge- 
meinschaft der typischen Wüstenbewohner^^^^ die auch in Hi 30,29 ge- 
nannt werden: 

Ich gehe schwarz einher, doch nicht von der Sonne. 

Ich stehe auf in der Gemeinde und schreie. 

Ich bin ein Bruder der Schakale geworden und ein Geselle der Strauße. 

Auch hier ist das Geschrei des Vogels Metapher für die Klage des Einsa- 
men und Isolierten, der sein Geschick nur noch herausschreien kann. 
Viele Sprachen ahmen den Ruf des Wiedehopfes nach, wenn sie ihn be- 
nennen^'*^. Hebräisch heißt er wahrscheinlich flD"'?'!'! (vgl. Lev 11,19; 
Dtn 14,18), vgl. griech. eTtov|/, copt. kukufat, syr. qäqüpä; engl, hoopoe^'*?. 
"1313 ist ebenfalls ein Schallwort^'^s^ das den Ruf des Kuckuck imitieren 



2'*! HAL, 710 mit Verweis auf i. Köhler, Kleine Lichter, Zürich 1945, 35ff, vgl. auch 
ders.. Hebräische Vokabeln, ZAW 54 (1936) 287-293, 289; J. Feliks, Art. Schwalbe, 
BHH III (1966) 1747; Driver, Birds II, 131. 

^''^ Die Wurzel an sich hat onomatopoetischen Charakter (vgl. Murtonen, Lexicon, 401, 
s.v. RN[N\). 

243 Die andere Bezeichnung ist *]j;^ (vgl. dazu P. Riede, Art. Strauß, NBL III [2001] 
713); zu möglichen Deutungen (nach arab. "Tochter der Wüste", wörtlich "des harten, 
steinigen Geländes" [wa'natum] oder von syr. y]3^ "gefräßig": "Tochter der Gefräßig- 
keit") dieses Wortes vgl. Elliger, BK XI/1, 356; Driver, Birds II, 137; HAL, 402; GB, 
307. Firmage, Zoology, 1158"' weist (unter Berufung auf Driver, Birds I, I2f) darauf 
hin, daß das Wort auch eine Eule bezeichnen könnte, weil zu ihr das Heulen besser 
passen würde, bzw.: "Perhaps the term denoted different birds at various times or from 
one region to another" (ebd.). - Zu Hi 39,13 vgl. auch H.-P. Müller, Die sog. Strau- 
ßenperikope in den Gottesreden des Hiobbuches, ZAW 100 (1988) 90-105. 

2^*4 Vgl. dazu HAL, 1164; GB, 763; Keel, Jahwes Entgegnung, 67^"; H. Frehen, Art. 
Strauß, BL (M982) I650f; Driver, Birds II, 138. 

Vgl. dazu H. W. Wolff, Dodekapropheton 4: Micha (BK XIV/4), Neukirchen- Vluyn 
1982, 27. Weitere Belegstellen für Strauß und Schakal als Wüstenbewohner bei Elli- 
ger,BK XI/1, 356. 

Vgl. H. GrafReventlow, Art. Wiedehopf, BHH III (1966) 2171. 

247 Vgl. Firmage. Zoology, 1159"; GB", 245; Driver, Birds I, 18; HAL, 208; Dalman, 
AuS I, 392. 

248 Vgl. GB", 172; HAL, 147; Driver, Birds II, 133. 



245 



246 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 20 1 

könnte^'*^. Andererseits spricht die Tatsache, daß 1 Kön 5,3 vom Mästen 
des Vogels die Rede ist, eher für eine Enten-, Gänse- (oder Kranich-) 
art250. 

Weitere Schallworte^^i sind n;i<252 (Lev 11,14; Dtn 14,13; Hi 28,7, vgl. 
15,23), die Bezeichnung für einen scharfsichtigen Stoßvogep53, ~iin, der 
Name für die Turteltaube (< Ä//-)254^ auf deren Gurren "tOr-tof^^^ Hld 2,12 
anspielt, 3~l,y2^^, die Gattungsbezeichnung für Raben, ein Wort, das auf 
ihr dunkles Krächzen "korrk" Bezug nimmt^^'^ und evtl. auch "It^J^^^ "Gei- 
er", z.T. auch "Adler"259. Auch "llD2 "Zwitscherer"260 erweckt den "Ein- 
druck des Onomatopoetischen"^^'. 



Vgl. arab. abu burbur, Kuckuck und Brehm, 221 . 

250 Firmage. Zoology, 1158"°; J. Feliks, Art. Schwan, BHH III (1966) 1747, vgl. HAL, 
147. 

25' Zum onomatopoetischen Ursprung der Bezeichnung 7Tl3 für einen Jungvogel vgl. 
Driver, Birds I, 6. Anders dagegen Murtonen, Lexicon, 131, s.v. GZL: "The word for 
the young of a bird is perhaps derivable from this root in the light of the rule (Dt 
22:6f) that on finding a bird's nest only the young •wtxt to be seized and the mother let 
off. Doch ist auffällig, daß gerade Dtn 22,6 gerade nicht das Wort 7n3, sondern 
nhSK verwendet. 

252 So auch GB'S 45; HAL, 38; P. Maiberger, Art. Habicht, NBL II (1995) 3. Zur mögli- 
chen Identifizierung des Vogels und seines Rufes vgl. Driver, Birds I, 1 1 . 

253 Ygi J22U akkad. ajau, arab.yi/yi/' und Firmage, Zoology, 1158'". 

254 Ygi akkad. turtu; ug. tr; griech. Tpuyc&v/?; lat. turturund HAL, 1575; GB, 874; v. So- 
den /Butterweck, T})^, 588; Firmage, Zoology, 1 158" (mit Fragezeichen); Murtonen, 
Lexicon, 446, s.v. TR Anders Th. Staubli, Tiere als Teil menschlicher Nahrung in der 
Bibel und im Alten Orient, in: O. Keel I Th. Staubli (Hg.), "Im Schatten Deiner Flü- 
gel". Tiere in der Bibel und im Alten Orient, Freiburg (Schweiz) 2001, 46-49, 48, der 
"lin für die Bezeichnung einer Wildhuhnart hält. 

255 j, Feliks, Art. Turteltaube, BHH III (1966) 2034; vgl. Driver, Birds II, 130. 

256 Vgl. akk. anbu, erebu, berSbu (AHW, 68a; CAD A II, 265-267), arab. gurSb, syr. 
'urba, aram. 'or'bs und Salonen, Vögel, 124f; P. Riede, Art. Rabe, NBL III (2001) 
268. 

257 Vgl. Keel, OLB 1, 157; HAL, 832; GB, 616; Driver, Birds I, 12; Murtonen, Lexicon, 
329, s.v. &RB III (Wanderwort); A. van den Born, Art. Rabe, BL ('1982) 1441f; A. 
Angerstorfer, Art. 3li;, ThWAT VI (1989) 366-368, 367. Zur etymologischen Deu- 
tung "der schwarze (Vogel)" (vgl. Hld 5,11) s. ebd. Das Lexem ist bislang in Ugarit 
nicht belegt (vgl. Angerstorfer, 3~l,i7, 367). 

258 Ygi „g „gj.^ ^^ naslsru(\\; westsem. Lehnwort?, vgl. AHW, 761b; CAD N II, 79); 
arab. nasr, nisr, nusr vor allem Gattungsbezeichnung für Geier; äth. nesr; syr. nesrä 
und Salonen, Vögel, 234. 

259 Vgl. dazu Firmage, Zoology, 1158'"': "The name ist composed of sonant n + base sr 
representing a whirring sound (cf. Lat. susurrus, Germ, schwirren ...)" (mit Verweis 
auf Dr/ver, Birds I, 8; vgl. ders., Once again: Birds in the Bible, PEQ 90 [1958] 56- 
58, 561). Anders T. Kronholm, Art. -\m, ThWAT V (1986) 680-689, 681 (Primämo- 
men). Zu den ug. Belegen vgl. Kronholm, ebd. sowie K Reiter, Falknerei in Ugarit, 



202 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

"Schreier", "Rufer" (i<"l.p) schließlich heißt das Steinhuhn, das in den Ber- 
gen lebt (vgl. 1 Sam 26,20; Jer 17,11) und durch sein eifriges "Tschuck 
tschuck tschu tschuck tschukor" auffällt, "dem oft ein 'kakaba kakaba' 
folgt"262. Zu =]1y s.o. Abschnitt III/4. 

n^tJ^Sri dagegen ist ein Beispiel dafür, daß derselbe hebräische Tiemame 
zwei verschiedene Arten bezeichnen kann, in diesem Fall wohl eine Ei- 
dechsen- und eine Vogelart. Das Wort wird gewöhnlich abgeleitet vom 
Verb GJy] qal "schnauben", das sich "auf ein hauchendes ... oder ein fau- 
chendes ... Geräusch des Vogels" beziehen kann, "bei dem es sich um eine 
Eulenart handelt"263. 

n/32?3n "Chamäleon" (vgl. akk. taslamtu "Agame"^*'*) wird ebenfalls abgeleitet von Qt!73 
"atmen", "weil es nach der Meinung des Altertums nur von der eingeatmeten Luft lebt"^*^ 
Daneben wird auf arab. fahhsh "Schnauber" verwiesen^^*, was auf das Herausstoßen der 
Zunge beim Beutemachen^^' bezogen sein könnte^**. In beiden Fällen sind die Tierarten nur 
in den Listen der reinen / unreinen Tiere (vgl. Lev 1 1,18.30; Dtn 14,16) belegt, so daß der 
Kontext keine Hinweise für ihre Identifikation liefert außer dem, daß es sich im einen Fall 
um eine Vogelart handeln muß und im andern um ein Kriechtier. 



260 



UF 22 (1990) 271-278. - Vgl. auch das nihe. Verb nasar^i. "zerfleischen, zerreißen", 
das vom Nomen abgeleitet ist. 

An manchen Stellen ist "liD^ eine Untergruppe der Flugtiere (Hll?) und umfaßt klei- 
nere Sperlings- und Singvögel (vgl. E. Schwab, Art. "IlS^J, ThWAT VI [1989] 1 102- 
1107, 1104). 

261 Müller, Funktion, 199, vgl. Firmage, Zoology, 1 158"; Driver, Birds I, 6; II, 130f; GB, 
691; HAL, 980.983 (s.v. II ID^J): Das Wort ist zusammenzustellen mit ja. "pfeifen", 
akk. sSbaru "sich schnell bewegen, zwinkern, tuscheln, zwitschern", syr. sebar 
"schwatzen", arab. safara "pfeifen, zischen, zirpen"; diese Verben scheinen aber de- 
nominiert zu sein (vgl. Murtonen, Lexicon, 365, s.v. CPK); zur Diskussion vgl. Mül- 
ler, Funktion, 199f; Schwab, niDlli, 1 103. 

262 Keel, OLB 1, 159, vgl. J. Feliks, Art. Rebhuhn, BHH III (1966) 1558f; Driver, Birds 
II, 132f; P. Riede, Art. Rebhuhn, NBL III (2001) 284; für Firmage. Zoology, 1558"', 
ist unklar, welche Vogelart gemeint ist. Vgl. femer J.F. Sawyer, A note on the broo- 
ding partridge in Jeremiah XVII 11, VT 28 (1978) 324-329; K. Seybold, Das "Reb- 
huhn" von Jeremia 17,11. Erwägungen zu einem prophetischen Gleichnis, Bib. 68 
(1977) 57-73, 57ff; GB, 725; HAL, 1056. 

263 HAL, 1625; vgl. GB, 884; Feliks, Eule, 447, vgl. ähnlich Firmage, Zoology, II59"; 
Driver, Birds I, 15. 

264 Landsberger, Fauna, 118; AHW, 1338b. 

265 GB, 884 mit Verweis auf Plin., N.h, 8,51. 

266 HAL, 1625. 



267 
268 



Vgl. dazu Brehm, 368f mit der entsprechenden Abbildung. 
Zum Nomen np^JH insgesamt vgl. HAL, 1624f 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 203 

Hinter HDiX^ö^ (Lev 11,19; Dtn 14,18) vermutet man den Regenpfeifer^^o 
(oder eine Reiherart^'^i). Das hebräische Wort hängt mit «^JK "schnauben, 
zürnen" zusammen. Firmage vermutet eine Anspielung auf den auffallen- 
den Schnabel des Tieres^'^^^ ^er die Gestalt einer Nase (^K) hat. 
Dagegen ist j'] (vgl. ug. n^, syr. nessa), das Wort für den Falken oder Ha- 
bicht273 (Lev 11,16; Dtn' 14,15; Hi 39,26), abgeleitet von der Wurzel 
|'2i3274 £)je ugaritische Basis nss "hochgehen, fliegen", die dem ugariti- 
schen Tiemamen ns zugrundeliegt, ist eine Isoglosse "der hebr. Varianten 
/7Wf, nsJi I \ nss 'hochgehen, in die Höhe schießen, fliegen'"^^^^ go daß der 
schwungvolle Flug des Vogels sich in seinem Namen niedergeschlagen 
hat. 

"Das eigentlich Bezeichnende an den Greifvögeln [aber] sind die Waffen: 
der Schnabel und die Krallen"^'^^. Unter den Sinnesorganen tritt das Auge 
hervor: Es "gestattet ein gleichscharfes Sehen in verschiedenen Entfernun- 
gen und stellt sich auf diese mit größter Leichtigkeit ein"277 (vgl. Hi 28,7; 
39,29). Bei der Jagd stoßen die Greifvögel von oben auf ihre niedriger flie- 
gende oder auf dem Boden befindliche Beute herab (vgl. Hab 1,8), greifen 
sie mit ihren Fängen und schaffen sie fort. Von Cli?, ihrem hebräischen 
Name (vgl. ug. V^'^^), der wohl ursprünglich onomatopoetisch zu erklären 
ist ("Schreier")2'7^, wurde daher das Verb ÜT "schreiend herfallen 
über"280 abgeleitet. 



269 Vgl. akk. anpatu, syr. 'anfamd. Sahnen, Vögel, 120; AHW, 54; CAD A II, 143 ("ein 

Vogel"). 
^■^O Vgl. KLB\70. 
^■'l Vgl. GB", 82. 
^■72 Zoology, 1 159", vgl. Driver, Birds I, 18; J. Feliks, Art. Reiher, BHH III (1966) 1578. 

Zur Verbindung und Bedeutungsentwicklung von f]]K und ^K vgl. E. Johnson, Art. 

f]]«, ThWAT I (1973) 378-389, 379. 
2''3 Vgl. P. Maiberger, Art. Falke, NBL I (1991) 656; ders., Habicht, 3; Driver, Birds I, 

13f. 
2'74 Vgl. GB, 515; HAL, 674. J. Feliks, Art. Habicht, BHH II (1964) 620 leitet das Wort 

fj ab von n^sä" zanken". 
275 j, Sanmartin, Die ug. Basis nssmd das "Nest" des B7iKTU 1.3 IV If), UF 10 (1978) 

449f, 449. Zu ug. nsvgl auch UF 5 (1973) 1 13. 
2'?6 Brehm, 230. 
2'7'7 Brehm, 23iO. 

27^ Vgl. dazu Aartun, Studien, 96f. 
2'79 Vgl. Murtonen, Lexicon, 317, s.v. &Y7, vgl. ebenso Firmage, Zoology, 1158"^ (vgl. 

Driver, Birds I, 5). 
280 Vgl. GB, 581. - a''V als Untergruppe von '^^V umfaßt vor allem Raubvögel und Eu- 
len (vgl. Schwab, lIS^, 1 104). 



204 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

Auch nX^28i (Lev 11^4. ^tn 14,13) / nn.282 (Jes 34,15; vgl. ug. dJß^^), 
bezeichnet einen Raubvogel, vielleicht die Gabelweihe. Der Name ist ver- 
wandt mit dem vom Nomen abgeleiteten Verb TIKT "fliegen, auf Beute 
herabstoßen" (Dtn 28,49; Jer 48,40; 49,22)284, das sich auf das Jagdver- 
halten der Raubvögel bezieht. 

Zu den größten Greifvögeln gehören die Geier, die nur selten lebende Tiere 
mit Tötungsabsicht angreifen. Ihre Hauptnahrung besteht aus Aas, beim 
Bartgeier (D~1.5) auch aus Knochen, die er zunächst in die Höhe trägt und 
"von dort auf einen Felsen fallen (läßt), damit sie zerschellen. So gelangt 
er dann an das Mark"285. Auch hier liegt dem Namen, der von 0"1D "bre- 
chen" abzuleiten ist286, ein typisches Verhalten des Tieres zugrunde. 
Der n^Jiy dagegen erhielt seinen Namen wohl - verändert durch Metathe- 
se - von der Wurzel /zz(vgl. akk. enzu, hebr. Ty; arab. 'anzu[n\ "Ziege"). 
Wenn dies zutrifft, dürfte der Vogel mit dem Bartgeier oder ossifragus 
gleichzusetzen sein, dessen auffälliger Bart dem der Ziege ähnelt287. in 
Falle von n^JTl? und 019 wird die Schwierigkeit der Identifizierung der 
Vögel besonders evident, da hinter beiden Bezeichnungen dieselbe Geier- 
art vermutet wird. 

Andere Tiemamen orientieren sich am Umgang der Vögel miteinander: So 
meint nyüPf (f von T'OFI = "der Treue") den Storch (und / oder den 
Reiher288), die beide als kinderlieb gelten289, was sich im Namen wider- 
spiegeln S0II290. Belege für diese Behauptung fehlen jedoch meist29i. 
Sollte der Name dieses Zugvogels auf die pünktlichen Zeiten seines Er- 



281 Vgl. HAL, 199;GB, 151. 

282 Vgl. HAL, 211; GB, 161; J. Feliks, Art. Geier, BHH I (1962) 533f, 533 übersetzt 
"Sturzvogel". 

283 Vgl. dazu UF 8 (1976) 466. 

284 Vgl. M.-L. Henry, Art. Taucher, BHH III (1966) 1934; Firmage, Zoology, 1158''; 
GB, 151 und HAL, 199; GB", 236. -Natürlich könnte auch das Nomen vom Verb ab- 
geleitet sein (vgl. Driver, Birds I, 10), Auch für diesen Namen erwägt Driver, ebd. 
onomatopoetischen Ursprung (Nachahmung des Rufes "queeu-kiki-kiki-kik"?). 

285 Brehm, 243, vgl. Keel, OLB 1, 156; P. Maiberger, Art. Geier, NBL I (1991) 763; Fir- 
mage, Zoology, 1158'" und die lateinische Bezeichnung ossifragus. 

286 Vgl. GB, 660; HAL, 912; Driver, Birds I, 9f 

287 Vgl. Onve^ Birds I, 10. 

288 Vgl. dazu Firmage, Zoology, 1 159^'. 

289 Vgl. HAL, 324; GB, 247. 

290 Vgl. Driver, Birds I, 17; GB", 376. J. Feliks, Art. Storch, BHH III (1966) 1877 redet 
in diesem Zusammenhang von "volksetymologisch". 

291 Vgl. aber Dalman, AuS I, 389, der auf b. Chull. 63^ verweist. 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 205 

scheinens anspielen, was als Gehorsam gegenüber JHWH gedeutet wurde? 
Vgl. Jer 8,7: 

Selbst der Storch am Himmel kennt seine Zeiten; 

Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Frist ihrer Rückkehr ein; 

mein Volk aber kennt nicht die Rechtsordnung JHWHs. 

Ps 104,17 belegt, daß er auf hohen Bäumen nistet292. Und wirklich tritt der 
Storch in Vorderasien als Brutvogel auP^^. 

Dagegen spielt der Name "llTl (Schwalbe?, [wilde] Taube?, vgl. dazu 
akk. daräru"üt\en Lauf haben" [AHW, 163a294]; mhe. bedeutet das No- 
men "Freiheit295, vgl. auch mhe. "lil"! ~llD^ "wilder Vogel") auf einen 
freien, wildlebenden Vogel an^^ö. Driver dagegen nimmt an, daß dieser 
Vogel "takes its name, which is composed of a dental d prolonged by so- 
nant r's, from the dental 'hwit-hwit' or 'tit-tit-tit-tit' which that bird gives 
forth"297. 

«]1E;]: (Lev 11,17; Dtn 14,16; Jes 34,11) ist nach Jes 34,11 ein Ruinenbe- 
wohner. E. Firmage^^^ favorisiert die Übersetzung Eule (entsprechend akk. 
ensüpiP^'), was auch die hebräische Etymologie unterstützt, die das Wort 
von ^1 "anblasen" ableitet^oo. 

Auch 0l3 (Lev 11,17; Dtn 14,16; Ps 102,7), wahrscheinlich ebenfalls eine 
Eulenart, bewohnt Ruinen. Die Ähnlichkeit mit dem deutschen Wort 
"Kauz" läßt auf einen onomatopoetischen Hintergrund des Wortes schlie- 
ßen^oi. Für DDnn, eine Eulenart, nimmt G.R. Driver, Birds L 13 die Be- 



292 Vgl. femer Lev 1 1,19; Dtn 14,18; Zeph 5,9 (starke Flügel). 

293 Vgl. 5/-eAm, 306. 

294 Vgl. auch CAD D, 109, s.v. darSru. "Most of the refs. point to a meaning 'to move 
around freely and at will'". 

295 Vgl. dazu HAL, 221.223 (s.v. -nn). 

296 Vgl. Murtonen, Lexicon, 153, s.v. DR(Ry. "The primary meaning seems to be free mo- 
vement in which free growth may be included"; vgl. femer GB", 258. 

297 Dnve/-, Birds II, 131. 

298 1158", vgl. HAL, 398. 

299 Westsemit. Lehnwort? (vgl. Sahnen, Vögel, 161ff), vgl. AHW, 220a {enSüpii); CAD 
E, 172, vgl. auch ebd. 370f s.v. essebu. 

300 Vgl. Feliks, Eule, 447; Driver, Birds I, 15 + Anm. 80; GB", 470; vgl. auch 3^3 "we- 
hen lassen" und den etymologischen Zusammenhang mit ']!2?3 "Dämmerung, Dunkel- 
heit", was gut zur Eule als Nachtvogel paßt. Anders HAL, 398, wo folgende Überset- 
zungsmöglichkeiten angegeben werden: Bienenfresser, Ibis (als Tier des Thot) und 
Ohreneule. 

30' Vgl. Firmage, Zoology, 1 158" mit Verweis auf Driver, Birds I, 14". 



206 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen" 

deutung "Räuber" an (von OttPI "rauben") an; doch ist diese Ableitung um- 
stritten302. 

Phänomene aus der Tierwelt werden immer wieder auf den Menschen be- 
zogen. Zahlensprüche sind hierfür beliebt. Der Zahlenspruch Spr 30,31 
folgt dabei dem Schema 3:4: 

Drei sind es, die ansehnlich einherschreiten, 

und vier, die ansehnlich wandeln: 

Der Löwe (C?"!?), der Held unter den Tieren 

und der vor keinem ausweicht, 

der Hahn (D"!3na THT), wenn er sich erhebt (?), oder der Bock (t2;''n) 

und der König, wenn er vor sein Volk tritt^"^. 

Leitwort ist das Einherschreiten. Während beim Löwen, dem König der 
Tiere, der majestätische Gang im Bewußtsein seiner Kraft vor Augen steht, 
meint Gi^riD T'T")! (wörtlich "der an den Lenden Gegürtete"304-) ^gj, g^Qj^ 
daherschreitenden Hahn^°5^ ^q^ Bock wird wohl als Leittier der Herde in 
die Aufzählung gekommen sein. Am Ende wird conclusioartig der König 
der Menschenwelt - als Gegenüber des Königs der Tierwelt - genannt^^^. 
Unter einer anderen Bezeichnung erscheint der Hahn wohl auch in Hi 
38,36, wo er zusammen mit dem Ibis "als Träger des göttlichen Vorwis- 
sens den Wechsel der Jahreszeiten ankündigt"^'''': 

Wer verlieh dem Ibis (Pina) Weisheit oder wer gab Einsicht dem Hahn CID!?)? 

Während die Ableitung von "'IDtj; schwierig ist, könnte flinCD eine hebrai- 
sierte Wiedergabe des ägyptischen Gottesnamens Thot {dhwtj^ sein, zu 
dem der Ibis als heiliges Tier gehört. Thot-Amulette in Ibisgestalt sind 



302 Vgl. HAL, 1582. Vgl. aber Murtonen, Lexicon, 186, s.v. XMS: "If Hbr Itaxmus/v^as a 
bird of prey, its name could be derived from this root ... (sc: XMS)". 
Übersetzung nach O. Plöger, Sprüche Salomos (Proverbia [BK XVII]), Neukirchen- 
Vluyn 1984, 353, zur Textkritik dieser etwas problematischen Sprucheinheit vgl. ebd. 
355. 

Vgl. zur Ableitung von den Wurzeln II "IIT bzw. "ITT ("pressen, schnüren") HAL, 
269f;GB,206;GB", 312. 

Andere denken an das Roß oder den Windhund (vgl. GB, 206). Vgl. syr. zarzl/Urä und 
arab. zurzUr" Star"; akk. .z7>z/>7-ff "Wanderheuschrecke"; sarsaru" Grille"; arab. sursur 
"Grille" und Landsberger, Fauna., UM. 

^^^ Vgl. auch das Wortspiel zwischen K?""? und :r"n. 

M. Görg, Art. Ibis, NBL II (1995) 21 1 unter Berufung auf Keel, Jahwes Entgegnung, 
60^", vgl. ebenso HAL, 358; L. Oberlinner, Art. Hahn, NBL II (1995) 14; P. Maiber- 
ger, Art. Henne, NBL II (1995) 117; unsicher GB'*, 422. Zum Hahn als "Künder und 
Bringer des Regens" vgl. Keel, Beiträge zum Verständnis der Gottesreden, 220-223. 



303 

304 
305 



307 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 207 

wohl wie andere Amulette nach Israel gebracht worden und dort als nlriQ 
bezeichnet worden^^ä. Mit den Gegenständen ist der Name nach Israel im- 
portiert und auf die lebenden Tiere übertragen worden. 
Viele andere Namen für Vögel sind unsicher: Verbirgt sich etwa hinter 
n^T (Dtn 14,13) der Rote Milan, der besonders scharf sehen solpo^, oder 
ist das Wort eine Verschreibung^i'^ und durch rti^l (vgl. Lev 11,14) zu er- 
setzen?^^' 

Meint das Lehnwort D^SH den Pfau (vgl. malabarisch tö^a/7 töghai, vgl. 
tamil. malajam tökai"dQr Vogel mit glänzender Schleppe''^^^) oder ist es 
mit ägyptisch kjw zusammenzustellen und somit Bezeichnung für eine 
spezielle Affenart?^^^ Aus kulturhistorischen Gründen wäre eine Entleh- 
nung aus dem Indischen durchaus möglich. Andererseits bietet die aus der 
Zeit des Mittleren Reiches (2025-1570 v.Chr.) stammende ägyptische Er- 
zählung vom Schiffbrüchigen eine interessante Parallele zu 1 Kön 10,22. 
Der schiffbrüchige Seemann erhält nämlich vom Schlangenkönig neben 
vielen anderen kostbaren Gegenständen "Stoßzähne von Elephanten, 
Windhunde, Meerkatzen {gw^ und Paviane {kjw)"^^^. Der Text nennt so- 
mit zwei Affenarten: gwf{gfl gif) "langschwänziger Affe, Meerkatze" und 
^/■"Pavian". Beide Ausdrücke sind bereits in altägyptischer Zeit belegt^'^. 
Welcher Vogel mit ~)13i? gemeint ist^'^, ist vollends unsicher, ebenso wie 
die Ableitung von *"I3U317, das in Verbindung gebracht wird mit arab. 



308 Vgl. Keel, Jahwes Entgegnung, 60^"; anders KD. Schunck, Art. nia, ThWAT III 
(1982) 339f, 340. 

309 SoKBL'. 

310 Vgl. GB, 736. 

3" Vgl. HAL, 1083; H. Fuhs, Art. HKI, ThWAT VII (1993) 225-266, 231. 

312 Auf diesen Zusammenhang macht auch / Feliks, Art. Pfau, BHH III (1966) 1436 
aufmerksam, vgl. GB, 878. 

313 Vgl. HAL, 1594f; B.J. Diebner, Art. Pfau, NBL III (2001) 128f, 129; anders dagegen 
G. Wörpel. Was sind die tukkijjim I Reg 10,22?, ZAW 79 (1977) 360f, der für die 
Übersetzung "Truthahn" plädiert. Zum Problem der Deutung vgl. jetzt auch ausführ- 
lich Powe/s, Lehnwörter, 196. 

314 Vgl. E. Brunner-Traut, Altägyptische Märchen, Köln '1983, 5-10, 9; M. Lichtheim, 
Ancient Egytian Literature. A Book of Reading, Vol. 1, London 1975, 21 1 — 215, 214. 

315 Vgl. Pawels, Lehnwörter, 196. "Das initiale /t/ in der hebr. Form tu/ükiyy'im ist der 
äg. fem. Artikel, der oft in äg. Lehnwörtern in anderen Sprachen vorausgesetzt wird. 
Auf diese Weise entsteht die Form tks/, PI. tkyym" {Powels, ebd.). 

316 Die Kurzfußdrossel?, Die Turmschwalbe? Der Wendehals? vgl. HAL, 740; Driver, 
Birds II, 13 If; Köhler, Hebräische Vokabeln, 288f; ders.. Kleine Lichter, 38f Zur 
Kurzfußdrossel (= Bülbül) zitiert Köhler, Hebräische Vokabeln, 289 fV. Marshall u.a., 
Die Vögel Bd. 4: Sperlingsvögel, in: O. zur Straßen, Brehms Tierleben. Allgemeine 
Kunde des Tierreiches, Leipzig 1913, 191ff, 193: "'Während der Ruhepausen (des Ge- 



208 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen" 

'agira "dick, fett sein" bzw. VIII "sich den Kopf (mit einem Schleier) ver- 
hüllen"3i8. 



X. Der alttestamenthche Mensch und die Tiere - im Spiegel der Tiemamen 

Der alttestamenthche Mensch war sich dessen bewußt, daß ihm die Tiere 
als "Gefährten und Feinde" begegnen konnten. Manche Tierarten bedroh- 
ten die Existenz des einzelnen wie die von ganzen Regionen, z. B. Löwen 
und Heuschrecken, für deren Zerstörungspotential sich zahlreiche Doku- 
mente finden. Andere Tiere dagegen, vor allem die Haustiere und Herden 
halfen, die Existenz vieler Menschen zu sichern. Viehhaltung und Vieh- 
zucht boten den Menschen ihr Auskommen. 

Dieses ambivalente Verhältnis des Menschen zu den Tieren spiegelt sich 
auch in den Namen wider, die er ihnen beilegt, auch wenn manche etymo- 
logische Herleitung fraglich bleibt und in der Gefahr steht, uns bekannte 
Eigenschaften und Verhaltensweisen der Tiere mit Hilfe der Etymologie in 
die hebräischen Namen hineinzuinterpretieren^'^. 

Für genügend Tiemamen jedoch bewegen wir uns, was die Herleitung be- 
trifft, auf einigermaßen sicherem Boden. Und in ihnen zeigt sich nicht 
theoretisches Wissen oder nüchterne Distanz des Menschen, sondern eine 
Vertrautheit, die daraus erwächst, daß der Mensch in und mit der Natur 
lebte und leben mußte^^*^. Der Bauer, der seine Felder bestellte, der Hirte, 
der mit seiner Herde auf der Suche nach Futterplätzen umherzog, der 
Händler, der mit seinen Reit- und Lasttieren das Land bereiste, der Fischer 
am See Genezareth, der täglich mit seinem Boot zum Fang ausfuhr^^' - sie 
alle kannten die Gesetzmäßigkeiten der Natur, die markanten Ei- 
genschaften der Tiere, ihre Farben und Bewegungen, ihre Stimmen und ih- 
re Lebensweise, ihre Stärke und ihre Anmut. Der Mensch konnte die Tiere 



sangs) erhebt (er) ... von Zeit zu Zeit die hollenartig verlängerten Federn seines Hinter- 
hauptes'. Er plustert sich." Daher schlägt Köhler die Übersetzung "Haubenbilder" vor. 
^l'^ Vgl. dazu HAL, 742. 

Vgl. auch Murtonen, Lexicon, 310, s.v. &GR, der die Wurzel mit syr. jT"coarse, gra- 
ve, rüde, terrible, wild"; 'gr D "make a rüde noise" zusammenstellt und onomatopoe- 
tischen Ursprung nicht ausschließt, gleichwohl feststellt: "although in that case, Identi- 
fication with bulbul is hardly correct." 

Zur Kritik an der "etymologisierenden Methode" vgl. auch B. Landsherger, Über Far- 
ben im Sumerisch-Akkadischen, JCS 21 (1967) 139-173, 139'. 

^^'^ Das gilt erst recht auch dann, wenn Tiemamen Ausgangspunkt von Wurzeln sind, die 
Eigenschaften der jeweiligen Tiere beschreiben. 

221 Vgl. dazu C Edlund, Art. Fisch, BHH I (1962) 482f, 482. 



318 



319 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 209 

beobachten, ihnen begegnen, mit vielen von ihnen teiUe er den Lebens- 
raum, ja mußte ihn ihnen z.T. unter Gefahrdungen abringen. 
Es war keine Idylle, in der die Menschen lebten, sondern oft genug ein 
Kampf ums Überleben. Sowohl die Gefahren, die von einigen Arten aus- 
gehen, als auch die Nähe und Vertrautheit zu bestimmten Tieren, flössen in 
die Benennungen der Tiere ein. Wieviele Namen gibt es für das Kleinvieh, 
das den Menschen besonders am Herzen liegen mußte, Namen, die die Tie- 
re nach Gattung, aber auch nach Alter und Geschlecht differenzieren und 
die "den intimen Umgang mit den konkreten Tieren (verraten)"322. Das 
Wissen und die Erfahrungen mit den Tieren, die Generationen von Men- 
schen angesammelt haben, wurde in den Tiemamen weitergegeben. Die 
Namengebung stellt so gleichsam den Beginn der Verhaltensforschung dar, 
"die endlich wieder die Bedeutung des Kennens und Verstehens der Tiere 
für das Menschsein des Menschen erkannt hat"323. 

Natürlich gab es auch schon in alter Zeit Übergriffe des Menschen gegen- 
über der Natur: Rohstoffverbrauch (Holz)^24^ Krieg der verbrannten Er- 
de^25^ Ausrottung einzelner Tierarten^^e gj^d nicht erst neuzeitliche Er- 
scheinungen. Das Tier aber war noch nicht zur seelenlosen Massenware 
verkommen, und seine Rechte waren der Gesellschaft so wichtig, daß sie 
u.a. in die Sabbatbestimmungen des Dekalogs (Ex 20,10) einflössen. 
Mehr noch: Der Mensch nahm sich Eigenschaften der Tiere zum Vorbild, 
wenn er ihre Namen übernahm und auf seine Nachkommen oder ganze 
Stämme übertrug^^? Und er wünschte sich, daß mit dem Namen auch ein 
Teil des Wesens des Tieres auf den Träger des Namens überging: Schnel- 
ligkeit, Geschicklichkeit, Mut, Kraft, Grazie usw. So verbanden sich mit 
den Tiemamen, die man seinen Kindern gab, Freude und Hoffnungen und 



^22 Keel, OLB 1, 109. Zu den Namen für Oviden, Boviden und Capriden und ihren Be- 
deutungen vgl. Riede, Tiemamen und Tierbezeichnungen, 378f und die dort genannte 
Literatur. 

■'^^ Werferwann, Schöpfung, 122. 

324 Vgl. Jes 14,8; 37,24; Hab 2,17 und M.J. Mulder, Art. nj;\ ThWAT III (1982) 777- 
787, 778f. 

325 Vgl. z. B. das Verbot Dtn 20, 1 9, das ja Mißbräuche vor Augen hat. 

326 Yg] (J22U die Jagdpraxis, die zur Ausrottung von Tierarten in bestimmten Regionen 
führte, s. dazu B. Janowski / U. Neumann-Gorsolke, Motive und Materialien 5: Wilde 
Tiere und Tierjagd, in: dies. / U. Gleßmer (Hg.), Gefährten, 150-154, 153f 

327 2u den Tiemamen, die auch als Personennamen belegt sind vgl. M. Noth, Die israeliti- 
schen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung (BWANT 
46), Stuttgart 1928, 229f; Schwab, Die Tierbilder, 41f; Schreiner, Der Herr hilft, 234- 
236. 



210 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

manchmal vielleicht auch eine leise Ironie, wenn eine Eigenart im Ausse- 
hen eines kleinen Kindes an ein bestimmtes Tier erinnerte^^^. 
Auch in ihren soziologischen Strukturen wurden die Tiere zum Vorbild des 
Menschen: 

Vier sind die Kleinsten auf Erden und sind doch die Allerklügsten: 

Die Ameisen sind kein starkes Volk und besorgen sich doch im Sommer ihr Futter; 

Klippschliefer sind ein Volk ohne Macht, 

und doch bauen sie ihre Wohnung im Fels; 

die Heuschrecken haben keinen König, 

und doch schwärmen sie alle geordnet aus. 

Eidechsen fängst du mit der Hand, 

und doch wohnen sie in Königspalästen (Spr 30,24-28). 

Und wie die Leittiere der Herde heißen an einzelnen Stellen die Ersten der 
Völker329: T'aK^o^ Tinj?"!, '7^i<332, r]l'pi<333. Ebensolche Leitfiguren 
wünschte man sich für das Volk. Sie sollten es voller Kraft und Verant- 
wortung sicher durch die Geschicke der Geschichte fuhren. 
So sind die Namen der Tiere mehr "als Schall und Rauch". In ihnen spie- 
gelt sich nicht nur die enge Beziehung zum Menschen, der ihr Wesen er- 
kannt und sie dementsprechend benannt hat, ja der ein Stück weit sein will 
wie sie; in ihnen spiegelt sich auch das Lob des Schöpfers, der diese wun- 
derbare Vielfalt geschaffen und dem Menschen als Gefährten zugeführt 
hat. 

Doch frag nur die Tiere, sie lehren es dich, 
die Vögel des Himmels, sie künden es dir. 
Rede zur Erde, sie wird dich lehren. 



328 Ygj (ja2u J.J. Stamm, Hebräische Frauennamen, in: ders., Beiträge zur hebräischen 
und altorientalischen Namenskunde (OBO 30), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1980, 
97-135, 125. 

329 Yg] aygjj p j) li/iiiier^ Animal Names as Designations in Ugaritic and Hebrew, UF 2 
(1970) 177-186, 178-180, der auf parallele Erscheinungen im Ugaritischen hinweist: 
tr (Stier), zby (Gazelle), hnzr (Eber) bezeichnen dort führende Persönlichkeiten. Im 
Hebräischen finden sich neben den oben genannten Bezeichnungen auch die Termini 
"CSS "Junglöwe" für Soldaten, Führer, Würdenträger (ebd. 183f), ebenso n"59 I "15 
(vgl. 'ebd. 184), •'3S (ebd. 185) u.a. Vgl. zur Sache femer v4. Schmoldt, Art. Tierwelt, 
in: RBL' (1979) 50i-504, 502; Firmage, Zoology, 1 157"^ 

330 Vor allem Klgl 1,15 (vgl. 1 Sam 21,8; Jes 10,13; Hi 24,22; 34,20) und Kapelrud, Art. 
T'nN, 45. Vgl. auch Miller, Animal Names, 180f 

331 Vgl. Jes 14,9; Sach 10,3 und Miller, Animal Names, 189. 

332 Miller, Animal Names, verweist u.a. auf Ex 15,15; 2 Kön 24,15; Jer 4,22 (LXX); Ez 
17,13; 30,13; 31,1 1.14(7); 32,20(7); 39,18; vgl. zur Diskussion der Stellen und zu 
phönizischen Parallelen aaO IBlf 

333 Vgl. Ex 15,15 und Miller, Animal Names, 181^'. 



"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 211 

die Fische des Meeres erzählen es dir. 

Wer wüßte nicht bei alledem, 

daß die Hand JHWHs dies gemacht? (Hi 12,7-9) 

Wie sehr uns Heutigen das Staunen an dieser Vielfalt der Tiere und damit 
das Wissen um Gottes Schöpfung verlorengegangen ist, zeigen aufs neue 
die Bilder dieser Tage: Seevögel, deren Gefieder vom ausgelaufenen Öl 
gestrandeter Supertanker verklebt ist, Robben und viele andere Tiere, die 
in diesen verseuchten Gewässern qualvoll verenden, Bilder übrigens, die 
sich wiederholen334^ ohne daß wirksame Abhilfe zum Schutz der Natur ge- 
schaffen wird. Dieser Raubbau an der Natur hat seine Ursache in der Ent- 
fremdung des Menschen vom Tier. Und er zeigt, in welchem Maße sich die 
Verbindung zu den Mitgeschöpfen gelöst hat. Das unterscheidet uns von 
der Sicht, die Gen 2 entwickelt, nach der der Mensch durch die Namenge- 
bung sich den Tieren zuwendet und sie als zu seinem Lebensbereich gehö- 
rig anerkennt. 

Nicht nur die Namen der Tiere sind uns heute weitgehend verlorengegan- 
gen: Wer kann noch "Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogel- 
schar" mit ihren lebenden Vertretern identifizieren? Mit den Namen ging 
das Wissen um ihre Eigenheiten und ihr Verhalten verloren, aber auch die 
Ehrfurcht vor ihnen im doppelten Sinne des Wortes: Die Ehre, die wir den 
Tieren als von Gott geschaffenen Lebewesen schulden^^s^ aber auch die 
Furcht vor dem Andersartigen und Fremden, das wir nie ganz verstehen 
werden, die Furcht, die uns davor zurückschrecken läßt, unüberlegt und 
verantwortungslos in den Bereich der Tiere einzugreifen. 
Massentierhaltung, Tiere als Versuchsobjekte, Vernichtung natürlicher Le- 
bensräume^^ö - das alles hat seinen Grund in der Entfremdung des Men- 
schen vom Tier. Wo die Erfahrung mit den konkreten Tieren abnimmt, ist 
ein hemmungsloser Anthropozentrismus^^'' nicht fem. Es muß heute darum 
gehen, ein natürliches Verhältnis zu den Tieren zurückzugewinnen, ein 
Verhältnis, das geprägt ist vom Wissen um ihre Bedürfiiisse und Lebens- 



335 
336 



^^"^ Vgl. z. B. das Motto bei OH. Steck, Welt und Umwelt, Stuttgart 1978, 8, das von ei- 
ner Tankerkatastrophe vom März 1978 (!!) berichtet. Seither hat sich nichts Wesentli- 
ches zum Schutz der Weltmeere getan. 

Vgl. dazu A:. Barth, Kirchliche Dogmatik III/2, Zürich M957, 165. 

Vgl. dazu E. Größer, Das Seufzen der Kreatur (Rom 8,19-22). Auf der Suche nach ei- 
ner biblischen Tierschutzethik, JBTh 5 (1990) 93-1 17, 93ff; KD. Wolfinger, Die Qual 
der Tiere. Gerechtigkeit für alle Geschöpfe, LM 29 (1990) 400f Vgl. femer die ent- 
sprechenden Artikel in G.M. Teutsch, Lexikon der Tierschutzethik , Göttingen 1987. 

^^^ Vgl. hierzu die Überlegungen von O. Hoffe, Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch 
über Wissenschaft, Technik und Umwelt (stw 1046), Frankfurt/ M. 1993, 196ff 218ff 



212 "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen " 

räume^3*. Nicht nur um der Tiere willen, sondern auch um des Menschen 
willen, als dessen Gegenüber und Hilfe die Tiere geschaffen sind, müssen 
wir uns die Frage stellen: "Was wäre, wenn eben nicht die Schöpfung um 
des Menschen willen, sondern der Mensch um der Schöpfung willen, allein 
zu ihrer Verherrlichung wie zu ihrem Schutz, geschaffen worden wäre? 
Lebte er dann gegenwärtig nicht in einer ungeheuerlichen Perversion sei- 
ner ursprünglichen Bestimmung?"^^^ 

Karl Barth hat diese Perversion des Menschen früh erkannt, wenn er den 
Menschen bei seiner Verantwortung für die Schöpfung behaftet und 
schreibt: 

"Das ist die Wahrheit: die Aufmerksamkeit des Geschaffenen wartet 
auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Sie wartet mit uns, nein sie 
wartet aufxms."^^^ 



338 Yg) jja2u D. Poley, Was bedeutet überhaupt "artgerecht", Rhein-Neckar-Zeitung 
1./2.10.1988. 

2^' M. Schreiber, Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs. Vom Umgang mit Tieren. 
Rückblick auf eine große kulturelle Tradition, in: E. Röhrig (Hg.), Der Gerechte er- 
barmt sich seines Viehs. Stimmen zur Mitgeschöpflichkeit, Neukirchen- Vluyn 1992, 
9-16, 13. 

340 K. Barth, Der Römerbrief, München ^1923, 291. Vgl. auch die Äußerungen Barths in 
ders.. Kirchliche Dogmatik, Bd. III/4, Zürich 1951, 404 zu Rom 8,19f "Wo immer 
der Mensch seine Hertschaft über das Tier ausübt, und um wieviel mehr über jeder 
Jagdhütte, über jedem Schlachthaus, über jedem Vivisektionsraum, müßten in feurigen 
Lettern die ... Worte des Paulus Rom. 8,19f sichtbar sein von jenem 'sehnsüchtigen 
Harren' ... der Kreatur - auf was? auf die 'Offenbarung der Kinder Gottes' ... Gut ist in 
diesem ganzen Bereich offenbar das, was sich vor diesen Worten verantworten läßt - 
böse, was sich ihnen gegenüber nicht verantworten läßt", vgl. dazu auch E. Größer, 
Ehrfurcht vor dem Leben, in: Röhrig, Der Gerechte, 92-102, 100-102. 



Tiere im Alten und Neuen Testament 

Ein Überblick 

I. Altes Testament 

1 . Einleitung 

Die Tierwelt Palästinas war in alter Zeit wesentlich zahl- und artenreicher 
als heute. Daher nehmen die biblischen Schriften häufig auf Tiere Bezug^ 
Viele wilde Tiere kamen vor, so Löwen, Leoparden, Wölfe, Bären, Hyä- 
nen, Schakale und Füchse, femer Gazellen, Damhirsche, Antilopen, Stein- 
böcke und andere Wildziegen, Auerochsen^ Wildesel, Wildschweine, Ha- 
sen, Klippschliefer, aber auch der syrische Elefant. Obwohl Elfenbein als 
wertvolles Importgut bekannt war, ist im biblischen Hebräisch allerdings 
kein Name für den Elefanten überliefert. Aus Indien stammende Kriegse- 
lefanten setzten erst die Seleukiden in ihrem Kampf gegen die Makkabäer 
ein (1 Makk 6,34 u.ö.)^. Von den kleineren Säugetieren sind Maulwurf, 
Igel, Maus, Ratte und Fledermaus erwähnt. 



Zur biblischen Tierwelt sind eine Reihe von Handbüchern erschienen: F.S. Bodenhei- 
mer. Die Tierwelt Palästinas (Land der Bibel 111/3^), Leipzig 1920; ders., Animal 
and Man in Bible Lands 1-2, Leiden 1960 / 1972; J. Feliks, The Animal World of the 
Bible, Tel Aviv 1962; W. Pangritz, Das Tier in der Bibel, München 1963; V. Meller- 
Christensen / K.E.J. Jorgensen, Biblisches Tierlexikon, Konstanz 1969; G. Cansdale, 
Animals of the Bible, Exeter 1970; R. Pinney, The Animals in the Bible, Philadelphia 
/ New York 1964; O. Keel u.a., Orte und Landschaften der Bibel. Ein Handbuch und 
Studienreiseführer zum Heiligen Land, Bd. 1 : Geographisch-geschichtliche Landes- 
kunde, Göttingen 1984, 100-181; O. Borowski, Every Living Thing. Daily Use of 
Animals in Ancient Israel, Walnut Creek 1998; A. Schonten van der Velden, Tierwelt 
der Bibel, Stuttgart 1992; vgl. femer folgende Lexikonartikel: G.J. Botterweck, Art. 
r^r^r\2, ThWAT I (1973) 523-536; E. Firmage, Art. Zoology, ABD VI (1992) 1 109- 
1 167. Zur Tierwelt in der Umwelt Israels vgl. J. Boessneck, Die Tierwelt des Alten 
Ägypten, München 1988; Ph. Germond, Das Tier im Alten Ägypten, München 2001; 
E. Bresciani, An den Ufern des Nils. Alltagsleben zur Zeit der Pharaonen, Stuttgart 
2002, 125-142; E. Brunner-Traut, Art. Tier, Verhältnis zum, LA VI (1986) 557-561; 
L. Stärk, Art. Fauna, LA 11 (1977) 128-138; O. Keller, Die Antike Tierwelt I-II, Hil- 
desheim 1963; J.M.C. Toynbee, Tierweh der Antike, Mainz 1973; B. Landsberger, 
Die Fauna des Alten Mesopotamien nach der 14. Tafel der Serie HARRA = Hubullu, 
Leipzig 1934; W. Nagel, Frühe Tierwelt in Südasien, ZA 21 ("1962) 169-222; E. 
Douglas van Buren, The Fauna of Ancient Mesopotamia as represented in Art (AnOr 
18), Rom 1939. 

Vgl. B. Dodge, Elephants in the Bible Lands, BAR 18 (1955) 17-20. 



214 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 



Auch die Vogelwelt war äußerst vielseitig^: Neben verschiedenen Raub- 
vögeln, darunter mehreren Geier-, Eulen- und Rabenarten sowie Falken 
kamen Sperling und Schwalbe, Strauß, Reiher, Storch, Wiedehopf, Turm- 
schwalbe, Felsen- und Turteltaube, Steinhuhn und Wachtel'' in Palästina 
vor. Viele Vögel sind nicht das ganze Jahr über im Lande heimisch, son- 
dern nur in bestimmten Jahreszeiten bzw. passieren als Strich- und Zugvö- 
gel das Land auf ihrem Flug in die Sommer- bzw. Winterquartiere. 




Abb. 1: Das Siegelamulett aus dem 8. Jh. v. Chr. 
zeigt einen Geier, der einen Hasen (oberes Register) 
und einen Löwen, der einen Capriden (unteres Regi- 
ster) angreiß. Alle diese Tiere waren in der Antike 
in Palästina heimisch. Im mittleren Register sieht 
man einen von zwei Sphingen (Mischwesen) be- 
wachten Baum, bei dem es sich vermutlich um eine 
stilisierte Dattelpalme handelt. Die auf Naturbeob- 
achtung beruhende Kenntnis der Wechselbeziehun- 
gen zwischen jagenden und gejagten Tieren gehörte 
zum Weltbild des biblischen Menschen. 



Zu den häufigsten Reptilien gehörten verschiedene Schlangenarten^, Kro- 
kodile und Eidechsen. Unter den Insekten waren Heuschrecken besonders 
gefürchtet. Andere lästige Insekten waren Stechfliegen, Hornissen, Brem- 
sen und Flöhe. Bienen galten als gefährlich (Dtn 1,44; Ps 118,12), aber 
auch als nützlich (Sir 11,3). Femer werden Motten, Spinnen, Skorpione, 
Blutegel, Schnecke, Ameise und Wurm genannt. 

Fische werden im Alten Testament nicht nach zoologischen Arten spezifi- 
ziert^, obwohl solche Arten bekannt gewesen sein müssen. Denn im Kata- 



Vgl. dazuA. Parmelee, All the Birds of the Bible, London 1959; G.R. Driver, Birds in 
the Old Testament I/II, PEQ 86/87 (1955) 5-20.129-140; ders., Once again: Birds in 
the Bible, PEQ 90 (1958) 56-58. Zu Vogelarten im heutigen Palästina vgl. Keel u.a., 
OLB 1, 137-140.154-163; H. Hovel, Checklist of the Birds of Israel, Tel Aviv 1987; 
U. Paz, Vögel im Lande der Bibel, Herzlia o.J. Zur Umwelt vgl. A. Sahnen, Vögel 
und Vogelfang im Alten Mesopotamien (AnAcScFen 180), Helsinki 1973. 

Vgl. P. Maiberger, Das Manna: eine literarische, etymologische und naturgeschichtli- 
che Studie (ÄAT 6), Wiesbaden 1983, 170-177.493^98; P. Riede, Art. Wachtel, 
NBL 1(2001) 1052, 

Vgl. dazu H.-J. Fabry, Art. 2?n2, ThWAT V (1986) 384-397, 388f 

Vgl. P. Maiberger, Art. Fisch, NBL I (1991) 675f, 675. 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 215 

log der unreinen und reinen Tiere (Lev 1 1,9-12; Dtn 14,9f) wird zwischen 
reinen und unreinen Fischen unterschieden. Exotische Tierarten wie Affen 
oder Pfauen (das hebräische Wort □"Sn läßt sich nicht sicher deuten"^) 
wurden vermutlich nach Israel exportiert (1 Kön 10,22). 
Viele dieser Tierarten wurden schon früh ausgerottet^, so z. B. der syrische 
Elefant, der bereits im 8. Jh. v.Chr. aus Palästina verschwand, oder das 
Flußpferd. Beide waren wegen ihrer Zähne begehrte Jagdobjekte. Andere 
Tiere wie der syrische Braunbär konnten bis in die 1. Hälfte des 20. Jh. 
n.Chr. überleben. Auch das am meisten gefurchtete Raubtier, der Löwe, ist 
schon seit dem 13. Jh. n.Chr. aus Palästina verschwunden^. Der Sinaileo- 
pard dagegen hat bis heute in der Wüste Juda überlebt. "Die meisten der 
grösseren ausgerotteten Tiere ereilte ihr Schicksal erst mit dem Aufkom- 
men modemer Handfeuerwaffen im 19. und 20. Jh. In früheren Zeiten 
hatten einige der gejagten Tiere zumindest die Möglichkeit, sich in Refu- 
gien zurückziehen"^''. 




Abb. 2: Syrische Tributbringer mit einem kleinen, Jungen Elefanten und einem Bären, der 
an einem Strick geföhrt wird. Der Bärenfiihrer trägt außerdem zwei große Stoßzähne von 
Elefanten (Darstellung aus dem Grab des Rechmire in Theben-West). Sowohl Elefant als 
auch Bär sind heute in Palästina ausgestorben. 



10 



Vgl. 5'. Powels, Indische Lehnwörter in der Bibel, ZAH 5 (1992) 186-200, 196. 
Vgl. die Liste bei Th. Staubli, Tiergeographie des alten Palästina / Israel, in: ders. / O. 
Keel (Hg.), Im Schatten Deiner Flügel, Tiere in der Bibel und im Alten Orient, Frei- 
burg (Schweiz) 2001, 13-19, 17: ausgerottet wurden demnach neben den oben ge- 
nannten Arten der Auerochs, die Bezoarziege, der Biber, der Damhirsch, das Franko- 
linhuhn, das Krokodil, die Kuhantilope, das Nilpferd, der Onager, das Reh, der 
Rothirsch, der Strauß und das Wildschwein; vgl. femer F. Frank, Tierleben in Palä- 
stina, ZDPV 75 (1959) 83-88. 

Vgl. J. Aharoni, Zum Vorkommen und Aussterben palästinischer Tierarten, ZDPV 49 
(1926) 247-262; ders., Zum Vorkommen der Säugetiere in Palästina und Syrien, 
ZDPV 40 (1917) 235-242; ders.. Die Säugetiere Palästinas, Zeitschrift für Säugetier- 
kunde 5 (1930) 327-343. 

ÄömM, Tiergeographie, 17. 



216 Tiere im A Iten und Neuen Testament - Ein Überblick 

Wichtig für das Überleben der Menschen waren wegen ihrer Produkte und 
ihrer Arbeitsleistung die Nutz- und Arbeitstiere, denen der Mensch seine 
besondere Fürsorge zukommen ließ (Spr 27,23-27; Sir 7,22) und in deren 
Wohlergehen sich der göttliche Segen manifestierte (Dtn 7,13; 28,4). 
Vielfach ist umstritten, welche Tierarten genau sich hinter den hebräischen 
Tiemamen verbergen, zumal LXX und andere antike Übersetzungstradi- 
tionen z.T. ein widersprüchliches Bild vermitteln. Eine weitere Schwierig- 
keit für die Identifikation besteht darin, daß etwa ein Drittel aller im Alten 
Testament genannten Tiere nur in den Katalogen der reinen bzw. unreinen 
Tiere (Lev 11; Dtn 14) genannt werden und sich hier kaum weitergehende 
Ausführungen zu den einzelnen Tierarten finden. 



2. Die Einteilung der Tiere 

Die biblischen Schriften kennen keine zoologische Systematik wie sie C. 
von Linne in seinem Systema naturae (1735) begründet hat. So haben z. B. 
die neuzeitlichen Oberbegriffe wie "Säugetier" oder "Vogel" im Hebräi- 
schen keine oder andere semantische Entsprechungen. HD HS z. B. be- 
zeichnet nicht die Säugetiere im Gegensatz zu Vögeln oder (kleineren) 
Kriechtieren, sondem die größeren Vierfüßler (Gen 6,7; 1 Kön 5,13 u.ö.). 
Anders als die heutige zoologische Einteilung folgt das Klassifikationssy- 
stem Altisraels nicht einem Erkenntnisinteresse, sondem hat "im lebens- 
dienlichen Umgang mit dem Benannten und Klassifizierten, letztlich im 
Überlebensinteresse seinen Ursprung"". In der Tiertaxonomie geht es 
somit um die je eigene Rolle, die eine Gattung innerhalb eines größeren 
Bedeutungssystems spielte^ 2. Daher verzichten die in den Anhängen 1-4 
zu findenden Tierlisten'^ auf die moderne Einteilung in Säugetiere, Vögel, 
Kriechtiere usw. 

Die Einteilung der Tierarten geschah aufgrund ihrer Lebensräume Wasser, 
Luft und Landi"*. Während Gen 2,20 nur Haustiere, Vögel und Tiere des 
Feldes unterscheidet und somit davon ausgeht, daß es Haustiere seit Be- 
ginn der Schöpfung gibt, diese also nicht erst in einem langen Prozeß do- 



' ' H.-P. Müller, Das Problem der Tierbezeichnungen in der althebräischen Lexikogra- 
phie, SEL 12 (1995) 135-147, 147. 

'^ H.-P. Müller, Die Funktion divinatorischen Redens und die Tierbezeichnungen der 
Inschrift von Teil Deir 'Allä, in: J. Hoftijzer / G. van der Kooij (Ed.), The Balaam 
Text from Dei> 'A//ä re-evaluated, Leiden u.a. 1991, 185-205, 191. 

1^ Vgl. dazu unten S. 251-310. 

^^ Vgl. dazu und zu den Unterschieden der Einteilung der Tierarten in Gen 2 und Gen 1 
Botterweck, nan2, 524-527. 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 217 

mestiziert wurden, enthält Gen 1 die häufiger anzutreffende Aufteilung der 
Tierwelt in vier Gruppen: Wassertiere, geflügelte Tiere, Tiere des Landes 
und Kriech- und Kleintiere (Gen l,20-23.24f [P]; vgl. Ps 8,8f; 1 Kön 5,13; 
Ez 38,20 U.Ö.): 

a) Die Wassertiere (D^H "'J'l) zerfallen in 2 Untergruppen: die DTiH^^ 
und das kleinere Getier (D"'?3n 0^")). Zu letzterem gehören im Meer (Gen 
l,20f; Ps 104,25) und in Flüssen (Ex 7,28) lebende Kleintiere, die keine 
Flossen und Schuppen haben, z.B. Frösche (Ps 105,30; Ex 7,28), vermut- 
lich aber auch im Meer lebende Säugetiere (Lev 1 1 ,46), ohne daß sie in 
Lev 11,10 näher differenziert werden^^. 

b) Die geflügelten Tiere'"' in der Luft (□''D12^n~^ir) umfassen alle flie- 
genden Tiere, also neben Vögeln auch Insekten (z. B. Heuschrecken oder 
Bienen) und Säugetiere wie die Fledermaus (Lev ll,13b-19). Im Unter- 
schied zu Qiy, das Raubvögel aller Art meint, steht "IISIJ "Zwitscherer" 
meist für kleinere Vögel wie Sperling oder Singvögel (vgl. z. B. Ps 84,4; 
Spr 26,2)18. 

c) Die Kriechtiere'^ werden mit den hebräischen Begriffen 00~1. und ü~\ö 
bezeichnet, die abgeleitet sind von den sich z.T. überschneidenden Verben 
OD~l "schleichen, kriechen, wimmeln" bzw. yit^ "wimmeln, kriechen". 
Beide Verben umschreiben eine Bewegung, so daß letztlich die Art der 
Fortbewegung die Zuordnung einzelner Tiere zur Gruppe der Kriechtiere 
bestimmt. Zu den Kriechtieren gehören nach Lev 11 verschiedenartige 
kleine Tiere, die die Lebensräume Luft, Wasser (s.o. a) und Land bewoh- 
nen und die nach heutigen Kriterien unterschiedlichen Tierklassen zuge- 
rechnet werden, so daß man vielleicht besser zumindest teilweise von 
Kleintieren statt von Kriechtieren sprechen könnte. Zu den Kriechtieren 
gehören Säugetiere wie der Maulwurf und die Maus (Lev 1 1 ,29), verschie- 
dene Eidechsenarten (Lev ll,29f), unterschiedliche auf dem Erdboden 
kriechende Tiere wie Schlangen (vgl. Gen 3,14) und Würmer, sowie aller- 
lei nicht näher bestimmtes Kleingetier, das fliegt wie Insekten (Lev 
11,20.23; Dtn 14,19). Die Kriechtiere können nach Lev 11,42 geflügelt 
oder ungeflügelt, vier-, vielfüßig oder fußlos sein. 



15 
16 
17 
18 
19 



Vgl. H. Niehr, Art. yir\, ThWAT VIII (1995) 715-720, 717f. 
Vgl. GJ. Botterweck, Art. n,, ThWAT II (1977) 139-147, 144. 
Vgl. F. Stiglmair, Art. ^^)3, ThWAT V (1986) 1 177-1 1 83, 1 179f. 
Zum Problem vgl. auch Müller, Problem, 146f. 

Vgl. B.J. Diebner, Art. Kriechtiere, NBL II (1995) 552; R.E. Clements, Art. Oa"), 
ThWAT VII (1993) 535-538; E.J. Waschke, Art. fll^, ThWAT VIII (1995) 471- 
475, 473. 



218 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

d) Die Tiere, die auf dem Land leben, also Vierfüßler, die sich nicht krie- 
chend fortbewegen, werden meist unterschieden in wilde Tiere {1!VV\ 
■j^lNn / niti^n) und domestizierte Tiere (nOHS)- Doch können beide 
hebräischen Ausdrücke auch für die gesamte vierfüßige Tierwelt ge- 
braucht werden (Gen 9,2; Lev 1 1,2). 

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Einteilung der Tierarten ist die Un- 
terscheidung reiner, also zum Verzehr geeigneter, und unreiner, also nicht 
eßbarer Tiere (Lev 11; Dtn 14)20. Dieser Unterscheidung, die über lange 
Zeit entstandene Bräuche und Gewohnheiten widerspiegelt, liegen weder 
hygienische noch religiöse Gesichtspunkte zugrunde, wonach z. B. die 
heiligen Tiere bestimmter Götter für unrein erklärt wurden^'. Die Unter- 
scheidung reiner und unreiner Tiere hat vielmehr kosmologische, soziolo- 
gische und kulturelle Aspekte. 

Wesentlich ist zunächst, daß sich die Tiere entsprechend ihren Lebens- 
räumen bewegen. Für die Landtiere bedeutet das, daß sie sich auf Füßen 
(mit gespaltenen Klauen) fortbewegen. Die Wassertiere müssen Flossen 
und Schuppen besitzen22 (Lev 11,9-12; Dtn 14,9f), die Insekten (Heu- 
schrecken) Sprungbeine und die Flugtiere zwei Füße und Flügel. Alle Tie- 
re, die diesen Maßstäben nicht oder nur unzureichend genügen oder die 
insgesamt die Ordnung der Welt in Frage stellen, galten als unrein. 
Neben dem kosmologischen Aspekt gibt es innerhalb dieser Klassifikation 
auch noch einen sozialen: Das bedeutet, daß ein reines Tier alle notwendi- 
gen Attribute seiner Klasse besitzen muß. Andernfalls gilt es als unrein. In 
einer agrarischen Gesellschaft wie der des alten Israel waren Rinder, Scha- 
fe und Ziegen als die Haustiere schlechthin zugleich das Modell eines 
reinen Landtieres. Sie waren Paarzeher und Wiederkäuer, und diesen Kri- 
terien mußten auch die übrigen Landtiere entsprechen, sollten sie als rein 
gelten (Lev 11,1-47). Unrein sind daher Kamel, Klippschliefer^^, Hase 
(alle nur Wiederkäuer; nach modernen zoologischen Erkenntnissen ist 



20 Vgl. fV. Kornfeld, Reine und unreine Tiere im Alten Testament, Kairos 7 (1965) 134- 
147; M. Douglas, Reinheit und Gefährdung. Eine Studie zu Vorstellungen von Verun- 
reinigung und Tabu, Berlin 1985, 60ff; dies., The Forbidden Animals in Leviticus, 
JSOT 59 (1993) 3-23; W. Houston, Purity and Monotheism. Clean and unclean Ani- 
mals in Biblical Law (JSOT 140), Sheffield 1993; B. Janowski / U. Neumann- 
Gorsolke, Reine und unreine Tiere, in: dies. u.a. (Hg.), Gefährten und Feinde des 
Menschen. Das Tier in der Lebenswelt des alten Israel, Neukirchen- Vluyn 1993, 214- 
218. 

21 Zu den verschiedenen Deutungen vgl. T. Staubli, Tiere als Teil menschlicher Nahrung 
in der Bibel und im Alten Orient, in: ders. / Keel (Hg.), Im Schatten Deiner Flügel, 
46-49, 47. 

Daher sind Meerestiere wie Aale, Tintenfische oder Schalentiere unrein. 

Vgl. B.J. Diebner, Art. Klippdachs, NBL II (1995) 503; Staubli, Tiergeographie, 13f 



23 



Tiere im A Iten und Neuen Testament - Ein Überblick 219 

diese Klassifikation für den Hasen^"* allerdings unzutreffend) und Schwein 
(nur Paarhufer)^^. 

Für die Disqualifikation der unreinen Tiere war zudem ein kultureller 
Aspekt maßgeblich: Sie wurden nämlich mit dämonischen Mächten oder 
Lebensräumen in Verbindung gebracht, von denen für die Menschen di- 
verse Gefahren ausgingen. Raubtiere, Aasfresser, Kriechtiere und chto- 
nisch lebende Tiere, aber auch alle Tiere, die Wüste, Steppe oder Ruinen- 
stätten bewohnten, waren somit unrein. 



3. Das Verhältnis des Menschen zum Tier 

Viele Texte wissen um eine Schicksalsgemeinschaft von Mensch und 
Tier^ö; Beide können von Katastrophen wie Hungersnöten, Dürre und 
Kriegsfolgeerscheinungen betroffen werden (Jer 14,2-6; Hos 4,3; Joel 
l,18ff; Hag 1,11). In der Sintflut gehen Menschen und Tiere zugrunde 
(Gen 6,5-9,17), beide werden aber auch in den nachsintflutlichen Noah- 
bund eingeschlossen (Gen 9,9-11, vgl. Hos 2,20), da Gott sie ebenso wie 
den Menschen vor dem Untergang bewahren will (Gen 8,1). Auch am 
Schluß der Jonageschichte begründet Gott seinen Verzicht auf die Zerstö- 
rung von Ninive mit dem Hinweis, daß ihm sowohl die Menschen, aber 
auch die vielen Tiere in der Stadt leid getan hätten (vgl. Jona 4,1 1). 
Schon die Schöpfungstexte der Genesis bezeugen die enge Gemeinschaft 
zwischen Mensch und Tier^'^: Die Landtiere sind wie der Mensch aus Erd- 
reich (Gen 2,19) bzw. am selben Tag erschaffen (1,24); beide werden 
durch den Lebensatem, der ihnen von Gott eingehaucht wird (Ps 104,30; 
vgl. Gen 2,7), lebende Wesen (H^H m):- Gen 2,7.19), beide verbindet 



24 Vgl. dazu P. Maiberger, Art. Hase, NBL II (1995) 47: "Die Einordnung unter die 
Wiederkäuer beruht auf dem Augenschein. Der H.[ase] erzeugt nämlich eine zweite 
Losung, den Vitaminkot oder die sog. Magenpillen, die er nochmals frißt und verdaut. 
Diese Doppelverdauung ähnelt in gewisser Weise dem Wiederkäuen der meisten 
Paarhufer, ebenso wie seine charakteristischen Kaubewegungen, mit denen er die 
ständig wachsenden Schneidezähne unter Kontrolle hält". 

2^ Zu den Gründen für die Unreinheit von Kamel und Schwein vgl. Staubli, Tiere als 
Teil menschlicher Nahrung, 47. 

26 Vgl. dazu O. Reinke, Tiere. Begleiter des Menschen in Tradition und Gegenwart, 
Neukirchen-Vluyn 1995. Zum Mensch-Tierverhältnis vgl. auch die folgenden grund- 
sätzlichen Arbeiten: H.-M. Müller-Karpe, Zur frühen Mensch-Tier-Symbiose, Mün- 
chen 1983; P. Münch / R.. Walz (Hg.), Tiere und Menschen. Zur Geschichte eines 
prekären Verhältnisses, Paderborn 1998. 

^■^ Vgl. dazu auch O. Keel / S. Schroer, Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext 
altorientalischer Religionen, Freiburg (Schweiz) / Göttingen 2002, 146f 



220 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

aber auch das Geschick des Todes (Ps 49,13.21; Koh 3,19-21), zumal 
wenn ihnen von Gott der Lebensatem entzogen wird (Ps 104,29). Beide 
ernährten sich zunächst von vegetabilischer Nahrung (Gen l,29f [P])^^. 
Erst in der von Angst und Schrecken dominierten nachsintflutlichen Welt 
ist Fleischnahrung erlaubt (Gen 9,2f). 

Zwar kann nur der Mensch dem Menschen ein hilfreiches Gegenüber sein, 
doch stehen die Tiere, wie Gen 2 zeigt, in besonderer Nähe zum Men- 
schen, was schließlich auch im Akt der Namensgebung sichtbar wird, wo- 
durch der Mensch die Tiere ihren jeweiligen Lebensbereichen zuordnet 
und somit zugleich die Weh symbolisch gliedert (Gen 2,19f)29. Ein 
Mensch aber, der aus Überheblichkeit sein wahres Menschsein vergißt, 
wird auf die Stufe der Tiere versetzt (Dan 4,13.22ff; 5,21). Grausamkeit 
gegenüber Tieren ist nur selten belegt (Ri 15,4ff). Beim Lähmen der Rosse 
(Jos 11,6.9; 2 Sam 8,4) ging es darum, die Streitmacht des Feindes ent- 
scheidend zu schwächen, da Pferde vor allem als Zugtiere vor dem Streit- 
wagen eingesetzt wurden. 

Nach der priesterschriftlichen Anthropologie wurzelt die Aufgabe des 
Menschen gegenüber der Schöpfung in der Gottebenbildlichkeit und kon- 
kretisiert sich in doppelter Weise. Der Mensch wird als Mandatar Gottes 
einerseits ermächtigt, die Erde in Anspruch zu nehmen, andererseits wird 
ihm die Herrschaft über die Tierwelt übertragen (Gen 1,26-30; Ps 8,6-9). 
Diese Herrschaft aber ist nicht gleichbedeutend mit uneingeschränkter 
Verfügungsgewalt^^. Der Herrschaftsauftrag zielt letztlich auf die Erhal- 



28 
29 



30 



Vgl. dazu aber 5. Lang, Art. Vegetariertum, NBL III (2001) 997f. 

Vgl. dazu G. Büsing, Adam und die Tiere. Beobachtungen zum Verständnis der er- 
zählten Namensgebung in Gen 2,19, in: G. Bodendorfer / M. Miliard / B. Kagerer 
(Hg.), Bibel und Midrasch. Zur Bedeutung der rabbinischen Exegese für die Bibelwis- 
senschaft (FAT 22), Tübingen 1998, 191-208; ders, Benennung in Gen 1-3 - ein 
Herrenrecht?, BN 73 (1994) 42-49. 

Vgl. zur Diskussion um den Herrschaftsauftrag B. Janowski, Herrschaft über die 
Tiere. Gen 1,26-28 und die Semantik von n~[~), in: G. Braulik/W. Groß / S. McEve- 
nue (Hg.), Biblische Theologie und gesellschaftlicher Wandel. FS A^. Lohfink, Frei- 
burg 1993, 183-198, 194; Chr. Uehlinger, Vom dominium terrae zu einem Ethos der 
Selbstbeschränkung? Alttestamentliche Einsprüche gegen einen tyrannischen Umgang 
mit der Schöpfung, BiLi 64 (1991) 59-71, 60-62; E. Zenger, "Du liebst alles, was ist" 
(Weish 11,24). Biblische Perspektiven für einen erneuerten Umgang mit der Schöp- 
fung, BiKi 44 (1989) 138-147, 140ff Zum Herrschaftsauftrag vgl. femer A^. Lohflnk, 
"Macht euch die Erde Untertan", in: ders., Studien zum Pentateuch (SB AB 4), Stutt- 
gart 1988, 11-28; K. Koch, Gestaltet die Erde, doch heget das Leben. Einige Klar- 
stellungen zum dominium terrae in Gen 1, in: ders., Spuren des hebräischen Denkens. 
Beiträge zur alttestamentlichen Theologie. Gesammelte Aufsätze Bd. 1, hg. von B. 
Janowski und M. Krause, Neukirchen- Vluyn 1991, 223-237; G. Liedke, Im Bauch des 
Fisches. Ökologische Theologie, Stuttgart "1984; M Weippert, Tier und Mensch in 
einer menschenarmen Welt. Zum sog. dominium terrae in Genesis 1, in: H.-P. Mathys 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 22 1 

tung der Tieren und Menschen gemeinsamen Lebenswelt, die ausdrücklich 
als "sehr gut" (Gen 1,31) qualifiziert wird und unter dem Primat des Se- 
gens steht, aber durch die "Gewalt allen Fleisches" (Gen 6,1 If), also von 
Mensch und Tier, zerstört wurde und so ihre ursprünglich intendierte 
Funktion, Lebensraum aller Lebewesen zu sein, verlor. 



4. Der Mensch und die Haustiere 

In besonderer Weise stehen die Haustiere^ ^ im Mittelpunkt des menschli- 
chen Interesses, war der Mensch doch sowohl von ihren Produkten wie 
auch von ihrer Arbeitsleistung abhängig. Die wichtigsten Haustiere waren 
Rinder (das Großvieh), sowie Schafe und Ziegen (das Kleinvieh). Diese 
Tiere waren zugleich die wichtigsten Opfertiere (Lev 1,2). 
Die wichtigsten Arbeitstiere waren Rind und Esel. Sie halfen bei der Feld- 
arbeit und wurden einzeln oder paarweise vor den Hakenpflug gespannt, 
mit dem man den steinigen Boden auflockerte (1 Kön 19,19-21). Esel und 
Maultiere brachten das zu Garben gebundene Getreide zum Dreschplatz. 
Das Rind wurde zum Dreschen, aber auch als Zugtier für schwere Lastkar- 
ren, der Esel wegen seiner Trittsicherheit und Genügsamkeit vor allem als 
Lasttier, in der Frühzeit auch als Reittier der Vornehmen (Ri 10,4; 12,14) 
benutzt^^ Auch das Maultier war Reit- (1 Kön 1,33) und Lasttier (2 Kön 
5,17). Das KameP^, und zwar das einhöckrige Dromedar, kam als Reit- 



(Hg.), Ebenbild Gottes - Herrscher über die Welt. Studien zu Würde und Auftrag des 
Menschen (BThSt 33), Neukirchen-Vluyn 1998, 35-55; H.-J. Stipp, "Alles Fleisch 
hatte seinen Wandel auf der Erde verdorben" (Gen 6,12). Die Mitverantwortung der 
Tierweh an der Sintflut nach der Priesterschrift, ZAW 1 1 1 (1999) 167-180. 

2' Vgl. dazu N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtau- 
sendealten Beziehung, Stuttgart 1994; B. Brentjes, Die Haustierwerdung im Orient. 
Ein archäologischer Beitrag zur Zoologie, Stuttgart 1966; K. Galling, Art. Viehwirt- 
schaft, BL (M977) 351-355; J. Briend / M. Quesnel, Die Viehzucht in biblischen 
Zeiten, WUB 8 (1998) 55f; femer das Themaheft "Ackerbau und Viehzucht - fremde 
Welt in der Bibel", entschluß 52/3 (1997). Zur Domestikation der Haustierarten vgl. 
Th. Staubli, Hinweise zur Haustierwerdung im Vorderen Orient, in: ders. / Keel (Hg.), 
Im Schatten Deiner Flügel, 20-24. 

32 Vgl. dazu auch Th. Staubli, Stabile Politik - florierende Wirtschaft und umgekehrt. 
Eine rechteckige, beidseitig gravierte Platte der Hyksoszeit, ZDPV 117 (2001) 97- 
115, 109-1 1 1; 5. Brentjes, Onager und Esel im Alten Orient, in: M. Lurker (Hg.), Bei- 
träge zu Geschichte, Kultur und Religion des Alten Orients, Baden-Baden 1971, 131- 
145, 135ff 

33 Zur Verbreitung vgl. E.A. Knauf, Cameis in Late Bronze and Iron Age: The archaeo- 
logical evidence, BN 40 (1987) 20-23; /. Köhler-Rollefson, Cameis and Camel Pasto- 
ralism in Arabia, BAR 56 (1993) 180-188. 



222 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 



und Lasttier vor allem bei den kriegerischen Wüstenstämmen vor (vgl. z. 
B. Ri 6,5; 7,12). In den Dörfern fand es sich nur in geringer Anzahl. Seit 
dem 1 . Jt. wurde durch das Kamel der internationale Femhandel möglich, 
der über die beiden wichtigsten, Südarabien und das Mittelmeer verbin- 
denden Transportwege der damaligen Zeit, die Weihrauchstraße und den 
Königsweg, abgewickelt wurde. Pferde galten als Luxus, waren sie doch 
als Kömerfresser Nahrungskonkurrenten des Menschen (1 Kön 5,8). Da 
sie vor allem im Krieg eingesetzt wurden, war ihr Besitz vor allem in pro- 
phetischen Kreisen negativ angesehen (vgl. Jes 30,15f). 




Abb. 3: Nach Assyrien deputierte Judäer befördern ihre wenigen Habseligkeiten auf einem 
Lastkamel (Relief aus dem Palast Sanheribs [704-681 v. ChrJ) 

Viehzucht spielte in Palästina immer eine wichtige Rolle. Viehreichtum 
kennzeichnete geradezu Fruchtbarkeit und eine blühende Wirtschaft (Sach 
2,8). Bei den als Halbnomaden lebenden Erzvätern waren vor allem die 
Kleinviehherden wichtig. Sie machten den Reichtum der Halbnomaden 
aus (Gen 4,20; 13,2; 26,13f; 36,7 u.ö.). Aber auch nach der Inbesitznahme 
des Landes Israel blieb die Viehwirtschaft neben dem Ackerbau eine 
wichtige Lebensgrundlage. 

Die Zahl des Kleinviehs übertraf die des Großviehs. Herden von 3000 
Stück Kleinvieh waren allerdings ein äußerst großer Besitz (1 Sam 25,2). 
Hirtenhunde, die die Herden bewachten, kamen vor (Hi 30,1), doch lebten 
die meisten Hunde halbwild in Rudeln in der Umgebung von Städten, wo 
sie sich von Abfällen und Aas ernährten (vgl. Ps 59,7. 15f). Hühnerzucht 
spielte vor dem 6. Jh. v.Chr. nur eine sehr geringe Rolle, obwohl die Tiere 
in Ägypten und im Orient schon seit dem 2. Jt. v.Chr. bekannt waren^"*. 



34 



Zur Vögelhaltung im vorderen Orient vgl. auch B. Brentjes, Nutz- und Hausvögel im 
Alten Orient, WZ(H)1 1 (1962) 635-672. 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 



223 



Anders verhält es sich mit den Tauben, die in Palästina schon während der 
Eisen-II-C-Zeit gezüchtet wurden (vgl. Jes 60,8). Umstritten ist, ob der 
Honig, den die Bibel etwa sechzig Mal erwähnt, immer von Wildbienen 
stammte oder ob Bienen (wie in Ägypten seit dem 3. Jt. v.Chr. oder bei 
den Hethitern seit dem 14. Jh. v.Chr.) schon in alttestamentlicher Zeit ge- 
züchtet wurden^^. 

Wild- und Hausschweine galten den Israeliten entsprechend den aus exi- 
lisch-nachexilischer Zeit stammenden Speisegeboten als unrein. Ihr Ver- 
zehr war daher verboten (Lev 11,7; Dtn 14,8). Doch sprechen Spr 11,22 
ebenso wie die zahlreichen, aus der Eisen I- und Il-Zeit stammenden Fun- 
de von Schweineknochen dafür, daß Schweine im vorexilischen Juda und 
Israel gehalten wurden. Da Schweine nur Fleisch, aber kaum sonstige Pro- 
dukte lieferten, ging ihre Haltung mit dem verstärkten Aufkommen von 
Schafen und Ziegen zurück. Denn gerade durch die Kleinviehhaltung 
konnte der Mensch eine Reihe weiterer Sekundärprodukte erzielen, die für 
das alltägliche Leben wichtig waren. Erst in hellenistischer Zeit wurde der 
Verzicht auf Schweinefleisch zu einem entscheidenden jüdischen Bekennt- 
nismerkmal. 

Die Schafe lieferten Wolle (Hi 31,20) für die Herstellung von Kleidern 
(Spr 27,26), Felle (Hebr 1 1,37), Milch (Dtn 32,14; Jes 7,22) und Fleisch (1 
Sam 25,28; 2 Sam 12,4), das gebraten und gekocht verzehrt wurde. Der 
Fettschwanz galt als Leckerbissen, der einem Ehrengast zukam (1 Sam 
9,24), das Hom diente zur Anfertigung von Blasinstrumenten und als 
Salbgefäß (Jes 6,5; 1 Sam 16,1). 




Abb. 4: Fettschwanzschaf und Ziegen auf einem Relief Tiglatpilesers III. (745-727 v.Chr.) 

Wichtige Produkte der Ziegen waren die Milch (Spr 27,27), die Häute, die 
zu Schläuchen für die Aufbewahrung von Wasser und Wein weiterverar- 



35 



Vgl. dazu P. Maiberger, Art. Biene, NBL I (1991) 293f; E. Neufeld, Apiculture in 
Ancient Palestine (Early and Middle Iron Age), within the Framework of the Ancient 
Near East, UF 10 (1978) 219-247. 



224 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

beitet wurden (Gen 21,14-19) und das Haar, das man zu gröberen Stoffen 
und zu Zeltbahnen weiterverarbeitete (Ex 26,7; Hld 1,5). Kuhmilch und 
daraus hergestellte Lebensmittel waren ebenfalls sehr geschätzt. Und einen 
Gast verwöhnte man mit dem Fleisch eines geschlachteten Kalbes (Gen 
18,7ff). Allerdings dürfte Fleischgenuß eher selten gewesen sein. 
Das Vieh wurde von berufsmäßigen Hirten oder jüngeren Familienmitglie- 
dern (Gen 37,12-14; 34,5) tagsüber im Freien geweidet (Num 35,3f). 
Abends wurde es in die Hürden getrieben (Gen 29,7; Num 32,16) oder bei 
Kälte oder Regen in Höhlen. Wo die Bauern ihre Haustiere hielten, ist 
unklar. Der Esel war wahrscheinlich im offenen Hof des Hauses unterge- 
bracht. Auch ein Schaf oder eine Ziege dürften als Milchtier dort zu finden 
gewesen sein. 

Wichtigste Aufgabe der Hirten^^ war es, geeignete Weideplätze und Was- 
serstellen zu finden (vgl. Gen 47,4). In der Steppe waren vor allem Brun- 
nenlöcher und Zisternen wichtig (Gen 29,7ff; vgl. Joh 4,12), um deren 
Besitz nicht selten Streitigkeiten ausbrachen (Gen 13,7). Gute Weidegrün- 
de gab es vor allem in Gilead (Num 32,1) und Basan (Jer 50,19) im Ostjor- 
danland. Aber auch die Jesreel- und die Saronebene (Jes 65,10) und der 
Negeb (1 Sam 25,2) waren für Vieh geeignet. Wo dagegen fiiichtbares 
Weideland verödete, ging auch das Vieh zugrunde (Jer 9,9; 33,10.12 u.ö.; 
vgl. 12,4). Gefahr drohte den Haustieren vor allem durch wilde Tiere, die 
auch als Werkzeuge göttlichen Gerichts dienen können (Lev 26,22). Aber 
auch Naturkatastrophen (Ex 9,19-25; Ps 78,48: Hagel), unter denen 
Mensch und Vieh gleichermaßen litten (Joel 1,18), und Viehkrankheiten 
(Ex 9,3ff) gefährdeten den Viehbestand. Vieh war femer eine begehrte 
Kriegsbeute (Num 31,9ff; Dtn 2,35; Jos 8,2.27; 1 Sam 23,5; 30,20 u.ö.). 



5. Tier und Recht 

Daß vor allem die Haustiere in die Lebensgemeinschaft des Menschen 
eingebunden waren, zeigt sich besonders im Bereich des Rechts^''. Dem 
arbeitenden Rind sollte ein Teil des Ertrags seiner Arbeit zugute kommen; 
deshalb sollte man ihm beim Dreschen das Maul nicht verbinden (Dtn 
25,4)38. Die Arbeitstiere hatten wie der Mensch Anteil an der Sabbatruhe 



36 

37 

38 



Vgl. dazu W. Schottroff / L. Schottroff Art. Hirte, NBL I (1991) 167-169, 167f. 
Vgl. dazu besonders HJ. Boecker, "Du sollst dem Ochsen, der da drischt, das Maul 
nicht verbinden". Überlegungen zur Wertung der Natur im Alten Testament, in: B. 
Janowski u.a. (Hg.), Gefährten, 67-84. 

Vgl. dazu Boecker, Überlegungen, 70; A. van Seims, "The goring ox in Babylonian 
and Biblical Law", ArOr 18 (1950) 321-330; M Malul, The Laws of the Goring Ox 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 225 

(Ex 23,12, Vgl. Dtn 5,14; Ex 20,10)39. Gerade die Sabbatbestimmungen 
aber zeigen, daß die Haustiere "nach den Kindern, den Knechten und 
Mägden eine Art äusserster Ring der konzentrisch vorgestellten Familie'"*'^ 
darstellten. Ja, sie rangierten in diesen Bestimmungen sogar noch vor den 
Fremden. Intention dieser Rechtssätze aber ist es, die hemmungslose Aus- 
beutung der Arbeitstiere zu verhindern. 

Besondere Bestimmungen betreffen das Verhältnis von Muttertier und 
seinem Jungtier (Lev 22,27f; vgl. Ex 22,28b-29), in das der Mensch in den 
ersten Lebenstagen des Neugeborenen nicht eingreifen soll, indem man 
beide sofort nach der Geburt trennt. In diesen Bestimmungen, zu denen 
auch das Verbot, das Böcklein in der Milch seiner Mutter zu kochen (Ex 
23,19b; 34,26; Dtn 14,21), zu rechnen ist, zeigt sich der Respekt vor der 
geheimnisvollen Weitergabe des Lebens'*' . 

Diesen sich in den Gesetzen widerspiegelnden fürsorglichen Umgang mit 
den Haustieren faßt Spr 12,10 zusammen: Der Gerechte weiß um die Be- 
dürfnisse seiner Tiere, d.h. er versorgt sie mit allem Lebensnotwendigen 
und achtet auf die natürlichen Lebenszusammenhänge der Tiere, was aber 
nicht ausschließt, daß Tiere auch geschlachtet werden. Daneben zeigt auch 
das häufige Bild des guten Hirten, der seine Tiere schützt und pflegt, die 
enge Verbundenheit von Mensch und Tier auf (z. B. Ez 34,1 1 ff). 
Auch wilden Tieren gegenüber gibt es Schutzbestimmungen: Das Wild hat 
(wie das Vieh) Anteil am Ertrag des Sabbatjahres (Ex 23,11; Lev 25,7). 
Dtn 22,6f verbietet aus Achtung vor der Fruchtbarkeit der Tiere, eine Vo- 
gelmutter zusammen mit ihren Eiern bzw. Jungen aus dem Nest zu neh- 
men. 

Ex 23,5 verpflichtet dazu, dem unter seinen übergroßen Lasten zusam- 
mengebrochenen Esel des Feindes zu helfen. Hier ist mehr als Tierliebe 



in the Old Testament and the Ancient Near East, in: ders., The Comparative Method 
in Ancient Near Eastem and Biblical Legal Studies (AOAT 227), Kevelaer / Neukir- 
chen- Vluyn 1990, 113-152. 

39 Vgl. dazu Boecken, Überlegungen, 73-76. 

'*0 O. Keel, Tiere als Gefährten und Feinde, in: ders. / Th. Staubli (Hg.), Im Schatten 
Deiner Flügel, 25f, 25. 

*' Vgl. zu diesen Bestimmungen O. Keel, Das Böcklein in der Milch seiner Mutter und 
Verwandtes. Im Lichte eines altorientalischen Bildsymbolik (OBO 33), Freiburg 
(Schweiz) / Göttingen 1980; M Haren, Das Böcklein in der Milch seiner Mutter und 
das säugende Muttertier, ThZ 41 (1985) 135-159; E.A. Knauf, Zur Herkunft und So- 
zialgeschichte Israels. "Das Böckchen in der Milch seiner Mutter", Bib. 69 (1988) 
153-169; C.J. Labuschagne, You shall not Boil a Kid in its Mothers Milk. A new 
Proposal for the Origin of the Prohibition, in: F. Garzia Martinez (Ed.), The Scriptu- 
res and the Scrolls: Studies in honour of A.S. van der Woude on the occasion of his 
65* birthday (VT.S 49), Leiden u.a. 1992, 6-17. 



226 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

mit im Spiel. Die wirtschaftliche Existenz des Feindes wäre gefährdet, 
wenn er den Esel verlieren würde, von dessen Arbeitskraft er abhängig ist. 
Sexueller Umgang des Menschen mit Tieren (Ex 22,18; Lev 18,23)''2 vvar 
ebenso wie die Kastration von Tieren (Lev 22,24) und die Kreuzung unter- 
schiedlicher Tiergattungen"*^ verboten (Lev 19,19). Nicht erlaubt war auch 
das Anschirren unterschiedlicher Tierarten (Dtn 22,10). 
Mehrere Bestimmungen betreffen das Haftungsrecht für verloren gegan- 
gene Haustiere (Gen 31,39; Ex 22,9ff) bzw. für von solchen verursachte 
Schäden (Ex 21,28-32. 35f; 22,4). Wer ein Tier aus einer fremden Herde 
für den Eigengebrauch tötete, mußte dafür Ersatz leisten (Dtn 24,18.21). 
Wo ein in Obhut gegebenes Tier zu Schaden kam, verloren ging oder 
durch Raubtiere gerissen wurde, mußte dieser Verlust nachgewiesen bzw. 
das Tier ersetzt werden (Ex 22,9ff; vgl. Am 3,2). Andere Bestimmungen 
betreffen Schäden an Feldern oder Weinbergen, die durch Vieh hervorge- 
rufen wurden (Dtn 22,4). Die Todesstrafe konnte über Tiere, insbesondere 
über stößige Rinder, von denen erhebliche Gefahren ausgingen, verhängt 
werden (Ex 21,28ff). In diesen Fällen wird den Tieren eine, wenn auch 
beschränkte, Schuldfähigkeit, eingeräumt. 



6. Tier und Opfer 

Tiere spielten im Zusammenhang des Opfers'*'* eine wichtige Rolle. In 
Israel konnten ausschließlich Haus- und Arbeitstiere geopfert werden, und 
zwar Boviden (Rinder), Capriden (Ziegen) und Oviden (Schafe), daneben 
- als Brandopfer der Armen - auch Haus- und Turteltauben (Lev 1,14). 
Nicht geopfert werden durften dagegen Wildtiere sowie Hund, Schwein 
Esel, Pferd und Kamel, die zwar als Haustiere gehalten wurden, aber als 
unrein galten. Opferbar war nur ein fehlerloses Tier (Lev 1,3; 22,22), das 
mindestens sieben Tage alt war. Meist wurden männliche Tiere als Opfer- 
tiere genommen (Ex 12,5), da die weiblichen für die Nachzucht benötigt 
wurden. Von Raubtieren gerissene Tiere durften nicht verzehrt oder geop- 
fert werden (Ex 22,30). Die Opfertiere wurden (als Brand- bzw. Ganzop- 



44 



''2 Vgl. B. Lang, Art. Bestialität, NBL I ( 1 99 1 ) 280. 

^^ Eine Ausnahme bildet das Maultier, das aber vermutlich aus Kleinasien / Armenien 
nach Palästina importiert wurde. 

Vgl. B. Janowski I K. Backhaus, Art. Opfer, NBL III (2001) 36^3; B. Janowski, Tier- 
opfer, rhs 44 (2001) 339-344. Zu den Opfertieren vgl. R. Peter, ID et IIC;. Note de 
Lexicographie Hebraique, VT 25 (1975) 486-496; R. Peter-Contesse, Quel animaux 
Israel offrait-il en sacrifice? Etüde de Lexicographie hebraique, in: A. Schenker (Hg.), 
Studien zu Opfer und Kult im Alten Testament (FAT 3), Tübingen 1992, 67-77. 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 227 

fer) entweder ganz oder nur zum Teil geopfert, wobei man im letzteren 
Fall die Teile darbrachte, die als besonders gut angesehen wurden, nämlich 
das Fett der Eingeweide, die Nieren und die Leberlappen"*^. 
Die Anlässe für Opfer waren mannigfaltig: Neben privaten Opfern, die 
man anläßlich einer Weihe (1 Sam 16,3), eines Gelübdes (1 Sam 1,3) oder 
der Reinerklärung eines Aussätzigen (Lev 14) darbrachte, waren vor allem 
die regelmäßigen Opfer am Sabbat und die Opfer während der drei großen 
Feste (Ex 23,14-17; 34,18-23; Dtn 16,1-16) wichtig: Zu Passa (Jos 5,10- 
12), zum Versöhnungstag (Lev 16), und anläßlich der Darbringung der 
Erstgeburt (Ex 13; 23,19 u.ö.)- Ein unaufgeklärter Mord konnte durch Tö- 
tung einer Kuh gesühnt werden (Dtn 21,1-9). 

Der Opferritus''^ selbst bestand aus mehreren Handlungen: der Fesselung 
des Tieres (vgl. Gen 22,9), dem Töten und Schlachten des Tieres (Lev 
17,11; Dtn 12,16.23b), dem Blutritus (Dtn 12,27), dem Zerteilen des Op- 
fertieres (Lev 1,6) und schließlich beim Brandopfer der vollständigen Ver- 
brennung aller Teil des Opfers (mit Ausnahme der Haut) bzw. der gemein- 
same Verzehr derselben innerhalb der Familie. 

Wie das Relief aus dem Südwestpalast Sanheribs in Ninive zeigt, kannten 
auch die Assyrer diesen Schlachtritus: "Das gefesselte, rücklings auf dem 
Opfertisch liegende Tier - ein Widder - wird von einem Gehilfen an den 
Vorderläufen gehalten, während der Schlächter den Hals des Tieres über- 
streckt, um mit einem langgezogenen Schnitt die Halsschlagader zu 
durchtrennen, so dass das Blut in ein auf dem Boden bereitgestelltes Auf- 
fanggefäß abfließen kann'"*''. 




Abb. 5: Assyrische Schlachtszene auf einem Relief aus dem Südwestpalast Sanheribs in 
Ninive 



'*^ Vgl. dazu Janowski / Backhaus, Opfer, 39f. 

^^ Zum Opferritus vgl. B. Janowski / U. Neumann-Gorsolke, Opfertiere und Tieropfer, 
in: dies. u.a. (Hg.), Gefährten und Feinde des Menschen, 240-244, bes. 24 If 

^"^ yanowi^i, Tieropfer, 341. 



228 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

Auch der Blutritus hatte eine besondere Bedeutung: Das Blut wurde am 
Altar ausgegossen, um es somit JHWH zu übereignen und dem menschli- 
chen Gebrauch zu entziehen (vgl. Dtn 22,27). Eine andere Möglichkeit der 
Übereignung war die, daß man das Blut an den Altar bzw. den Vorhang 
des Allerheiligsten sprengte. Das Zerteilen des Opfertieres war ein mehr- 
stufiger Akt, der aus folgenden Elementen bestand: dem Herausnehmen 
und Waschen der Eingeweide (Lev 3,3f) sowie dem Herauslösen der 
Schenkel, vor allem der rechten Keule. Dem folgte dann die Verbreimung 
der einzelnen Teile des Opfers. 

Die Tiere, die Gott geopfert wurden, waren "für die bäuerliche Existenz 
von elementarer Bedeutung'"*^. Sie wurden vor allem bei Festen oder 
Gastmählern geschlachtet und verzehrt (1 Sam 25,2-11; Gen 18,1-8). 
"Gott, der an diesen Anlässen zugegen ist, werden die Opfergaben nicht in 
rohem Zustand vorgelegt, sondern sie werden für ein Mahl zubereitet, d.h. 
beim tierischen Opfer: Sie werden enthäutet, gebraten, gekocht (Lev 1,5- 
9; 2,13 u.a.)'"*^. Kam Gott anläßlich des Opfers zu diesem Mahl hinzu, 
dann nahm er die Gastfreundschaft seines Volkes an^"^ j h. aber: "Im 
Opfer erweist sich Jahwe für Israel ... als der segnende - und wie die 
priesterliche Sühnetheologie formuliert: als der vergebende - Gott"^^ 
Das Tieropfer, das dem Spender wertvollen Besitz entzog, war somit eine 
wesentliche Möglichkeit, die durch menschliche Schuld in Frage gestellte 
Beziehung zu Gott wiederherzustellen. Da im Tierblut der Sitz des Lebens 
zu lokalisieren ist, hat dieses sühnende Funktion (Lev 17,11) und durfte 
somit vom Menschen nicht genossen werden, sondern war der Gottheit 
vorbehalten (Gen 9,4, vgl. Dtn 12,16). Auch die Erstlinge von Rind, Schaf 
und Ziege wurden JHWH geopfert (Lev 18,17). 



7. Gott und Tier 

Als Geschöpfe Gottes werden die Tiere von Gott versorgt, der ihnen be- 
sondere Lebensräume und Tageszeiten einräumt^^- go finden sich nach Ps 
104 im Lebensbereich der Wadis und Schluchten nur Wildtiere wie der 



'*^ Ja/iow^A^i, Tieropfer, 341. 

-♦^ Ebd., 340f. 

^'^ Vgl. dazu A/a/-;c, Opferlogik, 136. 

^ ' Janowski, Tieropfer, 341. 

^^ Vgl. dazu F. Schmitz-Kahmen, Geschöpfe Gottes unter der Obhut des Menschen. Die 
Wertung der Tiere im Alten Testament (NThDH 10), Neukirchen- Vluyn 1997, bes. 
65-69. 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 



229 



Wildesel und Vögel (V. 10-12)53. Anderen wilden Tieren wie dem Stein- 
bock, dem Klippschliefer oder dem Storch gehören die hohen Berge mit 
den hohen Bäumen (Ps 104,16-18). 




Abb. 6: Steinböcke und Wildziegen haben in den Bergen ihren Lebensraum, in dem sie vor 
Löwen und Jägern Schutz finden (Rollsiegel aus der Akkadzeit, um 2300 v.Chr. 

Dem Menschen und seinen Haustieren werden das kultivierbare Bergland 
als Ort des Arbeitens zugewiesen; aber selbst hier gibt es eine zeitliche 
Einschränkung, insofern dieser Bereich dem Menschen nur tagsüber zur 
Verfugung steht, während in der Nacht die Löwen dort auf Beutefang ge- 
hen (Ps 104,20-22). 

Eine nicht-anthropozentrische Sicht des Komos entwerfen auch die Got- 
tesreden des Hiobbuches (Hi 38ff)54. Danach hat Gott als der Herr der 
Tiere auch die dem Menschen unzugänglichen Bereiche der wilden, nicht 
domestizierbaren Tiere geschaffen und sie so als unverzichtbaren Be- 
standteil in den Kosmos integriert (vgl. auch Ps 50,10). In ihrer Not kön- 
nen die Tiere Gott anrufen, der ihnen hilft (Ps 36,7) und sie mit dem Le- 
bensnotwendigen aussstattet. Ihnen wird so eine besondere, eigene Gottes- 
beziehung zugeschrieben, wenn sie Gott um Nahrung bitten (Ps 104,21; 
147,9; Hi 38,41; Joel 1,20). Festzuhalten ist, daß Ps 104,21 im Rahmen 
dieser Aussage den Gottesnamen El und nicht JHWH verwendet. Auf- 



53 



54 



Vgl. Uehlinger, dominium terrae; E. Zenger, "Du kannst das Angesicht der Erde 
erneuern" (Ps 104,30). Das Schöpfungslob des 104. Psalms als Ruf zur ökologischen 
Umkehr, BiLi (1991) 75-85, 79ff 

Vgl. auch B. Lang, Art. Tiere, Herr der, NBL III (2001) 858-872 und O. Keel, Jahwes 
Entgegnung an Ijob. Eine Deutung von Ijob 38-41 vor dem Hintergrund der zeitge- 
nössischen Bildkunst (FRLANT 121), Göttingen 1978; M Oeming, "Kannst du der 
Löwin ihren Raub zu jagen geben?" (Hi 38,39). Das Motiv des "Herrn der Tiere" und 
seine Bedeutung für die Theologie der Gottesreden Hi 38-42, in: M. Augustin /K.-D. 
Schunck (Hg.), "Dort ziehen Schiffe". Collected Communications to the XIVth Con- 
gress of the lOSOT, Paris 1992 (BEAT 28), Frankfurt 1996, 147-163. 



230 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

grund der göttlichen Fürsorge stimmen die Tiere zusammen mit der übri- 
gen Natur in den Lobpreis Gottes ein (vgl. Jes 43,20; Ps 148,7-12)55. 
Zwar betonen einige Texte, die das Schöpfungshandeln in der Tradition 
des Chaoskampfes beschreiben (Ps 74,12-17; 89,6-15), daß Gott zur Si- 
cherung des Kosmos chaotische Kräfte wie Levjathan, Rahab und die 
Tannin^ö bekämpft, die die feindliche Macht des Meeres repräsentieren^'^. 
Während das hebräische Tannin als Allgemeinbegriff sowohl Landschlan- 
gen (Ex 7,12; Dtn 32,33) als auch schlangenartige Meereswesen (Gen 
1,21; Hi 7,12) umschreiben kann, sind Levjathan und Rahab eher indivi- 
duelle Größen, die aber ebenfalls für im Meer zu lokalisierende, gefährli- 
che Drachenwesen stehen. 

Andere Traditionen betonen, daß diese Meerestiere, die die Gestalt einer 
Meeresschlange (Hi 26,12; Jes 27,1) oder eines Krokodils (Hi 41) haben 
und in Vergleichen mit dem ägyptischen Pharao identifiziert werden kön- 
nen (Ez 29,3; 32,2), ebenfalls von Gott geschaffen wurden (Gen 1,21; Ps 
104,26) und als Gottes "Spielzeug" im Rahmen der Schöpfung ihren Platz 
haben (Ps 104,265»; vgl. Hi 40,29). 

Die Verbindung zwischen Gott und Tier findet sich im alten Vorderasien 
und Ägypten häufig. Tiere begleiteten menschengestaltig vorgestellte 
Gottheiten: So war der Löwe Symboltier der kriegerischen Göttin Ischtar. 
Der Wettergott hatte einen Stier59 y^d der Sonnengott ein Pferd als Posta- 
menttier. Das heißt aber nicht, daß man diese Tiere selbst als Gottheiten 
verehrt hätte. Zwar ist für das Alte Testament anders als in Ägypten^'' die 
Verbindung von Gott und Tiergestalt mit negativen Vorzeichen versehen. 



55 L. Ruppert, Aufforderung an die Schöpfung zum Lob Gottes. Zur Literatur-, Form- 
und Traditionskritik von Ps 148, in: ders., SBAB 18, Stuttgart 1994, 227-246. Daß 
die Tiere den Schöpfer loben, ist auch in Ägypten ein häufig belegter Topos: So fand 
sich in ägyptischen Sonnenheiligtümem ein Text, der den Lobpreis der Paviane schil- 
dert, mit dem sie den aufgehenden Sonnengott begrüßen (Vgl. dazu J. Assmann, 
Ägyptische Hymnen und Gebete, Zürich / München 1975, 92). 

56 Vgl. M Görg, Art. Drache, NBL I ( 1 99 1 ) 444-446. 

5'' Vgl. Chr. Uehlinger, Drachen und Drachenkämpfe im Alten Vorderen Orient und in 
der Bibel, in: B. Schmelz / R. Vossen (Hg.), Auf Drachenspuren. Ein Buch zum Dra- 
chenprojekt des Hamburgischen Museums für Völkerkunde, Bonn 1995, 55-101; 
Chr. Brüning, "Lobet den Herrn, ihr Seeungeheuer und all ihr Tiefen!". Seeungeheuer 
in der Bibel, ZAW 110 (1998) 250-255. 

58 Vgl. Chr. Uehlinger, Leviathan und die Schiffe in Ps 104,25-26, Bib. 71 (1990) 499- 
526. 

5^ Vgl. O. Keel, Das Recht der Bilder gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Interpre- 
tation altorientalischer Bilder (OBO 122), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1992, 
169ff,bes. 173f 

Vgl. dazu E. Hornung, Die Bedeutung des Tieres im alten Ägypten, StGen 20 (1967) 
69-84. 



60 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 



231 



doch zeigen das Bilderverbot (Dtn 4,16ff) wie auch andere Belege (vgl. z. 
B. die Stierplastik von Dotan^'), daß es Tierbilder gab, die in Zusammen- 
hang mit JHWH bzw. mit anderen Göttern gebracht wurden^^ 





Abb. 7: Bronzefigur eines Stiers (17,5 cm lang, 12,5 cm hoch), die auf einer Hügelkuppe im 
nördlichen Samaria, 8 km westlich von Dotan gefiinden wurde und die zu einem Höhenhei- 
ligtum aus dem 12. Jh. v.Chr. gehörte 



Daß der JHWH-Kult nicht immer bildlos war, beweisen die Stierbilder, die 
Jerobeam I. in Dan und Bethel aufstellen ließ (1 Kön 12,26-33) und die 
weniger als Manifestationen JHWHs, sondern eher als Postamente für den 
unsichtbaren Gott angesehen werden können^^. Gegen diese, mit JHWH 
identifizierten Stierbilder richtet sich die Kritik Hoseas (Hos 8,4b-6; 
10,5f; 13,1-3). Daß JHWH auch mit einem Stier verglichen werden konn- 
te, zeigen Gottesbezeichnungen wie "Starker / Stier Jakobs" (Gen 49,24; 
Ps 132,2.5, vgl. Num 23,22 24,8), die vermutlich auf die Kampfkraft des 
Stieres (und nicht auf dessen Fruchtbarkeit) abzielen^"*. Als Symbol von 
Kraft und Fruchtbarkeit hatten Stierbilder im Jerusalemer Tempel eine 
wichtige Funktion als Träger des Ehernen Meeres (1 Kön 7,25) und als 
Dekoration an den Gestellen der Wasserkessel (1 Kön 7,29). 



61 



62 

63 
64 



Vgl. R. Wenning / E. Zenger, Ein bäuerliches Baal-Heiligtum im samarischen Gebirge 
aus der Zeit der Anfänge Israels. Erwägungen zu dem von A. Mazar zwischen Dotan 
und Tirza entdeckten "Bull Site", ZDPV 102 (1986) 75-86; Keel, Das Recht der Bil- 
der, 170f. Zum Problem vgl. auch M. Weippert, Gott und Stier. Bemerkungen zu einer 
Terrakotte ausyä/&, ZDPV 77 (1961) 93-1 17, bes. 103 ff. 

Vgl. dazu S. Schroer, In Israel gab es Bilder. Nachrichten von darstellender Kunst im 
Alten Testament (GBO 74), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1987, 67ff 

Vgl. Chr. Uehlinger, Art. Götterbild, NBL 1 (1991) 871-892, 887. 

Vgl. Keel, Das Recht der Bilder, 177. 



232 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

Im Umkreis JHWHs finden sich femer verschiedene tiergestaltige Wesen, 
wie die Seraphen, die, wie die Pentateuch-Belege (Num 21,6; Dtn 8,15) 
nahelegen, geflügelte Uräen darstellend^, in Jes 6 aber eher als Greife mit 
der Funktion (gebändigter) Thronwächter anzusehen sind^^, oder die Ke- 
ruben, die JHWH als Gefährt bzw. als Postament dienen (Ps 18,11; 1 Kön 
6,23-28)^"^. Das kupferne bzw. bronzene Schlangenidol im Jerusalemer 
Tempel, das eine Kultlegende auf Mose zurückfuhrt und das ebenfalls als 
Seraph angesehen wurde (vgl. Num 21,4—9), wurde von Hiskia schließlich 
aus dem Tempel entfernt (2 Kön 18,4)^^. Möglicherweise war es verehrt 
worden, weil man sich von diesen Uräen Schutz und Heilung versprach^^. 
Andere Tiere wie die Taube waren seit früher Zeit im Umkreis von Göt- 
tinnen anzutreffen. Ihr Paarungsverhalten mit dem auffälligen Schnäbeln, 
das als Küssen gedeutet wurde, prädestinierte sie geradezu als Liebesbotin, 
als die sie auch im Hohenlied erscheint^*^. 

Tiere können Träger numinoser Kräfte sein, wie Bileams Eselin, die die- 
sen instinktiv auf die von einem Boten JHWHs ausgehende Gefahr auf- 
merksam macht. Das Tier ist in dieser Erkenntnis dem "blinden" Seher 
überlegen (Num 22,22-35)"^'. Divinatorische Fähigkeiten von Kühen zeigt 
auch die Ladeerzählung (1 Sam 6). 



65 O. Keel, Jahwe- Visionen und Siegelkunst. (SBS 84/85), Stuttgart 1977, 46ff; ders. 
u.a., OLB 1, 164-166; T.N.D. Mettinger, Art. Seraphim, DDD (^1999) 742-744. Vgl. 
auch den Personennamen 'GLVlVauf Samaria-Ostrakon Nr. 41. Der Name, der als 
"JHWH ist ein Jungstier" zu übersetzen ist, enthält eine Vertrauensaussage, die sich 
der Namensträger zu eigen macht, d.h. JHWH ist für diesen "ein Gott von frischer 
Kraft und vitaler Dynamis" {K. Koenen, Der Name 'GL VlVauf Samaria-Ostrakon Nr. 
41, VT 44 [1994] 396-400, 398). 

66 L.D. Morenz/S. Schorch, Der Seraph in der Hebräischen Bibel und in Altägypten, Or. 
66(1997)365-386. 

67 Vgl. T.N.D. Mettinger, Art. Cherubim, DDD f 1995) 189-193. 

68 Vgl. M. Görg, Art. Nehuschtan, NHL II (1995) 91 8f; ders., Art. Schlange, NBL III 
(2001)482^84. 

6^ Vgl. dazu K. Koenen, Eheme Schlange und Goldenes Kalb. Ein Vergleich der Über- 
lieferungen, ZAW 111 (1999) 353-372; K. Beyerle, Die "Eheme Schlange". Num 
21,4 — 9: synchron und diachron gelesen, ZAW 1 1 1 (1999) 23-44; J. Asurmendi, En 
tomo al la serpiente de bronce, Estudios biblicos 46 (1988) 283-294; K.R. Joines, The 
Bronze Serpent in the Israelite Cult, JBL 87 (1986) 245-256. Zur Nachgeschichte vgl. 
H. Maneschg, Die Erzählung von der ehemen Schlange (Num 21,4-9) in der Ausle- 
gung der frühen jüdischen Literatur. Eine traditionsgeschichtliche Studie, Frankfurt 
u.a. 1981. 

''O Vgl. dazu Keel, Das Recht der Bilder, 1 40ff, bes. 1 50ff. 1 54f 

7' Vgl. dazu S. Schroer, "Die Eselin sah den Engel JHWHs". Eine biblische Theologie 
der Tiere - für Menschen, in: D. Solle (Hg.), Für Gerechtigkeit streiten. Theologie im 
Alltag einer bedrohten Welt. FS L. Schottroff, Gütersloh 1994, 83-87. 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 233 

8. Tiere als "Lehrer" des Menschen 

In weisheitlichen Schriften spielen Tiere eine wichtige Rolle^^. Schon 
Salomo wird zugeschrieben, daß seine Dichtkunst alle Tiere umfaßte (vgl. 
1 Kön 5,13). Die sich in dieser Dichtkunst äußernde Naturweisheit dürfte 
nicht in Zusammenhang mit der altorientalischen Listenwissenschaft ste- 
hen^^. Wie die Ahiqar-Sprüche zeigen, gab es in vorexilischer Zeit im 
südsyrischen Raum verschiedene Sammlungen von Naturbeschreibun- 
gen''''. 

Die Weisheitsliteratur betont vor allem die Vorbildfunktion, die Tiere 
gegenüber dem Menschen einnehmen können^^. So rühmt Spr 6,6-8 die 
Klugheit der Ameise, die in der Erntezeit für ihre Nahrung im Winter vor- 
sorgt, und stellt sie dem Faulen als Beispiel hin, dem nachzueifern ist. 
Der Zahlenspruch Spr 30,24—28 dagegen stellt mit Ameise, Klippschliefer, 
Heuschrecke und Gecko vier Tierarten zusammen, die ihre Kleinheit und 
Schwäche durch ein besonderes Maß an Weisheit wettmachen, das ihr 
Überleben garantierte^. Gerade Tiere können etwas von den der Schöpfung 
innewohnenden Naturgesetzen verstehen, wie Hahn und Ibis, die mit ih- 
rem Kommen den Wechsel der Jahreszeiten anzeigen (Hi 38,36)^^. 
Im Halten der göttlichen Ordnung werden die Zugvögel bzw. Rind und 
Esel geradezu zu Lehrmeistern des Menschen, der sich dieser Ordnung oft 
genug widersetzt (Jer 8,7; Jes 1,3^^). Darüber hinaus können Tiere dem 
Menschen durch ihr Dasein Gottes Schöpfermacht bezeugen und so zu 
Trägem einer eigenen (natürlichen) Theologie werden (Hi 12,7-1 1). 



73 
74 



e^ Vgl. dazu T Forti, Animal Images in the Didactic Rhetoric of the Book of Proverbs, 
Bib. 77 (1996) 48-63. Vgl. dazu jetzt auch Keel / Schroer, Schöpfung, 68-70. 

So jedoch y4. Alt, Die Weisheit Salomos, in: ders., Kleine Schriften zur Geschichte des 
Volkes Israel I, München 1953, 90-99. 

/. Kottsieper, Die alttestamentliche Weisheit im Licht aramäischer Weisheitstraditio- 
nen, in: B. Janowski (Hg.), Weisheit außerhalb der kanonischen Weisheitsschriften 
(VWGTh 10), Gütersloh 1996, 128-162, 141ff 

e^ P. Riede, "Doch frage die Tiere sie werden dich lehren". Tiere als Vorbilder und 
"Lehrer" des Menschen im Alten Testament = oben S. 1-28. 

e^ Vgl. femer Sir 1 1,3; zu ähnlichen Zusammenstellungen kleiner Tiere mit großer Wir- 
kung in ägyptischen Weisheitstexten vgl. H. Brunner, Die Weisheitsbücher der 
Ägypter, Düsseldorf 1998, 295-349. 

ee Keel, Jahwes Entgegnung, 60; ders.. Zwei kleine Beiträge zum Verständnis der Got- 
tesreden im Buch Ijob (XXXVIII 36f, XL 25), VT 3 1 (1981) 220-225 

e^ Vgl. zu Jes l,2f: /. von Loewenclau, Zur Auslegung von Jes 1,2-3, EvTh 26 (1966) 
294-308. 



234 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

9. Tiere als Feinde des Menschen 

Vor allem von den Raubtieren gingen große Gefahren aus (Gen 37,33; 1 
Kön 13,24 U.Ö.). In Zeiten der Entvölkerung bestimmter Gebiete vermehr- 
ten sie sich stark (Ex 23,29f). So berichtet 2 Kön 17,25, daß sich nach der 
Eroberung des Nordreichs durch die Assyrer dort Löwen ausbreiteten, die 
die Neuansiedler aus anderen Regionen des assyrischen Reiches bedroh- 
ten. In Gerichtsdrohungen tauchen häufig wilde Tiere auf und erscheinen 
immer wieder als Gerichtswerkzeuge Gottes (Lev 26,22; Dtn 32,24; Ez 
14,15). So wird dem Volk Israel für den Fall des Nichteinhaltens der gött- 
lichen Gebote die vollständige Vernichtung durch wilde Tiere angekündigt 
(Dtn 28,26; Jer 7,33; 16,4 u.ö.). 

Durch andere wilde Tiere wie Wildschweine (Ps 80,14), WildeseF^ und 
Wildstiere^'^, aber auch durch Heuschrecken^^ (Hos 2,14; Am 4,9; 7,1-3; 
Joel 1,4 u.ö.) drohten Ernte- und Flurschäden. Füchse z. B. verwüsteten 
Weinberge (Hld 2,15), Löwen und Wölfe dezimierten die Herden (Ez 
34,5.8; Sir 13,17), Schlangen galten als hinterlistig und heimtückisch und 
waren die Erzfeinde des palästinischen Bauern (vgl. Gen 3,14f). Frosch- 
(Ex 7,21-8,11) und Insektenplagen (Ex 8; Weish 19,10) führten zu Verun- 
reinigungen und zu massiven Erschwernissen des menschlichen Lebens, 
Mäuseplagen zur Übertragung von Krankheiten (1 Sam 6,4ff). Würmer 
riefen Pflanzen- und Holzschäden hervor (Jona 4,7; Dtn 28,39; Bar 6,20), 
wurden aber auch wegen ihrer chtonischen Lebensweise mit Verwesung 
und Tod in Verbindung gebracht (Hi 17,14; Jes 14,1 1; Sir 10,1 1)82. 
Die Jagd auf Wildtiere hatte neben dem Nahrungserwerb auch die Funkti- 
on, die Kulturwelt gegen den Einbruch der durch die Wildtiere repräsen- 
tierten gegenmenschlichen Chaoswelt zu schützen^^. Allerdings finden 
sich im Alten Testament nur wenige Berichte über Jagden - im Unter- 
schied zum Alten Orient, wo die Jagd vor allem Aufgabe der Könige war. 
Wüsten und Ruinenstätten waren von Schakalen, Straußen, Eulen, Raben 
und Wildeseln bevölkert, die zusammen mit (Bocks-) Dämonen eine ge- 
genmenschliche Welt repräsentierten (Jes 13,21f; 32,14; 34,12, vgl. Zeph 
2,14; Ps 102,7). Ein gängiger Topos innerhalb von Gerichtsdrohungen ist 
daher die Ankündigung, daß eine Stadt zur Wohnung von Schakalen wer- 
den soll (Jer 9,10; 10,22; 49,33). 



79 
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81 
82 
83 



Vgl. P. Riede, Art. Wildesel, NBL III (2001) 11 12f. 

Vgl. P. Riede, Art. Wildstier / Wildrind, NBL III (2001) 1 1 13f. 

Vgl. L. Bauer, Die Heuschreckenplage in Palästina, ZDPV 49 ( 1 926) 168-171. 

Vgl. P. Riede, Art. Wurm, NBL III (2001) 1 140-1 142. 

Vgl. K. Jaros, Art. Jagd, NBL II (1995) 257f. 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 235 

Während Lev 26,6 die Ausrottung der wilden Tiere bei der Inbesitznahme 
des Landes verheißt (vgl. Ez 34,25), entwerfen andere Texte, die von ei- 
nem zukünftigen Tierfrieden*"* sprechen (Jes 11,6-10; 65,25), eine gewalt- 
freie Sicht der Bezüge zwischen Mensch und Tier und zwischen den Tie- 
ren untereinander. Gefährliche Tiere, die in Palästina beheimatet waren 
wie Wolf, Leopard, Jungbär, Bärin, ausgewachsener Löwe, Kobra und 
Viper und deren Auftreten für Menschen und schwächere Tiere tödlich 
sein konnte, und gefährdete Lebewesen (Lamm, Böckchen, Jungstier, Kuh, 
Rind, Kinder) stehen einander gegenüber. Zu diesen gefährdeten Tieren 
gehören ausschließlich Haus- und Nutztiere. Der Tierfriede aber ist Re- 
sultat einer Entfeindung. Denn das gefährlichere Tier begibt sich zu dem 
schwächeren, um bei ihm als Gast zu weilen. Die vorfindliche Tierwelt mit 
ihren natürlichen Antagonismen wird sich, so die Grundaussage, in eine 
alles umfassende Welt von (pflanzenfressenden) Haustieren verwandeln, 
in der zugleich das Verderben ein Ende findet, weil auch die todbringen- 
den Tiere Anteil an der Erkenntnis JHWHs erhalten (Jes 1 1,9). 



10. Die Jagd 

Palästina war in alter Zeit reich an Wild. Zu den wildlebenden Huftieren, 
die gejagt wurden und daher auch als rein galten, gehörten der Mesopota- 
mische Damhirsch und verschiedene Gazellen- und Antilopenarten. Vor 
der Seßhaftwerdung des Menschen diente die Jagd^^ der Nahrungsbeschaf- 
fung, das Fell von erlegten Tieren wurde zu Kleidung verarbeitet. Erst mit 



^'* Zum Tierfrieden im Alten Testament vgl. besonders J. Ebach, Ende des Feindes oder 
Ende der Feindschaft? Der Tierfriede bei Jesaja und Vergil, in: ders.. Erinnerte Zu- 
kunft und erhoffte Vergangenheit. Biblische Exegesen, Reflexionen und Geschichten, 
Neukirchen-Vluyn 1986, 75-89; O.H. Steck, "ein kleiner Knabe kann sie leiten". Be- 
obachtungen zum Tierfrieden in Jes 11, 6-8 und Jes 65,25; in.- J. Hausmann /HJ. Zo- 
bel (Hg.), Alttestamentlicher Glaube und biblische Theologie. FS HD. Preuß, Stutt- 
gart u.a. 1992, 104-113; E. Zenger, Die Verheißung Jes 11,1-10: universal oder par- 
tikular?, in: Studies in the Book of Isaiah. FS W.A.M. Beuken (BEThL 132), Leuven 
1997, 137-147; vgl. femer M. Landmann, Der Tierfriede, in: E. Fromm / H. Herzfeld 
(Hg.), Der Friede und seine Verwirklichung - The Search for Peace, FS für A. Le- 
schnitzer, Heidelberg 1961, 81-98. 

Vgl. K. Galling, Art. Jagd, BL f 1977) 150-152; M. Oeming, Art. m:j, ThWAT VI 
(1989) 930-936. Zur Umwelt vgl. A. Altenmüller, Darstellungen der Jagd im Alten 
Ägypten, Hamburg / Berlin 1967; ders., Art. Jagd, LA III (1980) 221-224; fV. Helck, 
Jagd und Wild im Alten Vorderasien. Die Jagd in der Kunst, Hamburg / Berlin 1968; 
B. Meißner, Assyrische Jagden auf Grund alter Berichte und Darstellungen, Leipzig 
1911; A. Salonen, Jagd und Jagdtiere im Alten Mesopotamien (AnAcScFen 196), 
Helsinki 1976. 



85 



236 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

dem aufkommenden Ackerbau und der Domestizierung von Tieren verlor 
die Jagd an Bedeutung. Doch blieb sie eine Möglichkeit, Mut und Ge- 
schicklichkeit zu beweisen, zumal die Dezimierung von Wildtieren nötig 
war, weil sie immer wieder in das Kulturland vordrangen (Hld 2,15), die 
Saaten verwüsteten und Mensch und Herden gefährlich werden konnten (1 
Sam 17,34-36)86. 

Dennoch ist von der Jagd im eigentlichen Sinn im Alten Testament nur 
selten die Rede, obwohl berühmte Jäger, wie Nimrod (Gen 10,9) oder Esau 
(Gen 25,27f; 27,3ff) genannt werden. Und im Konflikt zwischen Jakob 
und Esau (Gen 25,27f; 27) spiegelt sich geradezu der Gegensatz zwischen 
Hirten- und Jägerkultur. In der Metaphorik wird dagegen häufig auf Jagd- 
methoden Bezug genommen, so daß man davon ausgehen kann, daß die 
Jagd bekannt war und ausgeübt wurde. 

Besondere Erfolge im Kampf gegen wilde Tiere errangen Simson, David 
und Benaja (Ri 15,4; 1 Sam 17,34; 2 Sam 23,20), auch wenn es dabei um 
Selbstverteidigung oder um Verteidigung der Herden ging. Doch sind sol- 
che Berichte Ausnahmen. Anders ist es in den mesopotamischen und 
ägyptischen Nachbarkulturen: Dort führten die Könige zur Selbstverherrli- 
chung auf zweirädrigen Streitwagen, manchmal auch zu Fuß und mit Hilfe 
von Windhunden Jagden auf Wildtiere in großem Umfang durch^"^. Z.T. 
wurden für solche Jagden eigene Parks eingerichtet, in denen Wildtiere 
gehalten wurden. Die Jagd dieser Könige auf die als feindlich empfundene 
Tierwelt, vor allem der Kampf gegen den König der Tiere, den Löwen, 
hatte zudem einen rituellen Charakter: Sie sollte einerseits die chaotischen 
Kräfte, die die Ordnung der Welt gefährdeten und die sich in den wilden 
Tieren verdichteten, abwehren, sie verlieh andererseits dem König Eigen- 
schaften, die ihm bei der Kriegsführung zugute kamen und die ihm dabei 
halfen, feindliche Herrscher zu besiegen. 

Die Jagd vnirde mit Pfeil und Bogen (Gen 27,3) oder Lanze (Hi 41,17-20) 
betrieben, das Wurfholz (hebr. J!)j?i?3 Am 3,5) und die Schleuder fanden 
bei der Vogeljagd, letztere aber auch als Waffe des Hirten im Kampf ge- 
gen Raubtiere (vgl. 1 Sam 17,40) Verwendung. Als Jagdgeräte fungierten 
femer verschiedene Arten von Netzen (Jes 51,20; Ez 19,8; Sir 27,20; Hos 



86 



87 



Vgl. dazu O. Keel, Der Bogen als Herrschaftssymbol. Einige unveröffentlichte Skara- 
bäen aus Ägypten und Israel zum Thema Jagd und Krieg, in: O. Keel / M. Shuval I 
Chr. Uehlinger, Studien zu den Stempelsiegeln aus Palästina / Israel, Bd. III: Die frü- 
he Eisenzeit. Ein Workshop (OBO 100), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1990, 27-65. 

Vgl. E. Bleibtreu, Zerstörung der Umwelt durch Bäumefällen und Dezimierung des 
Löwenbestandes in Mesopotamien, in: B. Scholz (Hg.), Der orientalische Mensch und 
seine Beziehung zur Umwelt. Beiträge zum 2. Grazer Morgenländischen Symposion 
(2.-5. März 1989 [Grazer Morgenländische Studien 2]), Graz 1989, 219-233. 



Tiere im Alten und Neuen Testament — Ein Überblick 



237 



7,12; Spr 1,17) für das Kleinwild oder Fallgruben für das Großwild (Ez 
19,4.8 U.Ö.), das durch Steinwürfe getötet wurde, sobald es in der Grube 
gefangen war (Klgl 3,53)^^. 




Abb. 8: Jagdszene aus neuassyrischer Zeit: Der Wildesel galt als Vertreter der gegen- 
menschlichen Welt und wurde als solcher von den altägyptischen und altorientalischen 
Königen gejagt (Relief aus dem Palast Assurbanipals in Ninive, um 650 v.Chr.) 




Abb. 9: Assurbanipal lauert in einer Grube Gazellen auf, die er mit Pfeil und Bogen erle- 
gen will (Relief aus Ninive aus dem 7. Jh. vChr.) 



8* Vgl. dazu E. von der Osten-Sacken, Hürden und Netze, MDOG 123 (1991) 133-148, 
140ff. 



23 8 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

Als Fanggeräte bei der Vogeljagd, die - wie die Liste der unreinen Vo- 
gelarten beweist - verbreitet war, dienten zusammenziehbare Netze, die 
auf der Erde ausgebreitet wurden, oder mit zwei Bügeln versehene Klapp- 
netze (vgl. Am 3,5). Die Steinhuhnjagd^^ ist in 1 Sam 26,20 belegt, auf 
den Wachtelfang^o spielt Ps 78,27; 105,40 (vgl. Weish 19,11) an. Dtn 
14,11.20 erlaubt, die reinen Vögel zu essen, die im Gegensatz zu den un- 
reinen aber nicht namentlich aufgeführt werden. Zu den eßbaren Vögeln 
gehörten Taube und Wachtel, Sperling und Steinhuhn, zu den unreinen v. 
a. die Fleisch- und Aasfresser. 

Jagdhunde sind in biblischen Texten nicht belegt^^ Seit dem 8. Jh. v.Chr. 
wurde die Jagd im Vorderen Orient auch von Reitern ausgeübt, die Stoß- 
lanze oder Bogen als Waffen benutzten. Auch Herodes unternahm Jagden 
zu Pferde^^. Als eigener Berufsstand sind Jäger in Israel aber nicht nach- 
weisbar. 

Wo auf die Jagd in metaphorischen Zusammenhängen Bezug genommen 
wird, wird meist die Erfahrung des Gejagten und weniger die des Jägers 
vorausgesetzt, so z. B., wenn der Beter des Klagelieds in Kl gl 3 seine ihm 
von Feinden bereitete Notlage mit zwei Bildern aus dem Jagdleben be- 
schreibt, wobei sich V. 52 auf die Vogeljagd und V. 53 auf die Großwild- 
jagd bezieht (vgl. femer Klgl 4,18f). 

Das Bild des jagenden Raubtieres findet sich nur selten: es wird Hi 10,16 
dazu benutzt, um die gefährliche Lage Hiobs zu beschreiben, dem Gott als 
Feind nachstellt. Nach Hi 19,6 hat Gott den Unschuldigen wie ein gejagtes 
Tier mit einem Fangnetz gefangen. 



1 1 . Fische und Fischfang 

Die Mittelmeerküste zwischen Gaza und Tyros war in alter Zeit reich an 
Fischen (Ez 47,10)^^, so daß prinzipiell die Möglichkeit zum Fischfang 
gegeben war. Doch erlaubt die fast gerade Küstenlinie Palästinas dieses 
Handwerk kaum, und auch die alttestamentlichen Texte sprechen eher 



89 Vgl. P. Riede, Art. Rebhuhn, NBL III (2001) 284. 

90 Vgl. dazu Maiberger, Manna, 1 70-1 77.493-498. 

9' Vgl. aber Sinuhe 90f, bei K. Galling (Hg.), Textbuch zur Geschichte Israels, Tübingen 
'1979,4 

92 Vgl. Josephus, Bell I, 429. 

93 Vgl. zum folgenden Maiberger, Fisch; GJ. Bottenveck, Art. n, ThWAT II (1977) 
139-147; K. Galling, Art. Fisch und Fischfang, BRL (M977) 83-85; J. Briend / M. 
Quesnel, Seehandel und Fischfang, WUB 20 (2001) 74f; G. Dalman, AuS VI, Gü- 
tersloh 1939,343-370. 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 239 

wenig davon, wenngleich die verwendeten Techniken immer wieder er- 
wähnt werden. 

Gefischt wurde demnach vom Land und vom Boot aus. Dabei benutzte 
man verschiedene Netze sowie Angeln (Jes 19,8) und Harpunen (Am 4,2; 
Hi 40,31). Das Schleppnetz (□"l.ö), das eine große Fläche bedeckte, wurde 
mit dem Boot ausgebracht (Ez 32,2; Hab 1,15). Während seine eine 
Längsseite, die mit Gewichten beschwert wurde, absinkt, sind an der ande- 
ren Kork oder Holz befestigt, so daß sie schwimmt. Mit dieser Fangme- 
thode konnten viele und verschiedenartige Fische gefangen werden. Am 
Schwersten war das Herausziehen des Netzes, weil hier einerseits die Ge- 
fahr bestand, einen Teil des Fanges zu verlieren, andererseits konnten die 
Netze bei reichem Fang auch reißen. 

Das Wurf- oder Rundnetz (HlliJD, n-l.fpDG: vgl. Jes 19,8; Hab l,15f) 
dagegen warfen die Fischer im Wasser stehend aus. Wegen der am Rand 
befestigten Gewichte sank es schnell und wurde schließlich mit Hilfe einer 
in der Mitte angebrachten Schnur wieder zusammengezogen. Auch mit 
dem Fischfang in Zusammenhang stehende Arbeiten, wie das Ausbringen 
der Netze zum Fang (Hes 32,3; Lk 5,4.9) oder das Waschen (Lk 5,2), 
Trocknen (Hes 26,5) und Ausbessem (Mt 4,21) der Netze nach dem Fang 
sind belegt. 

Wo Fische erwähnt werden, muß es sich jedoch nicht immer um Meeres- 
fische handeln. Süßwasserfische waren im Hule-See und in Flußläufen 
Palästinas (z. B. dem Jordan) zu finden. Fischreich war besonders der See 
Genesareth (Num 34,11; Jos 12,3): Das zeigen Ortsnamen wie Bethsaida 
"Fischhausen" oder Taricheae "Pökelort", der griechische Name von Mag- 
dala. 

Heute gibt es im See Genesareth etwa 25 Fischarten. Wichtig waren in 
biblischer Zeit wahrscheinlich dieselben Arten, die auch heute eine Rolle 
spielen: Einerseits finden sich viele in Schwärmen lebende Kleinfische, 
wie die Seesardine, andererseits auch Fische wie der Karpfen, der eine 
beträchtliche Größe erreichen kann. Klein ist der Chromis, ein ca. 20-30 
cm großer Fisch mit stacheligen Rückenflossen. Eine Unterart, der Chro- 
mis simionis, wird heute auch Sankt-Petersfisch genannt. Daneben gibt es 
einige Arten, die keine Schuppen aufweisen, z.B. der Ciarias macracan- 
thus, ein dicker Katzenfisch, der sehr zäh ist und mehrere Tage außerhalb 
des Wassers überleben kann. 

Auch der Nil war für seinen Fischreichtum bekannt (Ex 7,18ff; Jes 19,8; 
Ez 29,4f), und die Ägypter exportierten gesalzenen Fisch bis nach Phöni- 
zien. Daß der Handel mit Fischen einige Bedeutung hatte, zeigt sich daran, 
daß eines der Jerusalemer Stadttore "Fischtor" (Zeph 1,10; 2 Chr 33,14 
u.ö.) genannt wurde. Dort befand sich vermutlich ein Markt, wo Kaufleute 



240 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

aus Tyros mit gesalzenen und getrockneten Fischen einen schwunghaften 
Handel betrieben, dabei aber den Sabbat nicht einhielten (Neh 13,16). 
Auch geröstet wurde Fisch gegessen (Tob 6,5, vgl. Lk 24,42). Fischeinge- 
weide fanden als Medizin (u.a. bei Augenkrankheiten und bei Erkrankun- 
gen der Hamwege)^'* und zur Beschwörung von Dämonen Verwendung 
(Tob 6,2-9; 8,2f; 11,7-13). 

Als nicht-seefahrendes Volk hatte Israel Scheu vor den Gefahren des Mee- 
res (vgl. Ps 107,25-27), was sich auch in der Jona-Geschichte nieder- 
schlägt. Dort spielt ein "großer Fisch" eine besondere Rolle, der Jona auf 
Geheiß Gottes verschlingt und nach 3 Tagen wieder ausspeit (Jona 
2,1.2.11; vgl. Tob 6,2ff; 12,4). Eine genaue zoologische Identifikation des 
Tieres (Wal? Hai?) ist nicht möglich. Im Hintergrund steht möglicherweise 
eine alte Seefahrererzählung, wie sie an den Küsten Palästinas überliefert 
wurde. 



12. Tiere in der Metaphorik 

Besonders häufig finden sich Tiere im Rahmen der Bildsprache^^. Hier 
zeigt sich, wie sehr der Mensch die ihn umgebende Tierwelt beobachtete 
und sich in ihr gespiegelt sah. Manche Eigenschaften der Tiere werden ihm 
zum Vorbild: Tiere werden bewundert, wie der Löwe, der König der Tiere 
(Spr 30,30), der zum Symboltier des Königtums wird (Ez 19,2-9^6) und 
Kraft, Mut und Raubgier verkörpert (Ez 22,25). Der Geier steht für 
Schnelligkeit (Dtn 28,49; 1 Sam 1,23), kann aber ebenso wie das Krokodil 
einen machtvollen Herrscher (Ez 17,3.7, vgl. 29,3) symbolisieren. Sprich- 
wörtlich ist das Aussehen des Leoparden, der seine Flecken nicht abstrei- 
fen kann (Jer 13,23). 



^'* Vgl. dazu W. von Soden, Fischgalle als Heilmittel für Augen, in: ders., Bibel und 
Alter Orient. Altorientalische Beiträge zum Alten Testament (BZAW 162), Berlin 
1985, 76f; B. Kollmann, Göttliche Offenbarung magisch-pharmakologischer Heil- 
kunst im Buch Tobit, ZAW 106 (1994) 289-299, 292ff; D. Sahrhage, Fischfang und 
Fischkult im alten Ägypten (Kulturgeschichte der Antiken Welt 70), Mainz 1998 
132f 

^^ Vgl. die Zusammenstellung des Materials bei E. Schwab, Die Tierbilder und Tierver- 
gleiche des Alten Testaments. Material und Problemanzeigen, BN 59 (1991) 37-43. 
Zur Tiermetaphorik in Mesopotamien vgl. W. Heimpel, Tierbilder in der sumerischen 
Literatur (StP 2), Rom 1968; D. Marcus, Animal Similes in Assyrian Royal Inscripti- 
ons,Or. 46(1977)86-106. 

^^ Vgl. dazu /. Kottsieper, "Was ist deine Mutter?". Eine Studie zu Ez 19,2-9, ZAW 105 
(1993) 444-461; B. Lang, Kein Aufstand in Jerusalem. Die Politik des Propheten 
Ezechiel (SBB 7), Stuttgart '1981, 89-108. 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 24 1 

In der Liebessprache erscheinen Steinbockweibchen, Gazellen und Hinden 
wegen ihrer Lieblichkeit und Anmut als Bild für den oder die Geliebte (Spr 
5,19; Hld 2,9.17; 8,14 u.ö.)^''. Auch die Taube ist ein Symbol für die Ge- 
liebte (Hld 5,2; 6,9), deren taubengleiche Blicke zu Liebesbotinnen werden 
(Hld 1,15; 4,1). In der Natansparabel steht ein Lieblingstier, ein gleichsam 
zur Familie gehörendes Lamm, für die geliebte Frau (2 Sam 12,4ff). Mit 
einem kleinen, aber lästigen Floh vergleicht sich David, der von Saul mit 
einer riesigen Streitmacht verfolgt wird und der mit diesem Vergleich zu- 
gleich auf die Lächerlichkeit von Sauls Unternehmung aufmerksam macht 
(1 Sam 24,15; 26,20)98. 

Vor allem in den Feind- und Ichklagen der Psalmen begegnen häufig Tier- 
bilder^^. Wenn die Feinde des Beters mit angriffslustigen Löwen, zähne- 
fletschenden Hunden und gewaltigen Stieren verglichen werden, dann 
zeigt sich in diesen Vergleichen die unheimliche, aggressive, chaotische 
Macht der (menschlichen!) Feinde, denen der Beter ausgeliefert ist und 
angesichts derer er einzig Gott zu Hilfe rufen kann (Ps 17,12; 22,13f21f; 
57,5; 59 u.ö.). Wegen ihrer Giftigkeit und Gefährlichkeit können die Frev- 
ler auch mit Schlangen verglichen werden (Ps 58,5; 140,4). 
In den Ichklagen der Individualpsalmen finden sich andere Tiere: der Ver- 
gleich des Beters mit einem Wurm zeigt auf, daß dieser sich den niederen 
Kriechtieren zurechnet und somit seine Menschenwürde zu verlieren droht 
(Ps 22,7). Die nach Wasser lechzende Hirschkuh steht für die Sehnsucht 
des Beters nach einer heilvollen Gottesbeziehung (Ps 42,2). 
Auch Vögel kommen mehrfach in den Ichklagen vor: So vergleichen sich 
die Beter der Klagepsalmen, deren Leben gefährdet ist, mit einem hilflo- 
sen, unsicheren, gejagten und von plötzlichem Unglück bedrohten Vogel 
und hoffen zugleich, sich vor diesen Gefahren zu retten wie ein Vogel vor 
der Falle (Ps 124,7; 11,1; Klgl 3,52). Das Schreien des Vogels wird zur 
Metapher für den einsam klagenden Beter (Ps 102,8f)^°°. 
Die Untertanen gleichen ebenfalls Vögeln, die bei dem im Bild eines gro- 
ßen Baumes gezeichneten König Schutz und Zuflucht finden (Ez 17,23; 
3 1 ,6; vgl. Dan 4,9. U . 1 8 und die Anspielung in Mk 4,32 par.). 



9'^ Vgl. O. Keel, Deine Blicke sind Tauben. Zur Metaphorik des Hohen Liedes (SBS 
114/115), Stuttgart 1984, 78ff. 

98 Vgl. dazu P. Riede, David und der Floh. Tiere und Tiervergleiche in den Samuelbü- 
chem, BN 77 (1995) 86-1 17 = oben S. 65-106. 

99 Vgl. P. Riede, Im Netz des Jägers. Studien zur Feindmetaphorik der Individualpsal- 
men (WMANT 85), Neukirchen- Vluyn 2000, 150ff.279ff. 

'00 Vgl. dazu Riede, Im Netz, 295-305. 



242 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

Auch die im Mose- und Jakobsegen überlieferten Stammessprüche neh- 
men auf Tiere Bezug und unterstreichen so die jeweihgen Eigenarten der 
Stämme: Der Wildstier, der niederstößt, steht für Efraim (Dtn 33,17), der 
raublustige Löwe für Dan (Dtn 33,20ff) bzw. Juda (Gen 49,9), Issachar 
gleicht wegen seiner Fronarbeit einem starken Esel (V. 141), Dan wegen 
seiner geringen Anzahl von Kämpfern einer listigen, aus dem Hinterhalt 
angreifenden Schlange (V. 17). Auf die Beweghchkeit und Freiheitsliebe 
Naftalis bezieht sich der Vergleich mit einer Hirschkuh (V. 21) und auf 
Benjamins Kriegstüchtigkeit der Hinweis auf einen reißenden Wolf (V. 
27). In Gen 16,12 wird Ismael ein Wildeselmensch genannt: Was den Wil- 
desel ausmacht, kennzeichnet auch den Stamm Ismael: Wildheit, unzähm- 
barer Freiheitsdrang, aber auch der tägliche Kampf ums Überleben^^^ 
Auch Fürsten, Richter und Propheten, die ihr Amt mißbrauchen, werden 
mit reißenden Raubtieren verglichen (Ez 22,27; Zeph 3,3, vgl. Mt 7,15). 
Im Rahmen der Gottesmetaphorik erscheinen Tiere, um das Gerichtshan- 
deln Gottes zu charakterisieren. Der König der Landtiere, der Löwe, aber 
auch andere Raubtiere wie Bärin oder Leopard verkörpern in diesen Ver- 
gleichen das gefahrbringende Auftreten JHWHs (Hos 5,14; 13,7f; Klgl 
3,10)102 j)je Ambivalenz der Tierbilder zeigen Stellen wie Hos 11,10; Jes 
31,4f, wo das schützende und heilschaffende Tun Gottes im Bild von Gei- 
er und Löwe gezeichnet wird (vgl. femer Dtn 32,1 1; Ex 19,4). 
Im 4. Gottesknechtslied vergleicht sich Israel mit einer verirrten Herde 
(Jes 53,6). In Kontrast dazu steht der leidende Gottesknecht (Jes 53,7, vgl. 
das Zitat in Apg 8,32), der wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt wird. 
Die in diesem Vergleich genannten Tiere sind jeweils Gebrauchstiere, von 
denen alltägliche Handlungen ausgesagt werden; ein Bezug auf Opferiten 
ist auszuschließen. Auch sonst findet sich das Bild vom Schaf, das zur 
Schlachtbank geführt wird, für die Ergebenheit eines Menschen in sein 
Geschick oder für das rettungslose Ausgeliefertsein an ein unheilvolles 
Los (Jer 11,19; 51,40; Ps 44,23; vgl. Jer 12,3). 

In der Apokalyptik werden Tiere Symbole gottfeindlicher Mächte. So steht 
das in Dan 7 genannte geflügelte, leopardenähnliche Wesen für das persi- 
sche Reich mit seinen Expansionsbestrebungen, der geflügelte Löwe für 



101 
102 



Vgl. J. Schreiner, Der Herr hilft Menschen und Tieren, in: B. Janowski u.a. (Hg.), 
Gefährten und Feinde des Menschen, 219-239, 235. 

Vgl. G.J. Botterweck, Gott und Mensch in den alttestamentlichen Löwenbildem, in: J. 
Schreiner (Hg.), Wort, Lied und Gottesspruch. Beiträge zu Psalmen und Propheten. 
FS J. Ziegler (fzb 1/2), Würzburg 1972, 1 17-128; K. Koenen, "Süßes geht vom Star- 
ken aus" (Ri 14,14). Vergleiche zwischen Gott und Tier im Alten Testament, EvTh 55 
(1995) 147-197. Einmal findet sich zum Ausdruck der zerstörerischen Kraft auch ein 
Vergleich JHWHs mit einer Motte (Hos 5,12). 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 



243 



das babylonische, der Bär für das medische und das vierte, schreckenerre- 
gende Tier (mögUcherweise ein Kriegselefant"'^) für das seleukidische 
Reich. In Dan 8 steht der Widder für das medisch-persische und der Zie- 
genbock für das Reich Alexanders des Großen und der Diadochen. 




Abb. 10: Hellenistische Terra- 
kottafigur aus dem 2. Jh. n.Chr. 
mit Darstellung eines Kriegse- 
lefanten. Der Elefant hat eine 
Glocke um den Hals, die durch 
ihren Lärm die Gegner erschrek- 
ken sollte (vgl. 1 Makk 6,41). Mit 
seinem Rüssel ergreift er einen 
Feind. Neben seinem Führer 
trägt er einen Turm für die Be- 
satzung aus Bogenschützen. Be- 
sonders Antiochus III. ließ seine 
Münzen gerne mit dem Bild eines 
Elefanten versehen, der als Sym- 
bol von unbezwingbarer militä- 
rischer Kraft galt. 



II. Neues Testament 



Das Neue Testament, in dem die Unterscheidung von reinen und unreinen 
Tieren aufgegeben wird (Mk 7,15; Apg 10,15), spricht häufig von Tieren, 
besonders in den Evangelien. Vor allem die Haus- und Nutztiere be- 
stimmten das Leben: Kamele und Esel (Mt 3,4; 19,24; 21,5), Rinder, Bök- 
ke und Ziegen (Joh 2,14f; Mt 25,34), Lämmer und Schafe (Lk 10,3; 15,3- 
7; Joh 1,29.36; Apg 5 etc.), Tauben und andere Vögel (Lk 2,24; Joh 2,14) 
begleiteten den Alltag der Menschen. 

Daher nehmen auch viele Bildworte auf Tiere Bezug^""*: Die Sorglosigkeit 
der Vögel, die von Gott mit Nahrung versorgt werden und die selbst in 



103 
104 



Vgl. U. Staub, Das Tier mit den Hörnern, FZPhTh 25 (1978) 351-397. 

Vgl. K.H. Rengstorf Tiere in der Verkündigung Jesu, in: J. Meixner (Hg.), FS L. 
Brandt zum 60. Geb., Köln 1968, 377-396; P. Gerlitz, Mensch und Natur in den 
Weltreligionen. Grundlagen einer Religionsökologie, Darmstadt 1998, bes. 103ff; P. 
Dschulnigg, Schöpfung im Licht des Neuen Testaments. Neutestamentliche Schöp- 
fungsaussagen und ihre Funktion (Mt, Apg, Kol, Offb), FZPhTh 40 (1993) 125-145; 
M. Reiser, Der grüne Christus. Natur im Leben und Lehren Jesu, EuA 82 (1996) 9-22. 



244 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

ihrem Sterben in Gottes Hand sind (Mt 10,29.31), dient dem Menschen 
zum Vorbild (Mt 6,26; Lk 12,24), ebenso wie die Sanftheit und Lauterkeit 
der Tauben und die Klugheit der Schlangen den von Verfolgung bedrohten 
Jüngern (Mt 10,16). Füchse galten als listig (Lk 13,32). 
Die Vorstellung von der Taube als Liebesbotin steht im Hintergrund von 
Mk 1,1 Of, wenn der wie eine Taube herabsteigende Heilige Geist die Liebe 
des Vaters zum Sohn offenbart^ ^^5. Haustiere erscheinen in der Fülle der 
Arten: Die Henne ist Symbol der mütterlichen Fürsorge (Mt 23,37), der 
Hahn Künder des neuen Tages (Mk 14,72). Die Gewißheit der Gebetserhö- 
rung verdeutlicht Mt 7,10 mit dem Gegensatz von Fisch und Schlange. 
Vor allem das Bild des Hirten und seiner Herde wird mehrfach aufge- 
nommen und auf Jesus und die Gemeinde übertragen (Mt 9,36; Joh 10,lff 
u.ö.)i06. 

Auch im Leben Jesu spielten Tiere eine wichtige Rolle: Jesus zieht auf 
einem Esel nach Jerusalem ein und erhebt damit den Anspruch, der in 
Sach 9,9f angekündigte Heilskönig zu sein. Sein Reittier ist nicht das mit 
Krieg, Luxus und Arroganz in Verbindung gebrachte Pferd, so daß schon 
äußerlich zum Ausdruck kommt, daß hier ein Herrscher anderer Art auf- 
tritt (Mt 21,4-9). Schon bei seiner Taufe kommt eine Taube als göttliches 
Liebeszeichen herab (Mk 1,10), und der Beginn seiner Wirksamkeit ist 
durch das Zusammensein mit wilden Tieren gekennzeichnet (Mk 1,13). 
Die Verleugung Jesu durch Petrus ist durch das Krähen eines Hahnes be- 
gleitet (Mk 14,66ff). 

Häufig ist vom Fischfang die Rede^o'^. Hier spiegelt sich ein Stück Lokal- 
kolorit, da Jesus vor allem im Bereich des fischreichen Sees Genezareth 
wirkte und die ersten Jünger Berufsfischer waren (Mt 4,18-22), was sich 
in vielen Detailschilderungen aus dem Alltagsleben der Fischer nieder- 
schlägt (z. B. Mt 17,27)'08. Da der Fischerberuf im 1. Jahrtausend anders 
als andere Berufsgruppen gut angesehen war, liegt der "Wechsel vom Fi- 
scher von Fischen zum Fischer von Menschen, zu dem Jesus den Petrus 
und Andreas beruft (Mt 4,19; Mk 1,17)"109 „ahe. Das Kamel als das größte 
Haustier der palästinischen Umwelt erscheint in dem scherzhaften Bild- 



Vgl. S. Schroer, Der Geist, die Weisheit und die Taube. Feministisch-kritische Exege- 
se eines neutestamentlichen Symbols auf dem Hintergrund seiner ahorientalischen 
und hellenistisch-frühjüdischen Traditionsgeschichte, FZPhTh 33 (1986) 197-225; 
E.M. Dörrfuß, "Wie eine Taube". Überlegungen zum Verständnis von Mk 1,10, BN 
57(1991)7-13. 

'06 Vgl. dazu P. Riede, Art. Schaf, NBL III (2001) 456-459, 458. 

Vgl. Briend / Quesnel, Seehandel und Fischfang, 74f 

Vgl. zur Ausrüstung der Bemfsüscher Briend / Quesnel, Seehandel und Fischfang, 75. 
^^^ Quesnel, a.a.O. 15. 



107 
108 



Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 245 

wort vom Seihen der Mücken und vom Verschlucken der Kamele (Mt 
23,24). Es begegnet aber auch in einem sarkastischen Sprichwort, wonach 
ein Kamel eher durch ein Nadelöhr passe, als daß ein Reicher den Zugang 
zum Reich Gottes erhalte (Mt 19,24). 

Die negative Sicht des halbwilden Pariahundes übernimmt auch das Neue 
Testament: So betont 2 Petr 2,22, daß Hunde zu dem von ihnen Ausge- 
spienen zurückkehren. Judenchristliche Gegner der Gemeinde und männli- 
che Prostituierte werden als Hunde apostrophiert (Phil 3,2; Offb 22,15). 
Und wenn Hunde das Blut des Lazarus lecken, dann unterstreicht das sei- 
nen erbarmungswürdigen Zustand (Lk 16,21). Die geschätzten Haushunde 
dagegen futterte man regelmäßig mit Tischabfällen; darauf spielt ein 
Bildwort an, das den Vorrang der Juden vor den Heiden betont (Mt 15,26f; 
Mk 7,27). Auch das Schwein wird im Neuen Testament negativ bewer- 
tet^'O, was in Lk 15,15f die Verkommenheit des verlorenen Sohnes unter- 
streicht. Vor allem in hellenistischen Gegenden kamen Schweine als 
Haustiere vor (Mk 5,1 ff). 

Um der Tiere willen wird sogar die zeitweise Aussetzimg des Sabbatge- 
bots in Kauf genommen, etwa um ein in einen Bnmnen gefallenes Tier zu 
retten (Lk 14,5) oder um die durstenden Tiere zu tränken (Lk 13,15). Wöl- 
fe bildeten eine ständige Gefahr für das Kleinvieh, vor allem für die Läm- 
mer (Lk 10,3). Die Nutzlosigkeit und Unstetigkeit irdischen Reichtums 
zeigen Mt 6,19f; Lk 12,33; Jak 5,2 auf, wenn kostbare Kleider Motten 
anheimfallen. 

Allerdings umfaßt die dem auferstandenen Jesus verliehene Herrscher- 
stellung die gesamte Schöpfung, so daß auch gefährliche Tiere wie 
Schlangen und Skorpione ihre Schrecken verlieren (Mk 16,18; Lk 10,19). 
Die Gemeinschaft Jesu mit den Tieren stellt den ursprünglichen Schöp- 
fungsfneden wieder her (Mk l,12f, vgl. syrBar 73; TestNaf 8,4-6)"i, eine 
Erwartung, die auch Paulus in Rom 8,19-22 formuliert^^^^ ^ean er davon 



'1° Vgl. dazu P. Riede, Art. Schwein, NBL III (2001) 542-544, 543. Zu Mt 7,6 vgl. H. 
von Lips, Schweine füttert man, Hunde nicht - ein Versuch, das Rätsel von Matthäus 
7,6 zu lösen, ZNW 79 (1988) 165-186. 

' ' ' Apokryphe Schriften nehmen diese Erwartung auf. So erzählt das Pseudo-Matthäus- 
evangelium, daß Jesus, Maria und Joseph bei ihrer Flucht nach Ägypten von Löwen 
und Leoparden begleitet wurden (vgl. W. Schneemelcher, Neutestamentliche Apokry- 
phen, Bd. I [Evangelien], Tübingen '1987, 367). Wilde Tiere legen ihr gefährliches 
Wesen ab, wenn sie Aposteln und Evangelisten begegnen (vgl. F. Bovon, Les Actes 
de Philippe, in: ANRW II, 4493ff, bes. 4497). 

^ ^2 (7. Holzmeister, "Jesus lebte mit den wilden Tieren" Mk 1,13, in: N. Adler (Hg.), Vom 
Wort des Lebens. FS M. Meinerz, Münster 1951, 85-97; E. Fascher, Jesus und die 
Tiere, ThLZ 90 (1965) 561-570; E. Größer, Neutestamentliche Erwägungen zu einer 
Schöpfungsethik, WPKG 68 (1979) 98-114; ders., KAI HN META TfiN ©HRinN 
(Mk 1,13b). Ansätze einer theologischen Tierschutzethik, in: W. Schräge (Hg.), Stu- 



246 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

Spricht, daß die leidende Kreatur sich nach der Offenbarung der Kinder 
Gottes sehnt. Die paulinischen Texte nehmen sonst nur selten auf Tiere 
Bezug. In 1 Kor 9,9 findet sich eine allegorische Auslegung von Dtn 25,4, 
wenn Paulus das Recht der Apostel, von ihrer Arbeit zu leben, mit dieser 
Schriftstelle begründet^^^ (ygl. ähnlich 1 Tim 5,18). 
Eine eher negative Sicht der Tierwelt dagegen entfalten die KathoUschen 
Briefe, auch wenn diese dort nur am Rand vorkommt: "Tiere sind dem 
Menschen gegenüber minderwertig: Sie sind unvernünftig und als Natur- 
wesen zum Gefangenwerden und Umkommen geboren, was sie zum ab- 
schreckenden Beispiel für den sittlich empfindenden Menschen macht"' i'* 
(vgl. 2 Petr 2,12; Jud 10), eine Einstellung, die sich ähnlich auch in der 
zeitgenössischen hellenistischen Literatur nachweisen läßt. 
Auch im Neuen Testament werden in Aufiiahme alttestamentlicher Vor- 
stellungen dämonische, widergöttliche Mischwesen genaimt. So steht das 
leopardenähnliche, mit Bärentatzen, Löwenrachen, sieben Häuptern und 
zehn Hörnern ausgestattete Mischwesen in Offb 13,2 für den römischen 
Kaiserkult. Offb 1 2,9. 14f wird die mit Satan gleichgesetzte Schlange zum 
Symbol der Bedrohung des Lebens. Offb 9,3-10 neimt apokalyptische 
heuschreckenartige Ungeheuer mit Skorpionenschwänzen. Zur Drangsal 
der Endzeit gehören auch die apokalyptischen Reiter mit ihren Rossen, die 
Krieg und Tod mit sich bringen (Offb 6). Der nicht sterbende Wurm ist 
Zeichen ewiger Verdammnis (Mk 9,48). 

Diesen Mächten stellt die Offb das "Lamm" Christus in seiner Macht- und 
Wehrlosigkeit gegenüber. Damit knüpft sie an alttestamentliche Stellen an, 
die das Geschick von Menschen, die um ihres Auftrags willen verfolgt 
werden und Gewalt erleiden, ebenfalls mit diesem Bild umschreiben (vgl. 
Jes 53,7; Jer 11,19; Ps 44,23)ii5. Da das Lamm nach Offb 5,6 aber zu- 
gleich 7 Homer und 7 Augen als Symbole von Stärke imd Allwissenheit 
besitzt, wird auch seine gottgleiche Herrscherstellung zum Ausdruck ge- 
bracht. 



dien zum Text und zur Ethik des Neuen Testaments. FS H. Greeven (BZNW 47), 
Berlin 1986, 144-157; ders.. Das Seufzen der Kreatur (Rom 8,19-22). Auf der Suche 
nach einer "biblischen Tierschutzethik", JBTh 5 (1990) 93-117; L. Vischer, Mit den 
Tieren sein, EvTh 57 (1997) 283-305, bes. 293f 300ff. 

''■^ Vgl. dazu Boecker, Überlegungen, 67; E. Lohse, "Kümmert sich Gott etwa um Och- 
sen?" Zu IKor 9,9, ZNW 88 (1997) 3 14f 

'^^ R. Bartelmus, Die Tierwelt in der Bibel I. Exegetische Beobachtungen zu einem Teil- 
aspekt der Diskussion um eine Theologie der Natur, in: B. Janowski u.a. (Hg.), 
Gefährten, 245-277, 272f 

''^ Vgl. zu dieser Deutung M. Hasitschka, "Überwunden hat der Löwe aus dem Stamm 
Juda" (Offb 5,5). Funktion und Herkunft des Bildes vom Lamm in der Offenbarung 
des Johannes, ZKTh 1 16 (1994) 487-^93, bes. 492f 



Nachwort 



Der Menschen ältere Brüder sind die Tiere. Ehe jene da waren, waren diese. Jede 
Geschichte des Menschen also, die ihn außer diesem Verhältnis (zum Tier) be- 
trachtet, muß mangelhaft und einseitig werden. 

J.G. Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit' 



Das Gedeihen der Welt hängt davon ab, daß man mehr Tiere am Leben erhält. Aber 
die, die man nicht zu praktischen Zwecken braucht, sind die wichtigsten. Jede Tier- 
art, die stirbt, macht es weniger wahrscheinlich, daß wir leben. Nur angesichts ihrer 
Gestalten und Stimmen können wir Menschen bleiben. Unsere Verwandlungen nüt- 
zen sich ab, wenn ihr Ursprung erlischt. 

Elias Canetti, Die Fliegenpein 



Für jede Tugend und jede Sünde gibt es ein Beispiel in der Welt der Tiere, und die 
Tiere spiegeln die Welt der Menschen. 

Umberto Eco, Der Name der Rose, München 1982 



Seit Anbeginn der menschlichen Geschichte waren Tiere "unverzichtbarer 
Teil menschlicher Sozialiät"^. Sie dienten dem Menschen mit ihrer Ar- 
beitskraft, sie versorgten ihn mit Nahrungsmitteln, sie halfen bei der Jagd. 
Man begegnete ihnen im selben Lebensraum. 

"Dabei gab es Konflikte, sozusagen auf gleicher Ebene im Kampf um die 
Erhaltung des Lebens. Es waren Konflikte, wie es sie unter Menschen gab. 
Dabei erlebte man unter anderem die Ähnlichkeit in so vielen Gefühlsäu- 
ßerungen, in so vielen Interessen"^, daß sich eine Verbindung des Men- 
schen mit tierischen Charakteristika nahelegte. 

Der Mensch bewunderte einerseits Eigenschaften der Tiere, wie ihre 
Schnelligkeit, ihre Kraft, ihre Eleganz, ihr Aussehen, ihren Mut und ihre 
Geschicklichkeit, Eigenschaften, die beim Menschen nicht oder nicht in so 



1 Herders Werke in fünf Bänden, Bd. 4, Berlin / Weimar 1 964, 59. 

^ P. Münch, Tiere und Menschen. Ein Thema der historischen Grundlagenforschung, 
in: P. Münch / R. Walz (Hg.), Tiere und Menschen. Geschichte und Aktualität eines 
prekären Verhältnisses, Paderborn 1998, 9-34, 15. 

^ O. Reinke, Tiere. Begleiter des Menschen in Tradition und Gegenwart, Neukirchen- 
Vluyn 1995, 16. 



248 Nachwort 

vollkommener Weise zu finden sind. Andererseits aber fürchtete er sich 
vor ihrer überlegenen Macht. 

In allen Kulturen, auch im alten Israel, haben Tiere zugleich "die Fantasie 
des Menschen belebt. Es ist, als sähe er in ihnen ein Stück seiner selbst. 
Sie spiegeln in ihrem Verhalten etwas von seinem eigenen Leben wider. 
Sie dienen in Gleichnissen, Fabeln und Märchen der Deutung der mensch- 
lichen Existenz. Sie werden einerseits mit menschlichen Eigenschaften 
ausgestattet und fuhren andererseits den Menschen in Welten, die ihm 
sonst verschlossen bleiben'"*. Wo der Mensch sich aber "im Spiegel der 
Tiere" sieht, wo die Tiere "zum Spiegel des Menschen" werden, erfahrt er 
viel von sich selbst, von seinem eigenen Wesen, von seinen Wünschen und 
Sehnsüchten, von seinen Hoffnungen und Enttäuschungen, von dem, was 
ihm möglich und dem, was ihm verwehrt ist^. 

Die Tierfabeln und -gleichnisse, aber auch die vielen Tierbilder und - 
metaphem "setzen voraus, daß der Mensch die Tiere kennt, nicht nur dem 
Aussehen nach, sondern auch in ihrem Verhalten"^. Nicht nur die Art des 
Lautes, Bewegungsarten, Wesensmerkmale, das Jagd- und Angriffsver- 
halten oder Freßgewohnheiten, sondem auch der Lebensraum, die Sozio- 
logie der Tiere und sonstige Besonderheiten flössen daher in viele Tierbil- 
der ein. Sie sind zugleich "die entscheidenden Quellen, aus denen wir er- 
fahren, wie der Mensch je und dann sein eigenes Leben auf dasjenige sei- 
ner Umwelt bezog ... Sie erteilen, indem sie vom Tier handeln, Auskunft 
über den Menschen, über sein Selbstbewußtsein und sein Weltgefuhl, ... 
über sein Selbstverständnis und sein Weltverständnis"^. 
Schon früh hat M.-L. Henry zu Recht darauf hingewiesen, daß aus diesen 
Gründen die "im Alten Testament so reichlich vorhandenen Tiermotive ... 
keineswegs nur als verzierende Beiwerk gelten [dürfen]"^, das Wissen- 
schaft und Verkündigung getrost beiseite lassen können. Denn gerade die 
Tierbilder zeigen uns, in welchem Maße sich der Mensch am wirklichen 
oder vermuteten Verhalten der Tiere orientierte, es zur Nachahmung emp- 
fahl oder als Fehlverhalten aufdeckte imd damit typisch Menschliches mit 
bestimmten Tieren und deren Eigenschaften verband. Insofern stellt gera- 



"♦ L. KwcAer, Mit den Tieren sein, EvTh 57 (1997) 283-305, 284. 

^ Vgl. dazu auch D. Arendt, Zoologia Poetica, "Das Menschengeschlecht in seiner 
ungeheuchelten Tierheit", Femwald 1994, 9-34. 

^ ÄeinÄe, Tiere, 21. 

M.-L. Henry, Das Tier im religiösen Bewußtsein des alttestamentlichen Menschen, in: 
B. Janowski u.a., Gefährten und Feinde des Menschen, Das Tier in der Lebenswelt des 
alten Israel, Neukirchen- Vluyn 1 993 , 20-6 1,21. 

Ebd. 



7 



Nachwort 249 

de auch der Bereich der alttestamenthchen Tiermetaphorik ein wesentli- 
ches Teilstück einer alttestamenthchen Anthropologie dar. 
Den verschiedenen Tierarten aber werden auch im Alten Testament je 
typische Charaktere und Verhaltensweisen zugeschrieben: In den Stam- 
messprüchen (Gen 49; Dtn 32) stehen Fähigkeiten im Vordergrund, die für 
das Überleben wichtig sind, zugleich aber bestimmte charakteristische 
Eigenheiten des jeweiligen Stammes festhalten. Der Löwe ist Bild der 
Kraft und des Mutes (Dtn 33,20), der Wildstier Symbol der Stärke (Dtn 
33,17). Der Bär gilt als stark und unberechenbar (Klgl 3,10). Vor allem die 
ihrer Jungen beraubte Bärin wurde wegen ihrer Angriffslust gefurchtet (2 
Sam 17,8). Der reißende Wolf (Zeph 3,3) und die schutzbedürftigen Scha- 
fe (Ps 1 19,176) sind häufige Antipoden. 

Beim Hund fällt das demütige Verhalten gegenüber seinem Herrn ins Au- 
ge, was zur Selbstbezeichnung "(toter) Hund" führte (1 Sam 24,15 u.ö.). 
Bei der Gazelle, dem Hirsch und dem Reh dagegen wird auf das leichte 
und schnelle Springen, ihre Anmut und Grazilität Bezug genommen (2 
Sam 2,18; Spr 5,19). Beim Wildesel steht der unbändige Freiheitsdrang im 
Vordergrund, der das Zähmen unmöglich macht (vgl. Gen 16,12). Pferde 
und Maultiere gelten als unverständig und stehen daher in Gegensatz zum 
Menschen (Ps 32,9). 

Die Ameise ist Vorbild des Fleißes (Spr 6,6-8), die Heuschrecke fällt 
durch ihre disziplinierte Ordnung auf (Spr 30,27), ist aber andererseits 
Schreckbild einer massenhaften, nicht aufzuhaltenden Invasion (Joel 1). 
Beim Geier waren es seine Schnelligkeit und sein scharfer Blick (2 Sam 
1,23; Dtn 28,49), bei der Taube und bei den Zugvögel ihr Orientierungs- 
vermögen, das Wissen um die "rechte Zeit", was die Menschen faszinierte 
(Jer 8,7). Vögel wurden zudem wegen ihrer weiträumigen Bewegungs- 
möglichkeiten bewundert. Daher wünschte sich der Mensch hier und da 
Flügel, um einer bedrohlichen Situation entfliehen zu können (vgl. Ps 
55,7). 

Dabei ist es natürlich jeweils von entscheidender Wichtigkeit, wem welche 
Tiereigenschaften zugestanden werden. Deim dieselbe Eigenschaft kann je 
nach Person positiv oder negativ gewertet werden. Während z. B. der Lö- 
we wegen seiner übermächtigen Kraft und Stärke im Alten Orient einer- 
seits Symboltier des Königs ist, kann gerade diese Kraft und Aggressivität, 
wenn sie auf Feinde oder Frevler übertragen erscheint, mit rein negativen 
Konnotationen verbunden sein (Ps 10,8-11 u.ö.). Im ersten Fall erscheint 
der König als Verteidiger seines Landes im Bild des Löwen, im zweiten 
aber richtet sich die negative Energie der im Löwenbild gezeichneten 
Feinde z. B. gegen den Beter als Einzelperson. Sowohl majestätische Ho- 



250 Nachwort 

heit als auch drohende Gewalt können sich somit mit dem Bild des Löwen 
verbinden^. 

Diesen Eigenschaften, die in den Tierbildem vorausgesetzt werden und die 
sich der Mensch gern zu eigen gemacht hätte, stehen häufig ganz andere 
konträr gegenüber, die sich mit den real erlebten Tieren verbanden und 
z.T. bestimmte Tabus voraussetzen. Unreine Tiere nehmen einen anorma- 
len, angstbesetzten Raum ein, der dem menschlichen Zugriff verwehrt 
blieb. So sind z. B. Raben Aasfresser (Spr 30,17) und bewohnen verwü- 
stete, von Menschen verlassene und gemiedene Orte (Jes 34,11; Zeph 
2,14). Andererseits verwendeten die Seefahrer diese intelligenten Vögel 
als Orientierungshilfe (Gen 8,7). Und sie versorgen Elia mit Brot und 
Fleisch und werden ihm zum Lebensretter (1 Kön 17,4.6). Denselben Tie- 
ren können demnach sowohl positive als auch negative Züge zukommen, 
je nachdem, in welchem Kontext Bezug auf sie genommen wird imd wel- 
che Eigenschaft jeweils hervorgehoben wird. So werden beispielsweise in 
der Liebessprache Tauben zu Liebesboten (Hld 4,1), in der Sprache der 
Klage aber steht ihr dumpfes Gurren im Vordergnmd, das an das Klagen 
kranker, einsamer Menschen erinnert (Jes 38,14). 

Wo aber der Mensch den Tieren begegnet und Eigenschaften der Tiere auf 
sich überträgt, geht es immer um "Andersheit und Nähe, elementare Ver- 
bundenheit und Fremdheit, Stärkung und Bedrohung, Bewunderung und 
Scheu" ^°. Diese Kategorien gelten auch fiir das Verhältnis von Mensch 
und Tier im alten Israel. "Während man [jedoch] in Griechenland schon 
Mh Menschsein als Nicht-Tiersein erlebte und das Wesen des Menschen 
im Unterschied zum Tier definierte, betrachteten sich die Menschen im 
alten Israel offenbar als Verwandte der sowohl gefurchteten als auch be- 
wunderten Tiere, mit denen sie Herkunft und Todesschicksal teilen."*' Es 
verwundert daher nicht, wie oft der altisraelitische Mensch sich selbst und 
andere "im Spiegel der Tiere" erkannte und wiedererkannte. 



' Vgl. dazu Arndt, Zoologia poetica, 36. 

10 Reinke, Tiere, 68f. 

' ' O. Keel / S. Schroer, Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext altorientalischer 
Religionen, Freiburg (Schweiz) / Göttingen 2002, 69. So betont z.B. Hesiod (Erga 
275-280), daß Fische, Wildtiere und Vögel sich gegenseitig auffressen, der Mensch 
aber von Zeus Recht und Gesetz erhalten habe, vgl. dazu auch U. Dierauer, Das Ver- 
hältnis von Mensch und Tier im griechisch-römischen Denken, in: Münch / Walz 
(Hg.), Tiere und Menschen, a.a.O. 37-85, 39. Auch im hellenistisch beeinflussten Da- 
nielbuch liegt eine ähnliche Sicht der Dinge vor, vgl. dazu O. Keel, Die Tiere und der 
Mensch in Daniel 7, in: ders. I U. Staub, Hellenismus und Judentum. Vier Studien zu 
Daniel 7 und zur Religionsnot unter Antiochus IV. (OBO 178), Freiburg (Schweiz) 
Göttingen 2000, 1-35. 



Anhang 1: 

Alphabetische Übersicht über die Klassifikation und Ab- 
leitung der hebräischen Tiemamen 



Vorbemerkung 

Die folgende Übersicht soll der schnellen Orientierung dienen. Sie enthält 
eine vollständige Zusammenstellung der im Alten Testament vorkommen- 
den hebräischen Tiemamen, auch wenn einzelne in Riede 2002 nicht be- 
handelt wurden. Ebenso wurden Informationen zu einzelnen Termini, die 
dort nicht mehr berücksichtigt werden konnten, in der Tabelle nachgetra- 
gen. Auf diese Nachträge beziehen sich in der Regel die Nachweise in den 
Anmerkungen zur Tabelle, unten S. 265-270. 

In der Übersicht selbst finden sich folgende Angaben: Spalte 1 fuhrt die 
hebräischen Tiertermini in alphabetischer Reihenfolge auf Die ugariti- 
schen Bezeichnungen sind, soweit belegt, zum Vergleich beigegeben. 
Spalte 2 versucht, die hebräischen Tiemamen nach verschiedenen Kriteri- 
en zu klassifizieren. Wenn erkennbar, folgt in Klammer die jeweilige 
wörtliche Bedeutung. Spalte 3 enthält Informationen über die mögliche 
Ableitung bzw. Herkunft der Namen bzw. darüber, welche Wurzeln als de- 
nominiert anzusehen sind. Denominative werden mit dem Sigel "d" ge- 
kennzeichnet. Die Zahlen in Spalte 4 beziehen sich auf die Abschnitte von 
Riede 2002. In Klammem sind zusätzlich zur schnelleren Orientierung die 
jeweiligen Seitenzahlen des Aufsatzes notiert, wo sich weitergehende An- 
gaben und Nachweise zu den einzelnen Tiemamen finden. 
"?" markiert Unklarheiten in der Herleitung bzw. Klassifikation, "-" be- 
deutet jeweils, daß entsprechende Informationen nicht zu ermitteln waren. 



Literatur: P. Riede, "Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen". 
Hebräische Tiemamen und was sie uns verraten (2002) = oben S. 165-212 



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Übersicht über die Klassifikation und Ableitung der hebräischen Tiernamen 265 
Anmerkungen zur Tabelle: 

' A. Murtonen, Hebrew in its westsemitic settings. A comparative survey 
of non-masoretic Hebrew dialects and traditions. Part one: A compara- 
tive Lexicon, Section Bb: Root System: Comparative material and 
discussion (Studies in Semitic languages and linguistics XIII), Leiden 
etc. 1989, 89, s.v. 'YL. 

^ Vgl. K. Aartun, Studien zur ugaritischen Lexikographie. Mit kultur- 
und religionsgeschichtlichen Parallelen. Teil I: Bäume, Tiere, Gerüche, 
Götterepitheta, Göttemamen, Verbalbegriffe, Wiesbaden 1991, 8f 

^ Murtonen, Lexicon, 89, s.v. 'VL. 

^ Vgl. akk. jmjneru (AHW 378a; CAD I/J, 129ff, v.a. 134: Kulturwort); 
phöniz. wr, aram. ' immä^i)r, syr. 'emmar, arab. 'imwar. Zu imrl 'rl 
pAI\%\. M. Dietrich / O. Loretz, Die akkadischen Tierbezeichnungen 
immeru, puhBduMcaA puhslu'xm Ugaritischen und Hebräischen, UF 17 
(1986) 99-103. 

^ Vgl. ja. KpK (< ai^) und HAL, 80; Murtonen, Lexicon, 99, s.v. 'Q. 

^ Vgl. HAL, 84 und asa. /•»'"Steinbock"; akk. erO^ni), ari7 "Adler", vgl. 
auch W. V. Soden, AfO 18 (1957) 393: der Adler sei der "Löwe der 
Luft" und G.J. Botterweck, Art. nx, ThWAT I (1973) 404-^18, 405. 

'' Vgl. HAL, 85. 

^ Vgl. akk. atänu{AHW, 86; CAD A II, 481ff); aram. {/)tän; syr. affän^, 
arab. Wän (vgl. auch A. Sahnen, Hippologica Accadica [AnAcScFen 
100], Helsinki 1955, 62). 

^ Vgl. akk. ba£mu (AHW, 112; > aram. painä; > hebr. pete/r, arab. 
datan).yg\.CADB,l4lf. 

'" < *£^ad/i aram. / syr. PfU; arab. ^adr, neubabyl. (aram. Lw.) ^adi7 
(AHW, 273a; CAD G, 9)' 

" Vgl. G.J. Botterweck, Art. nS, ThWAT I (1973) 922-926, 922; Mur- 
tonen, Lexicon, 127, s.v. G£{ V): Kulturwort. 

Vgl. GJ. Botterweck/ W. von Soden, Art. HJV, ThWAT III (1982) 
586-594, 588. 

Murtonen, Lexicon, 130f, s.v. GWRTV. 
Ebd. 

Vgl. akk. gammalu, gammallu "Dromedar (einhöckeriges Kamel)", 
wohl westsem. Lw, vgl. auch aram. gawlä, äth. gamal, arab. gamal> 
gr. Kd^Ti>.o<;, dt. Kamel. Vgl. AHW, 279; CAD G, 35f 
Murtonen, Lexicon, 136, s.v. GML. 

Vgl. auch G.J. Botterweck, Art. Jl, ThWAT II (1977) 139-147, 143f 
Vgl. akk. zTbu (AHW, 1525a; CAD Z, 106) = Schakal, Geier {B. 
Landsherger, Die Fauna des alten Mesopotamien nach der 14.Tafel der 
Serie HAR-RA = HUBULLU[AS,A^ 42/6], Leipzig 1934, 78f) bzw. 



19 



266 Anhang 1 



Wolf (A. Sahnen, Jagd und Jagdtiere im alten Mesopotamien 
[AnAcScFen 196], Helsinki 1976, 229f); äg. ÄJ'^, westsem. Wolf, vgl. 
arab. d/"l>"Wo\f, Schakalwolf' mit dem denom. Verb da7&äX "einem 
Wolf ähnlich, grausam wie ein Wolf sein" (vgl. dazu G.J. Botterweck, 
Art. 2V!,\, ThWAT II [1977] 501-509, 503); äth. z^dfb. 
Murtonen, Lexicon, 160, s.v. Z'B. Vgl. Botterweck, ZIKT, 502; anders 
W. Eilers, Zur Funktion der Nominalformen. Ein Grenzgang zwischen 
Morphologie und Semasiologie, WO 3 (1964-66) 80-145, 132 Anm. 1, 
der d/"ö "Wolf als Abstraktnomen der Vorstellung "Vertreibung, Ver- 
scheuchung" ansieht. 

20 Vgl. Murtonen, Lexicon, 178, s.v. XZRIl. 

Landsberger, Fauna, 130, vergleicht das Wort mit akk. ilqitu Sliku{Q\- 

ner Larve). 

HAL 460; Murtonen, Lexicon, 234, s.v. CN: Kulturwort. 

Vgl.HAL,461. 

Vgl. Murtonen, Lexicon, 238, s.v. KRI^R). 

Vgl. HAL, 492. 

Vgl. akk. neJfu (AHW, 783a); arab. /a/t. 

Andere Ableitungsvorschläge s.o. III/l. 

Vgl. HAL, 653. Das Afformativ dient "zur Hervorhebung bestimmter, 

oft individueller Vertreter der durch das Grundwort bezeichneten Art 

oder Gattung ... (vgl. liwjätäii)" {H.-J. Fabry, Art. ^ni, ThWAT V 

[1986] 384-^08, 399). 

Vgl. < *namlat, akk. (westsem. Lw.) nanK,ä)Ju {AH^ , 725b; CAD N I, 

208) / Jamattu{AHyN, 533a); arab. namluriA. Landsberger, Fauna, 136. 

^0 Murtonen, Lexicon, 283, s.v. NML. 

^^ Murtonen, Lexicon, 293, s.v. NSR. 

32 Vgl. akk. sisühz-w. sis'u{AH^, 1051f; CAD S, 328-334); arab. srsi. 
Zu weiteren Belegen in semit. Sprachen s. FJ. Stendebach, Art. 010, 
ThWAT V (1986) 782-791, 783. Zu einer Ableitung von sanskrit. 
asväi^s) vgl. Sahnen, Hippologica, 21f 

Möglicherweise ist das Wort abzuleiten "von einem repetitiven susu 
oder sj'si ... Zischlaute sind charakteristisch für Worte, die eine schnel- 
le, stürmische Bewegimg beschreiben" {Stendebach, 010, 783f mit 
Verweis auf G.R. Driver, Aramaic Documents of the Fifth Century 
B.C., Oxford M957, 73 Anm. 2). Vgl. auch M Dietrich / O. Loretz, 
Ugaritisch ssw / &yV "Pferd", äs-w^ "Stute" und akkadisch *sisTtu1 
"Stute", UF 15 (1983) 301f 
Vgl. Stendebach, 010, 783; Murtonen, Lexicon, 298, s.v. SWS. 



21 

22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 



29 



33 



34 



3^ Murtonen, Lexicon, 298, s.v. SWSW.. 



Übersicht über die Klassifikation und Ableitung der hebräischen Tiernamen 267 

^^ Vgl. akk. S3SU (AHW, 1032b; CAD S, 196f; Landsberger, Fauna, 
127.134); aram. ss, arab. sas{ä); äth. dade^, > ariq (vgl. auch Murtonen, 
Lexicon, 303, s.v. SS); Gnmdform: sa's. 

^^ Murtonen, Lexicon, 303, s.v. SS. 

3* Vgl. aram. 'g/, syr. 'egJs, äth. ^^V/, arab. y^/"Kalb", im Akk. fehlt das 
Wort, vgl. aber akk. ^^a/i/ "Reitesel" (s. CAD A I, 141; AHW, 15; Sa- 
Ionen, Hippologica, 67) \md Murtonen, Lexicon, 309f, s. v. &GL: "The 
basic meaning appears to be roimdness and related actions ... Applied 
to animals, the root may orginally refer to the homless young of adult 
homed cattle; a homless head may well described as 'round' when 
compared with a homed one" (ebd. 310). 

39 Vgl.HAL,741. 

"^ So die Ableitung von GB, 562. 

^' Vgl. H. Ringgren, Art. b;V, ThWAT V (1986) 1056-1061, 1057; zu 
den ug. Belegen vgl. ebd. 

*^ Vgl. akk. Aäruw (= westsem.Lehnwort; vgl. AHW, 328b); arab. a/r 
"Wildesel"" 

'^^ Vgl. arab. 'ankabati 'ukkäs. 

'^ Vgl. Murtonen, Lexicon, 318, s.v. &KBS 

■^^ Vgl. akk. agikbaru, das die Springmaus meinen dürfte. Dagegen steht 
hebr. / aram. das Wort fiir die Maus schlechthin (vgl. Landsberger, 
Fauna, 109; Sahnen, Jagd, 237; AHW, 28b; CAD A, 265f: Wüsten- 
springmaus). Vgl. auch arab. 'Ä3ö/r und Murtonen, Lexicon, 318, s.v. 
&KBR. 

'** A/Mrto«e«, Lexicon, 318, s.v. c&A:B/?. 

"•^ Yg\.Fabry,m;,3SS. 

"8 Vgl. akk. ilquiAHW, 373a; CAD I/J, 88); syr. e/aqta, 'alaqs, arab. 
'alaq und Murtonen, Lexicon, 320, s.v. &LQ. 

^9 Vgl.HAL, 805. 

^^ Vgl. arab. gu^" Junges des Steinbocks". 

^' Vgl. ja. XDIpV; syr. aggarba; semit. agrab < akk. agradu (westsem. 
Lehnw., vgl. AHW, 62b; CAD A II, 207); arab., äth. agraö. 

^^ Vgl. akk. {araddü), arandu, arattu "Bergziege" (AHW, 64f) bzw. 
"Steinbock, Bezoarziege" (Landsberger, Fauna, 94f). Sahnen, Jagd, 
plädiert für zwei akk. Wörter: 1) anrandu, arantu "Weibchen der Be- 
zoarziege", 2) arädu= westsemit. 'd7-öö"'Wildesel" (vgl. auch 201 s.v. 
AarSdiJ). Vgl. CAD A II, 212: "wild ass". 

" Vgl.HAL, 835. 

^* Vgl. ja., syr. «2?V; arab. 'attat, äth. 'sde, akk. asäsu (AHW, 79b; 
Landsberger, Fauna, 127). 

55 Vgl. HAL, 847. 



268 Anhang 1 



^^ Murtonen, Lexicon, 332, s.v. &S. 

^' Murtonen, Lexicon, 334, s.v. £TI?. 

^^ Vgl. akk. pers/sa 'u (AHW, 855f; Landsherger, Fauna, 126); syr. 

purta 'nS, arab. burgat. 
^^ Vgl. HAL, 914; anders L. Köhler, Alttestamentliche Wortforschung. 

Pargosch^'sx Floh, ThZ 2 (1946) 469f, der auf arab. a^/a/ "staubgrau" 

(vgl. arab. bagits. er hatte eine Farbe wie Asche) verweist. 

Vgl. Im NW-Semit, und Altsüdarab. begegnet prs in der Bedeutung 

"Pferd, Reiter, Reiterei", vgl. syr. parräsa, arab. faras "Pferd" und ug. 

/-/•i- "trainiertes Pferd" (vgl. UF 11 [1979] 189-191.193) undH mehr, 

Art. 2;nD, ThWAT VI (1989) ni-l^l, 783. 

Vgl. HAL, 919 sowie Niehr, t^HS, 783. 

Vgl. akk. ba^jnu{AHW, 112; CAD B,141f); syr. pain^, arab. batan. 

Vgl. HAL, 930; Fabry, m;, 388 (vgl. zu ug. bt/i ebd. 391) und arab. 

batan, %yx. patna'. 

Murtonen, Lexicon, 352, s.v. PTN II. 
" Vgl. akk. ^<?/7^(AHW, 1090f; CAD S, 128ff); syr. 'änS, arab. dan. 
^^ Vgl. HAL, 932. GB, 670 erwägt eine Ableitung von der Wurzel yjr' 

Mhe., ja. K35; syr. 'bbs, arab. dabb. 



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68 Vgl. HAL, 933 

6' Murtonen, Lexicon, 353, s.v. CB^. 

'0 Vgl. akk. sabltum (AHW, 1071b; CAD S, 42ff; Salonen, Jagd, 

213ff.255ff); syr. tabjä/tebits, arab. zabj. 
''^ Vgl. HAL, 937. 
^2 Zu Ug. AT vgl. UF 12 (1980) 414. Vgl. akk. issaru{AHW, 390; CAD 

I/J, 210-214); weitere Belege in semit. Sprachen bei E. Schwab, Art. 

n1S:5, ThWAT VI (1989) 1102-1107, 1103. 
'3 Vgl. HAL, 981; P. Maiberger, Art. ^^nV, ThWAT VI (1986) 483- 

486, 484. 
'"^ Vgl. syr. 'urde'^, arab. d/M'; akk. musa"jränu{AHW, 678b; CAD M 

II, 240f; Landsberger, Fauna, 140), möglicherweise ursprünglich eine 

onomatopoetische Bildung. 
'^^ Murtonen, Lexicon, 366, s.v. CPRD&. 
^6 Vgl. HAL, 989. 
^^ Vglmhe. ni<p;ja. Kn(K)p. 
^8 Vgl. Murtonen, Lexicon, 368, s.v. Q ' imd G.R. Driver, Birds in the 

Old Testament I. Birds in Law, PEQ 87 (1955) 5-20, 16, und arab. 

qa'qa'a "cawed, croaked"; Driver schließt von daher auf die Ohreneule: 

"its cry is given as 'yu-hu' or 'kiu-kiu', monotonously repeated at regu- 



79 
80 



81 



82 



Übersicht über die Klassifikation und Ableitung der hebräischen Tiernamen 269 

lar intervals"; früher versuchte man einen Zusammenhang mit hebr. 
K''p "speien" herzustellen, was zur Deutung auf den Pelikan führte. 
Murtonen, Lexicon, 381, s.v. QPD. 

Vgl. akk. rimu / remu "Wildstier, Auerochs" (AHW, 986; Landsher- 
ger, Fauna, 89; Sahnen, Jagd, 167.247ff); arab. n 'm "weiße Antilo- 
pe". 

Vgl. HAL, 1085; H.-P. Müller u.a., Art. DNI, ThWAT VII (1993) 
267-271, 267; zu ug. rum\%\. ebd. 268, sowie UF 10 (1978) 63 und 
Aartun, Studien, 140. 
Murtonen, Lexicon, 391, s.v. R'Mll. 

^^ Vgl. arab. ra'niat/ra'umat"SQem\isdhe\n" . 

^'^ Vgl. HAL, 1085. Zu ug. nwtvg\. Aartun, Studien, 139f; UF 1 (1969) 
183. 

*5 Vgl. akk. JaArü(,in) (AHW, 528b; CAD L, 42ff); arab. rahil/dhl. 

^^ Vgl. HAL, 1134. Vgl. Murtonen, Lexicon, 397, s.v. RXL: "The root 
appears to be primarily connected with the nomadic practice of trans- 
humance; that the designation for the mother sheep was derived from 
the same root is understandable because their welfare war intimately 
connected with the practice and was especially important for the 
maintenance of the flock". 
Vgl. arab. raham. 

^^ Vgl. HAL, 1135. Driver, Birds I, 16f, weist daraufhin, daß die Be- 
deutung der Wurzel auf einen weißen Vogel oder auf einen solchen mit 
auffälligen weißen Flecken hindeuten körmte (vgl. "Arab. rahami^n] 
'thick milk' as well als well as 'vulture with a white neck and body but 
black wing-tips', ruhämun 'soft white stone', and 'arhamu '[horse] ha- 
ving a white head and a black body'" (ebd. 16 Anm. 92). 

^^ Vgl. Murtonen, Lexicon, 400, s.v. RKS/RXS. 

^° Vgl. dazu UF 7 (1975) 165. 

^' Vgl. arab. ramakat "Stute". 

^2 Vgl. HAL, 1160. 

< saj, vgl. akk. süm, su'u(AHW, 1255a); arab. sä \ 

Vgl. HAL, 1221; G. Waschke, Art. ntj;, ThWAT VII (1993) 718-722, 

718; Chr. Dohmen, Art. 2;35, ThWAT IV (1984) 45-54, 46. 

Vgl. syr. salwaj, arab. salwS. 

Vgl. HAL, 1241. Andere bringen es mit arab. salwä, das sowohl 

"Wachtel" als auch "Trost" bedeuten kann, in Verbindung, vgl. dazu P. 

Maiherger, Art. -h^, ThWAT VII (1993) 802-804, 802. Vgl. zur 

Wachtel auch G.R. Driver, Birds in the Old Testament II. Birds in Life, 

PEQ 87 (1955) 129-140, 132 und ders., Once again: Birds in the Bible, 

PEQ 90 (1958) 56-58, 57f. 



87 



93 
94 

95 
96 



270 Anhang 1 



9'^ Vgl. akk. selebiini) (AHW, 1210a; CAD S II, 268ff); Salonen, Jagd, 
202ff.262f; syr. ta'M, arab. ta'lab, tu'al, tu'äl. Zu (äußerst unsicheren) 
etymologischen Herleitungen vgl. M.J. Mulder, Art. bvity, ThWAT 
VII(1993) 1191-1199, 1192. 

9» Vgl. HAL, 1341. 

9^ Vgl. Murtonen, Lexicon, 432, s.v. S&L. 

'00 Vgl. HAL, 1346; HJ. Zobel, Art. -\W, ThWAT VII (1993) 1199- 
1205, 1200. 

'0' Vgl. HAL, 1355 und Botterweck, '"']% 407 (ebd. auch zum möglichen 
Zusammenhang mit ug. shlmmt). 

'°^ Vgl. HAL, 1357. Driver, Birds I, 13 Anm. 66 sieht einen Zusammen- 
hang des Wortes mit arab. sahufa "became thin, insubstantial, flimsy; 
was lean, emaciated" und schließt von daher auf die Langohreule, de- 
ren Körper sehr dünn sei. Andererseits könnte der hebräische Name 
auch onomatopoetisch zu deuten sein (vgl. dt. "Uhu"), so daß das arab. 
Verb vom Nomen abgeleitet wäre (vgl. ebd. Anm. 68). 

'°^ Vgl. HAL, 1416 und Driver, Birds I, 14: ".. the root seems to indicate 
some kind of bird that darts on to its prey" (vgl. hebr. hiSlik, arab. 
salakä). 
°'* So auch Murtonen, Lexicon, 433, s.v. SI{/). 

05 Vgl. HAL, 1507. 

06 Vgl. E.-J. Waschke, Art. f 12;, ThWAT VIII (1995) 472^75, 473. 
0^ Vgl. HAL, 1542. 

0* Vgl. akk. ta/n/, syr. tau/ 'ä ' und D. Kellermann / H. Ringgren, Art. 
ny'pin, ThWAT VIII (I995) 577-530, 577f. 

09 HÄL, 1567f. 

'0 Vgl. HAL, 1582. 

" VglaTzh.a^tuAasi?). 

'^ Vgl. akk. dallif, taJfJfu "Bock" (AHW, 165b; CAD D, 120; Landsber- 
ger, Fauna, 100); arab. ta/'y, syr. taßä. 

'^ Vgl. Maiberger, Art. lini;, 484. 

'4 Vgl. HAL, 1592. 

'5 Vgl. Murtonen, Lexicon, 443, s.v. TVS. 

'6 Vgl. HAL, 1619; Murtonen, Lexicon, 445, s.v. TI^N): Wanderwort. 

Vgl. auch Chr. Frevel, Art. ]n, ThWAT VIII (1995) 701-709, 702. 
11^ Vgl. HAL, 1624. Vgl. auch H. Mehr, Art. ^in, ThWAT VIII (1995) 
715-720, 715. 



Anhang 2: 

Glossar der hebräischen 
und aramäischen Tiemamen / Tierbezeichnungen 



Das Glossar enthält die im Alten Testament vorkommenden Tiemamen 
und Tierbezeichnungen. Ihnen werden jeweils die Übersetzungen nach Ge- 
senius I Buhl 1915, Köhler / Baumgartner 1967-1990 für die hebräischen 
Lexeme bzw. dies. 1958a für die aramäischen Lexeme gegenübergestellt, 
auch wenn die Übersetzung in vielen Fällen fraglich bleiben muß (zur Be- 
gründung s. Vorbemerkung zum Register der Tiemamen und Tierbezeich- 
nungen = unten S. 339-342). Benutzt wurden für diese Zusammenstellung 
femer O. Kramer I A. Walther, Deutsch-hebräischer und -aramäischer In- 
dex, in: Gesenius I Buhl 1915, 933-1013, L. Köhler, Deutsche Wortliste 
zum hebräischen (und aramäischen) Alten Testament, in: Köhler I Baum- 
gartner 1958b, 1147-1264 sowie die Übersichten bei: Socin 1903, 671- 
674 undFrehenILang 1982, 1752-1756. 

Socin 1903 unterteilt seine Übersicht folgendermaßen: a) Säugethiere, b) 
Vögel, c) Verschiedene andere Thiere. Dabei folgt er alphabetisch den 
deutschen Übersetzungen der Lutherbibel, denen er einige verbessemde 
Übersetzungsvorschläge gegenüberstellt, und neimt zusätzlich neben den 
hebräischen Bezeichnimgen die jeweiligen Übersetzimgen der Septuaginta 
und Vulgata. Die Liste bei Socin ist allerdings nicht vollständig, so daß in 
einigen Fällen auf die entsprechenden Artikel des Wörterbuches von Guthe 
zurückgegriffen werden mußte, die aber ebenfalls von Socin stammen. 
Frehen I Lang 1982 unterscheiden A) Säugetiere, B) Vögel, C) Glieder- 
füßler, D) Reptilien und E) Übrige Tiere. Die beigegebenen "griechischen 
Namen beziehen sich [hier] auf das NT, aber Hinweise auf die LXX sind 
hinzugefugt, um ihr Textverständnis und ihre Übersetzungsmethode zu 
zeigen" (ebd. 1752). 

Die bei Socin und Frehen I Lang enthaltenen Übersetzungen wurden eben- 
falls in das Glossar eingearbeitet, um so kurz und übersichtlich über die im 
Alten Testament belegten Tiemamen und ihre jeweilige (mögliche) Be- 
deutung zu informieren und einen raschen Überblick über die Diskussion 
zu bieten. Nähere Auskünfte sind den jeweiligen Wörterbuchartikeln zu 
entnehmen. 

Unreine Tiere sind, soweit sie in den Listen in Lev 11 und Dtn 14 erschei- 
nen, durch + gekennzeichnet (Ausnahmen: 373 und "li?3ö)- Ein Frage- 



272 Anhang 2 

zeichen markiert die Unsicherheit der jeweiligen Übersetzung; "cj." weist 
darauf hin, daß dem Lexem eine Konjektur zugrundehegt. Entsprechend 
dem Vorbild von Frehen /Lang 1982 verweisen beigefugte Bibelstellen 
auf Hapaxlegomena. 



Literatur: H. Frehen I B. Lang, Art. Tier, BL (M982) 1751-1757; W. Gesenius / F. Buhl, 
Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, Berlin / Göttingen / 
Leipzig 1962 (= "1915); L. Köhler I W. Baumgartner, Hebräisches und aramäisches Lexi- 
kon zum Alten Testament, Bd. 1-4, Leiden M 967-1 990; dies., Lexicon in veteris testamenti 
libros, Leiden 1958a; dies., Supplementum ad Lexicon in veteris testamenti libros, Leiden 
1958b; A. Socin, Art. Thiere der Bibel, in: H. Guthe (Hg.), Kurzes Bibelwörterbuch, Tübin- 
gen / Leipzig 1903, 670-674 



Glossar der hebräischen und aramäischen Tiernamen / Tierbezeichnungen 273 



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Anhang 3: 

Liste der im hebräischen und griechischen Alten Testament 
enthaltenen Tiemamen 



In der folgenden Tierliste sind alle im Alten Testament enthaltenen hebräi- 
schen und aramäischen Tiemamen alphabetisch zusammengestellt. Fol- 
gende Zeichen sind verwendet: 

* erschlossene Wortform. 

# unreines Tier, soweit es in den Listen in Lev 11 Dtn 14 erscheint (Aus- 
nahmen: 375, "i'iQn). 

? Das Fragezeichen markiert die Unsicherheit der jeweiligen Übersetzung. 
Den hebräischen Namen beigefugte Bibelstellen verweisen auf Hapaxle- 
gomena. 

Bei den im Alten Testament belegten Namen sind neben den hebräischen 
Bezeichnungen auch die von der LXX benutzten griechischen Äquivalente 
beigefugt, die sich nicht selten von den Bedeutungen der hebräischen Tier- 
namen unterscheiden. 

So übersetzt LXX das hebräische 10), konsequent mit ctetöq "Adler", ob- 
wohl das hebräische Wort an der Mehrzahl der Belegstellen "Geier" meint. 
In dieser Übersetzungspraxis spiegelt sich die griechisch-abendländische 
Hochschätzung des Adlers und die Verachtung des Geiers. Andere Tier- 
namen waren den Übersetzern der Septuaginta möglicherweise unbekannt. 
So geben diese das hebräische "IQT, das ursprünglich wohl eine Antilopen- 
oder Gazellenart bezeichnete, mit KcmvikonoLpdaXic, "Giraffe" wieder, 
obwohl die Giraffe in Palästina nicht heimisch war. Und für das hebräische 
\n "Schakal" findet sich an drei Stellen (Jer 9,10; Mi 1,8; Klgl 4,3) die 
Übersetzung SpdKcov, was zumindest in Jer 9,10 die Schilderung einer 
menschenfeindlichen, dämonisch-chaotischen Welt noch verstärkt. Mög- 
lich ist aber auch, daß LXX ]ri mit ]''3ri verwechselte. 
Für 2^17 in Hi 4,1 1 setzt die Septuaginta den Ameisenlöwen, und für 7 FI 2? 
in Hi 4,10 SpctKCöv, vermutlich weil eine ähnliche Vielzahl von Ausdrük- 
ken für den Löwen im Griechischen - anders als im Hebräischen - nicht 
vorhanden war und dennoch die Variationsbreite der hebräischen Vorlage 
bewahrt werden sollte. Für das hebräische Wort "^^^ "Klippschliefer" 
schließlich benutzt LXX drei verschiedene Äquivalente: SaauTioix; (Ha- 
se), xoipoyp6A,A,io<; (Stachelschwein?) und kayatöc, (Hase). Um die Grün- 
de für eine abweichende Wiedergabe oder eine interpretierende Umsetzung 



290 Anhangs 

der hebräischen Vorlage im einzelnen aufzuhellen, bedürfte es weiterer 
SpezialStudien. 

Die in Klammer angegebenen Zahlenangaben geben an, wie häufig die 
LXX ein bestimmtes griechisches Äquivalent für einen hebräischen Tier- 
namen gewählt hat. Nicht berücksichtigt sind bei diesen Zahlenangaben 
die nur griechisch überlieferten Schriften des Alten Testaments. 
In Klammem gesetzte griechische Bezeichnungen zeigen an, daß die LXX 
hier die hebräischen Tiemamen durch andere, nicht aus dem Tierreich 
stammende Ausdrücke wiedergegeben hat. 

Am Ende der Übersicht sind auch die nur in LXX enthaltenen Tiemamen, 
für die sich im Alten Testament kein hebräisches Äquivalent findet, ver- 
zeichnet. 

Für weitergehende Informationen zu den einzelnen Tierarten und Tiema- 
men sei auf die entsprechenden Artikel im Theologischen Wörterbuch zum 
Alten Testament, hg. von G.J. Botterweck und H. Ringgren, Stuttgart 
1973ff, verwiesen, die in der letzten Spalte dokumentiert werden. 



Literatur.- ABD VI, 1151-1159 (hebr. Tiemamen mit den akkadischen, ugaritischen, 
aramäisch-syrischen, äthiopischen und arabischen Äquivalenten). 



Liste der im hebräischen und griechischen Alten Testament enthaltenen Tiemamen 29 1 



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Liste der im hebräischen und griechischen Alten Testament enthaltenen Tiemamen 305 



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Anhang 4: 
Neutestamentliche Tiemamen 



In der folgenden Übersicht sind alle im Neuen Testament enthaltenen 
Tiemamen und -bezeichnungen aufgeführt. Neben den über 50 griechi- 
schen Bezeichnungen (Spalte 1) finden sich auch die deutschen Überset- 
zungen (Spalte 2) und die wichtigsten Belegstellen (Spalte 3). 
Auffällig ist, daß sich für manche Tierarten, z.B. Hund oder Schwein, meh- 
rere Begriffe finden. Während jedoch kucov die allgemeine Bezeichnung 
für Hunde darstellt, zugleich aber vor allem für die herrenlose Straßenhun- 
de steht, die von Abfallen leben, ist Kuvdpiov bzw. kuviSiov der Name 
für - unabhängig vom Alter - kleine Hunde oder Hündchen, die "als Haus- 
oder Stubenhunde im Haus leben" (von Lips 1988, 171; vgl. Mt 15,26f). 
Hund ist somit nicht gleich Hund. Auch bei den verschiedenen Worten für 
"Schwein" finden sich Bedeutungsunterschiede: "xoipoq bedeutet ebenso 
wie das 2 Petr 2,22 verwendete hq: 'Schwein' - aber doch mit deutlichem 
Unterschied. Das ältere und allgemeinere Wort für Schwein ist hq bzw. 
avq; dagegen bezeichnet xotpcx; primär das Ferkel, also das junge 
Schwein" (ebd. 172). Erst in späterer Zeit wird xoTpcx; das volkstümliche- 
re, und somit gebräuchlichere Wort für Schwein" (ebd.). Dieser Sachver- 
halt spiegelt sich auch im Neuen Testament: 2 Petr 2,22 ist die einzige 
Stelle, an der hq verwendet wird, sonst ist nur xoipcx; belegt (Mt 8,30-32; 
Lk 15,15f). Die unterschiedliche Verwendung der Worte ist wichtig für die 
Deutung der jeweiligen Stellen. Die Verwendung von xoTpcx; in Mt 7,6 
spricht nun dafür, daß hier von Hausschweinen die Rede ist. Auch bei 
anderen Tierbegriffen ist auf die unterschiedlichen Bedeutimgsnuancen zu 
achten. 

Weitergehende Informationen zu den einzelnen Tierarten finden sich im 
Theologischen Wörterbuch zum Neuen Testament, hg. von G. Kittel und 
G. Friedrich, Stuttgart 1933ff, und im Exegetischen Wörterbuch zum Neu- 
en Testament hg. von H. Balz und G. Schneider, Stuttgart ^1992. Die ent- 
sprechenden Artikel sind in Spalte 4 genannt; vgl.femer O. Keller, Die 
Antike Tierwelt I-II, Hildesheim 1963. 



Literatur: H. von Lips, Schweine futtert man, Hunde nicht - ein Versuch, das Rätsel von 
Matthäus 7,6 zu lösen, ZNW 79 (1988) 165-186 



Neutestamentliche Tiernamen 



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Literaturverzeichnis (mit Abkürzungen) 



Die Abkürzungen richten sich in der Regel nach S. Schwertner, Internationales Abkür- 
zungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete (lATG^), Berlin / New York ^1992; für 
die ägyptologische Literatur vgl. LA, für die assyriologische Literatur AHw und HKL^. 
Darüber hinaus oder abweichend davon werden folgende Abkürzungen verwendet: 



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-, Art. -\\^, ThWAT VII (1993) 1 199-1205 . 
van Zyl, A.H., I Samuel, deel II, Nijkerk 1989 



Abbildungsnachweis 



1 "Doch frage die Tiere, sie werden dich lehren". Tiere als Vorbilder und 
"Lehrer" des Menschen im Alten Testament 

Abb. 1: 0. Keel/Chr. Uehlinger / M. Küchler (Hg.), Orte und Landschaften der Bibel. Bd. 
1: Geographisch-geschichtliche Landeskunde, Göttingen 1984, Abb.93 

Abb. 2: /. Glatz, Tiemamen als Personennamen, in: 0. Keel/Th. Staubli (Hg.), "Im Schat- 
ten Deiner Flügel". Tiere in der Bibel und im alten Orient, Freiburg (Schweiz) 
2001,27-31,28 

Abb. 3: Th. Staubli, Tiere als Teil menschlicher Nahrung in der Bibel und im alten Orient, 
in: O. Keel/Th. Staubli (Hg.), "Im Schatten Deiner Flügel", Tiere in der Bibel und 
im Alten Orient, Freiburg (Schweiz) 2001, 46-57, 55 Abb. 42a.b 

Abb. 4: Calwer Bibellexikon, Stuttgart *1989, Sp. 1246 

Abb. 5: O. Keel u.a. (Hg.), Orte und Landschaften der Bibel Bd. 1, Abb. 71 



2 Im Spiegel der Tiere. Überlegungen zum Verhältnis von Mensch und 
Tier in der christlich-jüdischen Tradition 

Abb. 1: E.C.A. Riehm, Handwörterbuch des Biblischen Altertums für gebildete Bibelleser, 

hg. von F. Baethgen, , Bd. 1, Bielefeld ^1893, 660 
Abb. 2: O. Keel, Das Hohelied (ZBK.AT 18), Zürich 1986, Abb. 23 
Abb. 3: Ebd. Abb. 24 
Abb. 4: Ebd. Abb. 25 
Abb. 5: Ebd. Abb. 48 
Abb. 6: Ebd. Abb. 49 



4 David und der Floh. Tiere und Tiervergleiche in den Samuelbüchern 

Abb. 1:BHH III (1964) 809f 

Abb. 2: O. Keel, Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament. Am 
Beispiel der Psalmen, Neukirchen- Vluyn '1980, Abb. 429 

Abb. 3: Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreiches Bd. 12: Säugetiere 3, München 
1993,203 

Abb. 4: Chr. Uehlinger, Das Image der Großmächte. Altvorderasiatische Herrschaftsiko- 
nographie und Altes Testament. Assyrer, Perser, Israel, BiKi 40 (1985) 165-172, 
Abb. 18 

Abb. 5: Keel, Bildsymbolik, Abb. 360a 

Abb. 6: Keel, Bildsymbolik, Abb. 407 



338 Abbildungsnachweis 

5 Spinnennetz oder Mottengespinst? Zur Auslegung von Hi 27,18 

Abb. 1: G. Dalman, Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. II: Der Ackerbau, Gütersloh 1932, 

Abb. 14 
Abb. 2: Ebd. Abb. 13 

Abb. 3: K. von Frisch, Zehn kleine Hausgenossen, Stuttgart 1966, 85. 
Abb. 4: Ebd. 87 



8 Der Säugling am Loch der Kobra. Zum Tierfrieden im Alten Testament 

Abb. 1: iS". Schroer, In Israel gab es Bilder. Nachrichten von darstellender Kunst im Alten 
Testament (OBO 74), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1987, Abb. 34 

Abb. 2: O. Keel, Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament. Am 
Beispiel der Psalmen, Göttingen 'l996, Abb. 106 

Abb. 3: Ebd. Abb. 314 



10 Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

Abb. 1 : O. Keel / Chr. Uehlinger, Göttinnen, Götter und Gottessymbole. Neue Erkenntnisse 

zur Religionsgeschichte Kanaans und Israels aufgrund bislang unerschlossener iko- 

nographischer Quellen (QD 134), Freiburg 1992, Abb. 231a 
Abb. 2: Th. Staubli, Tiergeographie des antiken Palästina / Israel, in: in: O. Keel / Th. 

Staubli (Hg.), "Im Schatten Deiner Flügel", Tiere in der Bibel und im Alten Orient, 

Freiburg (Schweiz) 2001, 13-19, 17 Abb. Ib 
Abb. 3: O. Keel /Chr. Uehlinger / M. Küchler (Hg.), Orte und Landschaften der Bibel. Bd. 

1: Geographisch-geschichtliche Landeskunde, Göttingen 1984, Abb. 66 
Abb. 4: Ebd. Abb. 48 
Abb. 5: B. Janowski u.a., Gefährten und Feinde des Menschen. Das Tier in der Lebenswelt 

des alten Israel, Neukirchen- Vluyn 1993, Abb. S. 242 
Abb. 6: O. Keel, Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament. Am 

Beispiel der Psalmen, Göttingeh '1996, Abb. 59 
Abb. 7: O. Keel/ Chr. Uehlinger, Göttinnen, a.a.O., Abb. 142 
Abb. 8: O. Keel u.a., OLB 1, Abb. 79 
Abb. 9: O. Keel u.a., OLB 1, Abb. 76 
Abb. 10: O. Keel u.a., OLB 1, Abb. 64 



Register 
Tiemamen und Tierbezeichnungen 

Allgemeine Vorbemerkung 

Das Alte Testament enthält keine zoologische Systematik in der Einteilung 
der Tierarten. Die Beobachtung der Natur und charakteristische Kennzei- 
chen sind Grundlagen für die Klassifizierung und z.T. auch für die Benen- 
nung. So trägt z.B. das Steinhuhn wegen seines lauten und hohen Rufes 
'"Tschuck tschuck tschu tschuck tschukor', dem oft ein 'kakaba kakaba' 
folgt", den hebräischen Namen Xlp "Rufer" (Jer 17,11, vgl. Keel 1984, 
159). Das hebräische Wort für Schlange "^UV' könnte mit dem Wort für 
Kupfer, n^n3, zusammenhängen und so auf die metallisch glänzende Haut 
dieses Kriechtieres anspielen {Keel 1984, 163f, 164). Andere Schlangen- 
namen scheinen das Zischen der Schlangen nachzuahmen: nys^, "'iTDiS, 
Vm, ]1D''D?; {Keel 1984, 164). Und der Steinbock, der in den hohen, un- 
zugänglichen Bergen seine Heimat hat (Ps 104,18; Hi 39,1), heißt deshalb 
hv^* "Kletterer" (vgl. Keel 1984, 149f). Der Stier kann wegen seiner Stär- 
ke 1"'3K "Starker" (Ps 22,12) genannt werden und der Ziegenbock wegen 
seines Aussehens T'1?E^ "Haariger" (Lev 4,24 u.ö.). 

An diesen Beispielen, die sich leicht vermehren ließen, kann man erken- 
nen, daß die im Alten Testament verwendeten Tiemamen / Tierbezeich- 
nungen "nicht fachwissenschaftlich, sondern volkstümlich" sind {Frehen / 
Lang 1982, 1751); z. T. sind sie auch nicht ganz eindeutig. 
So meint z.B. bvw an manchen Stellen den Fuchs, an anderen den Scha- 
kal. Aufgrund der Ähnlichkeit der in Palästina vorkommenden Goldscha- 
kale und Rotfüchse dürften schon früh Verwechslungen vorgekommen sein 
(vgl. Keel 1984, 147). Diese Uneindeutigkeiten spiegeln sich natürlich 
auch in den deutschen Übersetzungen wider, die z.T. auf unzureichenden 
Keimtnissen der palästinischen Fauna beruhen. 

So wird "ltj^3 häufig mit "Adler" übersetzt; Adler sind jedoch im palä- 
stinischen Raum vermutlich kaum bekannt gewesen, während Geier (so die 
wahrscheinlichere Übersetzung von "It^J) im Alten Orient hochgeschätzte 
und wegen ihrer Schnelligkeit bewunderte Vögel waren, die als Aasvertil- 
ger (vgl. Spr 30,17; Hi 39,29f; Lev 11,13; Dtn 14,12) zudem die Funktion 
einer Gesundheitspolizei hatten (vgl. dazu Keel 1984, 154-157 mit Abb. 
82-84). Adler jedoch sind keine Aasvertilger, und auch das in den Texten 
beschriebene Aussehen des "ICJ^J (vgl. Mi 1,16) spricht eher für die Über- 



340 Register 

Setzung "Geier" (zum Problem vgl. auch Müller 1991, 195f mit Anm. 27- 
32; zur möglichen Deutung anderer Vogelbezeichnungen s. ebd. 197-201). 
Ähnlich mißverständlich ist die Übersetzung von ~\W mit "Ochse" (vgl. 
z.B. Dtn 25,4; Prov 14,4; 15,17; Jes 1,3 in der Lutherübersetzung), womit 
im Deutschen bekanntlich ein kastrierter Stier bezeichnet wird. Da in Israel 
die Kastration von Tieren verboten war (vgl. Lev 22,24), meint ~\'iü an den 
genannten Stellen den Stier oder allgemein das Rind. Auch die geringe 
Zahl von Textbelegen für manche Tierarten führt zu Unsicherheiten in der 
Identifikation und Übersetzung der entsprechenden Tiemamen; "außerdem 
ist mit schwankendem Sprachgebrauch zu rechnen" {Frehen /Lang 1982, 
1752). 

Um in der Frage der Identifikation bestimmter Tiere zu gesicherten Aussa- 
gen zu kommen, bedarf es lexikographischer SpezialStudien, wie sie z. B. 
R. Peter-Contesse für das Wortfeld ]XiJ (Kleinvieh) und ~\\p2 (Großvieh) 
vorgelegt hat. Dabei gelangt er zu folgendem Ergebnis: "IfpS ist Kollek- 
tivbegriff für Boviden, IW nomen unitatis für 'Rind', gleichgültig ob 
männlich oder weiblich, jung oder erwachsen" (Peter-Contesse 1992, 77; 
zu den verschiedenen Bezeichnungen für Rinder vgl. auch Koenen 1994). 
hlV bezeichnet das männliche, rnjy das weibliche Rind, "ID den Stier 
und ms die Kuh. 

T T 

Demgegenüber ist das semantische Feld von ]X2i folgendermaßen zu be- 
schreiben: ]i<ii ist Kollektivbegriff für Kleinvieh, n^ nomen unitatis. JV 
meint männliche oder weibliche Capriden, "'13 ein männliches Zicklein 
und nn? ein weibliches; der Ziegenbock heißt nniJ, TD^, "^^V'ü oder 
tyin, die Ziege n"l''17ty. E^35 (und andere Namen) stehen im Hebräischen 
für Oviden (männlich und weiblich), n'ptp und "IDK für das männliche 
Lamm (Jungschaf), h'','^, ~\'D1, '^31'' und "15 für den Widder und schließ- 
lich '^ö"} für das weibliche erwachsene Schaf (vgl. auch das Schaubild: 
Peter-Contesse 1992, 76, und ders., 1975). 

Die Vielfalt dieser Bezeichnungen weist auf das besondere Interesse hin, 
das Israel als viehzüchtendes Volk diesen Tieren - oft dem wichtigsten Be- 
sitz - entgegengebracht hat, aber auch auf "den intimen Umgang mit den 
konkreten Tieren, der einer abstrakt allgemeinen Terminologie im Wege 
steht" (Keel 1984, 109; zur interessegeleiteten Benennung der Tierarten 
vgl. auch Müller 1991, 194.196; zur Unterscheidung zwischen modemer 
und altorientalisch-antiker Klassifikation von Tieren ders., ebd. 189-194). 
Schließlich ist auf die Zufälligkeit der Überlieferung zu verweisen. Das 
Alte Testament bietet ja keine vollständige Liste der in Palästina bekannten 
Tierarten. So findet sich kein Begriff für "Katze", was erstaunt, wenn man 
sich die hohe Bedeutung von Katzen in der (volkstümlichen) Religion 
(Katzen als Symboltier von Göttinnen, z.B. der Bastet, katzengestaltige 



Tiernamen und Tierbezeichnungen 341 

Dämonen u.a.) und im Leben (Bekämpfung von Nagetieren und Schlan- 
gen, Jagd auf Wasservögel, Medizin) Ägyptens vor Augen fuhrt (vgl. dazu 
L. Stärk, Art. Katze, LA III [1980] 367-370 ). Und obwohl Elfenbein als 
wertvolles Material für die Ausschmückung von Gebäuden und Möbeln im 
alten Israel bekannt war (vgl. 1 Kön 10,18.22; Am 3,15; 6,4 und die Ge- 
genstände aus Elfenbein, die z.B. in Samaria gefunden wurden, vgl. dazu 
allgemein H. Weippert, Art. Elfenbein, BRL [^1977] 67-72), ist ein Name 
für den Elefanten im Alten Testament nicht überliefert. 
Für andere Tierarten - wie z.B. den Löwen - sind demgegenüber gleich 
mehrere Bezeichnungen belegt. "Hier erscheint eine ursprünglich kontur- 
schwache Bezeichnung wie ■" V/" / 'arje, deren semitische Isoglossen ver- 
schiedene große und gefährliche Tiere benennen, neben engeren Begriffen 
verschiedener Herkunft und z.T. altersspezifischer Bedeutung, was aber zu 
semantischen Überschneidungen führt" (Müller 1991, 197 Anm. 35). Und 
die verschiedenen Termini für "Heuschrecke" markieren möglicherweise 
"verschiedene Stadien der Heuschreckenmetamorphose", wobei n5"lN 
"als Speziesbezeichnung ... wohl die entwickelte Form" der Heuschrecke 
meint (Müller 1991, 196 mit Anm. 33; zur Problematik der Bezeichnungen 
für die Heuschrecke vgl. auch den guten Überblick bei H.W. Wolff, BK 
XIV/2, '1975, 30-32). 



Zum Register 

Für die Erstellung eines Tierregisters ergeben sich somit einige Schwierig- 
keiten: 

1 . Eine vollständige Liste der in Israel bekannten Tiere ist aus dem Alten 
Testament nicht zu erheben. 

2. Manche Übersetzungen von Tiemamen müssen unsicher bleiben, da die 
genaue Identifizierung auch aufgrund fehlender Forschungen (noch) nicht 
möglich ist. Die Polysemie vieler hebräischer Tiemamen führt dazu, daß 
diese u. U. in der "Zielsprache der Übersetzung" (Müller 1991, 195) ein 
größeres Bedeutungsspektrum haben und somit nicht nur mit einem deut- 
schen Äquivalent wiedergegeben werden können. Daher ist auch der Ver- 
such, Tier- und auch Pflanzennamen mit den Termini der modernen Zoolo- 
gie und Botanik zu versehen (so bei L. Köhler / W. Baumgartner, Supple- 
mentum ad Lexicon in Veteris Testamenti Libros, Leiden 1958, 119f und 
bei M. Zohary, Pflanzen der Bibel. Vollständiges Handbuch, Stuttgart 
'1986, passim und bes. 214ff) zumindest fragwürdig, solange man die alt- 



342 Register 

hebräischen und ahorientahschen Klassifikationskriterien nicht näher 
kennt (vgl. Müller 1991, 194). 

3. Aufgrund bestimmter Übersetzungstraditionen, die sich eingebürgert 
haben, ist mit Inkonsequenzen in der Übersetzung von Tiemamen auch in- 
nerhalb wissenschaftlicher Literatur zu rechnen (z.B. bei liü, s.o.), was 
sich auch auf die (deutsche) Erfassung der Tiemamen auswirkt. 

Im folgenden Register sind alle in diesem Band genannten Tiemamen und 
Tierbezeichnungen hebräisch und in (z.T. fraglicher) deutscher Überset- 
zung aufgenommen. Wo mehrere hebräische Bezeichnungen für eine Tier- 
art vorkommen, wie z.B. im Fall von "Löwe", werden alle Begriffe ge- 
nannt, die Verweise auf Belegstellen in diesem Band aber nicht näher spe- 
zifiziert. Auch die im Alten Testament erkennbare Einteilung der Tierarten 
in Wassertiere, Vögel, Kriechtiere, (wilde und zahme) Tiere auf dem Land / 
freien Feld, wurde - soweit darauf eingegangen wird - ins Register einge- 
arbeitet. 

Eine vollständige Zusammenstellung aller im Alten (und Neuen) Testa- 
ment vorkommenden Tiere findet sich bei Riede 2002. 



Literatur: H. Frehen / B. Lang, Art. Tier, in: H. Haag (Hg.), Bibellexikon, Zürich '1982, 
1751-1757; O. Keel, OLB I (1984) 100-181; K. Koenen, "... denn wie der Mensch jedes 
Tier nennt, so soll es heißen" (Gen 2,19). Zur Bezeichnung von Rindern im Alten Testa- 
ment, Bib. 75 (1994) 539-546; H.-P. Müller, Die Funktion divinatorischen Redens und die 
Tierbezeichnungen der Inschrift von Teil Deir Alls, in: J. Hoftijzer / G. van der Kooij (Ed.), 
The Balaam Text from Z?e/>-'y4/&re-evaluated. Proceedings of the International Symposium 
held at Leiden 21-24 August 1989, Leiden 1991, 185-205; R. Peter-Contesse, 12 et 1^ü■. 
note de lexicographie hebraique, VT 25 (1975) 486—496; ders., Quels animaux IsraSl of- 
frait-il en sacrifice? Etüde de lexicographie hebraique, in: A. Schenker (Hg.), Studien zu Op- 
fer und Kult im Alten Testament (FAT 3), Tübingen 1992, 67-77; P. Riede, Glossar der he- 
bräischen und aramäischen Tiemamen / Tierbezeichnungen (2002) = oben S. 271-288, 



Tiernamen und Tierbezeichnungen 



343 



1 . Tiemamen 



Aal 218" 

Adler OK?]) 7l".201.289.339f 
Affe(P]ip) 171.207.215.218 
Ameise (n*?«]) 6-9'''°.10f.l2^^'.13'l 
134^.216.214.233.249 

- Getreideameise 7 
Ameisenlöwe 134^.289 

Antilope (]t:''l, "non: ?, INn) 156. 

213.235.289 
-Kuhantilope 215^ 
Auerochse (DK-)) 213.215* 

Bär(2n) 36.38.55.72.82.105. 156f.l60. 
162.182""'°f.213.215.243.246.249 

- (Syrischer) Braunbär 30.172.215 

- Bärin (3n) 35''^l36.71. 155. 158.235. 

242.249 

- Angriffsverhalten des Bären 38 
Bartgeier (n;3T^?) 204 
Beerenwurm 52 

Behemot (niana) 170.177 

Biber 215* 

Biene (n-lian)4.13''.187.214.217.223 

- Bienenschwarm 1 97 
-Wildbiene 223 
Bienenfresser (fjlör?) 205"" 
Blutegel (nplb'j;) 214 

Bock/ Böcke (ninp, T'?^, -\-'V'ü, 
27":n) 60.189f.206.243 

- Böckchen / Böcklein C"!?) 63. 155f 

158.162.189.225.235 

- Leitbock (rnns?) 190 

Bremse (f l|'p) 214.217 ^ Rinder- 
bremse 

Chamäleon (n^K^jn) 202 
Chromis 239 

Damhirsch ("pi«, lit^n ?) 3.156.175. 
213.215* 

- Mesopotamischer Damhirsch 48. 1 78. 

235 
Dohle (nSj? ?) 50f 56 
Drache 18.162 
Dromedar 221 
Drossel nur?) 19.205 



Eidechse (aoh?, HS, ^^^'7, 3^, 
n^Kim) 12.174fl8'r'"'°.202.210. 
214.217 

Elefant (-) 170.207.341 

- Syrischer Elefant 30.213.215 
-Kriegselefant 213.243 
-Elfenbein 213.341 

Ente (-|3-)3 ?) 201 
Erdwurm llO" 

Esel (nian) 2.4.20f 36.54.57.60.6if' ^ 

63.93.98.103'*"*'"ll04^'"'. 
1 75""". 1 83 .22 1 .224.225f 233.242. 
243.244 

- Eselin (]inN) 21-23^''^ '°'""'.59^". 

103""*'.175.189'''".232 

- Eselshengst O'y, TS?) 175.183 
Eule (ns, f]12?]: ?, II 013 ?, nOE^jri) 2. 

50f56.122'.200^''^202.203^*°; ' 
205'''°°.2 14.234 

Falke (n;N ?; fj ?) 170^^203.214 
Feldgrille 7 
Feldmaus 179'° 

Fisch(e)0^, nj"!) 1.6^ll8*'.25.53*^ 
168*".21iy38-240.244 

- Meeresfische 239 
-Süßwasserfische 239 
Fledermaus (f]"???:?) 3.175f.213.217 
Fliege (313T) 187' 

Floh / Flöhe'(t:ri;-)S) 4.66-69'■■"'"''^ 

70.9r'^''.105!214.241 
Flußpferd (ninnS) 177**.215 
Frankolinhuhn 215* 
Frosch (y."n.15^) 217.234 
Fuchs ("py IE*) iz 13. 2 15. 234.244.339 

Gabelweihe (nKT / n;i ?) 204 

Gänsegeier 42 

Gans 03-)3?) 201 

Gazelle C3^, n;315, -|I?T ?) 3.40.48. 

70^*.71"^".l()5.i26''Vl56.181.213. 

215.235.237.241.249.289 

Gecko (ni?]«, nxa"?, rr-o/stj?) 9fi2f 

174fi8l'.188'.23'3 
Geier ("12?], OID, nn. ?) 3.42.70*^'. 
105.201.204.214.240.242.249.289. 



344 



Register 



339f -> Gänsegeier 

Gewürm (t:;?"l.,'['-|.2;,na-!) 6^153. 

127f.l94 
Giraffe 289 
Grille 187*'". 
Grüne Meerkatze 17l'° 

Habicht (f ] ?) 203 

Hai 176.240 

Hase (n53-lN) 184.213.214.218.219^''. 

289' ' ' 
Hengst (T-aX) 177*^' 
Heuschrecke (n?")«, 35, 213, ^313, 

□T3, 33n, ^'6ri, biin, pb:, 
D^hf;,h:ih'$) 9fiifi3*""li6. 

1 70.' 1 87. 1 94""^°'. 1 95f 1 97f 208.2 1 0. 
214.217.218.233.234.246.249.341 
-Heuschreckenraupe 198 

- Heuschreckenschwarm (1133) 5. 1 95 

- Wanderheuschrecke 11 . 1 94 
Hirsch ('p;K)48f 178*^.249 
-HindeCn"?;«) 48.71.105.241 

- Hirschkitz (ISV) 49 

- Hirschkuh (nS;«) 27'".241.242 
Hornisse (ny IS?) 214 
Homviper -^ Viper 

Homotter 32 ^ Otter 

Hühner 222 

-HahnClDC;, D":3nO-|''nT) 15fl7f 

186.2d6*'°'.233.244 
-Henne 15.244 
-Kampfhahn 15 
Hund (3'?3) 4.33f 35'"".38.57f ^67.72- 

103.105. 166.186f'".222.226.241. 

245.249.306 
-Haushund 33.80.245.306 
-Hirtenhund 222 

- Hund, toter (ni? 3'??) 67.72.85.87f 

90f'".97fl00flb3 

- Hunde, wilde / Wildhund (3"??) 

35.80.99.12l'.180.188.246 
-Hundskopf 72.75.92f '".95.101 
-Jagdhund 238 
-Kettenhund 82 
-Pariahund 90"^ 129.245.306 
-Wachhund 82 
-Windhund 15.206^°^207.236 
-Wolfshund 34 



Hundsaffe 93 

Hyäne CK, yi3^) 3.104.172f".213 

-Streifenhyäne 173 

Ibis(ninp) 17.205'°°.206.233 

Igeinsp) 179f.213 

Jungstier 155f 184.232^.235 -^ Kalb 

Kalb (Stierkalb: '^31; ; Kuhkalb: TibiV) 
27 jQ3i84i88jQ4i94,4g jg2.224' ■ 

Kamel ('^'O?) 57.59*".60'll03'". 

104'".218.219*".221. 222.226.243. 
244f 

- Kamelhengst (-133) 189 

- Kamelstute (n-1D3) 189*"" 

- Lastkamel 222 
Karpfen 239 

Katze (-) 57f67. 166.1 70. 186.340f 
Kauz / Käuzchen (013 ?) 50f 205 
Klippdachs (]DC7 1) 11-» Klippschliefer 
Klippschliefe/ (]9^ I) 9f 1 If 31f 192. 

210.213.218.229.233.289 
Kobra (]nS) 133. 142f 144.155.157.235 
Kranich (lliS ?) 200f 
Kriegspferd ^ Pferd, Roß 
Kröte 70 
Krokodil (]n1^b ?) 185f.214.21 5^.230. 

240 
Kuckuck (♦-1313?) 200f 
Kuh (n-)S, n^jy ) 57.103'""*ll45f 

155f.'l58.185. 186.232.235.340 
Kurzfußdrossel ("1139 ?) 207^'* 

Lamm (*Tfp{<, nbtp; junger Widder: 
tr33, 3K?3; junges Schaf: HSt??, 
n^3?) 6Öfl03'^''.104'".154.' 
155f.l57fI61f 190.235.241.243. 
245.246.340 

Leopard (laj) 155.156.158.160.173. 
213.235.240.242.246 

- Sinaileopard 2 1 5 

Leviatan (]n:i'?) 1 29" 1 70. 185.1 86 '"^ 

230 
Löwe(n) CIN, nn«, ''5'?. t^'"?. ^Ü0) 

3.14fl6.i26.30!32.36.37f".55. 

70.71*'''.72.101.105.130*^'.131. 

133f 135*". 136f 142.151. 153f 155. 

157fl59fl61fl64.190fl95f^"f. 



Tiernamen und Tierbezeichnungen 



345 



197.206.208.213f.215.229.230.234. 
235.236.241.242.246.249.289.341 

- afrikanischer Löwe 1 96 

- asiatischer Löwe 1 96 

-junger Löwe (Junglöwe / Jungleu: TIJ, 

-nn, T'S3) 31.38.39*^^134. 

155*^190f'^' 

-LöwinO?'?, N-'a'p, n'a'?) 134.191f 
,952.5 ' ' 

- Auge des Löwen 130f 

- Brüllen / Knurren des Löwen 38f 136 

- Maul des Löwen 72 

- Zähne des Löwen 130f 134.136 

Made(nran) 52fl27f.l32.150"".194 
Mauersegler (CO?) 199 
Maultier (Tj9; weibl.: rrn-lD) 62. 

103'^*.175.183.221.226'.249 
Maulwurf(n'?n;nw><?) 3.179.213. 

217 
Maus / Mäuse (-1305?) 4.105.213.217. 

234 
Meeresdrache 128f-^ Drache 
Meerkatze 207 
Motte (tr:ü; 09) 107-1 19.133.147- 

150'-'°'. 152.2 14.245 
-Kleidermotte 115-119 
-Pelzmotte 115-119 

- Tapetenmotte 1 1 5 
-Mottenhaus 138".147-149 
-Mottenlarve 117" 
-Mottenraupe 115-119.149.152 

Nilpferd (PiDna) 177.215^ ^ Fluß- 
pferd 

Ochse 0\W) 162.340 ^ Rind 
Onager (K-1.9) ^ Wildesel 
Otter 162 

Panther (-jQJ) 162 -> Leopard 
Pavian 93.17l'°.207.230" 
Pfau(Q"?n?) 207 
Pfeilschlange (TiEJp) 181f 
Pferd (010, C^IS) 2.19.32.36.57.85. 

104"'"\ 183^220.222.226.230.244. 

249 -> Roß 

- Pferdegespann (tj?-)) 179 



- Postpferd (K;?-].) 179 

- Stute (npiO) 183 

- Troßpferd (2?5n) 179 

Rabe(n) (3li;) 2.4.5.15.27.50f 'l201. 

214.234.250 
Rahab(3rn) 129".170.185.230 
Ratte (n'pn?)179'°.2 13 
Rebhuhn' (Nip) 70^' 
Regenpfeifer (nSJN ?) 203 
Reh 215^249 
Rehbock (man:?) 175 
Reiher (nDJK ?; m/On ?) 203.204.214 
Rind / Rinder (coli.: ")p3; poet.: ^l'pj?, 

']7^; einzelnes: "llt^; männliches: 

bjP; weibliches: r\biV) 2.20.54. 

57f59*".6r"'.62*'*.63.85. 



103 



184fl92 



.104"'"^126.146.155f 



158.161. 192f ^"'.218.221.224.226. 

228.233.235.243.340 
-Hausrind 193 

Rinderbremse (f"ljp) 185 -^ Bremse 
Roß (coli.: üp~\, = Gespann- und 

Wagenpferde) 19. 104'".206'''^220. 

246 ^ Pferd 
-Kampfroß 15 
Roter Milan (nsn ?) 207 
Rothirsch 215* 
Rotwild 172 

Sandviper (nVSV. ?) 139.143 

Sankt-Petersfisch 239 

Schaf (ni?; [junges] Schaf: n3K;3; 

nK?33 ; [junger] Widder:' 3C?3, 

t:;33) 2.43f.46.54.57f59f '163.72. 

103'*'""'.104""ri46.164.175".179. 

186.190.218.221.223.224.226.228. 

242.243.249.340 
- Mutterschaf (bnn) 4.46f" 
-Schafbock 189*'^'* 
Schakal CK I; 'Pü W) 28.49.12l'.122f 

124fl26.13ifl71^^188*'™.19l'*^ 

200.213.234.289.339 
-Goldschakal 345 
Schalentiere 218'^ 
Schildkröte 172 
Schlange (trnj, nüDK, 312?Dj;, V^^, 

''3i7Da, Tsp, ins, f]-!K?'. lis'st?, 



346 



Register 



]^?n, ]n:]'7) 4.13'l32.42.70.129**. 
133.139.i42f.144.151.156f.159f. 
161.168.170.174.180.18r'°°.186"'^ 
187.214.217.230.232.234.241f.244f 
246.341 -> Otter; Pfeilschlange; 
Sandotter; Viper 

- Landschlange 230 

- Meeresschlange 230 
-Schlangengift 13'*.142f 144.151 

- Biß der Schlange 42.157.174 

- Haut der Schlange 174 

- Zunge der Schlange 142f 
Schmetterling 115.117.149 
Schnecke (':"i'73K;) 180.214 
Schuppenechse 188 

Schwalbe (010 I, CO, [nilT 1?]) 199. 

205.214 
Schwein (T'Tn) 41.102'^°.186.219^^^ 

223.226.245.306 
-Ferkel 306 

- Hausschwein / domestiziertes Schwein 

41.57f223.306 
Seesardine 239 
Seraf 232 
Singvogel 217 
Skarabäus 13** 

Skorpion (31DJ;) 214.245.246 
Sperling (-liSS) 40.214.217.238 
Spinne (t:;''5?j;) 107-119.133.138-140. 

152.214 
-Spinngewebe 138-140 
-Spinnennetz 138-140 
Spitzmaus (niS-)Sn ?) 13*^179 
Stachelschwein '(isp ?) 180".289 
Stechfliegen 214 
Steinbock ("p^!;; ipN ?) 31f 105.178". 

181.192.213.229.241.339 
Steinhuhn (Kip) 4.66.68-70''^*. 105. 

2Q2+262 214.238.339 -^ Rebhuhn 
Stier nS;poet.:T'3N) 3.21.70^^ 

103'*''.144-146.156.172.177*'^ 

230.231.241.339.340 
Storch (m/On) 19.31. 192.204f214. 

229 
Strauß i*W1; n;V,'.ü HS; C]]"]) 2.28. 

112^'M24fi26.131f200'*^''^214. 

215^234 



Taube (nJV) 4.43f.45f.47.57. 199.205. 

223.232.238.241. 243.244.249f 
-Felsentaube 214 

- Haustaube 226 
Tiger 153 
Tintenfisch 218'^ 
Truthahn (D"?n?) 207^'' 
Turmschwalbe O'^iV ?) 19.207^'^214 
Turteltaube ("lin) 19,201.205.214.226 

Ungeziefer (3n;y) 195 
Uräusschlange 232 ^ Kobra 

Viper 133.139.142.155.235 
-ViperaXanthinaCJyS^?) 139.157 
-Vipemeier 139 
Vogel / Vögel OiS?) 1.6^1 18*'. 

25.31. 40.41.50f 58.90.104.141. 168. 

170.173".182.190.192.198.202. 

204f 207.214.216.229.241.243.249. 

271.341 
-Vogelnest 112 

Wachtel ob^) 214.238 

Wal 240 

Wendehals 207^'* 

Widder (S'-N, bnv, -|3) 3.60.177^" 

181.184.189.226.227.243.340 
Wiedehopf (nSOn?) 200f.214. 
Wildesel (Onager) (niir; N"1.D) 2.3. 

30fll2.125'''*ri26'^''^13ifl35. 

15l"'.152"ll56.183.213.215*.229. 

234.237.242.249 

- Syrischer Onager 3 1 . 1 25 
Wildhuhn (-lin?) 201"" 
Wildhund -> Hund 
Wildkatze 192 

Wildrind (GX")) 177^" ^ Auerochse 
Wildschwein Ö^'U) 41.213.215^.223. 

234 
Wildstier (DKl) 2.3.146.234.242.249 

-> Auerochse 
Wildziege 213 

Wisent (]W^1 ?) 176""" ^ Auerochse 
Wolf/ Wölfin (3XT) 32.80.104.155. 

156.157f.l60f.'l62.164.213.234.235. 

242.245.249 
Wurm/ Würmer (na'pin) 51f53f*^ 



Tiernamen und Tierbezeichnungen 



347 



126.127f'''.132.150"".180.194.195. 
214.217.234.241.246 
- Beerenwurm 52 

Ziege(n) (einzelnes Stück Kleinvieh; 
n^; Ziege: Tj;; weibl. Ziege: 
nyVW; männl. Ziege: T'i;») 
2.46f.5'4.57f.59f'l63.103"°.146. 
184*'^°.204.218.221.223.224.226. 



228.243.340 
-Bezoarziege 215* 

- Zicklein Cia, nn?) 186.340 

- Ziegenbock O^nj?] T'S:^, T'^E?, 

K;in) 3.14.1 6''™.46. 1 89* "^ 1 9'o. 
339.340 

- Ziegenböckchen Clll) 104 

- Ziegenherde 43f.46 



2. Tierbezeichnungen 



Aasfresser 42.104.219.238.250 
Amphibien 182*"' 
Arbeitstiere 20.57.216.224 

Boviden 209"l226.340 

Capriden 209"l214.226.340 

Erstgeburt (nb3)228 

Fische des Meeres (a;n n:"!, üjn ''H) 

24 
Flugtiere (f]iy) 182.202^'°.217.218 

Geflügelte Tiere -> Flugtiere 
Getier des Feldes -> Tiere des Feldes 
Greifvögel 11.170.203f 
Großvieh ppa) 57.59.60'll46.156. 
161.185.221.222 

Haustiere / domestizierte Tiere (non^) 
2.29.36.57f.59fl55fl60.164.' 
1 68■"^ 1 70f 208.2 16.22 1 .224.225. 
226.229.235.243.244.245 

Herde mjJ) 3. 16.37.46.50f 59f 72. 1 33. 
1 46.1 56. 158f 192^°'. 206.208.225. 
234.236.244 

Herdentiere 155f 158*".160 

Huftiere 235 

Insekten 12.134'.182*"^195.214.217. 
218.234 

Jungtier (]3) 63. 158.189f 191.225 



Kleinvieh / Kleinviehherde (]Ni5) 16. 

57.59f 61.72.85.105. 135.145f 156. 

161.209.221.222.223.245 
Kriechtiere (DOI, flC?) 4.25*"'.53. 

59".156.159.174.182*"'^.202.216. 

217.219.241 

Landtiere 25.168^.218.219.242 
Lasttiere (nOTJ^) 20.103.183.208.221. 
Leittiere 16.178.206.210 



Mastvieh 104"" 
Meerestiere 218" 
Muttertier 63.190f225 



Nagetiere 341 

Nutztiere 57.63.64". 103. 156.160.216. 
235.243 

Oviden 178.209"l226.340 

Paarzeher 218 

Raubtiere (H^Tn^n) 2.1 1.29.36.47. 

154.156f.r58*''^159f 161. 190.215. 

2 19.225f 234.242.244 
Raubvögel 70. 1 04. 1 73*".203*^*°.204. 

214.217 
Reittier(e) (non|) 22.103.183.208.221. 

222. 
Reptihen 25"'.271 



Säugetiere 11.170.182.195.216.217.271 
Stelzvögel 17 



348 



Register 



Steppentiere 31.126.132 
Stoßvogel 201 

Tiere auf den Bergen 28 

Tiere der Erde 182"^ 

Tiere des Feldes (f"!.f<n / n-lWn nüil) 

27.30.31.58.104.156.168.216 
Tiere des Landes (flNn n^H) 25.105. 

182"^217.218 
Tiere der Luft 25 . 1 05 . 1 68.242 
Tiere des Waldes nyrinin) 28 
Tiere des Wassers 25.182''^217.218 

Vieh (nana) 28'^'.31f.59f.6l"'.104'"'. 

133!l35.146.156.168.208.224f 
Vögel des Himmels (DiaB?n f]iü / 

DiD^-|iD:ä) 24.30f 104.210 



Wächtertiere 1 1 

Wassertiere -> Tiere des Wassers 

Wiederkäuer (nir'PS? 5) 218.219^" 

Wild 141.235.236 

Wildgetier des Feldes 28.50 

Wildtiere / Wilde Tiere Qll^ü n^U I 

n;n) 1.2.25"'.29.30f.58f.68.83. 

9d.l04.130.132.154f.l61f.l64.168. 

170.1 88. 190.224.226.228.234f. 236. 

244 
Wüstentiere (D"^) 31.122.124.126. 

128.192.200 
Wüstenvögel 50.200 

Zugtiere (non?) 57.103.221. 
Zugvögel ir*''.204.214.233.249 



Sachregister 



Abisai 98.102.103'" 

Abner 70^'.71.72.92f.94f.96.101 

Absalom 36.71.98.102 

Ackerbau 2 

Adam 163 

Agrarwirtschaft 58 

Alexander d. Gr. 243 

Amamabriefe 73.76.79.98f.l0l'" 

- Amamakorrespondenz 12^.73^' 

Amenemhet 84 

Amenophis IV. 79 

Angel 239 

Anthropologie 220 

Anthropozentrismus 211 

AntiochusIV. 243 

Antiordnung 122.132 

Anubis 123 

Aphrodite 44f 

apotropäisch 112 

Asahel 71.94.96.103'" 

Asarhaddon 75.83.84.126"' 

Assurbanipal 75.82**'. 121" 

Assyrer 30.234 

Astarte 44 

Audienz 86*"". 87.97. 106 

Aufstiegsgeschichte 68.100.103 

Auge 44^6.130.131 

Babel 188 

Babylonische Theodizee 135.151'" 

Bastet 340 

Bauer 60.61.144.152.156.161.165.208. 

224.234 
Benaja 71.236 
Bethel 231 

Bildad 138.140.145*°.148f' °' 
Bildsprache 54 
Bileam 21-24.232 
Botenvögel 44 
Brachjahr 63 
Briefstil 88 
Bürge / Bürgschaft 40 



Chaos /chaotisch 53^.121.128.129*^ . 
230.236.241 

- Chaoskampf(mythos) 129.130.230 

- Chaosmotivik 129" 

- Chaosungeheuer 1 29f 1 3 1 
-Chaoswasser 129" 
-Chaoswelt 122*''.234 
Chtonisch 126.219.234 
Christus 246 

Dämon / dämonisch 2.50. 121*"'. 126. 

131.132'^.188.192.199"^219.240. 

246.341 -> Wüstendämon 
-Bocksdämon 120.146^.234 

- Dämonengruppen 1 20 
-Todesdämon 124 
Dan 231 

David 36.66f".68f70*^^71f89f92f. 

94f96f98f' ".100fl02.104f236. 

241 
Demutsäußerung 78.80.99.100 
Diadochen 243 
Doeg 70^* 
Domestikation / domestiziert 58. 168. 

218.235 

Einsamkeit 51.53.56.131.166.200 

Elam 81.82*' 

Eliphas 134.138.145"'.150 

Elia 250 

Elisa 74 

Engedi 1 1 .66 

Engel (JHWHs) 22f 1 50. 1 54. 1 62f 

Ernte 7f 134 

Esau 236 

Eschbaal (Ischboscheth) 72.92.95f 

Falle 140.14l"'.151.241 
Fallgrube 192.135.236 
Fangnetz 140.238 
Fangstrick 141 
Faul / Faulheit 8f37f 



350 



Register 



Feind /Feindschaft 29.54.130.135. 150f. 

153.156f.159f.164.168.169.185.220. 

225f 236.238.241. 249 
-Feindklage 135".241 

- Feindpsalmen 1 3 6 
Femhandel 58.171.222 

Fischer /Fischfang 208.238-240.244 
Frevler 39'^63f Ulf 114.1 17.1 18'^ 

119.127.133fl35.136fl38.139f 

141.142fl44.145'''*'°.146fl48f 

15 If 24 1.249 
Freundesreden im Hiobbuch 122.133. 

137.139.142.144.151'". 152 

Gebetssprache 33.49 

Gebirge 122 

Gegenmenschliche Welt 2. 1 20. 1 22. 1 3 1 . 

135.143.192 
-Gegenwelt 130.132 
Genie 121 

Gerechter 39^^64.138.145. 147.149f 225 
Gerichtsmetaphorik 1 1 2 
Geschöpf 27.55f 168 ".177.228 
Goliath 72.89f 100.104 
Gott 

- Gott der Erhalter r'.26.28'". 

- Gott der Schöpfer r'.25f "l28'".30. 

56.150.210.230".233 

- Gottebenbildlichkeit 220 

- Gottesbeziehung (der Tiere) 26.27'^^. 

32.229.241 
-Gotteserkenntnis 19 

- Gottesfeme 53 
-Gottesherrschaft 63.169 

- Gottesmetaphorik 242 

- Gottesreden im Hiobbuch 121.1 29". 

137.229 
-Gottklage 122.131.133 

- Gottverlassenheit 53 
Gottloser 39^^110.118.119.140.141 
Grab 52.53^.123.126.127.128.194 
Grube 128.191.237 

Haar 43.46 

Händler 208 

Haremheb 79 

Harpune 239 

Hasael von Damaskus 78 



Haustierbezeichnungen 2 

Haut 49.123*^' 

Hebron 94 

Heldensagen 106 

Herodes 238 

Herr der Tiere 28'".229 

Himmel 25.42f 

Hiob 59.lll.124fl26fl28fl30.131f 

133f 135". 137.141. 144fl46fl48f 

151f.238 
Hiobbuch 120.135". 137.151 ^ 

Freundesreden; Gottesreden 
-Hiobdialoge 120.121.133.148.149 
Hirte 50.60.72.90.100.158f^°.165. 

193^"'.208.224.225 
Hiskia 199.232 

Hof, königlicher 39.86.97 -» König 
-Hofamt 86 
-Hofkreise 39" 
-Hofsprache 84.88.100 
-Hofstaat 85 
-Hofstil 95.100 
- Hofzeremoniell 74.76.84f 86.88.90. 

106 
Hoheslied 43^8.55.232 
Huldigung 86.91.100 
Huschai 71 

Ichklage 121.131.241 
Ironie / ironisch 37.69.105 
Isai 104 

Ischboscheth 92'" 
Ischtar 44.83.230 



Jagd /Jäger 40.69.135.140.141.234. 

235-238 
-Jagdbilder 141.151f 
- Jagdmethoden 236 
Jakob 236 
Jehu von Israel 77f 
Jerobeam I. 23 1 
Jerobeam II. 16f 
Jerusalem 36.239 
Jesus 28. 162f 244.245 
Joab 94f.96'^'".101.103'". 
Jonathan 70.92.94.96f 98.103'" 
Jordan 31.239f 



Sachregister 



351 



Keruben 232 

Klage 4.49.51. 125".126.128.137.199. 

241.250 -> Ichklage; Feindklage; 

Gottklage; Vergänglichkeitsklage 

- Klagelieder des einzelnen 1 5 1 .23 8 
-Klagepsalmen 27.56.241 
Klappnetz 41.141.238 

Knecht 72ff.76.88.91.97f.l01.106 
König / Königtum 9.11.13.16.38f". 

67.71. 72.73.75.81f.84f.86f.88.90f. 

92.96.98.99.100f. 102.106.135.192. 

206.2 1 0.234.236.240.24 1 .244.249 

- Gnade des Königs 39''".75.84.88.99 

- König als Hirte 105 

- König der Lüfte 42.240 

- König der Tiere 11.14f.l6.39.192.206. 

236.240.242 

- Königshof ^ Hof 
-Königskritik 13 
-Königspalast 9f.l3 
Königreich Gottes 1 62 
Körperbilder 124f 
Kosenamen 43 

Kosmos 18.20.42.121.229.230 
Krankheit / krank 124.127.142.199.234 
Krieg 13".15.30.32.58.59.71.92.104. 

209.219.222.236.244.246 
-Kriegsbilder 8fll.l2f 
Kultur- und Wanderwörter 1 7 1 

Lachis 74.80f 

- Lachisbriefe 76.88 

- Lachisostraka 74 
Landwirtschaft 37.61'" 
Lazarus 244 
Lebensordnung 9 

Lebensraum 11.25.154.192.209.212. 

216f 21 8.228 
Leiche 52""*'. 194.127 
Leichenklagelied 191 
Liebesboten 46.232.241.244.250 
Liebesgöttin 44f 
Liebessprache / -lyrik 33.43ff241 
Listenwissenschaft 6^^.233 

Magie, imitative 105 
Märchen 23^"'l 
Meer 25.42f.230.240 



Mensch-Tier- Verhältnis / -Beziehung 
1 .2.4.6.55*".64. 1 56. 1 67.208.247- 
250 

Menschenwürde 53.241 

Meribaal (Mephiboscheth) 72.96f' ". 
98.96'''''.100f 

Mescha 59 

Mitgeschöpf 25.54.64.211 

Nabal 60 

Namengebung 167f 169.211.220 
Natürliche Theologie 26.233 
Naturbeobachtung 6. 1 2". 1 3".42.65. 

136.165.214 
Naturgesetz 17.233 
Naturerkenntnis 10 
Naturkatastrophe 59.224 
Naturweisheit 6*^.233 -^ Weisheit 
Netz 141.151.236.238 
Neuschöpfung 161 ^ Schöpfung 
Nil 18''.239f 
Nimrod 236 
Ninive 50f219 
Nomade 58.59.113 

Onomatopoetisch 4. 1 87 "* '". 1 82' " . 

188'™ri98.199ff201.204^^". 

205.208'" 
Opfer 226-228 
-Opferritus 242 
Ordnung 126.134f233.236 -> 

Weltordnung 

Paradies 159fl62f 
Personennamen 76 -^ Tiemamen als 

Personennamen 
Pfeil 135 

- Pfeil und Bogen 236 
Proskynese79.82".84f87.88.90f'".97 

103.106 
Psalmensprache 135 

Rahab 185.230 
Recht 19.135.224 

- Haftungsrecht 225 
Rein / Reinheit 49.53.150 
Rizpa 92f 104 

Ruinen 2.50.122.125.132.205.219.234 



352 



Register 



Rundnetz 239 

Sabbat 62.209.225.227.240.245 

-Sabbatjahr 63 ".225 

-Sabbatruhe 224 

Salmanassar III. 77f 

Salomo 16.233 

Samaria 12''.200 

Sanherib 80f 

Sargon III. 84f 

Satan 162f.246 

Saul 66f".68f.70''^^72.89.90.92.94f. 

96f.98*'*^100.101. 104.105.241 
Schallwörter 198.200f 
Scheol 145 

Schimpfwort(e ) 4.75.102^'^° 
Schleppnetz 239 
Schleuder 236 
Schlinge 40.141 
Schöpfung 6.28.30f.32.43.161. 163.164. 

211f.216.220.233.245^ 

Neuschöpfung 

- Schöpfungsbericht 164.166.168.169 
-Schöpfungsfriede 164.245 

- Schöpfungspsalmen 30 

- Schöpfungstheologie 1 60 
-Schöpfungstexte 219 
Seefahrt 43 

See Genesareth 239.244 

Selbsterniedrigung / Selbstdemütigung 
73f76.88.95.97.106 -» Demuts- 
äußerung 

Selbstminderung(sriten) 123.125 

Sfire-Inschrift 122'" 

Simei 72.98f 101.102 

Simson I97''^^°.236 

Sinuhe 86 

Sirenen 124 

Sklave 76 

Sozialer Tod 51.54*^103.132 ^ Tod 

Sprichwort 134 

Sprüchebuch 6ff33ff55 

Stammessprüche 32.242 

Stellnetz 40 

Stellvertreterkampf 90 

Steppe 27. 125''". 126""". 13 1.1 32. 184. 
219 

Sühnelamm 29 



Sündenbock 29 
Sumpf 122 

Thot 17.206 

Thronfolgegeschichte 100.103 
Tiamat 129" 
Tiglatpileser III 82 
Tiere -> Register Tiemamen und 
Tierbezeichnungen 

- Herrschaft über die Tiere 220f 
-Opfertiere 221.226-228 
-Symboltier 230 

- Tierbezeichnungen 43. 1 97 

- Tierbilder / -vergleiche / -metaphem 3. 

20*'.33.44.54f65.68.70.105flI0. 
120.133. 142.147.241.242.248f 

- Tiere, reine und unreine 2.4.1 1.42.50. 

58.215f.218.238.243.249f 

- Tiere, sprechende 23*'°^ 

- Tiere, Theologie der 25.233 

- Tiere als Therapeuten 166 
-Tierfrieden 153-164.235 
-Tierlaute 186ff 

- Tiermetaphorik 131 

- Tiemamen, Bedeutung der 3f 167.168. 

169.170ff209f 21 1.216.339-342 

- Tiemamen als Personermamen 4f^". 

5^7 209+327 

- Tieropfer 226-228 
-Tierschutz 63^^ 

- Tiertaxonomie 216 

Tod 52.53".87f 98.103. 123. 126.150. 

220.234.246 ^ Sozialer Tod 
-Todesraum 51.56 
Tor /Torheit 7.35.36f 
Totenreich 128 
-Totenwelt 128 ^ Unterwelt 
Trauerbräuche 123.125 
Trauerritual 200 
Tun-Ergehen-Zusammenhang 111.133. 

15If 
Tyros 240 



Unrein / Unreinheit 33.50.51f 53.126f 
Untertan / Untergebener 13.39.73.75.77. 

86.88.91.92.99.100.106 
Unterwelt 56.132*" 



Sachregister 



353 



Vasall / Vasallität 77.84.101 

Vegetabilisch 220 

Vegetarisch 160 

Venus 44 

Vergänglichkeitsklage 126 

Viehzucht 2.59f.222 

Vogelfänger / Vogelfang / Vogeljagd 

41.141.236.238 
- Vogelsteller 40 



Welt, gegenmenschliche ^ gegen- 
menschliche Welt 
Weltordnung 18.20fl37 
- Ordnung JHWHs 1 9.26.205 
Wüste 2.49.56.58.122.124.125^" 
1 26*"'. 1 28. 162f 164. 180. 184.200. 
219.234 
-Wüstendämon 29.192. ^ Dämon 
Wurfnetz 239 



Wald 162 

Wanderwort 180'' 

Weiser / Weisheit 6.10.12f33.133. 

152"' 
-Weisheitslehren 13^' 

- Weisheitsliteratur 6ff 

- Weisheitliche Motivworte 7 



Zahn /Zähne 43.46.130.131.137 

Zahlenspruch 9.14.206 

Ziba 98 

Zoo 16 

Zophar 142. 145*°. 149'°' 

Zunge 142.144 



Stellenregister 



I. Altes Testament 



Gen 




23,10f 


63" 


Num 




1 


43.159.217 


23,11 


63.225 


21,4-9 


232 


l,20f 


217 


23,12 


62f.225 


22,21-34 


21f.24 


1,24-28 


160 


23,19b 


63.225 


22,22-35 


232 


1,24 


219 


23,29f 


30 


23,22 


231 


1,25 


156 


34,26 


63.225 


24,8 


231 


1,26-31 


160f 






29,6 


232 


1,26-30 


220 


Lev 








1,26.28 


25 


1,3 


226 


Dtn 




l,29f 


160.220 


1,14 


226 


4,16ff 


231 


2f 


163 


11 


216.218 


5,14 


63.225 


2 29.159.168.200. 


11,1^7 


218 


8,15 


232 




220 


11,3 


42 


11,5 


181 


2,7 


219 


11,5 


11 


14 


216.218 


2,7.19 


219 


11,7 


41.223 


14,2 


42 


2,19f 


160.220 


11,9-12 


215.218 


14,5 


175 


2,19 


168''.219 


11,10.23 


217 


14,7 


11 


2,20 


58.216 


ll,13b-19 


217 


14,8 


202f.223 


3,1-5 


23.02 


11,14 201.203f.207 


14,9f 


215.218 


3,14 


42 


11,16 


203 


14,13 


201.203f.207 


3,15 


160 


11,17 


205 


14,15 


203 


6,5 


160 


11,18 


50 


14,16 


202.205 


6,7 


216 


11,18.30 


202 


14,17 


50 


6,9-11 


219 


11,19 


200.202f 


14,18 


200 


6,llf 


160 


11,22 


196^'" 


14,19 


217 


8,8ff 


44 


11,29 


179.217 


14,21 


225 


9,1-3 


160 


11,30 


181.188 


22,6f 


63 ".190.225 


49,17 


32 


11,42 


217 


22,10 


62'^226 


49,24 


231 


14,21c 


63 


25,4 


62.224.246 


49,27 


32 


17,7 


121' 


28,38 


198 






17,11 


226 


32,17 


121« 


Ex 




18,23 


226 


32,24 


180f 


8 


195 


19,19 


226 


33,17 


3 


11,7 


33 


22,22 


226 






20,10 


209 


22,24 


226 


Jos 




20,20 


63 


22,27f 


225 


11,6.9 


220 


22,18 


226 


22,27 


63 






22,28f 


225 


22,28 


63 


Ri 




22,29 


63 


25,7 


225 


14,14 


196f220 


22,30 


226 


26,6 


154.235 


15,4ff 


220 


23,5 


62.225 


26,22 


234 







J Sam 




6 


232 


6,5 


105 


17,34f 


72.156 


17,43 


72.89f.l00. 




101 


17,44.46 


104 


22,19 


104 


24 


69 


24,3 


106 


24,15 


66-69.72. 




90-92.97.99f 


24,17 


106 


26,18 


9112. 


26,20 66.68-70"'^'.202 


27,19 


104 


2 Sam 




1,23 


70 


2,18 


48.71 


3 


94 


3,8 


72.92-96.100. 




101 


8,4 


220 


9,8 


72.96f.99f 


12,1-10 


61.104 


12,lff 


103f 


16 


98 


16,5-7 


lOOf 


16,9 


72.98f.l02 


17,8 


36.71.182 


17,10 


3.71 


19,25ff 


98 


21,10 


104 


22,34 


71 


23,20 


71f 



1 Kön 

5,3 175.201 

5,8 179 

5,13 6".25"l216. 
233 
6,23-28 232 

10,22 207.215 

12,26-33 231 

2 Kön 

8,13 74.102 



Stellenregister 


17,25 


30.234 


18,4 


232 


Jes 




l,2f 


20f86 88 


1,3 


233 


1,8 


113.119 


2,20 


179 


4,5f 


113 


11,6-9 


154.155-161. 




164 


11,6-10 


235 


11,6 


158'*.164 


13,21f 


234 


13,21 


12l'f.l22.192. 




199 


13,22 


121'.188 


14,9 


190 


14,11 


52.194 


14,23 


180 


14,29 


187 


27,1 


186"".239 


30,6 


143 


31,4f 


242 


32,9-14 


125" 


32,14 


234 


34,1 Off 


122 


34,11 


180.205 


34,12 


234 


34,14 


,216» 


34,15 


139.181f.203f 


35,6 


48 


35,9 


154 


38,14 


199f 


40,11 


190 


43,20 


28.230 


50,9 


150 


51,8 


150 


53,6f 


242 


53,7 


46f'l246 


56,10 


102 


59,4-6 


139 


59,5 


143 


59,11 


199 


60,6 


189 


65,25 


154.161.190. 




235 



355 



Jer 




2,23 


189 


4,13 


3 


5,6 


160 


8,6 


19f 


8,7 18f*'.20**.204f 




233 


9,10 


122.289 


10,22 


122 


11,19 


242.246 


12,9 


173 


13,23 


173 


17,11 


202 


46,20 


185 


46,22 


187 


48,6 


126^^ 


49,33 


122 


50,8 


190 


50,39 


121".122 


51,37 


122 


51,40 


242 


Ez 




19,1-4 


191 


29,3 


230 


32,2 


230 


34,10-12 


193^°' 


34,llf 


225 


34,25 


154.235 


Hos 




2,20 


219 


5,14 


242 


8,4b-6 


231 


10,5f 


231 


11,10 


242 


13,1-3 


231 


13,7f 


182.242 


Joel 




1.4 


197f 


1,20 


27.229 


Am 




5,19 


157.160.182 


Jona 




4,11 


219 



356 



Register 



Mi 




104,23 


37.125"' 


21,7-14 


144-147 


1,8 


200.289 


104,26 


230 


21,11 


133 


1,13 


179 


104,29f 


167 


21,26 


127.194 


7,17 


180f 


104,30 


219 


24,5 


125f 






106,37 


121^ 


24,20 


127.194 


Nah 




109,23 


12 


25,6 


53.127.150 


2,8 


199 


144,12-H 


\ 59 


26,12 


185.230 






144,14 


192f 


27 


149 


Zeph 




147,9 


27.229 


27,2-6 


111 


2,13f 


50f 


148,7-12 


28'^".230 


27,7-10 


111 


2,14 


180.234 






27,12-23 


Ulf 






Hi 




27,13ff 


148 


Such 




l,13ff 


147 


27,13-19 


147-149 


9,9ff 


244 


1,13-19 


59 


27,18 1 


107-119.133. 






1,14-19 


147 


147.149.152"' 


Mal 




3,11 


128 


28,7 


201.203 


3,11 


197f 


3,24 


137 


29,17 


137 






4,7-1 1 


134-137 


30,28-31 


123f 


Ps 




4,10f 


133.137.140. 


30,29 


124.132.200 


7,5 


139 




151.289 


30,31 


147 


8,6-9 


220 


4,12-21 


149f 


31,24 


138 


18,11 


232 


4,17-19 


150 


38ff 


229 


22,7-9 


51-54 


6,5 


126.132 


38,36 


17f.206.233 


22,7 


53 


7,5 


127.194 


38,39f 


137 


29,9 


186 


7,12 


128^*'. 131 


38,41 


27.229 


36,7 


27.229 


8,13-15 


138 


39,5-8 


3 


42,2 


27.22 


8,13 


140 


39,6 


112.152'" 


44,23 


242.246 


8,14 


107.110.112. 


39,13-19 


204^"' 


49,13.21 


220 


117f.133.138- 


39,13 


200 


50,1 Of 


28 


140.149.152'" 


39,26 


203 


50,10 


229 


10,16 


130.131.152 


39,27 


42 


58,5 


143 


11,12 


151'" 


39,29 


203 


58,9 


180 


12,7-11 


24-26.233 


40,15-24 


177 


74,10-12 


230 


12,7-9 


210f 


40,16-18 


177 


74,14 


176 


12,7f 


25 


40,25 ff 


185 


84,4 


112 


13,23-28 


150 


40,32; 41,2 186 


89,6-15 


230 


13,28 


150 






102,4-9 


49-51 


15,35 


139 


Spr 




102,7 


205 


16,9 


130.131.152 


6,1-5 


40f 


102,8 


51 


17,11-16 


127f 


6,6-8 


6.11.13.233 


104,10-23 


30-32 


17,13f 


128 


6,9-1 1 


8 


104,10-12 


229 


17,14f. 


128 


9,9 


7 


104,16-18 


192.229 


17,14 


194 


10,5 


937 


104,17 


112.205 


18 


151f 


11,22 


41.57.223 


104,18 


11 


18,7-10 


140-142 


12,10 


63f.225 


104,20-22 


229 


20,12-16 


142-144 


12,10b 


64 


104,21 


26.39.137. 


20,14.16 


133.151 


13,20 


6 




229 


21 


144-147.152 


17,12 


36.55 







Stellenregister 




357 


19,12 


38.39 


30,28 


174 


9,4 


101 


20,2 


38.39 


30,29-31 


14-16 






21,10 


64 


30,31 


16™.206 


Klgl 




22,13 


37f 


30,31b 


14« 


3,10 


242 


26,3 


36f 






4,3 


289 


26,11 


35^" 






4,8 


124^' 


26,17 


33f 


Hld 








27,23-27 


60f.216 


2,8f 


48f 


Est 




28,1 


3938 


2,9 


3 


8,10.14 


179 


28,15 


38 


2,14 


47 






30,17 


42 


4 


44.47 






30,18f 


42f 


4,lf 


43f 


Dan 




30,24-28 


9f.l 1.210. 


7,10 


182 


4,13.22f. 


220 




233 






5,21 


220 


30,25 


12" 


Koh 




7 


242 


30,27 


16^' 


3,19-21 


220 


8 


243 



II. Apokryphen und Pseudepigraphen 



grBar 




IMakk 


6,22 


58' 


6,34 
Sib 


syrBar 




III 787-795 


73 


245 




73,1.4.6 


162 


Sir 

IM 



7,22 
10,11 
11,3 
38,25 


13- 


216 

52 

''.120 

192f 


TestNaph 
8,4-6 




245 



213 



162 



53 



III. Neues Testament 

Mt 21,4-9 244 14,72 244 

4,18-22 244 23,24 245 15,26f 306 

4,19 244 23,37 244 16,15 163 

6,19f 245 16,18 245 

6,25-34 28'^* 

6,26 28'"'^^244 

7,6 306 

7,10 244 

8,30-32 306 

9,36 244 

10,16 244 

10,29.31 244 

15,26ff 245 

17,27 244 

19,24 245 14,66ff 244 



Mk 




l,10f 


244 


l,12f 


161-164.245 


1,13 


244 


1,17 


244 


5,1 ff 


245 


7,15 


243 


7,27 


245 


9,48 


246 



Lk 




10,3 


245 


10,19 


245 


12,33 


245 


13,15 


245 


13,32 


244 


14,5 


245 


15,15f 


245.306 


16,21 


245 



358 



Register 



Joh 




Phil 


10,lff 


244 


3,2 


Apg 




1 Tim 


10,15 


243 


5,18 


Rom 




Jak 


8,19-22 


245 


5,2 


8,19f 
1 Kor 


212 


IPetr 

2,12 



245 



246 



245 



246 



Jud 




10 


246 


Ofjh 




5,6 


246 


6 


246 


9,3-10 


246 


12,9.14f 


246 


13,2 


246 


22,15 


245' 



9,9 



246 



2,22 



245.306 



Wortregister 





1. Hebräisch 






12H 


134.136 


T'E?nni33 


170^^ 


013X 


20«^. 


I -)p3 pi. 


,9320, 


T'5N 


3".70^^177.210.339 


^I?3 


193'°'.340 


GIN 


168 


*n3-)3 


200 


um 


199 






*nj< 


199+232 


n3) 


1952.0 


i*''K 


121'.188 


n;? 


5.194f2io 


n^N 


201 


ni33 


14 


!':>■'}< 


3.100.177^".178.210 


13) 


70 


"^^x 


178 


'"!? 


340 


n'7»K/n'p»N 


71 


nn? 


340 


''" VSn 


158 


I3ia 


195.2.0 


i'ni':'^ 


178.192.210 


^313 


195+2.0 


ID'PN 


46« 


bl^i 


201"' 


iid'^n 


46" 


'ij 


13" 


1^1 '^K 


193 


-n: 


157 


in*?^ 


178.192 


nia 


191.196"'= 


üip'?^; 


14^'. 


i-na 


191.196'" 


-im 


340 


m 


196.197f 


iniMi 


199 


13 


158 


f]]« 


202f 






n?3^? 


203 


nxn 


204.207 


pjN 


188 


HN^ 


204.207 


II ^i"?;^ 


188 


3^/3iT 


181 


npDS 


139.143.187,339 


33n 


181 


*nhDS 


190.20r"' 


I nniST 


187 


ipN 




D:n-'3"i 


217 


naiN 


194.196.l97f.341 


ns-'STn 


200 


""IN 


196^'^ 


nn. 


204 


innx 


70.19r'^'.I96"^'^f 


I ](W'l 


176 


nanx 


184 


151 


340 


linN 


175 


nim 


205 






ni 


7.42. 


^^Üii 


58.168'''ll77.185.216 


FTq- 


176 


nioni 


177 






"ii?i3 


J9320. 


'??f<n 


196f 


nu3 


139 


nan 


199 


1^3 


20'°. 






n^^a 


190 


mnr 


187 


n^3 


107f.l 12.1 17.118^* 


"IIT 


206^°^ 


nD3 


189 


^nt 


170^1180 


n-iD3 


175=°. 189 


T'qT 


170"" 


ü'pa 


144 


*"10T 


181.289 


n33 


108.112 


♦T-nt 


206 



360 



Register 



II -nr 



206" 



"^an 


141 


3jn 


196 


mn bist. 


74.90f.97 


Ttn 


186 


n;n 


168 


ri?<n n:n 


24"".218 


n-i'i?n n'ii 


168".218 


n'pn 


3".179 


i-iian/-ibn 


175.187 


apfi 


181 


oan 


205 


non 


175 


man 


175 


130 


140 


T-on 


204 


"TPn 


204 


'7'pn 


196.197f. 


'ponhif. 


198 


nsn 


179 


*n-iD-)sn 


179 


n'-iri 


125 


'pnn 


196.198 


niö 


239 


mn'q. 


124f 


nna 


53'^ 


nina 


206f 


^'?9 


190.340 


DÜB 


41^'. 


^inQ 


137 


na 


137 


•73^ 


184 


yn^ 


j 9 20+86'" 


^aiV^a^ 


184.340 


inji'' 


199 


-iion" 


3.175 


P^: 


196.197f 


d: 


j 29+66f 


^litr]: / ^wy 


205 


l*'7V-' 


181.339 


*w: 


200^« 


nj^j'nna 


123'l200 


'*niJ?: 


186 


j«-!-- 


97.102 


m HT' hif. 


24^.07^ 


ÜT' 


22'«. 



'.2\' 



n'^22 


178.340 


II o'is 


50''.205 


nns 


134,136 


3^? 


67^.72-103.187 


n?3 3'P3 


76.97^'".98f.l02 


"n% 


134.136 


11 'pp? 


138 


-|"'S5 


137.156.19r'".192, 




196''^2I0"' 


n? 


181.340 


-nD 


181 


2k;3 


■^^^^ 


r]2'äi 


^n^3? 


„5^ 


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XoTpo<; 




306 



180. 



Nachweis der Erstveröffentlichungen 



"Doch frage die Tiere, sie werden dicli lehren". Tiere als Vorbilder 
und "Lehrer" des Menschen im Alten Testament 

B. Janowski I P. Riede, Die Zukunft der Tiere. Theologische, ethische und 
naturwissenschaftliche Perspektiven, Stuttgart 1999, 61-91; © Calwer Ver- 
lag, Stuttgart (überarbeitet und erweitert) 

Im Spiegel der Tiere. Überlegungen zum Verhältnis von Mensch und 
Tier in der christlich-jüdischen Tradition 

Lammfromm oder saudumm? Das Tier in unserer Kultur, Herrenalber Fo- 
rum 26 (2000) 9-41; © Evangelische Akademie, Karlsruhe (überarbeitet 
und erweitert) 

Der Gerechte kennt die Bedürfnisse seiner Tiere. Der Mensch und die 
Haustiere in der Sicht des Alten Testaments 

entschluß 52 (1997) Heft 3, 22.27-29; © Druck- und Verlagshaus Thaur, 
Thaur (überarbeitet und erweitert) 

David und der Floh. Tiere und Tiervergleiche in den Samuelbüchern 

BN 77 (1995) 86-117; © Bibhsche Notizen, München (geringfügig überar- 
beitet) 

Spinnennetz oder Mottengespinst? Zur Auslegung von Hi 27,18 

BN 1 10 (2001) 76-85; © Biblische Notizen, München 

"Ich bin ein Bruder der Schakale". Tiere als Exponenten der gegen- 
menschlichen Welt in der Bildsprache der Hiobdialoge 

A. Lange I H. Lichtenberger I K.F.D. Römheld (Hg.), Die Dämonen. Die 
Dämonologie der israelitisch-jüdischen und filihchristlichen Literatur im 
Kontext ihrer Umwelt - Demons. The Demonology of Israelite-Jewish and 
Early Christian Literatur in Context of Their Environment, Tübingen 2002, 
292-306; © Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 

"Wie ein Spinnenhaus ist sein Vertrauen". Tiere in der Bildsprache 
der Hiobdialoge. Teil II: Der Frevler und sein Geschick 

Unveröffentlicht 



3 64 Nachweis der Erstveröffentlichungen 

Der Säugling am Loch der Kobra. Zum Tierfrieden im Alten Testa- 
ment 

rhs 44 (2001) 352-358; © Patmos- Verlag, Düsseldorf (überarbeitet und er- 
weitert) 

"Denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen" 
Hebräische Tiernamen und was sie uns verraten 

UF 25 (1993) 331-367; © Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer / Neukir- 
chener Verlag, Neukirchen-Vluyn (überarbeitet und erweitert) 

Tiere im Alten und Neuen Testament - Ein Überblick 

NBL III (2001) 849-858; © Benziger Verlag, Düsseldorf / Zürich (überar- 
beitet und erweitert) 

Anhang 1 : 

Alphabetische Übersicht über die Ableitung und Klassifikation der 

hebräischen Tiernamen 

UF 25 (1993) 368-378; © Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer / Neukir- 
chener Verlag, Neukirchen-Vluyn (überarbeitet und erweitert) 

Anhang 2: 

Glossar der hebräischen und aramäischen Tiernamen / Tierbezeich- 
nungen 

B. Janowski I U. Neumann-Gorolke I U. Gleßmer (Hg.), Gefährten und 
Feinde des Menschen. Das Tier in der Lebenswelt des alten Israel, Neukir- 
chen-Vluyn 1993, 361-376; © Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 

Anhang 3: 

Liste der im hebräischen und griechischen Alten Testament enthalte- 
nen Tiernamen 

NBL III (2001) 873 und Beilage A-F; © Benziger Verlag, Düsseldorf / Zü- 
rich 

Anhang 4: 

Liste der neutestamentlichen Tiernamen 

NBL III (2001) Beilage G-H; © Benziger Verlag, Düsseldorf/ Zürich 

Register Tiernamen und Tierbezeichnungen (Einleitung) 

B. Janowski I U. Neumann-Gorolke I U. Gleßmer (Hg.), Gefährten und 
Feinde des Menschen. Das Tier in der Lebenswelt des alten Israel, Neukir- 
chen-Vluyn 1993, 377-381; © Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 



ORBIS BIBLICUS ET ORIENTALIS - Lieferbare Titel 



Bd . 2 5/ 1 a MICHAEL LATTKE : Die Oden Salomos in ihrer Bedeutung für Neues Testament und 
Gnosis. Band Ja. Der syrische Text der Edition in Estrangela Faksimile des grie- 
chischen Papyrus Bodmer XI. 68 Seiten. 1980. 

Bd . 2 5/2 MICHAEL LATTKE : Die Oden Salomos in ihrer Bedeutung für Neues Testament und 
Gnosis. Band II. Vollständige Wortkonkordanz zur handschriftlichen, griechi- 
schen, koptischen, lateinischen und syrischen Überlieferung der Oden Salo- 
mos. Mit einem Faksimile des Kodex N. XVI-201 Seiten. 1979. 

Bd. 25/3 MICHAEL LATTKE: Die Oden Salomos in ihrer Bedeutung für Neues Testament und 
Gnosis. Band III. XXXIV-478 Seiten. 1986. 

Bd. 25/4 MICHAEL LATTKE: Die Oden Salomos in ihrer Bedeutung für Neues Testament und 
Gnosis. Band IV. XII-284 Seiten. 1998. 

Bd. 46 ERIK HORNUNG: Der ägyptische Mythos von der Himmelskuh. Eine Ätiologie 
des Unvollkommenen. Unter Mitarbeit von Andreas Brodbeck, Hermann 
Schlögl und Elisabeth Staehelin und mit einem Beitrag von Gerhard Fecht. 
XII-1 29 Seiten, 10 Abbildungen. 1991. Dritte Auflage. 

Bd. 50/1 DOMINIQUE BARTHELEMY: Critique textuelle de l' Anden Testament. 1. 
Josue, Juges, Ruth, Samuel, Rois, Chroniques, Esdras, Nehemie, Esther Rap- 
port final du Comite pour l'analyse textuelle de l'Ancien Testament hebreu ins- 
titue par l'Alliance Biblique Universelle, etabli en Cooperation avec Alexander R. 
Hülst t, Norbert Lohfink, William D. McHardy, H. Peter Rüger, coediteur, 
James A. Sanders, coediteur. 812 pages. 1982. 

Bd. 50/2 DOMINIQUE BARTHELEMY: Critique textuelle de l'Ancien Testament. 2. Isaie, 
Jeremie, Lamentations. Rapport final du Comite pour l'analyse textuelle de 
l'Ancien Testament hebreu institue par l'Alliance Biblique Universelle, etabli 
en Cooperation avec Alexander R. Hülst t, Norbert Lohfink, William D. 
McHardy, H. Peter Rüger, coediteur, James A. Sanders, coediteur 1112 pages 
1986. 

Bd. 50/3 DOMINIQUE BARTHELEMY: Critique textuelle de l'Ancien Testament Tome 3. 
Ezechiel, Daniel et les 12 Prophetes. Rapport final du Comite pour l'analyse 
textuelle de l'Ancien Testament hebreu institue par l'Alliance Biblique Uni- 
verselle, etabli en Cooperation avec Alexander R. Hülst t, Norbert Lohfink, 
William D. McHardy, H. Peter Rüger f, coediteur, James A. Sanders, coediteur 
1424 pages. 1992. 

Bd. 53 URS WINTER: Frau und Göttin. Exegetische und ikonographische Studien 
zum weiblichen Gottesbild im Alten Israel und in dessen Umwelt. XVIII-928 
Seiten, 520 Abbildungen.1983. 2. Auflage 1987. Mit einem Nachwort zur 2. 
Auflage. 

Bd. 55 PETER FREI / KLAUS KOCH: Reichsidee und Reichsorganisation im Perserreich. 
352 Seiten, 17 Abbildungen. 1996. Zweite, bearbeitete und erweiterte Auflage. 

Bd. 67 OTHMAR KEEL / SILVIA SCHROER: Studien zu den Stempelsiegeln aus Paläs- 
tina/Israel. Band I. 115 Seiten, 103 Abbildungen. 1985. 



Bd. 7 1 HANS- PETER MATHYS: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Untersuchungen 
zum alttestamentlichen Gebot der Nächstenliebe (Lev 19,18). XII-204 Seiten. 
1986, 2. verbesserte Auflage 1990. 

Bd. 85 ECKART OTTO: Rechtsgeschichte der Redaktionen im Kodex Esnunna und im 
»Bundesbuch«. Eine redaktionsgeschichtliche und rechtsvergleichende Studie 
zu altbabylonischen und altisraelitischen Rechtsüberlieferungen. 220 Seiten. 
1989. 

Bd. 86 ANDRZEJ NIWINSKI: Studies on the lllustrated Theban Funerary Papyri ofthe 
llth and lOth Centurus B.C. 488 pages, 80 plates. 1989. 

Bd. 87 URSULA SEIDE: Die babylonischen Kudurru-Reliefs. Symbole mesopotamischer 
Gottheiten. 236 Seiten, 33 Tafeln und 2 Tabellen. 1989. 

Bd. 88 OTHMAR KEEL / HILDI KEEL-LEU / SILVIA SCHROER: Studien zu den 
Stempelsiegeln aus Palästina/Israel. Band II. 364 Seiten, 652 Abbildungen. 1989. 

Bd. 89 FRIEDRICH ABITZ; Baugeschichte und Dekoration des Grabes Ramses' VI. 
202 Seiten, 39 Abbildungen. 1989. 

Bd. 90 JOSEPH HENNINGER SVD: Arabica varia. Aufsätze zur Kulturgeschichte 
Arabiens und seiner Randgebiete. Contributions ä l'histoire culturelle de 
l'Arabie et de ses regions limitrophes. 504 pages. 1989. 

Bd. 91 GEORG FISCHER: 7a/?>a'e unser Gott. Sprache, Aufbau und Erzähltechnik in 
der Berufung des Mose (Ex. 3^). 276 Seiten. 1989. 

Bd. 92 MARK A. O'BRIEN: The Deuteronomistic History Hypothesis. A Reassessment. 

340 pages. 1989. 
Bd. 93 WALTER BEYERLIN: Reflexe der Amosvisionen im Jeremiabuch. 120 Seiten. 

1989. 

Bd. 94 ENZO CORTESE:/»/»« 13-21 . Ein priesterschriftlicher Abschnitt im deute- 
ronomistischen Geschichtswerk. 136 Seiten. 1990. 

Bd. 96 ANDRE WIESE: Zum Bild des Königs auf ägyptischen Siegelamuletten. 264 Seiten 
mit zahlreichen Abbildungen im Text und 32 Tafeln. 1990. 

Bd. 97 WOLFGANG ZWICKEL: Räucherkult und Räuchergeräte. Exegetische und 
archäologische Studien zum Räucheropfer im Alten Testament. 372 Seiten. 
Mit zahlreichen Abbildungen im Text. 1990. 

Bd. 98 AARON SCHART; Mose und Israel im Konflikt. Eine redaktionsgeschichtliche 
Studie zu den Wüstenerzählungen. 296 Seiten. 1990. 

Bd. 99 THOMAS RÖMER: Israels Väter. Untersuchungen zur Väterthematik im 
Deuteronomium und in der deuteronomistischen Tradition. 664 Seiten. 1990. 

Bd. 100 OTHMAR KEEL / MENAKHEM SHUVAL / CHRISTOPH UEHLINGER: 
Studien zu den Stempelsiegeln aus Palästina I Israel Band III. Die Frühe Eisenzeit. 
Ein Workshop. XIV-456 Seiten. Mit zahlreichen Abbildungen im Text und 
22 Tafeln. 1990. 

Bd. 101 CHRISTOPH UEHLINGER: "■Weltreich und «eine Rede». Eine neue Deutung 
der sogenannten Turmbauerzählung (Gen 1 1,1-9). XVI-654 Seiten. 1990. 



Bd. 


104 


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HO 


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111 


Bd. 


112 



Bd. 103 ADRIAN SCHENKER: Text und Sinn m Alten Testament. Textgeschichtliche 
und bibeltheologische Studien. VIII-312 Seiten. 1991. 

DANIEL BODI: The Book ofEzekiel and the Poem ofErra. IV-332 pages. 1991. 

YUICHI OSUMI: Die Kompositionsgeschichte des Bundesbuches Exodus 
20,22h-23,55- XII-284 Seiten. 1991. 

RUDOLF WERNER: Kleine Einführung ins Hieroglyphen-Luwische. XII-112 
Seiten. 1991. 

THOMAS STAUBLI: Das Image der Nomaden im Alten Israel und in der Ikonogra- 
phie seiner sesshaften Nachbarn. XII-408 Seiten. 145 Abb. und 3 Falttafeln 
1991. 

MOSHE ANBAR: Les tribus amurrites de Mari. VIII-256 pages. 1991. 

GERARD J. NORTON / STEPHEN PISANO (eds.): Tradition of the Text. Stu- 
dies offered to Dominique Barthelemy in Celebration of his 70th Birthday. 336 
pages. 1991. 

HILDI KEEL-LEU: Vorderasiatische Stempelsiegel. Die Sammlung des Biblischen 
Instituts der Universität Freiburg Schweiz. 180 Seiten. 24 Tafeln. 1991. 

NORBERT LOHFINK: Die Väter Israels im Deuteronomium. Mit einer Stellung- 
nahme von Thomas Römer. 152 Seiten. 1991. 

EDMUND HERMSEN: Die zwei Wege des Jenseits. Das altägyptische Zweiwe- 
gebuch und seine Topographie. XII-282 Seiten, 1 mehrfarbige und 19 
Schwarz-Weiss-Abbildungen. 

Bd. 1 1 3 CHARLES MAYSTRE: Les grands pretres de Ptah de Memphis. XIV^74 pages, 2 
planches. 1992. 

Bd. 1 14 THOMAS SCHNEIDER: Asiatische Personennamen in ägyptischen Quellen des 
Neuen Reiches. 480 Seiten. 1992. 

Bd. 115 ECKHARD VON NORDHEIM: Die Selbstbehauptung Israels in der Welt des 
Alten Orients. Religionsgeschichtlicher Vergleich anhand von Gen 15/22/28, 
dem Aufenthalt Israels in Ägypten, 2 Sam 7, 1 Kon 19 und Psalm 104. 240 Sei- 
ten. 1992. 

Bd. 116 DONALD M. MATTHEWS: The Kassite Glyptic of Nippur 208 pages, 210 
figures. 1992. 

Bd. 1 17 FIONA V. RICHARDS: Scarab Seals from a Middle to Late Bronze Age Tomb at 
Pella in Jordan. XII-152 pages, löplates. 1992. 

Bd. 118 YOHANAN GOLDMAN: Prophetie et royauteau retour de l'exil. Les origines lit- 
teraires de la forme massoretique du livre de Jeremie. XIV-270 pages. 1992. 

Bd. 119 THOMAS M. KRAPF: Die Priesterschrift und die vorexilische Zeit. Yehezkel 
Kaufmanns vernachlässigter Beitrag zur Geschichte der biblischen Religion. 
XX-364 Seiten. 1992. 

Bd. 120 MIRIAM UCHTHEIM: Maat in Egyptian Autobiographies and Related Studies. 
236pages, Splates. 1992. 

Bd. 121 ULRICH HÜBNER: Spiele und Spielzeug im antiken Palästina. 256 Seiten. 58 
Abbildungen. 1992. 



Bd. 122 OTHMAR KEEL: Das Recht der Btlckr, gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur 
Methode der Interpretation altorientalischer Bilder. 332 Seiten, 286 Abbil- 
dungen. 1992. 

Bd. 123 WOLFGANG ZWICKEL (Hrsg.): Biblische Welten. Festschrift für Martin 
Metzger zu seinem 65. Geburtstag. 268 Seiten, 19 Abbildungen. 1993. 

Bd. 1 25 BENJAMIN SASS / CHRISTOPH UEHLINGER (eds.): Studies in the Iconogra- 
phy of Northwest Semitic Inscrtbed Seals. Proceedings of a Symposium held in Fri- 
bourg on April 17-20, 1991. 368 pages, 532 illustrations. 1993. 

Bd. 1 26 RÜDIGER BARTELMUS / THOMAS KRÜGER / HELMUT ÜTZSCHNEI- 
DER (Hrsg.): Konsequente Traditionsgeschichte. Festschrift für Klaus Baltzer zum 
65. Geburtstag. 418 Seiten. 1993. 

Bd. 127 ASKOLD I. IVANTCHIK: Les Cimmeriens au Proche-Orient. 336 pages. 1993. 

Bd. 128 JENS VOSS: Die Menora. Gestalt und Funktion des Leuchters im Tempel zu 
Jerusalem. 124 Seiten. 1993- 

Bd. 129 BERND JANOWSKI / KLAUS KOCH / GERNOT WILHELM (Hrsg.): 
Religionsgeschichtliche Beziehungen zwischen Kleinasien, Nordsyrien und dem Alten 
Testament. Internationales Symposion Hamburg 17.-21. März 1990. 572 Seiten. 
1993. 

Bd. 1 30 NILI SHUPAK: Where can Wisdom hefound? The Sage's Language in the Bible 
and in Ancient Egyptian Literature. XXXII-516 pages. 1993. 

Bd. 131 WALTER BURKERT / FRITZ STOLZ (Hrsg.): Hymnen der Alten Welt im 
Kulturvergleich. 134 Seiten. 1994. 

Bd. 132 HANS-PETER MATHYS: Dichter und Beter Theologen aus spätalttestamentli- 
cher Zeit. 392 Seiten. 1994. 

Bd. 1 33 REINHARD G. LEHMANN: Friedrich Delitzsch und der Babel-Bibel-Streit. All 
Seiten, 13 Tafeln. 1994. 

Bd. 135 OTHMAR KEEL: Studien zu den Stempelsiegeln aus Palästina/Israel. Band IV. Mit 
Registern zu den Bänden I-IV. XII-340 Seiten mit Abbildungen, 24 Seiten 
Tafeln. 1994. 

Bd. 1 36 HERMANN-JOSEF STIPP: Das masoretische und alexandrinische Sondergut des 
Jeremiabuches. Textgeschichtlicher Rang, Eigenarten, Triebkräfte. Vn-196 Sei- 
ten. 1994. 

Bd. 1 37 PETER ESCHWEILER: Bildzauber im alten Ägypten. Die Verwendung von Bil- 
dern und Gegenständen in magischen Handlungen nach den Texten des Mitt- 
leren und Neuen Reiches. X-380 Seiten, 28 Seiten Tafeln. 1994. 

Bd. 138 CHRISTIAN HERRMANN: Ägyptische Amulette aus Palästina/Israel. Mit 
einem Ausblick auf ihre Rezeption durch das Alte Testament. XXIV-1000 
Seiten, 70 Seiten Bildtafeln. 1994. 

Bd. 140 IZAK CORNELIUS: The Iconography ofthe Canaanite Gods Reshef and Ba'al. Late 
Bronze and Iron Age I Periods (c 1500-1000 BCE). XII-326 pages with illus- 
trations, 56plates. 1994. 

Bd. 141 JOACHIM FRIEDRICH QUACK: Die Lehren des Ani. Ein neuägyptischer 
Weisheitstext in seinem kulturellen Umfeld. X-344 Seiten, 2 Bildtafeln. 1994. 



Bd. 142 ORLY GOLDWASSER: From hon to Metaphor. Studies in the Semiotics of che 
Hieroglyphs. X-194pages. 1995. 

Bd. 143 KLAUS BIEBERSTEIN: Josua-Jordan-Jericho. Archäologie, Geschichte und 
Theologie der Landnahmeerzählungen Josua 1-6. XII-494 Seiten. 1995. 

Bd. 144 CHRISTL MAIER: Die «fremde Frau» in Proverhien 1-9. Eine exegetische und 
sozialgeschichtliche Studie. XII-304 Seiten. 1995. 

Bd. 145 HANS ULRICH STEYMANS: Deuterommium 28 und die ade zur Thronfolgerege- 
lung Asarhaddons. Segen und Fluch im Alten Orient und in Israel. XII^36 Sei- 
ten. 1995. 

Bd. 146 FRIEDRICH ABITZ: Pharao ab Gott in den U nterweltshüchem des Neuen Reiches. 
VIII-228 Seiten. 1995. 

Bd. 147 GILLES ROULIN: Le Livre de la Nuit. Une composition egyptienne de l'au-delä. I" 
partie: traduction et commentaire. XX-420 pages. II' partie: copie synoptique. 
X-169 pages, 21 planches. 1996. 

Bd. 148 MANUEL BACHMANN: Die strukturalistische Artefakt- und Kunstanalyse. 
Exposition der Grundlagen anhand der vorderorientalischen, ägyptischen und 
griechischen Kunst. 88 Seiten mit 40 Abbildungen. 1996. 

Bd. 150 ELISABETH STAEHELIN / BERTRAND JAEGER (Hrsg.): Agypten-Bilder. 
Akten des «Symposions zur Ägypten- Rezeption», Äugst bei Basel, vom 9-11 . 
September 1993. 384 Seiten Text, 108 Seiten mit Abbildungen. 1997. 

Bd. 1 5 1 DAVID A.WARBURTON: State and Economy in Ancient Egypt. Fiscal Vocabu- 
lary of the New Kingdom. 392 pages. 1996. 

Bd. 152 FRANQOIS ROSSIER SM: L'intercession entre les hommes dans la Bible hebratque. 
L'intercession entre les hommes aux origines de l'intercession aupres de Dieu. 
408 pages. 1996. 

Bd. 153 REINHARD GREGOR KRATZ / THOMAS KRÜGER (Hrsg.): Rezeption 
und Auslegung im Alten Testament und m seinem Umfeld. Ein Symposion aus Anlass 
des 60. Geburtstags von Odil Hannes Steck. 148 Seiten. 1997. 

Bd. 154 ERICH BOSSHARD-NEPUSTIL: Rezeptionen vonjesaja 1-39 im Zwölfprophe- 
tenhuch. Untersuchungen zur literarischen Verbindung von Prophetenbüchern 
in babylonischer und persischer Zeit. XIV-534 Seiten. 1997. 

Bd. 155 U.WdKMUCWXWmU: Moral Walues in Ancient Egypt. 136 pages. 1997. 

Bd. 156 ANDREAS WAGNER (Hrsg.): Studien zur hebräischen Grammatik. VlIl-212 
Seiten. 1997. 

Bd. 157 OLIVIER ARTUS: Etudes sur le livre des Nambres. Recit, Histoire et Loi en Nb 
13,1-20,13. X-310 pages. 1997. 

Bd. 1 58 DIETER BÖHLER: Die heilige Stadt in Esdras a und Esra-Nehemia. Zwei Kon- 
zeptionen der Wiederherstellung Israels. XlV-464 Seiten. 1997. 

Bd. 159 WOLFGANG OSWALD: Israel am Gottesberg. Eine Untersuchung zur Literar- 
geschichte der vorderen Sinaiperikope Ex 19-24 und deren historischem Hin- 
tergrund. X-300 Seiten. 1998. 



Bd. 160/1 JOSEF BAUER / ROBERT K. ENGLUND / MANFRED KREBERNIK: 
Mesopotamien: Späturuk-Zeit und Frühdynastische Zeit. Annäherungen 1 . Heraus- 
gegeben von Pascal Artinger und Markus Wäfler. 640 Seiten. 1998. 

Bd. 160/3 WALTHER SALLABERGER / AAGE WESTENHOLZ: Mesopotamien: Akka- 
de-Zeit und Ur lll-Zeil. Annäherungen 3. Herausgegeben von Pascal Artin- 
ger und Markus Wäfler. 424 Seiten. 1999. 

Bd. 161 MONIKA BERNETT / OTHMAR KEEL: Mond, Stier und Kult am Stadttor. 
Die Stele von Betsaida (et-Tell). 175 Seiten mit 121 Abbildungen. 1998. 

Bd. 162 ANGELIKA BERLEJUNG: Die Theologie der Bilder. Herstellung und Einwei- 
hung von Kultbildern in Mesopotamien und die alctestamentliche Bilderpole- 
mik. 1998. XII-560 Seiten. 1998. 

Bd. 163 SOPHIA K. BIETENHARD: Des Königs General. Die Heerführertraditionen 
in der vorstaatiichen und frühen staatlichen Zeit und die Joabgestalt in 2 Sam 
2-20; 1 Kön 1-2. 388 Seiten. 1998. 

Bd. 164 JOACHIM BRAUN: Die Musikkultur AltisraelslPalästinas. Studien zu archäo- 
logischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen. XII-372 Seiten, 288 
Abbildungen. 1999. 

Bd. 165 SOPHIE LAFONT: Femmes, Droit et Justice dans l'Antiquite Orientale. Contribu- 
tion ä l'etude du droit penal au Proche-Orient ancien. XVI-576 pages. 1999. 

Bd. 166 ESTHER FLUCKIGER-HAWKER: Umamma of Ur in Sumerian Literary Tra- 
dition. XVIII-426 pages, 25 plates. 1999. 

Bd. 167 JUTTA BOLLWEG: Vorderasiatische Wagentypen. Im Spiegel der Terracottaplas- 
tik bis zur Altbabylonischen Zeit. 160 Seiten und 68 Seiten Abbildungen. 
1999. 

Bd. 168 MARTIN ROSE: Rien de nouveau. Nouvelles approches du livre de Qoheleth. 
Avec une bibiiographie (1988-1998) elaboree par Beatrice Perregaux AUisson. 
648 pages. 1999. 

Bd. 169 MARTIN KLINGBEIL: Yahiveh Fighting from Heaven. God as Warrior and as 
God of Heaven in the Hebrew Psalter and Ancient Near Eastern Iconography. 
XII-374 pages. 1999. 

Bd. 170 BERND ULRICH SCHIPPER: Israel und Ägypten m der Königszeit. Die kultu- 
rellen Kontakte von Salomo bis zum Fall Jerusalems. 344 Seiten und 24 Seiten 
Abbildungen. 1999. 

Bd. 171 JEAN-DANIEL MACCHI: Israel et ses tribus selon Genese 49. 408 pages. 1999. 

Bd. 172 ADRIAN SCHENKER: Recht und Kult im Alten Testament. Achtzehn Studien. 
232 Seiten. 2000. 

Bd. 173 GABRIELE THEUER: Der Mondgott in den Religionen Syrien-Palästinas. Unter 
besonderer Berücksichtigung von KTU 1.24. XVI-658 Seiten und 11 Seiten 
Abbildungen. 2000. 

Bd. 174 CATHIE SPIESER: hes noms du Pharaon comme etres autonomes au Nouvel Empire. 
XII-304 pages et 108 pages d'illustrations. 2000. 



Bd. 175 CHRISTOPH UEHLINGER (ed.): Images as media - Sources for the cultural 
history of the Near Hast and the Eastern Mediterranean (Ist millennium BCE). 
Proceedings of an international Symposium held in Fribourg on November 25- 
29, 1997. XXXII-424 pages with 178 figures, 60 plates. 2000. 

Bd. 176 ALBERT DE PURY/THOMAS RÖMER (Hrsg.): Die sogenannte Thronfolge- 
geschkhte Davids. Neue Einsichten und Anfragen. 212 Seiten. 2000. 

Bd. 177 JÜRG EGGLER: Influences and Traditions Underlying the Vision of Daniel 7:2-14- 
The Research History from the End of the 19th Century to the Present. VIII- 
156 pages. 2000. 

Bd. 178 OTHMAR KEEL / URS STAUB: Hellenismus und Judentum. Vier Studien zu 
Daniel 7 und zur Religionsnot unter Antiochus IV. XII-164 Seiten. 2000. 

Bd. 179 YOHANAN GOLDMAN / CHRISTOPH UEHLINGER (eds.): La double 
transmission du texte hiblique. Etudes d'histoire du texte offertes en hommage ä 
Adrian Schenker. VI-130 pages. 2001. 

Bd. 180 UTA ZWINGENBERGER: Dorfkultur der frühen Eisenzeit in Mittelpalästina. 
XX-612 Seiten. 2001. 

Bd. 181 HUBERT TITA: Gelübde als Bekenntnis. Eine Studie zu den Gelübden im Alten 
Testament. XVI-272 Seiten. 2001. 

Bd. 182 KATE BOSSE-GRIFFITHS: Amarna Studies, and other selected papers. Edited by 
J. Gwyn Griffiths. 264 pages. 2001. 

Bd. 183 TITUS REINMUTH: Der Bericht Nehemias. Zur literarischen Eigenart, tradi- 
tionsgeschichtlichen Prägung und innerbiblischen Rezeption des Ich-Berichts 
Nehemias. XIV--402 Seiten. 2002. 

Bd. 184 CHRISTIAN HERRMANN: Ägyptische Amulette aus Palästina/Israel II. XII- 
188 Seiten und 36 Seiten Abbildungen. 2002. 

Bd. 185 SILKE K-OTH: Gebieterin aller Länder. Die Rolle der königlichen Frauen in der fik- 
tiven und realen Aussenpolitik des ägyptischen Neuen Reiches. XII-184 Seiten. 
2002. 

Bd. 186 ULRICH HÜBNER / ERNST AXEL KNAUF (Hrsg.): Kein Land für sich allein. 
Studien zum Kulturkontakt in Kanaan, Israel/Palästina und Ebirnäri. Für 
Manfred Weippert zum 65. Geburtstag. VIII-352 Seiten. 2002 



Weitere Informationen zur Reihe OBO: www.unifr.ch/bif/obo/obo.html 



«Die 1973 gestartete Reihe Orbis Biblicus et Orientalis hat seitdem eine so beachtliche Zahl von 
wertvollen Studien zur biblischen, insbesondere alttestamentlichen Religion und ihrer altorientali- 
schen Umwelt veröffentlicht, wie sie international keine andere Reihe aufzuweisen hat. » 
Klaus Koch, Zeitschrift für Missions- und Religionswissenschaft, 2002. 



UNIVERSITÄTSVERLAG FREIBURG SCHWEIZ 
EDITIONS UNIVERSITAIRES FRIBOURG SUISSE 



ORBIS BIBLICUS ET ORIENTALIS, SERIES ARCHAEOLOGICA 



Bd. 1 JACQUES BRIEND / JEAN-BAPTISTE HUMBERT (Ed.): Teil Kasan 

(1971-1976), une cite phmidenne en Galilee. 392 pages, l42planches. 1980. 

Bd. 2 BERTRAND JAEGER: Essai de Classification et datation des scarahees Nienkheper- 

re. 455 pages avec 1007 iUustrations, 26 planches avec 443 figures. 1982. 

Bd. 3 RAPHAEL GIVEON: Egyptian Scarahsfrom Western Asiafrom the Collect tons oft he 

British Museum. 202 pages, 457 figures. 1985. 

Bd. 4 SEYYARE EICHLER / MARKUS WÄFLER: Tall al-Hamidiya 1. Vorbericht 

1984. 360 Seiten, 104 Tafeln, 4 Seiten Illustrationen, 4 Faltpläne, 1 vierfarbige 
Tafel. 1985. 

Bd. 5 CLAUDIA MÜLLER-WINKLER: Die ägyptischen Objekt-Amulette. Mit Publi- 

kation der Sammlung des Biblischen Instituts der Universität Freiburg 
Schweiz, ehemals Sammlung Fouad S. Matouk. 590 Seiten, 40 Tafeln. 1987. 

Bd. 6 SEYYARE EICHLER / MARKUS WÄFLER / DAVID WARBURTON: Tall al- 

Hamidiya 2. Symposium Recent Excavations in the Upper Khabur Region. 492 
Seiten, 20 Seiten Illustrationen, 2 Falttafeln, 1 vierfarbige Tafel. 1990. 

Bd. 7 HERMANN A. SCHLÖGL / ANDREAS BRODBECK: Ägyptische Totenfiguren 

aus öffentlichen und privaten Sammlungen der Schweiz. 356 Seiten mit 1041 Photos. 
1990. 

Bd. 8 DONALD M. MATTHEWS: Principles of composition in Near Eastem glyptic ofthe 

later second millennium B.C. 176 pages, 39 pages with drawings, 14 plates. 1990. 

Bd. 9 CLAUDE DOUMET Sceaux et cylindres ortentaux: la collect ion Chtha. Preface de 

Pierre Amiet. 220 pages, 24 pages d'illustrations. 1992. 

Bd . 1 OTHMAR KEEL: Corpus der Stempelsiegel-Amulette aus Palästina/Israel. Von den 
Anfängen bis zur Perserzeit. Einleitung. 376 Seiten mit 603 Abbildungen im 
Text. 1995. 

Bd. 1 1 BEATRICE TEISSIER: Egyptian Iconography on Syro-Palestinian Cylinder Seals of 
the Middle Bronze Age. XII-224 pages with numerous iUustrations, 5 plates. 
1996. 

Bd. 12 ANDRE B. WIESE: Die Anfänge der ägyptischen Stempelsiegel-Amulette. Eine 
typologische und religionsgeschichtliche Untersuchung zu den «Knopfsie- 
geln» und verwandten Objekten der 6. bis frühen 12. Dynastie. XXII-366 
Seiten mit 1426 Abbildungen. 1996. 

Bd. 13 OTHMAR KEEL: Corpus der Stempelsiegel-Amulette aus Palästina/Israel. Von den 
Anfängen bis zur Perserzeit. Katalog Band I. Von Teil Abu Farag bis 'Atlit. 
VIII-808 Seiten mit 375 Phototafeln. 1997. 

Bd. 14 PIERRE AMIET / JACQUES BRIEND / LILIANE COURTOIS / JEAN- 
BERNARD DUMORTIER: Teil el Ear'ah. Histoire, glyptique et ceramologie. 
100 pages. 1996. 



Bd. 15 DONALD M. MATTHEWS: The Early Glyptic ofTell Brak. Cylinder Seals of 
Third Millennium Syria. XIV-312 pages, 59 plates. 1997. 

Bd. 16 SHUA AMORAI-STARK: Wolfe Family Collection of Near Eastern Prehistoric 
Stamp Seals. 2 1 6 pages . 1 998 . 

Bd. 17 OLEG BERLEV / SVETLANA HODJASH: Catalogue of the Monuments of 
Ancient Egypt. From the Museums of the Russian Federation, Ukraine, Bielo- 
russia, Caucasus, Middle Asia and the Baltic States. XIV-336 pages, 208 
plates. 1998. 

Bd. 18 ASTRID NUNN: Der figürliche Motivschatz Phöniziens, Syriens und Trans Jorda- 
niens vom 6. hts zum 4. Jahrhundert v. Chr 280 Seiten und 92 Seiten Illustratio- 
nen. 2000. 

Bd. 19 ANDREA M. BIGNASCA: / kernai circolari in Oriente e in Occidente. Strumenti 
di culto e immagini cosmiche. XII-328 Seiten, Tafeln und Karten inbegriffen. 
2000. 

Bd. 20 DOMINIQUE BEYER: Emar IV. Les sceaux. Mission archeologique de 
Meskene'-Emar Recherches au pays d'Astata. XXII--496 pages, 66 Planches. 2001. 

Bd. 21 MARKUS WÄFLER: Tall al-Hamidlya 3. Zur historischen Geographie von 
Idamaras zu Zeit der Archive von Mari(2) und Subat-enlil/Sehnä. Mit Beiträgen 
von Jimmy Brignoni und Henning Paul. 304 Seiten. 14 Karten. 2001. 



UNIVERSITÄTSVERLAG FREIBURG SCHWEIZ 
EDITIONS UNIVERSITAIRES FRIBOURG SUISSE 



UV 

I UNIVEßSirAS 
■ FRI8URÜENSIS 



UNIVERSITÄT FREIBURG SCHWEIZ 
DEPARTEMENT FÜR BIBLISCHE STUDIEN 

Nachdem Sie das Diplom oder Lizentiat in Theologie, Bibelwissenschaft, Altertumskunde 
Palästinas/Israels, Vorderasiatischer Archäologie oder einen gleichwertigen Leistungsausweis 
erworben haben, ermöglicht Ihnen ein Studienjahr (Oktober - Juni), am Departement für 
Biblische Studien in Freiburg in der Schweiz ein 

Spezialisierungszeugnis 
BIBEL UND ARCHÄOLOGIE 

(Elemente der Feldarchäologie, Ikonographie, Epigraphik, 
Religionsgeschichte Palästinas/Israels) 

zu erwerben. 

Das Studienjahr wird in Verbindung mit dem Departement für Altertumswissenschaften und 

der Universität Bern (25 Min. Fahrzeit) organisiert. Es bietet Ihnen die Möglichkeit, 

"»• eine Auswahl einschlägiger Vorlesungen, Seminare und Übungen im Bereich «Bibel und 
Archäologie» bei Walter Dietrich, Ernst Axel Knauf, Max Küchler, Silvia Schroer und 
Christoph Uehlinger zu belegen; 

»»■ diese Veranstaltungen durch solche in Ägyptologie (Susanne Bickel, Freiburg), Vorder- 
asiatischer Archäologie (Markus Wäfler, Bern) und altorientalischer Philologie (Pascal 
Attinger, Esther Flückiger, beide Bern) oder frühchristlicher und byzantinischer Archäo- 
logie (Jean-Michel Spieser) zu ergänzen; 

<^ die einschlägigen Dokumentationen des Departements für Biblische Studien zur palästi- 
nisch-israelischen Miniaturkunst aus wissenschaftlichen Grabungen (Photos, Abdrücke, 
Kartei) und die zugehörigen Fachbibliotheken zu benutzen; 

■s- mit den großen Sammlungen «BIBEL+ORIENT» von über 10' 000 Originalen altorien- 
talischer Miniaturkunst (Rollsiegel, Skarabäen und andere Stempelsiegel, Amulette, Ter- 
rakotten, palästinische Keramik, Münzen usw.) zu arbeiten und sich eine eigene Doku- 
mentation (Abdrücke, Dias) anzulegen; 

IS- während der Sommerferien an einer Ausgrabung in Palästina/Israel teilzunehmen, wobei 
die Möglichkeit besteht, mindestens das Flugticket vergütet zu bekommen. 

Um das Spezialisierungszeugnis zu erhalten, müssen zwei benotete Jahresexamen abgelegt, 

zwei Seminarscheine erworben und eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit im Umfange 

eines Zeitschriftenartikels verfaßt werden. 

Interessentinnen und Interessenten wenden sich bitte an den Koordinator des Programms: 

PD Dr. Christoph Uehlinger 
Departement für Biblische Studien 

Universität, Mis6ricorde 

Avenue de l'Europe 20 
CH-1700 Freiburg / Schweiz 
Fax +41 - (0)26 - 300 9754 



TAI 

I UNIVERSITAS 
I FRIBUAGENStS 



UNIVERSITE DE FRIBOURG SUISSE 
DEPARTEMENT D'ETUDES BIBLIQUES 

Le Departement d'Etudes bibliques de l'Universite de Fribourg offre la possibilite d'acque- 



rir un 



certificat de specialisation en 

CRITIQUE TEXTUELLE ET HISTOIRE DU TEXTE 
ET DE L'EXEGESE DE L'ANCIEN TESTAMENT 

(Spezialisierungszeugnis «Textkritik und Geschichte des Textes 
und der Interpretation des Alten Testamentes») 

en une annee academique (octobre ä juin). Toutes les personnes ayant obtenu une licence 
en theologie ou un grade academique equivalent peuvent en beneficier, 

Cette annee d'etudes peut etre organisee 

«s- autour de la critique textuelle proprement dite (methodes, histoire du texte, Instruments 
de travail, edition critique de la Bible); 

«*■ autour des temoins principaux du texte biblique (texte masoretique et masore, textes 
bibliques de Qumran, Septante, traductions hexaplaires, Vulgate, Targoums) et leurs lan- 
gues (hebreu, arameen, grec, latin, syriaque, copte), enseignees en collaboration avec les 
chaires de patrologie et d'histoire ancienne, ou 

«s- autour de l'histoire de l'exegese juive (en hebreu et en judeo-arabe) et chretienne (en 
collaboration avec la patrologie et l'histoire de l'Eglise). 

Le Departement d'Etudes bibliques dispose d'une bibliotheque specialisee dans ces domai- 
nes. Les deux chercheurs consacres ä ces travaux sont Adrian Schenker et Yohanan Gold- 
man. 

Pour l'obtention du certificat, deux examens annuels, deux seminaires et un travail ecrit 
equivalent ä un article sont requis. Les personnes interessees peuvent obtenir des informa- 
tions supplementaires aupres du responsable du programme: 

Prof. Dr. Adrian Schenker 

Departement d'Etudes bibliques 

Universite, Misericorde 

Avenue de l'Europe 20 

CH- 1700 Fribourg /Suisse 

Fax +41 -(0)26-300 9754 



Zusammenfassung 

Lange Jahre wurde den biblischen Aussagen zum Verhältnis von 
Menschen und Tieren und vor allem den vielen Tierbildern und 
Tiervergleichen kaum Beachtung geschenkt. Man tat sie als bloße 
Illustrationen ab, ohne ihrer Eigenbedeutung, ihrer Struktur und 
ihrer Verankerung in der Lebenswelt des alten Israel Aufmerk- 
samkeit zu schenken. Dabei sind die Aussagen der Bibel über die 
Tierwelt und vor allem auch die vielen Tierbilder und metaphern 
nicht nur für die Ausarbeitung einer «biblischen Zoologie», 
sondern auch für die Rekonstruktion der alttestamentlichen 
Anthropologie von entscheidender Bedeutung. 
Der vorliegende Aufsatzband enthält zehn Arbeiten zur biblischen 
Tierwelt aus den letzten zehn Jahren. Während die ersten drei 
Aufsätze sich eher grundlegenden Fragen der Mensch-Tier- 
Beziehung im alten Israel zuwenden und hierbei vor allem 
weisheitliche Überlieferungen in den Blick nehmen, beziehen sich 
die Beiträge 4-8 exemplarisch auf drei Textbereiche des Alten 
Testaments: die Samuelbücher, die Hiobdialoge und die Über- 
lieferungen vom Tierfrieden. Der neunte Beitrag beschäftigt sich 
mit der Deutung und Bedeutung der hebräischen Tiernamen, wo 
gegen der zehnte die verschiedenen Ergebnisse zusammenfaßt und 
bündelt und darüber hinaus einen allgemeinen Überblick über die 
Tierwelt des Alten und Neuen Testaments bietet. Alle Aufsätze 
wurden im Vergleich zur jeweiligen Erstfassung z.T. stark erweitert 
und aktualisiert. 

Vier Anhänge bereichern den Band zusätzlich: Während der erste 
Anhang sich der Klassifikation und Ableitung der hebräischen Tier- 
namen zuwendet, dokumentiert der zweite verschiedene Über- 
setzungen ins Deutsche. Der dritte Anhang bietet zu allen 
hebräischen Tiernamen die Äquivalente der Septuaginta und führt 
darüber hinaus auch die nur im griechischen Alten Testament 
belegten Tiernamen auf. Der vierte Anhang schließlich verzeichnet 
die Tiernamen des Neuen Testaments. Ausführliche Register zu 
Tiernamen und -bezeichnungen, Sachbegriffen, Bibelstellen und 
hebräischen und griechischen Worten erschließen den Band. 



Summary 

Biblical Statements about the relationship between man and ani- 
mals and the numerous aminal imagery and metaphors have long 
been a neglected subject in biblical research. Scholars often took 
them as mere illustrations but did not recognize their special 
meaning, structure and roots in ancient Israel's every-day life. 
However, biblical Statements about animals, and particularly ani- 
ma! imagery and metaphors, are important not only for a biblical 
zoology, but also for Old Testament anthropology. 
This book includes ten essays written over the last ten years on the 
animal world of the Bible. The first three articies deal with funda- 
mental issues concerning the relationship between man and ani- 
mal in ancient Israel and investigate especially the wisdom tradi- 
tions. Essays four to eight refer to texts from the Old Testament: the 
books of Samuel, the dialogues in the book of Job, and the 
Tierfrieden traditions. The following essay turns to the Interpreta- 
tion and meaning of the Hebrew terms designating the animal 
species. The last articie summarizes the different aspects and pro- 
vides a synthesis on the animal world as represented in the Old 
and New Testament. All essays have been revised, enlarged and 
brought up to date. 

The volume also provides four appendices: While the first classi- 
fies Hebrew animal terminology and its linguistic derivation, the 
second lists different translations of these terms into German. The 
third appendix collects the Septuagint equivalents to all Hebrew 
animal terms and adds the terms that occur only in the Greek Old 
Testament. Appendix four finally lists the animal designations 
occurring in the New Testament. The volume's use is enhanced by 
detaiied indicesof animal names, subjects, biblical references and 
Hebrew and Greek terminology.